Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 46 (17.12.1920)
- Date
- 1920-12-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wäsche-Ausstattungen NLN EftcilHii: Horron<Oborhonidon utblbn Defekte Wische wird aorg<ig repariert. Frankfurter Gross-Weissnäherei Lange* trasse 18, Hinterbau. :: Tel.: BOmer 5808. auch für Kultur — unb .gerade in dieser Stunde des Auf» Laues fehlen die Mittel selbst für die notwendigsten Arbeiten. Dies« Lage macht den Zionisten und Misrachisten Sorge. - . Meine erste Arbeit hier ist die innere Ordnung der Organisation, danach denke ich eine Reise in die Kolonien in Judäa und Galiläa zu unternehmen, nM die Lage der Arbeit dort zu studieren und mich für die Einordnung der miSrachistischen Arbeit zu interessieren. Nach drei Monaten beabsichtige ich ins Ausland zu reisen, um einen genauen Bericht über die ganze Lage im Lande zu erstatten, über die vorhandene und über die in Zukunft mögliche Arbeit, und um unsere frommen Brüder zu veranlassen, einen aktiven Anteil an dem Aufbau des Landes zu nehmen . . . Site«. Rabbiner Moritz Kramer, der beliebte Patriarch des Wiener misrachisttschen Kreises, beging den 70. Aeburtstag. 'S««»»», DaSMiSrachi-Zentralbüro befindet sich jetzt in Jerusalem (Adresse: P. O. B. 470). In London - (Adresse: 69 Great Russell Street, W. Cl) ist ein ofsizielleS Zweigbüro. Valttawte. Auf der Konferenz des amerikanischen MiSrachi wurde beschlossen, für Kanada eine selb- Pündige MiSrachi»Organisation zu gründen. Jernfale«. Der ,Hataur" widmet in seiner Nummer vom 26. 'November Professor Dr. Hermann Pick «neu Begrüßungsartikel. Er verzeichnet, daß der Führer des Misrachi bei Rabbiner Elijahu Pleßner, dann in Halberstadt bei Rabbiner Auerbach und Nobel lernte nick»-dann das Rabbinerseminar in Berlin absolvierte. Als -Beamter der Preußischen Staatsbibliothek ist es das Gebiet des Hebräischen, des Altarabischen, des Türkischen und des Persischen, auf dem er arbeitete- Parts. Dr. MaxNordauift plötzlich erkrankt. Rew Fork. In Rochester starb Max Brickner. Präsident der Handelskammer nsw-, Vater deS angesehene», Newhorker Arztes Dr. Samuel M. Brickner.»Er war vor 7*8 Jahren in Welbhausen (Bayern) geboren. Jaffa. Dr. Nahum Slonrsch. früher an der Sorbonne in Paris, leitet die Ausgrabungen der „Jüd. Gesellschaft zur Erforschung Palästinas" bei Liberias und Kapernaum. In Jerusalem -wurde die von der Zionistischen Kommission gebaute Kanalisation der Stadt übergeben. Krarttftrrter Berichte. Channkkahseier«. * Der Montefiore-Verein wie auch, die Zionistische Vereinigung begingen diesmal die Chanukkahfeier in ihren eigenen Räumen. Im Montcsivre hielt der verdienstvolle Vorsitzende, Dr. Löffler eine kurze Ansprache, in der er ausführte, das Channkkahlichtlcin fordere uns auf, das Unjildischc ans unserem Kreise zu bannen, und lehre, daß ideales Stteben, reines Wollen auch gegen eine Welt von Widerständen siege.—Den Hauptpunkt des Programms bildete die Aufführung eines dreiaktigen Schauspieles von Scholaum Weichem, das gut gespielt wurde. Ihm gingen musikalisch-deklamatorische Darbietungen voraus. (Frl. Leb recht, Gesang, Dr. Gott hilf, Violine usw.). Die Zion. Vereinigung feierte Chanulkah mit einem Tee, bei dem wir in Herrn Gehrlich einen begnadeten Sänger und in Frl. E t t l i n ge r und Frl. Simon sehr sympathische Gesangskräfie kennen lernten. Sie brachten durchweg Darbietungen aus dem ostjüdischcn Kreis. Viel Heiterkeit rief das Kasperltheater hervor, dessen Makkabäer Anzüglichkeiten auf die Gegenwart brachten. Der stets zum Schaffen bereite Architekt Richard Kauffmann hatte den Text verfaßt. Die Chanukkahfeier des H e i n e m a n n s ch e n Lvce - ums sand unter großer Beteiligung der Freunde dieser Beliebtes Festgeschenk: Carl Grebenau - Job. Wohack Nachf. smtL beeidigter Taxator. Gegr. 1798. Tel. H. 913 u. 6069. -■ . Kaisers trasse 1, ■, .