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Neue jüdische Presse · 1920-12-17 · Heft 46 (17.12.1920) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 46 (17.12.1920)
Date
1920-12-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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aceuc gumjaje Presse. ©ette 3. Hanauerlandsbv2 Urinuntersuchungen Telephon: H. 2802 rasch und g e wissenhaft Der Staatsrat über die Grenzfrage. , Der palästinensische Staatsrat (advisary council). faßte in seiner 'zweiten Sitzung einstimmig folgende Entschließung: ..Die Vertreter aller Bewohner Palästinas ersuchen dringend und einstimmig, daß die nördliche Grenze Palästinas den unteren Teil des Litäni, das ganze Gebiet der Jordanebene und den Jarmuk mit allen seinen Nebenflüssen cinschließen möge; sie ersuchen Len Oberkommissar, die hierzu erforderlichen Schritte zu unternehmen. Der Wirtschaftliche Rat. Wie aus London berichtet wird, steht der von der Zionistischen Jahreskonferenz beschlossene Wirtschaft-, liche Rat (Economic Council) vor seiner Verwirklichung. Mm dürften u. a. angehören: Minister Sir Alfred Mond, Sir Robert Waleh-Cohen. Lord Walter Rothschild, James Rothschild. Stuart Samuel, Major Fred Stern, Oberst Fred Samuel und Walter Samuel, Sohn des ehemaligen Lordmayor von London. Die Wanderung. Ani 5. Dezbr. schifften sich in Triest 170 Chaluziin (junge Palästina-Pioniere) und 80 Palästinenser nach Palästina ein. Deutsches Reich. Die ReprSseutautenversammlung als religiöse Instanz. In der Berliner Jüdischen Gemeinde beschlossen die Repräsentanten au, Vorschlag des Vorstandes, in den Orgelsynagogen das Verlesen aus der Thora seitens Barmizwohknaben einzuführen und zwar mit oder ohne traditionelle Sprechweise. Ferner wurde beschlossen, das El-mvle-rachamim-Gebet beim Wochengottesdienst in sämtlichen Synagogen wieder einzuführen, jedoch mit der Maßgabe, daß — „um modernen Empfinden zu entsprechen" — eine Abänderung in Anlehnung an das' bei der Seelenfeier gesagte Jiskor vorgenommen wird. Da die Abstimmung 9 gegen 9 Stimmen ergeben hatte, traf der. Vorsitzende, Geheimrat Dr. Minden, der zugleich Vorsitzender der Resormgemeinde, die den Sabbat Und die Beschneidung abgeschafft hat, ist, die Entscheidung iin Sinne der - Liberalen auch für die Synagogen mit traditionellem Gottesdienst, — wahrlich eine Ungeheuerlichkeit! Es ist überhaupt unerhört, daß eine Versammlung von überwiegend Ignoranten auf den Gebieten des jüdischen Schrifttums religiöse Entscheidungen trifft. RonnefeldtsTee Jl'lL beeinflußt das Wohlbefinden ln günstigster Weise / Kurze politische Rachrichte«. Warschau.. In einer Konferenz mit Vertretern der Presse berührte der stellv. Premierminister D aszi ns ki auch das Verhältnis zu den Juden. Da Polen in einer kritischen finanziellen Lage sich befindet und die Sympathien der jüdischen Finanziers in England und in Amerika nötig hat, so wünschte der Minister, daß die Zurücksetzungen und die Drangsalierungen der Juden aushören. Warschau. Die Friedensverhandlungen in Riga werden bekanntlich von russischer Seite durch den sehr begabten Joffe geführt. Joffe ist wohl Jude von Geburt, ist aber so vollständig ohne eine Spur jüdischer Erziehung ausgewachsen, daß nicht ein Funke jüdischen Interesses oder Verständnisses in ihm lebt. Unter dem Juden der russischen Delegation ist nicht einer, der auch nur ein Wort hebräisch lesen könnte. Warschau. Am" diesigen Koweler Bahnhof ereigneten sich wieder einmal