Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 45 (10.12.1920)
- Date
- 1920-12-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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jimniniiiiiiiinimmiiuiiiiiwiniiiimiiiiiiiiiniiiiuiiiiiiinuiimr j Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel»! : jahr: In Frantsurt am Main bei der Neuen Iüdischen Presse, : : auswärts bei derPost abonniert Mk.ZLO, frei ins Haus es Z)fg. : : mehr./ÄeiZusendung durch Streifband fürOeuischiand Mt.20.00, j : M alle übrigen Länder Mk.30.00jährlich, im Voraus zahlbar. : Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis tm«imnmiiiniininiinmiwmimniiiimuiMiuim»mimifm«iij [ Insertionsprels für die fechsgejpaltenLKonp.ZeileMOVfg., M ■ : die Netlamezelle Mk.L.—. Lei Wiederholungen entsprechender : : Äabatt. / Platz« und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichteit. / : i Annoncen-Annahme bei der ^ped.und kn a. Annoncen-Bureaus. : : Konto bei dem poMeckamt in Frantsurt a.M. unter Nr. 4664. i 18. Jahrgang. Freitag, de« 29. Kislew 5681 (19. Dezember 1920) Nr. 45. Channlkah. Siegesfeste haben in der Regel nur ein kurzes Leben. Wenn die letzten gestorben sind, die Zeugen des Sieges waren, schwindet auch die Feier des Sieges. Daß ein Volk, wie es das jüdische tut, Jahrtausends hindurch in stets unveränderter Lebendigkeit alljährlich acht volle Tage der Erinnerung eines Sieges geweiht hat, ist eine^inzigartige Erscheinung und verlangt als solche ihre besondere Wertung. Wollte Chanukkah nur einen Sieg feiern, — wir glauben, es wäre längst in den Geschichtsbüchern verschollen, wie noch so manch andere Siege. Wenn es heute in der Judenheit noch das geblieben ist, was es war, da es vor Jahrtausenden zum ersten Male begangen wurde, so kann dies nur der Verknüpfung mit einem religiösen Grundgedanken des Judentums zugeschrieben werden. Das Licht als Ausstrahlung des Göttlichen ist das Symbol des Chanukkah. Der Sieg über die Syrer tritt vor diesem Symbol in den Hintergrund. Das Prophetenwort des Sabbat Chanukkah spricht den tiefen Gedanken des^ Chanukkah aus: „Nicht mit Hecresmacht, nicht mit menschlicher Kraft, sondern mit Gottes Geist." Heeresmacht, menschliche Kraft . . . Was Machtpolitik bedeutet, erlebt die Menschheit gerade in unseren Tagen. Fluch ist ihr Atem, Leid und Tränen streut sie über die Menschen und.erfüllt mit dunklen Schatten die lichte Welt Gottes. Den Gegensatz zu diesem Denken bildet ein Denken, dem Gottes Wort als Licht leuchtet. Wie zwischen Menschen und Menschen kennt dieses Denken auch zwischen Volk und Volk nur eine Moral: Liebe und Recht, wie Gott in sich Liebe und Recht vereinigt. Weh' den Toren, die da glauben, bas Judentum habe heute nichts Eigenes mehr. Noch ist der Liebe und Recht in sich vereinigende Gott, wie ihn das Judentum lehrt, nicht Gemeingut der Menschheit geworden, — und die Juden sind selbst von der Gottlosigkeit der Menschheit infiziert- Nur eine Hoffnung bleibt, die Hoffnung, daß der Judenheit das Geschick werde, im Lande ihrer geschichtlichen Vergangenheit, anschließend an ihre großen Traditionen, wieder zu einem Eigenleben zu gelangen und dann der Welt zu zeigen, daß auch ein Volk jene Moral zur Richtschnur seines Handelns nehmen kann, die so gern dem Einzekmenschen als Moral gepredigt wird. Damit dies einmal Wirklichkeit