Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 45 (10.12.1920)
- Date
- 1920-12-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 4L. Seite 2, Weltberülamt Kind ELonfitureni Kaiserstrasse minder gefeierter Rabbi meines Vaters, Rabbi Chajim Zebi Hirsch Mannheimer, Rabbiner in Ungoar, mit dem mein Vater einen längeren Briefwechsel über die Frage' unterhielt, ihm sein völliges Einverständnis mit dem Schritte, Len er zu tun beabsichtigte, zum.Ausdruck brachte. _ Alle Eingeweihten, namentlich alle frommen und tcllmudisch interessierten Kreise Ungarns wißen, daß der genannte Rabbi s. Z. vielleicht die hervorragenoste, sicherlich eine -er bedeutendsten rabbinischen Großen Ungarns war. Mein jel. Vater sprach von dem Umsang seines Wissens, seinem alles durchdringenden Scharssinn, dem unaorrttessttchett nolpn "pl und oet «e|en uimjjeu Frömmigkeit dieses Meisters der Halacha stets mit der größten Vcrehiung und Vegeiperung. Fm vfy ,122 © l>3 i|i einer ber vielen Briefe abgedruckt, die er an meinen sel. Vater gerichtet hat. Sein roild mit dem durchgeistigten Gesichtsausdruck, de» wunderbar sausten, edlen uns feinen Zügen hing stets über dem Schreiotifch meines Vaters. Mein Vater haue »hm gefchrieoen, daß a zu 1ON1 ‘D p”© nach -Frankfurt zu kommen gedenke. Der Rabbi sandte daraufhin zu dem angegebenen Zeitpunkt eine Begrützungsde- Pesche nach Front,urt. Die wurde nun seitens oer Post, da mein sel. Vater noch nicht eingetrosfen war, an Rabbiner - Hirsch s. A. geschickt, aus dejsen Äeranla,sung sie nacb Allo na weiterging, wo damals in der Tat meine Müller mit uns Kindern zum Besuch der Großmutter wellte. Das ausführliche Glückwunschschreiben Rabbi Hirsch Mannheimers, in welchem er aus jene Depesche zurücktommt, ist . in meinen Händen. Nicht uniMerejsatck ist, daß auch biefer Gaon zu jenen Rabbinern gehört, die s. Zt. der von Rabbi Salomo» Spitzer vermuaßten Erlläruipg „Lettesss der vom Vorstand der israelllijchen Kultusgemeinde in Wien am 2L Jan. 18/2 gefaßten uild zur Ausführung gebrachten Reformbejchlüsse" zustimmlen, auf die Hirsch und die Freunde des Austritts sich immer wieder berufen. 9&ben Dt Husch Mannheimer, Dt S. B. Bamberger und seinem Kreis hat nachweisbar noch gar mancher andere nach beiden Sellen hin den gleichen Standpunkt elligeiuiinmen.* Wer weiß, welihe Droh- und Eiuschückterungsbriefe mein Later eryiell, welche Hebel in Bewegung.gesetzt und welche Mittel gewählt wurden, um rhn davon abzuhallen, nach Frankfurt zu kommen, wie ihm Mimser nieder gesagt wurde, daß es ganz unmöglich sei, auch mir irgend etwas Positives im Interesse des gesetzes treuen Judentums zu leisten, und daß das einzige Er- - gebnis feiner Wirksamkeit in Frankfurt nur sein könnte, die Religionsgesellschast zu Grunde zu richten, der vermag die Antwort Hildesheimers auf jenes Schreiben des „Frankfurter Gemeindernllglieds" richtig zu würdigen, die der JSraelll selber mlltellt:;,Der Tell der Frommen, der nicht austteten will, mag es eben, wenn es gegen seine Ueberzeugnng — sagen wir lieber, Frankfurtermm — ist, lassen und Status quo-Telluehmer in der Religionsgesellschast bleiben, ganz wie bisher geschehen, nicht aber eine ganz über,lässige Separa.