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Neue jüdische Presse · 1921-01-07 · Heft 1 (7.1.1921) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 1 (7.1.1921)
Date
1921-01-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Nr. 1. Paul JoriclTs Künstlerspiele Sohafargasse 13. 7 Uhr (früher Eldorado) 7 Uhr. Vornehmes Familien-Kabarett. ■ Kein Weinzwang. 3fr. Bartenbauschule Ahlem. Eine Kuratorinmssitzung der Jsr. Gartenbauschule Ah- Itm in Hannover besMftigte sich hauptsächlich mit der Erörterung der Finanzlage der Schule. Nach dem Berichte des Vorstandes ist das Defizit der beiden Jahre 1919 und 1920 in Höhe von etwa 200000 Mark durch die Sammlung des vor kurzem errichteten .Hilfskomitees für Ahlem" etwa nur zur Hälfte gedeckt. Es fehlen noch rund .160600 Mark. Unter solchen Umständen hat der Vorstand süb schweren Herzens zu dem Anträge an das Kuratorium entschließen müssen, die sämtlichen Mädchen-Abi teilungeu der Schule bis auf weiteres.— d. h. so lange die Übeln Finanzverhältnisse andauern — z u schließen, und hat dementsprechend seinen Voranschlag für 1921 ausgestellt. Das Kuratorium stimmte den, Vorstandsantragr zu. Selbst bei der erheblich verringerten Zahl der Zöglinge Würden im Jahre 1921 mehr als 150 000 Mark an freiwilligen Spenden aufzubringen sein, um den Betrieb der Schule aufrecht zu erhalten. Mau hofft mit dieser Summe zu reichen, und es wären dann bis Ende 1921 im ganzen 250000 Mark erforderlich. Mit Rücksicht auf diesen Riesenbedars bewilligte das Shiratoriimt aber die Ausgaben vorläufig nur für ein halbes Jahr. Es will im März aufs neue zusainmentreten, um über die Lage der Anstalt weiter zu beraten und, wenn nötig, eine weitere Herabsetzung der ' Schülerzahl zu beschließen. Alle diejenigen, denen das Wohl der jüdischen Jugend um Herzen liegt, werden mit dem Vorstande und dem Kuratorium das Gefühl haben, daß diese einstweilen notwendig gewordenen Beschlüsse möglichst wieder aufgehoben werden sollten. Das kann natürlich nur durch Heranführung großer Geldmittel geschehen, und es wird insbesondere die Aufgabe der in ganz Deutschland verteilt wohnenden Mitglieder des Kuratoriums und der Lokal- Komitees sein müssen, diese Gelder heranzuschafsen. Pole«. Kl, Wen« ein Jude ln Polen reift. ■ ' ' Als der Krakau-Warschauer Zug IlVs Uhr abends in Sombkowice eintraf, erschienen einige & Offiziere und forderten die Juden — im ganzen 12 - Personen — auf, den Zug sofort zu verlassen, da sie ,es"unter ihrer Würde halten, mit Juden zusammen in C/ 'einem Zuge zu fahren. Da die Juden den Zug nicht verlassen wollten, ließen die Offiziere sie von Gendarmen J' Hinauswersen. Mit Hilfe eines Kondukteurs schlüpfte der , jWische Passagier Rojal, der erst jüngst im Interesse rjv _ seines polnischen Vaterlandes 100000 Mark Anleihe kaufte, in einen zweiten Waggon, wo ihn mitleidige Pas-; sagiere in das Klosett versteckten, — und im Klosett :'y 1 mußte er die Fahrt bis Warschau znrücklegcn. W' K (V.? t. i! Pi Südafrika. Eine «ehe des Generals Smnth. Bei der Begrüßung des in Pretoria eingrtrosfenen Großrabbincrs von England, Dr. Hertz, hielt Ministerpräsident General Smnth eine Rede, in der er .sagte: „Die Inden von Südafrika habe» bei voller 'Aus- ' rechterhaltung ihres nationalen und religiösen Charakters 'mit