Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1921)
- Date
- 1921-01-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1»» t. Nr. 4. ld »tu Anmeldungen schriftlich; Jfld. Tupnveraln( Untaplindau 21. |t'.£ ieg 5o» fCT Sur Abstimmung I« Oderschlesien. Die Zentralstelle, für die technische Durchführung der vberschlesischen Abstimmung, Breslau, beabsichtigt, in dem Bestreden, allen abstimmungsberechtigten Oberschlesiern die Festnahme an der Abstimmung zu ermöglichen, für die 'üdische Abstimmungsberechtigten auf der ieise und während des Aufenthalts im Abstimmungsgebiet mf Wunsch rituelle Verpflegung zu beschaffen. Dies geschieht von ihr in Gemeinschaft mit "der Freien LZereiniaung für die Interessen des orthodoxen Judeniums, die mrch während des Weltkrieges die jüdischen «Soldaten und Gefangenen in vorbildlicher Weise mit ritueller Verpflegung versorgt hat. Um ein Bild zu gewinnen, über dre Anzahl der Abstimmungsberechtigten, die. auf rituelle Verpflegung reflektieren, werden solche Abstim- »nungsberechtigte gebeten, baldigst ihre Adresse und ihren Abstimmungsort. der Zentralstelle, Breslau,, Kaiser Wilbelmsplatz 20 — Tel. Ring 10 223 — oder der genannien Vereinigung Frankfurt a. M., Schützenstr. 14, oder einem der beiden Vorsitzenden der Schlesischen Abteilung dieser Bereinigung, Kaufmann Aron.Kober, Breslau, Königs» platz 5 und Bankier Loewy, Breslau, Goethestr. 36 zu melden. [Sr litt itet bei he Ai h« lgZ ,lü ab bi idr Ge an bi Ae er lni Derttsch-vesterreich. Safttag der Wiener Studenten für den Keren vajeffod. Die zionistischen Studenten Wiens hielten eine Versammlung mit der Tagesordnung Keren Hajessod ab. In dieser sprachen Dr. H. Kiwe, Dr. Ch. Tartakowcr und abs. jur. D. Halpern. Die Versammlung beschloß in einmütiger Begeisterung einen Fasttag zugunsten dieses Zweckes, Pole«. Jüdische Waise« «ach Amerika. Das „Joint Distribution Commitee" in Warschau sammelt gegenwärtig die Photographien derjenigen Waisenkinder «n, die in Amerika Pslegeeltern finden sollen. Es handelt sich um mehr' als 2000 Kinder. ini te> or U ZOI iüfen CH« antisemitischer Beschluß im Warschauer Stadtrat. Im Warschauer Stadtrat stellte der Antisemit .2 i - p a z e w i t s ch folgenden Antrag: „Der Stadtrat fordert tzen.. Magistrat auf, an die «riesigen angesehenen Persönlichkeiten heranzntreten, daß sie erstens zu der antipolnischen Agitation der Juden in Amerika und in Europa keine gleichgültigen Zuschauer blei- $tr. Sie mögen sich bemühen, daß diese Agitation eingestellt werde, und daß zweitens Amerika Polen einen hr. Kaffee Buhland 35 Kaiserotrasae 56 Kaiserstrasae 56 VSglleh erstklassige Unterhaltungsmnsik Dme WbiWe PrMe.; - - Rohrungskredit einräume. Eventuell solle die amerikanische Judenheit nach Polen so viel Prttmkte schicken, wie diejüdische Bevölkerung in Polen auf Rechnung der hungernden eingeborenen Bevölkerung gebraucht. Balinski, der Vorsitzende, wollte den Antrag schnell durchdrücken, dagegen protestierten aber die jüdischen Rats- Männer; 'Kirsch bäum hielt eine scharfe Rede gegen den .provokatorischen^ Vorschlag, dessen Verfasser in ein Irrenhaus gehöre. Es gehöre übrigens nicht in die Befugnisse des Stadtrats, Resolutionen politischer Natur zu fassen. Auch Eh.rlich hielt eine Protestrede. " Das Auftreten der jüdischen Ratsmänner bewirkte nur, daß Lipazewitsch den zweiten Teil seines Antrages zurückzog, um» daß die Sozialdemokraten erklärten, gegen den gesamten Antrag zu stimmen. Sodann wurde der erste Teil des Antrages mit 36 gegen 25 Stimmen angenommen. _ Kurze politische Nachrichten. verli«. Im Hauptausschuß des Reichstages erklätte auf eine Anfrage Minister Koch, daß gegen Ostjuden kein Anttsemitismus bestehe, sondern alle Ausländer gleichmäßig behandelt werden. Bei der Notlage unter der deutschen Bevölkerung müßte Vorsorge getroffen