Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 39 (29.10.1920)
- Date
- 1920-10-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39. Seite 3. LoMorvi und Cafe Wilhelm Wendel JIHtgtus 6 Telefon Hansa IS88. Frankfurter Breuten u. Betmännchen. ca. M. 600,000 im Jahre betragen. In dieser Summe sind einberechnet die Kosten für die Verpflegung am Morgen und am Abend. Die Mittagsmahlzeit wirs vorläufig noch aus technischen Gründen in der Auguststr. 15 verabfolgt, da die Kücheneinrichtungen in der Wesenstraße für die Zubereitung konsistenterer; Speisen noch nicht eingerichtet sind. . , . Für die geistigen Bedürfnisse - her Insassen wird in weitgehendstem Maße gesorgt werden. Bücher und Zeitungen sind bereits in größeren Mengen und in guter Auswahl beschafft worden. Die Einrichtung eines Lesesaals und eines Beth-ha-nndrasch, in dem auch Gottesdienst abgeyalten werden soll, stehen kurz vor der Verwirklichung. '; Abschließend ist über die Herberge zu sagen, daß dieselbe zweifellos eines der besten jüdischen Institutionen in Europa darstellt, wenn nicht di« beste. Auch ihre Ausdehnung, die die Unterbringung von 1100 Menschen gestattet, wird aller Voraussicht nach genügen,^ um auch 'rein zahlenmäßig den Bedarf zu befriedigen." Litauen. 5000« AlSchtli»»«. In K o w n o und Umgebung befinden sich ungefähr 50,000 jüdische Flüchtlinge aus. Wilna. Es ist unmöglich, alle Flüchtlinge zu ernähren und zu beherbergen. In Wilna , töteten die polnischen Truppeir.nach ihrem Einzug eine Anzahl Juden, schändeten Jüdinnen und plünderten jüdisches Hab und Gut. Jüdische junge Leute wurden zur Einreihung ins polnische Heer gezwungen. jm polnisch-litauischen Konflikt Rechtsanwalt Rose» b aum, Präsident des Jüd. Natronalrätes 'in Litauen und ehemaliger Staatssekretär des Aeußern, weilt in Paris, um für eine friedliche Lösung des polnisch-litauischen Konfliktes zu wirken. Die friedliche Lösung wäre auch für das ganze Ofijudentum von Bedeutung, denn Litauen ist der einzige Staat des Ostens, der seinen Juden Autonomie und gerechte Behandlung gewährt, und vielleicht könnte das mit der Zeit von Einfluß auf die anderen Ostländer sein. Pale«. «itte Red« ftt« Abgeordnete» Grüubckll«. Im Parlament hielt Grünbaum eine große Rede, in der er sagte: Die Bedrückungen der Juden sind nicht mit dem Krieg zu entschuldigen, sie liegen in einem System, gegen das die Regierung mcht ankämpfen wollte und konnte. Die Presse, Plakate, Aufrufe und Bilder haben die Juden mit den Bolschewisten identifiziert. Als in der Stunde der Not Sepphoris und Rom. Ein Worischer Roman aus beul vierte» Jahrhundert. - Bon LudWig PHUippsoh«. (Fortsetzung.) Es drängte.Amnon von dannen, nicht blos um die Rettung Mirjams zu bewerkstelligen, sondern auch, tsteil er nach den Worten Josephs auch für Patrika zu fürchten begann, denn er wußte nicht, welch« Maßregeln unterdessen von Patrika getroffen! worden. Er eilte daher, durch den Gang zurück, trat aus den Trümmern seines Vaterhauses, und beschleunigte seine Schritte zur Wohnung Patrikas. Dieser stand, wie wir ihn verlassen, wie betäubt in sich versunken in seinem Gemach, als die Türe sich öffnete, Ämnon hereintrat und seine Hand auf die Schulter des Freundes legte. Patrika fuhr auf und ries: \Än»n, endsich, Amnon, bist Du da? Wo warst Du? Was bringst Du?" Und das Ahige des treuen Freundes erglühte vor Freude, und er antwortete mit heller, fröhlicher Stimme: „Gutes bringe ich, Patrika. Hülfe, Rettung!" . Sein Bericht währte nicht lange, und Patrika hob die Hände zum Himmel' empor und stammelte freudigen Dank für das Werk der göttlichen Gnade, Dank