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Neue jüdische Presse · 1920-11-05 · Heft 40 (5.11.1920) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 40 (5.11.1920)
Date
1920-11-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Neue Jüdische K-eUe. Nr. 40. Pehverbrämte Kostüme und Mäntel Neueste Modelle in bester Verarbeitung Zn besonders oarteithaften 7rsl§ev. — Besondere Gelegenheits-Offerte! — s«iua?etznantel ans prima Sealelectric auf rein- __ »eidenem F&ntasiefutter Mk. Robinüohn Zeil 127, neben der Katharinenkirche. Jaffa. Julius Simon und d « L t e m e von der Zio nistischrn Exekutive werden hier in Begleitung der Sekretäre Dr. Sonne und Singer und des Rechtsanwalts Robert Szvldaus Newyork Anfang November erwartet. Die Herren wollen die Situation des Landes pudirren. i gepellt, es seien keine derartigen Büvilligungeu mehr zu ertvlen. Das Begehren ist vom schweizrrifchen Völkswirtschaftödepartement abgewiesen worden, .mit der Begründung, es Lege in demsel^n eine unzulässige Erweiterung der Bundesverfassung. Der Zentralvorstand deutsch-schweizerisch« Tierschutzvereine, der sich hierauf der Angelegenheit angenommen hat, erblickt in dem Borgehen der Bunocsbehörden «ine ausgesprochene B-günstigiurg zur Umgehung der Bestimmung von Art. 25 der Bundesverfassung und hat eine Protesteingabe an Den Bundesrat gerichtet." ZNrtch. Rechreanwatt Dr. Farbstern. der Bruder des Abgeordneten und Misrachiführers Farbstein in Warschau, -ist zum Mitglied des Kassationsger ichts gewähll und als Mitglied der Obersteuer-Mekurskommikkion wiedergewählt worden. at»m @erL Edwin Franko Goldman, der Lüter der Goldman-Kapelle, wurde bei einem seiner letzten Konzerte in der Carnegie-Hall von der Stadt N'ewyork durch die Uebrrreichung einer Flagge ausgezeichnet. _ dtnfiltBi. Der E-metuüna' der jüdischen Kolonie .Ikamab^ beschloßdaß jedes Mitglied der Kolonie fünf Tage in der Saison Erdarbeit leiste oder einen Ersatzmann stelle. Infolge dieses Beschlusses erschienen am 10. Oktober morgens 20 Mitglieder, unter denen sich Rabbiner Rüvlm und der greise Rabbiner der jemenitischen Gemeinde. Rabbi Alschich,- befanden, die mit Landarbeitsgerätcn ausgerüstet waren und die ihnen auferlegt: Jlrbeit verachteten. ' Jerusalem Seit dem 1. Oktober tragen die Fahrkarten der Eisenbahn auch hebräische Aufschrift. Bon Ben Jehudas großem hebräischen Wörtcrbnck Hl der fünfte Band erschienenes,. Suckos besuchte Sir Samuel die Synagoge und.die Talmud-Thora der Bucharcn. Er sagte bei dieser Gelegenheit, er hoffe noch tat Laufe des Jahres das Hebräisch: zu erlerne». Samuels Familie ist auf der Rüst von England nach hier begriffen. ’ Kraittfrtrter Berichte. MMelluuge« des Ausschusses Ser nattHnaljüdischen Zugendorganisatton Frantfurt a. «. Adresse: fand. jur. Paul ArnSberg, WolsSgangstr. 34, II Der Ausschuß der natioualjüdischeu Jugendorganis r» tion Frankfurt a. M. hst die Vertretung der nationaljüdischen Jugendorganisationen in Frankfurt a. M Er erstrebt die nationaljüdische Entwicklung der ihm angesck.üofseuen Jugend, insbesondere die Zusammenfassung und Stärkung der ihm angeschlossenen Organisationen. Der Ausschuß will durch Erziehung und Unterricht auf seine Mitglieder und auf weitste Kreise d:r jüdisch:» Jugend in Frankfurt a. M. und Umgebung im nationaljüdischen Smne einwirken. Seine vornehmste Aufgabe ist es, den Zusammenhalt Der. nationaljüdischen Jugend zu sördern, um ihr so instärkerem Maße das Gemeinsame der sie verbindenden Anschauung zum Bewußtsein zu bringen Dem Ausschuß tionen an: gehören folgende Organisa- 1. Herzl-Klub. 2. Jüdischer Turnverein. 