Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 40 (5.11.1920)
- Date
- 1920-11-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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©eite 2 Paul Jorich’s Künstlerspiele Schfifafgasse 18« 7 Uhr (früher Eldorado) 7 vdr. Vornehmes Familien-Kabarett. ■ =■■■■ Kein Welnnrang. -- — und dieses verantwortungsfreie Schalten und Walten mit dem Schicksal der Juden, das eben ist das wlchre Wesen desAntis'emitismus. Der Nichtjude empfindet den Juden, der nirgends in der Welt ein Eckchen hat, wo er'aL Jude Hausherr ist, nicht als ebenbürtig, nnd nur durch Selbsterziehung hat ein Bruchteil der Nichtjuden dieses Gefühl überwunden. Deshalb haben auch alle -Sümpfe für die Gleichberechtigung nicht eher dauernden, wiicklicheu Erfolg, bis Palästina ein autonomes jüdisches Gemeinwesen blühe» sicht. Das ist auch der Grund, warum an der Errichtung dieses jüdischen Palästinas jeher Jubu unabhängig von seiner besonderen Anschauung interessiert ist. Die Indische DeLegierteuversammluug in Erez Israel. Die erste Session der Jüdischen Delrgiertenversammkung ist vorüber. Sir »ahm einen harmonischen Verlauf und zeigte dir Selbstdisziplin, dem,, Parteienkanipf im Interesse der Zukunft der palästinensischen Judenheit- Gehässigteit und Schärfe zu nchmeck. Was die großen Baseler Zionistenlongrcßj bewiesen, hat sich auch hier nieder einmal dokumentiert: wir Juden sind unter einen Hut zu bringen. Der bedeutendste Beschluß der Tagung war dir Wahl eines Sugliebrigcn Nationalkomitees als politische Repräsentanz. Die Kosten dieses Komitees werden dürch Selbstbesteuerung der Wähler bestritten. Das.Komitee soll __ zu den Arabern freundliche Beziehungen pflegen, denn chauvinistische Allüren sind uns Juden, hem einzigen Volke, das in seinem Staate Liu Fremdeuglctz kannte -fremd. Das Komitee wiro die schwere Ausgabe haben, das wirtschaftliche Problem der Müschen Bevölkerung zur Entspannung und Lünstrgen Ättwicklung zu bringen, eine Aufgabe, deren Lösung die energische Mithilfe der Judenheit der ganzen Welt beansprucht. Kolonisieren verlangt eine Summe von hunderten Millionen und eine Zeit von Jahren. An dieser Selbste derstäadl'chlell hat nie 'ein .Volk L gezweisclt, und die Parlamente aller Völker, die Kolonisation betreiben, haben diese stets nur unter dem Gesichtspunkt betrachtet, ob sie'sich mal eines Tages bezahlt macht. In Erez Israel handelt es sich aber um unendlich mehr als um wirtschaftliche Werre — Erwägungen, die England leiten mögen, — es handelt sich dort um die Zukunft des. jüdischen Volkes. - 'England hat Palästina den offiziellen Namen. Erez Israel gegeben — so tragen die Kos« marken Palästinas jetzt den hebräischen Aufdruck „Erez Israel" —, und der Jüdischen Delegiertcnversammlung war dieses „Erez Israel, Land des jüdischen Volkes" schon etwas ganz Natürliches. Die Delegiertenversammlung oc.langte Erweiterung der jüdisch«! Bataillone, die als Landwehr und Gendarmerie für die Sicherheit im 'Lande sorgen sollen, — und die Regierung hat diese Forderung sogleich erfüllt und zuw 1 November 600 Mann iüdrscger Truppen ..eiaberustn Die Telearerteuvrrsawmlung hat den Eindruck htntcrlassen, daß. vcr Jude des neuen Jischuw sich von der Phrase entfernt Und der ernsten Arbeit nachstrebt. DaS ist ein erfreulicher Äntanz- Die