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Neue jüdische Presse · 1921-01-07 · Heft 1 (7.1.1921) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 1 (7.1.1921)
Date
1921-01-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Str. 1 Sette 3. Oslsnä - Apolhshs llanansrlanägtr. 2 VsIsxKov: 8. 2802 llpinunlensuehungen gewissenhaft Loge. Das Programm des 'Abends zerfiel in einen allgemeinen und einen liturgischen Teil. Der Sänger wußte vor allem die Lieder liturgischen Inhalts kraftvoll Und wirksam zum Vortrag zu bringen; hier war er mit'Er» folg bemüht, die religiöse Tiefe und das tiefe Pathos der Gesänge mit seinem ungewöhnlich mächtigen, volltönenden Organ auszuschöpfen und zu bemeistern. Es gelang ihm eine plastische, eindrucksvolle Wiedergabe der religiösen Gesänge. Die tiefer dringende Wirkung seiner Liedervorträge gab sich in einem starken Beifall der eigens zum Abend besonders geladenen Zuhörerschaft kund. (Sin Abend für den Seren hafeffod. In den Räumen deS Zionistischen HeimS, Unterlindau, gab eS am Sonntag einen jüdisch-musikalischen Abend, dessen Reinertrags für den Keren hajessod bestimmt war. Es war ein reichhaltiges Programm, das geboten wurde? Rezitationen, Gesangs- und Geigcnvortcägc wechselten miteinander ab. Mit einigen de» Zweck des Abends erläuternden und betonenden Worten wurde der Abend von Herrn Sviero cingeleitet. Die Rezitationen: ein Dialog zwischen zwei „Jeschiwoh - Talmidim", von Spiero verfaßt und Schalem Alejchems ergötzlicher und launiger Monolog „Reju Ajin höre" wurden recht sinngetreu und nicht unwirksam vorgetrage». Aus der Violine spielte Herr Läufer einige dankbare Musikstücke: wie die .Berceuse" (von Wilhelmy) -und „Italienisches Lied" [oon Donizetti) mit unleugbarem Geschick. Die Gesangsvorträge wurden von Frl. S i ni o n und Herrn G e r l i ch wirkungsvoll auSgefithrt. Wohl den meisten Beifall fand Herr Gerlich mit feinem gut gewählten, wie „Weil ich bkir, a Jid" und „Frcitog af der Nacht." Mit einer gut gebildeten, ansprechenden Stiinme und ausgesprochenem .Einsühlungsvermögen sang er die ostjüdischeu Volkslieder; am schönsten gelang ihm das wehmütig-trotzige „Weil ich bin a Jid." Am Klavier begleiteten die Damen E. und D. Schalkowitz gewandt. Den musikalisch-literarischen Borträgen schloß sich ein geselliges Beisammensein an. Alles in allem: ein angenehm verbrachter Abend, vor allem ,auch, wie wir höre», mit deni erwarteten ma-. teriellcn Erfolg. —tz. «leine Notizen. Die Zionistische Vereinigung hält am 13. Januar ihre Generalversammlung ab. Wochenbett-Ansstattiiiigeii' Hugo Rothschild Langestrasse 85.. Telefon Hansa 9926, Neue Jüdische Presse. Die Zionistische Bereinigung beabsichtigt, Spielnachmittage für vorschulpflichtige Kinder einzurichten. Anmeldungen an das Sekretariat Unterlindau 2t erbeten Ter „Bund der Freunde 1919" veranstaltet unter Mitwirkung von Alois Großmann nächsten Sonntag 4 Uhr in der Loge Einigkeit sein Stiftungsfest m i t T a n z. Frankfurter Veranstaltungen. Talmud-Thora-Berein,- Hörsaal Börneplatz, Freitag nach Mariw: Vortrag (Dr. Radin), Samstag nach Schacharis: Haftoro (Dr. Rävinsi), kl: Schulchan Aruch*) (Unna), 3>/r: Rasch» (Lipinski), nach Mincha: En Jaakauw (Unna), Sonntag, nach SchachariS: Mischna (Groß), 9Vt: Schulchan Aruch (Lipinski), 9>/-: Gemoro*) (Unna), nach Mincha: Rewiim .(Unna), Dienstag, 6»/z: Mikro (Unna), Mittwoch nach Schacharis: Mischna (Groß), 6»/»; Chauwaus lewowaus (Dr. Braun), Donnerstag, 8: Gemoro*) (Unna), Fortbildung für junge Leute, Montag. 8V»: Gemoro (Unna), Fortbildung für Knaben, Samstag, 3: Schulchan Aruch, Dienstag und Donnerstag, 5»/,: Mischna, Gemoro, Schiur für Damen, Sonntag, 5»/2: Din im (Unna). Tiseres Bachurim, Langestr. 