für den treuen, unermüdlichen Freund. Es bedurfte nur eine« kurzen Beratung, und die beiden Männer waren einig, was sie zu tun hätten. Einen Augenblick schwankten sie, als ihnen per Gedanke gekommen, daß sie das Geheimnis desunterirdischen Ganges, welches für das Wohl der Stadt von so unermeßlicher Wichtigkeit war, leicht auf das Spiel setzen könntet^ wenn aus diesem Wege Mirjam ihrem Gefäugniisse entzogen würde. Aber ihr Bedenken wich vor dem Drängen be! Augenblickes und der Notwendigkeit, Mirjam aus der Gewalt ihres Räubers zu retten, und sie nahmen sich' vor, jede Möglichkeit der Entdeckung durch die höchste Vorsicht zu verhindern. - , Alsbald eilten sie zu einem zuverlässigen Zimmcr- Manne, einem /glühenden Anhänger Patrikas, zogen ihn in das 'Geheimnis und versenkten sich, mit den nötigen Werkzeugen versehen, in den Schoß der Erde. Die Wanderung war bald znrückgelegt und das Ziel erreicht. Um sich in keiNerleiWeise Dt verraten, gingen sie sofort auf die vor¬ Neue Jüdische Presse. an die Eintracht aller Bürger appelliert wurde, überging man die Juden. ‘ Die Ausgleichsverhandlungeih die eigentlich von jüdischer Seite angebahnt wurden, haben noch zu keinerlei Ergebnis geführt. Selbst der von der Regierung versprochene Ausruf an die Bevölkerung ist nicht erschienen. Die Novelle zmn Versailler Friedensvertrag über die Miitderheitsrechtc ist nicht veröffentlicht worden, da die Regierung den Juden keine Rechte einräumen will. Die Internierung der jüdischen Sölden in Jablona, ihre Ausweisung aus zahlreichen Orten, der Terror gegen sie durch die Zwangsarbeit, all dies charakterisiert den Geist der Regierung den Juden gegenüber. Die Juden können daher der Regierung Witos-Daszinski daS Vertrauen nicht votieren. Jude» und Deutsche. Die Abg. G r ü n b a u m und Genossen interpellierten tut Parlament über Geh ei mb es chic im Bereich des K rieg smi n i st e r i u m s., die der Gleichberechtigung widersprechen. Befehl vom 23. 3. 20: „Da die graphischen Anstalten des Kriegsministeriums jetzt ost streng geheime Arbeiten aussühren, sind die Ersatzflellen anzuwcisen, keine Fachleute jüdischer Konfession in die graphischen Anstalten zu kommandieren." Befehl der 1. litt, weißcuss. Division auf, Grund einer Verordnung des Kriegsministers: „Da wir den polnischen Soldaten so erziehen müssen, daß er eiir festes Fundament für den Aufbau und Wohlstand Polens bilde, gebietet eS die eigene Ehre, von ihm Juden und Deutsche fernzuhalten, da diese stets unseren Gesühlen tlnd Bestrebungen feindlich und sogar schädlich' gcgcniiberstchen werden. . . Daher wird eindringlich darauf aufmerksam gemacht, daß keine Juden und Deutschen, welche bekanntlich intelligenter sind als der Durchschnitt unserer Soldaten,.in Kanzleien und Bureaus einzustellcn seien, wo sie stets eine Gelegenheit suchen werden, um Dinge zu erfahren und zu hören, die Gehekinnis sei» sollen. Gerade die Intelligenz der Judeii wird da dem Dienst und dem Staate nicht Nützen bringen, sondern sie bcdentet im Gegenteil seinen Untergang." Beseht des Generalkommandos Krakau vom 17. 12. 