Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 41 (12.11.1920)
- Date
- 1920-11-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Lischpu BolkeS entgrgenzüwirken. und ein Ende, zu setzen. Mod« wird von seiner heaügeu barbarischen Juden- .: Politik abkommen — oder es wird ein entschlossen^, Znchr machtloses FünfzehnmilKonenvolk zum Feinde haben. K. S. Koustttuieruug -es Kere« Hajeffod. Die Konstituierung des »Hauptbureaus des Keren ,-Hajesfod (Grundforcks für den' Palästina-Aufb au) in London ist .soeben erfolgt.!. W ist beschlossen worden, d« Legalisierung des Keren Hajessod sofort in die Wege zu leiten. Tin Direk- ■r;. chorium ist bis zum nächste« Zionistischen Kongrest eingesetzt ' ^worden. Dr. B. Feiwel, W. Jabotinsky, I. -'Naiditsch und H. Zlatopvlsky wurden zu Direktoren ernannt. Die Exekutive der Zionistischen' Organisa- ' Hon ist durch Julius Simon im Direktorium vertreten.: SÄkrrtär des Direktoriums ist Leo Herr mann.? ' Das Hauptbureau für Organisation und Propaganda -'-Lrfindet sich in 75, Great Russell Street, London, 28. 2. I. -Seine Telegramm-Adresse ist: Keressod London. Für die Arbeit des Keren Hajessod in verschiederrrn - Läickern Zentraleuropas ist in Berlin eins besondere Ab- § tmünrg mit Julius Berger, Kurt Blumenfeld «ab Dr. Arthur Hantle als Leitern errichtet worden; -er - letztere wurde zum Vorsitzenden gewählt. Srez Israel. Vv« „Schaare-Zedek'-Spital. Am 3. Oktober besuchte der Generalgouverncur Sir Herbert Samuel das Jerusalemer „Schaare- Zedek"--Spital, das eine Grüirdüng der deutschen Hiweuheit ist — der Sitz der Verwaltung ist Frankfurt 3b. 3R. —, imb äußerte sW sehr befriedigt über die schöne .Anstalt. Er schrieb folgendes nieder: „Das ocwnnderns- \ werckeWerk dieses Hospitals, das in Jerusalem eine äußerst ■ «ützliche Tätigkeit ausübt, hat gwßen Eindruck auf mich ' ^gemimtzt. Es ist würdig, in ausgedehnter Weise allerseits Unterstützung zu finden." Eine Aeutzernng der englische» Regierung. ' Im englischen Unterhaus gab auf eine Anfrage Unterstaats stkretär Harmsworth günstige Auökiuist über die -7- Entwicklung Palästinas und führte dann weiter aus: " „Behufs Durchführung der Deklaration der englischen Y R^ierung vom 2. 11. 17 wudeu bereits die ersten Schritte -Unternommen. So z. B. die Regelung der Einwanderung iiti Sinne der erlassenen Gnwanderungsverordmmg. Juden, deren Ansuchen durch die Zionistische Orgnni- . Jo&m unterstützt werden, erhalten bis zur zulässig: nZabl?.»onden britischen Konsularämtern der ganzen Welt dir ^Matzvffa für die Einreise nach Palästina, wobei -die jf. Zionistische Organisation die Verantwortung für das Vertzhalteu der 'Einwanderer, im Falle diese keine Arbeit fin» „T ien, übernimmt. Es kommen monatlich einige hundert -,- Gnwandever in Palästina an, die beim Straßeirbau, bei -; >Her Bodenvermessung und in den jüdischen Kolonien, ^.Arbeit finden: Die hebräische Sprache ist als der arabischen se iend der englische« Sprache gleichgestellte Amtssprache an- "äickannt worden. Deutschs Reich. .. Die Berliner Jüdische «eformgemeinde. 7«-. - Die Berliner Jüdische Reformgemeinde, die den Sabbat den Sonntag verlegt und die hebräische Sprache so- &:Joi£ die Befchneidung abgeschafst hat, erhält unbegreiflicher Wüst von der Berliner Jüdischen Gemeine eine ^Subvention. Das genügt ihr aber nicht mehr, sie möchte j.: Sljre finanziellen Lasten ganz von der jüdischen Gemeinde sLberuommen sehen, und sie bemüht sich daher um ihre Auf- §- nahuE in diese. - _ : ES ist unmöglich, die Reformgemeinde noch als eine ^Mdifche Gemeinschaft anzusehen; sie ist ein Gebilde, das vollständig vom Judentum losgelöst hat.. Den liberalen M Vorstandsmitgliedern