der übrigen Bevölkerung im Geiste der Brüderlichkeit zum Wohie des Landes zusammengearbeitet. In Südafrika gibt es keinen Antisemitismus, in allen Lebens- .lagen und in jeder sozialen Situatio» ist der Jude gerne .'gesehen und hat die größten Erfolge erreicht. Niemand neidet den Juden diese ihre Erfolge, weil sie sie ehrlich verdienen. Sie bilden in Südafrika eine» wichtigen Faktor, und ihre Bedeutung wächst zusehends. Wir wünschen daß sic ihre Fähigkeiten, ihre geistige und materielle Hilfe in das Land bringen." Smnth kam auch ans Palästina zu sprechen und forderte die Juden seines Landes ans, ihre Kraft dem Palästina-Projekt zu widmen, wenn er auch wünsche, daß die Juden Südafrikas zum Segen der Bevölkerung im Lande bleiben Kurze politische Rachrichte«. r;L Budapest. Der Abgeordnete Paul Sandor, ein ‘ Assimilationsjude, hatte die Charakterlosigkeit, im „Pcster tf Lloyd" Ungarn als das einzige Kulturland des Ostens lj,~: zu preisen. - Unb dabei darf dieser Herr sich des Abends nach 8 Uhr nicht ans die Straße ivagen, wenn er nicht j . von einem der epanlettierten Kulturträger Ungarns erschlagen werden will. M- - > Warschau. Eme jüdische Abordnung — Dr. Diamond, C.<' Dr. Reich und Dr. Schleicher — sprach beim Nnter- ■ richtsminister Rataj vor, um wegen der Aussperrung?_■ ~ f üb. Studenten aus den Hochschulen zu ■r, - intervenieren. Der Minister antwortete, er sei sich der 'tragischen Lage der jüdischen Studenten bewußt und gebe u, daß ihnen unrecht geschehe. Leider seien bislang oße Schwierigkeiten bei der Regelung dieser Frage Zu Neue Jüdische Presse. überwinden, doch' hoffe der Minister, baß in kurzer Zeit - die bisher geltende Verordnung über die Aufnahme an den Hochschulen werde abgeschafft' werden; er selbst werde demnächst eine offizielle Verlautbarung darüber.heraüsgeben. , Land»«. Bei einem Essen zu Ehrendes hier weilenden Gouverneurs von Jerusalem Ronald Storrs zollten Lord Northcliffe und Cccil Harmsworth, der Unicrstaatssekretär des Auswärtigen, de» Leistungen Sir Herbert Samuels in Palästina ihre Bewunderung. Bagdad. Der gewesene jüdische Deputierte S a s s o n E f f e k b i übernahm in der in Irak unter englischem Protektorat gebildete» arabische» Regierung das F i n.a n z - Portefeuille. Fast allwöchentlich treffe» hier Massen jüdischer Heimloser, größtenteils ans dem Kaukasus, ein, die sich nach Palästina begeben. «ew Kart. Der amerikanische Verband der litauischen und baltischen Juden hielt einen Kongreß ab, an dem der Gesandte Litauens trilnahm. Trotz seines kurzen Bestehens hat der Verband bereits fast eine halbe Million Dollar für Unterstützungen -nach Osteuropa geschickt. Ans der Misrachi-Bewegimg. Antwerpen. Der hiesige MlSrachi hat eine Schule gegründet. Sie zählt bereits l00 Kinder. Wilna. Der hiesige Misrachi gibt eine Wochenschrift heraus nick» will eine hebräische Monatsschrift herausgeben. t machen Sie jetzt, während unseres bekannten Grossen Unsere Anslagen geben ein übersichtliches Bild über unsere :: hertonagenden Angebote Carscli Herrenn. Knaben-Kleidnng - Liebfrauensirasse 8—10 u. Neue Kräme 27 Aus der „Agudas Jisroel"-Beweg««g. Frankfurta.M Heinrich Eiseuinann hielt in der hiesigen Jugcndgruppc einen Vortrag, der durch die Beherrschung der jüdisch-politischen Probleme und durch die Orfenhei? des Bekennens ansprach. 