schwere Ausschreitungen des Militärs gegen jüdische Passagiere. Riga. Die lettischeRegierung beschwerte sich in Moskau, daß die nach Lettland zurückgekehrten Flüchtlinge meist Juden feien, — und Lettland könne nicht so viel Juden gebrauchen. Rußland erwiderte, es kenne Ünterschiede der Konsession oder der Nation nicht. Sofia. Der jüngst avgehaltene Kongreß der bulgarischen Juden ^schloß, die bulgarische Judenheit auf 'nationaler und nicht auf religiöser Grundlage zu organisieren. Zürich. Die Union der jüdischen Studierenden der Schweiz hat an die Völkerbunds- Versammlung in Genf einen Protest wegen des Numerus clausus der Universitäten Ungar ns eingereicht. KAUFHAUS FRANKFURT »ZEIL Wir bringen in allen Abteilungen eine grosse Auswahl praktischer nnd preiswerter Weih nachts - Geschenke Conditorei und Cafd Wilhelm Wendel Alt« 6 Telefon Hanen 1898. Frankfurter Breuten u. BetmSnnclnm "Ä. ' Zionistische Nachrichten. Buffalo. Auf dem Kon groß der amerikanisch. Zionisten wandte sich Rabbiner Dr. St. Wis« schärf gegen die, die die amerikanischen Zionisten separatistischer Tendenzen beschuldigen und verteidigte Oberrichter Brandeis, dem der Kongreß nachher einstimmig das Vertrauen votierte. -,> Die Wahl der neue» Leitung hatte folgendes Ergebnis: Brandeis, Ehrenpräsident, Rabb. Wise, 2. Ehrenpräsident, Richter Mack, Präsident, H. Friede n w a l d und Ngthan Straus, Vizepräsidenten. Ans der MiSrachr-Bewegnng. Berlin. DaS hiesige MiSrachi-Zentralbüro erhielt von Professor Dr. Pick aus Jerusalem den ersten Brief. In diesem Briefe heißt es: „Ich kam in Frieden in das Land, und ich freue mich sehr, daß es mir vergönnt! war, in das Land unseres Ideals, an den Ort unseres Strebens zu kommen, in das Land, nach dem mich immer verlangte. Biel habe ich unseren Gesinnungsgenossen in 'Deutschland zu danken, die mich drängten, nach dem Laiche zu reisen und denen ich mein jetziges Glück, daß ich in dem Lande bin» zu verdanken habe. In den wenigen Tagen, die ich hier weile, hatte ich noch nicht die Möglichkeit, einen genauen und gründlichen Bericht über die Läge im LanÜe zu geben. Im allgemeinen aber freue ich mich sehr über das, was ich bisher im Misrachi gefunden habe. Mit den geringen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, hat er schon viel geleistet. Der Misrachi darf sich rühmen seiner wichtigen Gründung des Lehrerseminars. In diesem Institut befinden sich an 100 Schüler, und die wertvollsten. Lehrkräfte des Landes unterrichten an ihm, und es ist zu hoffen, daß dieses Institut uns die für uns notwendigen Erzieher geben wird. Ebenso hat der Misrachi viel geleistet in den Angelegenheiten der Emigration. Er Hilst viel, um die frommen Einwanderer verschiedenen Arbeiten in den Städten und Kolonien zuzuführen. Der Misrachi eröffnest Küchen^ Nachtlogis in den Kolonien Petach Tikwah und Rechowoth. Er gründete ein Einwhnderungsamt in Jaffa, ein Hauptkomitee zur Einordnung der Einwandernden. Ebenso hat der Misrachi Einwanderungslomitees in Jerusalem und Petach Tikwah. Die Lage ist im allgemeinen noch schwer; die Stunde ist jetzt geeignet für die Arbeit — sowohl für Arbeit wie hMdu IllM-IlM-' Beroeretrasse 149. H. 4642. Best bewährteste Teppichn. Bettfeüeni-Sehigup. Sepphoris und Rom. Mn historischer Roma» ans denk vierten Jahrhundert. Bon Ludwig Philippsoh«. (Fortsetzung.) „Männer von Sepphzris!" hob Joseph an, „hört auf meine Worte. Wer euch gesagt, daß ich euch hasse, der hat das Gift der Lüge in eure biedern Herzen