■--= - Juwolon, (Ihren, Gold- und Sllborwaroa JeraeLEultnsgegenstände für Synagoge u. Hausgebrauch 9V* Auswahlsendang gerne zu Diensten. "VW Anstalt statt. Eröffnet wurde die Feier mit hen kunstvollen musikalischen Darbietungen von M.' A d l e r n. M. Reich. Es folgte eine Rezitation von I. Mantheim. Entzückend vorgetragen wurde ein Märchrnspicl „Hänsel u. Gretel" von Kindern der drei untersten Klassen. Im Mitetlpunkt des Abends stand' die Aufführung von „Chanukkahlvllnder"; verfaßt von Julie Man!heim und dargestellt von Mädels der 1.—4. Klasse. Die festliche Stimmung wurde erhöht durch den Segensspruch, den der kleine Paul Singer über die Lichter sang. Kunstvoll vorgetragen war Mozarts „Sinfonie" von R. Davidson, und ebenso verdient der Bauerntanz, den die Damen der 4. Kl. tanzten, ehrlichen Beifall. Es folgten Jargonlieder, gesungen von Gr. Rosenthal und E. Rubinstein, und „das Erwachen", dargestellt von M. Strauß. Den Abschluß deS Abends bildete „Bon. Josephs Reise," ein Märchenspiel. Die Veranstaltung nahm bei großer Beteiligung einen stimmungsvollen Verlauf. Von weiteren Chanukkahseiern seien erwähnt: die von Oberkantor Scheuermann in den Wohnräumen per Weiblichen Fürsorge geleitete Feier, die sich sehr nett gestaltete, die Feier im Israel. Waisenhaus, bei der besonders der Jüd. Or ch est erv er e in Vorzügliches bot und die von Malermeister Josef Meier arrangierte Feier des Vereins selbst, isr. Handwerker, die sehr stark besucht war und aus der nach dem Entzünden der Lichter durch Kantor Weißmann Rabbiner Dr. Salzberger die Rede hielt. , ZuM Schluß sei iwch des.reizenden Kinderfestes im Mädchenhort gedacht, bei der die Präsidentin, die unermüdlich auf sozialem Gebiete tätige Frau Henriette Besthoff, die Ansprache hielt. Vertretung per Israelitischen Gemeinde. ferfMudles «. Uei»eWitteU»»ze« LaldstrettBach bei Reuwirb. Michel Wolf, geh. rn Ockvnheim (Rheinheffen) am 16. Dezember 1820, beging in voller Rüstigkeit int Kreise vieler Kinder, Enkel und Urenkel am 16. Dezember 1920 seinen 100. Geburtstag bei seiner.Tochter Frau Eva Jonas. Wie». Dr. Michael Hainisch, der neue BundesprösLent von Deutsch-Oesterreich, hat eine Jüdin zur Frau. B«da»e(t. Die Stadt wM die Zuwendungen nn die jüdischen Institutionen auf 5°/o festsetzen, trotzdem die jüdische Bevölkerung 25°/o beträgt, und trotzdem z. B. das Jüdische Spttal mehr als 52°/o Christen pflegt und mehr als 80°/» Christen in der Poliklinik behandelt. Prag. Sin interessanter Versuch jüdisch er Berufs» tonijchichtuug ist in die Wege geleitet worden. Mit einer Million Kronen will eine <&. m. b. H. die Lederfabrik iu Golo-Jenikau pachten und ihr eine Gerberfachschule für jüdische junge Leute angliedern. BeaAlei Sie unsere hervorragende Auswahl. Prüfen Sie ansere Preise. Stolas-Muffe. l&obinsolm Zoll 127, neben der Katbarioenkirche. Die erste Sitzung der Gemeindevertretung fand MittNock Abend 6*/t Uhr statt. Ausführlicher Bericht folgt. Heute sei nur erwähnt, daß . zum Vorsitzend'ckn Dr. M e r z b a ch, zum stellt,. Vorsitzenden N. Fromm und zu Schriftführern Dr. Emmerich, Dr. Katzenst e i u und Mosbacher gewählt wurden. Die B v r - standswahl ergab folgendes Resultat: Justizrat Dr. Miau, Julius Moldschmfdt, Dr. Baerwaldj Albert Cahn, Sanitätsrat Dr. Ettlinger, M. Geibel, A. Forchheimer, Hugo -Fränkel, Paula Frenkel, Prof. Dr. Freimann, Willy Mainz, Beruh. Scligmann, Beruh. Simon', Fritz Sondheimer und Dr. Warmbrunn. Kleine Notizen. Ter uneutgeltl. Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge, Langcstr. 