-Geineinde schaffen, welche nur den Zweck hat und haben kann, die Religionsgesellschaft zu sprengen." Daß Israel Hildesheimer, nicht den Vorwurf «mi sich sitzen lassen konnte^ er trage dazu bei, die Gemeinde Hirschs zu Grunde zu richten, kann man begreifen. Einen wesentlichen Unterschied in der Auffassung Hirschs und Hildesheimers zeigen aber bei alle dem 'auch die in jenen aufgeregten Zellen gesprochenen Worte des Rabbi. Während «s Hirsch sür einen Jssur erllärte, in der Gemeinde zu bleiben, wohl im Anschluß, srellich auch in Gegensatz zu Sabbath 31a, von d'er Kanzel herab verkündete, daß die erste Frage» die Gott an den Juden richte, wenn er vor den göttlichen Richterstuhl trete, sei: „Bist Du aus der Gemeinde' ausgetreten?", wendet sich Hildesheimer in erster Lime gegen die ganz überflüssige Separatgemeinöe, welche nur den Zweck hat und haben kann usw. Den StmHi' Punkt des Teils der Frankfurter Frommen, der nicht austteten wlll, billigte er damals zwar nicht; immerhin erklärte er aber auch diesen Tell nicht in Acht und Bann. Wenn mein sel. Vater ttotz aller dieser Widerstände die Frankfurter Stellung angenommen hat, so hat er dies in der Ueberzeugnng getan, seine Tättgkeit llr Frankfurt wellte nicht zerstörend, sondern im Gegenteil nur aufbauend willen. In der im Jahre 1899 gehaltenen Rede „Ein 'Wahnwort" (Frankfurt a. M., I. Kauffmanu.) durfte er n. ir. sagen,: Die rituellen Einllchtungen blichen und sind die Vorbilder geworden well mid breit Und bewe Seiten, alle Parteien und Richtungen, alle haben deck . <5fgen dieser Früchte davongetrogen, denn sie haben einen jüdischen Gemeinsinn erweckt, der eine Förderung brachte auch den Unternehmitngen derer, die der Gemeinde fern blieben." Und an einer anderen Stelle heißt es: „Wir suchten das Gute zu schaffen und achteten darauf, nie dadurch anderen zu schaden, andere zu verletzen." Die größte Genugtuung meines set Vaters aber war es, daß der feißgeliebte Rabbi, der anfangs so lebhafte Bedenken hatte, aß mein Vater nach Frankfurt gehe, schon nach kurzer *' IVer über die Dinge ein klares Bild gewinnen will, darf nicht nur die 'Ausführungen Hirschs (Gesammelte Schriften IV, S. 397 ff.) und die dort mitzeteilte Antwort Rabbi Salomon Spitzers auf die Anfrage Rabbiner Hirschs lesen, sondern muß auch Einsicht nehmen in die Broschüre Rabbi Salomon Spitzel vom Jahr 1872 (s. bes. Si 16 fl.). . Neue Jüdische HMe. ZtAt stein llrttil vvllWmmtÄ geändert hat und die von meinem sel. 'Vater ansgeübte Wirksamkeit aüfs' Höchste anerkannte. Als Israel Hildesheimer von dünnen gegangen war, konnte mein sel. Vater in der.in ber Gemeindesynagoge - am Börneplatz gehaltenen Gedächtnisrede, die in der Jüdischen Presse vom 2. Juli 1899 erschienen ist, sagen: , ' „Zu jedem Schritte, den wir durch Gottes Beistand hier in der Entwicklung unserer religiösen Einrichtungen vorwärts taten, beglückwünschte er.uns in'seiner herzlichen Weise und sagte immer dre Worte hinzu: fiy 2112 An einem Sabbath sprachen wir von unseren Gmneindeverhältnissen. Er hatte in dem Sitzungssääle dieses Gotteshauses uns einen halachischen Vortrag gehalten, an dem wir den sprühenden Geist bewundellen. Er tvar glücklich, unsere Thora-Gelehrten um sich versammelt zu sehen und hier überall «ine friedliche Stimmung bemerkt gn haben. Da kamen meine Kinder und baten um seinen Segen. Er segnete uns alle, und zu dem letzten QiVI fügte er hinzu: mb&2 12p Ü18 "p ,'n p DVb T1V 'N- Ich habe hier in Frankfurt Gott sei Dank Kraft gesehen, Gott segne Sie mit Frieden." ' Wlll der „Jsrallit" diese Mitteilung meines sei. Vaters, für die er zu dessen .Lebzeiten eine Erwiderung nicht gestinden hat, jetzt Lügen strafen? Und wie