geträufelt. Ja, ich liebe euch, meine Brüder in Juda, liebe euch mehr als alle die, welche euch zu den Werken des Krieges aufgestachelt, für die chr nicht bestimmt seid, und die euch an den Rand des Verderbens bringen. Aber ich verstehe meine Liebe anders und wünsche das Glück des Friedens euch zurückzubringen, dem ihr entflohen seid und das euch geflohen. Darum höret auf mein Wort! Genug sind der Gräuel geschehen! Eure Städte sind zu Trümmern geworden, aus euren Feldern wachsen Dornen und Disteln, eure Straßen sind verödet, und selbst das Getümmel des Krieges hat sich von ihnen zurückgezogen, — ihr allein, Männer von Sepphoris, seid noch übrig, und ihr könnet, glauben, daß chr allein der Weltherrscherin Rom widerstehen könnt? Was kann euer Los sein?. Noch einige Tage, vielleicht auch einige Wochen, und eure stolze Stadt liegt in Trümmern wie Safed und alle Städte^ Judäas und Galiläas, und die Pflugschar geht über ihre Stätte, um ihre Trümmer zu ewigem Schweigen zu verdammen, und eure Frauen und Kinder schmachten in der Sklaverei und ihr selbst seid zum' Fräße des Schwertes geworden! Wollt ihr noch ferner denen folgen, die eure Verblendung benutzen, um euch in dieses Verderben zu stürzen? Wohlan, kehret auf eurem Wege um, — ich, ich rufe euch den Gruß des Salem zu, ich bringe euch den Oelzweig, der zu einem Baume werde, unter dessen Schatten ihr euch labet, ich trage euch Versöhnung entgegen, Verzeihung alles Geschehenen, Wiederherstellung eurer Stadt, eures Wohlstandes, eurer Freiheit! -Nur die Wenigen, me euch verführt haben, sollen die gerechte Strafe erleidenalle Andern aber frei ansgehen." Das Volt aus den Mauern hatte aufmerksam zugehört. Waren die ersten Worte des Verhaßten mit höhnischem Gelächter beantwortet worden, so horchten doch die Hörer bei der Aufzählung seiner Verheißungen immer mehr auf, immer tiefer wurde die Stille, ein Nachdenken flog über manches Gesicht, und wenn hier und da aus der Menge der Ruf ertönte: „Das ist alles Lug und Trug!" so rief man von allen' Seiten: „Stille, jHIIe!" Jetzt aber, nach einer kleinen Pause, erhob sich Joseph in der ganzen Länge seiner Gestalt, und mit noch stärkerer, ja kreischender Stimme rief er: ,L8ollet ihr dies alles haben, Frieden, Glück und Reichtum, Zufriedenheit und Ehre, so ösfnet die Tore, strömt heraus und folgt diesem Zeichen!" und plötzlich zog er ein goldenes, mit Edelsteinen besetztes Kruzifix unter seinen Kleidern hervor und hob es mit ausgestrecktem Arme in die Höhe, daß die Strahlen der Sonne glänzend darauf fielen. „Ja," fuhr er fort, „dies ist das Zeichen, worin wir alle siegen werden, dies das Zeichen des Heils und des Friedens! Zu ihm wendet euch, ihr verlorenen Schafe aus Israels Heerde, die ihre Hirten irre geleitet haben! Dieser ist euer warer Hirt, verleugnet ihn nicht ferner, seid nicht das hartnäckige Volk von vordem, das den.Fluch auf sein Haupt gerufen —" Mer weiter konnte seine Stimme nicht gehört werden. Mit fürchterlichem Geschrei stürzte das Volk auf die weiße Wimpel los und ritz sie gewaltsam nieder und zersetzte sie in tausend Stücke. „Fort mit dem Gotteslästerer!" rief es aus tausend Kehlen. „Fort mit dem Verräter!" Und das Gebraust der Stimmen wurde so gewaltig, daß man nichts mehr daraus vernehmen konnte. Mit vieler Mühe gelang es endlich Patrika und seinen Begleitern, einige Ruhe wieder herzustellen, die sogleich ganz wiederkehrte, als die klangvolle Stimme Patrikas hörbar geworden war. .Kriegstribun," redete