3. Zionistische volkssozialistische Arbeitergruppe ,^>apoel - Hazata'. 4. Verein der Ostjuben „TikwaS Zion". 5. Verbindung jüdischer Studenten „Saronia" im K. I. D. 6. Ruderoerein jüdischer Studenten „Jordania" im K. I. B. « 7. Akademisch zionistische Verbindung .Hasmonaea" im B. Z. K. 8. Jüdischer Wanderbund ,Mau -Weiß". 8. Misrachi-Jugendgruppe. 10. Jüdischer Studentinnenverein „Heathid". tl. Zionistischer Mädchenllub. . Die erste Sitzung des Arbeitsausschusses ,sür das Winterhalbjahr fand am Dienstag, den 26. Oktober statt. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wurde cand. jur. Paul Arnsberg gewählt; stellvertr. Vorsitzender Ma x G o l ösch m>dt; Kassenwart Frl. Plaut. Die Arbeit des Ausschusses wird entsprechend der Bedeutung d:r heutigen Zeit für das jüdische Volk eine viel umfangreichere werden. Zu dem bisherigen Aufgabenkreis kommt die Arbeit für den Keren Hajessod . Der Keren Hajrssoo. wird uns bereit finden! Die Aktion für den Keren Hajessod hat innerhalb Isaac Asehkenasy Mass-Schuh-Ganchift Erstklassige Ausführung Auch Reparaturen ■T* Kaiseratrasre 41. -MW Hanauerlandstr. 2 Telephon: H. 2802 Urinuntersuchunaen gewissenhaft der nationaljüd. Jugendorganisationen begonnen. Wöchentlich werden Ausweise über den Fortaana der Keren Hajessod- Arbeit in der Neuen Jüdischen Presse erfolgen. Bon der zionistischen Oessentlichteit erwarten wir Unterstützung nnscrer Arbeit, von der jüdischen Jugend, daß sie!ih unseren Organisationen anschließt. .Der junge Jude, der sich seines Volkstums bewußt ist und sich verantwortlich fühlt für. die Gesamtheit seines Volkes, wird bei uns Mitarbeiten an der Renaissance der hebräischen Sprache, an der Vertiefung seines jüdischen Wissens und Interesses und an der physischen Regeneration des jüdischen Volkes. Sitzung der Vertrauensleute der Keren Hajessod-Kom-' Mission Montag, 7 Uhr, Unterlindau 21 II. Tie Büchkr-Sammlung für den Keren Hajessod hat begönne». Bücher können abgeliefert werdest Montag und Donnerstag 6—8 Uhr abends, Unterlindau 21 II. Mitteilungen von Adressen, bei denen Bücher abgeholt werden können, sind an die Keren Hajessvd-Büchecsammlung der Nationaljüdischen Jugend Frankfurt a. M., Unterlindau 21, einzusenden. Es werden alle Arten, alte undneue Bücher angenommen. * II. Ausweis der Keren Hajessod-Aktion der Nationaljüdische u Jugend. Bis.zum 1. November gingen ein: Jüd. Turnverein M. 1455 — K. I. B. „ 1875.- Herzl-Klub „ 655.— Bläu-Weiß .. 2621— Misrachi „ 650.— Private Eingänge „ 691.— M. 7947.- Personalten. Im Krankenhause der isr. Gemeinde wurde Dr, Emil Altschüler zum leitenden Atzt der chirurgischen Abteilung gewählt. Pros. Dr. Ernst Levy wurde aus den ordentlichen Lehrstuhl für römisches und deutsches Recht der Universität berufen. Kleine Notizen. Im graphischen Kabinett der Kunsthandlpng H. T ri t t« ler» Inhaber Paul Schiltz, .ist das gesamte graphische Wert Jakob Steinhardts ausgestellt. Handzeichnungen, Radierungen, Holzschnitte und Lithographien zeigen einen Künstler am Werk, der in seiner eigensinnigen starke» Beschränkung eigentlich nur ein Thema kennt: den Ostjudei'. Cs offenbart sich uns keine Zufcülskunst, sondern junge Blüte eines alten Gefühls, die sich von silierter Eigenart und phantastischer Kraft entfaltet. Bei einigen frühen Zeichnungen wird man leise an Struck erinnert, später tritt ern eigner Stil zu Tage: Die rührende Kindlichkeit oes Fuhlens, bis ins hohe Alter hinauf, unbeherrscht und ' primitiv in jeder eckigen Gebärd: und eine humanistische Gutmütigkeit, die über alle Häßlichkeit der Entwicklung wie eine Verklärung liegt. in sein Rest getragen und seinen Jungen zur Aetzung vorgeworsen, läßt es nicht