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Neue jüdische Presse · 1921-01-14 · Heft 2 (14.1.1921) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 2 (14.1.1921)
Date
1921-01-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Frankreich. Ausländerfrage.. Die französische Press e beschäftigt sich in letzter Zeit häufig mit der Ausländersrage. Der Ausländer, das ist der Ostjude, der auf seiner Flucht vor Pogromen und Verhungern auf dem Wege nach Amerika in Paris häufig länger Station machen muß, als ihm lieb ist. Manche Stimmen sind dafür, die Grenzen Frankreichs vor ihm zu schließen, so der Pariser Stadtrat Riotor in^ der „Bictoire". Vor einigen Wochen interpellierte im «enat der Antisemit Gaudin de Vilaine wegen der gesundheitlichen Gefahren, die die Ostjuden nach seiner Meinung mit sich bringen. Würden die Franzosen so sittlich leben wie die Ostjuden, dann brauchten sie — das ist jedenfalls sicher — sich nicht tun gesundheitliche Gefahren zu sorgen. Amerika. Das Siuwanderungsgesetz. (Oas vom Repräsentantenhaus angenommene Einwanderungsgesetz, das für 1 Jahr, gerechnet vom 60. Tage nach Annahme des Gesetzes, die Einwanderung verbietet, läßt zu: Studenten, Touristen, ' Geistliche und Rabbiner, die einen Paß ihrer zuständigen Regierung und das Visum eines amerikanischen Konsuls besitzen. Auch folgende Verwandte amerikanischer Bürger sind zugelassen: Eltern, Großeltern und Frauen, sowie minderjährige Kinder, Brüder A. M. Thyssen Stets Eingang MT Neuheiten in Tapeten Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene fflainzerstrasse 20 Ecke Wei8sfrauenstrasse. :: Telefon: Hansa 1784. tf Sepphoris und Rom. Ein historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert. Bon Ludwig Philippsohn. (Fortsetzung.) Das Boudoir war in der Tat ein Sammelplatz aller Herrlichkeiten der damaligen Welt, und jene Zeit wer mit solchen überladen genug. Dennoch fällt es uns auf, daß wir in den Wandgemälden dieses reich geschmückten Zimmers, unter den Deckenbildern und auf dem Mosaikboden jede Darstellung einer Menschengestalt, sei es eines Gottes oder einer Göttin, eines 'Genius oder einer allegorischen Figur vermissen; der Pinsel oder der Griffel des Künstlers hat mit den lebhaftesten Farben und Formen doch nur eine Fülle von Arabesken, Blumen und Tieren hervorgebracht, wie wir sie sonst auf den Wänden des Altertums nicht erblicken. Selbst in den Formen der Gefäße gewahren wir dasselbe, und jede Andeutung des heidnischen Glaubens und heidnischer Kunst scheint mit Aengstlichkeit vermieden zu sein. Auch in der Ausstattung des weiten und doch trau-. lichen Gemaches zeigt.sich etwas Fremdartiges, sagen wir Orientalisches mit dem römischen Geschmacke vermischt, wie sich z. B. schwellende, aber niedrige Divans rings an den Wänden hinziehen. Die Besitzerin muß eine Römerin, aber aus frenider, eingewanderter Familie sein. Sie sitzt auf. einem Sessel, und viele Dienerinnen sind um sie beschäftigt, ihre Toilette zu beenden. Eine Dienerin trat ein, und fragte die Herrin, ob die alte Fausta, die Amme der Gebieterin, eintreten dürfe . . . „Ja wohl, laß sie kommen!" rief die Herrin, und eine gewisse Befriedigung sprach sich in ihrem Gesichte aus. .Warum habe ich Dich so lange nicht gesehen, gute alte Fausta? Bist Du so gleichgültig gegen Deine Jddo geworden, daß Du Dich nicht mehr gedrungen fühlst, sie dann und wann auszusuchen?" Die Alte schmunzelte bei dieser Begrüßung, und erwiderte: „Es ist