werde, begeht das jüdische Volk alljährlich sein Chanukkah. Rabbiner Israel Hildesheimer und Rabbiner Marcus Horovitz*) von Rabbiner Dr. Jacob Horovitz. ■ Sie bitten mich um eine Meinungsäußerung zu dem Artikel: „Rabbr Israel Hildesheimers Stellung zur Austrittsfrage" in Skr. 14 des „Israelit". Der Aufsatz gipfelt in den Worten: „An der geschichtlichen Tatsache, paß- Hirsch und Hildesheimer in der Austrittsfrage ababsolut eines Smnes waren, ist nicht zu rütteln". Dir wesentlichen Grundlagen für diese Behauptung sino zwei Briefe-, deren einer an meinen sel. Vater gerichtet ist, während der andere 'sich an ein „Frankfurter Gemeinbemitglied", das will in der Sprache des „Israelit" heißen, an «in Mitglied der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft wendet und diesem schreibt: „Ihr Geschätztes habe ich erhalten. Es ist nicht wahr, daß ich mich mit dem von Dr. Horovitz zu meinera innigsten Bümuern getanen Schritte ausgesöhnt oder mich gar mit seiner Stellung einverstanden erklärt habe." ^'-Mits ErläuhniK des"Verflrssers" der Berliner „Jüd. Presse entnommen: D. Redakt: Den weiteren Inhalt jenes Briefes gibt der Israelit mit den folgenden Worten wieder: „Die Empfehlung eines Schauchets und eine indirekte Empfehlung in einer Gemilus-Ches^r-Angelegenhcit an Dr. Horovitz werden alsdann als ern Ergebnis ernstester innerer Erwägungen und Konflikte zwischen „Fiat jutitia" und „Rachmonuspflicht" entschuldigt und schließlich darauf yingewiefen, daß die Situation leider unabänderlich und die Sanktion derselben „gegen meine Ueberzeugung" von seiten talmndicher Kapazitäten in Frankfurt erfolgt sei". Wie steht es mit diesen Angaben? Daß die wörtlich niitgeteilten Steilen mindestens mit dem Entwurf der jeweiligen Antworten Dr. Hildesheimers übereinstimmen, ist wohl nicht zu bezweifeln, während der mehr subjektiv gehaltene Auszug allerdings den Verdacht nicht auschließt, daß die betreffenden Briefe als Ganzes genommen, sich immerhin etwas anders darstelleu werden, als die wenigen wörtlich angeführten Sätze cs vielleicht vermuten lassen. Doch auch zugegeben selbst dieser Auszug sei nichts mehr und nichts weniger als eine ganz objektiv gehaltene Inhaltsangabe, erfährt damit die Auffassung, die der Israelit zu verbreiten bemüht ist, auch nur die leiseste Stütze? Davon toill ich ganz absehen, daß brr Schluß des Brieses nicht einmal in der Wiedergabe des Israelit ganz eindeutig ich, vielmehr die Möglichkeit durchaus zuläßt, daß Israel Hildesheimer auch in jenem Schreiben anerkennt, daß man in diesen Fragen auch einen anderen Standpunkt einnehmen kann, wie er ihn vertrete, daß daran eoen nichts zu ändern sei, daß auch die der seinigen entgegengesetzte Ansicht von „talmudischen Kapazitäten" ihre „Sanktion" erhalten habe, der Briefschreiber die nun einmal vollzogenen Tatsachen nicht au§ der Welr schaffen könne, usw., usw. und auch davon zu schweigen, daß man ein klares Bild jedenfalls erst erhalten könnrc, hätte man Frage und Llntwort vor Augen. Schon dem oberflächlichen Leser des Artikels dürften zwei Sätze als vpiriN Tnn erscheinen. Der an zweiter Stelle erwähnte Brief wird durch die folgende Bemerkung eingeleitet: »FVenn die Jüdische Presse weiter die persönliche Freundschaft, welche Dr. Hildesheimer in der Tat bis an sein Ende mit seinem Lkeblingsschüler Dr. Horovitz verband, als