33, Sonntag, 7 Vs: Das Wesen des Judentunis (Dr. Grombacher). Jüd. Franc »Vereinigung, Hörsaal, Sonntag, 6: Prophetenwort und Gesetzeslehre (Dr. I. Breuer), Kassee Kursaal. Dienstag, 4'/,: gesellige Zusammenkunft. M c k 0 r C h a j i m, Freitag, nach Mariw: Mikro (Rabb. Bermann), Sonntag, 6: Was uns die Bäume sagen (Ehrmann). Ha p 0 e l °H a z a i r,. Unterlindau 2l, Sonntag, 71/?; M. (S. Feierbcrg und sein Schassen (D. L. Spiro). Freies Jüd. Lehrhaus, Goethepl. ö, Svnntag, 11V2; Geist der Halecha (Dr. Nobel), Montag, 6: Ausbau Palästinas (Prof. Oppenheimer), 7: Heilige Schrift (Dr. Straus), 8: Das jüd. Haus (Dr. 'Salzberger), Dienstag und Donnerstag, 6(7: Jüd. Denken (Dr. Rosenzweig). Zio». Vereinigung, Unterlindau 2l, Donnerstag, 8Ve: außerordentl. Generalversammlung (Finanzen der Ortsgruppe, Schekel). Literarische Rundschau. Sin Brief AnSktS an Schaiom Asch. Der vor einige» Monaten in Warschau verstorbene Schriftsteller Sch. S. Rapaport (An—ski) -schrieb im November 1919 an feinen Freund Schalom Asch einen Brief, der bedeutsam ist durch die Schilderung der letzten Lebensstunden des Dichters Jakob Dinef 0 h n und durch die Liebe des Briefschreibers zur jüdischen Wissenschaft. Wir geben nachstehend diese Stellen wieder: . . Als ich vor fstns Monaten nach Warschau kam, fand ich Jakob Di ne so hu -äußerlich gesund *) Religionsschule Hermesweg 27. x) Auch für Damen. Bergexatraase 149. H. 4642. ■ottenwarnlchtuaa untei* Garan le. und munter. Obwohl er klagte, daß seine Füße schwalch seien und „den Dienst versagen", lief er ddn ganze« Tag herum wie ein junger Mann. Er war mit hunderterlei fremden Angelegenheiten und Sorgen besonders mit de» Kinderheimen, beschäftigt. Ihretwegen Knute ec sich den ganzen Sommer hindurch nicht einmal süic eine Woche von der Stadt losreißen. Bis zu den letzten vier bis fünf Stunden war ec bei vollem Bewußtsein. In den ersten Krankheitstagen wußte er nicht, daß sein Zustand gefährlich und unrettbar sei. Er sprach die ganze Zeit über die Kinderheime und vpn Perez. Von ihm erzählte er allerhand Erinnerungen und bat, man möge ihm von Perez erzählen. Am dritten Tage fühlte er offenbar, daß sein Leben Zu Ende geh^ begann von Tod und Begräbnis zu sprechen. Mit tiefem Ernst, als handle es sich um etwas sehr Wichtig^, ries er mich an sein Lager und sagte bittend: .Wir habe» miteinander abgemacht, ich und Perez . . . daß man UnS beiden . . . einen gemeinsamen Grabstein ausstellen soll . . . Perez war einverstanden. . . Nicht daran vergessen, ich bitte dich .... ich bestimme es so!" In seinen; Angen leuchtete es wie ein Gebet, man möge ihm dieß? letzte und größte Ehre nicht versagen. Nachher bat er noch ein -dutzendmal darum, als er schon nicht mehr bei Bewußtsein war. Bis zur letzten Minute, da er noch sprechen konnte, sprach er von Perez. Es ist charakteristisch, daß er bis zum letzten Augenblick trotz der schwersten Leiden nicht seine Weichheit und Zartheit verlor, Teinecfö Gereiztheit und keine Launen zeigte. Er lebte wie eine stille Taube und starb auch so. Einen Tag vor seinem Tode erhielt er einen Brief von Ihnen. Ich sagte chm: „Ein Brief von Schalonk Asch ist da." Er wurde munter und sprach erregt: .Mo? Wo? Zeig' her!" Doch er hatte keine Kraft mehr, ihn» in der Hand zu halten, geschweige den» ihn anzuhören. Später sprach er in seinen Phantasien von denk .Brief und von Ihnen im Zusammenhang mit den Kinderheinren und mit der Hilfe ans Amerika für diese...» : Unsere letzte und größte Pflicht gegen unseren Freund ist. seine gesammelten Werke herauszugeben. Ich schätze, daß es zehn bis zwölf Bände sein werden. Diese Ausgabe könnte besser und mit größeren Mitteln irr Amerika erfolgen (es wäre sehr zweckmäßig, wenn es unter Mgers Redaktion geschähe). Und