Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 38 (22.10.1920)
- Date
- 1920-10-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Nr. 38 - Lea Manti Künstlerspiele Eaiserstraase 69. Beginn 8 Uhr. . Tel. Hansa 5516. Sfantis-WeinreMi aurant den ganz. Tag ««Jlffnpt ab 10 Uhr morgens, Zf Wanna Rflr.he. nn Jernsalem. Zedkija Harkawi wurde zum General» prokurator beim Obergericht in Haifa und Friedensrichter Frumkin zum Mitglied des Appellationsgerichts crnnnnt. Jaffa Bei Caesarea ist mit 250 000 Pfund Sterling eine Oel- und Seifenfabrik und in Jerusalem eine Äleidermanrifaktur, die 50 Arveiter beschäftigt, errichtet worden. Aus den ägyptischen Gefangenenlagern find die letzten 4M Deutsche, württembergische Templer' oer Kolonie» Wilhelm« und Sarona, zurückgekehrt. Krautstlrter Berichte. « Alwoseukaiten der Israelitischen Gemeinde. Die Einnahmen und Ausgaben des vergangenen Jahres : balanzieren mit 317 362 Mk. - In dem Bericht heißt es u. a.: Auch aus Kreisen des Mittel- und Beamtenstandes gelangen neuerdings leider recht häufig Gesuche um Unterstützung an uns, und gar manche Familie, die früher ein auskömmliches Leben führen konnte, hat sich, wohl schweren Herzens, entschließen müssen, an unsere Beihülfe zu appellieren, wissend, 'daß wir in diskretester Weise ihrer Notlage gerecht zu'werden.und sie davor zu schützen suchen, der öffentlichen Mildtätigkeit anheim zu fallen ... Unter unserer Sammelvormundschaft befanden sich im abgelausenen Jahr 260 Kinder, was einen Kostenaufwand von Mk. 81520.— beanspruchte. Dazu haben wir aus eigenen Mitteln M. 22000.— beigetragen, die gleiche Summe der Israelitische Hülfsverein, das Jugendamt. Mark WM).—, die Adelheid Geiger-Stiftung Mk. 2250.—. Werter haben dazu. beigestruert die Stiftung für gebrechliche und verwahrloste israel. Kinder, die österr.-ungarischen, polnischen und tschecho - slovakischen Konsulate, die Zentrale für private Fürsorge, die Stiftung der Frau Baronin von -Rothschild, der Heinrich T- Bauer-Fonds und andere. , Wir betrachten es als eine dauernd unabweisbare Pflicht, geschwächten Existenzen durch, kleinere oder gtvßere Bei- .hülfen zur Wiederaufrichtung ihrer Beruftstätigkeit oder gm Ermöglichung v eines neuen passenden Erwerbszwergs die Mittel zu liefern. So konnten wir gar manche gefährdete Familie vor dem nahenden Zusammenbruch schützen. <g§ wird wohl keines weiteren Nachweises bedürfen, um darzutun,-daß wir heute mehr denn je auf die immer. Wochenbett-Ausstattnpgen Hugo Rothschild IduigestniBBB 85. Telefon Hansa 8926. und quält mich, sie läßt mich nicht ruheir und rasten, bis iw zum Ziele, zum Besitze Deines Herzens gekommen. Was schuldigst Du mich an? Ich leide am meister darunter. /Diese Leidenschaft ist eS, die uns bis hierher gebracht, und da Du siehst, baß sie unüberwindlich ist, jo ergib ' Dich ihr endlich und alles wird zmn Glücke sich wenden. Mirjam antwortete nicht; sie verharrte in ihrer Stellung und ihrem Stillschweigen. , „Mirjam", fuhr er fort, „Du hast die Gewalt nun kennen gelernt, die ich besitze, die Macht, die in meiner Hand liegt, aber noch heute wiederhole ich mein Anerbieten: reiche mir die Hand, folge mir, und ich führe Dich in ein ., anderes Land, zurück in den Schoß der Glaubensgenossen, und wir wollen eich Leben voll Glückes, in Glanz und Fülle leben." , Da wandte sich Mirjam um, ihr Antlitz glühte vor Scham,' ihr Auge funkelte vor Zorn. „Es steht meinem Geier mit blutigen Klaue» schlecht an, wie eine Taube zu girren, und ob eres auch versucht, alle Bögel der Lust fliehen vor ihm. Du Gottesleugner, zwiefacher Verräter an Deinem Volle, das Du mißhandelt, und dessen Feinden Du die Stelle» zeigest, an welche sic ihre Schlachtmesser