werden, daß Ausländer Inländern nicht Wohnung -wer Arbeit wegnrhmem Wie«. Am 14. Januar kam eS im Landtag infolge des Antrages Kunschak, die Ostjuden auszuweisen, zu einer stürmischen Sitzung, da Dr. Ehrlich und Dr, Plaschkes energisch erwiderten. Es ist wahrlich auch zu blöd, alle Sünden und Vergehen eines Volkes von Millionen 10000 Ostjuden zuschieben zu wollen! Sehr richttg erwiderte auch Landeshauptmann N e um an« für die Regierung, daß es Wucherer und Schieber bei Juden wie bei Christen gibt, und daß xs ein Unrecht ist, durch Verallgemeinerung redliche Leute zn treffen. Loado«. Baron James Rothschild ist in zionistischen Angelegenheiten nach Amerika gefahren. London. Der „Jewish Board ot Deputier,, befaßte sich mit der Lage der von der Ausweisung bedrohten jüdisch-galizischen Flüchtlinge in Wien und dem Anttsemitismus der lettischen Regierung, die de» aus Rußland zurückwandernden Juden den Eintritt verwehrt. (Die russische Regierung hatte nämlich im Jahr 1915 alle Juden Lettlands vertrieben). Buenos Aires. Auf der Eröffnungssitzung des Del egicrtentages der argentinischen Zionisten hielten mich der englische und der griechisches Gesandte Ansprachen. Jerusalem. Das Tab akmonovol ist aufgehoben worden! Die Einführung der Zigarettenindustrie in Palästina ist somit freigegeben. Dom 1. August bis 1. September wanderten rund 8000 Inden in Palästina ein, davon 2400 Rückwanderer. Jerusalem. Minister Sir Alfred Mond und Pros. Dr. Weitzmann, der Leiter der zionistischen Organisation, sind aus London hier e i n g e t r o f f e n. Ans der Misrachi-Beweguug. New Bork. Die vom MiLrachi begründete Gesellschaft „Nachliel" (Präsident: B- Schnur, Büro: 138—140 Serond Street), die in Palästina Land ankanst und kul- Seite 3 Offenbarer Druckluft-Anlage Offaabaoh a. ■. Telefon 123. Unübertroffene Teppichreinigug mittelst Druckluft. tiviert, hielt eine aus allen Teilen Amerikas besucht« „ Konferenz ab. .. Jerusalem. Hier fand eine Tagung der Misrachi - Landesorganisation statt. Prof. Du Pick und Rabb. Dr. Schönseld hielten Ansprachen. Rabb. Fishman, der bisherige Präsident, führte in seinem Bericht aus: Für Unterstützung der Einwanderer wurden 2375 Pfund, für Erziehungszwecke 3000 Pfund aufgebracht. Die Orthodoxie müsse mit der Tatsache rechnen, daß die Zionistische Organisation von den Regierungen als Vertretung der Judenheit angesehen wird, und die Orthodoxie müsse sich deshalb der Zionistischen Organisation unter der Fahne des Misrachi anschließen. Auf der zweiten Sitzung sprachen der Leiter des Emvgrationsamtes in Jaffa,. Knk, die Rabbiner Markus', Filosoff, Zitron, Schapiro, Slvnim usiv. An . der dritten Sitzung nahm auch Rabb. Dr. Landau-' Johannesburg (Südafrika), teil. Rabb. Dr. Schönfeld referierte über die unter dem Waad Hamfakeach stehenden Erziehungsanstalten. Bon 135 Schulen unterstehen 29 dem Waad Hamfakeach, in welche» gegen 3000 Schüler unterrichtet werden. Die Subvention der Zion. Org. für diese Schulen beträgt gegen 20,000 Pfund. Es wurden Beschlüsse bezüglich der Einwanderung, Arbeitsvermittlung, Rabbinersrage gefaßt. Da Rabb. Fishman auf feiner Resignation als Präsident beharrte, wurde beschlossen, das bisherige Präsidium, unter Qsfeulasfung des Präsidentensitzes, mit der Fortführung der Leitung zu betrauen. Perso»»üe« «. kleine Mtttellmrse«. Berlin. Im Aller von 84 Jahren verschied Fabian Fraeukel, Mitbegründer und langjähriger Schatzmeister des Hilfsvereins der Kempener. . Berlin. Die Armen ko mmisfton der JLd. Gemeinde verausgabte im Rechnungsjahre 1919/20 584000 Mk. Die Tättgkeit der Armenkommission hat sich nach der Revolution geändert, rüdem sie sich immer mehr zu einer Mittelstaadsfürsorge gestaltet hat. Heldeubergeu. Im gesegneten Alter von 88 Jahren stark hier am 16. Januar Lehrer Wertheimer, der langjährige Vorsitzende