Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 42 (19.11.1920)
- Date
- 1920-11-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Säte 4. Meüe Jüdische Wesse. Nr- 42 A. 91. Thyssen Stete Eingang . MF~ Neuheiten in Tapeten -MW Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Sainzerstrasse 20 ' Ecke Weissfranenstrssse. Telefon: Hansa 1784. najauä zu der Masechto .Ailajim", übersetzte ihn ins Hebräische usw. Er war aber kein einfacher Nachahmer, schon La zeigte er seine Orginalität im wissenschaftlichen Arbeiten und seine imponierende Emnnas chachomim, die vielleicht neben seiner anderen Eigenschaft: „Machkim es rabbau" seiner Lebensart am tiefsten als Motiv gedient hat; er fügte gewissenhaft seiner hebr. Uebersetzung in Klammer stets die erweichende Erklärung bei, oft nur mit einem Worte, di« unser bisheriger hebr. Peirusch chamischnajaus (Ein Anhang zur Gemoro.) bringt. Scharf, aber sachlich kämpfte er dann oft, nach Frankfurt zurückgekehrt, mit reichem Dissen, manch literarische Fehde, - besonders auf historischem Gebiete der jüdischen Wissenschaft, und da hat er den Grund gelegt für sein späteres selbständiges Schaffen auf diesem Gebiete. In seinem Nachlasse finden sich sicher noch Auszeichnungen aus jener Zeit, die einer Beröffentlichung würdig wären. - Entgegen anderen -Planen für die Vertiefung seines wlmudischen Wissens — er wäre so gerne nach Litauen gegangen —, blieb er dann.in Frankfurt, wo damals die Heschiwoh ins Leben trat, die eine Hochschule für talmudisches Studium werden sollte und erhielt dann eine Berufung als Rabbiner der Religionsgesellschaft in Bälgen. Trotzdem er nur kurz hier wirkte, war diese Tätigkeit von starkem Einfluß dank seiner von allem Anfang an klaren -Erkenntnis der Lebensarbeit eines Rabbiners. Manch treff- .liches Wort, oft in dje liebenswürdige Form eines geistvollen Witzes gekleidet, zirkuliert noch auS jener Zeit, ganz ähnlich wie man seinem Colmarer Großvater s. A. noch h«lte im Elsaß und anderswo noch solche treffende Bon- . mots nachsagt, um die es .schade ist, wenn sie verloren gehen sollten. So recht an seinem Platze war Salomon Bamberger, als er nach hartem Wahlkampf zum DistrikrSrabbiner und Vorstand der Präparandenschule in Burgvreppach 1895, kaum 26 Jahre alt, gewühlt wurde. Hier , entfaltete er eine reichgesegnete Lehrtätigkeit in Gemeinde und Schule. Man lese einmal seine Jahresberichte der ' Schule aus jener Zeit oder halte Umfrage im Kreise seiner -damaligen Schüler und der mit ihm wirkenden Lehrer. "In liebevoller Bewunderung blickten alle zu ihm auf. Unvergeßlich sind dem Berichterstatter dieser Zeilen jene Zeiten, in denen er im Kanne dieser großen Persönlichkeit stehen durfte uod Gelegenheit hatte, sein großes Bekius und Charifus zu bewundern. Dort konnte er das reichlich spenden. Mt aufrichtigem Schmerze sah man ihn 1901' von dort scheiden, nachdem er kurz zuvor sich auS dem Hause des rühmlich bekannten Dr. Köntashöfer s. A. in Fürth die Gattin geholt hatte, um das Rabbinat Hanau in der Nähe seiner geliebten Vaterstadt, seiner Angehörigen, denen er nach dem Tode der Mutter ein väterlicher Freund und Ratgeber seltener Treue sein durfte, zu übernehmen. Fast 20 Jahre hat er hier in vorbildlicher Weise gewirkt unter schwierigen Verhältnissen, die er aber in seiner Geradheit und von Wahrheit getragener Friedensliebe meisterte. In