Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 48 (31.12.1920)
- Date
- 1920-12-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Paul Jorich’s Künstlerspiele Sohlfergasae *3. 7 Uhr (irfiher Eldorado) v 7 Wir. Vornehmes Familien-Kabarett. Kein Welnzwang. - .und den Weltpreisen abhängt, so macht sich die Weltkrisis weniger fühlbar als in höher entwickelten Ländern, und es» kann sich schneller erholen. Es kommen sehr wenig große Transaktionen vor, und daher sind große Krachs kaum möglich. * Seiber behindert der hohe Stand der Valuta den Touristenzuzug und beschränkt ihn eigentlich' auf Touristen aus den Vereinigten Staaten und England. Wer ein - vielleicht nicht weniger wichtiger Faktor als die hohe Valuta ist der Mangel an Schisfsgelegenheit und an Unterkunstsraum. Die Schfffahrtsfrage wird sich vielleicht bald von selbst regeln, obgleich Palästina stets beengt sein wird, bis es einen modernen Hafen mit regelmäßigem direkten Schiffsverkehr haben wird. Was die Unterkunstsstage betrifft, so ist, wie überall, auch hier das Bauen sehr gehindert " durch die hohen Materialkosten. In Tel-Awiw, der jüdischen Gartenstadt Jaffas, ^werden eine Anzahl Häuser gebaut, aber sonst noch nirgends. Es werden Schritte unternommen, um die Lage zu verbessern. In Mozah ist eine Ziegelfabrik eröffnet worden, während die Ziegel früher meist aus Marseille kamen, und von der Habonah-Baugesellschaft werden Steinbearbeitungsmaschinen eingeführt. Man hofft dadurch die Kosten der Bausteine auf die Hälfte, zu reduzieren. Es ist zu hoffen, daß in kurzem' die Preise für Baumaterialien! sinken werden, und man beabsichtigt, im nächsten Jahr mit dem Bau der neuen Vorstadt von Jerusalem', Talpioth, .zu beginnen. Die Plane sehen 1000 Häuser vor, die natürlich nicht alle auf einmal gebaut werden können, Die Pläne sind von Prof. Geddes entworfen, der die Lage für die bestgeeignete hall. Auch die Regierung wird im nächsten Jahre sowohl Amtsgebäude, wie auch Wohnungen stir ihre Beamten errichten. So ist hier ein guter Wsatz für Baumaterialien, deren Preise in Palästina noch alles Maß übersteigen. - -• (Sitte Delegation der Schweizer * Misrachi-Landes-Organisation bei Rachum Sokolow. ' Am 21. Dezember fand sich eine aus U. I. Rom, W Stern Aich P, M. Goldschmidt, die von Dr. M. Schabad. Zentralsekretär des"Schweiz. Zionistenverbandes begleitet waren, bestehende Delegation der Misrachi-Landes^)rganisation für die Schweiz bei Nachnm Sokolow, dem Präsidenten der Exekutive der Zionist. Weltorganisation und des Komitees der jüdischen Delegationen, im Hotel ,/Drei Königs zu Basel ein. A. I. Rom, PräsLent der Schweiz. Misrachi-Landesvrganisation, begrüßte Sokolow im Namen der Misrachisten Und dankte dem hervorragenden Politiker für die von ihm dem jüdischen Volke geleisteten politischen Dienste. Nach einem Meinungsaustausch Liber das jüdische Pressewesen referierte A. Stern in hebräischer.Sprache Wer die Misrachi-Landes-Organisation, wobei er die Notwendigkeit der Zusammenfassung aller orthodoxen Kreise hervorhob. „Sie berühren esine sehr aktuelle Frage," sagte Svkolv w. „Ich wurde gerade jetzt ersucht, meine Meinung Wer die Möglichkeit einer Annäherung der orthodoxen Kreide zu äußern. Während Meines Pariser Aufenthaltes erschienen drei Herren 'aus Warschau als Delegierte der Schlvme Emune Israel bei mir und erklärten, daß die Orthlckoxen ein ‘ großes Interesse an der Kolonisierung von Erez Israel haben und an diesem' Werke