erklärt er es sich, daß Hildesheimer, zweimal nach beendigtem Sabbathnachmittags-Gottesdienst, das feine Mal im Köraal der Synagoge am Börneplatz, — von diesem Vortrag ist ja in den eben angeführten Sätzen die Rede, — und das andere M.al in der Synagoge selbst einen -halachischen Vortrag hielt? Soll ich ihn erinnern an die Worte, die der unvergeßliche Dr. Kirsch Hildesheimer s. Aan meinen seligen Vater anläßlich seines 25 jährigen Amtsubilämns gerichtet hat und die in Nr. 40/41 der Jüdischen Presse vom Jahre 1903 zu lesen sind: „. . . Wäre uns das Glück beschieden, den teuren Vater noch in unserer Mitte zu erschauen, er würde selbst an dieser Stelle stehen, um Sic, den über alle Beschreibung geliebten Schüler, an sein Herz zu drücken und Ihnen zu sagen, daß Unter den vielen Hunderten, vielleicht Tausenden, die in einer mehr denn 50 jährigen .Lehrtätigkeit zu seinen Füßen gesessen, keiner ihm so teuer war als Sie. cs auszusprechen, daß es das Glück und die Beseligunjg seiner Tage gewesen, die innige Zugeneigtheit, die er Ihnen, dem gleichgesinnten, gleichsttebenden Schüler und Freunde dorbrachte, von Ihnen vergolten zu sehen durch ein Leben im Dienste der Meale, die seine Feuerseele durchglühten, durch eine von Erfolg zu Erfolg schreitende Wirksamkeit, welche Geist von seinem Geiste war, welche ist den Mühen und Leistungen für diejenigen, die Ihrer religiösen Führung anvertraut sind, in dem Streben und Vollbringen für die Interessen der Gesamthe.it, die Lehren und das Beispiel des Meisters wiedersviegelte. Wagt es der „Israelit" «mch dieses Zeugnis anzutasten, das Hirsch Hildesheimer erneut bestätigt hat iu seiner tief ergreifenden, in der Gemeinde-Synagoge am Börneplotz gehaltenen Gedächtnisrede, in der er die „protidentrelle Persönlichkeit" meines Vaters feiert: „Ja, es sei hier in dieser geweihten Stunde ausgesprochen, daß unter all den Tausenden keiner, buchstäblich keiner seinem Herzen näher gestanden als der teure Tote, den er in «Wen schnen Äebensäußerungen, in Gesinnung und. Tat als würdigen Vollstrecker, würdigen Betätiger aller jener Lehren erkannte, die der Meister dem werdenden Jünger in die Seele gegossen." . i Und was sagt der „Jsrealit" dazu, daß "Israel Hildesheimer in zahlreichen Briefen, die ich urschriftlich etnzuseyen ihm gestalte, meinen sel. Vater folgendermaßen anlldet:; '22^ 12321 v"21V und 12271812 1V8 '1'vbn n!?oidi j^sid i'unnb v"21V 211 'in» 'pm?yin 1KEPK 12 1V8 v'21V ‘i2i ri2t°2 ,1'irrn u. s. w. Vermag dos goldene Herz Israel Hildesheimers es wirklich zu erklären, daß er in solchem Maße eines Schülers sich rühmte, dessen Auffassung er nicht nur in diesem oder jenem Punkte nicht ganz geteilt hat, sondern der, im Stile Huschs zu sprechen, nach feiner Ansicht vf> pmD ,112V n2iV war. u.s. w? Und wie versteht es der ..Israelit" daß Israel Hildesheimer, der Rabbiner der Adaß Jisroel, der Schwesiergemeinde der Kehal Ahaß Jeschurun, den Rabbiner der „Reformgemeinde" Frankfurt a. M, in Zu- Ichriflen wiederholentlich anspichl als q‘q n"pi d*11 i°28 orer daß er ihn in zufällig aus den Jahren Ö'lkl und i"v171 erhaltenen Briefen nennt: .IKI',11 '1111 '12V2^ 121V,1 t3i1D"31D irD2 Was sag, et dazu, daß als Hildesheimer die Trauung des leider allzufrüh vollendeten Dr. Abraham Hirsch fei. Jt in Frankfurt vornehmen wollig er diese nicht früher vollzog als, bis mein Vater ihm eine förmliche Genehmigung dazu erteilte, auf der der Rabbi in seiner rührenden