dieser Zeit entstand die Jüdisch-Literar. - Gesellschaft mit dem Sitze Frankfurt. Salomon Bämberger wurde ihr Schriftführer; er hat Kieses scheinbar bescheidene Amt zum Mittelpunkte gemacht. Zeugnis gibt dafür die stattliche Zahl der Jahrbücher, die. von «Jahr zu Jahr sich eines steigenden Interesses erfreuten. Der Außenstehende ahnt nicht, was S. B. hier wissenschaftlich! geleistet hat in einer stillen Gelehrtenarbeit, von der er so wenig Aufhebens machte in seiner wahrhaften Bescheidenheit. > Und dann sein Spezialgebiet: die Wckeit für Halevys ,/vauraus horischaunim". Er hat in Einzelaussätzen und Abhandlungen die Ergebnisse einem größeren Publikum zugänglich gemacht und die Drucklegung des Werkes selbst erst ermöglicht und nach dem Tode Halevys den Band 1a unter unsäglichen Schwierigkeiten und Mühen herausgegeben, ohne seine Person irgend wie mehr als nötig — für seine Begriffe — hervortreten zu lassen. Wer wird diese Arbeit der J.-L.^G. mit dieser Akribie fortsetzrn? Wahrlich eine bange Frage! Unb von dieser Bangigkeit für die Fortsetzung seines ganzen Lebenswerkes war auch die Trauerkundgebung anläßlich der Bestattung durchzittert. Die Beteiligung der Einheimischen und Auswärtigen war ganz ungeheuer und fand in den durchwegs gediegenen Trauerreden ihren herzlichen Ausdruck. Im Trauerhause nahm an der Bahre, im Arbeitszimmer ruhte sie, wo er «selbst so wenig ruhte, ein Schwager, Lehrer K. Ochsenmann Abschied »im Namen Wockenbett-Ansstattnngeir Hugo Rothschild der Geschwister, Robb. Dr. S t ein- Schweinfurt - im Name«: der Freunde, Studien- und Amtsgenossen, Rabb. Dr. S. Bämberger -Kifsinge» fiir die weitere Familie Bainberger. . In der Sy nagoge widmete als «erster Landrabb, Dr. Walter- Cassel Worte des Abschiedes namens des Landrabbinates, Rabb. Dr. Bondi-Mainz dankte' für die Jüdisch-Liter.-Gesellschaft. In erschütternden -Worten der Trauer und Kraft spendenden Worten der Ausrichtung sprach ein. weiterer Schwager, Oberrabb. Dr. Kr'ede nbur g - Arnheim, Rabb. Dr. Wolf-Cöln sprach jjür die Familie Königshöfer, Dr. med. Hofmann-Frankfurt für die Jugendorganisation der Agndas - Israel, Rabb. Dr. M i - chalski-Burgpreppach für diesen ehemaligen Wirkungskungskreis. Des weiteren sprachen noch die Rabb. Dr. Marx- Darmstadt für den „Danraus horischaunim", I. R o.f eritz e im-Frankfurt für die Agudas - Israel, Dr. Msar x-- Frankfurr für den „Zentralverein". _V Auf bem Friedhöfe sprachen dann Mbb. . Dr. Cohn« Marburg und Dr. C a h n - Fulda, Borju^c Rosenberg, Stern, Ko res und Leyrer Su lzbö^he r- Hanau üno Jos. Rothschild -Frankfurt. Gerade diese Trauerkundgebungen zeigten die große Vielseitigkeit und die überragende Persönlichkeit Salomon Bambergers in geschlossenem Bilde und vertieften den Schmerz im Bewußtsein des schweren, unersetzlichen Verlustes. Bange fragen wir uns: „Meein jowau esri?" Und die Antwort des Psalmisten, die Salomon Bämberger einmal so schön auSdeutete, mag der. Hinterbliebenen 'Familie, seinen treuen Freunden und tiefen Bewunderern Trost und Kraft geben! JLugnrtnuM-SS. Telefon Hanaa 9926. Frankfurter Berichte. „Beispiellose Herzlosigkeit." „Beispiellose Herzlosigkeit" nannte Genernlsekräter Kaufmann in feinem Vorträge ,O>st.judennot — Ostjudenhilfe" die Gleichgültigkeit, drc die meisten Juden Westeuropas gegenüber den fürchterlichen Geschehnissen unter ihren ostjüdischen