Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 42 (19.11.1920)
- Date
- 1920-11-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2693178-2693220--11278-2706716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 42 Neue. ZüdHhe» Pveffe. Seite 3. Hanauerlandstr. 2 Telephon: H. 2802 Reiche Auswahl in Seifen,' Hauthrems, Frostmitteln. t o k i empjangen, die versicherten, da-; Schicksal von Wilna werde einer Volksabstimmung überlassen. ' Tie Misson würde auch' von der jüdischen Genceinde empfangen, S c n e r e i, der Vorsitzende, und Rabbiner S a - c er da t i sprachen ihre Freude' aus, daß Litauen seinen Juden bürgerliche und nationale Gleichberechtigung gewährte; es möge auch weiterhin «ine Stätte für wahre Toleranz bleiben. New Bork Man befürchtet, daß anläßlich der steigenden Arbeitslosigkeit und der sinkenden Preise derKongreß die Einwanderung ans mehrere Jahre verbieten w ird. New Aork. Bei den Wahlen zum Kongreß wurden bisher folgende Juden gewählt: Bachrach in New-Jersey, Nv se n b l u m in Virginia, G a r t c n st e i n für Illinois, C a h a n in Kalifornien, Siegel, Pe r l m a n n, Volk und der Sozialist Meyer London in Rewtzork. Rath an Straus jr. wurde in den Senat'gewählt. Ser amerikanische Verband der galiz ische« Juden errichtet in Lemberg zur Erleichterung' der Paßvisa usw. ein eigenes E.mi g r at io n sbiiro. ' . . . Jerusalem. Sir S a m u e l teilte dem von der Jüd. Delegiertenversammlung gewählten Nationalrat mit,, daß die Regierung bereit ist, ihn als die Vertretung der jüdischen Bevölkerung a n z u e r ke n n en, vorausgesetzt, daß die Delegiertenversammlung die Autorität des vom Völkerbund, beschlossenen Mandats anerkennt, und daß der Rationalrät seinen repräsentativen Charakter behält. Ä«S der MiSrachi-Beweg««g. . Hamburg.' In der hiesigen MiSrachigruppe hält Hermann Gump.ertz allwöchentlich eine» Bortrag über die Religivnsphiloiophie des J;hnda Hal'evy. Zürich. Der Jung-MrSrachi veranstaltet-jeden Samstag mittag einen Gottesdienst, der nicht nur von Schülern besticht, sondern auch geleitet wird. Persomütr» «. kleise Mitteilsxge«. Berlin Der 15. ordentliche Deutsch»Jsrael. Gern ein de tag, dessen wesentlicher Verhandlungsgegenstand die Gesamtorganisation der deutschen 'Juden sein wird, ist auf den 23. und 24. Januar cinberufen worden. Conditorei und Caf6 Wilhelm Wendel Altogans C Telefon Hansa 1288. IVanbtarter Breuten u. Betmännehen. verÜUi Der Verein .jüdische-Lesehalle und Bibliothek" ist aufgelöst und sei» Vermögen der Jüdischen Gemeinde überwiesen worden. Die Bibliothek wird als Zweigstelle der Jüdischen Gemeindebibliothek inc Hanse der Synagoge Fasauensträße weiiergeführt. Hier fand ein von mehr als 60 Vertreterinnen besuchter D e l e g i e r t c n t a g des .I ü bischen F c. a u : u bundes statt. Es wurde u. a. in einer Resolution gesagt,. daß die Palästinafrage als jüdische Frauennnd Kulturfrage von höchster Bedeutung ist. Fra» Rabb. Dr E'sa,elbacher behandelte den' Gedanken einer Frühehe-Kasse. In einer Verhandlung des O b e r k r i e g s g e r i ch r s in K ö n i g s b e r g bemerkte Oberkriegsgerichtsrat Oddc n, als ein Zeuge als Konfession „Jude", angab, in höhnischem Tone: „Natürlich". Auf Beschwerde des Verteidigers hat nunmehr das Reichswehrministerium dem antisemitischen Vertreter des Rechts die Mißbilligung ausgesprochen. Frankfurt a. M. Die Wahlen zur Studentensch a-f f -hatten folgendes Ergebnis: vaterländisch christliche Studenten- 26 Sitze, freie Studenten 9 Sitze, Arbeirszcmcinschaft jüdischer Studierender ö Sitze. Dber-Mockftadt. Mit M e i er Siesel ist in unserer ganzen Gegend der letzte jüdische Veteran des Krieges 1866 gestorben. Der Dahingegangene, der ein Alter von 79 Jahren erreichte, war ein frommer, überall geachteter und beliebter Mann. Stratzdurg 1. Elf. Da Rabbiner I o s e f Butten» wieser aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amte zurückgetreten, war die Wahl eines Nachfolgers notwendig: es wurde Robert Brnn'schivig, z. Zt. Armeegeistlicher in Saarbrücken gewählt. Hamburg. Dte Deutsch-Israelitische Gemeinde vereinnahmte im vergang. Jahre 307,000 M. Steuern und 108,000 M. Sonstiges und verausgabte 453,000 M. (Armenwesen 117,000 M., Wohlfahrtswesen 119,000 M., Schul- und Bildungswesen 137,000 M., Begräbniswesen 53,000 M., allgemeine jüdische Aufgaben 8000 M. usw.), sodaß sich ein Defizit von 38,000 M. ergibt. Aus der Abrechnung der Deposirentasse für die milden Stiftungen der Gemeinde ergibt sich, daß bei derselben etwa 5^/e Will. Mark für die verschiedensten Wohltätigkeitsinstitute und Vereine belegt sind und von ihr verwaltet werden. , Benthe«. Erich Nothmann, Mitinhaber der angesehenen Firma Simon Nothmann, wurde am Tage, da er iw cf: sechs - Jahren aus der russischen Kriegsgesangeni'chast in die Heimat zurückkehren wollte, von R ä u b : r » getötet. Kattowitz. AIS Nachfolger des nach Oldenburg berufenen Dr. A. Haas wurde hier Dr. L e w i n »Kempen zum Rabbiner gewählt und am'Samstag, den 7. Nov. in sein Amt eingeführt.. Wien. Dr. Seetw Posnanskc. ein Bruder des bekannten Warschauer Gelehrten, ist hier gestorben.» Er war. früher Rabbiner in Reichenberg und in Pilsen. Er hat - verschiedene jüdisch-wissenschaftliche Bücher vrröfsentlichi und hinterläßt noch eine Reihe ungedruckter- Werke. Krakau. Im Alter von 72 Jahren verschied Rabbi Mpier Hakohen Rapaport, der Vorsitzende des Veth-Din. ein Mann von hervorragenden menschlichen Cigenschasten und ein Fürst des jüdischen Schrifttums. Er entstammte einer altangesehenen Gelehrtenfamilie; der „Löbach" war kein Ahne. ■ ' - Lea Hanti Künstlerspiele Kaiseratrassa 69. Beginn 8 Uhr. Tel. Hann 5518. ~ Manti’s Weinrestaurant —- ab 6 übr abends wanne 8neiaen ä la carte. . Warschau. Schelaumoh Salman bar'Aha» r a » n h a - K a u h r n Ravaport, bekannt unter seinem Schriftstellernamcn Sch. An-Ski, ist gest.orben. 1863 in WitebSt geboren, erlernte er Schlosserei und dann Buchbinderei. Erst mit 20 Jahren begann er zu schriftstellern. 1894—1900 war er Sekretär Lawrows in Paris und als solcher eine Säule der russischen sozialrevoiutionären Partei. Seine Beschäftigung mit jüdisch:» Emigranten gewann ihn jedoch wieder für das jüdische Leben, und er hat als Jude sehr viel geleistet. So war er während des Krieges Bor sicher der Jüd. Hilssgesellschafr in Petersburg. Moskau. Piorr Semconlwicz (Petsach) Marek, Vizepräsident der jüdischen Gemeinde, Verfasser einer Geschichte der jüdischen Drucke in Rußland, mit Saul Günzberg zusammen Herausgeber der bekanmen Sammlung jüdischer Volkslieder, Mitarbeiter der jüdisch-russischen Enzyklopädie, Hauptredakteur der elsbändigen M»ijche-r Geschichte in russischer Sprache usw., ist — 58 Jahre alt — verschieden. Marek ernährte sich viele Jahre als Buchhalter. i Zürich. Eine von 253 Mitgliedern besuchte außerordentliche Generalversammlung der Jsr. Kultuszemecnde beschloß, auf Antrag Dr. Farbstein, einen Hilfsfonds mit dem Zweck zn bilden, Juden, ine als Juden leiden, auch außerhalb Zürichs zu unterstütze«!. ' New Port Dr. F de Sota Men des m nach 48jährigem Wirken als Rabbiner der Westenbsynagoge. 