Lernichtnug eines ganzen Volkes. Eine furchtbare Anklaae gegen Pol« nnd gegen die Entente. Ein aus Polen zurückgekehrter Amerikaner schreibt Är „Newyork Harald": „Was dort in der polnischen OkkitpationsUme, in Gallien,' der - eigentlichen Ukraine und Weißrußland sich ereignet, ist so schlimm, 'daß-man es nicht oft und laut genug in die Welt hiuaus- Mveien kann. Es handelt sich hier nicht mehr um ein- 'zelne Pogrome, sondern um eine völlige Vernichtung eines ganzen Volkes. ' Der Einzug polnischer Abteilungen iu die Städte und Fkchen, wo Juden wohnen, ist immer von unbeschreiblichen -Grausamkeiten begleitet. Man mordet, raubt, plündert, schändet, schont weder Frauen ^noch Kinder und Greise. Es ist nicht mehr ein Morden, es ist förmlicher Sadismus. In manchen Häusern, die von Juden bewohnt waren, ist nicht eine Seele am Leb e n geblieben. Die photographischen Aufnahmen zeigen geradezu Furchtbares. Das, was wir auf ihnen sehen, sind nicht mehr Körper Erschlagener, sondern Ueberceste zerhackten'menschlichen Meiches. DL militärischen polnischen Behörden treffen absolut leine Maßregeln gegen die Vernichtung eines ganzen Conditorei und Cafd Wilhelm Wendel ,JUt*H|MBaS : Talafaa Haaaa **®®- Franbtarier Breiten u.Betmänueheii. Neue Jüdische HreAe. Volkes. In ollS Städten, durch welche die polnischen Truppen gekommen sind, sind alle jüdischen Häufe r a uSg er a U b t. Nichts ist in ihnen zurückgeblieben. Will Europa und vor allen Dingen die Entente noch länger diesem Gemetzel untätig zusehen?" Pogrome iu Wilna. Das Kpuütee der Jüdischen Delegationen in. Paris hat authentische Berichte erhalten, denen zufolge die Truppen des polnischen Generals Zeligowski nach ihrem Einzug m Wilna am 9. Oktober einen 3üstiiudigen Pogrom veranstalteten. 6 Juden wurden getötet, 6 lebensgefährlich'verwundet, zahlreiche leichter verwundet und eine Anzahl Personen vergewaltigt und zahlreiches jüdisches Gut geraubt'und vernichtet. Einige Tage später fand, wie auch die antisemitische Londoner „Morning Post" vom 23. Oktober bestätigt, ein lisch größerer Pogrom statt, dem Hunderte Juden zum Opfer sielen. ' , Der Emigrauteustrom «ach Amerika. Der Newyorker Korrespondent des „Moment" schreibt: Der Emigrantenstrom aus den verschiedenen europäischen Ländern nach Amerika wird immer größer. Täglich kommen Schiffe mit Einwanderern. Manche von ihnen müsse» einige Tage in Ellis Island oder ans den angekommenen Schissen warten; doch-ist daraus zu, erklären, daß es für die Einwanderungsbeamten fast unmöglich ist, olle Ankommenden aus einmal zu kontrollieren und die ärztliche Untersuchung und ander» Formalitäten vornehmen zu lassen, denen sich jeder Einwanderer unterziehen muß. bevor er ins Land eingelassen wird. Als Illustration, wie stark der Zustrom der Äuiwanderer ist, dient der Bericht des Newyorker EinnuuSerungsanrtes, welcher soeben vcröffenllicht wurde. Danach find ini Monat Juni 1920 etwa 70,000 Einwanderer in den Vereinigten Staaten angekommen, das ist um 100°,» mehr als im Juni 1919. Diese Zahls ist größer als die Zähl in jedem -einzelnen Monat seit Juni 1914. Der größte Teil der Einwanderer sind Juden. Erez Israel. z«r EiuwanderuugSfrage Untre Leitung des Generalsekretärs der Zionistische» Organisation Landmann fand in Mäd.rikch- Ost rau (Tschecho-Slowakei) eine von 30 