Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1921)
- Date
- 1921-01-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seiten. fetfl AMit »Mlll-WS-WlM Bargerstra»* 149. H« 4642« Best bewährteste Teppicha. Bettfedern-Eelnigrang. Jüdische FamUienküche. Am ll. d Mts. wird die Familienküche Zeil 19, welche seit mehr als vier Jahren, streng rituell geführt, für den Mittelstand aller Konfessionen unterhalten wurde, gezwungen durch besondere Verhältnisse, ihren Betrieb cin« stellen. . Um nun dein große,, Bedürfnisse derjenigen Kreise des jüdischen Mittelstandes, die sich im eigenen Heün Mahlzeiten nicht bereiten könnenabzuhelfen, hat sich die Verwaltung der Israel. S upp e n an st al t in entgegenkommender Weise bereit erklärt, in ihrem Hause Theobaldsturße 5 — beginnend schon am nächsten Sonntag, den 16. ds. Mts. — eine Jüdische Famili e n küche zu eröffnen, wo zu den gleichen Preisen wie bisher Zeil 19 in der Zeit von 12—2 Uhr ein Mittagessen verabreicht wird. Die Familienküche wird ganz unabhängig von dem Betrieb der Suppen anstatt, der unverändert wie bisher weitergeht, geführt; die Zugänge von der Straße zu beiden Betrieben .sind verschieden. Es ist zu crnarte», daß die Jüdische Familienküche, die Zell 19 von alleinstehenden Frauen und Männern aller Berufe und auch von Studenten und Schülern höherer Schulen regelmäßig besucht wurde, auch im neuen Heim in der Theobaldstraße mach weitere Freunde finden wird. ■ Es werden nur Wochenkarten — Sonntag bis Freitag für 18.— Mark — ausgegeben; Einzelessen kann nicht verabreicht werden. Frankfurter Beranstaltnnge» Talmud-Thora-Verein, Hörsaäl Börneplatz, Freitag nach Mariw: Bortrag (Dr. I. B. Levy), Samstag n. Schacharis: Haftoro (Dr. Rabinsij, 11: Schulchan Aruch*) (Unna), 3>/<: Raschi (Lipinski). nach Mincha: En Jaakauw (Unna), Sonntag, nach Schacharis: Milchüa (Groß), 9r/i: Schulchan Aruch (Lipinski), 9h-: Gemoro*) (Unna), nach 'Mincha: Newiim (Unna), Dienstag nach Schacharis: Mischna (Groß), 6V-: Mikro (Unna). Mittwoch nach Schacharis: Mischna (Groß), 6H-: Chauwaus lewowaus (Dr. Braun), Donnerstag, 8: Gemoro*)^ (Unna), Fortbildung für Knaben, Samstag, 3: Schulchan Aruch, Dienstag und Donnerstag, 5H-: Mischna, Gemoro, Schiur für Damen, Sonntag, 5H»: Dinim (Unna). Agud. Jisroel, Freitag nach Mariw: Gemoro (Oppenheimer), 8: gemütlicher Abend, Samstag, 9H-: Gemoro (Dr. Posen, Tiergarten 42), 10-/«: Gemoro (Holpern), 11h«: Mischna (Hirschberg), 3: Gemoro (Dr. Hosmann), Sonntag, 8: Raschi (Oppenheimer), 2h»: Thillim, 8: Geschichte (Schachnowch)',. nach Mincich: Hebräisch *) Religionsschule Herniesweg 27. i) Auch für Damen. Kaffee Enhland Kaiserstrasse 88 Kaiserstrasae 56 Täglich erstklassige BV Unterhaltungsmusik Neue Jüdische Presse. (Jelen)'), Montag, 9: Gemoro (Ehrmann), Dienstag, 8: Tefillo (Kaufmann), 81/*: Gemoro (Dr. Hofmann), Mittwoch, 8^: Newiim (Unna, Kl. Obermainstr. 30), 9: Gemoro (Ehrmann), Donnerstag, 8'/c Vortrag') Mädchengr., Freitag, nach Mariw: Sidra, Samstag, 4: Tauroh (Hirschberg), Montag, 8H-: Dinim (Schachnowitz), Mittwoch, 7H-: Hiob (Ehrmann), 8H-: Chumcsch (Joel). Zion. Vereinigung, Unterlindan 21, Donnerstag, 8tyi: Leo Pinsler (Paula Schloß). Nation. Jüd. Jugend aus schuß, Frankfurt-! Loge, Montag. 7H-: Neuordnung im Judentum (Georg Landauer-Köln). Tiferes Bachurim, Langestr. 33, Samstag, 8H-: Hauptversammlung, Sonntag, 7H-: Wesen d. Judentums (Dr. Grombacher). Mekpr Chajim, Freitag nach Mariw: Mikro (Rabinowitz), Sonntag, 6: Jecheskel (Dr. Breuer), Montag und Mittwoch, 7: Gemoro (Dr. Breuer). Hesped aus I. L. Teplitzky, Mittwoch, 7hs morgens, Ostendstr. 63 l. Freies Jüd. Lese Haus, Goethepl. 