'Redner bedauerte, daß die Agudas Jisroel-Organijation noch immer ohne ein Programm ist. Für das Jahr 1914 war die Kcnesijo-Gedanloh, der Kongreß der Aguda, eiubcrusen worden, der ihr bestimmte Gestalt hätte geben sollen, — 'aber da brach der Weltkrieg ans, und so ist cs bis heute nicht zu dem Kongreß gekommen. Trotzdem steht es für den Redner fest, ecijj die Aguda eine politiichc Organisation ist. Alan muß heute diese Auffassung wohl acccptieren, wenn, auch dem Gründer der Aguda, Louis F e i st s. A„ eine unpolitische Organisation der Gesamtorthodoxic vorgeschmebt hat. Des weiteren vertrat Eisenmann den Standpunkt, daß die Aguda offen Stellung zu den Problemen des jüdischen Lebens nehmen mutz und sich theoretisch auch dann klar aussprecheii muß, wenn sie es für zweckmäßig hält, sich vorerst reserviert zu verhalten, denn noch ist die Organisation der Aguda nicht durchgcsührt. Besonders forderte er das prinzipielle Eintreten für das nationale Judentum, das bedeutsamste jüdische Problem der Gegenwart. Fast 300 Jahre hatte während des Mittelalters das Judentum in Polen eine national-kulturelle Autonomie, sodaß das heutige Streben in gewissen Ländern mit starker jüdischer Bevölkerung — ein Streben, das in Litauen und in der Tschecho-Slowakei schon seine Verwirklichung gesunden hat — nichts Neues darstellt. Man solle sich nicht dem Berechtigten des Nationalen wegen eines Radikalismus, wie er in Klotzk i n einen Verfechter hat, verschließen. Perfo«Rtte» «. kleine MitteUmrge». Berlin. Seb. Medizinalrat Professor Dr. Leopold Landau ist gestorben. Mit ihm ist nicht nur ein Gelehrter "NN M-k<r,,f mth -in vräckitiaer Mensch abberufea Stadtu. Üniv.-Bibl. Frankfurt am Main worden, sondern auch ein für alle jüdischen Probleme aufs lebhafteste interessierter Jude. Er war der 1. .Vorsitzende des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums und gehörte der ehemaligen Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelin Universelle an. BreSlau. Die OberlehrertnDr. Gertrud Landsberg, die die Leitung des Pavelschen Lyzeums übernimmt, trat zum Christentum über. Dir Gemeinde wählt« Rabbiner Dr. Cohn-Rawitsch zum D a j a n, welches Wort in Breslau nicht mehr mit „Richter", sondern mit „Oberausseher über das Schlacht« wesen" übersetzt wird. Dr. Cohn 'mußte einen. Vertrag unterschreiben, in dem er sich u. a. verpflichtet, „keine separatistischen Bestrebungen in der Gemeinde zu fördern." Bafel. Die Israelitische Gemeinde wählte in geheimer Urabstimmung ihrer Mitglieder I. Dreyfuß-Brodski wieder zum Präsidenten und S. Ginsburger-Hirsch, S. Bloch-Roos, Dr. We tuet Bloch Dr. M. Ditisheim, I. Spira, Al fr. Bodenheiiner, E- H e y m a n n , I. Jung, L. Levh- Hemmendinger und Großrat Dr. Wormser als Vorstand. In Genf wurde eine „Liga jüd. Frauen zum Schutz der F r a u e n e h r e und des Kindes" gegründet. Sie hat bereits beim Völkerbund eine Denkschrift über die Pogrome eingereicht. > I. G r ü n b e r g, Direktor des „Argus Suiss: et international de la Presse", der Schöpfer des schönen Journalistenheims in Genf, war der Gegenstand einer Ehrung seitens der Mtglieder des „Cercle de la Presse." Tarnow. Bei den Wahlen in die hiesige Kultusgemeindc haben die Zionisten einen überwältigenden Sieg errungen. Bon 