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Neue jüdische Presse · 1920-12-03 · Heft 44 (3.12.1920) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 44 (3.12.1920)
Date
1920-12-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite & Str. 44. Neue Jüdische Press,.? Lv ffsuv LÄnzorzirszsy Lv LeksVeisskrsueusttass«. Tolekou: Habu 1784. Stets Eingang Neuheiten in Tapeten gramm sorgfältig zusamincngestellt. /Das Orchester 'des Zoologischen Gartens spielte. Emma Hokl von der Oper sang, Herr Kiesel deklamierte, Irma und Trude Strauß boten Tanzbilder und ein - Mitglied des Orchesters, Herr Vogel, gab jüdische Melodien. »leine Notizen. Im Talmud Thora-Berein findet der H aftoro-BortragdeS Dr. Rubin diesmal ausnahmsweise Freitag abend, anschließend dem Gottesdienst Synagoge Börneplatz, statt. Samstag, 4. Dezbr., abends 6yä Uhr findet im Zioni» fchen Heim, Unterlindau 81, eine öffentlichePrüfung der hebräischen Sprachkurse statt. Die hiesigen Chanukkahfeiern werden in diesem Jahre einen ernsten Grundton tragen und vor allem des Tanzes entbehren. Ueber die Chanukkahfeiern der Zionistischen Bereinigung und dxr Agudas Jisroel informieren die diesbezüglichen Inserate in der heutigen Nummer. Der sNontefiore wird am 11. Dezember in seinem Bereinslokalc u. a. ein dreiaktiges Schauspiel von Scholaum Aleichem aufführen. Karten Montag, Mittwoch und Donnerstag 7y3—8,¥s Uhr im Vereinslokal. Die Feier der Junggruppen des Montefiore findet am 12. Dezeinber nachmtttags statt. Frankfurter verankaltunae« Talmud-Thora-Berein.Hörsaal, Freitag nach Mariw: Haftora (Dr. Rabin), Samstag, 11: Schulchan Aruch*) (Unna), 3Y*: Raschr (LtpInSky), nach Mincha: En Jaakauw (Unna), Sonntag, nach SchachariS: Mifchnä, Echulchan Aruch (Lipinsky), 9Ys: Genwrv") (Unna), *) Religio ns schule Hermesweg 27. l) Auch für Damen. IngQnatigiterWclao beeinflußt das Wohlbefinden Sepphoris ««d Rom. Ein historischer Roman «ms dem vierten Jahrhundert. Bon Ludwig Phllktztzfohu. (Fortsetzung.) Amnon ging. Mer schon hatte Mirjam den Aermel von Patrikas Arm abgestreift und den leichten Verband abgenommen, der ihm draußen um die Wunde angelegt worden. Die letztere klaffte bedeutend, aber schien nicht ttef. Ein kühlender Balsam und eine feste Binde taten Patrika wohl, und in kurzer Zeit war er, auf den Diwan zurückgelehnt,' eingeschlafen. , Mirjam saß neben ihin, den Blick unaufhörlich auf sein Angesicht gerichtet, wie wenn eine Mutter den Schlaf ihres kranken Kindes bewacht, ihre Lippen bewegten sich zu leisem Gebet, und dann- und wann stahl sich eine Träne aus ihren glänzenden .Augen. Ach. sie liebte, ihn so sehr , . . Plötzlich schlug er die Augen auf und blickte seiner Gattin ins Angesicht. Er erhob sich. .Wie, teure Mirjam, Tränen in Deinem Antlitz? Was ist Dir, was bewegt Dein Gemüt so sehr?" „Ach, Patrika, zürne nicht Deinem schwachen Weibe. Ich überwinde es schnell wieder. Wer diese ununterbrochenen Kämpfe, diese unermeßlichen Anstrengungen, wohin werden sie führen? Wann und wie werden sie enden! Sechs Wochen sind bereits verflossen, seitdem der Römer diese Mauern umlagert und nicht Tag und. nicht Nacht den bedrängten Verteidigern Ruhe läßt . . ." Patrika ergriff die Hände. Mirjams.. „Nun, meine Mirjänr, fehlte es uns an Erfolg? Sind die Römer einen Fuß breit weitergekommen?' Sind wir einen Fuß breit zurückgewichen? Und