Mitarbeiten wollen. - . Ich stellte fest, daß kein Unterschied gemacht werde und daß^ organisierte Zionisten bei der Einwanderung nach Palästina im Vergleich zu sonstigen jüdischen .'Einwan-' derern, die dort ihr Heim gründen wollen, keine Privilegien genießen. Die Frage der Herren Awoech' und Rosenfeld nach der Möglichkeit einer Beteiligung der Agudisten an den Komitee in Polen beantwortete ich mit dem Hinweis auf die lokalen Organe, die darüber zu ent- . schechen kompetent find, und erllärte mich bereit, weinen Freunden in Warschau eine wohlwollende Prüfung dieser FriMe nahezulegen. Eine Beteiligung an oer damaligen poliüschen Arbeit mußte ich für den Moment als technisch.romurchführbar bezeichnen. In meiner zweiten Eigenschaft als Präsident des Komitees der jüdischen Delegationen war ich schon damals für die Verteidigung der Mischen ethnischen Minderheitsrechte tätig, doch wurde diese Frage von meinen Gästen in keiner Weise berührt. Nach einigen Monaten kam Herr Dr. Lewenstein zu mir und unterhielt sich mit mir in ganz allgemeines Weise, ohne praktische Vorschläge geltend zu machen. Uh empfing ihn mit der ihm gebührenden Achtung And sprach mit ihm eine halbe,' vielleicht auch eine ganze Stunde. Ich habe nie erllärt, daß Herr Dr. Lewenstein von mir nicht empfangen wurde. Bon einer Brüskierung kann seine Rede sein. Es war augenscheinlich ein Mißverständnis', wenn jemand geantwortet hat, Herr Sokolow habe Herrn Dr. Lewenstein nicht gesprochen. In Paris war das Bureau zur Zeit mit dringenden Arbeiten überladen und hatte wahrscheinlich därWer keine Meldung erstattet. Solche Jr» tümer kommen zufällig in Bureaukorrespondenzen vor. Es war keine Tendenz dabei, sondern einfach ein kleines Versehen. Ich habe nie behauptet, Herrn Dr. Lewenstei» nicht gesehen zu haben; im Gegenteil, ich erinnere! mich einer beiderseitig liebenswürdigen und interessanten! Unterhaltung, und ich sah einer weiteren Entwicklung entgegen. Solche ernste Fragen werden nicht unter vier Angen erledigt. Für Unterhandlungen ist der Weg frei. Konkrete Anträge werden dem zionistischen Aktionskomitee vörgelegt und ohne jede Voreingenommenheit geprüft. Niemand bars an dem guten Willen des zionistischen Aktionskomitees zweifeln." ,Me verhalten Sie sich, Herr Sokolow, grundsätzlich zur Frage der Annäherung' aller orthodoxen Kreise?" „Sämtliche Juden, die auf dem Boden der Balfourdellaration der jüd. nationalen Heimstätte stehen, müssen in Erez-Jsrael und im Golus für Erez-Jsrael Mitarbeiten. Es ist dies nicht nur ein Recht, sondern' auch eine Pflicht einer jeden jWischen Organisation. Die Modalitäten'ließen sich nachher festsetzen. Prinzipiell bin ich der Ansicht, daß die Agndas-Jsrael wie jede andere Mische Organisation zur Mitarbeit berufen ist. Ich bedaure das entstandene Mißverständnis und stelle fest, daß, soviel ich mich erinnern kann, mir nach der 'Unterredung mit dem Vertreter der Aguda kein Schriftstück in Händen geblieben ist," Nach dieser Erllärung brachte A I. Rom hie aus Palästina eingetroffenen Beschwerden zur Sprache. S o k o - low ersuchte die Misrachi-Landes-Ocganisation, ihm über die^ den Misrachi bewegenden Probleme eine detaillierte und dokumentierte Denffchrift vorzulrgen - und sicherte die volle Aufmerksamkeit der Exekutive zu. Er verwies aus die TeilnahMiwr Misrachisten am Waad Hachinuch und konstatierte, daß die Unterrichtsgnstalten, die dem Waad Hachinuch nicht unterstellt sind, dem Reliefwerk angehören. Herr P. M. Gold schm idt setzte daraufhin auseinander, daß oll^ Orthodoxen zum Zionismus gehören sollen. Man habe sich ja wenig Mühe gegeben, die Orthodoxie zur Mitarbeit h'eranzuziehen. Es müßte nach dieser Richtung eine zielbewußte Aktion unternommen werden. Sokolow erneuerte den Ausdruck seiner Hoffnung auf ein Zusammenarbeiten in Erez-Jsrael und in der Diaspora für Erez-Jsrael. Dr. M. Sch., BARBARIHO- ZIGARREN Zigaretten,Tabake Kaiserstrasse 7 . nahe ütosamarkt Kaiserstr. 