21 Mandaten, welche zu besetzen waren, siele» ihnen 20 zu. Riga. Israel Ch atm Tawjow ist — 63 Jahre alt — verschieden. Er gehörte zu den besten Feuklletoniste:i in der hebräischen Presse (besonders im „tzamcliz" und „Hazmaii") und veröffentlichte sehrwertvolle Studien aus dem Gebiete der hebräischen und jüdischen Philologie und Literatur. Besonders wertvoll ist seine Studie über die hebräischen und slawischen Elemente in der jüdisllzcn Sprache. Sein Hauptverdienst war die Schaffung einer hebräischen pädagogischen Literatur. Ans diesem Gebiete verfaßte er eine große Anzahl von Lehrbüchern und Anthologien und gab eine hebräische Jngendzeitung, „Hcchawcr", heraus. In den letzten Jahren übersetzte Ir für den Stybel-Verlag eine ganze Reihe von europäischen Romanen, so Dickens, Zola und Oskar Wilde. Vor einigen Wochen kam Tawjow mit einem Flüchtlingstransport aus Sowjetrußländ nach Riga, wo er infolge seiner Erschöpfung schwer erkrankte. Frankfurter Berichte. Hort für jüdische Mädchen. . Dem Jahresbericht entnehmen wir: Der Hort hat sich in stetiger und ruhiger Arbeit günstig weitcrentwickelt trotz zahlreicher aus den traurigen wirtschaftlichen Zuständen entstandener Schwierigkeiten. Solange toir nicht ein eigenes Heim besitzen, dürfte die Unterbringung unserer Zöglinge während der Winlcrzcit mit zu den regelmäßigen großen Schwierigkeiten zählen, die wir vor zwei Jahren dadurch überwanden, daß nnS seitens der Israelitischen Volksschule ein geeigneter Klassenraum überlassen wurde imd während der langen Kohlcnferien die Gastfreundschaft des Vereins Mekor Chajim in dessen Lokal in Anspruch genommen wurde. Im letzten Winter benutzten wir den Zeichensaal der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschast. Viel erfreulicher gestaltete sich der Hortbetrieb im Sommer, w» wir in der Turnhalle und im Schulhof frei sck)alten können. In den Sommerferien konnten wir mit Unterstützung des städt. Wohlfahrtsamtes unseren Zöglingen eine besondere gesundheitliche Förderung angedeihen lassen. Im Sommer 1919 ftihren die Kinder'in einem Sonderwageu der Straßenbahn nach dem Restaurant Milani, Mederrad und verbrachten den Tag im Freien, bei schlechtem Wetter in der Halle. ' In den letzten Sommerferien wurde uns von Herrn David Er am er ein prächtiger Garten auf dem Röderbergweg überlassen, in dem die Kinder sich den ganzen Tag über aushalten konnten. Auch diesmal hat die Israelitische Familie,iküche, Seil 19, durch Lieferung der Mittagsinahlzeit unseren ank verdient. Außerdem war es möglich, den Kindern, täglich etwas Milch zu verschaffen, und so köimen wir bei unseren Zöglingen in diesen vier Wochen über G»- nichtsznnahmen von 6 bis 8, in einem Falle sogar von 10 Pfund berichten. Das allein mag, als ein Beispiel unter so vielen, die segensreiche Wirkung unserer Arbeit kennzeichnen. Zur Zeit ist der Hort von 79 Mädchen besucht. Wie aus dem Kassenbericht hervorgeht, stehen an ständigen Einnahmen, Jahresbeiträgen und Zinsen, kaum Mk. 2500.— zur Verfügung, unb es sind daher Spenden dringend nötig. Vorträge. Der Lubliner Kantor Max Freimann gab, auf der Fahrt nach Amerika begriffen, ein Konzert in,der Frankfurt- Weltbernhmt sind L. Fassbenders ELonfitu.ren« Kaiserstrasse 32. T

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