wenn wir so manchen braven Streiter für Gottes und seines Volkes Sache verloren, haben wir eS den römischen Söldnern nicht zehnfach zurückgezahlt, daß bereits tausende ihrer Leichen in dxn Schoß unserer Erde sanken?" - .: ^.Ha, und der Heldenmut eurer Verteidigung wird in der.Geschichte unseres Volkes sicher eine glänzende Seite . füllen.' Aber wer üns^ entrissen wird, der fehlt uns für immtr, während stets neue Scharen in das feindliche Lager ÄckK-Jsttch;jxdM- ByÄft'-schiM wieder ersetzen. Müsset Mittwoch nach SchachariSMiß^ra. DynnerStag. 8: Ge» moro*) (Unna), Foröül8uchg-?für- Knck«n-j SamStag. 3 Uhr: iSchülchakr-Aruch)'. Dienstag, und Donnerstag, -5y?: Mischna, ^HKnKo/^^N^WkWaAen, Gonnvrg, DttML-(lln«ch. - Agudas' Ji^roek^ugen^tz.^uPp.e, Freitag, MNch'Marüv: G«noro (Oppenheimer). 8: gemütl. Abend, SämsiaL Qifi: (Scnioro (Dr.- Posen, Tiergarten 42), 11V«: Mischna Mirschberg), Sonntag,- 8: 'Raschi (Oppenheimer). 2y«: ThiÜim,- 3¥r': Semiros (Goldes),Dienstag: Chanukka-Feier, Mittwoch, 8Vi: Newiim (Unna, Kl. Obermainstraße 30)i), Mädchen gruppe,'Frei tag. nach Mariw: Sidravortrag, Samstag, 4: Tauroh (Hirschberg). — Montefio re, Freitag, 8V»: gemütl. Abend, Mittwoch, 8V4: Geschichtszyklus (Dr. May). —'Berein sel.bst. isr.Hand- . Werter, Dienstag,, Kaffee Goldschmidt, 8: Chanukkahseier. Zion. Bereinigung, Unterlindau 21, Samstag, 6¥i: Hebräische Prüfung. Hermann Gutrod I #. Bor zehn Jahren kam in unser Redaktionsbüro in Begleitung seines BaterS ein schwarzhaariger, schmächtiger Schulbub mit seelenvollem fragenden Augen — Augen, wie man sie beim Men jüdischen Typ findet — und brachte ein Werk seiner Feder. Es war die nachfolgende Skizze: „Tischoh - Beaw. ... Wie ein gramerstickter Schrei kommt eS aus dem gepreßten Herzen des Juden. Tischoh-Beaw — gleich Ham- - merschlägen pocht dieses Wott an seine Brust und reißt scheinbar längst zugeheilte Wunden auf. Bor seinem sinnenden Auge ziehen Bilder vorüber.' .. Bilder, die -er meinte schön längst vergessen zu haben, Bilder aus der Vergangenheit des jüdischen Volks. ... * Draußen jubelt die Natur. . . . Dögel singen . . . jubilieren ... flöten . . . Käser schwirren . . . summen, und auf all' diese Pracht , sendet die Sonne ihre goldenen, lebenspendenden Sttahlen. Und wie der Jude hinausblickt auf das fröhliche Treiben. erinnert er sich, daß auch er einst jubeln und aus dollem Herzen singen durfte, miteinstimmen in den Jubelgesang bei Natur. — Wieder mischten sich jene Bilder vor seinem Auge, wieder umschleichen sie ihn und legen sich wie Balsam auf sein stolzes pochendes Herz. . . . Wieder «zählen sie ihm von jenen Tagen, da das jüdische Volk wie ein frischer Stamm noch grüne und frische Knospen trieb, und ihm schwillt das Herz vor Freude, wenn er nach jenen, ach so wenigen Tagen zurückschaut, da er, der selbstbewußte, freie Jude, auf seiner eigenen Scholle die Pflichten eines solchen ausüben durfte. Wer ach . . . Immer fahler werden diese schönen Bilder vor seinen Augen, bis sie zuletzt in ein dunkles, herbstliches Grau verschwimmen. — Andere Bilder ziehen an ihm vorüber. . . . Bilder voll Judenleid und Judenelend, Bilder von den qualvollsten Leiden, krampfhaftem Festhalten und Anklammern, Bilder von dem Märtyrertum und der Ausopferung eines Volkes, wn sich zu erhalten. . . . Wieder bricht das alte Leid von neuen: empor. Wieder