Delegierten besuchte Konferenz der mittel« und osteuropäisch e n Pa l ä st i n a ä m te r st-att. Die Konferenz faßte folgende Beschlüsse: Kein Auswanderer darf seine Heimat verlasse» ohne allnötigen Dokumente und genügende Reisemittel. Die Organisierung der Auswanderer bildet einen wesentlichen Bestandteil der Palästinaarbeit, weshalb es notwendig ist, einen Teil der Gelder des Keren Hajesiod für die Organisierung der Emigranten zu verwenden. Solange die zionistischen Gelder für die Emigrantensürsorge nicht ausrcichen, muß zur Deckung der Fürsorgekosten auch weiter die bisherige SlusbringunAmethodc fortgesetzt tverdcn, wobei Gemeinden und Hilfsgesellschaften heränzuziehcn sind. Cs ist die Gründung einer zionistischen Palästinc- Transportgesellschaft oder die Umgestaltung der Maawirim in eine nationale Palästina-Transportgesellschaft wünschenswert. Dem amerikanischen „Joint Distribution Committee ist für seine den Palästinawanderern bisher geleistete Hilft zu danken. Es wird ein Emigrationsrat für Mittel- und Osteuropa, bestehend aus Vertretern der.zentralen Päläktinaämter in Wien, Warschau und Konstantinopel und kooptierte', Fachmännern, begründet. Eine Ruhmestat der Lehrerschaft. Da öfftntliche Mittel zur Zeit nicht in genügendem Maße zur Verfügung stehen, hoben die jüdischen Lehrer beschlossen, Freistunden im Wert« von 1000 engl. Pfund monatlich zu geben. Jeder Lehrer übernimmt zwei Wochenstunden, die nicht honoriert werden. Auf diese Weise ^können noch einige Klassen eröffnet werden, und diese Klassen sollen vor allem den neueingewanderten Arbeitern zugute kommen, um ihnen die Erlernung der hebräischen Sprache und der für die Arbeit im Lande notwendigen Kenntnisse zu errnöglichen. Deutsches Reich. Vertagung des Gemeindetages Der Deutsch-Jsr- Gemeindebund tcllt mit: „Seitens der Großgemeinden ist der Wunsch geäußert worden, vor dem Zusammentritt des Gemeindetages mit dem Ausschuß des D. I. G. B. über die einzelnen Fragen der Gesamtorganisation. noch einmal zu verhandeln. Da der Ausschuß den größten Wert darauf legt, alle möglichen Disftrenzpunkte vorher zu klären und insbesondere mit den Großgemeinden zu einer restlosen Verständigung zu gelangen, hat er der Anregung Folge gegeben ruck» beschlossen, den aus den 17. November d. Js. anberaumten Gemeindetag zu vertagen. Der neue Termin des Gemeindetages, der für die zweite Hälfte des Monats Januar in Aussicht genommen ist, wird sobald als möglich bekamttgegebyt wäLen." Nr. i». Lea Santi Käostlerspiele * Kaiserstrasse 69. ' Beginn 8 Uhr. Tel. Hansa 5316. =■ : Ifanti’s Weinrestaurant - _ ab 6 Uhr abends warme Speisen I la carte._ A«S der Breslauer Jüdischen Gemeinde. Die Repräseutanten nahmen die GehaltSvorlage an. Die Beamten erhalten rückwirkend von, 1. April Zuschläge zum Grundgehalt .und Teuerungszulage be> Außerachtlassung der Kinderbeihilfen von 30—50»/» je nach der Höhe des bisherigen Einkommens. Die Bezüge der nebenamtlich Angestellten werden ab 1. Oktober um äß'to, die der Ruhegehaltsempfänger ab 1. April um 20—50^° erhöht. ' Durch diese großen Neubewilligungen entsteht der Gemeinde eine Mehrausgabe von etwa 440,000 Mark. Dies und die erhülich erhöhte Forderung der Stabt für tv Einziehung der Gemeindeabgäven läßt -den kürzlicü bewilligten Satz der Steuer berechnung nicht ausrecht erhalten