Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 45 (10.12.1920)
- Date
- 1920-12-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2693178-2693223--11302-2706743- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 45. Seite 4. Lmansrlandstr. 2 Telephon: H. 2802 Seiche Auswahl in Seiften, Uautkrems, Frostmittela. Juteruieruuge« in Rotterdam. Ein Schweizer Vertrauensmann berichtet dem „Ist. Wochenbl." in Zürich über die Lage der jüdischen Durchwanderer durch Holland folgendes: „In Rotterdam erfuhr ich, daß ein Schiff mit jüdischen Emigranten aus den Pogromländern Osteuropas, Galizien, Polen, Ukraine, aber auch aus Rumänien, gerade abgehen sollte. Ich begab mich daraufhin zum Hafen, wo mir dies bestätigt wurde. Ein Schiff der Hamburg- Amerikalinie ist mit 1500 Juden Lach Amerika abgegangen. Es befinden sich aber noch 2000 Emigranten in den Aufenthaltsräumen der Gesellschaft. Ich bat, die Räume besichtigen zu dürfen, was mir aber erst nach vielen Umständlichkeiten ermöglicht wurde, da von vornherein der Zutritt nicht gestattet ist. Das Elend, das ich dort sah, ist schwer zu beschreiben, Wgesehen davon, daß die Vorrichtungen, die zur Unterbringung so vieler Menschen nötig sind, manches zu wünschen übrig lassen und auch die Ernährung den Wünschen nicht entspricht, werden die meisten dort festgehalten, weil sie entweder mittellos oder krank sind oder unrichtige Pässe haben» indem die Namen auf den Pässen und den Schiffskarten nicht übereinstimmten. Biele kommen nur mit der Schiffskarte, die nicht einmal ganz richtig ist, und sonst völlig mittellos hier an. Wieder andere haben Geld, geben aber aus Furcht, daß ihnen das Geld weggenommen wird, an, daß sie kein Geld besitzen, weil sie nicht wissen, daß sie, wenn mittellos interniert werden. Ferner befinden sich sehr viele darunter, die mit ansteckenden Augenkrankheften behaftet sind und deshalb nicht weiter gelassen werden, um sie erst auszukurieren. Genug, das Elend unter allen diesen Leuten ist himmelschreiend und ihr Jammer herzzerreißend. ° Ich war auch in der Hilfsaktion „Montefiore", die ungeheuer viel zur Milderung der Notlage beiträgt, aber allen an sie gestellten Anforderungen nicht entsprechen kann. Es drängen sich zwei Notwendigkeiten mit aller Macht auf. <ÄPens dieZentralisationsfragc der Emigrationsfrage. Man liest von vielen Ansätzen, -aber nirgends von einer exakten Durchführung. Zweitens, d ringe nde W ar n ung in alle östlichen Länder, aus denen sich der Wanderstrom ergießt, ihren Wohnsitz nicht zu verlassen, bevor alle Vorkehrungen zur prompten Durchführung der . Reise getrossen sind. Wie es jetzt geschieht, gelangen sie aus großer" Nollage in noch größere. Aber auch die jüdischen Institutionen in den Auswandererländern sollten streng darüber wachen, daß nur diejenigen auswomdern sollen, bei denen jede Garantie der sicheren Beförderung vorhanden ist. Andererseits drängt sich angesichts der himmelschreienden Vernichtung der jüdischen Bevölkerung besonders in der Ukraine, wo Malcho, Balachowicz u. A. es sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheinen, wie es in denk englischen "Berichte heißt, das jüdische Volk auszurotten, die Frage auf: Was können wir zur Rettung unserer Brüder tun? Wrr lesen, daß zur Rettung der Armenier ein Heer von 20—25 000 Mann geschaffen werden soll, das aus Armeniern in Georgien und im Kaukasus rekrutiekt werden kann. Würden die Mächte dix Erlaubnis dazu geben, dann könnte es nicht schwer fallen, im Osten Europas ein jüdisches Heer von 50—60000 jüdischen Männern zusammenzubringen, die wohl bald in der Lage wären, Ordnung zu schaffen und das jüdische Volk zu schützen." Deutsches Reich. Das Hakenkreuz. Die Farbwerke vorm. Meister, Lueins u. Brüning, A.