18: „Ich habe ungeachtet der ergangenen Verbote noch immer Freiwillige und Soldaten jüdischer Konfession getroffen, welche in Kanzleien beschäftigt lind. Sofort 'beseitigen'." Man sieht aus all dem wieder einmal, daß die Versailler Friedensverträgc eitel Humbug sind. Kurze politische Nachrichte«. Hnnuover. Auf dem deutschnationalen Parteitag kam cs verschiedentlich zu antisemitischen Ausfällen. So ertönte bei einer Rebe des Ministers a. D. Frey a - Büro - Einrichtungen Warner, Mall & Cie. Frankfart a. M., Theaterplatz 14. W Mau eröffnet. WM sichiigsie Weise an das Werk. Es wurden zwei neben einander befindliche Balken zweimal durchschnitten, um die Stück herauslösen zu können. Es konnte dies ohne einiges Geräusch nicht geschehen, aber es blieb alles 'still im darüber befindlichen Gemach. Jetzt, hatten, sie die herausgeschnittenen Balken niedergelassen, und ZMmon klopfte an den Estrich, aber alles blieb still. Er rwf Mirjam wiederholt und lauter, keine - Antwort erfolgte.' Da hielt Patrika nicht länger zurück, er schlug mit einem Schlage , ein Brett des Estrichs in die Höhe und schwang sich inden Raum hinaus. Die Freunde folgten ihm, aber — das Zimmer war leer; der Räuber hatte seine Beute anders wohin gebracht. Keiner sprach es aus, aber sie fühlten nur zu gut, daß dies aus bösen Absichten geschehen sein müßte. In der Tat hatte die Nähe der Leute bei diesem.Turme Joseph beunruhigt, und beim Anbruch der Nacht brachte er mit Hülfe einiger Vertrauten Mirjam in einen andern entlegener» Turm ans einem Seitenhose. Patrika war voll Verzweiflung, — aber die drei mußten an den Rückzug denken, denn ei» weiteres Vorrücken im Kastell wäre eben so gefährlich, wie nutzlos gewesen. Sie stiegen wieder hinunter, der Zimmermann befestigte das ausgeschlagene Brett wieder jo sorgfältig wie möglich, sic hoben die herausgeschnittenen Balkenstücke wieder in die Höhe und machten sie durch Keile fest. „Amnon", sagte Patrika, „ich soll sie nicht anders als, durch blutigen Kampf wieder erringen. Aber die Stunde des Kampfes muß schnell kommen!" , 14. Die Kunde von dem Ueberfall im' Hanse Palrilas, von den: Tode des Patriarchen und dem Raube seiner Tochter ging über das ganze Land und schnell von Stadt zu Stadt, von Flecken zu Flecken immer lauter, innntzr schieckenerregender an. Es war nicht blos die Teilnahme an dem Schicksale des Oberhauptes, so groß und schwer die Trauer hierüber auch war, was die Bewohner Galiläas so tief erschütterte, sondern auch das Gefühl, oae, wo solche Verbrechen durch die Werkzeuge der Regierung selbst geschehen, also mit deren Wille» und Gutheißen, jeder Rechtsschutz flhle- Dazu nun noch die unsäglichen Lasten: es schien, als sollte die Bevölkerung des kleinen Galiläa die -schweren .Kosten des Krieges allein zahlen. Sepphoris war völligausgeraubt: die wenigsten Bürger konnten noch etwas leisten: die Exeku» Lea Manti Künstlerspisle Kaiserstrasse 69. Beginn 8 Uhr. TeL Hansa 5516. - ■■■• Wanti’s Weinrestaurant ■ — — ab 6 Uhr abends warme Speisen d la carte. Hergt für die Monarchie und gegen die Republik unter stürmischem Beifall der Versammlung der Ruf ,^Die Juden müssen raus." So nannte Graf Westarp Berlin das neue Jerusalem, in den: „wir mich einmal Ordnusta schassen ■ werden". Wie». Der Wiener Morgenzeitung wird geschrieben: „S tu t t Stricker ist aus der Lcopoldstadt ein chrrstl ich sozialer Antisemit ins Parlament einge- , zogen. Tr S chw arz-Hiller und Fleischer haben zur Bekämpfung Strickers einige Millionen von den Großbc.nlen bekommen, also von denselben Bamdirektoren. ioclche den Christlichsoziaten die Wahl bezahlt haben. Nun zeigt es sich, daß dieses von „Israeliten" gezahlte Geld eigentlich auch nur für christlichsoziale Zwecke ausgegeben wurde. Denn die beiden Juden, der politische Verwandlungskünstler Dr. Schwarz-Hiller und der politische Proviiionsagent Fleischer, haben glänzend« Arbeit für die christlichsozialeu Antisemiten geleistet. Es ist ihnen „gelungen". Die österreichische Judenschaft wird sich die Namen dieser beiden Menschen merken. Jedesmal, wenn im neu.» Parlament die Juden bedroht und besuldet werde», ohne