30, Tel. Hansa 3425, hat seine Sprechstunde jetzt wie folgt festgesetzt SVe—12J/s, 3—5 an den Wochentagen (Dienstags bis 6 Uhr) und 9i/s—11 Sonntags. Nächten Sendboten durch den unterirdischen Gang zu entlaffennnd kleine Vorräte unbemerkt hereinzuschaffen. Auf dsnselben Wege waren ihm Zusicherungen gekommen, daß Sapop dennoch sich entschließen könnte, im Frühjahr einen neuen Fechzug zu beginnen, da alle Friedensverhandlungen zwischen ' ihm und Rom gescheitert waren. Bvr allem aber.sah Pattika gespannt dem Beginn der Regenzeit entgegen, denn wenn diese nur rmch und stürmisch ««träte, hoffte er, daß Ursicinus genötigt sein würde, Winterquartier zu beziehen, und so die Belagerung zu unterbrechen» wenigstens doch in eine bloße Umzingelung auf «inigeZett zu verwandeln. Diesem immer frischen Mute in dem Herzen der Juden glichen die Gefühle in der Seele des Ursicinus nicht. Düster und in sich versunken sich er in seinem Zelte und konnte seinem entschlossenen Geiste nur mit Mühe die stete Erneuerung des Angriffs und die Fortsetzung der Belage-' -rungsarbeiten abringep. Freilich stand ihm das Ziel nicht minder sicher vor den Augen, wie Patrika das seine; er glaubte, Sepphoris müsse fallen, ebenso fest wie Patrika, Sepphoris müsse widerstehen. Ursicinus knirschte mit den Zähnen, denn vor ihm lag ein Bekehl' des Kaisers Constantius an ihn, daß in wenigen Tagen ein anderer Befehlshaber eintresfen werde und er selbst sich nach seinem Daterlande Dacien in die Verbannung zu begeben und dort den Ausgang des wider ihn zu eröffnenden Prozesses zu erwarten habe. Und was konnte der Ausgang dieses Prozesses sein, in welchem Ankläger und Richter dieselben Personen, seine «rbittertsteir Feinde waren, und er nicht - einmal gehörr wurde? Aber die Regenzett kam nicht und wollte nicht kommen. Kein. Luftzug bewegte sich, um die Winde anzumelden, auf deren Schwingen die dunkeln Wolken über den azurblauen Himmel gezogen kämen. Unendliche Gluten strömten vieknehr von diesem unveränderlichen Himmelsgewölbe herab uhb steigerten sich zur Unerträglichkeit. Selbst in den Nächten kam keine Kühlung, denn die stillstehende Lust Nmr so durchglüht, daß auch die Schatten der Nacht die Hitze nur wenig zu mindern vermochten. Die Ordnung der Dinge tonto umgekehrt; Menschen und Tiere lagen am %agt tote gefesselt danieder, und nur um Mitternacht konnten die Arbeiten fortgesetzt werden. Eine unsägliche Bangtglett 'ging durch, die ganze Natur, und hielt selbst die stärksten Gemüter in den Banden ängstlicher Erwartung Lessen, was einer so außergewöhnliche» Erscheinung plgtB werde. ■ Patrika befand sich eines Nachmittags in dem Gemache Mirjams in dem oft erwähnten Turme. Ausdrücke ihrer Liebe, Bemerkungen Über die Lage der Dinge, Hoffnungen und Befürchtungen hatten sie mit einander ausgetauscht. Plötzlich fuhr Mirjam auf, xntwand sich den Armen Patrikas und rief: „Um Gott, was ist bas?" Sie eilte zum Fenster und Patrika folgte ihr. Ein schwefelgelber Glanz hatte sich Wer den ganzen Himmel gezogen, so sonderbar, so starl, ultd er wuchs an Dichtigkeit und Glanz der Farbe, wie an Ausdehnung, daß er bereits einen tiefgelben Schein durch die Fenster in das Gcmaw warf. Die Bläue des Himmels war davor gänzlich geschwunden. Und hinter dem schwefelgelben Glanze erhob sich langsam von Nordostrn her eine tiesschwarze Wolke, sie stieg wie ein schlanker Stamm aus dem Saume des Horizontes herauf, und als sie die Höhe des Himmels erreicht hatte, breitete sic sich wie ein dichtes Laubdach aus, daß sie von dem gelben Hintergründe wie ein schwarzer, riesiger Baum abstach, und immer höher stieg sie, und immer greller unterschied sie sich von dem gelben Glanze um sie her. Dabei war