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Neue jüdische Presse · 1921-02-18 · Heft 7 (18.2.1921) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 7 (18.2.1921)
Date
1921-02-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Rr. 7. SRsue Mijche Prejje. Seite L. WW^> Jft Sti-SBIm Haus« dcr Kammarspiel* ■rr. *»r ' _- 4k Uhr-Tee» je 1.. Die antisemitischen Studentenverbindungen haben 'durch'diese Wahl 66 Sitze. : 'i BvVapeft. In der Vorkriegszeit gab es auch in dem ^demokratischen" Ungarn nur wenige jüdische Richter, und zum Avancement war die Taufe erforderlich. Die Horthy» , Mgterusig hat nunmehr auch mit diesen wenigen aufgeräumt Ütid "sie pensioniert. . Warschau.' (I. P- Z.) Das InnenMinisterium oersenbet an die Zeitungsredaktionen Ausschnitte a»is der.ameri!anischen jüdischen Presse über P o g.^o(mW. Ää.die Brrichte^chäusig ungenau und über» »rieben sind, .so dürfen, diesem neuartigen Verfahren der Regierung Absichten antijüdikcher Tendenz zu Grunde liegen. -Unter den Ausschnitten besindet sich auch eine Meldung 1 der Beteiligung des linken Flügels der Poale Zion an der 3. Internationale; wahrscheinlich soll mit diesem famosen Manövern wieder einmal auf die Beteiligung der Juden LN dem Bolschewismus hingewiesen werden. - . Nach -dem „Naier Häint" ist fast allen jüdischen Besitzern -von Wechselstuben in Warschau die Konzession ent- '-zögen worden. Und Ministerpräsident Witos erklärt, daß die Regierung alles tue, die Judenfrage zu regulieren! Lemberg. „Slowo Polskie" bringt einen Aufruf der Gesellschaft „Swoj do swego", der sich dagegen wendet, -Juden- Bestellungen zu geben. Der Aufruf schließt mit - folgenden Worten^ Man muß endlich aufhören, die jüdischen Taschen mit Millionen zu füllen und es den Juden ' dadurch zu ermöglichen, Hünderttausende -von jüdischen Emi- - greinten - aufzunehmen und so unsere Wirtschaftslage zu -verschlechtern. Parts. lJ- P. Z). Die „Alliance Jfraelite" -' hat-mit der-Herausgabe einer eigenen Monatsschrift „Paix et Droit" begonnen. Die erste Nummer enthält -Artikel über die Judenfrage in Polen, die Juden in Rumä- IbEThysseo Stets Eingang Neuheiten in Tapeten Läufer Vorlagen 20 Nene Malnzerstrasse 20 Bcke WeiaafrauenstraBae. :: Telefon: Hanaa 1784. die Judon in Ungarn, die.. _ . . „ ich und den Briefwechsel der Alliance mit dem idä.. Eh ajim Nah um., der frühere Obrrrabbiaer der Türkei, ist, um für die Orienttätigkeit der Alliance Jfraelite Universelle weitere Kreise zu interessieren, in Amerika eingetrosfen. Advokat Sliosberg ist aus dem Komitee der Jüd. Delegationen ausgetreten, da er dagegen ist, daß sich das Komitee zu einer Vertretung der Gesamtjudenheit umwandle. .In der Rechtskommission des Komitees bleibt Sliosberg. vtiandsodar Draeklntt-Aalagej BWartHh n. S. Telefon 123.! Unübertroffen« Tepplebreinfgng mittelst Druckluft. I Anmeldungen schriftlich: JÜd. Turn vorn in, Unturllndau 21. BUmiftiföe Rachrichtr«. Pari-. Die Jahreskonferenz der französisch e n Zionisten wurde von.Prof. Dr. Marmore! geleitet, der die Absetzung der Exekutive und Einsetzung einer Jnternnskommissiön, die schnellstens einen Kongreß vorbereiten solle, verlangte und energisch für den Keren Hajessod eintrat, über dessen Verwendung erst der Kongreß verfügen solle. Dr. Jacobsohn und Leo Motzk i n sprachen im gleichen Sinne. Personalien«. kleine Mitteilnnsen. Schmal»««. Am 28. Januar kehrte nach 6 jähriger Gefangenschaft in Ostsibirien Jakob Katz, Sohn des hiesigen Gemeindemitglieds Moses Katz, als letzter seines Ortes, in die Heimat zurück. Es war erhebend, mit welcher Feierlichkeit der Heimkehrende von den jüdischen und nichtjüdischen Bewohnern seines Heimatortes und der Umgebung empfangen 