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Neue jüdische Presse · 1920-10-22 · Heft 38 (22.10.1920) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 38 (22.10.1920)
Date
1920-10-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 Nr. 38 A.1II. Thyssen Stets Eingang WM- Neuheiten in Tapeten “IN Teppiche Läufer Vorlagen 20 Neue Mainzerstrasse 20 Ecke Weisafrauenatraase. Telefon: HanBa 1784. Amerika. „Amerikanisch." Marth a N e u m a r k, Tochter des Professors David Neumjark vom Hebrew Union College, der die Reformrabbiner Amerikas ausbildet, dürste die erste Frau, sein, _ die sich: als Rabbiner ansbilden liest. Sic hat bereits bei mehreren Gottesdiensten fungiert. Bezeichncird für die jüdischen Verhältnisse in Amerika ist es auch, daß die jüdischen Krankenhäuser in der Regel keine rituelle Küche haben. In den letzte» ^kümmern dcs „The Jewish Exponent" wird über diese unglaubliche Tatsache eine Polemik geführt und gefordert, daß von Inden für Juden gegründete Institutionen sich nach dem jüdischen Gesetz richten.' - Joeafi H. Schiffs VermLchtuiffe. Jacob H. Schiff .hinterließ der Vereinigung der lüd. . Philanthrop. Gesellschaften in N'ewyark 500,000 Dollar, dem - Moniefrore-Heim und Krankenhaus für chronische -Krankheiten 350,020 Dollar, dem Jüd. Theolog. Seminar von Amerika 150,000 Dollar, .dem 'Hebrew Union'College in Cincinnati 100,000 Dollar und einer Reihe weiteren Institutionell Beträge von 50,000, <25,000, 10,000 und 2000 Dollar. Kurze politische Nachrichten. Buda-'ft -In em-r Rete'sagte Mtnist'rvästdent Graf Paul Tel.eki, man solle wenigstens „die wirtschaftlich wertvollen Elemente des Judentums nicht mit Hast behandeln." Freya - Büro - Einrichtungen Werner, Noll & Cie. Frankfurt a. M.,The ater platz 14. Mau erSlfnet *81 ...... - . V Sepphorts und Rom. - Ein historischer Roman auS dem vierten Jahrhundert. Bon Ludwig Philippsohn. Fortsetzung.) Er wollte sich, in den Haufen werfen und sein Leben daran setzen, die Braut des Freundes zu retten. Aber er sah schnell ein, daß Hies ganz nutzlos sein würde. Was .sollte er, der Unbewaffnete- Einzelne, gegen eine Schar' . von dreißig Kriegern vermögen können, von denen ein Schwertstoß hingereicht hätte, ihn wehrlos zn Boden zn Strecken?! Schnell bewaffnete er sich daher und eilte in der Dunkelheit der Nacht dem Hausen nach, um vor allem Gewißheit zu erlangen, wohin man das Mädchen brächte. Er folgte dem Waffengeklkrr und gelangte bis zum Tore des Kastells, durch welches soeben die letzten, des Haufens geschritten waren. - Was nun beginnen? Ec schwor sich, nicht zn ruhen und nicht zu rasten, bis er über das Schicksal Mirjams Gewißheit erlangen und in-ihre. Nähe 'dringen könne. Da fiel ihm wie ein, zündender Funke' der Gang unter den Trümmern seines Hauses in -die Erinnerung, und cs war ihm, als ob die gütige Vorsehung ihm einen lichten. Stern in der düstern Nacht angezündet, um ihm den Pfad zu zeigen, den er zn beschreiten. Er eilte fort, holte sich Spaten, Hacke und Brechstange, Fackel und einige Nahrungsmittel und versenkte sich alsbald iij den Schoß der Erde, um Nacht und Tag daran zu arbeiten, den Gang ftei zu machen bis an seinen Endpunkt. Er vertraute dabei auf "die Kraft seines Armes, auf die Entschlossenheit seines Willens und vor allem auf den Beistand Gottes. Er mochte sich aber das Werk leichter gedacht haben, als es in Wirklichkeit war. Hatte er irgend ein Hindernis hinweggeschafft, so zeigte sich wenige Schritte Dahinter ein noch