Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 42 (19.11.1920)
- Date
- 1920-11-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Neue JMjche Presser Paul JorichTs Künstlerspiele Sohäforgasse 13. . . I Blr {früher Eldorado) 7 Uhr. Vornehmes Familien-Kabarett. - Kein Weinzwang. . Was diejenigen, die mit Herz und Serie am Judentum stflhalten» von einander reißt, ist. im wesentlichen und 4»or .allem die religiöse Frage — oder wie andere sagen: dtt lulturellc Frage. Vielleicht, ja sicher werden wir gerrötigt sein, uns mit Dieser Frage Zn beschäftigen und sie zu llücen, und ohne Sweifel wird Liese Klärung nicht ohne Kampf und schweres inoen kommen. Uber es ist richtig, daß in einer Zeit, in der wir einen Daseinskampf im wahrsten Mime des Wortes führen müssen, die Gemüter verbittert und gelten erschüttert werd>-n sollen?" .5lch fordere keine.Einhelligkett der Meinung in Suchen des Glaubens und der Attligion, denn ich verlange nichts Unmögliches. So. wie das Mitlitz der Menschen nicht gleich ist, -ebenso wenig ist es ihre Gedankearich-tung. . . Ich achte Ltt Frage der Kultur rächt gering, sie scheint vielmehr in memen Augen sehr ernst. Aber schließlich und endlich, das Leben des Volkes geht vor; denn wo kein Volk lebt, ist kein Glaube, keine Kültur. Ich »erlange daher, daß dasjenige, was nicht vom Augenblick bedingt ist, zurückgestellt werde gegenüber dem, was, wenn wir cs jetzt nicht tun werden, niemals in alle Ewigkeit wird getan werden.tönnen. Allen —?Lationalen und Nichtnationalen, Zionisten Und Allttzromsien, Glaubenstreuen und 'Lufgellärten — rufe ich zu: Einiget Euch, schließt Euch rechtzeitig zusammen, vereinigt Euch, um Schulter an Schulter zum Wähle .unseres Volkes zu arbeiten! Und beherzig;:: wer die Don einander trennt, die einander nahe bleiben sollten, wird - Rechenschaft geben müssen, und wer sich bemüht, die Ausonanderstrebenden zusammenzuführen, darf des Segens, sicher sein. * Max Brod, Prag, über Orthodoxie und Zionismus.*) ' ■ Die Orkhoooxie und der Zionismus gleichen zwei Brüdern, die den 8'vntarr mit einander verloren haben. Sie sprechen verschiedene Sprachen, sie verstehen einander m.b:. Und dabei sind doch (trotz aller Mißverständnisse) ihre Seelen brüderlich uähverwandt. Es gehört gewissermaßen zum guten Ton in gewissen slowokilchen orthodoxen Kreisen, so zu tun, als sei mm vutizontüisch. Aber siebt mau dann näher auf das volltive jüdische Programm dieser Kreise, so ist es v>m Zionistischen kaum zu unterscheiden. Bor mir lirqt eine jüngst erschienene Broschüre „Einige ernste. Worte", Herausgegeben von der Msthaner Abteilung des „Jischuv Ercz Jisroel". Diese Organisation ist bekanntlich. als orthodoxe Kampfgruppe gegen den Zionismus .gedacht. — Wcrm nun aber der Unterschied dieser Gruppe Don der Organisation des t Hora treue t Zionismus. dem „M i s ra ch i", liegt, bleibt unerfiatl'-ch. Die Broschüre erwähnt auch, daß „Jischuw Ercz Jisroel" vor einiger Zett eine gemeinschaftliche Versammlung mit dem „Misrachi" abgehalteu hat. in der der Hauvc-Progranimpuntt der Palästinaarbett als gemeinsam zeügelegt wurde. Wozu dann eigentlich noch die organisatorische Trennung dienen mag? Doch lassen wtt die langweiligen Organisationsfrageri. Halten wtt uns lieber an den Geist und ftruen wir uns, daß der Geist, der aus der orthodoxen Broschüre weht, der einer begeisterten Zionsliebe ist. Gleick der Anfang bringt Bettachtungen, die in jedem zionistischen und natwnaljüdischen Essai am rechten Ort wären. Ich zitiere: „Es