81 Zeil 88 am Bahnhof Ecke. Scbßfergaaae Ein jüdisches Laudheim bei München. Dem Ausschuß, der im vergangenen Jahr unter dem Vorsitz des Münchener Rabbiners Baerwald gegründet wurde, ist es nach langen Bemühungen gelungen, ein geeignetes Anwesen für das jüdische Landheim zu erwerben: Das Hotel zur Kronenmühle in Wolfratsbausen. Das Landheim soll vor allem Kindern aus dem Mittelstand einen; Ferienaufenthalt, und schwächlichen oder erkrankten Kindern einen langausgedehnten Genesungsurlaub mit der Möglichkeit.eines geordneten Schulunterrichtes bieten. Neben diesem Hauptzweck soll bas Landheim gleichzeitig der Ausbildung jünger jüdischer Mädchen in Kinderpflege, Küche, Haus- und Gartenarbeit dienen. Das Heim, das' eine den kindlichen Verhältnissen angepaßte, d. h. einfache, aber' gute und reichliche Verpflegung bieten soll, svird auf streng ritueller Basis geführt werden. . _ Das altbekannte Hotel zur Kvonenmühle ist ein gut und solid gebautes, geräumiges Haus, dessen prächtige Veranda zu einem parkähnlichen, weitläufigen Garten mit Obfibäumen, Fischweiher And' Hühnerhof hinunterleitet. An den Garten grenzen weite, sonnige Wiesen, die einen herrlichen Tummelplatz bilden. Daß das mit der Bahn in einer Stunde von München aus zu erreichende Wolsratshausen als einer der reizvollsten Punkte im wunoerschönen Isartal gilt, begreift jeder, der einmal den Blick Mer das hügelige Borland zur nahen Alpenkette hat schweifen lassen. Der bewaldete Berghang, der das Tal nach Morden hin abschließt, hält alle rauhen ffiinbe fern. Die nahe Lojsach mit ihrem weichen Moorwasser gibt im Sommer Gelegenheit zu kräftigenden Flußbädern, und im Winter lädt.- die dicht hinter der Kronenmühle ansteigende Rodelbahn zu fröhlichem Sport ein. DÄ stille Wolsratshausen mit seiner , kösflichen, kräftigen Luft, mit seinen ' herrlichen Wäldern bietet in der Tat den denkbar besten Aufenthalt für erholungsbedürffetiflff Stadtkinder. Für manche Gruppen rekonvaleszenter Kinder können im Winter die starke Besonnunst Und die günstigen Schneeverhältnisse noch als besonders.heilkräftige Faktoren gelten. Die'äußeren Bedingungen sind gegeben: Hoffen wir, daß es gelingen möge, in den idealen Rahmen ein ideales Bild einzusügen — das jüdische Lcmdheim, wie es der Gruppe vor Augen steht, die unter recht erheblichen finanziellen Opfern das Hans erworben hat. Erez Israel. Holzhäuser. In der Nähe von Tel-?lwiw wurde seitens einer industriellen Firma ein Musterhaus aus Holz hergestellt, das einige Zimmer, Küche und Nebenräume enthält und mit der Einrichtung zusammen 500 Lstr. kosten soll. Neuerdings hat nun Ingenieur P. Dirah ein anderes Musterhaus mit 3 Zimmern und vollständiger Einrichtung ausgestellt, das nur 250 Lstr. kosten soll. Tiberiaö erhält Wasserleftung. Liberias, das während des Krieges elektrische Beleuchtung erhalten hat, wird demnächst auch eine Wasserleitung erhalten, welche die Stadt mit gesundem Wasser versorgen wird.' Die Rohrleitungen sind bereits zum