5, Samstag, 7H-: Jüd. Geschichte (Dr. Salzberger), Montag (Gärtnerweg 56), 6: Aufbau Palästinas (Dr. Sternberg), 7: Bibel (Dr. Strauß-, 8: Jüd. .Haus (Dr. Salzberger). Dienstag und Donnerstag, 6h>: Jüd. Denken (Dr. Rosenzweig), Mittwoch, 6hj: persönliche Aussprache (Dr. Rosenzweig). Eingesandt. London, 26 th. Tebet 568i. Geehrter Herr RÄakteur! „Der Israelit" hat einen Artikel über die.Verhandlungen zwischen den Vertreter» der AgudasJisrr-el und Misrachi in dem Hause des Sir Stuart Samuel am Donnerstagabend, den 16. Dezember gebracht. Wollen Sie bllte mir die Gelegenheit geben, einige „Fehler" in diesem Bericht zu verbessern. 9co. 1. .In dem Artikel wird behauptet, daß beide Parteien übereinkamen, ohne gegenseitige Zustimmung, nichts bezüglich dieser Verhandlungen zu veröffentlichen. Dieses lesend, erinnerte ich mich, daß ich ttnr Tage vor der obenerwähnten Versammlung zu einem Misrachivertreter scherzend sagte, es wäre ratsam, einen Stenogravhen zur Hand zu haben, um das Gesprochene aufs Papier zu bringen. Mein Freund wunderte sich über meine Worte. Ich erinnerte ihn darauf an die - Amsterdamer Verhandlungen zwischen den Vertretern der genannten Organisationen, wobei beschlossen wurde, nichts ohne gegenseitige Zustimmung zu publizieren, — und trotzdem damals im „Israelit" plötzlich ein Bericht über die stattgesundenen Verhandlungen erschien. Leider hatten wir auch jetzt keinen Stenographen, aber die gemachte Erfahrung wird uns in Zukunft im Sinne sein. 'Jetzt beschuldigt uns „Der Israelit" mit dem gleichen Unrechtdas die Agudah damals getan hat. Ich wiederhole darum wörtlich die Resolution, die auf meinen Vorschlag angenommen wurde: „Daß nichts während der Verhandlungen publiziert werden soll, um schädigende Einflüsse auf dieselben zu verhindern." An, Donnerstag, zum Schlüsse der Sitzung, wurde eine zweite Zusammenkunft unter, der Bedingung ver- Nr. 2. Hanauerlandstr. 2 Telephon; H. 2802 Urinuntersuchungen «»a gewissenhaft abredet, daß die Vertreter der Agudah einem positiven Vorschlag Vorbringen, weil der Vorschlag der Misrachi abgelehnt worden war. Den folgenden Sonntag wurde mir durch Herrn M. Jung mitge'tcilt, daß die Vertreter der A. I. keinen Vorschlag vvrznlegen haben, weshalb die Verhandlungen abgebrochen wurden. Während der Kv nv er, a tiv n m it H errn In ng h a b e i ch ausdrücklich betont, daß die von mir vorgeschlagene Resolution bezüglich Publikation nunmehr hinfällig geworden ist. Bereits am nächsten Tage schrieb ich folgende» Brief an Sir Snwrt Samuel: Werter Sir Stuart! „Gestern habe ich mit Herrn Jung gesprochen und zwar mit dem Ergebnis, daß die Vereinbarung bezüglich Publikation unserer Verhandlungen jetzt zu Ende sei, weil die Verhandlungen abgebrochen wurden". Mit Zions-Grüße Ihr sehr ergebener/ Leo V o s. No. 2. ,„Der Israelit'? behauptet, daß die Agudah- Vertrcter einen Vorschlag für gemeinsame Arbeit bezüglich Erziehung in' Erez Jisroel unterbreitet haben, — aber hiermit hat er wiederum gezeigt, daß die Agudah-Führer in ihrer Politik nicht vertrauenswürdig sind. Kein solcher Vorschlag wurde seitens der Vertreter der A- I. gemacht. Es war Rabbiner Samuel Groß (ein Mitglied der Englischen Misrachi-Exccntive), der Vorschlag, A. I. und Misrachi mochten auf dein Gebiets der Erziehung .gemeinsam arbeiten. Er äußerte seine Ueberzeugilng,. die Wektlcitung der Msrachi werde bereit sein, der A. I. eine entsprechende Vertretung in der Waad Hamesakeach zu geben. Dieses wurde aber bei der A. I. abgelehnt. Hiermit sind die Tatsachen sestgestellt. Es ist sehr zu bedauern, daß die A. I. eine derartige Politik betreibt. Np. 3. . Bei