Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 37 (15.10.1920)
- Date
- 1920-10-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Seite 3 A. ML Thyssen Stets Eingang IS*' Neuheiten in Tapeten Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke WeissfrauenBtrasae. Telefon: Hansa 1784. zum ersten Male Hunderte Kinder dem Umzug folgten, indem sie Fahnen mit jüdischen Emblemen — der Künstler Leo Horovitz hatte diese entworfen — trugen. Auch die neue Verfassung, die nunmehr in Kraft tritt, bedeutet eine Festigung der Position des traditionellen Judentums. ' , - Die letzte Versammlung des Konservativen Gen» e i n d e v e r e»>» s beschäftigte sich mit der Bersassung. nach der in Kürze zum ersten Male auf Grundlage der Verhältniswahl 27 Gemeindevertretcr zu wählen sind. Fritz S o n d h e i in e r, der Vorsitzende, besprach besonders die demnächstigen Wahlen, die sich ohne Wahlagitation abspielen dürsten, da ein Kompromiß zwischen den Konservativen und den Liberalen zustandegckommen ist. Den Konservativen sind 13 Sitze zugcbilligt worden. Auch Naphtati Fromm, der zweite ReiereM, wies in seinen Ausführungen über Wege und Ziele konservativer Gemeindcpolitik auf verschiedene Momente hin, die eine Verankerung des traditionellen Judentums innerhalb der Frankfurter Einheitsgemeinde bedeuten. In einen» kritischen Moment befindet sich jedoch die Frage des Philantbropin, einer Schule, die in diesem Jahre einen Zuschuß von 600,000 M. erfordern wird, und in der die Liberalen die Bestin,wenden sein wollen. Die anschließende Debatte, in der Simon G lau - b erg. Alex Kal, n. Felix Meyer. Lehrer Lev Y, Lehrer Ä l i b a n s k y , W i l l y M a i n z , H n a o F r ä n - k e l, AlbertDavid, Adolf T orfzaun, Rosen - blatt usw. nsw. sprachen, brachte manche bemerlenswertc Anregungen und bewies gleichfalls, daß der gute Wille vorhanden ist, das traditonclle Judentum zu fordern. Mögen nur all.die verheißungsvollen Ansätze ihre kraftvollen, zielbeiviißien und begeisterten Organisatoren finden — hierfür haben die konservativen Vertreter in der künftigen Gemeindevertretung den Beweis zu liefern! Tiseres Bachurim. Der Verein zur Pflege jüdischen Wissens „Tiseres Bachurim" versendet nachstehendes Rundschreiben: An die Aufgabe unseres Vereins, jüdische Wissenschaft in unserer jüdischen Jugend zu verbreiten, soll in dem berorstehenden Wintersemester mit einer neuen, von den bisher bei uns üblich gewesenen Formen des' Lehrbetriebs abweichenden Methode herangetreten werden. Sepphoris und Rom. Mn historischer Roman ms dem vierte» Jahrhundert. Bon Ludwig PhUiptzsoh«. (Fortsetzung.) „Du sollst alles wissen, denn Du mußt es", erwiederte der' Freund und begann seinen Bericht. Spät am vorhergehenden Abend war plötzlich und so geräuschlos wie möglich eine große Schar römischer Soldaten vor dem Hause Patrikas erschienen und hatte cs von allen Seiten umgeben. Niemand in deinselben hatte eine Ahnung hiervon. Sechs von ihnen mit gezückten Schwertern, Josevh an der Spitze, näherten .sich der Pforte, klopften an, und als mai» arglos geöffnet, dränge»» dieselben ein, bemächtigten sich aller Eiitgegenkomineiiden und warfcu sic in ein Zimmer, in welchem zwei Soldaten sie bewachten. Die andern traten in das Gemach des Näsii, bei welchem auch Akirjam war. Aks in dem Scheine der Kerzen Hillel den Abtrünnigen erkannt-, fuhr er auf seinem Sessel aus und schrie voll Entsetzens und Abscheu: „Verräter, Verräter, was willst Du vor meinem Angesichte? Wie koimnst Du hierher?" . . . Mit höhnischen» Grinsen trat der Bösewicht vor den schivachen Greis und rief ihm zu: „Ich koinme als Jünger des fahren Messias! zu Dir, de» Du bis heute verleugnet hast. Ich saß, einst zu Deinen Füßen, jetzt will ich Dein Lehrer sein, dainit Dir in Deiner Sterbestunde noch die Gnade werde, und Deine Seele nicht in die Hölle fahre.' Siehst Du, Du hast »nich vor den Menschen verleugnet und beschämt, ich aber komine zu Deinem Heile und will auf Deine erlöschende Lampe das Oel des neuen Lichtes gießen..." „Hinweg von mir. Du Ausgeburt eines Wüstengespenstes!" rief der Greis mit einer Stimme aus, welche die Kraft seiner Mannesjähre wieder erlangt hatte. „Lästre Gott nicht vor meinem Angesicht! Entweihe nicht die Luft, die ich atme, laß »licht den giftigen Strahl Deines Gesichtes in mein brechendes Auge fallen. Nein, ich fluche Dir nicht, denn Dir bist