Beleg dafür anführt, daß Hildesheimer die Stellung. seines Schülers gebilligt habe, so sind wir in der Lage» auch diese Deduktion auf Grund eurer schriftlichen Aeußernng Hildesheimers bündig zu widerlegen." Nachdemmm diese Korrespondenz auszugsweise mitgcteilt wird, fährt der Artikel fort: „Durch diese letzte Korrespondenz gewinnt man einen deutlichen Einblick in die psychologische Ursache für den sonst unerklärlichen Gegensatz zwischen der halachißh-religiösen Ueberzeugung Hildesheimers und seinem persönlichen Verhältnis zu den Vertretern des entgegengesetzten Standpunkts. Hildesheimers Wesen, sein goldenes Herz waren' eben von Hiebe und Güte derart beherrscht, daß es ihm unmöglich war. bloß aus Furcht vor Mißverständnissen aus die Dauer Distanz von Persönlichkeiten zu halten, deren subjektive Ueberzeugungstreue und deren Frömmigkeit er natürlich nicht anzweifeln konnte nnd wollte." So bleibt von der von dem Israelit selber mitgeteilteu Tatsache, daß Dr. Hildesheimer mit seinem Lieblingsschüler Dr. Horovitz bis an sein Ende in persönlicher Freund» schaft verbunden blieb, schließlich nur übrig, daß das goldene Herz des Rabbi auf die Dauer keine Distanz zu halten vermochte von Persönlichkeiten usw. Wer wüßte nicht von oem goldenen Herz des Rabbi? Aber kann dieses wirklich erklären, daß der Rabbi bis an sein Lebensende in engster Freundschaft mit seinem früheren Lieblingsschüler verbunden blieb? Ich habe keine Einsicht nehmen können in den Briefwechsel auf oen der Israelit sich stützt, — die Originale konnten, wie ich höre, trotz eifrigen Suchens, z. Zt. nicht gefunden werden—»aber ich kenne der Dokumente und Tatsachen genug, die mir die Möglichkeit geben, zu zeigen, oaß jene Aeußerungen keineswegs den Standpunkt zum Ausdruck bringen, den der Rabbi dauernd diesen Fragen gegenüber eingenommen hat. Vorweg sei gleich hier hervorgehoben, daß allerdings mein seliger Vater und Rabbiner Dr. Hildesheimer s. A. über die Austrittsfrage verschieden gÄmcht haben, wenn .auch/keineswegs' so gegensätzlich, wie man dies erwarten müßte, zieht man in Mtracht, daß Hildesheimer der Mitstreiter Hirfchs in der Schaffung des Austrittsgesetzes gewesen ist. Aus einer stenographisch aufgenommenen Unterredung, die vor vielen Jahren eine bekannte Persönlichkeit mi^ meinem Vater hatte, und deren Berössenrlichmrg ich mir für einen späteren Zeitpunkt Vorbehalte, darf ich an dieser Stelle die folgenven Ausführungen mitteilew, Mein Vater sagt:? „Als ich im Wintersemester 1868/69 'die Universität zu Budapest besuchte, wurde dort der bekannte jüdische Kongreß einberusen, um über die Verwendung des Fonds aus de» Strafgeldern zu beschließen, die die jüd. Gemeindeir im Jahre 1848 für ihre Sympathie mit der Revolution zahlen mußten. Für die Verhandlungen dieses Kongresses wurde ich vom sel. Rabbiner Dr. Lehmann-Mainz mit der Berichterstattung im Israelit betraut. Schon damals wurde in den Versammlungen der Gedanke der Trennung der Gesetzcsrteuen innerhalb der ungarischen Gemeinden ausgesprochen. In meinen sehr ausführlichen Berichlen» die ich jedesmal vor der Einsendung meinem unvergeßlichst Lehrer zeigte, mit dem ich während der ganzen Zeit in Pest zusammen zu wohnen das Glück hatte, habe ich gegen die Trennung Stellung genommen in der Ueberzeugung, daß gerade das Aus harren der Gesetzestreirent innerhalb der Gemeinden nach vielen Richtungen hin Segen stiften werde. Als nach dem Kongreß ein angesehener ungarischer Rabbiner im Israelit eine scharfe Polemik gegen den M. H.