und Repräsentanten der Jüdischen DSemeinde scheint es nicht zum Bewußtsein gekommen zu tz. stin. Laß es für eine jüdische Gemeinde Grenzen gibt, fmtb/baß bte Reformgemeinde außerhalb dieser Grenzen steht. ■g' Die letzte Repräsentantensitzung beschäftigte sich wie- A der ei nmal mit der Angelegenheit und gab den konserh vätioen Vertretern Gelegenhüt, energischen Einspruch zu ^--«cheben. U«8»r». Wechsel »er Regierau». orthtzs Regierung des weißen Terrors, die mit Hilfe _ ceichs und Englands ein volles Jahr hindurch üne :7Züt finsterstem Mittelalters in Ungarn verwirklichte, steht Kuor chrem Zusammenbruch, da Frankreich und England Kühr vndlich'ihr Vertrauen -entzogen haben.- Man kann nur :.:4vüchchen, dav Horthys blutrünstige Genossen nicht noch K'voxitzremAbanng ein Blutbad anrichten. Bei dem voll- LzKLüiig'entarteten Gksindü ist dies leider nrögkrch. ' Amerttr. Ü-l* ' 7jDer a»erika«lfch-j«dische Kongreß gegen die Pogrome. i'.Me7H«»-'''§iät'LtzW«8»e dies ameri k-M7 ZÄngrchseS ^7«nbMfene D^gunü sämtlicher jüttscher Orgaoisüloaeni Reue Jüdtsche Hvefst. -beschäftigte süh mit den furchtbaren. Leiden der Juden Polens. ■ ' Rabbiner Dr. Wise verlas eine Einladung des polnischen Botschafters Fürst Lubomirski für eine Konferenz über die jüdischen Fragen in Polen. Nach einer lebhaften Debatte tauxbe beschlossen, der Einladung Folge zu lüsten. ' , Sodann wurde ein Beücht über die Verfolgungen der Juden in Ungarn verlestu. Die Versammluug forderte die amerikanische Regierung zum Einschreiten auf. Die angesehensten Blätter stimmen den Förderungen der Konstrenz zu. . Das Hllfswerk für Europa. Felix Marburg, der von Eurova zurückgekehrt ist, erklärte im „Joint Distribution Committee", die Hilfsarbeit müsse sich von nun an ausschließlich auf re konstruktive Hilst, Versorgung von Kindern und Verbesserung der sanitären Zustärde beschränken. An Stelle des Direktors Dr. Goldmann werde ün dreigliedriges Direktorium das Hilfswerk in Europa' leiten: Dr. Bogen, der die momentane Hilst in eine Hilfe, die geügnet ist, das ökonomische jüdische Leben auf eigenes und sicheres Fundament zu stellen, überführen soll, Dr. Peiser, der die Kinderobhut zu seinem Feld macht und Dr. Plotz für das Gesundheitswesen. Am 15. November werden in Wie« die Rayonsdirektoren zusammenkommen, um einen spezifizierten Arbeitsplan zu entwerfen. B»a »ea jüdische« Gemeinde«. - Es gibt in den Verünigten Staaten nahezu 2500 jüdische Gemeinden. Ein Viertel. von ihnen hat einen Rabbiner, die anderen haben nur einen Vorbeter, der in den meisten Fällen auch predigt.. Die überwiegende Mehrzahl der Gemünden steht auf traditioneller Grundlage. Kurze politische Nachrichten. Zürich. Der Große Stadtrat hat mit so gegen 29 Stimmen den Beschluß des kleiqen Stadtrats, Ostjuden erst nach fünfzehnjährigem Aufenthalt und gehörter Anpassung Einbürgerung zü gewähren, bestätigt. Warschau Im Parlament hat es wieder einmal eine Judendebatte gegeben. Die Mischen Abgeordneten Hartglas und Dr. Grünbaum behandelten Ungerechtigkeiten gegen die Juden. Kriegsminister Sosuko w s k i beantwortete sodann üne Interpellation der jüdischen Abgeordneten über seine Geheimzirkulare und behauptete hicrbü wider besseren Wissens, die Konzentrierung des jüdischen Militärs in Jablona habe er deshalb angeordnet, weil die Juden von Bialystok und Siedlce auf der Seite der Bolschewisten gekämpft hätten. Als die jüdischen Abgeordneten aus diese Lüge antworten wollten, entstand aut' der Rechten ein unglaublicher Lärm. Laudon- Wie..Daily Telegraph" erfährt, werde eine 7°/» Palästinensische Staatsanleihe von 10 Millionen Pfund vorbereitet. Ein ausschließlich aus Zionisten bestehendes