und spätere Ehrenvorsitzende des Israel. Lehrervcr-ins mr Freistaat Hessen. Heb«: 56 Jahre hat er hier eine segensreiche Tätigkeit entfaltet und mehrere Generattonen herangebildet. Sein Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung Billla» W Büromöbel B Gelegenbeltskäafe in Flach»a Büro-, Schreib* maaahlnanUaohaBt Stühlen, Sesseln, elaepna Kontor-Schränke. Freya, Büro-Einrichtungen, Theaterpl.t4r. Je« erje« Ä m Sepphoris n«D Rom. Wq historischer Roman aus b«n vierten Jahrhundert. Bon Ludwig Phllflchsohu. (Fortsetzung.) en U* in an!N. zu en sti ier nd s. in >ret; kit n, CT Ai rtt et ' Tief war die Bewegung, welche diese Worte Josephs in dem Hetzen seines- Zuhörers erregten: er hatte sich von seinem! Sitze erhoben und sich wieder niedergelassen, er hatte seine Rechte wie zum Widerspruch ausgestreckt, und nus seinen Augen sprüheten feurige Blitze. Mer Joseph ließ sich nicht davon stören und fuhr fort: „Und «un blicke auf das Christentum. Stadt nach Stadt, Land nach Land füllte sich mit denWekennern Chttstt, dis das römische Weltreich sich ihm unterwarf und das Szepter der Well in seine Hände überging. Wie lange »Äh, und die Barbaren des Nordens werden vor dem Kreuze niederfallen, und die Rosse der christlichen Krieger toerden die Wasser des Indus schlürfen. Mehrt sich nicht SieZahl der Bischöfe schon in ganz Nordafrika, und das Licht der Kirche dringt über die Säume der Wüste hinaus? Patttka, dies überlege; vor solchen Tatsachen, die doch nux Deinem. eigenen Glauben gemäß nach dem Willen Gottes sich vollbringen konnten, kein Menschenwerk, sondern ein Gotteswerk sind, wolle die Augen Deines Geistes nicht verschließen, und was Du so erkannt hast, wie Du ein Mann warst im Kampfe für das vermeintliche Recht, so tritt als Mann vor die Welt und bekenne die Wahrheit! -. r, Patttka hatte sich während dieser letzten Rede längst beruhigt, und als dies Joseph bemerkte, fuhr er fort: .Laß mich meine Gedanken Dir entschleiern. Wenn es also wahr ist, daß das Christentum' die Well beherrschen - 'soll, so ist dennoch Juda beruftn, auch in ihm die erste Stelle zu behaupten. Vom Beginn an hat sich mitten im Schoße - der Kirche eine stille Gemeinde zusammengetan, die aus Söhnen'»md Nachkommen Äada's besteht, welche sich zum Kreuze bekannten, und tvelche. das Gesetz Mosis, so weit es in der Schrift verzeichnet ist,' mit der Lehre Christi vereinigen. Diese sind es, welche dereinst-das Hauptoec Kirche bilden und diese immer wieder von allen Berirrnngeu dxr Zellen läutern werden. Siehe, Patrika, .in diese-ttttt.einF sie % bereit, Dich als einen ihr«-Führer MzmWinen^und DH? eine einflußreiche' Stellung zu bereiten, durch welche eS , Dir auch möglich fein' wird, das traurige Geschick vieler pnserer Brüder zu mildern." : ' Patrika blickte jetzt lange und'scharf in das Angesicht Josephs, und erwiderte dann: „So; jetzt also hast Du mir gesagt, weshalb Du kamst. Es ist mir lieb, denn ich sehe doch, daß nicht das niedttge Verlangen, Dich am Anblick meines Unglücks zu laben. Dich hierhergeführt, sondern die Sucht zu bekehren, die einmal unvertilgbar in jedem Anhänger des Christentums lebt. Ich habe Dir ruhig zugehört, so leihe auch Du meinen Worten das Ohr. Deine Schilderung, Joseph, paßt nicht, und wenn Dn das unterliegende Juda und das siegende Chttstentum gegenüüerstellst, so ist dies unwahr. Das Christentum hat nicht Juda besiegt, sondern der Römer. Nicht Juda ist der Gegner, dem das Christentum den Sieg abgerungen, sondern das große Schlacht- und Siegesfeld des Christen ist das HeidenttnU. Mit dem Heidentum kämpst der Christ, und jenes unterliegt diesem. Judahat nie dieHerrschastderWell beansprucht, hat nie fie besessen und darum nicht verloren. Deine Tatsache vom siegenden Chttstentum beweist also nichts, alsdaß dieses höher steht, mehr Wahrhell