daß jemand für ihren Schutz und ihre Ehre seine Stimme erhebt, weil den Sitz Strickers ein Antisemit «innimmt. wird die schmerzliche Erinnerung an die beiden Schuldigen, au T ch w arz-H iller und Fleischer, aufs neue aufslammen/ ' Warschau. Die gegen die Rote Armee operierende» Truppen des General Belacho witsch ermordeten in Kqmien-Kuschyrs k 83 Juden und in Pinsk 15 Juden. In Pinsk vergewaltigten sie auch 60 Jüdinnen. Natürlich wird überall geplündert. Hier befindet sich eine Zentrale für antisemitische Propaganda, die in die Aüslauds» presse Artikel und Berichte lanzicrt. Warschau. Färb ft ein und Genossen habe» im Parlament eine Interpellation über die Requirierung VU o it Synagogen und Bothei-Midroschim füir Militärzwecke und solcher Requirierung seitens des Warschauer Wohnungsamtes für unbekannte Zwecke eingercicht. Kot» UV DerJüd.RationalrathateinKomttee für die Berteidigung Litauens gebildet. Aus der RiSrachisBeMegrutg. Warschau. Bon dem achtklafflge» Tachtem»»i- Seminar des Misrachi sind die zwei imtersten Klassen eröffnet worden. Großwarüeta (Siebenbürgen). Hier fand mit vorzüglichem Erfolg eine große Propagandaversmmnlung des Misrachi statt. tiouen und Konfiskationen fanden täglich statt; aber der erhaltenen Weisung gemäß murrten, und beschwerten sich die Leute zwar, widersetzten sich jedoch irr keiner Art. Aber Sehnliches hatte 'man jetzt über alle Städte Galiläas verhängt. Die Gesandten der persischen Juden zogen durch daS ganze Land, und, von Patrikas »Boten begleitet, fachten sie überall die Flammen des Zornes an; überall war man entschlossen, das Joch der Römer abzu« schütteln. Hierzu kam nun iroch eine Nachricht, welche gern geglaubt, dem Aufstande einen günstigen Erfolg verbürgte. Es hieß, daß Ursicinus, als der -Feind der Festung Amida näher rückte,- diese verlassen habe, aber non einer persischen Stteispartei gefangen genommen sei. War dies der Fall, so fehlte den Römern der erfahrene und mutige Feldherr, denn der schwache und alte Sabinianus konnte sie nur zu ihrem Verderben letten- Boten eilten daher nach Sepphoris, und es wurde verordnet, daß dieses das Zeichen zum Aufstande durch ein mächtiges Feuer geben sollte, das dann, aus allen Höhen wiederholt; seine Kunde schnell über das ganze Land ausbreiten sollte. Dann wollte man die kleinen römischen Besatzungen in jedem Orte, wo sich eine iolche befand, überfallen und nievermetzeln, >. Das Benehmen, welches die Bewohner von. Sepphoris einhielten, hatte die Römer völlig getäuscht und in Sicherheit cingewiegt. I» ihrem Hochmuts verachtetest sie die jüdische Bevölkerung zu sehr und hielten sich von der Waffen- und mutlosen Menge zu wenig .gefährdet, um selbst einigen drohenden Anzeigen Berücksichtigung zu schenken. Dabei war ihr religiöser Fanatismus durch Joseph den Abtrünnigen immer stärker angeschürt worden; sic glaubten im Dienste Gottes zu handeln und um so mehr in dessen unmittelbarem Schutze zu stehen. Ob auch Joseph der Sache io ganz gewiß war? Allein, wenn dies auch nicht der Fall gewesen wäre, würde ihn die Gefahr eines Aufstandes nicht zurückgeschreckt haben; vielleicht lag es sogar in . seinem Plaste, dahin zir tteiben, damit der Brand, der das jüdische Volk vernichten sollte, nur um so schneller und zerstörender wüte. E>. stand daher nicht an, kurze Zeit, nachdem er Mirjam entführt und den Tod des Patriarchen verursacht hatte, die Soldaten des Kastells zu versammeln uitb eine beurige Anrede an sie zu halten. Dann fuhr er fort: .Mas bietet aber dieses Land, in welchem der Heiland der Welt geboren worden undgelebt hat, in welchem er seine ersten