-G. in Höchst a. M., die ihre Größe zum Teil dem Juden Professor Ehrlich verdanken, haben das antisemitische Hakenkreuz als ihre Fabrikmarle eintragen lassen. Schweiz. Aar Sonntagsruhe. Der Kanton Basel nahm auf Antrag des Großrats Dr. Wormser im Sonntagsruhegesetz folgenden Paragraphen au: »Mit amtlicher Bewilligung sind Ausnahmen von den Bestimmungen des Gesetzes bis auf die Dauer eines Kaftn- Als Fftstgeschenk empfehlen: Gestrickte Jacken aparte Farbenstellnngen beste Qualitäten Mk. 350.- Mt- 450.— Mi. 590. beachten Sie unsere diesbez. Schaufenster. B«BOT80H])r. Neue ZüdHche Presse. derjahres zulässig, für Büro-Arbeiten in Geschäften, die aus religiösen Gründen ihren ganzen Betrieb an einem Werktag jeder Woche ruhen lassen, mit der Einschränkung, daß nur die Beschäftigung von Angestellten der gleichen Religionsgenleinschaft bewilligt werden darf." In, Sonntagsruhegesetz des Kantons Luzern vom 26. November 1913 befindet sich der nachfolgende ähnliche Paragraph: „Den Inhabern von Geschäftsbetriebeil, welche an israelitischen Feiertagen gänzlich ruhen, wird gestattet, ihre israelitischen Angestellten bis zur Dauer von drei Stunden in den für den Verkehr geschlossenen Geschäftsräumen zu beschäftigen." , Frankreich. Ein elender Gaunerstreich. Die Pariser Abteilung der unter dem abgekürzte» Namen ,Hajos" bekannten amerikanischen jüdischen Gesellschaft zuni Schutz der Emigranten bezog die Schiffskarten von dem Vertreter der Rä» Star Linie. .Ein gewisser Florian brachte die Karten und Empfing dafür den Gegenwert. Dieser Florian verließ seine Stelle, ohne daß der Hajas Mitteilung gemacht wurde. Am 14. November sollten nun 250 Auswanderer expediert werden; Florian brachte, die Karten und erhielt 300 000 Ares." Beamte der HajaS begleiteten die Auswanderer nach Cherbourg, — und hier stellte sich heraus, daß Florian die Karten gefälscht hatte. Man kann sich die Verzweiflung der Unglücklichen, die aus der Hölle Osteuropas entflohen waren, vorstellen. Die Regierung griff insofern helfend ein, als sie die Emigranten kostenlos nach. Marseille befördern ließ. Es ist anzunehmen, daß die Hajas und die Red Star Line sich wegen der Beförderung 8er Auswanderer einigen werden. Kurze politische Rachrichte«. Prag. Masarpk, der "Präsident der Tscbecho- Slovakei, empfing das Präsidium des Jüdischen Nationalrates — Dr. Ludwig Singer, Markus Ungar und Urtur Kauders — zur Besprechung jüdischer Fragen. London. „Tde Jewish Times" bringt Berichte über die letzten Pogrome in der Ukraine, grauenhafte Zeugnisse menschlicher Vertierung. Zum ersten Male hören wir, daß die Juden Selbstwehren organisiert haben, die mitunter sogar mit Maschinengewehren und Panzerautos ausgerüstet sind. Rührend — und für die Jilden Westeuropas beschämend — ist die Hilfsbereitschaft der ukrainischen I u d e n h e i t für die Opfer der Pogrome; man gibt tatsächlich ohne Bedenken alles her, was man im Augenblick irgendwie entbehren kann. New Aork. Die Joh eskuufeienz drs Amcrikan.» Jüd. Komitees wählte Louis Marshall zum Präsidenten und Dr. Cyrns Adler und Julius Rose nblatt zu Vizepräsidenten. Ziouistische