enthält und jugendlich, frischer ist als das Heidentum. Und dies bestreite ich Dir nicht. Und Hätte ich die Wahl zu tresien zwischen beiden, würde ich das Chttstentum wählen. Denn es ist hervorgegangen aus Juda, und was wahr und gut in ihn ist, hat es mitgenommen aus diesem. Aber nicht minder falsch ist es, was Du vom Untergänge Judas sagst. Mag der Hammer des Geschickes es in tausend Stücke zerschlagen und diese'über die Länder zerstreuen, aMberall gestaltet es sofort die Gemeinde wieder, baut sich seinen Tempel, .erratet seine Lehrschüle, legt sich die Ruhestätte für sttn^Entschlafenen an und ordnet seine Werke der Burmherzrgkeit. Dies ist die im> erschöpfliche Lebenskraft, die in ihm treibt und die seinen Leib unsterblich macht, wie sein Geist es ist. Laß nur die Stürme darüber Hinwegrasen, viele einzelne Bäume fallen vor der furchtbaren Gewalt der Elemente, aber der Wald bleibt bestehen und auch die geknickten Saaten ttchten sich immer wieder empor. . Kennst Du, kntzsichtiger Sterblicher, den Ratschluß des Herrn? Weißt Du, wozu er es noch bestimmt hat? Was er noch aus ihm machen will? Und. das ' Chttstentum! Spttch selbst, wenn wir heute uns entschlössen, uns ihm zu ergeben, wohin, sollen wir uns wenden?' In hunderte von Sekten zerspaltet, in große, sich bekämpfende Kirchen getrennt, eine jede wittrer von Parteien durchwühll, zu welcher sollen wir uns wenden? Wie Du mir da den Schleierlüftest, verttetest Dn mir nicht selbst, daß D« und Deinesglttchen schon wieder der Gesämtheü entwichen und .ihr das Chttstendim wo anders suchet, als wo es sich euch dargeboten? ... . Nein, nein, wir haben mit ein Judentum, das kennen und besitzen wir, dattn leben und sterben wir/ mit diesem ist unser Wesen verwachsen, unsre Seele atmet dattn/ und wer ihm abiagt, sagt Gott und sich selbst ab." - Joseph schwieg lange Zell, in Sinnen versunken; dann sprach er: „So hat sich die Hartnäckigkell unseres Volles auch in Dir erneuert, und Mit solcher läßt sich nicht reihten und streiten. Kommen wir zu Dir selbst,. Patttka. Was willst Dn? Ist es wirüich Dein Ernst, in dipsem furchtbaren Kerker zn verschmachten und zu verenden? Hast Du überlegt, was Deiner wartet? Ist er nicht jetzt schon schrecklich genug? und doch hast Du erst die Monde des Sommers dattn verbracht. Laß nur durch jene schmale Oesfnung erst den. eisigen Hauch des Nords herttnströuieni und diese unterirdische Höhle mit Frost und Fieberschauern erfüllen, wie wird die Kälte schneidend 'in das Gebein und das Hetz Dir dttngen. Biete Deinen Eingeweiden fort und. fort dieselbe elende Kost, sie werden sich empören und Dir den Dienst versagen. Und abgesehen hiervon, soll die Kraft Deines Gttstes hier zur Ohnmacht erlahmen, bis die Oede der Einsamkell Deine Gedanken verwirtt. Deine Phantasie mit Schrerkensbildern. erfüllt und die Trostlosigkeit Dttn Hetz langsam verzehrt. . . . Mensch, ich trete zu Dir in dieser Grabeshöhle, und rufe Dir ins Ohr: Freihell, Erlösung, komm heraus an das goldene Licht der Sonne, auf die grünen Füireu und Höhen, unter das blaue Gewölbe des Himmels — und Du wirfst nicht alles von Dir ab, was Dich zurückhält. was Deinen Fuß und Deinen Arm in diesen eherneu Fesseln hüll? .-. ." Joseph hatte sich bei diesen Worten von seinem Sitze, erhoben und war nahe an Patttka herangetreten, als ob er ihm die flammenden Worte gerade in das Ohr rufen wollte, — und auch Patttka war aufgesprungen, und,; sein rechter Arm rasselle mll den Ketten, als ob er sie zerreißen ober, da sttne Linke »hm den Dienst versagte/ an der Kerkermauer zerschlagen wolle. „Patttka," fuhr Joseph fort, ,Dn hast genug gekämpft, geopfett und gelitten für das Judentum, Du hast Deine Schuld bezahlt. Du bist quitt. Du bist tot für dasselbe in Zukunft, werde Chttst — und kDn bist frtt, frei ganz srtt!" (Fortsetzung folgt.) /