wieder los, wenn nicht der Jäger chn -ins Herz getroffen. Ja, wir wissen, es'ist der letzte Kampf, den Juda in diesem Lande, ja aus der ganzen Erde, zu kämpfen hat; wir sind seine letzten Streiter, und wenn intfexe- Fahne diesmal in den Staub gefallen,, wird kein Sonnenstrahl sie je wieder bescheinen, kein Luftzug sie je wieder schwellen. Um da zu siegen, bedürfen wir eines höheren Geistes, eines.höheren Armes . . . Nicht Kampfesmut,. nicht Verzweiflung genügen . . . Bon oben her muß der Geist Gottes kommen und das Auge erleuchten und jede Sch'ne stählen und jedes Schwert heiligen, und Greise, Frauen und Kinder, zu Helden machen! . . . Patrtka,' wer holr uns diesen Geist herab, wer gießt ihn durch unsere tgipffrtt und State —- wer anders, wenn nicht Du? Patrika, D» bist ein Zweig aus Davids Stamm — die Zeit ist gekommen, die Gefahr ist da, die Rettung muß erscheinen. Patrika, wir erkennen Dich als Boten Gottes, als Gesandten dis Hswn, als Messias an — erlläre Dich dafür, und Hell uns — wir werden siegen!" ... . . Diese feurige Ansprache, die mit jedem Worte begeisterter, entzückter, zuversichtlicher wurde, traf Patrika »iS ins innerste Herz. Eine flammende Röte ergoß sich über sein Anllitz. Es war, wie wenn tausend geheime vOebanlen, tausend halbwache Gefühle sich von dem Boden seines Geistes erhöben, die Fäden durchriffen, die sie daran fest gehalten, daß sie nun hinaufstiegen in den lichten Sonnenschein und in die llarr Himmelsluft, um sich ha frei u«Ä verklärt zu bewegen. Er konnte nicht antwortest, -sein Auge blitzte nur weit geöffnet auf den leidenschaftlich erztaten Freund, der in seiner Verzückung ihm eine Botschaft des Himmels'zu bringen schien. Da trat Mirjam auf ihren Gatten zu, legte die Hand «uif seine Schulter, und sprach sanft, aber entschieden: Lttcht doch, mein Patrika, laß Dich von der Liebe Deines Freundes und von der Schwärmerei der Jünglinge nicht verleiten Eine Stimme aus dem Grabe ruft Dir zu: Gieb, der BeHuchung nicht nach, und betöre Dich nicht selbst. Es ist die Stimme meines Baters, Du kennst sie, es ist die Stimme dessen, der Dir selbst Dater war, und ein Manu' in Israel; wie keiner mehr. Sei' Du der Retter Deines Volkes, aber kein Messias! . . " . Die beiden Männer Hatten sich Mirjam zugewendet, nndcPmschten gespannt ihr«r Worten.' Wer Am non ließ sich von ihnen nicht zurückichrecken, . sondern mit Hast nutete brach ,« M und rief jauSz JESie, Mi^am, Du trittst, mir entgegen? Du weist-die Verherrlichung PürikaS zurück? Bei Dir hoffte ich Unterstützung zu finden. Deine Seele mit ihren Schwingen sollte den großen Gedanken zur Höhe tragen, und das Feuer Deines Herzens ihn mit Glttth und Leben durchflammen! Patrika, laß Dich nicht durch das Wort eines Weibes zurückhalten — geh in Dich —. woher sind Dir die Gedanken des Kampfes gekommen? wer hat Dir den Blick geöffnet und Dich die Tat zur rechten Zeit scheu lassen? was hat Dich an unsere Seite gestellt, und Dir den Sieg erworben? Es ist die Kraft, die von oben' kommt, der Ruf, der vom Himmel tönt! Geh, ich glaube an Dich, wir Alle glauben au Dich . . . Kannst Du diesem Glauben Dich entziehen? Und Du, Mirjam, willst Du Dich lleiner machen als Du bist? Deinen Gatten mit Dunkel umgeben, statt mit dem goldenen Lichte der Morgen? sonne? Liebst Du, verehrst Du ihn wirklich so? . . Noch immer schwieg Patrika, und seine Seele sch>ien der Kampfplatz mächtiger Gewalten zu sein, die sich wider einander erhoben und mit einander rangen, und keine vermochte es über die andere. Seine Brust hob und senkte süh, und sein Blick irrte bald zur Höhe, bald zum Boden nicher. Aber Mirjam sprach: „Nein, nein! Meine