Nachrichten. New Aork. Bei Anwesenheit von 250 Delegierten tagte in Buffalo die Jahreskonferenz der amerikanischen; Zfionisten. Richter Julian Mack, der Präsident gab eine Erklärung ab, daß die amerikanischen Zionisten auch weiterhin die zionistische Weltorganisation in loyalster und ausgiebigster Weise unterstützen werde, von Separatismus nichts wisse« wollen, und nur wünschen, daß cs den Organisationen in den einzelnen Ländern überlassen wird, nach den dort obwaltenden Umständen ihre.besonderen Aufgaben zu erfüllen. Aus der Misrachi-Bewegnug. Baltimore. Die hier tagende Konferenz der Misracklisten Amerikas beschloß, in allen «lisrachistischen Zentren Gesellschaften zum Kauf von Boden in Palästina zu organisieren und Privatkapital hinzuzuziehen. Gleichzeitig wurde beschlossen, daß die Misrachi-Organisation eine Gesellschaft mit einem Kapital von WO 000 Dollar für Häuserbau in Palästina zu gründen hat. Die Subskriptionen zu diesen Zwecken erreichen bereits eine Höhe von Ihs Millionen Dollar. Periouotte« u. Netue Mittetluuge« Aronksurt a. M, Eine Bezirksgruppe Südlund Südwestdeutschland des Bundes jüd. Kranken- und Pflegeanstolten Deutschlands, die sämtliche gemeinnützige jüdischen Institute umfassen soll, zu gründen, ist die Aufgabe einer Versammlung, die auf Dienstag 14. Dezember 4 Uhr ins Gwnpertzsche Srechenhaus, Röderbergweg 62, einberufen ist. Es gilt den Austausch der Erfahrungen auf wirtschaftlichem und verwaltungstechirischcm« Gebiete, gemeinsamen Einkauf usw.- Jnteressenten wollen ihre Adressen Äerwaltungsiuspek-. tor L. Ähre ns, Gagernstr. 36, mittcilen. Offendach a. M. Am Vorabend des Chanukkahfestes beschenkte der unter der Leitung des Lehrers Gabriel stehende Chanukkahverein 59 Kinder unserer Gemeinde mit Stiefeln und warmen Kleidungsstücken. " An die Beschenkung schloß sich eine kleine Feier an. Breslau. Hier üaib Lehrerin Jenny Elbogen, eine Schwester Professors Dr. Elbogen in Berlin. Sie erfreute sich durch ihr gütiges Wesen der Wertschätzung weitester Kreise. — Die von 17 jüdischen Gemeinden beschickte Tagung des Landesverbandes Mittel n. Niederschlesien des Centralvereins Deutscher Staats^ bürger jüd. Glaubens sprach in einer Resolution Les Santi Ktinstlerspiele Kaiserstrasse 69. Beginn 8 Uhr. Tel. Hansa 5516. 1 ■ Manti’s TVeinrestaurant ■ ■ — _ ab 6 Uhr abends warme Snniseo ä la cart«. die Erwartung aus, „daß die Lehrer in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Beziehung überall eine der Gemeinde und ihrer selbst würdige Stellung einnehmen oder erhalten." — In Liegnitz starb Sanitätsrat Dr. Wilhelm Weichmann, der Vorsitzende der Synagogengemeinde. Zürich. Kantonsrat Lr. Farbstein, Bruder deHMisrachi. führers und Abgeordneten Hirsch Farbstein in Warschau, wurde zum Richter am Kassationsgericht gewählt. Warschau. Zu Ehren des in Jerusalem verstorbene» , Dr. JoscfChasanoiritsch fand hier eine Gedächtnisversammlung statt. Isaak N i s s e n b a u m und H i r sch Priluzki hielten dre Reden. Sie schilderten Chasanowftsch als Arzt in Bialostok, wie er die Armen nicht nur'umsonst! behandelte, sondern noch unterstützte und für sie eine Leih-! lasse und eine Voltslüche gründete. Sie schilderten seine unermüdliche Sammlertätigkeit für die Gründung einer! Jüdischen Nationalbibliothrk in Jerusalem; 23000 Bände hat er gesammelt, verpackt und nach Jerusalem abgesandt. Er war ein wundervoller "Mensch, der nie an sich dachte, sondern