'wurde. Am Bahnhof waren erschienen der Bürgermeister sowie Vertreter verschiedener Vereine der Umgegend. -Ein Gemeindevertreter hielt eine rührende Begrüßungsansprache. Alsdann wurde der Heimkehrende mit Musik in einem Festzug durch eigens errichtete Ehrenpforten in das Elternhaus' geleitet. Auch in der Synagoge, wo der Heimkehrende SchabboS zum ersten Male seit langer Zeit wieder zur Thora aufgerufen wurde, waren Willkommentafeln mit sinnigen jiidischen Sprüchen angebracht. Auch der katholische Pfarrer erwähnte bei einer Ansprache das gute Verhältnis der Konfessionen am hiesigen Orte im Hinblick auf dieses Ereignis. Lazer». Die Deutsch-schweiz. Hilfsaktion für Ferienkinder hat der hiesigen Ferienkommission des Jsr. Hilfsfonds in der Schweiz neuerdings 60 060 Fr. zur Verfügung gestellt. Eduard Feist s.«. 1 I „Unsere Tage zu zählen, lehre uns, dann bringen wir ein Herz der Weisheit heim." Treffender als mit diesem Worte des 30. Psalms läßt sich der Inhalt des Lebens Eduard Feist's nicht zusammenfassen. Abgeschlossen liegt heute dieses Leben vor uns, ein Leben, in dem jeder Augenblick eiserner Pflichtersülluug gehörte, in dem jeder Tag bewußt gelebt, jeder Tag ein mit Bedacht gezählter war, wie man Kostbarkeiten zählt. Nur eine tief religiöse Natur kann so ihren Daseinszweck erfassen, indem sie jeden neuen Tag als ein Geschenk Gottes empfängt, — und eine tief, rengiöse Natur war Eduard Feist. Innige Liebe war nicht nur sein VerhäÜais zur Tradition unseres Judentums, sondern auch der unscheinbarste Brauch war ihm teuer. So fanden in ihm, dem alten Frankfurter, die Frankfurt eigenen Setten und Gebräuche ihren eifrigsten Verfechter und Hüter. Eine gigantische Arbeitskraft und unermüdliche Arbeitsfreude hat er auf einer der verantwortungsvollster» Stellen eines Welthausesseit 45 Jahren täglich bis in die späten Mendstuuden eine Fülle von Arbeit bewältigt, wie sie sonst das Arbeitspensum eines ganzen Büros ist. Und die kurzen Stunden, die er zwischen durch für sich übrig behielt, sie gehörten der Erfüllung von Werken der LiebeStätigkeit, der religiösen Betätigmig und der Vertiefung in das jüdische Schrifttum, in dem er bewandert war (er hat einen hundertjährigen Luach verfaßt!, sobatz ihm, für seinen Familienkreis nur gezählte Stunden übrig blieben. Die Chewra-Kadischa verliert in ihm eines ihrer aufvpserndsten Mitglieder. Die Rothschildsche Armenstiftung, das Emser Waisenhaus, die Jsr. Volksschule, dre Ritualkommission der Jsr. Gemeinde, die Jsr. Suppenanstalt, die Jsr. Männer- und Frcruenkraureukakse, Herdenheim-Stistunq, Finanz-Kommission der Jsr. Religious^ Gesellschaft, Bne Brit-Loge, sie alle wissen von seinem guten Herzen, seiner Lebensweisheit und seinem selbstlosen Denken zu berichten. Was man an Gmatt» Feist bewunderte» wie man es an seinen, im Kriege gefallenen Neffen Martin Feist bewundert hatte, war, daß eine Natur, die da übersprudelte yow Lebenskraft und Lebensfteude, nichts Höheres kannte, aiä ihre Kräfte der treuen jüdischen Pflichterfüllung zu unterstellen, sie Gott zu heiligen. Und deshalb, — wenn Eduard Feist nunmehr zu seinen Vätern heimgekehrt ist, so bringt er ihnen „ein Herz der Weisheit heim." Groß und erhebend war deshalb auch sein Sterben. Er. der in den 45 Jahren seiner beruflichen Tättgkett niemals krank war und zusammen keine drei Tage wegen Unpäßlichkett gefehlt hatte, konnte, nachdem er noch de» Sabbat vorher in der Gemeindesynagoge am Börueplatz in bekannter Meisterschaft die Thora voroelesen hatte und den Tag vorher — das Fieber in den Gli«»ern — noch 0 stend - jflpofheke H. Ploehmann» Verwalter Hanauerlandstr. 