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Neue jüdische Presse · 1920-11-05 · Heft 40 (5.11.1920) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 40 (5.11.1920)
Date
1920-11-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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\\vA I: ’ M'-X \ Nr. 40 Wftl«; . Jüdische. Presse. Seite 3 a.m, Stets Eingang MT Neuheiten in Tapeten ‘NI. Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke Weissfraaenatiasse. Telefon: Hansa 1784. In Budapest sind bei der Neuwahl der st ä d t t» s che u Aerzte sämtliche Juden, selbst diejenigen, die schon seit Jahrzehnten amtierten, nicht wicdergewählt worden. Pole». . Wieder eine Interpellation. Eine Interpellation Grün bäum und Genossen im Parlament beschäftigt sich mit der in ganz Polen verbreiteten Gesellschaft Rozwoj, deren Aufgabe es ist, die Juden aus dem Erwerbsleben auszuschalten. Dir Jnierveltation stützt sich auf folgende Tatsachen: Die jüdischen Einwohner von Lomza und Whsoti-Mäjowieck, deren patriotisches Verbalten von Staatschef Pilsudski in einem Interview.mit einem Mitarlciler des .Kurier Poranny" besonders hergehoben wurde, hatten nach dem Einzug der Polen entsetzlich zu leioen. In Wysoki-Masowieck wurde ein, Transport von 230 jüdischen und 20 polnischen Einwohnern, welche die Bolschewiken aus ihrem Rückzuge als Geiseln mitsühren lvollten, von den einrückenden polnische» Soldaten aus den Händen der Russen befreit. Für die 230 Juden sah die „Befreiung" so aus, daß sie aüsgeraubt, geprügelt und gequält wurden. In Lomza, wo die jüdische Bevölkerung sich zusammen mit der polnischen bewaffnet gegen die Bolschewiken 'erhob, mach ehe das polnische Militär einmarschierte, wurde am 22. und 23. August die jüdische Bevölkerung das Opfer von Exzessen und Plünderungen. Sofort nach dem Einzug des polnischen Militärs entfalteten Mitglieder der Lomzaer Filiale des Rozwoj eine antijüdische Agitation unter den Soldaten. Nach einer Mitgliederversammlung verjagten bewaffnete Wochenbett-Ausstattungen Hugo Rothschild Langeotrasse ti. Telefon Hansa 9926. SepphortS n»ö Rom. Ai, historischer Roman au« dem! vierte» Jahrhundert. Bo» Ludwig Philippsoh». B«rtsetzu«g.) Das Gekckrei der Berwundeten und Kämpfende» hatte de« Alarmruf bald durch das ganze Kastell verbreitet, und die kleine noch übrige Schar der Soldaten rottete sich schnell zusammen und stürzte sich dem Feinde entgegen. Aber die Uebermacht, die Kampfgier und der Siegesmut der Juden trugen bald de» Sieg über die kleine Schar davon und Alle fielen unter den Schwerthieben ihrer unerbittlichen Gegner. Amnons Sorge war alsbald darauf gerichtet, Mirjam aufzufinden und zu befreien. Er zog von Turm zu Turm und fand sich immer getäuscht, bis er auf den letzten und hintersten Hof geriet, in den äußersten Turm drang, die verschlossenen Pforten aufschmetterte und hier in einem fast verborenen Gemache Mirjam fand, welche schwach und fast ohnmächtig auf ihren Knieen lag. Der immer näher schwellende Tumult hatte das viel geäuzstigte Mädchen mit Schrecken erfüllt, und sie konnte ihe Rettung kaum begreifen, als Amnon sie auf seine Arme hob und hinaustrug. Die Tore des Kastells rauschten aus, die Zugbrücke» rasselten nieder, und von der Stadt aus zog eine Schrr siegjubelnver Streiter herauf. Ihnen voran eilte ein junger Mann mit beflügelten Schritten. Ein Panzerhemd Umschloß seine Glieder, ein Helm bedeckte sein Haupt, ein blutbeflecktes Schwert war in seiner Rechten. Es war Patrika. Noch hatte er nicht das Tor des Kastells erreicht, als Amnon. Mirjam auf dem Arme tragend, erschien. Der Hand Patrikas entfiel'das Schwert, und Amnon legte ihm das Mädchen in kdie ausgestreckten Arme: .Hier, hast Du Deine Mirjam wieder! . . Der Sieg der Männer von Sepphoris war vollständig^ Sie hatten ihre prächtige Synagoge zum Opfer gebrächt. Aber als der Abend uiedergesunlen, da stieg sie als Feuersäule zum nächtlichen Himmel empor und kündete Sieg und' Freiheit in das Land hinaus.