der Massenversammlung .in der Great Assembly Hall Habe ich einen Stenographen jedes Wort, das von Sir Stuart Samuel gesprochen wurde, niederschreiben lassen, und ich bin deshalb im Stande, den verdorbenen Bericht des „Der Israelit" zu berichtige». DM" Büromöliel “Wf Gelegenheitsk&afe in Flach-, Büro-, Schreib« masohlnentlschen, Stühlen, Sesseln, eiserne Kontor-Sohränke. Freya, Büro-Einrichtungen, Theaterpl.li. Brecher untergebracht und der Aufseher' sehr reich bezahlt. Mein Fanstus wünscht diese Stelle zu erhalten. Du weißtder Kaiser wellt seit einiger Zeit Hier, und da bedarf es nur einiger Worte der ichöiren, glänzenden Jddo oder ihres Vaters bei dem Oberkämmerer Eusebius, um meinem armen Fanstus die schöne Stelle zuzusichern" Jddo war ernst geworden; ihr schönes Haupt wiegte sich hin Und her, und nach einigem SLachdenken sagte sie: „Das kann ich Ar nicht versprechen, Fausta. Das ■ ist eine sehr schwere Sache. Uuter uns, man ist bet Hofe jetzt sehr verstimmt, und weil mair die Dinge nicht gehen sieht, wie sie gehen sollten, will nw(n. von Bittch« und 'Gesuchen nichts wissen. Es muß Etwas im Werke sein, denn Eusebius hält sich zurück und zeigt sich sehr -Palt gegen uns. Ueberdiss ist die Stelledie Du.nanntest, mit großer Verantwortlichkeit verbunden, wie Du selber wissen mußt, und mau traut sie daher schwerlich einem jungen Manne, wie Fanstus ist, an, jür welchen "nur eine so geringe Bürgschaft geboten werden kann, -wie die nnsrige. Nein, Fausta, ich glaube nicht, daß wir hierin «ine Verwendung nur wagen dürfen, und noch weniger, daß sie irgend einen Erfolg hätte. Du verlangst zu viel, Fausta, Dein Sohn muß sich noch gedulden." Das alle Weib ließ de» Kops hängen, bald aber erhob sie ihn wieder und zeigteeeine zuversichtliche Miene. -.Ith habe meiner Herrin iroch etwas Anderes anzuoec- ' trauen, was freilich nicht Viele wissen dürfen. Du gedenkest doch sicherlich des jungen, schönen Mannes. Deines Vetters) der mehrere Jahre in Deines Vaters Hause Keilte, der dann plötzlich es verließ, worauf Du kurze - Zril'nachher Deine vielumworbene Hand dem seligen Abthaiion reichtest?" „Weisen?" fuhr Jddo heftig aus, und eine glühende Röte ergoß sich ihr über Antlitz und Nacken. „Patrika meine ich." fuhr die Alte ruhig fort, „deck herrlichen Jüngling, dem wir alte so herzlich zugetan waren, welches Glaubens wir auch, waren, Christen oder Heiden. Ich sehe, Herrin, Du nimmst noch Teil an ihm." Der flammenden Röte war eine tiefe Blässe auf dein Gesicht Jddo's gefolgt; ihre Hand zitterte, als sie bic der alten Fausta ergriff und mit bebender Lippe .-sriejf, sie aus: „Um Gott, Fausta, was weißt Du von Mm.' er'- , ist ja' tot, gefallen unter den einstürzendeck u«n v»n S.'pphvris. Ich denke ja sein nun wie eines geschiedenen Helden,, und' nur leise blutet mein Herz noch, das von der Trauernachricht zerrissen worden!? „Nun, teures Kind, er ist 'nicht tot, aber gefangen. Wie er gerettet worden, weiß ich nicht, aber das weiß ich, er ist gefangen zu Rom, und sitzt im linken FlligeL unterster Stock des Gefängnisses, wo mein Fanstus 'so gern Aufseher werden will. Ich kann Dir noch mehr sagen, Kind, er war zuerst im rechten Flügel zweites Stock untergebracht, wo diejenigen sitzen, welche dem Todesurteil entgegenharrcn. Hier hatte ihn mein Fanstus zu bedienen, .aber seit einigen Tagen hat.er das Beil des Henkers nicht mehr zu fürchten, denn er wurde in den linken Flligel übergeführt, wo diejenige sich befinden, die zu einer langen oder ewigen Gefangenschaft verurteilt sind." Eine tiefe Traurigkeit hatte sich 'über das Antlitz der reizenden Jddo gebreitet; ihr Haupt war