größten Teil gelegt. Deutsches Reich. D«S neue Statut der Münchener KaltnSgemeiaSe. Während bisher die Gemeinde nur ein Vertretungsorgan besaß, den sog. Verwaltnngsauslchuß, der aus 18 Mitgliedern bestand und lckiglich für die Leitung seiner Geschäfte einen dreigliedrigen Vorstand aus seiner Mitte bestimmte, werden künftig die Geschäfte der Gemeinde durch zwei vollständig getrennte Berwaltungskörper besorgt: durch den Vorstand und die Gemeindevertretung. Der Vorstand besteht aus 10 Mitgliedern. Er wird von der Gemeindevertretung.gewählt und zwar auf die Dauer von 6 Jahren. Nach 3 Jahren scheidet die erste Hälfte, nach weiteren 3 Uhren die zweite Hälfte des Vorstandes aus. Wählbar ist jedes zur Gemeindevertretung wählbare Gemeindemitglied, welches das '30. Lebensjahr vollendet hat. Die Wahl zum Vorstand erfolgt nach den Grundsätzen der Verhältniswahl; dies jedoch nur bann, wenn ein Viertel der Gemeindevertretung es verlangt, sonst entscheidet die einfache Stimmenmehrheit. Die Gemeindevertretung besteht aus 24 Mitgliedern, die auf 4 Uhre gewählt werden. Nach Ablauf von 4 Jahren erfolgt jeweils eine Neuwahl der gesamten Gemeindevertretung. Wahlberechtigt sind alle volljährigen Mischen Männer und Frauen, die in dem Jahre der Wahl und in dem vorhergehenden Kalenderjahr ununterbrochen im Bezirke der Gemeinde gewohnt haben. Bei Ausländern ist ein fünfjähriger ununterbrochener Wohnsitz zur Voraussetzung gemacht. Steuerleistung ist nicht Vorbedingung der Wahlberechtigung. Wählbar zur Gemeindevertretung sind alle wahlberechtigten Mitglieder, die mindestens 25 Uhre alt sind. Ausländer sind nicht wählbar. Die Wahl erfolgt, sofern das von mindestens 150 Wahlberechtigten verlangt wird, nach den Grundsätzen der Verhältniswahl mit tzebundenen Listen. Für die erstmalige Wahl ist dieses Wahlverfahren bindend vorgeschrieben. In die Verwaltungskommissionen können auch Personen, die nicht einem der beiden Gemeindeorgane angekören, delegiert werden. Am 13. März soll zum ersten Mal nach dem menen Statut gewählt werden. Das Statut bedeutet wohl einen Fortschritt, — die unjüdische Entrechtung derjenigen jedoch, denen der Staat nicht'das Bürgerrecht gewährt hat, ist ein schwerer Makel, der ihm anhüftet. Axis diesem Grunde stimmten auch die Orthodoxen und die Zionisten gegen das Statut, die „liberale" Majorität ließ sich jedoch nicht erweichen. vezlrkSgruppe Süd- und Südwestdeutschlnud des Leebands jüdischer Kranke«- und Pflegeanftatteu. Auf Einladung des Ortsausschusses versammelten sich am 14. Dezember im Gumpertz'schen Siechenhaus'in Frankfurt M. etwa 50 Vertreter jüd. Anstalten Südnutz SÄWestdeutschland zwecks Gründung einer Bezirksgruppe. Nach einleitenden Begrüßungsworten des Verwalters des Gumpertz'schen Siechenhauses, Seckbach, setzte Inspektor Ähre ns vom Hospital der Frankfurter M. Gemeinde den Zweck der neu zu gründenden Bereinigung in etwa folgenden Ausführungen auseinander: Wie überall in den letzten Uhren, so machte sich auch unter den Anstalten das Bedürfnis nach tzinem Zusammenschluß zur Wahrung gemeinsamer Interessen geltend. Es entstand so, namentlich veranlaßt durch ttfrige Tätigkeit Berliner und' hiesiger Anstaltsleiter, der „Reichsverband der Kranken? und Pflegeanstalten." Es zeigte sich aber bald, daß dieser Verband eine Vereinigung verschiedener Anstaltsgruppen wurde, derart. Weltberühmt Bind L. Fassbenders ELontLtureni Kaiserstraase 32« '. Grösste Auswahl 1b pass. Weihnachtsgeschenke«.