- Alsbald erhoben sich Flammenzeichen von Berg zu Berg, von Höhe zu Höhe, '• und die Männer aller Städte griffen zu den Waffen urid gingen an baä Blutiger Werk. Sie überfielen die römischen Besatzungen, kämpften mit ihnen um Leben und Mitglieder des Rozwoj. den Stadtrat. und bildeten eins Bürgerwchr. Diese Bürgerwehr begann eine wütende Agitation gegen die/Juden unter dem Vorwand, daß diese aus dem Hause eines gewissen Muschinski auf das polnische Militär geschossen hätten, und brachten Posen er Soldaten tu die Stadt. Diese schleppten drei unschuldige Juden, Chaim Grudzinski, Tebel Blumowicz (50 Jahre alt) und Aron Kristall (50 Jahre), auS dem Hause und ermordeten sie in bestialischer Weise, stachen ihnen die Augen aus und schnitten ihnen die Ohren ab. Dann arretierten sie auf Aufforderung der Rozwoj-Leuke gänzlich unschuldige Juden. Unter dem Einfluß der Agitation der Rozwoj-Mitglieder wurden die Juden auch in der Umgebung von, Lomza geplündert und' geauält. Fttrknnatfertage ftimffthrnng Kurze politische Nachrichten. Warschau Im Parlament kam eS zu einem antisemitischen Vorfall, brr Geistliche Lutos law Ski behauptete, das Judentum gebiete, die Christen zu verachten. Rabbiner H a l p e r n protestierte erregt. Laudon. ..Times" plaioiert für gun>>tge wirtschaftliche Grenzen Palästinas; die langersehnte Regelung der nördlichen Grenze werde in Bälde erfolgen. Baron James de Rothschild, der Sohn des Barons Edmond de Rothschild, sprach sich in einem Interview dahin aus, daß er als Zionist großen Wert auf die Privatinitiative in Palästina lege, denn wen» nicht wir Juden sehr schnell seien» würden andere uns zuvorkommen. Genua. Seit einem halben Jahre kommen ständig jüdische Flüchtlinge auS Ungarn nach hier. Die meiste» italienischen Juden verhalten sich interesselos. Montreal, seitdem sich di» jü d 11 che Einwande» r n n g vergrößert hat, machen die Behörden Schwierigkeiten. Zionistische Nachrichte«. London. Da der Pressedienst des Zionistischen Zentralbürvs nunmehr von Jerusalem aus bewirkt wirb, erscheint das hiesige „Zionist Bulletin" vom 12. November ab nicht mehr wöchentlich, sondern nur gelegentlich. Persimatte««. Uei*eMtt1eU««-e». Berlin Stadtverordneter. Baumeister. Samuel Weile, der viele Jahre km Ehrendienste der Jüdischen Gemeinde tätig war, verschied im 72. Lebensjahre.. Ver>i» <£>» int-ressanier Prozß i(t die Klage deS berüchtigten antisemitischen Schriftstellers Dr. Arthur Dinter gegen den Redakteur des „Berliner TagblätteS" Dr. Leonhard Birnbaum. Dinter hat «inen blutrünstigen antisemitischen Kolportageroman unter dem Titel „Die Sünde wider das Blut" veröffentlicht, der bereits eine Auslage von 200,000 Exemplaren erlebt hat. Dieses Buch war von dem Angeklagten als Pamphlet be- Tod. und streckten sie nieder hier mit mehr, dort mit weniger Opfern. Am andern Morgen befand sich kein römischer Soldat mehr auf galiläischem Boden. 