erinnert er sich seines Elends, wieder all' der Leiden des zerstreuten, jüdischen Volkes. Da packt ihn eine unbeschreibliche Qual, und während ihm die Tränen unaufhaltsam! aüs den Augen brechen, kommt .es krampfhaft von den blutleeren Lippen: ihr nicht endlich unter der Last dieses Kampfes, imter der Ermüdung der unaufhörlichen Wachsamkeit erliegen, daß das Schwert aus der erschlafften Hand zu Boden sinkt, während das Herz noch kampfesmutig schlägt?" „Nicht so; Mirjam, Du siehst es trüber an, als notwendig ist. Unsere Zahl ist noch groß genug, so groß, daß ich heute die Verfügung getroffen, sämtliche Mannschaft in zwei Wteilungen zu bringen, von denen die eine, die Jüngeren und Stärkeren befassend, nach je zwei Tagen einen Tag, die zweite, einen Tag um den ändern ruhen soll, und für die Nächte die eine mit der andern abwechseln: Rur, wenn die Gefahr dringend, soll ein bestimmtes Alarmzeichen Alle auf die Mauer rufen. So denke ich, wird jeder Erschöpfung vorgcbeugt. Auch sind sie noch Alle guten Mutes, uich wehe Dem, der nur ein Wort von Ergebung spräche! Diese Einmütigkett, diese unbegrenzte Hingebung, sie ist es, welche die Hoffnung in mir nährt, und meine Zuversicht nicht wanken läßt." „Aber wie, teurer Gatte", fuhr Mirjam fort, „ich stieg heute auf die Zinne dieses Turmes, und da gewahrte ich wohl, daß die Feinde Fortschritte gemacht. Sie haben ihre schrecklichen Werkzeuge, die eisenbeschlagenen 'Widderköpse, die hohen, gewaltigen Türme bis an unsere Mauer gebracht. Also umsonst waren eure siegreichen Ausfälle; vergebens habt ihr die Gerüste ihrer Belagerungswerke verbrannt und zerstört; sie haben andere errichtet, von deren Eisen» panzern die Fackel und die Ätzt abprallen. Und ich gewahrte, wie die Mauer bereits erschüttert und voll Risse ist; die großen Sand- und Wolljacke, die ihr gegen die Widder an den Mauern herunterließet, haben deren Wirkung und die Wucht chrer Steingeschosse nicht abhalten können und die Mauer wird ehestens zusammenbrechen." „Du hast recht gesehen, Mirjam. Aber blicktest Du nicht auch rückwärts? Sähest Du nicht, wie wir einen Gürtel von Häusern hinweggeräumt, und eine zweite stärkere und höhere Mauer aus 'den Bestandteilen jener aufgerichtet haben? Laß sie nur «instürzen, diese erste Mauer — wenn sie nach schwerem, blutigem Kampfe durch die Bresche eingebrochen sein werden, werden, die Tyrannenknechte jftrn Fuße des zweiten Bollwerks stehen und erfolglos zurückweichen . . ." ,Ha," rief Mirjam aus, ,Dn und Juda sind groß und des Sieges würdig . . . Wer wenn auch diese Mauer dasselbe Schicksal ereilt, denn Ursicinüs kann und wird Nicht ablossen, was.soll dessen das Ende sein?" Ostend - jfp 0 thßke .Hanauerl ancTstr? 2 “ ' TeIephonyB.~2S02 Reiche Auswahl in Seife», llnutkrenuf, ,Bater, wann ist'S schon genügt .Bater, wann ist's schon genug?" Noch einmal flüstern eS die bleichen» zitternden Lippen, während er die ausdruiWvollen von Tränen geröteten Augen gen Himmel hebt. Er ist jetzt still, und nichts verrät sein großes Seifig aber nur zu deutlich sprechen die schwarzen, rätselhaften Augen bittend wie ein Kind: .Water, wann ist's schon genug?" .... Es vergingen etwa sechs Jahre, da erschien bei UNS ein kraftvoller, stattlicher junger Mann, stellte sich al» der Schulbub von damals bor und fragte, wie er sich «I» Jude betätigen könne. Der Pessimismus