-Korrespondenten veröffentlicht hatte, war es kein geringerer als R. Israel Hildesheimer, der die Stellungnahme dieses M. H.-Korrespondenten verteidigte. Nün wird es Sie interessieren, daß als die Jüdische Presse im Jahre 1871 in Berlin zu dem Zweck gegründet wurde, um für die gesetzestreue Richtung in Deutschland ein vornehmes Organ zu schassen, ich ersucht worden bin» über die Verhältnisse in Ungarn einen Artikel zu schreibe». Auch in diesem Arrikel trat ich mit großer Entschiedenheit gegen die Trennung gerade vom aesetzestreuen Standpunkte aus auf. Es wird Ihnen gewiß auch nicht uninteressant, sein, zu hören, daß Dr. Gustav Karpeles, der üamaV ein ^uriger Vertreter der Orthodoxie war, meinen Artikel — zn liberal fand und ihn darum dem unvergeßlichßj» Rabbi zur Prüfung vorlegte. Wie war aber Dr. Karpeles überrascht, von dem verehrten Rabbi zu hören, daß er die Veröffentlichung dieses Artikels für sehr gut halte. Und her Arttkel fand in der Tat in der ersten Nummer der Jüdischen Presse seine Veröffentlichung. Als 'mir dann einige Jahre später — ich war damals Rabbiner in Lauenburg i. Pommern —1 mein unvergeßlicher Lehrer die von ihm im Verein mit Rabbiner Hirsch f. A, gemeinsam versandte Petition an den preußischen Sanbta& zum Erlaß eines Gesetzes über den Austritt aus de« jüdischen Gemeinden in Preußen zuschickte, schrieb ich ihm, daß ich die Petition nicht unterschreibe und an Stelle derselben eine solche anderen Inhalts Vorschlägen möchte» um ein Gesetz herbeizuführen, welches die Majoritäte» verpslichre, für die vollständige Befriedigung der religiöse» Ueberzeugungen der Minoritäten hinreichend Sorge zu tragen. Ich habe erneu solchen Gesetzesentwurf ausgoarbellet und meinem Lehrer zugeschickt» der mir erwiderte» daß ihm der Grundgedanke meines Entwurfes sympathisch sei, er habe jedoch bereits die andere Petition unterschrieben und wäre sehr zufrieden, wenn der Landtag ei» Gesetz im Sinne meines Entwurfes beschließen würde. Ich sollte mich an den Abgeordneten Lasker wriüen^ Das tat ich auch; auch Lasker schrieb mir, daß er dom Gedanken meines Entwurfes den Vorzug geben würbe, er habe sich jedoch bereits für die erste Petition engagiert, und ich sollte mich an meinen Abgeordneten iw Lauenburg wenden. Dieser, ein sehr angesehener Mann, Freiherr von Denzin, erklärte mir jedoch, daß es unmöglich sei, in jüdischen Angelegenheiten im preußischen Abgeordnetenhaus einen Standpunkt zum Siege zu führen, wenn der Tlbgcordnete Lasker nicht für denselben eintrete." Schon diese Darlegungen zeigen, daß mein Vater s.A/ sich schon in jungen Jahren mit derselben Entschiedekcheöt, mit der S. R. Hirsch s. A. für den Austritt kämpfte», gegen den Austritt und gegen jede Trennung gewandt hat, und dies zn einer Zell, als er der ganzen Bewegung noch als ein noch nicht unmittelbar beteiligter Zuschauer: von Weller Ferne her gegenüberstand. Man wird es danach verstehen, daß mein Vater es zwar sehr schmerzlich empfand, daß der Rabbi sich seiner Auffassung nicht, an« schloß, diese Meinungsverschiedenheit aber für ihn:' kenr Grund sein durfte^ die Stelle in Frankfurt nicht anzu» nehmen. Und dies um so weniger, als ein anderer nicht