Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1921)
- Date
- 1921-02-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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: Seite 2. Neue Jüdische Presse.?su! Jorich’s KQnstlerspiele SobäfergaMe IS. 7 Uhr (früher Eldorado) 7 Uhr. Vornehmes Familien-Kabarett. i Kein Weinzwang. -- ~ frage ihrer Lösung näherzubringen. Die Mittel aber für dieses großzügige Werk mutz die Mische Gesamtheit selbst aufbringen. Unter den Organisationen welche zur Durchführung der jüdischen Kolonisation in Palästina berufen sind, steht an erster (Stelle der Jüdische Nationalfonds. Er hat bereits vor dem Kriege eine Anzahl blühender Farmen in Palästina geschaffen, er hat während des Krieges durch Schaffung von Notstandsarbeiten und durch Lieferung von Lebensmitteln aus seinen eigenen Farmen ganz wesentlich dazu beigetragen, daß das palästinensische Kolonisationswerk, trotzdem es zeitweilig von der- Welt abgeschnitten war, den Weltkrieg überdauern konnte. Der Nationalfonds ist also als erster zur Förderung der bereits begonnenen Massensiedlung berufen. Er kann aber feine Aufgabe, Grund und Boden in Palästina z-u erwerb en und' ihn jüdischen Ansiedlern in Erbpacht zu überlassen, nur dann erfüllen, wenn er den Anforderungen der' Gegenwart entsprechend, ganz erhebliche Mittel zur Verfügung hat. ' 'Das kommende Purim-Fest, das traditionelle Fest Den Schenkens, gibt nun jedem Juden Gelegenheit zu tatkräftiger Hilfe. Wem die Befreiung vieler Tausende seiner Brm>er am Herzen liegt, wird dies Fest nicht vorübergehen lassen, ohne den Nationalfonds in seiner segensreichen Arbeit durch eine großzügige Spende zu unterstützen. Ein Siedlungswerk von ungeahnter Größe und unter Bringungen, wie sie seit zweitausend Jahren dem Judentum zum ersten Mal wieder gegeben sind, soll errichtet werden — und der Nationalfonds ist es, der die Grundlage für dieses freie jüdische Gemeinwesen schaffen will. Der Erwerb großer zusammenhängender Bodenflächen ist eingeleitet, die Aufforstung des Landes hat mit der Anpflanzung von 2 Millionen Nutzhölzern bereits begonnen.' Versagt das Judentum an diesem historischen Wendepunkt seiner Geschichte, dann ist die größte Chance, die ihm während der ganzen Diaspora geboten wurde, verloren. Daher ist jeder Jude, unabhängig von irgendwelcher Parteirichtung, verantwortlich für das Gelingen, jeder hat die Heilige Pflicht, nach besten Kräften daran mitzuwirken. Gerade die letzten Wochen — wir erinnern an den Gemeindetag und an die Erklärungen der Führer des Verbandes der Jüd. Jugcndvereine — lassen hoffen, daß die deutsche Judenheit Herz und Hand dem. großen Werk öffnen wird. Aus dem bolschewistischen Rußland. Vom jüdische» Lebe» in Odessa. Im .Haarez" wirb von einigen jüdischen Qdessaer Flüchtlingen, die in Palästina angekommen sind, einiges über bas jüdische Leben in Odessa erzählt.. Darin heißt es: Das religiöse Interesse ist in der letzten Zeit in dem als freidenkend berüchtigten Odessa sehr g cM st regen. An den Sabbath- und Feiertagen sind die Synagogen überfüllt. Eine Gruppe treuer Zionisten bemüht üch, bas jüdische geistige Leben einigermaßen aufrechtzuerhalten. Alle in Odessa anwesenden hebräischen Schriftsteller arbeiten gemeinsam in einem' Zimmer, bas verhältnismäßig gut geheizt wirb. Bialik, Tschernrchowski, Drujanow, Rawnitzki, Minkowski u. a. arbeiten in diesem Zimmer. Große literarische Schätze sind dort angehäuft, die aber nicht veröffentlicht werben können. Bialik.beendet die vollständige llebersetzung der Werke von Heine ins Hebräische. Die große Bialiksche Druckerei „Moria" ist beschlagnahmt worden, die Matrizen vernichtet. Im Gebäude des Lehrerfemiyars und der Jeschiwah ist eine jüdische Schule untergebracht. Die hebräischen Schulen werden besonders von den jüdischen Kommissaren verfolgt, während die christlichen für die nationalen Bestrebungen mehr Verständnis haben." Erez Israel. Verschiedenes. Bei Jaffa wird ein großes Elektrizitätswerk errichtet, bas der Fluß Audscha in Bewegung Mldim aus der Krim eingewanderter Jude hat in Jerusalem eine Tintenfabrik errichtet. eellin, Thon und Ben Zwi, das Präsidium üdischen Nationalrates, wurden von Sir Herbert Samuel in längerer Audienz empfangen. Samuel empfing auch den Arzt Dr. Barczi, der ihn für die Errichtung jüdischer Atütterberatuiigsflellen und Säuglingsfürsorge interessierte. Diabetiker werden wieder beliefert durch Bademanns 3fährinlf£elfal*rik Frankfurt a. HL-Weet. Niederlage Goethestr. 