82. Straße, in Pension getreten. Professor I. H. Gottheil von der Columbia-Universität liest, ans Einladung der Universität Straßbucg (Elsaß) «oährend des gegenwärtigen akademischen Jahres dort über orientalische Sprachen. New Park. Laut einem Berichte der GeldüberweiluugS» stelle des Joint wurden im Laufe der letzten 0 Monate von den amerikanischen' Juden über 5 Milt. Dollars, als» gegen 30,000 Doll, täglich, an ihre Verwandten i n E n r o p a übersandt. Jaffa. Achad Haam, der von Berlin nach Land«! gefahren ist, beabsichtigt, in Kürze zu dauerndem Aufenthalt nach Palästina iiberzusiedeln. Sein Gesundheitszustand ist wieder besser. ' > Prov,-Rabbiuer Dr. Barrrberger s. A. (Schluß.) I» Leipzig promovierte er mit einer wissenschaftlichen Arbeit über Rambam, d. h. er veröffentlichte, nach dem Vorbilde von Dercnbonrg, Barth und Ernst Weil n. ä. Nachfolgern einen Teil des arabischen Peirusch Harnisch-' Bergentnssse 149, H. 4642. lottenvernfchtuna unter Garantie. Sepphoris u«d Rom. (Sin. hiskacifcher Roman aus Lent vierten. Jahrhundert. Von Ludwig Philt-Psoh«.. (Fortsetzung.) Da umarmte Patrika noch einmal und stürmisch sein Weib, und eilte hinaus. Wer. kaum hatte sich die Pforte Hinter ihm geschlossen/ als sie sich noch einmal öffnete, und. Anmon wieder eintrat. Da. stand Mirjam noch an derselben Stelle, starr wie eine. Bildsäule, ihr Antlitz bleich und fest wie von Marmor, die' Äugen dahin gerichtet/ w» der teure. Mann .ihnen entschwunden war. „Mirjam," rief Amnon ihr zu, „sei ruhig, ich werde der Schild Deines Patrika sein, ich werde vor den Pfeil treten, der auf ihn gezielt ist, vor das 'Schwert mich, werfen, das ihn .treffen soll, und drei. Mal und vier Mal soll diese Brust durchbohrt werden, ehe der Feilst» zu ihm. gelangt!" Und er ergriff ihre Hand, und küßte sie, und eilte von dannen. — — Die Männer Judas hatten sich um Patrika gesammelt: es waren ihrer ungefähr 5000. Mit ihnen zog er dem Feinde entgegen. Rascher noch als die Römer die Grenze überschritten, waren die Befehle Patrikas vorangeeilt. Er forderte, die Bewohner des Landes auf, überall vor den nahenden. Römern zurückzuweichen, die Dörfer und Weiler zu verlassen) alle Vorräte mit sich zu nehmen oder, zu verruchten,, die Brunnen zu verschütten, aber unfern der Wege, welche das römische Heer zog. Schwärme auszustellen, die alle Kundschafter des Ursicinus auffangeil könnten. Er fand den willigsten Gehorsam, und die pünktliche Ausführung beraubte die Römer nicht blos unentbehrlicher Hilfsmittel, sondern' entzog dem Ursicinus auch jede Drnde von dem, was er vor sich finden wqxde. Die Römer konnten daraus auch entnehmen, daß ihnen die Unterwerfung nicht leicht werben würde, und Unmut und Verzagtheit begannen schon, sich ihrer zn bemächtigen. Slllf dem Wege, auf dem die Römer in der Richtung icach Sepphoris marschierten —'denn Ursicinus wußte wohl,! ichtz MMsrc. Stad» das Herz des Aufstandes schlug — befand sich ein Takessell — zu welchem man über einen bewaldeten Höhenzug gelangte. Sobald man die Höhe erreicht Hatte, - senkte sich der Weg in das enge Tal-hinab, ,von beibeE Seiten durch mäßige Höhen begrenzt, voneinem hohen Berge geschlossen wirvde, um dessen Fuß herum die Straße durch einen Engpaß weiter führte. Auf dem Gipfel dieses Berges lagen die Ruinen eines ehemaligen, befestigten Bergortes, Achabara, der im Römerkriege verwüstet und - zertrümmert worden. In den Seitenhöhen, aus Kalkgestein gebildet» befanden sich mehrere große Höhlen,. die in den früheren Zeiten nicht selten den Umwohnern und ihren Herden zur Zuftuchtsstätte gedient hatten. Diesen Platz hatte Patrika für den Kmnpf ausersehen. Die weitläufigen Ruinen waren ganz geeignet, sein kleines Heer vor den Blicken des Feindes so lange zu maskieren, wie er eS für gut befände, Und in die Höhlen legte er Hinterhalte, welche von den Seiten in den überraschten Feind fallen sollten. Am sechsten Tage, nachdem er Sepphoris verlasse», erhielt er hier die Kunde, daß der Feind sich nähere. - Nasch, wenn auch nicht ohne Vorkicht, zog Ursicinus heran. Die ersten Cohorten gelangten auf