Die Versammlung beschließt daher, entsprechend einem Borstandsantrage, für' das Jahr 1930 50o/o der Einkommensteuer von 1919 zu erheben- Zum Bürodirektor wird sodann noch Stadtrat Dr Weih st e i n ans Hirschberg angestellt. Kuranstalt sür arme Israeliten in Soden im TaunnS. Der Kuranstalt für arme Israeliten in Soden, der einzigen Anstalt in Deutschland, in welcher Lungenkranke rituell verpflegt werden können, ist es gelungen, ihre schöne Anstalt am 1. November wieder zu eröffnen und Lungenkranke beiderlei Geschlechts gegen Vergütung der Selbstkosten zu verpflegen. Dentsch-vesterreich. Gegen die galizischeu Jade«. Die „S taats korrespo ndenz" bringt fotgends Bekanntmachung: „Eine der Hauptursachen der Wohnung snot in Wen besteht darin, daß zahlreiche, wShrend des Krügrs zugewanderte Flüchtlingsfamilien, unter denen sich viele unerwünschte Elemente und nach der nicderösterreichischen Kundmachung vom 9. September 1919 zur Abreise verpflichtete Personen befinden, ihre Wohnungen in Wien noch immer beibehalten. > Um der Wohnungsnot der bodenständigen Bevölkerung einigermaßen abzuhelsen, hat die Landesregierung mit Kundmachung vom 10. Juni 1920, LGBl. Nr. 355. die Wohnungen derjenigen Personen, welche sich unberechtigterweise in einer niederösterreichischen Gemeinde aufhalten, sür anforderbar erllärt. Für einzelne Orte, 3» denen auch Wien gehört, gilt noch überdies die Verschärfung, daß solche Wohnungen 1914 wegen Preistreiberei oder einer aus Gewinnsucht begangenen strasbarrn Handlung rechtskräftig verurteilt oder bestraft wurden, ylb angefordert zu gelten haben. Das Staatsamt für soziale Verwaltung hat nunmehr, da diese Bestimmungen bereits über drei Monate in Straft stehen, vom Wohimngs- und Siedlungsamt der Stadt Wien einen Bericht darüber abverlangt, welche Ergebnisse mit dieser Verschärfung des Wohnungsanfvrderungsrechtes erzielt wurden." Prof. Dr. Adolf Dstermayer sagte in keiner gestrigen Antrittsrede als Rektor der Wiener Universität: „Besonders unerfreulich ist der Massenzuzug ‘ aus dem Osten. Diese Flut bedroht die volksbewußte Heimatjugend nnd drängt sie zur Abwehr. Die Ueberflütung unserer Hochschulen mit Fremden aus dem Osten vergiftet aber auch die Atmosphäre dieser Bildungsstätten mit jenem Umsturzgeist, der, ohne aufzubauen, nur vernichtet." Und das alles, trotzdem die galizischeu Juden, u«r durch den Ausgang des Krieges von dem österreichischen Staate getrennt worden sind! KttfttYtt. Die Vertreibung »er J«»e« ans »en öffentliche« eteBuitfien. An der Spitze des Rativnaltheaters in Miskolc; stehr der waschechte christtiche Direktor Kompathv. -Zu diesem Direktor begab sich eine Abordnung der Ortsgruppe des Verbandes der „Erwachenden Ungarn" unter Führung des ehemaligen Juden Julius rekte Pinkas Ausländer und stellten ihm das Ultimatum, sämtliche Juden zu enllassen, da sich sonst die Ereignisse -der Budapester Königlichen Oper wiederholen würden» wo die besten jüdischen Künstler während einer Vorstellung von der Bühne weggeprügeli wurden. Das Theater. i» Miskvlcz spielt seit dieser Affäre vor fast leeren Häusern; ker» Jude geht mehr hinein, — und. die Erwachenden Ungarn haben kein Kunstinteresse. Billig# . ' - WT Büromöbel MG Qelegenheitskäafe in Flaeh-i BOfb-, SchralbaiasoblB«Btlaoh«n( StOhlBR« Sasseia, «Isern« Kontor-SohrSnk«.