legen sollen, Undankbarer, der Du für den Kelch der Wohltat' den Becher des Giftes zurückgegeben hast, der Du die Tochter von dem Herzen des sterbenden Vaters gerissen, ach,'und an dessen'Händen . . ." sie schlug die Hände vor ihr Angesicht und sprach mit jammervollem Tone — „vielleicht das Blut meines Vaters llebthebe- Dich hinweg von mir! Sieh', eher stürze ich mich durch dieses Fenster aus die Steine des Hofes, oder zerschelle mein Haupt an dieser, Mauer, oder entziehe die Nahrung meinem Leibe, als Dir anzugehören! Dies ist mem^etztes Wort; nun gehe und, verschaffe mir den Trost de? Einsamkeit!" , Joseph schwieg eine Zeit lang. Er biß die Zähne auf die Lippen und murmelte: „Gut, ich gehe. Du wirst Dich anders besinnen." Mirjam sah in'den nächsten vierundzwanzig Stunde» weder, sein noch des Weibes Angesicht. Sie blieb völlig allein und selbst ohne Speise und Trank. Von der Höhe - des Turmes hörte sie nur die Schritte vorübergehender ' Soldaten und das Gemurmel von Sprechenden und Rufenden. Hunger und Durst stellten .sich bei ihr quälend -Mn. Eine Stunde Schlafes lonirte. sie noch immer nicht Minden,, sie. ging unruhig in dem Zimmer auf und ab. Dann warf sie sich auf ein Lager, um es baü> wieder zU verlassen. Dennoch war ihr diese Behandlungsweise Neue Jüdische Presse. bewährte Opferwilligkeit'unserer besser gestellten und wohlhabenden Glaubensgenossen vertrauen müssen. So'ergeht denn von neuem unsere inständige Bitte au alle: mis einen erheblichen Jahresbeitrag zu gewähren, den bisherigen. entsprechend zu' erhöhen und bei Freud und Leid unserer Anstalt zu gedenken.*) , Ausschutz der Israelitische» Gemeinde. Der wesentlichste Punkt der Sitzung vom 14. Oktober betraf dieAnlagedes ne u e n F r i e d h o f s. 'Architekt Schragenherm gab an Hano des von chm entworfenen . Planes die Einzelheiten. Der Friedhof llegt an der Friedberger Warte mrt der Hauptsronl nach der .yomburgerlanditraße und hat einen Ftächcnraum von fast 9 .Hektar. Der Kostenanschlag beträgt runo zwei Millionen Mark (Einsegnungsyalle 51»000 Mr., Leichenhalle Mark 826 000, gärtnerische Anlagen 283 oOü Ml. usw.). Die Position Friedhof wird noch manche Sitzung des Ausschusses beschäftigen. Diesmal unterhielt sich ocr Aus-, schuß nur in großen Zügen über das Thema. Der Ausschuß nahm davon Kenntnis, daß die am 31. März abgeschlossene Rechnung des Krankenhauses einen Zuschuß.der Gemeinde von 856 000 Ml. erforderte.. Dem Philanth'ropin wurde ein weiterer -Kredit von 70 000 Mk. für Gehaltsvorschüsse genehmigt. Die rechtliche Seite der Geyaltssrage wiro in einer besonderen Kommission beraten; der Ausschuß delegiert Dr. Merzbach und Dr. Geiger in diese Kommission. Der Antrag des Vorstandes, dem Heinemannschen Lhreum für die Zeit vom l. April vis 31. Dezbr. 380U0 Marl Zuschuß zu gewähren, entsesselte wegen des Zusatzes, daß eine weiiere - Subventionierung nicht mehr er-. eqolgcn solle, eine lebhafte Debatte. Vesonoers Fritz Sondhcimer, der erste Devatteredner, trat »stlrm für die'Schule ein; aber auch Dr. Geiger, Sanitatsrm Dr. Hanau, N. Fromm opponierten dem Zusatz. Es wird Sache der Gemeindeverwaltung sein, sich über die fernere Subventionierung der Schule schlüssig z'uwerden. Dr. M e r z b a ch, der Vorsitzende, teilte »och einnial die Skala des Gemeinde>reuersatzes mit; er erreicht seinen Höchstsatz mit. 2och bei emeni Einkommen von mehr als lOUOOi) Mk. Gesellschaft für jüdische Volksbildung. Die „Gesellschaft für jüd. Volisbildung, Freies jilb. Lehrtzaus" erösjnere mit eiu^m Vortrage ihres Leiters Dr. Franz Rosen zweig ihr neues Lehrjahr- Dr. R o s e n z w e i g würdigte den einzigartigen Bcgriss des tradittonstreue» jüdischen „Lernens". E» jft Lernen