die buschige Höhe und sahen den Talkessel vor sich liegen. Schweigen herrschte ringsum, kein Laut tönte aus >dcr Tiefe, nichts 'regte sich auf den Höhen, das Auge ruhte nur auf den von der Sonne bestrahlten Ruinen Achpbaras, die völlig verödet erschienen, aus den bewaldeten Höhen und der stillen '"reinigen Talsohle. Ruhig und ohne ein Hindernis zu. befürchten, zogen sie die Straße hinunter, die folgenden Kohorten rückten nach-, und schon war fast die Hälfte des römischen Heeres in die Tiefe gelangt und wandte sich dem Berge zu, dessen Fuß sie umschreiten mußten. Plötzlich»'dröhnte das' Schmettern eines Kriegshornes Unlien aus den schweigsamen Trümmern der Veste und klang im dumpfen Widerhall durch das ganze Tal, u»rd brach sich donnernd an den rissigen und zerllüfteten Höhen. Und mit furchtbarem Schlachtruf stürzten die Reihen der jüdischen Männer aus den Ruinen hervor und iu geschlossenen Gliedern den Abhang des. Berges hinunter und in die marschierenden Glieder der Feinde hinein. Nicht minder wurden die Seiten des Berges von einer Menschenmenge besetzt,.'welche mächtige Steine und Blöcke, die ihnen die Burgtrümmer in Menge lieferten, auf die feindlichen Soldaten niederrollen ließen und zahllose Wurfspieße Und Pfeile auf sie entsandten. Die Römer - würden von diesem plötzlichen Angriff zum Entsetzen getroffen; kaum konnten sie Zeit und Kraft ftnoen, ihre Schwerter -zu fassen und ihre Schilder zurechtzurücken, , kaum, ihre losen Reihen enger znsautmenzuziehen. als schon Dop ulrd .Berdreben unter ihnen wüteten, dw Schwerter ihrer Feinde mit jedem Hiebe sie zum Tode rrüsen und die Steine und Wurfspieße mitten in den Reihen die tapfersten und unerschrockensten Krieger niederwarfen. Aber nicht blos von vorn und von oben her drohte ihnen der Untergang. Wie ans der Erde heraus stiegen von allen Seiten bewaffnete Männer, die den Zügen in die Flanken fielen, daß der Kampf bald die» ganze Länge des Tales^einnahm. Von hinten her drangen immer mehr Kohorten über die Höhe, und indem sie ihre Vordermänner immer weiter vorschoben, keilte sich die Menge so eng zusammen, daß das schmale Tal bald überfüllt war, und die, die in der Mitte sich befanden, jeder Beilegung unfähig wurden. Das Morden und Niedermetzeln wurde immer allgemeiner, und der Schrecken lähmte die meisten der römischen Soldaten, daß nur! hier und da die Verteidigung eine kräftigere wurde. Ursicinus hatte den Schall der Hörner,. das Kriegsgeschrei und den Tumult des Angriffes gehört. Er sprengte eiligst die Höhe hinan und überblickte von da aus iwn ganzen Kancpfplatz. Er sah, wie die ersten Glieder seines Heeres bereits die Flucht ergriffen, sich um den.Berg herum »ach dem Ausgange des Tales drängten. ' Die Feinde ließen offenbar dies zu, weil der Untergang der Fliehende«« durch die Nachhut der Juden gesichert sein nmßte. Er sjckh, daß der Kampf hier unmöglich, eine Entfaltung seiner Kräfte, belondrrs der Anwendung seiner Reiterei, kernen Raum habe. Er ließ zum Rückzüge blasen, um hinter den unglückseligen Höhen eine feste Position zu nehmen und die Feinde zu erwarten. Aber nur ein geringer Teil derer, die vor ihm in daS Tal hinabgestiegen, konnte zurück, denn die Feinde, die aus den Höhlen der Seitenbrrge in immer größerer Zahl herauskamen, schnitten ihnen den Weg ab, und von vorn her drang Patrika mit seinen siegreichen Scharen immer tiefer in den Knäuel hinein. Scur die Einzelnen wehrten sich mit der Kraft und Gewandtheit erprobter Kriecpr, die Andern fielen wehrlos unter den streichen der erbitterten Gegner Mehr als die Hälfte des römischen Heeres War verloren. Nach weniger als zwei Stunde» gab es im Tale nur Sieger, Tote und Verwundete und eine kleine Zahl Gefangener. (Fortsetzung folgt.) :..f