Bescheidenheit und Gewissenhastigkeit mit allem Nachdruck bestand? Weiß der Artikelschreiber, der in Frankfurt wohnt, nicht, daß Israel Hildesheimer, so oft er in Frankfurt p. M. war, nur in eiusm ause, in dem er jedesmal der verehrteste hochwillkommene ast war, dessen ich mich noch aus meinen Ktndheits-u. Jünglingsjahren ganz besonders gern erinnere, Fleischmahlzeiten einnahm, und das war in dem Hause des Rabbiners der „Rcformgemeinde". Und das geschah zu" Zeiten, in denen von der Kanzel der Religionsgesellschast aus die Schechitah der Gemeinde von religions-politischen Erwägungen aus für verboten ellläll wurde. Ist ihm wirklich nicht bekannt, daß Israel Hildesheimer sich zu allen Zeiten und unzählige Mal sehr direkt an meinen sel. Vater gewandt hat, in zahlreichen ION und iu den verschiedensten anderen Angelegenheiten, ja daß der Rabbi überhaupt keine wichttgere grundsätzliche Frage behandelt hah ohne mit meinem Vater immer toterer in Verbindung zu treten? Und hat er auf der anderen Seite ganz vergessen, haß Samson Raphael Hirsch die Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums ins Leben rief, ohne Zuziehung Israel Hildesheimers?; i Die folgenden Darlegungen, die ich gleichfalls 'jener schon oben angeführten stenographisch aufgenommenen Unterredung entnehme, mögen ihn für diesen und manchen anderen Punkt eines bessere» belehren. In Bezug auf einen Passus, der die Behauptungen des „Israelit" schlagend widerlegt, sei hier verwiesen auf den Artikel „Trennung oder Einheit" von Joseph Chaim, einem sroinmen Berliner Talmudisten, der in Nr. 14/15 der Jüdischen Presse vom Jahre 1919 erzählt: »fester hatte ich Sammlungen mit R. Israel Hildesheimer zu machen .... Bei dieser Gelegenheit äußerte ich, wieviel besser das tradüionelle Judentum dran wäre, wenn wir keine Gemeindespalttingen hätten. Auf solche Ansichten erwidelle er mir dann, daß er selbstredend auch für eine Einigung in -er Gemeinde wäre, wofern wir nur die Garantieen hätten, die in rankfurt a. M. seit dem Eintritt von Rabiner D r. M a r l u s H o r o v i tz beständen." Diese Aenßerung stimmt mll der' hier gleich folgenden Mitteilung meines sel. Vaters und mit allem hier Dargelegten überein. Mein Vater sel. A. erzählt: „Samson Raphael Hirsch, der kein Freund von Halbheiten war, blieb auch hier nicht bei der Absonderung von der Gemeinde, sondern gründete, es sind jetzt etwa 20 Jahre her, die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums.' Und es entspllcht durchaus der Entschiedenhell im Charakter dieses herrlichen Mannes, daß er bei der Gründung dieser Bereinigung diejenigen ausgeschlossen wissen wollte, die nicht ganz und voll seinen Standpunkt einnahmen. Der unvergeßliche R. Israel Hildesheimer, der, obwohl er mit Rabbiner Hirsch gemeinsam sür das Austrittsgesetz gearbeitet hatte, dennoch in vielen Einzelheiten, besonders in dem Punkte sich von ihm unterschieden hatte, daß er dort, wo die Gemeinden für die religiösen Bedürfnisse derGesetzestreuen hinreichendgesorgthatten, dasVerbleibenindenGemeinden als gestattet erklärte, wurde daher, wir fügen hinzu, begreiflicherweise bei der Begründung der Freien Vereinigung nicht hinzugezogen. Das war sür zahlreiche Schüler Israel Hildesheimers auch später der hmiptsächliche Grund, der Freien Vereinigung fernzubleiben. Dieselbe Auffassung zeigte sich auch in Bezug, auf eine andere Angelegenheit. Der Bne Brith Orden hatte einige Jahre vorher in Berlin