Syndikat solle die Transaktion ducchführen. Ziouiftische Nachrichte«. Nürnberg. Bon der Tagung des z i o n i st t s ch e n Gruppenverbandes für Bayern und Württemberg sei folgendes berichtet: Dr. Nußbaum, der Vorsitzende, konnte in seinem Berichte üne stetige Entwicklung ftststellen. Er hob u. a. die aufopfernde Tätiglüt des Zahnarztes Wölff- Gunzenhausen hervor, der versuchte, ein Heim für jüdische Landarbeiter in Heidenhcim zu gründen, es jedoch durch den'Antisemitismus der Behörden mit großen Opstrn an Gesundheit und Vermögen wieder ausgrben mußte. . Nach einem Dortrag des -Rechtsanwalts Dr. E. Straus-München wurde folgende Entschließung angenominen: „Der Gruppenverbmldstag begrüßt die Schaff u n g des Verbands Bayer. Israelitischer Gemeinden. Er erblickt in dem Verband ein Mittel zur Zusammensassung der jüdischen Kräfte des Landes und Wr Stärkung des jüdischen Gesamtheitsgcdankens. Er fordert seine MiMliürer auf, sich an den Wahlen zur Verbandstagung vollzählig zu beteiligen. Aufgabe der zionistischen Vertrüer .der Tagung ist es, auf eine Revision wesentlicher Bestimmungen der vorläufigen Verfassung deS Verbands b inzuwirken, vor allem! auf eine Erweiterung der Rechte' des Verbands im Sinne einer Vertretung der gesamten Interessen der bayerischen Juden, das demokratische Prinzip der Bvlkswahl auch für die Ber- . Landsleitung — den Rat — zur Geltung zu düngen und die entschieden zu veruüülende Entrechtung der Ausländer in der Verfassung des Verbands zu besütigen. — Gleiche Grundsätze sind für das Wahlrecht in den Einzelgemeinden zu fordern. —" Aus Der Misrachi-Bewegung. La-era. Der sehr gut besuchte Delegiertentag der Schweiz. Misrachi-Landesorganisation faßte u. a. folgende Resolution: „Um auch den gegenwärtig noch nicht organisierten thoratreuen Massen Gelegenheit zu geben, zu den aktuellen Fragen des Judentums Stellung zu nehmen, macht der Delegiertrntag die Anregung, daß die Initiative ergüffeu wird zur Einberufung üner Konferenz, .an wefther Deleffierte aller thoratrcuen Juden teilnehmen zwecks Regulierung des rrligtöstn Lebens in Erez' Israel und. im. . Eäluth." . '; Nr. 41. Jerusalem. Der MiSrachi läßt unter der Redaktion Rabbiners F i fhma n n ein Wochenblatt ,Hat»r" erscheinen. ' - > Prostsfor Dr. Pick, der Lüter des Misrachi-gentralbüro, wird Mitte November hier erwartet. Perso««lie» «. Üe1»e RttteU«»se«. Berlin. Rechtsanwalt Heinrtch Stern, der sei» Amt als Generalsekretär niedergelegt hat, wurde, zmu ersten Bar sitzenden der Vereinigung für dack liberale Judentum in Deutschland gewählt. Berlta. Proseffor Louis Lewtn. einer der veliebtestci! Universitätslehrer und eine Kapazität auf dem Gebi-te der Pharmakologie, beging den 70. Geburtstag und Hugo Preuß, der.Schöpfer der deutschen Reichsversassung, den 60. Geburtstag. Berlta. Postsendungen mit StiquettS antisemitischen Inhalts werden auf Grund der Bestimmung: „Bon der Postbcfüvderung ausgeschlossen sind Sendungen deren Außenseiten oder sichtbarer Inhalt gegen die Gesetze oder das öffentliche Wohl oder die Sittlichkeit verstoßen" von der Beförderung ausgeschlossen. Louis Jonas, Stadtverordneter in Wilmersdorf und seit kurzem Vortragender Rat im Mnisterium für den 'Wiederaufbau, ist verschieden. Er zeichnete sich durch seinen Wohltätigkeitssinn aus und hatte lebhaftes Jntereffe für jüdische Angelegenheiten. Lehde« (Holland). Die Antrittsvorlesung von Proieffor Einstein wurde von den 1400 Studenten! der Universität wie ein Fest gefeiert. Einstein schloß seine Rede mit folgenden Worten: „Wir können sagen, daß nach d:r allgemeinen Relativitätstheorie der Raum' mit physikalischen Eigenschaften erfüllt ist, und es besteht ein