80. Man verlange Preisliste. : ' \ ' ” Deutsches Reich. Nichts gelernt »ud nichts vergeffr». Die liberalen Repräsentanten der Berliner jüb. Gemeinde.gaben folgende Erklärung ab: „Die liberale Fraktion hält die gemeinsame Erziehung der Kinder aller Konzessionen in gemeinschaftlichen Schulen für bas Erstrebenswerte. Sie geht dabei von der Voraussetzung aus, daß auch jüdische Lehrer in genügender Zahl an solchen Schulen zur Anstellung gelangen, und daß auf die religiöse» Bedürfnisse der jüdischen Kinder hinreichend Rücksicht genommen wird. Sie hält die Beratung des Antrags zur Schaffung jüdischerVoltsschulen erst dann für angebracht, wenn die preußische Schulgesetzgebung die Durchführung dieser Grundsätze unmöglich machen sollte." Ferner faßte der in Liegnitz abgehaltene De legierten tag der Jüd. Liberalen Jugendvereine eine Resolution gegen die Errichtung jüdischer Schulen und gegen die Unterstützung neu gegründeter Privatschulen. Tie Frage der Erhaltung des Judentums scheint in de» Erwägungen dieser Herren keinen Raum zu haben. Das Eintrete» der dentMen Judenheit für den Paläftina-Anfban. Zwei bedeutsame Kundgebungen aus den Kreisen außerhalb der Zionistischen Organisation sind zu verzeichnen: Im Liberalen Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen ^Gemeinde in Berlin führte Rabbiner Baeck in einem sehr beifällig aufgenommenen Bortrage aus, daß das gesamte Judentum an der Errichtung des neuen Palästina Mitarbeiten müsse. Das jüdische Palästina sei eine Tatsache, auch wenn alle deutschen Juden ihre Mitarbeit versagten. Die 600 000 Juden Deutschlands könnten sich nicht unter den 10 Millionen Jude» der Welt ansschließen. Rabbiner Baeck erwartet in Palästina auch eine geistige Verjüngung und Blüte des Judentums. Mit größerer Berechtigung und Autorität würde» von Palästina aus jüdische Gedanken der Welt verkündet werden könne». In einer großen Versammlung des Grotzbecliner Jüd. Jügendbundes trat Dr. Alfred Apfel, der Vorsitzende des Verbandes der Jüd. Jugendvereine, niit Wärme für die Beteiligung der deutschen Judenheit an dem Aufbau eines jüdischen Palästina ein. Dentsch-Vesterreich. Der Streik der jüdische» ReliglonSlehrer. Wien. Zum Streik der jüdischen Religionslehrer schreibt die „Arbeiter-Ztq.".- Der Unistand, daß der Kultusvorstand es ruhig zuläßt, daß der jüdische Unterricht sieben Wochen und länger ruht, beweise, wie wenig diesem Vorstand am Religionsunterricht gelegen ist, und rcchtsertige, seinen Vertreter aus der Schulaufsichtsbehörde zu entferneu. Des weiteren haben die christlichen Konrmunallehrer den Sympathiestreik angekündigt. Nugar«. Der weiße Terror. Budapest. Der weiße Terror herrscht weiter. In Ceqleb wurden vorige Woche an neun Häusern von Juden Bomben zum Explodieren gebracht. Der jüdische Arzt Dr. B o td r wurde von einer - meuschlerischen Kugel niedergeschossen, Handel und Wandel wird den Juden verwehrt. In F e l e g y h a z a wurden zwei zum Einkauf in dem dortige» ersten Hotel abgestiegene jüdische Kaufleute von zwei Offizieren verschleppt. Sie dürften ermordet sein. Conditorei und Cafd Wilhelm Wendel Altegasse G Telefon Heese 1288. Frankfurter Brenten n. JBetmännclien. Pole«. Eine offizielle ErklSrnng. die wenig enthält. Bei seinem Aufenthalt in Paris sprachen, wie wir bereits berichteten, Salomon Reinach und Silvain Levy von der Alliance Jsraelite Uni- Verse lle bei dem polnischen Staatschef Pilsudskh vor. Wie der „Temps" berichtet, gab P i l s u d s k i folgende Erllärung an die Vertreter der Wliance ab:' „Polen hat vor allem dafür gesorgt, daß seine Verfassung sich mit den Prinzipien der Westmächte im Einklang befinde. Die Juden haben jetzt an allen bürgerlichen Rechten teil. Wenn der frühere Zustand Mißverständnisse zwischen verschiedenen Religionen und nationales Gruppen hervorrief, so wirb die Regierung mit gutem Willen