größeres, noch schwieriger aus dem Wege zu räumendes, das stundenlanger Arbeit bedurfte, um endlich einen Durchgang ftei.. zn geben, und das nicht minder die größte .Vorsicht erforderte, damit nicht noch mehr nachstürze, als er schon beseitigt, und vielleicht der Einsturz des ganzen Gemäuers den Gang auf immer versperre. Amnon setzte Wine Arbeit unermüdlich fort und gestattete sich kaum dann und wann eine Viertelstunde des AuSruhens; dann trieb ihn die Ängste er könne den rechten Neue Jüdische Presse. Der biedere Edelmann meint' also, Ungarn brauche die gekauften und ungetansten jüdischen Finanzagenten vorläufig noch. rSarflya«. Hirschhorn interpellierte im Parlament wegen des Martyriums der jüdischen Soldat e n, die im Lagxr von I a b l o n a als besonderer Truppcntcil eingedrillt wurden und jetzt infolge Protestes des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris beim Völkerbund nach Piatrkow überführt worden sind und dort wie Verbrecher schwere Arbeiten verrichten und Mißhandlungen erdulden müssen. Im Ministerrat berichtete Ministerpräsident W i t o s über seine Reise nach O stgcrlizien. Er'faßte sein Urteil über das unglückliche-Land dahin zusammen: Was die Bolschewisten übrig ließen, hat die Petljura-Armee geraubt. Der Ministerpräsident betonte auch die Loyalität der jüdischen Bevölkerung. Zürich. Zur Regelung der jüdischen Durchwanderung durch die Schweiz haben die Schweizerjüdischen Organisationen die vorbereitenden Schritte getan. Zionistische Nachrichten. Berlin. B-n dem Organ der zionistischen voikssozialistischen Partei Hapoel-Hazarr ,,D i e A r b e i t", ist ein lAieiligcS Doppelheft erschienen, in dem R ob. Weits cy, Joses Ilrvnowicz, Walter Preuß und Rudolf Samuel mit der Londoner zionistischen Konferenz scharf ins Gericht gehen. Aus 0er Misrachi-Bewegurrg. Berlin. Sonntag, den 24. Oktober findet hier im Hotel Atlas eine Sitzung des 'Zentralkomitees des Misrachi statt. Wien. Nach längerer Vorbereitung konstituierte sich hier eine'Landeszentrale der zion. Misrachi- Föderation für Oesterreich, der sich zunächst die Vereine Misrachi-Wien, Jischuw-Ercz-Jscael und-Zeire MiSrachc anschlossen. Der Beitritt weiterer Misrachi-Ortsgruppen steht bevor. Den Vorsitz übernayni Dr. Samuel Navpaport, Baden b. Wien. votoschnny lRumämen). Rabbiner Leib Mendet Landau, der Mitbegründer des Misrachi, einer der führenden Männer des Preßbnrger Misrachikongressech ist im 59. Lebensjahr verschieden. London. Das hufige Zentralbüro der Misrachi- Organisation wird in Kürze nach Palästina verlegt werden. Perloualte» u. kleine Mitteilungen. Berlin. Der „Borwär's" vom 8. Oktober bringt einen Artikel, der 'das fürchterliche Elend der ostjüdischen Flüchtlinge schildert. Auf der in Frankfurt a. M. abgeyalteüeu Tagung des Alldeutschen Verbandes wurde der Beschluß oer D e u t« schen Adelsgesellschaft mitgeteilt, niemand'mehr auszunehmen, „der sich mit jüdischem Blut versippt hat". £ffe* buch o. M Ecn in Anna wohnender Offenbacher hat einem Freund einen Betrag von etwas über 100,000 Mark mit der Weisung übersandt, die Hüllte zur Linde- Moment versätunen, wieder auf..Und wenn es ihm dann gelungen war, wieder einen weitern Räum frei zu haben und seinem Ziele näher zn kommen, daß seine Seele darüber in Jubel ausbrechen wollte, so beschlich ihn bald die Befürchtung, daß ihm zuletzt doch noch der Weg gänzlich versperrt werden könne, oder'ob überhaupt der Gang nach einer Stelle führe, von wo aus er sich mit Mirjam in Verbindurig setzen