herabgesnnkcn auf die Brust, und ihre Hände hatten sich in einandev>i gefaltet. Desto lauernder fielen die Blicke der Allen aus die Gestalt ihrer Gebieterin, und schienen die Wirkung ihrer Worte ans ihr herausziehen zu wollen. Eine Totenstille herrschte im Gemach, bis leise die Stimme Jddo's in der Frage erllang. „Und hat Dir Dein Sohn etwas über sein Befinden und seinen Zustand gesagt?" „Nicht viel, denn es waren.stets nur Augenblicke, in denen er ihn sehen konnte, wenn es etwas zur Bedienung gab und auch dann nur. in Begleitung eines Andern. Denn Du weißt wohl, daß einem solchen Gefangcnwärter nur wenige Freiheit zusteht, während der Aufseher zu aller Zeit freien Zugang zu den Gefangenen hat. Fanstus konnte nicht einmal dem gefangenen Herrn ein Zeichen geben, daß er ihn kenne, daß ihm ei» Freund in der Nähe sei. Aber als ich ihn mit Fragen bestürmte, teilte er mir mit, daß sich Patrika ziemlich wohl befinde und sein Schicksal'mit großer Ruhe ertrage; seine Gestalt sei aufrecht und fest; eine große Narbe ziehe sich über seine Stirn, und sein linker Arm sei steif geworden. Dies ist Alles, was er wußte und mir sagte." , Nach einer Welle stand Jddo von ihrem Sitz auf und sprach mit ruhiger, klarer Stimme: „Ich brauche bs Dir nicht erst zu sagen: die DirWe haben sich hierdurch geändert: dein Sohn muß die Ansseherstelle erhalten: wenigstens werde ich Alles versuchen, um zu diesem Ziele zu gelangen. Aber er wirdauch seine Bringungen zu erfüllen haben. Sobald ich etwas erreicht habe, 'werde ich Dich rufen lassen, und Du wirst dann mit Deinem Sohne hierher kommen. Hier hast Du etwas für Deine kleinen Bedürfnisse." Jddo ging nach einem Tischchen, mif welchem sie eine llmstvöll gearbeitete elfenbeinerne Truhe befand, ösfnete diese, griff hinein und reichte der Alten eine Hand voll Goldmünzen. Diese beugte sich über die freigebige Hand, küßte sie und verließ das Gemach. Lange Zeit schritt Jddo unruhig iu dem Zimmer-auf und nieder. Endlich blieb sie stehen, strich mit der Hand über die Stirn und ging nach der Türe,' durch welche sie alsbald in das' Atrium gelangte. Sie bitte über dieses hinweg und versenkte sich in die Reihe der Gemächer aus der gegenüberliegenden Seite. An einer kleinen Pforte blieb sie stehen und öffnete ohne Zögern. Sie^ stand sofort vor ihrem Vater. "Meschullam war älter geworden, sein weniges Haupthaar noch weißer, sein Rücken noch gebeugter oenn ehemals; seine Züge hatten aber in ihrem Ausdruck an dem Charakter gewinnender Schlauheit nichts verloren, und nur der stechende Blick hatte sich noch tiefer hinter die hcrabhängenden Augenbrauen zurückgezogen. Ties in Berechnungen und Papiere versunken, hörte er doch sofort die Schritte seiner Tächter, und nachdem er eine» slüchtigen Blick auf sie geworfen, sprach er: „Was ist Dir, meine Udo? ich sehe, Dü bist aufgeregt." — „Ja ich bin cs, Vater, denn so eben habe ich vernonrmen, daß Patrika nicht tot, daß er gefangen, daß er hier in Rom zu ewigem Kprker perurteilt ist. Vater, er muß, befreit, er muß gerettet werben!" Meschullam blickte seine Tochter scharf an, legre Schreibtasel und Griffel aus der Hand und antwortete ruhig: „Meinst Du, daß dies so geht, daß dies von uns abhängt? Ich sehe keinen Weg, ans dem dies gelingen könnte." - „Also wußtest Du es schon?" Und ein gewisses Erstaunen malle sich auf dem Antlitze Jddo's. „Und warum hast Du es mir 'nicht mitgetei.lt?" „Auch ich habe erst vor wenige» Stunden erfahren und war iwch nicht einig mit mir darüber, ob ich Dich durch die Nachricht iaufrege oder sie Dir verschweigen soll, da wir schwerlich etwas in der Sache ändern können." (Fortsetzung folgt.)