sich bemühen, daß sie verschwinden; und die Entwicklung der demokratischen Ideen wird allmählich die nationale Vereinigung verwirklichen, welche wir alle wünschen, um den politischen, sozialen und wirtschaftlichen: Fortschritt Polens zu sichern." Wenn die Vertreter der Alliance mit diesen Worten befriedigt sein sollten, — die polnische Judenheit wird ■eS nicht sein, denn sie mutz Konkretes verlange». Nr. 8. Weltberübmt lind ' L. Fassbenders Kaiserstrasse 82. Rumänien. Das Wahlrecht drr Inden. Tic Bukvwinaer Zionistische Landesorganisation richtete an den Ministerpräsidenten General Averescu folgende Depesche: „Die Regierung legt soeben dem Parlament eine neuk Wahlreform vor. Nach dieser Vorlage sollen die Städte mit den umliegenden Landgemeinden zn Wahllreisen vereinigt werden. Hierdurch werden die Juden, welche hauptsächlich in den Städten wohnen, nicht einmal die Wahlzahl erreichen, um auch nur einen einzigen jüdischen Vertreter bei den allgemeinen Wahlen durchzusetzen. Wir Juden haben aber «in großes Interesse an einet unserer Zahl und Bedeutung angemessenen Vertretung. Wir wünsche» ein Wahlrecht nach nationalen Kurien, zumindest aber verlangen wir, daß die städtischen Wahlkreise von de» ländlichen gesondert werden. In der Ueberzeugung, datz die Regierung selbst wünscht, daß die Juden des Landes eine angemessene Vertretung in Sammet und Senat haben, geben wir bet Erwartung Ausdruck, daß die Regierung unserem Wunsche Rechnung tragen wird." Großbritannien. James Rothschild mit seiner Reife sehr zufrieden'. James Rothschild, der Sohn des Barons Edmond Rothschild, erklärte, daß er mit dem Erfolg seiner Reis« nach Amerika, die er als Mitglied des Wirtschaftliche» Beirates der Zionistischen Organisation irti Interesse bei Ausbaus Palästinas unternahm, sehr zufrieden sei. Knrze politische Nachrichten. Berlin. In einer Sitzung der hiesigen Studenie» Vertretung wurde mitgeteilt, daß die vorjährige Samm lunq zu Gunsten deutschösterreuhischer Studenten nui deutsch-arischen Studenten zugute kommen soll Jedenfalls wäre eS deutsch-arische Ehrlichkeit gewesen dieses bei der seinerzeitigen Saminlung bckanntzugeben — so besteht die große Wahrscheinlichkeit, datz auch, de die» Juden in der Nächstenliebe nicht nach, Rasse und Glauben fragen, jüdische Gelder dabei sind. Prag. Zu der j-tztvorgenommenen Bolkszählun hieß es in der Verfügung der Regierung: „Unter Nationalität ist die Stammeszugehörig keit zu verstehen, deren äußeres Hauptmerkmal in bo Regel die Muttersprache ist. Juden können die jüdische Nationalität anMren." New Work. Die hervorragende Sozialpolitiken Ltlian Wald dürfte im künftigen Kabinett einen M nisterposten erhalten. Ans der Misrachi-Bewegung. Amsterdam. Die Jahreskonferenz derhollä» dischen Zionisten nahm zu dem Anspruch des Mü rachi auf einen Dell der Keren Hajessod-Gelder die R« solution an, daß dieses Verlangen auf gerechten An fprüchen des traditionellen Judentums beruht. Wilna Hierund in Kowno sind MiSrachi Zentralbüros errichtet worden. Jerusalem. Das Misrachi-Lehrerfemina erhielt aus Amerika eine Depesche, datz der Joint ihm di für seine Schüler nachgesuchte Subvention gewährt. Montreal. Die Konferenz der Ziontstr Kanadas beschloß trotz der Opposition dr Misrachi, daß die Kanadische Zionistische Organisatio für Kanada die alleinige Vertretung der gü nistischen Organisation bilde. Perionntte» «. kleine Mitteilungen. Berlin. Am 16. März findet eine anßerorden! liche Generalversammlung der Gesellschal zur Förderung der Wissenschaft deS I» den tu ms jn der Aula der Hochschule für die Win« schaft des Judentums, Artilleriestraße 14, abends 8 Ut statt. Eine Einladung geht den Mitgliedern noch besond« zu, Königsberg. Der frühere Oberpräsibent von C Preußen, v. Batocki, erzählte in einer Versammlung, to Baurat Bernstein, der Sohn des Schriftstellers Davi Bernstein, ihm bereits 1915 das Projekt der Tanl vorführte, daß aber die matzqebenden militärischen I« stanzen kein Interesse zeigten. Danzig. Tausende jüdische Emigrant« aus Litauen und Weißrußland haben sich hier angesammel Neu eröffnet! *ii Cafe Schneider, Zeit 4 Konditorei feinster Backwaren. Spezialität: Pralinäm-