und anderen Städten Logen gegründet. Ein eifriger Förderer dieser Logen, die sich bald als eine alle Richtungen innerhalb des Judentums für humanitäre Ausgaben zusammenfassende Institution erwiesen hatten, kam nach Frankfurt, um auch hier die Grütldung einer Bne Brith Loge zu versuchen. Eine größere Versammlung, die aus den verschiedenen religiösen Richtungen zusammengesetzt war und in der die hervorragendsten Männer der aus der Gemeinde Ausgettetenen anwesend waren, so u. a. die Herren Selig Goldschmidt und Emanuel Schwarzschild, sprach einmüttg und in geradezu begeisterten Wollen tthre Zustimmung aus und wählte eine Kommission zur Ausarbeitung 'der Grundprinzipien. Auch dieser Kommission gehörten Mitglieder aller Richtungen an. Als aber Rabbiner Hirsch s. A. von der Sache hörte, sprach er sich gegen den Eintritt seiner Gemeindemitglieder in die Loge aus, während Rabbiner Hildesheimer s. A. seine Sympathie für diese Besttebuirgen "dadurch zum Ausdruck brächte, daß er seinem Sohne, Dr. Hirsch Hildesheimer, den Eintritt in die Loge gestattete. Uugefähr um dieselbe Zeit.zeigte sich das erste Bestreben, einen Räbbinerverband in Preußen zu gründen. Daß Rabbiner Hirsch diesen Bestrebungen fernblieb, war selbstverständlich, dagegen trat Rabbiner Hildesheimer in Veihandlungen über seinen Einttitt ein und verständigte davon einige seiner intimeren Freunde und.Schüler. Unter diesen waren eS besonders Oberrabbiner Löb in Altona, Rabbiner S. Auerbach-Halberstadt, Oberrabbiner Feilchenfeld-Posen und ich, mit denen lebhafte Verhandlungen gepflogen wurden. Im letzten Augenbluk jedoch zeigte es suh, daß eine die Gesetzestteuen befriedigende Grundlage unter den damaligen Verhältnissen nicht zu ermöglichen war, und diese blieben den Verhandlungen und der Gründung des Rabbinerverbandes fern. Einige Jahre später trat zu den inneren Gllinden, die für die Vereinigungen sprachen, auch noch die Not des tobend «mftretenden Änttsemitismus, die zu einer neuen Phase in der Entstehung jüdischer Vereine mid Verbände führte. Die wilden Wogen des Hasses drohten alles zu überfluten, und es galt nicht mehr allein, sich nach innen zu sammeln, nach religiösen Gesinnungen und Ueberzeugungen, soirdern in der Verbindung mit allen Bekenner» des Judenttuns die Kraft zu suchen, die gemeinsamen Heiligtümer zu verteidigen. Von den Tierschutzvereinen kam eine an den Reichstag und verschiedene Landtage gerichtete Petition, die ein Verbot der Schechitah erwirken wollte. Aus diesem Anlaß wurde eine größere Konferenz nach Berlin einber>tfen, in der zum ersten Male alle' religiösen Richtungen innerhalb deS Judentums vellreten waren. Nach dem einstimmigen Beschluß, eine Kommission mit der Aufgabe zu betrauen, eine Petllion und zugleich eine Erklärung über die.absolute Berbindlichkcll des Schechitahgebotes zu entwerfen, tam es bei der Wahl dieser Kommission zu einem lebhaften Meinungsaustausch. Maybaum erklälle, daß er eine Wahl in die Kommission nur dann annehmen könne, wenn er in diese Kimmission als Vertreter des preußischen Rabbiner- Verbandes gewählt werde. Dagegen sprächen sich jedoch verschiedene Rabbiner und in besonders entschiedener Weise Cahn-Fulda aus. Der Grund, warum Verschiedene MaybauM nicht als Vertteter des Rabbinerverbandes in die Kommission wählen wollten, war die Befürchtung, daß die Anerkennung des.Rabbinerverbandes den Anfang zur Bildung eines Kon- | sistariums in Preußen bedeuten könnte. ,