des KnabenwerktzU seiner - Feder war überwunden, der Jüngling rang nach - jüdischer Betätigung, und in den Worten unserer dieSwöchentlichen Sidra „ES achaj onauchi awakesch. Meine; Brüder suche ich" fand er den Anstoß zu hoffmmgsfreu» digem Streben. Heute ist nun dieser auf sein Judentum stolze, sein jüdisches Volk heiß liebende Jüngling, naivem er noch mm 21. November .als Vorsitzender der Offenbacher Zionistischen Ortsgruppe der Tagung des Gruppenverbandes iw Frankfurt den ganzen Tag beigewohnt hatte, nicht mehr unter ij,ns. Im Osfenbacher Ostjüd. Unterstützungsvereirp und .in der zionistischen Arbeit hat er gezeigt wekha Hoffnungen man an ihn knüpft» durfte. Triumpfgesau» der Jude«. Nun krachte zu Boden Babel bei Krirgsposaunenschalh; Und über die Welt nachhallte dumpserschütternd der donnernde Fall, - So jauchze laut auf, Judäa, dein Tag, dein Tag ist dq. Nun blase des Falljahrs Hörner, Samaria. dieihnaclits-Ansebet zu znrnckgesetzten Freissn. Schwarze und farbige Seidenstoffe. „Sei nicht so schwachmüttg, Mirjam, was ist Dir heute. Dir, die mir sonst nur mit freudigem Mute' entgegentritt und mit dem holden Lächeln üjreä Mundes mir verkündet, daß Du mtt uns zufrieden bist und Dettr Geist' des Schwunges nicht entbehtt, der sich über _ die dunkeln Wolken des Tages zum Hellen Sonnenlicht einebessern Zukunft zu erheben-vermag? Hat Dich die leichte Schramme an meinem Arme so hart getroffen, so schwer niedergedrückt? Ei, Dich hat das Glück verwöhnt. 'Weil ich bis heute unversehrt aus alle» Kämpfen in Deine Arme zurückgekehrt bin, schreckt Dich der erste Tropfe« Blutes, der den rollenden Wogen in meinen Wern entzogen wird, bis zum Verzagen? Jetzt beweise, baß Dw -, das Weib eines Feldherrn bist! Wenn auch die zweitem Mauer fällt, so werden wir die dritte errichtet Habens : Vor allem vergiß aber nicht, daß wir nocheinen Bundesgenossen haben, der seine Hülfe zur rechten Zeit- . senden wird! Hat er unS nicht vor drei Tagen, für r diese Jahreszeit wunderbar genug, die starken Regenweüer - geschickt, die alle unsere Zisternen wieder bis an den Rand füllen? Dies sei uns eine Bürgschast für Mehr und Größeres. Einst lagen hundert Tausende der Assyrer um die Mauern Jerusalems, und in einer Nacht sah Sanherib sein« > Heere vor dem Schwerte des göttlichen Boten; vor der mörderischen Seuche, hinfallen. Hassen wir aus ihn! Noch sind wir gesund und stark, noch unsre Vorräte uns-, i ermeßlich, warum sollten wir verzagen? Latz nur die Zetten der Stürme und des Regens wieder kommen, daß sie nur . unter chren Zeltdächern vom eisigen Nordwind, der von?, de» Eisgipfeln des Libanon herunterstürzt, von den,Fluten ■' des Himmels, die aus dem Schoße der Wolken hernieder-? strömen, betroffen werden, und das Ausehen unserer Lag» wird sich ändern. Dann zur rechten Zeit hinauSgeststrztz und mit den Tatzen der Löwin, die ihre Jungen vetteidigt; in die geschwächten Glieder deS verhaßten Fnnües hineiw» " gegriffen, — und der Sieg wird unser sein!" Die Begeisterung Patrika's drang auch in Mttjam'S Seele ein. Das Feuer seiner Augen zündete auch die Flamme in den ihrigen wieder an; sie blickte, voll Bv- < wunderung in sein schönes, männliches Antlitz. Uber noch ’ einmal senkte sich ihr Haupt, und mit zögernder Stimmen) sprach sie: (Fottsetzung folgt.)

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