2 Telephon: H. 2802 Rasierouiver bestens bewährt, xahlreiekoAnerkenmmgen, Proben gratis. Sepphoris rmd Rom. Ein historischer Roman auS dem vierten Jahrhundert. ' Bon Ludwig PHUlptzfih« . lFortsetzung.) : ’ An dem gleichen Tage gingen von Rom Boten nach , - - allen Provinzen, welche die Befehle'brachten, alle Ber» t I schÄorrnen rinzüziehen und sofort hinzurichten. Da Maxen» tms tvt war, fand Constantin überall Gehorsam. Aber ou8 den Umgebungen des Kaisers selbst flogen, von treueren Herzen gesendet, andere Boten noch schneller über das Meer, um einige Häupter der Verschworenen zu rechter . Zeit von dem Vorgefallenen in Kenntnis zu setzen. Mein Koster -säumte nicht, eilte hierher und bot dem Euphrates, dey,- Günstling und Kämmerling Constantins, seine ganze Habe an, wenn er ihn rettete. Euphrates sah ein, daß, wenn mein Vater fiel, nur ein geringer Teil dieser schönen 1 0 Beute in seine Hände käme.' Er griff zu, und sicherte >> M meinem Vater Leben und Freiheit. Als er aber dem Höfling die versprochene Summe, auszahlen wollte und dazu von Mrschullamdie .Gelder verlangte, welche er in dessen Geschäft und zu dessen.Rettung verwendet hatte, leugnete dieser sie ihm ab, oder wollte sie doch nicht herbeischaffen können. Mein Vater , wäre verloren gewesen, wenn nicht einige.andere. Juden sich seiner angenommen und die fehlende Summe zusammengeschosscn hätten. L, -Mein Vater. kehrte gebrochenen Herzens nach Hause ' zürück.' Nicht der Verlust seines Vermögens, selbst nicht die 'Niederlage der guten Sache — denn beides sah er i-aß. eine. Fügung, und den Willen Gottes an — hatten seinen Mannesmut . geknickt, sondern die schwere Täuschung, welche ihm sein eigener Bruder bereitet hatte. Er erhob sich von.diesem Schlage nieder wieder, und selbst in der Liebe seines Kindes fasto er keinen genügenden Trost.. Ich-war-ohne Kenntnis-alles dessen ausgewachsen, ohne stunde dieser Vorgänge in. Euer Haus gekommen. Da brachte 'eiir-böfer Zufall durch die Hand Meschullams selbst eine vöw^meLrm»' Vater "an mich gerichtete und für mich hinterlassÄie Kchrift mir zu> welche.die einfache, aber um so ersyuttttmhere gyHählung dieser' Ereiginsse enthielt, und diet Mfl» Mat«, stus ineines Vaters Schrank bei feinem BAllche^ in ^Sestphotis^ gertontmcjt, zu irgend einem gehehgen.^ZNellN slmfbewahrt .undmir vorenthalten,- hatte. Dü siehst ^,s;Udo,' vo»,dM-Augenblicke, an, wo'ich jene ^.Schrift --in mvpen^Händen. gbMten/ war meines Bleibens '' M Hause-Meflhulläms ilicht - meHv^Jetztweißt auch -Du es.'! Eine tiefe Traurigkeit war über Patrika während seiner Erzählung gekommen und llang in jedem seiner Worte, in jedem Ton seiner Stimme wieder. Es war, wie wenn er von Neuem den ganzen Schmerz seines Vaters und seinen eigenen noch einmal durchempfände, und wie ein trübes Geschick hiermit auch trennend zwischen die Kinder jener beiden Männer träte, und sie nicht mehr zu der unbefangenen Herzlichkeit kommen ließe, in der sich ihre verwandten Seelen so gern ergießen mochten. Jddo war bleich geworden und konnte keine Worte finden. Sie hatte ihren Vater nie hoch geachtet, weil sie trotz seiner Berstellungskunst doch längst den geringen Adel seiner Gesinnung erkannt hatte. Daß er aber so tief gesunken und der Verräter am eigenen Fleisch und Blute werden und um sich zu retten, den großherzigen Bruder, seinen Wohltäter, verderben und aus Geiz chm dessen eigenes Gut und die Mittel zu seiner Rettung vorenthalten konnte, — das war zu viel für ihr stolzes und zugleich für ihr kindliches Herz. Und doch konnte sie in diese schlichte Erzählung keinen Zweifel setzen! So saßen sie lange stumm neben einander, bis sie endlich flüsterte: „O Patrika, wie viel habe ich an Dir gut zu machen!" Der Angeredete richtete sich auf: „Du, Jddo? Was hättest Du damit