und ihr Nützlich sein lönne. so daß alle seine Anstrengungen vergeblich sein und er eine kostbare Zeit nur verloren haben würde. Aber alle diese Erwägungen .schüttelte er immer wieder von sich ab. Ein Trieb, ein Drang, eine Stimme aus seinem Innern heraus wiesen ihn immer wieder an, fortznarbeiten und sagten ihm, daß er ans dem einzig rechten Weg sei. So arbeitete er Nacht und Tag hindurch, er wußte es selbst nichtwie lange, und nur an dem dunkleren oder helleren Flackern seiner Fackel -glaubte er . Tag und Nacht unterscheiden zn könnend) Endlich gelangte Amnon zum Fuße einer steil ansteigenden steinernen Treppe, deren Stufen wohl erhalten waren, und die bald m eini Wendeltreppe verengte. Ein Frcudenrus wollte seinen Lippen entfahre», — aber, er überwand sich schnell, denn er wußte, daß ec jetzt in dir Nähe deS Feindes gekommen und die äußerste Vorsicht nötig wäre, um sich nicht;u verraten und sein ganzes ' Werk zn rereiteln. Ja, der starke Wann hielt inne, kniete nieder auf eine der steinernen Stufen und betete zu Gott aus der -Tiefe seines Herzens, daß er die schwere Arbeit, die er hinter sich habe, mit endlichem Erfolge segne und ein guter Enkel ihn dahin geführt habe, wohin er wollte. Und er war schon erhört. . . Mit leisem Schritte.stieg er die Wendeltreppe hinan und gewahrte bald, daß sie zu einem Turme herausführc. der kein anderer als einer der Ecktürme des Kastells sein konnte. Jetzt aber, hatte er das Ziel seiner Wanderung erreicht. Quer durch den Turm war eine Lage schwerer Balken gezogen, welche denselben gänzlich von dem unterirdischen Gange ab schied, wodurch der letztere auch den Bewohnern des Kastells unbekannt geblieben sein mußte. So viel er auch forschte, nirgends war eine Unterbrechung, nirgends eine Ocffnung. Di: Balken, welche den Raum des Turmes durchzogen und in das Mauerwerk eingelassen waren, -standen nur so weit von einander ab, daß er höchstens, den Kopf zwischen je zwei derselben stecken *) Nach einem Bericht Ber. rab. c. -31., wo vom unterirdischen Gange die Rede. Fürkanstfertige Ausführung - Prämiiert Düsseldorf 1902 rtnuHRt^ MBTiuoa* iT'vwrrr Moder ne Malerei feinen Anstrich u. Lackierung führt preiswert ans. ■ Ia. Referenzen. W» Beoltor Höchst: aase 59. Tel. H 6866. Atelier Schäfergasse 15. rangder Rot in hiesigen jüdisch» Familie,! und die andere Hälfte für christliche Arme zu verwenden. . Trier- Dr. A l r nr a n n, ftuqer in Salzburg und. Meran,' ist hier als Oberrabiner eingeführt worden. _ Wien. Der 1916 verstorb ne österreichische Generalkonsul Promter in Konstanttinopel, ein Christ, hatte aus Sympathie für die Juden sein li Million betragendes Vermögen der Wiener israelitischen Kultusgemeinde für ein israelit. Waisenhaus vermacht und seine Adoptivtochter, die er als Kind aus einem Brande gerettet hatte, mit einer Rente von 2400 Kr. bedacht. Die Adoptivtochter klagt daher gegen die Israelit. Knltusgemeinde, und das Urteil dürfte dieser Tage zur Entscheidung kommen. \ Prag. In Böhmen gab es im Jabre 1855 347 Juden» . gemeinden, während es heute nur etwa 200 gibt. Die meisten Gemeinden fristeten schon damals ein kümmerliches Dasein, denn nur 9 Gemeinden zählten über 100 und nur' 22 Gemeinden über 50 Familien. Lemberg. Der jüdische Volks» und Mittelschulenverein eröffnet hier ein fünfklassiges Lehrerseminar und ein zweiklassiges Pädagogium. Zürich. Die in Engelberg versorgten jüdrfchen Kinder ans Deutschland haben nach achtwöchentlichcm Aufenthalte die Heimreise angetreten. Es