nur den einen Ehrgeiz hatte, segensreich zu wirken. — und er war ein glühender Jude. Frankfurter Berichte. ChauuNah. Trotz des Geschäfts-Sonntages waren am 1. Abend Ehanukkah die orthodoxen Synagogen dicht besetzt, und es herrschte eine festliche Stünmung. In der Synagoge am Börneplatz ergriff Rabbiner Dr. Nobel das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er Channkkah als das Fest des Lichtes seierte. Die CH a n u kka h v er a n st al tu ng d e r A gu.das Jisroel im großen Saal dcs Zoologischen Garten nahm bei größter Beteiligung einen stimmungsvollen Verlauf. Besorrdere Anerkennung fanden die Darbietungen des Jüdischen Orchestervereins unter Leitung seines Dirigenten Neumann. Festrede von Rabb. Dr. Kohn- Arrsbach, Rezitationen, lebendes Bild nach Oppenheimers Chnaukkahbild usw. vervollständigten das Programm. . AufkelmendeS jüdisches Leben. In unserer Zeit, in der das Verhältnis deS größten Teiles der deutschen Jndenheit zum Judentum ein Verhältnis der Gleichgültigkeit und Jnteressenlosigkeit ist, muß jedes Aufsprießen, das sich tzeigt, festgehaltcn und sorgfältig gepflegt werden. Zwei solcher Keime haben wir heute zu verzeichnen. Erstens die von der Frankfurter Zionistischen Bereinigung gegründete Hebräische Sprachschule. Letzten Samstag abend bewies diese in ihrer ersten öffentlichen Prüfung, der die Rabbiner Dr. Nobel» Dr. H o r o - v i tz und L i p i n s k y und zahlreiche Lehrer beiwohnten, welche Hoffnungen auf die Umänderung unserer bisherigen .Unterrichtsmethode gesetzt werden dürfen. Geradezu verblüffend war, wie gut sich schon die Kinder des jüngsten Kursus, der erst vor 7 Wochen begann, hebräisch auszudrücken wußten. Ebenso überraschte in dem ersten Kursus die Geläufigkeit und Wortgewandtheit, mit der soeben aus der Bibel verlesene Stücke frei hebräisch nacherzählt wurden. Dre hebräische Sprachschule hat eine Teilnehmerzahl von 76, viel zu wenig für Frankfurt. Wer bei seinen'Kindern das jüdische Jnterejse fördern will, der gebe sie in die Sprachschule, die neben der Erlernung der hebräische« Sprache die Kenntnis vom Judentum vermittelt und so Judentum der Zukunft ausbauen will. Judentum der Zukunft an Stelle des indifferenten, um die Zukunft unbekümmerten Judentums der Gegenwart, — diese große Möglichkeit enthält noch eine andere neue Institution der Frankfurter Israelitischen Gemeinde. Wir meinen die znm ersten Male auf wirllich demokratischer Grundlage gewählte und alle Schichten umfassende Dertretung der Israelit. Gemeinde, die statt früher 9 nunmehr 27 Mitglieder zählt. Wenn diese Vertretung ihre Aufgabe nicht als eine Geldbewilligungsmaschine allein aussaßt, sondern den jüdischen Problemen herzhaft ins Auge sieht und ernstlich mit ihnen ringt, dann bedeutet auch sie aufkeimcndes jüdisches Leben. Kleine Notizen. Wie uns mitgeteilt wird, wird auf der Chanukkahfeier der Zion. Vereinigung, die nächsten Sonntag, nachmittags 4 Uhr, im Heim Unterlindau 21-stattfindet, ein Puppenspiel dcs Architekten Richard Kauffmann „Makkabäer", zu dem Recha Schwabacher die Puppen geschnitten hat, aufgeführt. > .„Die Akademisch-zionistische Verbindung »Hasmrvnaea" im B. Z, K. feiert am 12. ds. Mts. ihr erstes Stiftungsfest mit einem öffentlichen Festkonzert in Moderne Haler ei feinen Anstrich n. Lackierung ' fahrt preiswert ans: — Ia. Referenzen. ..■ITITV-BoolaeOT. 1Hoehslrssse"59:Te].'H. 6866. Prämiiert Düsseldorf 1902 . \ Atdier Schäfergasse 15.