jetzt über eine sehr wichtige öffentliche ANMlegenheit. Sie wissen natürlich von der Expedition, welche ich vor dein Mriege in der Ukraine unternommen habe, um solkloristische Schöpfungen zu sammeln. Ich habe irr den Conditorei und Cafe Wilhelm Wendel Altagasse 6 Talafon Haas« 1288. Frankfurter Breiiteu u. Betmänneheu. Sepphorts tmD Rom. Ein historischer Roma» aus dem vierte» Jahrhundert. Bon Ludwig Philtppsob». (Fortsetzung.) „Deine Absicht ist gewiß die richtige, und ich bewundre die Schärfe Deines Geistes, mit der Du diese verworrenen Verhältnisse' so klar durchschaust. Warum aber reizest Du den eitlen Mann noch mehr, wie durch unser Benehmen gegen die Kaiserin Du es soeben tatest? Ich bin Deinem Rate gefolgt, aber ich gestehe, mit widerstrebende!» Herzen. Von unserer Provinz aus hat man eine so tiefe Ehrfurcht vor der kaiserlichen Majestät, daß sie zu verletzen wie ein todeswürdiges Verbrechen erscheint." „O, mein Freund, das sind kindische Ansichten, die wir Alle ausgeben müssen. Vor der heiligen Majestät der Kirche erlischt alle irdische Herrlichkeit, und es muß die Zeit kommen, wo diese Kaiser und ihre Frauen an den Pforten der Kirche ebenso in Büßergewändern erscheinen müssen, wie die Geringsten ihrer llntertanen. Ihre Kronen sind nur eitel Gold und Edelgestein, die erst von unsrer Hand gesegnet und geheiligt werden und darum ebenso leicht von unsrer Hand zerbrochen werden, wenn ihre Träger ungetreu sind. Warum ich so handelte? Weil wir den Männern »m Palaste zeigen müssen, was wir sind; weil wir es ihnen in kleinen Dingen zeigen müssen, damit sie sich gefaßt machen, was wir in großen tun werden. Beuge Dich vor solch einem Menschen, und er wird Dir den Fuß auf den Nacken setzen; stelle Dich ihm aufrecht gegenüber, und er wird zurückweichen oder mit Dir kämpfen." Es 'trat eine ckleine Pause ein, denn der Prälat, zu welchem diese feurigen Worte gesprochen wurden, schien Zeit haben zu müssen, um sie in sich aufzunehmen. Er saß sinnend da, wie wenn eine neue Welt der Anschauung ihm eröffnet worden. Mer auf seinem ruhigen Antlitz verriet Nichts, ob er die Ansichten seines Freundes billige oder nicht. Jener aber war wiederum mit seinen Gedanken allzusehr beschäftigt, als daß er seinen Freund znm Gegenstand prüfender Beobachtung gemacht hätte. Endlich hob Leontius an: „So sage mir denn, Liberins, welche Deine Pläne, Deine bestimmten Entwürfe für die Zukunft sind?" „Gerade hierzu habe ich Dich zu mir berufen," antwortete der Bischof von Rom. „In den nächsten Tagen werden noch mehrere unsrer vertrauteren Brüder hier eintressen, um einen gemeinsamen Rat zu pflegen. Dich aber habe ich zuerst eingeladen, sowohl weil niemand meinem Herzen so nahe steht, und dann »veil Du das zu verteidigen weißt, was Du einmal als recht und wahr anerkanntest: wodurch Du denn auch sowie durch Deine Bescheidenheit und Ruhe das größte Vertrauen bei unser» Kollegen besitzest. Wir müssen zu jenem Konzil in'Rimini mit festen Entschlüssen kommen und mit treu gegebenem und fest gehaltenem Worte, damit, unsre Phalanx einen unerschütterlichen Wall imi die heilige Kirche bilde. Also höre. Wir haben dreifache Feinde: die Heiden, die 'Juden und die Ketzer. Mle drei müssen vernichtet werden. Denn so lange noch irgend eine Genossenschaft! wider die katholische Kirche zeuget, wird dieselbe weder im Innern dauernde Ruhe haben, noch nach Außen die Herrschaft des Satans verdrängen können. Gegen die Heiden müssen wir den weltlichen Arm verwenden, und dieser römische Staat muß begreifen, daß, weil er ein christlicher geworden, er jeder Einheit entbehrt, so lange noch einer seiner Untertanen den Geistern des Hades huldigt. Gegen die Juden haben wir einen andern Weg zu verfolgen, und Du wirst in