Aether. Ein Raum ohne Aether ist undenkbar." Wie«. Hier starb im Atter von 65 Jahren an Hungerödem der Physiker, Meteorologe und Chemiker Tr. Max Mär gutes, einer der bedeutendsten Meteorologen der Welt. Er bezog als ehemaliger Beamter der Zenftalanflalt für Meteorologie eine Pension von 5000 fit. Budapest. Der Advokat Dr. Berthold Fab», der Delsassci des hervorragenden zweibändigen Werkes „Das ungarische Lied" und Begründer des Jüdischen Museums, eines der schonst«« und icichhaltigsrrn Museen, ist — 53 Jahre alt — in bitterem Elend derschieden. Driesch bei Jgla« lMähren). 70 Häuter des Judenviertels wurden der Raub eines Brands. Der Schaden beziffert sich auf viele Millionen Kronen. Zahlreiche jüdische Famllien konnten m«r das nlukte Leben retten. Odessa. Advokat Blumenfelü. der erste von Kercnsky bestimmte Senator, starb an Hungerödem. Jerusalem. Rabbiner K u ck weihte die I e s ch i w « „T l; v r a t h K o h a n i m" ein, die ein Novum darstellt: sie ist nämlich der Vertiefung in die Lehre des priestrrlichen TemireldienstcS gewidmet. - Prov.-Rabbiuer Dr. Bamberger j. A.ß Kaum haben sich die Gräber geschlossen über den letzten Vertreter der älteren Generation der Rabbinerfamiliq Brrmberger, da stehen wir schon iklagend an der Bahre eines würdigen Enkels seiner großen Ahnen, des Provinzial- Rabbiners Dr. Salomon Bamberger der Stadt Hanau und ihres Bezirkes, der plötzlich am letzten. Freitag, am Beginne des Schacharis im Gotteshaus uns in die Ewigftit entführt wurde, ähnlich wie einst sein großer Würzburger Slhne. Ohne Uebertreibung darf man sagen, daß mit Salomon Bamberger — und dieser Name hat von dem älteren Vertreter her dieses Namens schon seinen besonderen Klang — eine der markanteste» 'Erscheinungen des Rabbinerstandes dahingegangen ist, von einer ganz ungewöhnlichen Vielseitigkeit des Wissens und der Bildung, eine menschliche Persönlichkeit ganz allsgezeichneter Art, scharf an Geist, tief, tief an Gemüt, heiter und sonnig und liebenswürdig, gewinnend im Umgang mit Menschen, wie es wenigen gegeben ist. Eigene Persönlichkeit, Milieu. Erziehung. Bilduugsstätte, — das alles wirkte zusammen, um aus ihm jene imponierende Erscheinung zu gestalten — innerlich und äußerlich —. wie sie uns unvergeßlich bleiben wird. Väterlicherseits ein Enkel des großen Würzburger Raws s. A. und mütterlicherseits des großen Colmarer RawS R. Schlomoh W. Klein s. A-, geiwß er im Hause seines' unvergeßlichen Vaters, des ersten Dajan dtzr Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M., des R. Seckel Bamberger s. A. eine ausgezeichnete jüdische Erziehung, und nach! dessen frühem Tode setzte die Mutter, die treue Tochter des großen Vaters, mit seltener Energie das Werk fort. Unter dem weiteren Einflutz^der aus der Höhe stehenden Realschule der Religionsgesellschaft unter Mendel Hirsch und des ganzen-damaligen Frankfurter gelehrten Milieus wuchs Salomon Bamberger heran, um sich dem Rabbinerberuftl zu widmen, mit dem gewaltigen Vorsprung eines Spröße lings von Talmidei Chachomim ausgerüstet und gesegnet. Er studierte in Berlin. Orientaua und lernte fleißig bei Rabbi Biberfeld s. A., Ider ihn bald als. einen „Jluj" erkannte und förderte, und auch Kn Berlin ist aus jener Zeit sein Name noch in rühmlicher Erinnerung. Hier knüpfte er so viele Beziehungen zu Gleichstrebenden as; die er in seiner Treue sein Leben hindurch bewahrt« und unbewußt war er bald Führer und Spender, obwohl meistens der jüngste, wie. es ihm schon auf der schule, erging, da er nach wenigen Monaten bei einer Reorgcmis«- tion schon nach höheren Klassen versetzt wurde' und.seiiw viel älteren Mitschüler weit überragte. (Schluß fotzt.) ,; j