ist noch nicht lange her, daß die Sehnsucht nach Jeruschälajim als einfacher frommer Wunsch angesehen wurde, heute steht die Sache ganz anders. Zwar konnte der aufmerksame Beobachter — abgesehen von den präzisen Ankündigungen unser Kedoschim aller Zetten — <— es schon lange wahrnehmen, daß oie Zett der „Einsamnilung" sich.nähere. Denn in früheren Jahren gab ^zumeist aur Macht aufgebante Staaten, zu denen die verschtedcnarttgsten Nationalitäten gehörten; seit mehr als 10Ö Jahren herrscht das Streben nach Nationalstaaten vor. und es kommt Gleiches zu Gleichem. Dadurch wird das Judentum ausgeschlossen. Nicht so wie in früheren Jahren: ,M>enu man ihnen hier sehr zu Leibe ging, wurden sie anderwärts mit offenen Armen empfangen". — Heute, da die Nationalitätenfrage in der ganzen Welt in hohem Wnße zugcspitzt ist, wttd das Judentum säst überall ckls Fremdkörper bettachtet u. s. f." - Leberraschend richttg sind diese Einffchten, und umso unbegreiflicher erscheint es, daß einzelne orthodoxe Führer (z. B. gerade der Oberrabbiner von Pistyan, K. Weber) in» notweickigen Konsequenzen aus diesen höchst tragischen Emj'chlen vonunserer.wachsenden Isolierung nicht ziehen und gegen den politischen Zusammenschluß der Juden bei den Parlamentswahlen Stellung nahmen. Doch heute keine Polemik! Man weiß daß ich stets das- Gemeinsame, Verbüßende in den jüdischen Parteiungen gesucht habe. Und gerade die vorliegende Bros-lürgibt Anlaß genug, dieses Verbindende zwischen de» entftemdeten Brüdern Zionismus und Orthodoxie zu gedenken und ihre „Dralekt Verschiedenheiten" für eine gute Weile zu ver» gfefien. Selbstverständlich verlangt die Broschüre den Aufbau Pilläflinas auf religiöser Grundlage. Das ist. aber für uns ZioMen Mn srander Klang. Die Misrächist'en wollen nichts anderes. Üick auch den nicht-misrachistischen 'Zio-, nistcn ist die Mische Überlieferung der jüdische Geist und Inhalt das Wesentlichste, um dessentwiUen die Heimstätte errichtet werden soll. Ein materialistisches, europäisiertes Palästina wäre b itterfte Enttäuschung, — nicht nur für unsere Ortvwdoxie. Daß im Einzelnen große Differenzen zwischen; Orthodoxen und mcht-misrachMschen Zionisten bestehen, ist nicht zu leugnen. Sie werden sich ergeben, sobald man den „jüdischen Inhalt" zu konkretisieren beginnt. So viel scheint mtt. aber sicher: ohne Kenntnis, der jüdischen llebertteserulP kann dieser Inhalt nicht gefunden werden. (Fraglich ist uns nur: Genützt diese Kenntnis? Ist nicht nebstdem Schöpferkraft nötig, — der „heilige Geist", um diese Kenntnisse, n lebendige, den neuen Verhältnissen angepaßte Formen zu gießen,- so etwa wie Hillck es mit dem Mrosbul" tat?) — Jtt>enfalls zu begrüßen aber istes, joeitn; 4>ic Orthodoxie nun daran geht, diese jüdischen Inhalten dtt ileberlieferung weiteren Kreisen zu übermitteln, und,zwar gerade Unter Hinblick aus die bevorstehende Praxis/sin Palästina. Die besprochene Broschüre nun ist. Börwort-Md Ankündigung eines „Handbuches der Staatrnordnnng".. . Erez Israel. Der Eindruck des Landes. In einem Briefe heißt es: Jeder Palästinareisende wird beim Betteten des Heiligen Landes, und beim Anblick der Errungenschaften, die bereits trotz tansend Schwierigkeiten und unter so widrigen Umständen; von den wenigen jüdischen Kolonisten erreicht morden sind, eine Empfindung durchmachen, die man vielleicht in keiner andern Lebenslage ■ wiedecfinden kann. Die hebräische Sprache überall als lebendige und staatliche Umgangssprache vorznfinden, einen ganzen Apparat werdender