er den römischen Parlamentair an, „das Volk von Sepphoris hat euch Antwort gegeben. Hättest Du gleich anfangs gesagt, wen Du hiekherbringen und wen Du sprechen lassen wolltest, so hätten wir Dir die Mühe des Kommens erspart. Ich glaubte, Du hättest uns Anträge von eurem Feldherrn zu bringen, und diese sollte das ganze Volk von Sepphoris vernehmen und darüber beschließen. So aber wollet ihr nur, daß wir das aufgeben, wofür wir den Streit unternommen, daß wir Gott entsagen und unfern Vätern fluchen sollen, daß wir für ein armseliges Stück Leben das opfern sollen, wofür wir in tausend Tode gehen, — es ist eitel Wind, gehet, und kommet nicht wieder. Das Volk von Sepphoris ist einig, es will keinen Verrat an seinem Heiligtume, es ruft mit seinem letzten Atemzuge: „Der Ewige ist Gott, und Keiner mehr!" Kaum waren diese Worte von den Lippen Patrika's gekommen, so hallte es in tausendfachem Echo wieder: „Der Ewige ist Gott, der Ewige ist Gott, Keiner mehr!" Und die Arme des Volkes erhoben sich, Schwerter wurden gezückt, Bogen gespannt, Wurfspieße in die Höhe gerichtet, — Joseph eine schnell vom Platze, langsamer fotzte ihm der Kriegstribun. 21. Wieder waren einige Monde vergangen. Wich Gabara war gefallen. Die Legionen, welche es belagert und'mit Sturm eingenommen hatten, waren in das Lager des Ursicinus' gerückt, um die Lücken seines Heeres wieder auszufüllen und neuen Mut in die niedergeschlagenen Gemüter der Belagerer von Sepphoris zu bringen. Mit den außerordentlichsten Anstrengungen hatten die Römer ihre Sturmböcke und Widderköpfe auch au die zweite Mauer gebracht, und man konnte den Tag voraussthen, an welchem auch: diese ihrem Schicksale erliegen werde. Wer konnten nicht die hartnäckigen Verteidiger hinter derselben ein neues Bollwerk geschaffen haben? Man konnte es ihnen zutrauen, und Zeit und Materialien hatten sie genug gehabt. Die Männer in der eingeschlossenen Stadt zeigten immerfort denselben hartnäckigen Mut, dieselbe unerschütterliche Entschlossenheit; unter d^n Hammerschlägen des Kampfes war ihr Herz nur immer eiserner geworden und immer gestählter. Dennoch sah es innen übel genug aus. Ganze StraßW waren durch die Feuerbrände und glühenden Pfeile, welche die Römer hineingeschossen, entzündet und niedergebrcumt. worden. Weit über ein Dritteil der Streiter ruhte bereits vom Kampfe im Schoße der Erde aus; mancherlei Krankheiten hatten unter den Einwohnern gewütet. Wich die Vorräte.waren knapper geworden. Wer die Seelengröße Patrika's, seiner Genossen, ja aller Bewohner der Stadls sah über diese unvermeidlichen Hebel ruhig hinweg; jede Gefahr, jede Anstrengung, jede Not traf sitz auf ihrem Platze, bereit zur Abwehr und zum Ertragen. War die Gefahr vorüber, die Anstrengung überstanden, die Not beseitigt, dann füllte sich ihr Herz mit Jubel, ihr Geist mit neuer Zuversicht; sie eilten nach den Gotteshäusern,' so viele deren übrig geblieben, und drückten ihre Gefühle in Psaüneu und Hymnen aus. Auch waren 'ihre Aussichten durchaus noch nicht ganz dunkel. Ihre Widerstandskraft hatte sich bewährt; ein jeder von den Uebriggebliebenen war ein Held; ein jeder konnte sich auf alle andern verlassen, mehr als auf Brüder, fast noch mehr als auf sich selbst; ein heiliges Bund umschloß sie und machte, aus ihnen allen eine unzerreißbare Kette, aus welcher nur der Tod dieses oder jenes Glied zw löst« vermochte. Auch war es Patrika gelungen in dwckkr 9 ^254

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