waren im ganzen 7? Kinder, Knaben und Mädchen. ES bleiben noch- 25 tuberkulöse Kinder aus Deutschland, die seit 8 Wochen in der Etania in Davos verpflegt werde:: und noch einen Monat dort sich aufhalten sollen. New dort. MaxJ Breitenbach himerließ 109090°. Dollar für Zwecke der Wohltätigkeit. Der angesehene Rechtsanwalt, Selig B. Nenvn: r g e r, der in der Leitung mehrerer jüdischer Institutionen saß, ist plötzlich im Alter von 41 Jahren verschieden. Ferner verschied A b r a h a m, E. L n b a r s k y. Präsident der Canal Securities Corporation und der Kedem Navigation and Trading Company, im Alter von 64 Jahren. Lnbarsky übte viel Gemilus Chesjcd. Bei der großen Explosion wurde auch ein ans Frankfurt a M. gebürtiger 23jähriger junger Mann Namens Alfred C. Mayer — er hatte tit Frankfurt die Realschule der Jsr. Religionsgesellschaft besucht tödlich getroffen. Ostend - jlpothefee HanauerJandsjr. 2 Telephon: H. 2802 Urinuntereuehunnen rasch nod eewfssenhaft konnte, und auf ihnen lag ein Estrich von Brettern» die freilich in der Länge der Zeit sich geworfen und Ritzen und Spalten genug gelassen hatten. Er sah ein, daß um in die höheren Räumlichkeiten zu gelangen, mindestens zwei der Balken durchschnitten werden müßten, eine Arbeit, die. ihm allein kaum gelingen konnte und wozu man besonderer Werkzeuge bedurfte. Noch überlegte er dies alles und erwog die Frage, was er jetzt zn tun habe, als plötzlich Stimmen an fein Ohr schlugen, die von dem Gemach: über ihm Herkommen mußten. Schnell verbarg er seine Fackel, damit nicht etwa Strahlen derselben durch di: Ritzen des Estrichs dringend» ihn verraten könnte», und zwängte seinen Kopf zwischen zwei Balten in die Höhe, daß sein Ohr an eine der Spalten des Bodens sich ziemlich nah: legte. Stimmen wurden lauter und . . . o Gott! ... er vernahm die Trimme Mirjams, er hörte ihre Worte, hörte die Wort« , eines Mannes, der kein anderer sein konnte, als der Räu» ber,. als Joseph der Abtrünnige ... Als dieser mit dem Trupp römischer Soldaten und der geraubten Mirjam in dem Kastell angekommen war. liest er die letztere nach einem hierzu bereit gehaltener, .mäßig ausgestatteten Gemach: in einem der Ecktürme bringen. Hier wurde sie der Obhut eines alten rohen Weibes überlassen. Joseph wußte, daß er in der Behandlung des Mädchens gewisse Schranken einhalten müsse. Er hatte den Soldaten vorgespiegelt, daß sie Neigung habe, Christin zu werden, nur daß sie sich nicht von-ihrem greisen Vater trennen könne und wolle. Man .müsse ihr also zu Hilfe kommen, indem man sie selbst mit Gewalt von ihrem Vater entferne, wodurch dann die Kirche einen großen Triumph erlange,- da der llebertritt der Tochter des Patriarchen ein Sieg über alle linde» kein würde. Dieser Rolle gemäß durfte er Mirjam zn^Wmem Schritte der Verzweiflung dränget und gedachte daher vielmehr, sie durch die Gefangenschaft mürbe und nachgiebig zu machen. Mirjam fand in dieser Nacht keine Ruhe, und sie-saß still vor sich hin brütend ans einem Sessel, als am omdern Morgen Joseph eintrat. Wie sie ihn erblickte, sprang sie auf und wandte ihm den Rücken zu. .Er aber hob mit gleißnerisch sanfter Stimme an: „Teure Mirjam, wende Dich zn mir! Willst Du denn ewig der Liebe, die mich so ganz beherrscht, kein Gehör schenken? Siehe, alles, was ich, tat und tue, ist nur gut Ausfluß dieser Liebe, deren ich mich zu meinem Unglücke nicht entledigen kann. Sie ist mein böser Geist, sie peinigt

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