Brüdern beobachten, Geschehnisse, die das jtürische Volk in. seiner vieftauienb« jährjgen, an Furch,barem reichen Geschichte in diesem Ausmaße noch nicht erlebt hat. Gibt es doch in der Ukraine Laredsrriche, in denen im letzten Jahre die gesamte jüdische Bevölkerung unter Martern buchstäblich yingeschlachtet worden ist! Ans 148,M0 wird die Zahl der Opfer geschätzt! Gibt cs doch im Osten Orte, deren jüdische Bevölkerung im, Laufe des Krieges siebenmal cDohiim wurde, d. h. innerhalb weniger Stunden ihr Habe und ihr schützendes Dach! als Bettler verlassen mußte! Schtvebt doch seit zwei Jahren über den Juden Polens ständig das Schwert der Pogrome und des wirtschaftlichen Boykotts! - Redner zeigte, welche Pflichten jedem deutschen Juden erwachsen und was bereits seitens des Jüdischen AcbeiterfltrjorgeamtS geschehen ist und geschieht.. Dem Bortrag' schloß sich eine Aussprache an. Rabbiner Dr. Horovitz, der mit' einer, warmherzigen Ansprache die Versammlung eröffncte, leitete sie. Frankfurt hat 30,000 Juden — und zu diesem eines der bedeutsamsten, — und dringendsten jüdischen Gegenwartsprobleme behandelten Thema waren etwa 120 Menschen erschienen! Wo waren wenigstens all die, die im jüdischen Gemeinde- und Bereinsleben führend sind? Jüdische Fraueuvereintgung. Au« 9. November wurde im Kursaal Mlani eine gemütliche Zusammenkunft veranstaltet, die als wohlgelungen bezeichnet werden darf. Die zahlreich erschienenen Gäste «vurden durch gesangliche und deklamatorische Darbietungen erlesenster Art erfreut, fiir die sie mit reichem Beifall dankten. Ein kurzer Bericht orientierte die Mtglieder über die verschiedenen Zweige der Sozialen Arbeit, die die Bereinigung leistet. UÄeraus groß sind die Aufgaben, die ihr bei der Familienfürsorge, der Kinderfürsorge und der ErholungSfürforge gestellt sind, und wenn auch schon man«he Hilft geleistet wurde, besonders bei der Erholungsfürsorge schöne Erfolge erzielt wurden, so gllt eS doch!, Wetter alle Kräfte bis aufs Ueußerste anzuspanncn, um einigermaßen den wachsenden Anforderungen zu genüge». Ein warmer Aufruf erging an alle Mtglieder, durch Mitarbeit und finanzielle Unterstützung das soziale Wirken der Bereinigung zu fördern. Kleine Notizen. Das Hcachtreferat aus dem Sonntag stattsindendeu Z io nistische n Gruppe »Verbands tag hält Rich L ich thcim. Die Agudas-JiSroel-Ortsgruppc «oählte als Vorstand: Joseph Bämberger, RvchPanwalt Dr. Breuer, Heinrich Eisemann, Lehrer Einstädter, Leopold Oppenheimer, Leopold Schwab and Leo Wreschner. Frankfurter Veranstaltungen. Mädchenklub, Langestraße 30. Sonntag, 7*/*: Gesundheitspflege (Frl. Dr. Pllippsohn). — Zionist. Gruppenverbandstag, Eschenh. Anlage 34,. Sonntag, 10 Uhr vorm, beginnend. —. Zion. Bereinigung, Unterlindau 21, Donnerstag, 8Vr: neue Statuten (Rechtsanwalt Wohlfahrt, cand. jur. P. Arnsberg). — Talmud - Thora - Verein, Hörsaal Börneplatz, Freitag nach Mariw: Vortrag (Dr. May), Samstag, nach SchachariS: Haftoro (Dr. Rabin), 11: Schulchan Aruch*) (Unna), 3V«: Rasch« (Lipinsky), nach Mtncha: En Jaakauw (Unna), Sonntag; pach SchachariS: Misch» ci, *) RelmionSsHiIe HewneSweg 27. - ^) Auch für rdämen. ' .; ^M80ktz-^ll88lLttllNgSN Spezialität: Harren-Oberhemden nach Maas Defekte. Wüsche wird sorgfältig repariert. Frankfurter Gross-Weissnäherei LangeBtrasBe 18, Hinterban. :: Tel.: Römer 5308. 