Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 48 (31.12.1920)
- Date
- 1920-12-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3.. HK. 48 ' Ostend-Jlpof hebe Hanaaerlandstr. 2 Telephon : H. 2802 Urinuntersuchungen SEJ« daß sich die Anstalten nach Konfessionen zusammenschlossen, so der katholische Charitasverband, der protestantische Kaiserstrerther und so in Gruppen dem Reichsverband beitraten. Wohl oder Abel waren also die jüdischen Anstalten, wenn sie nichteinflußlos bleiben wollten, tze- Sen, sich im „Bund jüdischer Kranken- und Pflegern" zu organisieren. (Siehe den Bericht' in einer früheren Nr. dieses Blattes.) In der heutigen schweren Zeit der furchtbaren lvirtschaftlichen und politischen Depressionen sehen sich die Anstalten, namentlich die nicht staatlichen oder kommunalen, vor fast unüberwindliche Schwierigkeiten gestellt. Insbesondere hinsichtlich Beschaffung von Lebensmitteln, Arznei- und Berbandsflosfen, Textilwarenferner Achtstundentag, Heranziehung von Stistungsmitteln zu Steuern (Betriebsrätegesetz) Fragen, deren Nennung schon die Organisation erforderlich macht. Dem „Reichsverband" ist außerdem.ein „Wirtschaftsbund" angegliedert, der sich die möglichst billige und bequeme Beschaffung der erwähnten Bedürfnisse zur Aufgabe macht. 'Der Anschluß der jüdischen Anstalten liegt also nicht nur in .ihremeigenen Interesse, sondern ist sozusagen Ehrensache, um den jüdischen Einfluß nicht auszujchalten. Sanitätsrat Dr. Me hier, Vorsitzender des Verbandes Frankfurter Krankenanstalten, -begrüßte alsdamq die Versammlung und empfahl warm den Beitritt. Verwalter Seckbach vom Gumpertz'schen Siechen« haus Frankfurt a. M. hob namentlich das ideelle Moment hervor und legte von seinem bekannten Standpunkt aus überzeugend dar, wie besonders jüdische Anstalten auf religiöse und humane Grundlage gestellt werden müssen. ' Verwalter Marx von der Jsr. Waisenanstalt Frankfurt a. M. erörterte die Vorteile einer örtlichen bezw. Bezirks-Organisation mit ihrer Möglichkeit öfterer Zusammenkunft und gegenseitigen Kennenlernens. A. ü. Thyssen Stets Eingang •V~ Neuheiten in Tapeten “NI Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke Weisafrauenatraflae. Telefon: Hansa 1784. Neue Jüdische Presse. „ Aus der sehr anregenden Aussprache ergab sich die allgemeine Zustimmung zur Gründung der geplanten Bezirksgruppe, — und in den Vorstand wurden einstimmig gewählt: - Inspektor Ähre ns, Vorsitzender, Schw. Oberin Hirkch, Verwalter Marx, Frau Justina Rosenthal, Verwalter Seckbach, Dr. med. Fulder, Mannheim und Dr. med. Reis, Heidelberg. Die Repräsentanteuversammlun, als religiöse Instanz. Die Repräsentanten der Berliner Jüdischen Gemeinde scheinen sich in ihrer den Rabbinern abgenommenen Rolle einer religiösen Instanz zu gefallen. Auch die letzte Sitzung war zum größten Teil einer religiösen Debatte gewidmet. Es handelte sich dämm, sämtlichen traditionellen Synagogen einerseits und sämtlichen Orgelsynagogen andererseits einen einheitlichen Gebetstext zu geben. Nach langen Debatten wurde beschlossen, eine konservative und eine liberale Kultuskommission zu wählen. Die fünf traditionellen Synagogen dürften nun wohl bald die zwischen ihnen bestehenden Unterschiede ausgemerzt sehen. Daß aber die Orgelsynagogen mit ihren verschiedenartigen Gebetbüchern zu einer Einheitlichkeit gelangen, sieht nicht sehr wahrscheinlich aus. Polen. 