nicht meine Schuld, teuere Herrin, die alte Fausta war oft genug hier, um das Antlitz ihres schönen Kindes zu sehen, aber dies ist ja immerfort so umlagert und beschäftigt, daß der Zutritt selten gewährt werden kann. Ich preise mich daher glücklich, heute den rechten Zeitpunkt getroffen zu haben, und meine erste Frage ist: wie geht es der teuren Jddo?" Neue Jüdische Prasst. und Schwestern. Diejenigen, die nur die sog. ersten Papiere besitzen, können nur ihre Frauen unk» minderjährigen Kinder nach . Amerika bringen. 'Nichtbürger können-niemanden ins Land bringen. In allen erwähnten Fällen werden keine Pässe gefordert, sondern die Verwandten haben sich um die betr. Erlaubnis an das Einigrarionsbüro in Washington zu wenden. Hereingelassen werden auch Leute aus Kanada und Mexiko, He dort mindestens 1 Jahr gewohnt haben und nur für höchstens 6 Monate nach Amerika kommen. Zionistische Nachrichten. Wie«. Dr. Eaon Michael Zw eig ist in die Leitung des Jüd. Nationalsonds im Haag eingetreteu. Dr. Zweig steht seit 20 Jahren in der zionistischen Bewegung. Das Wiener Palästtna-Amt, das bedeutendste der Diaspora, ist in der Hauptsache sein Werk. Zweig war es auch, der das erste großzügige zionistische Kultusgemeindeprogramm entwarf. Ans der Misrachi-Bewegnng. Taranto lKanada). Die Misrachikonferenz faßte folgende Beschlüsse: Schaffung eines Fonds von 50000 Doll, für die Tätigkeit des kanadischen Misrachi in Palästina im Verlause des nächsten Jahres und von 10 000 Doll, für das kanadische Central-Relief-Committee. Eine Jeschibah und andere orthodoxe Institutionen sind in Kanada zu gründen, und die Jeschibah des Rabbi Jzchok Elchonon in Newhork ist zu unterstützen. Das Exekutivkomitee besteht aus 25 Mitgliedern, ausschließlich Rabbiner. Präsident ist der unlängst aus Polen nach Kanada berufene Rabb. Zlotnik. (J.P.Z.) Persimatte»«. kleine Mitteilungen. BerN«. Die Freie Jüd. Volkshochschule berichtet über die ersten zwei Jahre ihres Bestehens. Unerwartet Lroß war die Hörerzahl des ersten Semesters (1560) und konnte natürlicherweise nicht dauernd ans der gleichen Höhe gehalten Uverden. Ader gerade das letzte Semester (Herbst 1820) überschritt mit über 1000 Hörern wieder erheblich seine Vorgänger. Im ganzen haben bis jetzt bei ca. 1000 Bortragskursen über 5000 Hörer die Volkshochschule besucht. Berit«. Gehrimrat Prof. Dr Leopold Landau, der sich stets lebhaft für die jüdische Palästinabestrcbungen interessiert hat, vermachte seine Bibliothek, eine der größten und wertvollsten medizinischen Bibliothelen der Welt,, der jüdischen Universitätsbiblio-i thek in Jerusalem. Offenbach a. M. Unter ungewöhnlich starker Beteiligung (78«/a) fand am 3. ds. Mts: die Ergänzungswahl unseres Gemeindevorstands statt. Bon den ausscheidenden Mitgliedern wurden wiedergewählt: Justizrat Dr. Goldschmidt und Notar Dr. Guggenheim. Neugewählt wurden Sally Gumb, Theodor Fürth und Siegfried Stark. BreSIa«. In Franken st ein beging Lehrer Alexander den 70. Geburtstag. Die Dame lehnte sich in de» Sessel zurück, und antwortete mit scheinbar trübseligem Tone: „Wie es mir geht? Wie es einer armen Witwe gehen kann, die nun schon über Jahr und Tag ihren Ehegemahl betrauert und in Zurückgezogenheit die Tage ihres Witwenstandes hinbringt. Du hast recht, Fausta, Dich danach' zu erkundigen, denn wem läge sonst etwas an meinem Befinden?" Ein schalkhaftes Lächeln schien über das runzlige Antlitz der Mten zu gleiten, das wohl sagen mochte: Deine