die Natur lautlos, und nur in diesen Himmelsgebilden schien das Leben, ein verderbenschwangeres Leben sich zu bewegen. Da brach mit einem Male ein Sturm tos, der mit Krachen und Tosen durch die Lüfte fuhr. Einen Augenblick, dann war altes still, und er kam wieder in einem furchtbaren Stoße, daß cs raste und heulte um die Höhe des Berges, um das Kastell und seine Türme, über die Dächer und Mauern. Dann wieder'Ruhe und lautlose Stille. Und immer höher und weiter dehnte sich das schwarze Gewölk aus, und hatte die Sonne, die sich, nach Westen senkte, erreicht tytb überdeckt, daß sich wie Dämmerung Wer die Erde legte. ,Was ist das?" rief Mirjam voll Angst und Schrecken, und klammerte sich an den Armen ihres Mannes an. - „Nur ruhig, teure Mirjam", sprach Pattika, „es geht etwas Außergewöhnliches vor; das Wetter steigt vom See bei Liberias auf; aber cs verkündet uns wahrscheinlich das Ende dieser Dürre und das Nahen der Regenzeit, die wir so sehnlichst herbeiwWschen. Gott ist allmächtig, und seine Gnade steht uns bei!" Da mit einem Male begann es wie Donner zu rollen. Aber es war kein Donner, der durch den Himmel rollt und seine Blitze aus dem Gewölle wirft, es war ein dumpfer Donner, der - durch' die Erde selbst unter den Füßen der Menschen rollte. Er klang nicht lvie Zorn und Groll, der dan» »nd wann seinen Ungestjück loslätzt, itnb sich dann wieder besänftigt; er tönte wie das Verderben selbst, das ewige, unerbittliche Verderben, das alles Lebende verschlinge» und in seinen Schlund begraben Ivill. Und wie dieser Donner unterirdisch in der Tiefe dahinzvg, begann die Fläche der Erde zu beben, und hob und senkte sich wie ein Schiff auf wildbcwegter Welle. Und mitte» in dieses Schwanken scholl ein furchtbares Gepolter und Krachen herein, und der gegenüber liegende Turm beugte und senkte sich, und stürzte zusammen. Und von überall her erhob sich das Krache» einstürzender Bauwerke, heruntergeschleuderter Dächer, zusammenbrechender Mauern nnd mitten hindurch der Wehrus und das Jammergeheul unzähliger Memchenstimmen nnd Gebrüll von Tiere». Das Schwanken der Erde wiederholte sich, und auch der Turm, in welchem Patrika nnd Mirjam sich befanden, wankte hin und her, wenn auch die mächtigen Quardershoine, aus denen er in ältester Zeit, der er entstammte, erbaut war, sich noch nicht von einander zu lösen schienen. „Es ist ein Erdbeben!"'rief Pattika entsetzt aus, „wir müssen hinaus, daß der Turm uns nicht begräbt — Gott stehe uns bei!" und mit starkem Arme erhob er die ohnmächtige Mirjam und stürzte mit ihr ans dem Turme auf den Hof des» Kastells hinaus. Hierhin eilten bereits die Bewohner des Kastells zusammen, so wett sie nicht schon unter den Trümmern und Schutthaufen ihrer Wohnungen erschlagen tind begraben lagen. Die Verwirrung und das Wehklagen »var grenzenlos. Alles lief durch' einander, Männer und Frauen und Kinder, und jammerten und rangen die Hände und warfen sich zur Erde. Und aus der Stadt tönte nicht minder der Notschrei der Menschen, und durch denselben das Krachen des Einsturzes, nnd darüber hinweg der wilde Klang der Hörner und Tubas vom Felde her, als ob der Feind die entsetzte»' Menschen seine Gegenwart und seine verderbliche Macht nicht vergessen lassen wölke. Auch Amnon stürzte herbei. ... Da erhob sich Patrika, und seine gewaltige Stimme drang durch das furchtbare Gewühl, und er rief das donnernde Befehlswort: „Alle Männer herbei und in das Glied getreten! Wir müssen hinaus zu Hülfe und Verteidigung, ich stelle mich an eure Spitze!" Immer öfters nnd lauter wiederholte er dies Kommando, und hier und da sonderte sich ein Mann aus dem Knäuel, und'eine kleine Schar begann sich zu sammeln. . ... (Fortsetzung felgt.) ,; ,