und Lehren zugleich und kenne durch die. Unmittelbarkeit seiner Wirtung das Ausschreiben nicht. Es hebt sittlich und bringt die Menschen näher, also aristotratisjert und demokratisiert, uuo es kann nur gedeihen in einem gesunden jüdischen Dttlieu. In der Judengasse, die übrigens keine Zurücksetzung bedeutete — hatte doch im Mittelalter jeder Beruf seine Straße, in der seine Angehörigen wohnten —, konnte ein solches lebenskräftiges Milien bestehen. DaS Denken ihrer.Menschcn hatte im Judentum^seine Zentrale, von der es ausging. Bis 3M Jahre vor der Emanzipation hatte dreses jüdische Denken noch solche Kraft,, daß es fremde Gedankenwelten sich assimilierte. Daiin kam eine Stag- *) Postscheck 5331, Telephon Hansa 5207. lieber, als wenn die Hand Josephs sie mit reicher und zarter Sorgfalt umgeben hätte. Sie fühlte die K^oit des Widerstandes dadurch wachsen und glaubte cs den. Ihrigen schuldig zu sein, in jeder Art zu leiden, während jene um sie litten und voll Angst und Sorge um sie wären. Es war gegen Aöend, als Joseph abermals in da» Gemach trat. Diesmal erschien er mit ein ex stolzen Haltung, mit strenger Miene und hartem Blick. „Du hast nun Zeit genug gehabt, Mirjam", hob er an, „über Deine Lage nachzudcnken und. Deinen Entschluß zu fasse». Bist Du zur Besinnung gekommen, und hast Du Dein wahres Wohl ins Auge gefaßt? Ich hoffe es." Er suchte offenbar durch ein abstoßendes Wesen, die Strenge seiner Blicke, die Kälte seiner Worte dem Mädchen zu imponieren, das er durch Einsamkeit und Mangel herabgestimmt glaubte; er meinte sie endlich in Furcht fetzen zu können. Aber er hatte sich geirrt Mirjam hob das Auge stolz empor und blickte ihn mit Verachtung am „Meinen Entschluß zu fassen", antwortete sie kalt und fest, „bedurfte ich keiner Zeit, und bekannt ist er Dir auch." . ' - '• Da trat Joseph einen Schritt näher an sie und sprach: „Mn, Mädchen, so soll die Komödie vorüber sein. Mein Wille ist Unwiderruflich, der Deine muß sich ändern. Wähle, entweder Du erklärst binnen einer Stunde, in alles einzuwilligen, was ich verlange, oder noch heute Abend wird Patrika hierher gebracht, und er erleidet vor Deinen Augen den Tod nach sausenbfachen Martern. Du lennst mich zu gut, um das für eine bloße Drohung zu halten, und weißt auch, daß ich ihn auf dieselbe Weise hierher schaffen kann, wie es mit Dir geschehen. Das bedenke aber, daß, wenn er einmal hier ist/ selbst, die Aenderung Deines Willens ihn, wenigstens nicht vor dem Tode retten kann... Noch einmal, halte dies Wort für Wahrheit; es ist der furchtbarste Ernst; ich würde es Dir schwören, wenn meine Schwüre Dir etwas gälten. Wähle — in Deiner Hand . liegt Leben und Tod!" Mirjam erblaßte; 'sie sank, wie getroffen, auf einen Sessel, und ihre Hände falteten sich unwillkürlich in einander. Aber nicht lange. Dann richtete sie sich wieder auf und sprach ernst und gemessen: „Ich habe nicht zu wählen. ' wo keine Wahl möglich ist. Patrika wird' zehpmqj den Tod vorziehen, als mich in Deinem Besitze zu sehen, und ich werde zu sterben wisseU, wenn Patrika de» Tod erleidet." Joseph erkannte, Haß dies' der unveränderliche Wille des Mädchens sei, bas allen Künsten und -alle» Schlügen Kaffeg Kaisei^gdrieii npc Opernplatz fintklassiges jFamillen-Kaffee i T&glich von 4 Uhr ab . Künstler - Konzert» Nation, und mit der Emanzipation setzte das umgekehrte Verhältnis, die Assimilation an fremde Gedaukeuwertc, ein. Heute hat selbst die Orthodoxie nur die Seele und das Formelle, jedoch nicht das Denken seiner Durchschnittsanhäuger an das Judentum binden können. Selbst in den Bücherschränken der Orthodoxie gibt es nur eine jüdische Ecke. Und die Liberalen haben bas Judentum gewissermaßen vergast, indem sie wohl seine Ideen lehren, sie aber nicht durch das Leben.stützen können. Redner meinte, daß man heute, von der Wirklichkeit des Lebens ausgehend, zur Erkenntnis des 'Judentums zurückstreben müßte. Im entfremdeste» Juden lebe noch eine - jüdische Seele, die ihn befähige, den Weg zur Erkenntnis des Judentums zu finden. Kleine Notizen. Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Zentralver eins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltet am Montag, den 25. Oktober, abends 8V: Uhr im großen Saale der Börse eine öffentliche Versammlung, in der Rabbiner Dr. I a e o b - Dortmund, üher „T i e I u b e n i m ne u e n T eu t s ch l a nü" svrechen wird. Samstag, JV* Uhr abends findet ini Hörsaal Börnevlatz eine Versammlung der o stjüdis ch cn Mit gl ieder der Israelit. Gemeinde stall. Siehe Inserat in der heutigen Nummer. . ' Während deS Winterhalbjahres ist die Jüdische Bibliothek und Lesehalle, Lastgestraße 33, wie folgt geöffnet: Samstag, Sonntag und Mittwoch von 10'/? bis 1 Uhr und "von 3—7 Uhr. An den übrigen Wochentagen ist die Bibliothek geschlossen. , Es sei nochmals auf das am 31. Oktoberstattsindende SHium der Chewra Schas hingewiesen. Ans den Vereine«. Aus dem Eröffmingsabend des 25. Wintersemesters des Montefiore-Vereins hielt Martin! Marx in schlichten, netten Worten die Ansprache, zn idealem! Streben als jüdische Menschen 'ansfordernd.- Künstlerische Darbietungen füllten den weiteren Teil des Abends aus. Am Eröffnungsabend des Vereins Tiferes V o ch u r i m hielt Rabbiner Dr. Ho r o v i tz eine lVzstü»- Mft IM.- and IiMIl-IeM Mim. BergergtrasBe 148. 8. 4642. W1 Mottenvnrnichtuna unter Garan'le. » zu widerstehen Kraft genug besitze. Er stampfte mit dem Fuße und rief mll flammender Wut: „So sei es, Dirne — so komme der Fluch Deines Starrsinns aus Dich und, Drin ganzes Geschlecht, und was-mir die Liebe versagt, soll mir die Rache gewähren.. Ich lwerde nicht rasten, bis auch der Letzte Deines Stammes von diesem Erdboden getilgt worden . . . Danndann erst sollst 'auch Du sterben und im Tode Dir sagen müssen: „All' dessen trage ich die Schuld — ich hätte sie rette» können- und habe es nichtgetan!" Mit diesen Worten 'verließ er das Zimmer. — Während dieser letzten Unterredung war es geschehen, daß Amnon bis an den Fußboden .desselben Gemaches vorgedrungen war, wo er, wenn auch nicht genau, doch hie Worte, welche gewechselt wurden, durch eine der vielen Spalten, welche sich in dem alten Estrich befanden, vernahm. Als cs oben still geworden, und er vermuten, konnte, daß Mirjam jetzt allein sei, klopfte' er an den Boden und rief, wenn auch mit gehaltener Stimme' „Mirjam, Mirjam!" Diese mochte wohl in Gebauten versunken sein, denn er mußte sein Klopse» »nd Rufe» mehrmals wiederholen, bevor sie aufmerksam wurde. Entsetzt fuhr sie auf, eilte zu der Stelle, von welcher die unterirdische Stinüne herkam, und rief: „Was ist das? wer klopft, wer ruft da?" „Ich bin es, Anmon!" „Um Gotteswillen!" rief Atirjam ängstlich, „bist auch Du gefangen? Ist Patrika. .." . - „Nein, nein!" schallte es ihr von unten entgegen. ,Wir sindfrei und werdenfrei bleiben! Aber die Hand Gottes hat mich hierher geführt, und nun, Mirjam, soll die Rettung nicht lange mehr ausblllben!" Und mit flüchttge» Worten berichtete er ihr, wie er bis zu diesem Turme vorgedrungen, und was noch zu geschehen habe.; „Was, macht mein Vater?" frug Mirjam ängstlich dazwischen „Ich kan» es Dir nicht sagen, Mirjam, denn ich verließ gleich nach Dir das Haus. Gott wird sei» .teures Leben geschützt habe» und uns erhalten. Jetzt aber darf keine Zeit verloren werden- Lebe wohl, mit Gottes Hülse bin ich in kurzer Zeit wieder hier!" , ' - - (Fortsetzung folgt.)