15. Patrika war sich wohl bewußt, daß eine Zeit stürmischen Kampfes vor ihm liege, daß sein junges Glück zwischen gewaltigen und scharfkantigen Felsblöcken emporwachisen müsse, und daß der Erfolg zwar von vielen Umständen, zunächst aber von seiner eigenen rastlosen Tätigkeit abhänge. Aber er ging inutig, entschlossen und Gott vertrauend an das Werk. Erfüllt von der wunderbaren Geschichte seines Volkes, das so oft, wie sonst keines, den Wechsel des Glückes erfahren, so oft, wie sonst keines, in den höchsten Nöten und Gefahren Rettung und Erhebung auf ungeahnte Weise erlangt, und erwiesen hat, daß, wo der Geist gewaltig, die Mittel nur »schwach zu sein brauchen, um den höchsten Sieg dennoch zu erreichen, war er voll Zuversicht und meinte, daß jetzt wiederum eine Zeit gekommen, wo der göttliche Retterarm an Israel sich bewähren, das niedergetretene erhöhen, dem zerstreuten einen Mittelpunkt schaffen werde, um den eS sich schaaren könne. Vor allem schickte er daher die persischen Brüder nach dem Heere Sopors zurück. Sie sollten nur berichten, was sie selbst gesehen, und die Ausforderung an diejenigen, welche sie entsandt hatten, bringen, so schnell wie möglich den Uebergang des persischen HeereS über den Euphrat zu bewirken, um sich so einander die Hände zu reichen, und das schwache römische Heer zwischen ihnen von beiden Seiten zu erdrücken. Dann waren sie des leichten Sieges gewiß. Alsdann zog Patrika mit der auserlesenen Schaar wohlbewaffneter junger Männer, die' er zum Kern der kampffähigen Mannschaft ausgebildet hatte, aus und durch alle Städte Galiläas. Ueberall wurde er mtt Jubel empsan-. gen, überall als der eigentliche Held, als das Haupt der Nation, als daS Pfand des Sieges begrüßt, und die freudigste Bereitwilligkeit gezeigt, zu noch bevorstehenden Kämpfen Gut. und Blut hinzugeben. Er verschaffte sich hierbei eine genaue Kenntnis der Oertlichkeiten und ihrer Beschaffenheit sowie der vorhandenen Streitmittel. Mer er begnügte sich hiermit nicht'. Aus dem benachbarten Syrien hatten sich einzelne römische Schären an den Grenzen ausgestellt, um möglichst die Verbreitung des Aufstandes zu verhindern. Da sie die galiläischen Grenzen unbewacht, fanden, waren sie in das Land eingefallen und hatten hie und da Dörfer'und offene Fleck» überfallen. Moderne Mnleiel feinen Anstrich n. führt preiswert ' Is. Referenzen. — u' Prlmiiert Düsseldorf 1902 r. Beol&er Hochstiaase 59. Tel. H. 6866, Atelier ^cb&fergasse IS. zeichnet worden, das mit Fälschungen aller Art arbeitet' und schlimmster Geschäftsantisemitismus sei. Der Prozeß wurde bei der ersten Verhandlung vertagt, damit Richter das Buck lesen können; als Sachverständiger so« der bekannte Theologe Professor Dr. Strack geladen werden. Brest«». Dr MoIeS Hoffman». Landraüütner in Emden, ein Sohn des Rektors des Berliner Rabbiaerkeminars, ist zum Nachfolger unseres Rabbiners. Dr. ' Rosenthal gewählt worden. Dr. H. wurde 1875 geboren. Er wirkt? als »Lehrer 1900—01 in Fürth, 1902-03 in Frankfurt und als Rab« biner 1903—12 in Randegg und seitdem in Emden. Haiperftadt. In den Zent, «trat derAguda» Jisroel wurden gewählt: Rabb. Dr. Auerbach- Halberstadt, Rabb. Dr. Klein-Nürnberg, Rabb. De. Piuchas Sohn und in den Rabbinischen Rat: Rabb. Dr. Breuer-Frankfurt und Rektor Dr. Hofmann- Z-Lifia. Wie» Proftffor Dr. Hartmann, der österreichisch« Gesandte in Berlin, ist zurückgetreten. Tarnowitz. Der englische Kreirkontralleur verbot eine angesagte antisemitische Bersummlung. Jüngst hatte er einer Buchhandlung das AuSstellen antisemitikcher Literatur untersagt- Zürich Der Schweizerische KriegswatsensondS der Agudas Jisroel ist der BerwirklWmg seines Planes, ein Waisenhaus in Eres Israel zu errichten, nähergerückt, indem ein Anonymus 40,000 Francs spendete. Die deutsch-schweizer. Tierschutzvereine sind wieder einmal rührig. Sie versenden au die Presse folgende Notiz: „Nachdem die unter Berufung aus die außerordentlichen Vollmachten vom Bundesrat seinerzeit erteilten Schächtbewilligungen auf den 15. April 1920 endgültig zurückgezogen waren, ist eine Umgehung, des Schcchtverbotes in der Weise eingetreten, daß mit Bewilligung des eidgenössischen Ernährungsamtes an bestimmten Grenzorten, so in Rhcinfelden, von jüdischen Metzgern Schwcjzervieh über die Grenze geführt, auf ausländischem Gebiete geschachtet und das Fleisch in die Schweiz zurückgebracht wurde. Gegen diese Umgehung des Schächtverbotes hat der R-'gierungsrat des KantonS Aar-- gau beim Bundesrat Einspruch erhoben und das Begehren Mif: Ichnt tmiM-Mä Itiiftnl Bergerstrasse 149. H. 4648» W Uott«nwa<-nlchtana oatee Baraa'la.*H ausgeplündert,, und von den flüchtigen Einwohnern getötet^ wen sie erreichen konnten. Patrika zog daher gegen diese aus. Bon wohlunterrichteten Führern geleitet, konnte er die kleinen feindlichen Haufen einen nach dem andern evreichen, sie oft genug überraschen, und in mutigen Kämpfe» vernichten, lieberall blitzte sein Schwert voran, gab ' fest«: Unerschrockenheit und Tapferkett leuchtendes Vorbild. Und - erwarb ihm seine Unermüdlichkeit und seine treue Sorge für die Seinen das unbedingteste Vertrauen? An seine Person schien der Sieg gefesselt, und noch mehr, er verdiente ihn. Eine schwärmerische Anhänglichkeit erfüllte alle, die ihm nahe standen. Zu gleicher Zeit lehrte er durch diesen kleinen Krieg seine Mannen die Römer nicht fürchten. gewöhnte sie an den Kamps und den Gebrauch der Waffen. . Endlich kehrte er nach Sepphoris zurück» nachdemer den Städten einen Tag bestimmt hatte, an welchem ihre- Mgeordneten in Sepphoris sich versammeln sollten^ um in gemeinsamer Beratung die Ordnung der Dinge für daL nun freie Galiläa festzustellen. Mirjam empfing voll Sehnsucht und freudigen Stolzes ihren jungen Gemahl, Mid-in ihr liebendes Herz ergoß er alle seine Pläne und' Sorgen, alle seine Hoffnungen und Befürchtungen. Ihre Seele war groß genug, um sie zu verstehen und zu teilen. Der Tag, an welchem die Mgeordneten in Sepphoris erscheinen sollten, war nahe. Patrika saß in einem Gemache seines Hauses, eine Schreibtafel vor sich, aus die er die Entwürfe verzeichnet hatte, welche er der Versammlung vorlegen wollte, und Mirjam befand sich neben ihm, bald sein Nachsinnen schweigend achtend, bald seinen Worte« lauschend, wenn er die Bedenken über irgend einen Punkt durch ein Gespräch mit ihr anfhellen und beseitigen wollte:. Da trat Amnon ein mtt erhitztem Angesicht und funkelndere Augen. Sein ganzes Wesen war so aufgeregt, daß er sich erst fassen und überwältigen mußte, bevor er spreche» konnte. „Patrika," hob er an, „ich komme von der Berstomulung Deiner Krieger, zu denen sichalle Jünglinge und jungen Männer dieser Stadt geschart haben, ich komm» zu Dir von ihnen mit einem großen, gewichttgen Worte. Wir alle sehen «in, daß uns ein Kampf auf Leben und Tod bevorsteht. Rom wird und kann nicht gutwillig zu^ sehen, wie wir seine Soldaten getötet und seine ~ Herrschaft gebrochen haben. Ob uns Hülfe von Ostenftimmt^ dauernde Hülfe, wir wissen es noch nicht, aberderKampf mit Rom wird nicht bloß heftig, sondern auch lang und immer wiederholt sei». Der Geier, der da« schwäche'Lamm ' < 's';4

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