Liebe ist so groß, wie eines Menschen Herz sie zu fassen vermag, mein Patrika mir so hoch, wie ein Sterblicher zu stehen vermag, meine Hingebung für unfern Glauben und unser Volk so stark, wie sie eine Seele zu erfüllen vermag. Ja, ich bin bereit, wenn esgefordert wird, ihn und mich für unseren Sieg zu opfern! Aber nicht dieser geheimnisvolle Bund mit unsichtbaren Mächten/ nicht diese Erhebung zwischen Himmel und Erde, dieses Halbdunkel von Mensch und Gott! . . . Ein Hell» soll er sein, ein Held, der känlpst und siegt, und, wenn es sein muß, fällt.' — So will ich ihn scheu und .sein Haupt mit der Krone des Mutes, der Tat und des Ruhmes schmücken, unter seinen Brüdern der erste, unter seinen Genossen der höchste. Nicht aber in einer Höhe, die Ans entrückt ist, nicht mit einem Glauben, in den der Zweifel sich einschleicht, nicht mit einem Rausche, der vorübergcht und der Täuschung in die Arme fällt!" - , >jr Am non stampfte mit dem Fuße, und über sein Gesicht flog die Wolke des Unmuts. „Nicht so, Mirjam!" hob er wieder an, „„Du mußt, Patrika! Wir können dessen nicht entbchren! Wisset ihr nicht, mit wem wir es zu tun haben? Mit einem Bolle, des Kampfes ungeübt, rasch und. feurig im Angriff, aber bei hem geringsten Mißgeschick eben so schneit entmutigt, und wie der Trunkenheit des Sieges, so auch den" Zweifel am Erfolge, der Erschlaffung, der Fura, zugänglich. Seit Jahrhunderten verdammt, nur zu dulden, ist seine Spannkraft nur gering, nnd der erste harte Schlag wird seine Arme sinken machen. Es bedarf eines höheren Odems, 'eines begeisternden Hauches; es darf nicht bloß sich auf sich selbst gestellt wissen, sondern muß glauben, daß eine höhere Macht es. schützt . . Dan« wi-d daS Lallen »des Säuglings -zum Schmettern der Kriegstrompete, und der letzte Seufzer des Greises zum feurigen Segen für Schwert und Schild! . . . Und wie? Ziehen Lch jetzt nicht die Kinder unseres Bolkes wie Metalladern durch den tönernen Koloß von Rom? — Der Ruk: Der Messias Ist da! wird dieses Metall zum Glühen bringen. Bei der bloßen Kunde von unserem Aufstande bleiben sie alle kalt. Darum, Patrika, beschwöre ich Dick, höre auf meine Stimme, es ist die Stiinme des Bolkes, es ist die Stimme des ganzen Israel und seines Geschickes! ..." Da erhob sich Patrika und trat vor den Freund hin. Sei« Antlitz war ruhig geworden, und hatte selbst Len Ausdruck des Schmerzes angenommen. „Stteitet nicht, nieine Teuren!" sprach er. „Streitet nicht. Du mein Weib und Du mein Freund, mit einander über Etwas, was weder von euck noch von mir abhängt. Amnon, das Licht, in welchem Du mich schauest, stammt aus einem Herzen vcckl Freundsckccft und einer edlen Schwärmerei. Aber ist es' durum das echte, das wahre, das göttliche? Diese Frage muß entscheiden, nicht mein Wille, nicht die Klugheit, nicht der Vorteil. Ich versenke mich in mein' Inneres, nnd ich empfinde da die Sehnsucht, daß es so sei, wie- Du ,eS wünschest. Wer ist die Sehnsucht auch die Ersüllunjs? Soll, Freund, soll ich täuschen? mich und andere täuschen und toenn der Taumel vorüber ist, und die Wahrheit an hen Tag kommt, meinen Namen dem Fluche vermählen? Ach, Amnon, auch mein Schmerz ist groß; ich möchte das Kniee beugen vor einem göttlichen Boten und' den Fübrersiab legen in seine siegreiche Rechte, — aber da ich nicht fühle, und nicht weiß, ob ich xs bin, darf ich mich dafür ausgeben? . .. Mein, Amnon, warten wir, ob der Ruk des Herrn in meiner Seele erschallt, ob das Verborgen: zu . Tage kommt, dann werde: ich bereit sein, und sollte die Flamme, mich verzehren!"- . ^Fortsetzung folgt.) "

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