palästinischer Staatlichkeit, der gerade heute, in seinen ersten Anfängen und ttotz den vielen Lücken, die er noch aufweist, am interessantesten ist, mitzuerleben, die beginnende Aufbautätigkeit eines Landes, an dessen Oberfläche der Ruinenschnttt vieler Jahrtausende eine früber undurchbrechlich geglaubte Kruste bildete, mtt eigenen Augen zu sehen, das ist doch ein seelisches Etwas, das man an keiner anderen Stelle per Welt «uskosten kann, well es einzig in seiner Art ist, ebenso wie die Tatsache der Schaffung der jüdischen Heimstätte in Palästina mit der Hilfe Großbritanniens selber. Zur Möglichkett der Anfiedluug. Das Mlästinaamt für Ostgalizien fragte bei dem Waäd Hazttim in Jerusalem an, mtt welchen Geldmitteln sich eine Kolonie gründen lasse. Die Antwort lautete, für Ankauf von Land, Bau eines Hauses, Einrichtung ufw. seien für jede Familie 1500 ägyptische Pfund erforderlich iüis wären ltys Millionen polnische Kronen, Wenn jedoch der Nationalfonds Land geben könne, dann ließen sich die Kosten bedeutend; verringern, — iPchj warteten auf dieses Land schon hunderte Arbeiterfamilien in Palästina. Verschiedenes. Do» der Organisation Hapoel Hazair-Zeire Zion, wurden während der letzten Monate mehr als 1700 arbeitende Chaluzim nach Palästina gebracht. Der amerikanische Ingenieur Rottenberg, . bekannt durch seinen Plan der Elektrifizierung Palästinas, weilte kürzlich in Paris, wo er Baron Edmond Rothschild für seine Vorschläge zu intereffieren vermochte. Die geplanten Arbeiten werden bei einem Kvsteuaufwand von ungefähr 800,000 Pftmd gegen 9000 Arbeiter während mehreren Jahren beschäftigen können. In Jaffa ist zum ersten Male ein Trupp deutscher Chaluzim angelangt, meist Studenten, die bereits landwirtschaftlich ausgebildet sind. Derttsches Reich. A«S der verttuer Jüdischen Gemeinde. In der Revräsentantenversammlung wurde Kenntnis davon gegeben, daß der Agent Albert Beer die Gemeinde zur Eroiu seines rund eine halbe Million betragenden Vermögens gemacht hat. jUsseggettotofich günstige Selegenheit für den Weihnachtsbedarf Ein grosser Posten Crepe de chine prima Qualität in allen Modefarben, auch in aparten Druckdessins / Tagespreis Y \Mk. ISO,-/ per Meter Nr. 42. . 111" Fttrknnstfertige Ausführung WskrSmüert Düsseldorf 1902 feinen Anstrich u. Lackierung führt preiswert ans. —— Ia. Referenzen. — feinen Anstrich u. Lackierung W. Beols.er Hochstrasse 59. Tel.’H. 6866. Atelier Scbfifergaese 15. Eine Interpellation Seminardirektör Dr. Gut mann und Genossen wandte sich dagegendaß einige Synagogen lclbständig das Kvl-Nidre wieder eingeWirt haben. Gegen , di- Interpellation führte Magistratsrat Dc. Neumann aus: „Sütadele durch ihre Frageob dem Gemeindevorstand das Sagen des Kol-Nidre in den Synagogen Kaiserstraße und Kottbuser-User bekannt wardas' Spreche» des Gebetes selbst. 'Der ethische Wert des Gebetes steht für uns außer Zweifel. Was in. der Alten Synagoge mit Zustimmung des Gemeindevorstandes zulässig ist, kann iii tt:r Synagoge Kaiserstroße nicht verwerflich sein. Bei dieser Gelegenheit müssen wir als Vertreter des Zeniralvrrein-S, die stets für die Einheit der Gemeinde eingetreten sind, noch zu den Vorschlägen der Jüdischen Dolksvartei, die jeder Syngogea ihren eigenen Ritus überlaffen will, bemerken: So sehr wir die Zentralisation! im Berwaltung?