8t« A«trag auf Aburteilung valachowicz! Wie bereits berichtet, ist General Balachowicz nach der Internierung seiner Truppen, deren größte Heldentaten das Morden und Berauben der friedlichen jüdischen Bevölkerung war, nach Warschau gekommen. Dies hat den Abgeordneten der Jüd. Bolkspartei Veranlassung gegeben, den General bei der Regierung anzu-^ Nagen. Aus dem Anklagematerial sei hier folgendes wiedergegeben: ' * 1. Ich, Rifka Sommer, erkläre, daß General Balachowicz bei mir gewohnt hat. Mittwoch, den 18. August gegen Mittag hörte ich Hilferufe, die Soldaten Balachowicz brachten einen Juden, der meinem Manne die Kleider genäht hat (man sagt, daß er Komorowski heißt), und schlugen ihn in solcher Weise, daß ihm das Blut aus dem Munde floß. General Balachowicz öffnete das Fenster und fragte: ,L8arum schreit er denn?" Die Soldaten antworteten, daß der Jude sich nicht habe arretieren lassen. Hierauf fragte General Balachowicz den Juden: „Warum schreist du?" Dieser antwortete, daß die Soldaten ihn seiner Stiefel beWuben wollten, worauf Balachowicz den Befehl gab: „H enkt ih n!" Die Soldaten riefen: „Bravo!" und henkten den Juden vor dem Fenster. Ich selbst habe das ganze Gespräch gehört und alles mit eigenen Augen gesehen. Eine halbe Stunde nach der Hinrichtung begab (ich der General Balachowicz auf den Balkon und forderte die Soldaten auf, unverzüglich alle Inden zu henken/ wen» sie um Hilfe rufen. Ich glaube, daß er auf biese Weise zu verstehen gab, daß die Beraubten während der Prügelei nicht schreien dürfen, und tatsächlich haben nach diesem Befehl auch alle Juden der Plünderung'ihrer Habe stillschweigend zugeschaut. 2. Ich, Schija Lichtenberg, bestätige und versichere, daß die Erklärungen des Lerner und des Lebe r m a n n, wonach ich lebend eingegraben und dann Billig» W Bnromdbel Gelegenheitakänfe in Flach-, Büro-, Schreibmaschinentischen, Stühlen, Sesseln, eisern» Kontor-SohrSahe. Freys, Bö r o-Einrichtungen, Theaterpl. 14. später durch meinen Vater losgekauft wurde» vollkommen auf Wahrheit beruhen, und ich erkläre, daß diese Tal die Offiziere des Ostrow-Regiments, die Leutnants Afanasiew und Heinrich Petrow,- begangen haben. 3. Ich, Chaim Gdanski, und ich, Mendel Blumenkranz, erklären hiermit, daß einen Mmmt nach Abzug der Bolschewiken die Soldaten des Balachowicz zu uns gekommen sind. Sip begannen damit, Geld zu suchen, und führten uns dann in den Klostergarten ab. Auf dem Wege zum Kloster begegneten wir einem: Kapitän der Armee Balachowicz» welcher fragte: „2Ben führt man da?" — ^.Juden!" — „Füsiliert fiel" Im Garten wurden wir geschlagen. Man raubte Uns die Kleider und beschmutzte unsere Gesichter. Wir wurden bis zum Morgen in einer Weis« gefoltert, daß Blumenkranz die Leute angefleht hat, ihn lieber zn erschießem Mar-, schalkowicz liegt jetzt noch an den Folgen der Folterungen krank darnieder. Jngoslavien. Jüdischer Minoritätenschntz. Gr.-vecSkerek. Die Regierung läßt hier eine staat. liche jüdische Schule, die erste ihrer Art» errichten. GrotzLrttarmie*. Eine Massenversammlung der Ag»d«S JiSrnel i»Ln»dn». Die von der Agudas Jisroel einberufene Massenversammlung wurde von Sir Stuart Samuel» dem Präsidenten des Misrachi, geleitet."* Sir Samuel begann mit der Erklärung, daß er, da er als Präsident der Deputierten der englischen Juden die englische Judenheit repräsentiere, auf Ersuchen die Leitung einer Veranstaltung, bei der so zahlreiche angesehene Rabbiner anwesend find, übernommen habe. Er halte es für durchaus notwendig, daß di« orthodoxe Judenheit sich in der Slufgabe einige, Palästina im Geiste der Thora zn entwickeln. Doch die Versuche, Misrachi und Aguda zn vereinigen» sind fehlgeschlagen, weil an den Misrachi das Ansinnen gestellt wurde, sich von der Zionistischen Organisation zn trennen. Es sprachen sodann Rabbiner Meir Dan Plozki- Ostrowa, Dr. Nathan Birnbaum» der infolge seiner Kaffee Kaisergarten am Opernplatz Erstklassiges Famlllen-Kaffee _ Täglich von 4 Uhr