9Vi: Schulchan Aruch (Lipinsky), 9Vr: Genwro*). (Unna), nach Mincha: Mwiim (Unna), 6Vi: Die Gebete des ganzen Jahres (I. B. Levhst) Dienstag, M/-: Mikro (Unna),. Mittwochnach Schacharis: Misch na, vVr: - Chamo aus leivoivaus (Dr. Braun), DönherStag,. 8: Gemoro*) (Unna), Fortbildung für junge Le.«te, Montag, 8»/«: Gemoro (Unna), Fortbildung für Knaben, Samstag, 3: Schulchan Aruch, Dienstag 'und Donnerstag, hVa: Mischna, Gemoro, Schiur für Dame,,, Sonntag, KVr: Dinim (Unna)^ Offenbacher Druckluft-Anlage Offenbaoh a. M. Telefon 123. Unübertroffene Teppichreinignng mittelst Drncklaft. Wochen-Saienoeie. Samstag, 20. Nov. (9, Kislew). SabbadÄnstulg in Frankfurt 4 Uhr 10 Min. — Sabbat-AuSgang in Frankfurt 5 Uhr 25 Mn. Wvchenabschnitt: Wajcize«. Krankfnrter KamMennachrtchten. B a r nr i z w o s. Salli Gabrilowitsch, Untermainkai 34, Adolf Lorey, Kantstr. 26, Kurt Meyer, Lersnerstr. 15, Hermann Tennenbaum, Langestr. 37, Synagoge Börneplatz, Hermann Halberstadt, Schiitzenstr. 8, Synagoge Fricdberger Anlage. ,! Gestorben. Louis Leviso», 53 I., Praunheimerstr. 9. — Amalie Hecht, geb. Frank, 58 I, Bockenheimerlandstr. 109. — Rosa RülhlNls, geb. Uhry, Wwe., 60 I., Jahnstr. 27. — Simvn Schott, 75 I., Gwinnerstr. 8. ^—"Rosa Löb, geb. Halberstadt, Lverbachstr. 45. — Emilie Jsaac, geb. Jüdell, 67 I., Sophienstr. 9. «nSwärtige Familiennachrichten. Gestorben. Arnold Busch, Posen. — Abrahein I. Jafse, Schrimm. — Sigm. Straus, Stuttgart. — Felix Schiss, 65 I., Darmstadt. — Lina Kassewitz) geb. Ellenbogen, Wwe., 82 I., Freiburg. — Fabian Rehfeld, Professor der Musik, 78 I., Berlin. — Heinr. Redlich, 65.J., Breslau. Spende». Be! der Mtionalfvndslommission (I. Heimam«, Zeit 21} gingen ein: . Durch E. Belinsoyn ges. an der Hochzeit Baurnaun 100 M., Hans Rudow anl. Jahrzeit 200 M., D. N. 20 M-, Familie Jsaac, Mauerweg, zum 22. Marcheschwan anl. Jahrzeit 2 Oelbäume im Lud. Rapp-Garten 20 M-, Dr. Jul. Meyer a. d. Namen Dr. Hugo Emmerich 1 Oelbaum 10 Mark. Bei der N. I. Pr. gingen ein: Dr. Geis und Frau, Chemnitz, gral. Dipl -Jug. Kaufmann und Frau 3 M. Briefkasten. R. Warum die Zionistische Organisatio«« die ihr von der AgudaS-Jisroel überreichten „Forderungen der Orthodoxie" negierte? Sicherlich deshalb, weil die Orthodoxie bei der Zionistischen Organisation bereits durch den Misrachi vettreben ist und ein Eingehen aus die Forderunge»« der Agudas-Jisroel eine Desavouierung des Misrachi bedeutet hätte. Auch abgesehen vom Misrachi, umfaßt die Agudas-Hisrvel nur einen Bruchteil der Orthodoxie; sie kann als Agudas-Jsrvel, aber nicht als die Vertreterin der orthodoxen Judenheit auftreten. Eingesandt. Wlnterveranftaltunge«. Ein großer Teil unserer GlaubenSbrüder im Osten ist mit kurzen Unterbrechungen seit zwei Jahren und besonders jetzt wieder Verfolgungen aus'gesetzt, wie sie blu'- tiger die jüdische Geschichte seit den Kreuzzügen und der spanislhen Inquisition nicht mehr gekannt hat. Auf diese Zeitverhältnisse Rücksicht zu nehmen, ist die Pflicht aller Juden. Es sei daher an alle jüdischen Familien und Vereine die dringende Bitte gerichtet, bei ihren Veranstaltungen keine Tanzvergnügungen zuzulassen und sich laus die einfachsten Formen der Geselligkeit und Unterhaltung zu beschränken. BHIIan Süromöbel ’Mjf G-IegenheitabSafe. in Flach-, Büro-, ■ Schreibmaschlnentlaohen, Stühlen, Sesaein,- eiserna Kontor-Sohrfiaka. »rey«>Bftro-:Eliiiiehtnngeii,Tlieaterpl.U;: