Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1921)
- Date
- 1921-02-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Str. 6. Seite 3 Neue. Jüdische Presse. Oslsnä - Apoikskts H. Vlodunann, Verwalter Hanauerlandstr. 2 Telephon: H. 2802 Raeiormilvoi* bestens bewährt, zahlreiche AnliiilSliiiüerhennungen, Proben gratis. Frankfurter Beranstaltunge«. Talmud-Thora-Berein. (Hörsaal Gemeindesynagoge Börneplatz.) Samstag, nach Schacharis: Hastoro (Dr. Rabinsi), 11: Schulchan Aruch (Unna)*), 3(4: Raschi (Lipinskh), nach Mincha (Unna). Sonntag, nach Schacharis: Mischna (Groß), 9Vi: Schulchan Aruch (Lipinsky), 9(r: Gemoro (Unna)*), nach Mincha: Newiim (Unna). Montag, nach Schacharis: Mischna (Groß), Fortbildung für junge Leute, Si/i: Gemoro (Unna). Dienstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (Unna), 6(e: En Jakauw (Unna). Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (Groß), 6(4': Chauwaus halewowaus (Dr. Braun). Donnerstag, nach Schacharis: Schulchan Aruch (Unna)/ 8: Gemoro (Unna)*). Fortbildung für Knaben: Samstag, 3: Schulchan Aruch (Abt. I Dr. Unna, Abt. II Groß), 4(4: Schulchan Aruch (Abt. UI Groß), Dienstag, 4: Schulchan Aruch (Abt. III Groß), 5i/2: Mischna (Abt. I Unna), Mittwoch, 4; Schulchan Aruch (Mt. II Groß), Donnerstag, 51/2: Gemoro (Abt. I Unna). Schiur für Damen: Sonntag, 6(4: Dinim (Unna). Agud. Jisroel, Freitag nach Mariw: Gemoro (Oppenheimer), 8: gemütlicher Abend, Samstag, 9Vs: Gemoro (Dr. Posen, Tiergarten 42), 10(4: Gemoro (Holpern), 11(4: Mischna (Hirschberg), 3(2: Gemoro (Dr. Hof- *) Religionsschule Hermesweg 27. i) Auch für Damen. A.M. Thyssen Stets Eingang IW- Neuheiten in Tapeten -WU Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke Weissfranenatraase. Telefon: HanBa 1784. mann), Sonntag, 8: Raschi (Oppenheimer), 2 V»: Thillim, 6: Hebräisch (Jelensi), 7: Ortsgruppenversammlung, Bortrag Leo Wreschner, Montag, 9: Gemoro (Ehrmann), Dienstag, 8: Tefillo (Kaufmann), 8Vs: Gemoro (Dr. Hofmann), Mittwoch, 8: Dinim (Munk), 8(4: Newiim (Unna, Kl. Obermainstr. 30), 9: Gemoro (Ehrmann), Donnerstag, 8(4: Vortrag Lebermann-Darmstadtt), Mädchengr., Freitag nach Mariw: Sidra, Samstag, 4: Tauroh (Hirschbarg), 8: Heimabend, Montag, 8(r: Dinim (Schachnowitz), Mittwoch, 8(2: Chumesch (Joel). Jüdischer Turnverein, I. T- B. Heim und Büro: Unferlindau 21. Turnzeiten: Herrenabt.: Mittwoch, 8Vs, Klingeroberrealschule, Mauerweg 1; Zöglingsabt.: Montag, 8Vs, Deutschherrnmittelschule, Deutschherrykai 17 (Frankensteinerplatz); Knabenabt.: Montag, 5 Uhr nachmittags/ Klingeroberrealschule, Mauerweg 1; Damenabt.: Donnerstag, 8Vs Uhr abends, Herderschnle, Wittelsbacher Allee 10,' Mädchenabt.: Donnerstag, 4 Uhr nachm.. Herderschule, Wittelbacher Allee 10. Technischer Leiter sämtlicher Abteilungen: Turnlehrer Niemeyer. Regelmäßige Wanderungen. — Heimabende. — Sport. Zion. Bereinigung, Unterlindau 21, Donnerstag, 8Vr, David Wolffsohn (Rechtsanw. Wohlfarth). Montefiore, Mittwoch, 8>,4: Bortrag (Dr. Alfred Apfel-Berlin). Hebräischer Club, Unterlindau 21, Samstag, 3: Fortsetzung der Aussprache über Bialik. Hapoel Hazair, Unterlindau 21, Sonntag, 4: Bialik (Jiddischer Vortrag von Chawer Spiro). Freies Jüd. Lehrhaus, Goethepl. 5, Samstag, 7(4: Jüd. Geschichte (Dr. Satzberger), Montag (Gärtnerweg 56), 6: Aufbau Palästinas (Dr. Sternberg), 7: Bibel (Dr. Strauß), 8: Jüd. Haus (Dr. Salzberger), Dienstag und Donnerstag, 6(4: Jüd. Denken (Dr. Rosenzweig), Mittwoch, 6(4: persönliche Aussprache (Dr. Rosenzweig). Me kor Chajim, Freitag, Mikro (Dr. Hofmann), Sonntag, 6: Jecheskel (Dr. Breuer), Montag, Mittwoch, 7: Gemoro (Dr. Breuer). „Herzl-Worte." Demnächst erscheint im Welt-Verlag, Berlin unter obigem Titel und zu dem Preise von 14 MI. für das gebundene Exemplar ein sechs Bogen umfassendes Buch, das Felix A. Teilhaber zusammengestellt hat. Nachstehend im Vorabdruck einige Proben. Asien ist das diplomatische Problem des nächsten Jahrzehnts. (II. Kongreßrede.) Seit Freycinet ist kein so großer mittelmäßiger Mensch aufgetaucht, wie Herr Raimond Poincarö. Sein Name wird noch auf vielen Ministerlisten stehen, und zwar an der Spitze. (P. B.) In London bleiben die Leute stehen, wenn sie Ball spielen sehen; in Paris, wenn sie reden hören. (P. B.) Einem Engländer wäre es in der Tat unerfindlich, wie man einen Menschen in seiner Freiheit, in der Pflege seines Glaubens, seiner Sprache oder Tradition behindern könnte. Und so begibt es sich, daß ein Volk, welches das Glück hat, von England unterjocht zu werden, eine Freiheit genießen lernt, von der es vorher keine Ahnung hatte. (Feuill.) Offenbacber Drncklnit-Anlage! OHaabaoh a» Telefon 123. I Unübertroffene Teppichrelnlgnng mittelst Druckluft. I Ich denke mir eine weiße Fahne mit sieben goldenen Sternen. Das weiße Feld bedeutet das neue» reine Lebe«; die Sterne sind die sieben goldenen Stunden unseres Arbeitstages. Denn im Zeichen der Arbeit gehen die Juden in das neue Land. (Der Judenstaat.) Bei uns im Zukunstsstaat Altneuland aber werden die Kinder für die Geschäfte der Väter nicht belohnt und nicht bestraft. Für jede neue Generation stellen wir wieder den Anfang der Dinge her. Darum sind sämtliche Schulen von der Elementarschule bis zur Zions-Universität unentgeltlich, und die Schüler müssen bis zur Reifeprüfung in der Mittelschule die gleiche einfache Kleidung tragen. Wir glauben nämlich nicht, daß, es moralisch gut ist, wenn Rang oder Reichtum der Eltern die Kinder in der Schule unterscheidet. Das verdirbt alle. Die Kinder der Vornehmen werden hochmütig und faul, die Kinder der anderen werden früh verbittert. (Mtneuland.) Aus der ttefen Not entstehen Krankheiten und sittliche Verwahrlosung, und die verdüsterten Gemüter werden ein Nährboden für alle äußersten Umsturzgedanken. J>t der gesunden Arbeü auf einer geliebten Erde, glauben wir, ist das Heil zu finden. Die Arbeit soll unserem Bolle das morgige Brot verschaffen und auch die Ehre von morgen, die Freiheit von morgen. (lll. Kongreßrede.) Es braucht oft tausend Jahre, bis die Menschheit mit allen ihren Weisen und Starken das begreift, was man einem kleinen Kinde in zwei Minuten erklären kann. (Feuill.) Einen Menschen, dem es schlecht geht, erkennen die wenigsten ... auf einmal sind alle kurzsichtig. (Das neue Ghetto.) Traum ist von Tat nicht so verschieden, wie mancher glaubt. Wies Sp der Menschen war vorher Traum und wird später zum Traume. (Altneuland.) Nicht jeder, der gegen Windmühlen kämpft, ist ein Don Quixote. Der Weg in die Zukunft muß durch das Elend führen. . (Feuill.) Wer die Zukunft vorbereitet, muß über die Gegenwart hinwegblicken können. (Phil. Erz.) Ei«e Erinnerung an An — ski. L. Joffe, Jerusalem, schildert im ,Haaretz" seine Flucht aus Sowjetrutzland im Herbst 1918, als nach dem Attentat Für kunstfertige Ausführung MotferneMnlerel feinen Anstrich a. Lackierung führt preisweit ans. —- - Ia. Referenzen. Hochatrasse 59. Tel. 8.6866. Prämiiert Düsseldorf 1902 Atelier Schäfergasse 15. Sepphoris und Rom. M« historischer Roman aus beul vierten Jahrhundert. Bon Ludwig PhiUPPsoh«. (Fortsetzung.) ■ In welche Aufregung gerieten, daher ihre Gefühle, als sie vernahm, daß Patrika gerettet und als Gefangener nach Rom gebracht sei. Das ganze Feuer ihres bis jetzt unbeftiedigten Herzens erwachte von Neuem. Sie wollte ihn befreien, aber zugleich für sich erwerben, das Schicksal habe gesprochen und beide auf einander angewiesen. Alles hatte ihr das Geschick bis dahin in den Schoß geworfen», aber dieses alles mißachtete sie; das wahre und höchste Gut ihres Lebens müsse sie sich selbst erringen, und eine Flut von Plänen und Entwürfen gingen ihr durch den Kopf. Als eine Zuversicht, über deren Richttgkeit auch nicht einmal ein Zweifel in ihr erwachte, stand in ihr fest, daß auch Patrika sie lieben würde, wenn sie als Erretterin in seinen Kerker treten werde. Er gehörte ihr, und sie brauche nur die Hand ausziistrecken, um Besitz von ihm zu ergreifen. Jddo kannte die Verhältnisse zu gut, um nicht zu wissen, daß die Befreiung Patrika's mit außerordentlichen Schwierigkeiten verbunden'sei. Sie kannte den unverlöschlichen Haß, den der Kaiser Conftantius gegen Jeden hegte, der irgend einmal die Hand gegen ihn zu erheben gewagt hatte, und daß Patrika sein Leben nur demselben Hasse gegen Ursieinus als einen geheimen Anhänger des ermordeten Gallus zu verdanken habe. Niemand würde es daher wägen, der Rache des Kaisers eines ihrer Opfer zu entziehen. Aber sie verließ sich darauf, daß in Rom alles feil sei, und daß es daher nur der Zeit und der Wachsamkett bedürfe, um das rechte Wertzeug und den rechte« Augenblick zu finden; daß ihr Vater seine Mithülfe ihr vero sagte, tat ihr kaum leid. Sie brauchte keinen Mitwisser, * und war eifersüchtig darauf, ganz allein für Patrika die rettende Vorsehung zu spielen. Sie begann ihr Werk damit, dem Sohne ihrer Amme die Auffe^rstelle über die Gefängnisreihe, unter welcher -sich die Zelle Pattikas befand, zu verschaffen. Weniger die Fürsprache ihrer schönen Lippen, als ihre volle Hand 'führte sie zu diesem Ziele. Aber sie kannte ihre Leute 'zu gut und bewirkte daher nur, daß Faustus unter dem 'Vorwände, er.müsse noch erprobt werden, erst provisorisch auf'ein Jahr den Posten erhielt, welchen seine Ehr- und Habgier'so sehr erwünschte: Es hieß das nichts Anderes für den Oberaufseher der Gefängnisse, als Jddo müsse eine noch fünf Mal größere Summe zahlen, um ihren Schützling zur dauernden Bestallung zu bringen, und für Faustus, daß er seiner Beschützerin wesentliche Dienste leisten müsse, um zu diesem Ziele zu gelangen. Die nächste Aufgabe war nun, Patrika's Lage in der feuchten und lallen Kerkerzelle erträglicher zu machen. Dies vermochte Faustus einigermaßen, weil ihm die Bedienung dieses Gefangenen mrd seiner nächsten Nachbarn allein anvertraut war; jedoch mußte die größte Vorsicht beobachtet werden, um keinen Verdacht zu erregen, der alle Hoffnungen vernichtet hätte, und weil der Oberaufseher verpflichtet war, in jeder Woche wenigstens einmal von der Anwesenheit der Gefangenen sich persönlich zu unterrichten. Dagegen war der Knecht, den Patrika zu seiner Hülfe noch hatte, bald gänzlich gewonnen, und Faustus wußte die Dinge so anzulegen, daß derselbe die Entdeckung nicht minder als er selbst zu fürchten hatte. Es wurden also warme Decken und Kissen in die ZeUe geschafft, bessere Kleidung dem Gefangenen gebracht, und eine bessere Kost ihm bereitet. Selbst einige Bücher und Rollen zur Lektüre wurden ihm nicht vorenthalten. Da der Oberaufseher es sich so bequem wie möglich machte, und daher seine Besuche in den Zellen wie den ganzen Gang der Geschäfte nur in mäßigster und geregeltster Weise betrieb, so vermochte Fanstr^ den Zustand des Gefangenen immer wieder zu der früheren Weise herzustellen, und alles Verdächtige hinwegzuränmen, bevor sein Vorgesetzter in der Zelle erschien. Immerhin aber legte dies Beschränkungen auf und machte die größte Vorsicht notwendig. Es versteht sich, daß Faustus dies Alles nicht aus Liebe zu Patrika oder aus Dankbarkeit gegen Mo unternahm, ja daß er in's Geheim über diese Wagnisse und Beschwerden knirschte, — aber nur so konnte er hoffen, sein Ziel zu erreichen. Faustus hatte durchaus nicht den Auftrag, die Quelle zu verschweigen, aus welcher alle diese Hülse floß, und es bereitete dem Herzen Patrika's nur eine doppelte Befriedigung, Jddo als seine Beschützerin zu wiffen, der er 'Zuneigung und Achtung immer bewahrt hatte. Seine Lage war auf diese Weise sehr erleichtert worden, und noch mehr durch .das Gefühl, sich nicht mehr völlig vereinsamt auf dieser Erde zu wissen, sondern ein Herz zu kennen, das ihm eine tatkräftige Teilnahme zugewendet, einen Menschen zu haben, der seiner noch gedenke. Das Verlangen Jddo's ging mm dahin, Patrika ln - seinem Kerker zn fetzen. Sie mutzte, datz sie ihm dadurch eine große Freude bereite, und fühlte den innerste« Drangs ihm einmal wieder gegenüberzustehen; ohne daß sie es sich klar machte, lebte in ihr auch die 'Absicht, sich zn vergewissern, ob sie seine Liebe besäße. Es bedurfte hierzu tanger Vorbereitungen. Faust»» mußte zu ihrem! Sohne in das Konsulargesängnis ziehen» wozu dieser wiederum die Erlaubnis nur durch die Gunst des Oberaufsehers erlangte, die er sich durch die unbedingte Willfährigkeit erwarb, welche er für seinen Obern betätigte. Die Wachen gewöhnten sich hierdurch an das Einmür Ausgehen der alten Frau, und es kam nun darauf an, Udo in den Kleidern derselben das Passieren des Tores urch des Hofes möglich zu machen. In der Dämmerung eines Abends langte Udo nun wirklich in der Wohnung ihres Schützlings an. Man hatte sie sür Faust» geholten und ohne wetteres passieren lasse«. Eine wettere Vorkehrung, die man getroffen, war. daß man ein Brett und Vorhänge bereit hielt, um die Fensteröffnung in der Zelle so zu bedecken, daß kein Strahl der Lampe-, die in der Zelle angesteckt werden sollle, nach außen dränge. Auch dies gelang, und die Kerkertüre öffnete sich sür Jhä». Patrika erwartete sie. Unruhig hatte, er sich seit Stuuden innerhalb der wenigen Schritte bewegt, welche ihm seine Fesseln zu durchschreiten gestatteten. Jetzt hörte er die Schritte des Auffehers; jetzt vernahm er das Klirren des Schlüssels, das Aufschieben des Riegels» das Knarren der Türe. Aber es war noch dichte Dunkelheit. Die Pforte schloß sich, eine Lampe wurde niedergesetzt und angezündet. Bei dem ersten Lichtstrahle gewahrte er die herrliche Frauengestatt, die sich der verhüllenden Gewänder der alte« Fra« entkleidete. In demselben Augenblicke entfernte sich FaustuS. Da standen sie sich gegenüber und blickte« sich in die leuchtenden Augen und Angesichter. Wie sie sich einst gekannt und nahe gestanden, wie sie sich getrennt und Jichre vergingen und gewaltige Geschicke in ihrem Wandel gingen an ihnen vorüber, alles dies fuhr durch ihre Seelen. Pattika streckte die gefesselte Rechte aus, — und ,Jü Jddo'." ,Q Patrika!" entfuhr ihren Lippen, — und Jdd» sank an die Brust Patrika's, und er umschloß sie und drückte sie an sein pochendes Herz. Langsam beruhigt«! sich ihre Gefühle, sie nahmen neben einander aus der Steiuerhöhrmg Platz und in langen Gesprächen teilten sie einander ihre Erlebnisse mtt, und beantworteten die Frage« über das, was jedem aus dem Leben des andern noch dunkel war. Immer höher erhoben sich ihre'Seelen, immer innrer rrgossen sich ihre Herzen, Udo hielt die Hand Patrtta'S