Trauer war und ist wohl eine erträgliche, denn Du wurdest ja nur durch die. Hand des günstigen Geschickes von dem verlebten und eifersüchtigen Greise befreit, den Du Deinen Ehegcsponst nennen mußtest; und Deine Einsamkeit ist von so vielen Zerstreuungen, Besuchen und Festen unterbrochen, daß sie sich auf die Stunden verkürzter Nächte beschränkt. Aber die kluge Fausta wußte das Lächeln schnell wieder zu verdrängen und ihr Gesicht in ernste Falten zu bringen. „Es wäre nun aber wohl Zeit," erwiderte sie, und schien ihre Worte mit einem Seufzer zu begleiten, „daß meine teure Herrin diese Trauer aus ihrem Herzen und ihren Umgebungen entferne, denn die Jugend darf nicht für immer an den Rand ein Grabes gebannt sein, das bereits einzusinken beginnt, so viele Tage gingen darüber.hinweg. Sie hat ja auch Pflichten gegen die Lebenden, und deren schmachten genug nach denk Anblick der schönen Jddo. Das Trauern und Seufzen mußt Du dem Alter überlassen." Und bei diesen Worten kamen schwere Seufzer über die falben Lippen der Alten, und drangen recht hörbar in das Ohr der jungen Dame. Diese blickte schärfer das Gesicht ihrer Amme an, und sagte, wenn auch ohne einen Ausdruck der Besorgnis: „Fehlt Dir was, Fausta? Mangelt Dir Etwas? Brauchst Du wieder Geld, um die Schulden Deines lockern Sohnes zu bezahlen? Sprich nur, wenn es nicht allzuviel ist, weißt Du, daß ich es Dir nicht versage." , Fausta schien diese Worte wohlgefällig zu vernehmen, erwiderte aber lebhaft: „Nein, Geld brauche ich nicht. Ich weiß, daß Deine Freigebigkeit mich vor allen Nöten schützet. Wer meinen armen Faustus mußt Du nicht schmähen. Deine Ungnade würde ihn elend machen, und er ist ein so treuer Gesell, ein so wackrer Bursche, wie wohl Wenige in diesem schlechten Rom. Er mag wohl dann und wann ein wenig über, die Schnur hauen, aber dies geschieht so selten, und ist ihm wahrlich nicht zu verargen, denn wenn ein junger Mensch Tag für Tag hinter den Mauern des Gefängnisses einen harten Dienst bei den schlechten Gesellen leisten muß. Seite 3 Oftenbacher Druckluft-Anlage Qffenbaoh a. ML Telefon 123. Unübertroffene Teppfchreinignng mittelst Druckluft 1 In Pleschen verschied — 82 Jahre alt — Rabbi Jakob Ovpler, der sein Alter vollständig der Thora und Liebeswerken widmete. __ Hier in Breslau starb jüngst im 80. Lebensjahre Stadtrat Siegsr.. Haber, der Vater des großen Chemikers. Bern. Salomo« Bloch, der frühere langjährige Kantor der Berner jüd. Gemeinde, eine hochachtbare Persönlichkeit, ist im 80. Lebensjahr verschieden. In Biel verschied — 65 Jahre alt — Salomon Heß, ein Mann, der im potittschen und im sozialen Leben seiner Stadt eine führende Rolle spielte. Amsterdam. Weitzmann und Jabobinsktz sprachen in einer Massenversammlung über deren Keren H a j e s s o d. Nach ihnen ergriff der brittsche Gesandte Sir Graham das Wort und plaidierte für den raschere Aufbau des jüdischen Palästtna. Große Summen wurden gezeichnet. Frankfurter Berichte. Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde. Die Sitzung vom 6. Januar nahm zunächst folgende Entsendungen in Kommissionen vor: Glauberg (Wahlvorschlagk.), Julius Werner, Dr. Geiger (Schulrat d. Philanthropiu), Goitein (Ritualk.), Dr. Merzbach, Dr. Auerbach (lib. Kultusk.), Nebenzahl (Religionsschule), »Fromm, Dr. Geiger (Religio nsuckter- . richtsk), Dr. Grosser, Frau Meyer, Frau Forchheimer (Zentrale f. Wohlfahrtspflege), Dr. Strauß iRießerstiftg.). Werner (Goldschmidtstistg.), Sttefel (Höchbergsttftg.), Weis Haupt (Maaßschestiftg.) und Dr. Katzenstein (Leop. Goldschmidtstistg.). Bei der Delegierung in den Schulrat des Philanthropin stellte Dr. Emmerich die Forderung auf, daß sich dieser Schulrat gemäß der Parteischattterung der Gemeindevertretung znsammenstke, Krau Gut und Frau Meyer wünschten auch weibliche Vertretung in dem Schulrat. Für Ersatz- und Ueberstunden im Philanthropiu wurde eine StundeiiHonorierung von 10 Mark die Stunde, 400 Mt die Jahresstunde ab 1. April bestimmt und als Zuschuß zum «chülerfrühstück im Philanthropin 3000 Mark bewilligt. W 1. April beträgt das Schulgeld 4M Mark und für Auswärtige 600 Mark jährlich. Sodann wurde in den wichttgsten Punkt der Tagesordnung — Gesamtorganisation — eingetreten. Wir be- »richten an anderer Stelle der heutigen Nummer hierüber. Conditorei und Cafd Wilhelm Wendet Altegasse 6 Telefon Hanen 1288. Franktnrter Brenfen u. Betmännefcen» welche die Hand der Gerechtigkeit hinter Schloß und Riegel gelegt, so verident er wohl, daß ihm dann und warum ein kleines Vergnügen mit seinen Altersgenossen gestattet werde. Nein, Herrin, tadle ihn nicht, er ist ein braver Junge, und seine Vorgesetzten sind sehr zufrieden mit ihm. und loben ihn als den zuverlässigsten Gesangenwärter, und treu ist er bis in den Tod, und wie unbegrenzt ist sein Verlangen, Dir einmal durch einen Dienst die Wohltaten vergelten zu können, die Du uns unaufhörlich zusließen läßt." Jetzt war es wohl an Jddo, zu lächeln, und sie scheute sich nicht, es auf den rosigen Lippen sehen zu lassen, die sich sanft von den Gedanken kräuselten, wie es wohl einem niedrigen Gefängnisdiener möglich sein könnte, der Tochter des reichen Meschüllam, der Wttwe des noch reichern Wthalion einen Dienst zu leisten, der seine Treue aus die Probe stellte. Die Alte merkte und verstand dies wohl, ließ sich aber nicht darüber aus, sondern hob nach einer kleinen Pause au: „Ich habe meiner Herrin allerlei Neuigkeiten zu berichten, aber ich muß hinzusügen, daß sie nicht für Jedermanns Ohr geeignet sind." Sie blickte dabei bedeutungsvoll aus die umstehenden Dienerinnen. Die Morgentoilette der Dame war jetzt beendet, und diese zögerte daher nicht, sie durch einen Wink zu verabschieden. Schnell brachten die Sklavinnen die Geräte in Ordnung, stellten sie an die dazu bestimmten Plätze und verließen dann das Gemach. Jddo stand von dem Sessel auf, warf uoch euren Blick aus einen großen Spiegel, der ihre ganze Gestalt wiedergab, und ließ sich dann auf den Divan nieder und in eine bequeme Lage fallen. .Komm näher, Fausta." sprach sie, „und berichte, waS Du zu erzählen hast." Die alte Frau folgte Sem Befehle und seyte sich auf ein Tabouret an die Seite ihrer Herrin. „Es ist allerdings wieder eine Bitte, die ich Dir zuerst vorzutragen habe, und Du darfst es nicht übel nehmen, wenn ich Dich damit ermüde. Wer was kann ein Mutter* herz dafür, daß es bis zu seinem letzten schlage von Sorgen für das einzige Kind heimgesucht und bedrängt wird und nun nach der einzigen Stätte wandert, wo es Gehör zu finden glauben darf." „Na, das dachte ich^doch," antwortete Jbd». ohne damit Unruhe oder Unwillen zu verraten. „Aber sprich nur und komme zur Sache ' „Die Sache ist einfach: es kommt jetzt die' Stelle des Aufsehers auf dem linken Flügel unterster Stock zur Erledigung; die Stelle ist eine der besten im Gefängnisse, denn es werden da die gefährlichsten Ber-

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