wenigen Augenblicken einen Mann hier eintreten sehen, der uns die Mittel dazu bieten wird. Gegen die Ketzer aber müssen wir selbst Front machen, wir selbst, die Diener der Kirche, müssen alle unsre Kraft vereinigen, sie zu zermalmen. Unsre nächste Ausgabe ist, die Irrlehren des Alias zu unterdrücken. Keine Vermittelung, keine Ausgleichung, — das nicäische Symbolum und kein anderes! Wir verdanimen sie, wir schließen ihre Anhänger von jeder Kirchengemeinschast aus, wer es auch sei, wie hoch er auch stehe, wer sich nicht zu uns bekennt, wird von den vereinigten Bischöfen ausgestoßen, in den Bann getan! . . Glücklicher Weise ist Alias so weit gegangen, daß unter seinen Anhängern Zerwürfnisse nicht ausbleiben werden, und ist erst die Verwirrung in ihre eigenen; Reihen gedrungen, so wird der Sieg uns leicht werden. Er wagte es, die Gleichheit des Sohnes init dem Bäder ' zu leugnen; weil der 'Sohn erzeugt worden, könne er nicht ewig sein, darum auch nicht unveränderlich, folglich auch nicht Gott an sich, sondern nur Gott durch die Gnade des Vaters, darum auch nicht rein und fandenlos an sich» sondern in der Freiheit, zu sündigen und Recht tzu tun,- daß ec das Letztere aus eigenem Willen wählte. Dies ist zu stark, zu sehr gegen die Lehre dibu Kirche, zu frech aus der menschlichen Vernunft »md falschen Auslegung der Schrift gezogen, als daß nicht die meisten derer, die sich seine Schüler nennen, jetzt, .wo ihr Meister dahin ist, wohin er gehörte, in dem Feuer der Hölle, nicht einen Ausweg suchen sollten. So fängt sich Satan in seiner eigenen List, und weil er die Maschen seines Netzes zu groß angelegt, wird er seine Beute verlieren. Ich habe werter Bruder, einen Entwurf abgesaßt, worin die Wege angegeben sind, die wir für die pächMp und weitere Zukunst einzuschlagen haben. Ich werde ihn Dir vorlegen." . Kaum waren diese Worte beendet, als einleises Klopfe» an der Thüre vernehmbar ward und ein Diener hereintrat, der zu seinem Herrn svrach: „Der Fremdst ist da." ' Liberius hieß, diesen nach einigen Augenblicken eintreten zu lassen, und wandte sich zu seinem Freunde: „Der Mann, den Du sogleich erblicken wirst, ist ein großer Gewinn für unsre heilige Kirche.. Es ist ein Jude, der das Heil erkannt hat. Er hat bereits Großes getan, und der Untergang seiner Stammesgenossrn in Galiläa ist vorzugsweise sein Werk. Du mußt von ihm gehört haben, er nennt sich Joseph." „Allerdings habe ich von ihm gehört, denn dr hat in Asien einen großen Ruf." Die Blicke beider geistlichen Herren richteten sich aus die Thüre, durch nelche alsbald eintrat — Joseph der Abtrünnige, Mit vorgebeugtem Oberkörper schritt er langsam aus die beiden Bischöfe zu, und angekommen vor dem Lehnstuhle des römischen Priesters, warf er sich auf beide Knieen, ergriff den Fuß des Liberius und küßte ihm den Pantoffel, aus welchen ein goldenes Kreuz gestickt war. Dann rief er aus: „Heiliger Vater, gib mir Deinen Segen! So wie ich jetzt Dich verehrt habe, so werden die Geschlechter aller zukünftigen Zeiten hierher pflgeru um die Nachfolger des heiligen Petrus in selbiger Weise zu verehren und ihren Segen zu erflehen!" In den Augen des Liberius flammte es wie die Befriedigung eines Gedankens, den er feit langer Zeit, wenn auch verborgen, in sich getragen und der jetzt unerwartet, plötzlich den Ausdruck gefunden hatte. Aus dem Antlitz seines Freundes dagegen konnte man ein Mißbehagen erkennen, das sich durch ein leichtes Schütteln ^nt l>em Haupte kund tat. Aber der Bischof yon Rom war. zu sehr von dem Strome der Gefühle und Gedanken, Ser seinen Geist augenblicklich durchflutete, ergriffen, als daß er seinen Nachbar hatte beobachten können. „Steh aus, mein Sohn."

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