- interekse jund zur Förderung der Teilnahme der einzelnen Mitglieder an den Gemeindeaufgaben begrüßen würden, werden wir uns selbst gegen jede Maßnahme webren. die ein; vollständige Trennung der beiden Hauvtrichknugen zur Folge baden würde. Die Erhaltung der Einheit mutz auch hier die Grenze bilden. Wir wollen keine Teilung des Judentums in zwei völlig voneinander unabhängige Teile, sondern bekemien uns zu demselben einen, Judentum." Erholung für Kinder des Mittelstandes^ Das Raphael und Iran nette Ettliuger- H e i n>, das rocht segensreich bisher gewirkt hat, beabsichtigt in diesem Jahre zum erstenmal auch in den Weihnachtsferieit das Heim in Hofheim offen zu halten, und zwar sollen in erster Linie Kinder des Mittelstandes dort Aufnahme finden.. Das Heim ist seit vorigem Jahre mit Zenttaltzeizung versehen, und kann in d:u geheizten Veranden Luftkur vorgenommen werden. Ter Preis für eine sünfundzwanzig tägige Kur betrat M. 300 Anftagen sind an das Raphael und Jeannette Ettlinger-Heim, Hofheim i. T., Kupellenstr. l2, zu richten. Pole«. 80« General BalachowltschS Heldentaten. Aus einer Interpellation der jüdischen 'Abgeordneten Hartglas, Grünbaum usw. im Parlament bezüglich Entschädigung der Opfer der Gewalttaten der Balachowitsch-Truppen fei hier mir einiges aus einem der Dokumente angeführt: . Gleich nachdem die Truppen in Wlodawa eingezogen waren, wurde der jüdische Vorsteher zu dem Polizeimeister gerufen und ihm in Anwesenheit von drei Offizieren gesagt, Balachowitsch habe befohlen, 100 Juden zu hängen, wenn nicht sofort 5 Kubik Hafer geliefert Würben. Bald begannen die Räubereün und Morde seitens der Soldaten miter der wehrlosen jüdischen Bevölkerung. Eine» jungen Mann Namens Lichtenberg begruben die Besüen lebendig. In. Wlodawa wurden 40 Juden, in Schazk 150 Juden ermordet. Das Dokument setzt die Behauptung, Juden hätten sich den abziehenden Bolschewisten angeschlossen, ins rechte Licht. Es war vor den räuberischen Truppen des Generals Balachowitsch. fliehende jüdische Bevölkerung, darunter Greise, Frauen, Kinder. . , Kurze polittsche Rachrichte«. verliu. Nachdem die Preuß. Landesv ersammln» g den Anttag, armen jüdischen Gemeinden und dem Gehalt der jüdischen Kultusbeamten eine Beihülfe zu gewähren, der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen hat, ist diese vunttr Hinzuziehung von Justizrat Leo Lilienthal und Rabbiner Dr. Munk mtt der Bearbeitung des stattsüschen Materials beschäftigt. Budapest- Die Erwachenden Ungarn haben gegen die von der Entente geforderte Ratifizierung des Friedensverttages in der Weise demonstriert, daß sie in das Judenviertel zogen und die jüdischen Passanten insultierten. Siebzehn Verletzte blieben auf dem Schlachtfeld zurück, einer in sterbendem Zustand.' Budapest. Trotz Bitten der Kultusgemeinde bei . der Regierung, Vorsorge gegen die heabsichtigten Pogrome gelegentlich des Ratifizierungsverlangens der Ententt bezüglichdes Friedensverttages zu: treffen, geschah nichts, — und so sind etwa 400 Juden verwundet worden.. Der Student Lazar Nnßbaum, ein Junge von 17 Jahren, ist, bereits seinen Verletzungen erlegen. In der Nacht des 10. November sah ein Wachmannwie mehrere Horthy - Offiziere einen Gast des Kaffee Abbuzin, der ständig rief: „Laßt mich, ich bin ein guter Christblutig' schlugen: Als er den Mann befreien woltte, wandten sich die Offiziere gegen den Wachmann und schlugen ihn mit Gewehrkolben tot. Dieser Fall endlich hat das Parlament zu energischen Worten gegen die Regierung veranlaßt. . '; - Rom. Die litauische Mifflon, darunter der Minister für:jüd. - Angelegenheiten S 0 l 0 me i t s ch i-.k, wurde vom .inister:des Aeutzerm C.pnte 'Sforza und' von- Tiß- 23009591