zu schaffen? In welcher Verbindung stehst Du damit? Was kannst Du dafür, daß Du die -Tochter Meschullams, ich der Sohn Patrika's bin? Das ist nur Fügung GotteS. Es hätte ebenso gut umgekehrt sein können und ich als der Sohn Meschullams vor -der Tochter des verratenen Bruders sitzen müssen. Nein. Jddo, Du bist so schuldlos wie ich und hast nichts gut zu machen. Alles, was Du für mich tust, kommt aus Deinem reinen, liebevollen Herzen, und legt mir unendliche Verpflichtung auf." Diese Worte übten eine heilende Wirkung auf Jddo aus, ihr Antlitz rötete sich wieder, ihre Augen leuchteten von Neuem auf, ihr Mand fand auf einen Augenblick sein Lächeln wieder. Sie faßte die Hand ihres Vetters, neigte ihr Haupt näher ihm zu, und sprach: ,L8irst Du meinem Vater jemals vergeben. Wirst Du es tun um meinetwillen?" Pattika blickte sie starr an und rief dann mit entschiedener Sttmme aus: „Nein, Udo, niemals. — Mein Vater hat mir jeden Versuch der Rache untersagt; und hätte er es nicht getan, ich darf es sagen, ich bin meines Herzens sicher, ich hätte ihn nie unternommen. — Sieh, Udo, ich hatte Deinen Bat« in mein« Hand. Nachdem ich nach Sepphoris zurückgekehrt: war',--fand-ick» in-einem Schreine meines Vaters wichttge Papiere, Dokumente; welche Deinen Vater noch heute in große Gefahr bringen, unddie mich in den Stand setzen würden, große Summen von ihm zurückzufordern. Ich habe keinen Gebrauch davö» gemacht. Ob sie unter de» Trümmern meines DatvchauseS sich «halten haben oder nicht, ich weiß es nicht; ich würde nicht nach ihnen suche»», wäre ich auch frei — mögen sie unter den Ruinen meines Glückes, mögen sie im Schoße der Erde vergraben bleiben auf immer! — Ab« vergeben kann ich ihm nicht. Es ist keine Schuld, die « an mir begangen. Der Schatten meines Vaters steht zwischen ihm und mir auf imm« ..." Eine große Unruhe schien sich Udo'» zu bemächtige», bis sie, wenn auch zögernd, die Frage an Patrika richtete: „Und wenn Du die Freiheit erlangest, würdest D» Dich unserm Hause nicht näher verbinden können?"?)attika schien diese Frage nicht recht zu verstehen; ickte Udo an. und sprach: ,Fkoch einmal, Udo. was hast Du mit Deinem Bat« zu schaffen? Du bist kein unmündiges Kind mehr und hast seine Schuld nicht mitzuttagen. Laß mich es offen sagen, Udo, Du gehörst zu den Edelsten Gestalten, denen ich begegnet bin, und ich habe mich immer glücklich gepriesen. Dich getroffen zu haben. Sieh, Teure, man trifft im Leben auf st» pick Bosheit, Schlechtigkeit und Gemeinheit; man sieht so zahllose Menschen auf der Oberfläche der Mittelmäßigkeit schwimmen und bei dem ersten Gewichte, bas die Prüfung ihnen anlegt, niedersinken, daß es der höchste Gewinn ist, nur einigen wenigen Personen zu begegnen, die von dem Lichte höheren Geistes angestrahlt und von dem Dufte edler« Gesinnung umgeben erscheinen. Dazu gehörst Du für u»i»^ Udo, und ich habe Dir neben dem Heiligtum, wAchlS meiner Mirjam im Innersten meiner Seele gehört eine Weihestätte bereitet, in welcher Dein Bild in llarem Lichte glänzt. So habe ich Dich unzählige Male meiner Mirjam vorgestellt, und nun habe ich Dich also wiedergesunden. Du fragst, was ich tun wett«, wenn ich die Freiheit .wieder «lange? Kannst Du zweifeln? Rust es mich nicht sofort nach der Stätte hin, wo mein letzter Mick auf mein Weib fiel, und muß ich nicht von da ab chre Spuren v«folgen unablässig — o, bis ich mein Schicksal weiß. — Hat ihre edle Seele den unter den Trümmern von Sepphoris begrabenen Leib verlassen und weilt unter den B«- klärten? Ob« wanbstlt sie noch aut dies« Erde? — 98* weilt sie? Was ist ihr Geschick? - ... -^...(Fortsetzung folgt.) . .__ . -WWW

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