ab: Künstler - Konzert» Sepphorls und Rom. Ei« historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert. Bon Ludwig Phllippsoh«. (Fortsetzung.) . „Mein kaiserlicher Gemahl," hob Eusebia an, „mir sind tiefe Kränkungen widerfahren, und da ich weiß, daß Du die kaiserliche Würde in mir so hoch hältst, wie in Dir selbst, so halte ich es für meine Pflicht, die ich Deiner Majestät schulde. Dir mitzuteilen, was vorfiel." Constantius wurde aus diese Anrede sehr ernst, blickte die Kaiserin prüseiw an und nickte ihr dann mit dem Haupte schweigend zn. „Nachdem wir hier angelangt," fuhr die Kaiserin fort, „hielt ich es für Schuldigkeit und ratsam, den armen Christen meine Gegenwart durch freigebige Spenden fühlbar zu machen, und ich sandte daher eine bedeutende Summe an den Bischof Liberins von Rom, mit der Bitte, sie an die Armen seines Sprengels zu verteilen. Da sandte mir dieser Mann das Geld zurück mit den Worten: Da ich mich zu den ketzerischen Bischöfen Auxentius und Epictetus hielte, so sollte ich diese auch zur Verwaltung meiner Almosen gebrauchen, und ehe ich mich nicht zunt nicäischen Symbolum bekannt hätte, werde er nichts von mir annehmen." Der Kaiser.schien betroffen, und sprach: „Das ist allerdings vermessen!" „Aber das ist iwch nicht alles. Ich hatte erfahren, daß Leontius, der Bischof von Tripolis in Lydien hier verweile, und da ich längst vorhatte, alldort eine fromme Stiftung zu machen, ließ ich ihn gestern einladen, vor mir zic erscheinen. Wie lautete nun aber seine Antwort? Er ließ mir sagen: da ich für die arianischen Bischöfe so viele Ehrerbietung hätte, so müßte er bezweifeln, ob ich ihm, dem katholischen Bischof, genügende Ehrfurcht bezeugen werde.' Er müsse daher, wenn er der Einladung folgen sollte, die Bedingung stellen, daß rch, sobald er eingetreten, von meinem Throne herabsteige, ihm bis an die Türe entgegenkomme, seinen Segen in einer demütigen Stellung annehme und so lange stehen bleibe, bis er seinen Platz eingenommen habe und mir erlaube, mich niederzusetzen. Ich brauche Dir nicht auszudrücken, mit welchem Mißmut« mich dieses hochmütige Verlangen erfüllte. Sind wir schonso. weit gekommen, daßdie Priester ihren Stuhl hoch über den kaiserlichen Thron stellen? Die Hand Deines großen'Baixrs hat sie aus/ dech Staube erhoben, sind sie schon, so mächtig geworden, daß sie uns erniedrigen können?" Eusebia.hatte mit Leidenschaft gesprochen; letzt senkte sie das Haupt, kreuzte die Arme und schien ruhig den Ausspruch des Kaisers zu erwarten, ohne jedoch verhindern zu können, daß es wie ein Zittern durch ihre Glieder suhr und ihr Busen sich hob und senkte. Der Kaiser hatte nach seiner Gewohnheit, je länger seine Gemahlin sprach, sein Gesicht desto Mehr übgewandt und seinen Blick seitwärts auf die Wand des Saales gerichtet. Nach längerem Schweigen sprach er: „Eusebius, was ist Deine Meinung?" Der Oberkämmerer trat mit tiefer Verbeugung näher, und sprach dann in unterwürfigem Tone: »Kaiserlicher Herr, ich kann nur Deine und meiner erhabenen Gebieterin Meinung aussprechen: beide Vorgänge sind Majestätsverbrechen und müssen als solche bestraft werden. Aber ich habe aus Deinem göttlichen Munde das Wort gehört: „Ich vergesse.Nichts, aber ich warte." Die Zeitumstände sind schwierig: Mein kaiserlicher Herr hat seine Hand offen gegen den finstern Glauben des Götzendienstes erhoben; Du hast,aus der Fülle Deiner Weisheit das Dekret erlassen: Jedes 'öffentliche heidnische Opfer soll mit dem Tode des Priesters und mit der Einziehung der Güter aller Anwesenden bestraft werden. Die heidnische Welt liegt zu Deinen Mützen, denn 'sie fühlt sich zu schwach den christlichen Kriegern gegenüber. Aber hüten wir uns, diese selbst zu einer offenbaren Spaltung zu bringen: dann würden sich dem gegnerischen Teil alle Heiden mit ihrem heimlichen Groll anschließen und das Reich in unübersehbare Gefahren stürzen. Warten wir eine Zeit lang, bis diese katholischen.Bischöfe in ihrem Einfluß auf dcö Volk abgeschwächt wurden, bis die erhabenen Lehren des Arias sich über das gesamte Volk verbreiteten, — dann wird es Zeit sein, sie zur Rechenschaft zn ziehen, und Diejenigen zn 'zertreten, die es wagten, der Würde der erhabenen Kaiserin nahezutreten." Man sah es der Kaiserin an, daß sie sich nur wenig von diesen Worten befriedigt fühlte, und schon schwebte eine Antwort auf ihren Lippen, als Constantius sich zu ihr wandte nick sprach: „Eusebius hat Recht, teure Gemahlin, wenn er die Anwendung meines eigenen Wahlspruches aus diesen Fall .anrät. Mein Vater, der große Constantin, da er einsah, daß das Heidentum nur noch ein verkommenes Geschlecht sür sich habe, und die Begeisterung würdigte, welche das Christentum seinen Bekennern einflößt, hat dieses, für die herrschende Religion des römischen Staates erklärt. Seitdem ist der Augustus identisch mit ihm geworden, und seine Herrschaft stützt sich auf die Herrschaft des Christentums. Mer kaum zu dieser Bedeutung gelangt, welchen Anblick bietet es uns dar! Hundert verschiedene Lehrmeinungen treten ans, hundert Setten und Parteien machen sich geltend. Kaum! ist die eine niedergeschlagen, so drängen sich zehn dafür hervor. Mein Vater hat die Donatisten mit Gewalt ausgerottet» viele starben de» Tod durchs Schwert, mehr noch wanderten ins Exil, aber sind sie darum verschwunden? Jetzt ist die Christenheit in die beiden großen Lager der Arianer, und Katholiken gespalten» und schon tauchen aller Orten neue Ketzereien auf, die sich Manichäer, Pelagianer, Unitarier und wer weiß wie! nennen. Es wäre mir dies schon ganz recht, denn allerdings erheben sich die latbolischen Bischöfe zn ungeahnter Anmaßung» und ei» Gegengewicht tat Not. Ich aber darf jetzt noch keiner Partei mich anschließen, ich muß die Christenheit znsammenhalten, bis das Heidentum ganz ohnmächtig geworden ist. Daher gedulde Dich» meine Gemahlin. Ich vergesse Nichts, aber ich warte. Gehe in Deine Gemächer, beruhige Dich aus Liebe zu mir» ich werde Deine Liebe belohnen. Die einzige Strafe sei» daß Du dieser Männer nicht achtest. Begegnest Du ihnen, siehst Du sie nicht; Deinen Wohltaten und Gunstbezeugungen werden sich schon Hände genug öffnen. Ist die Zeit gekommen, sollen Liberius und Leontius samt ihrem Anhänge die Strafe ihres Vergehet schon fühlen." Die Kaiserin war noch nicht zufrieden gestellt» sie wollte sprechen, aber Constantius umarmte und küßte sie, ergriff ihre Hand und führte sie zn den Türen ihrer Geinächer. Sie sah ein, daß sie sich beherrschen müsse, und verschwand schweigend hinter den Pforten ihrer Zimmer. Dann kehrte Constantius zn seinem Vertrauten zurück» und redete diesen an: »»Laß Dich nicht bekümmern, daß , die Kaiserin ungnädig ist. Sie besitzt zn viel Einsicht» um nicht bald zn erkennen, welchen treuen Diener wir in Dir haben» daß Du um unsres Nutzens willen selbst ihren Unwillen nicht scheust. Jetzt aber z» etwas anderem; Du wolltest mir noch einen Bortrag halten." -Der Oberkämmerer verbeugte sich abermals und hod an; ,/Du weißt, göttlicher Augustus» daß der Ansstand in Galiläa niedergeschlagen wurde; aber wir habe» diesen Sieg mit einer völlig verwüsteten Provinz» mit dreißig zerstörten Städten und dem Verluste aller Einkünfte ans ihr erkaufte Ursicinus, das Wertzeug des Galws» des Cäsars, der sein Verlangen nach Deinem Purpur mit dem Tod« gebüßt, hat zwar di« Empörer vernichtet, aber er