schon verda»»imt genug! . . Die Hoheit des Greises, seine mächtige Stimme und die Kraft seiner Worte machten -den Abtrünnigen erbeben. Er hatte zu triumphieren geglaubt, und fühlte vor diesem Geiste und diesem Antlitze sich in den Staub gedrückt. Aber seinem Erbeben folgte rasch die Flut des Hasses; er knirschte Mit den Zähnen und rief mit kreischender Stimme: „Nun Neue Jüdische Presse. Mit der Behandlung von Einzelfragen jüdisch-wiistilschaftlicker "Fragen in Vorträgen hatten wir bisher Interesse zu erweck.'»», Belehrung und 'Anregung zu geben ver- »aocht. Mehr als bisher möchten und »nässen »vir es jedoch er reichen, daß unsere jüdische Jugend nicht allein sich belehren läßt, sondern daß ihr auch der Weg gewiesen »vird, selbständig denken zu lernen, daß sie geschult und befähigt wird, sich mit jüdisch-wissenschaftlichen Fragen zu beschäftigen, sic in die Lage versetzt wird, in solche Fragen einzudringcii und ihre Lösung zu versuchen. Bon diesen Gesichtspunkten ausgehend, beabsichtigen wir die Veranstaltung von L e h r l u r s e n, in denen, durch engere Fühlungnahine zwischen Dozent und Hörer und bei» tätiger Anteilnahme der letzteren, eine Einführung in einzeklle Wissensgebiete erstrebt wird; es soll uns gelingen, durch diese Kurse und im Anschluß an sie Arbeitsgruppen zu bilden, die an der Vertiefung und an eingehenderer geistiger Durchdringung des in den Kursen dargebotenen Lehrstoffs fortarbeiten. Wir zweifeln nicht, daß das Bedürfnis, sich in vorstehend angedeute'ter Weise mit jüdischer Wissenschaft zu befassen, in regstem Maße in den Kreisen der uns Nahestehenden vorhanden ist, und sehen wir daher zahlreichen Anmeldungen zur Teilnahme entgegen. Es tverden folgende Lehrkürse abgehalten: 1. Rabbiner Dr. B. May: „Die Periode des babylonischen Exils". Kstündig, Sonntag Abend 71/-*—8V-', beginnend am 24. Oktober 1920. 2. Direktor Dr. Grombachcr: Lektüre von Aufsätzen über das Wesen des Judentuins. östündig, Sonntag Albend 8Vs—9V-». Beginn: 19. Dezember 1920. ‘3. Soziale Ethik. Beginn zweite Hälfte Dezember oder Anfang Januar; Sonntag Abend. Dozent wird noch bekannt gegeben. 4. Rechtsanwalt A. Horovitz: Ein talinudisch-rcchtliches Tlicina. Sonntag Abend 8Ve—9Ve. Beginn 6. Febr. 1921.. Zur Eröffnung des Semesters spricht an» Dienstag, den 19, Oktober, 8V2 Uhr abends Rabbiner Dr. Jakob 'Horovitz über das-Buch Koheketh in» Bereinslokal, Langeftraße 33. Weitere Vertrüge werden bekannt gegeben. Zur Teilnahme an den Lehrkurse» wird schriftliche Anmeldung an Referendar Dr- Adler, Uhlandstraße '47, erbeten. An die gleiche Adresse sind Anregungen und Wünsche »vegei» Liurichtung weiterer Kurse'zu richte». An vte nationaljüdische Jugend Frankfurt a. St.! Das jüdische Volk hat einen großen politischen Erfolg erreicht. Palästina, das Land nnscree Vergangenheir, wird.zu Erez Israel, dem Land unserer Zukunft, werden. Das jüdische Volt hat zu zeigen, daß cs bereit ist, diese politische Möglichkeit anszuniitze» u»»d das Werk der nationalen Befreiung zu vollbringen. Ti- Zeit der großen Hoffnung erwartet nird verlangt große Menschen, die den Sinn der Stunde verstehen. Noch nie war die Möglichkeit der Palästina-Verwirklichung günstiger, aber auch nie »var die Lage des jüdischen Volles so schwierig als heute. Unser Volk erlebt einen Wundersti'.rui, der an die Zeit der spanischen Emigration erinnert. Jüdische Massen fliehen aus den Mordhöhleu Polens und der Ukraine, um,ihr nacktes Leben zu retten. Ihr Ziel ist Palästina, das mit offenen Armen sie empfängt. In' dieser Stunde der höchsten Not wenden soir , uns an Euch, die jüdische Not zu lindern .und die jüdische Zukunft zu ermöglichen Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation hat ~Sue schon gewaltig ein» Einwanderung nach Palästina vorläufig sperren müssen, da die Geldmittel zur Organisation' der Einwandsrung und zur Beschaffung von Arbeit noch fehlen. Zum Zwecke der Aufbringung dieser nationalen Mittel wurde du; Bildung des Keren .Hajessod beschlossen^ ber als einmalige großzügige Abgabe des Volkesden Aufbau Palästina möglich »nachen soll. Dü: Leidenszeit des Galuth hat das jüdische Volk stark gemacht, seiner historischen Anfgabgerecht zu werden. Die Völker haben uns Palästina gegeben; an dem jüdischen Volk ist es, es jiidisch zu mach:»». Jüdische Jugend! Wir wende,r uns Euch, da wir wissen, da.8 Ahdie Bedeutung des Augenblicks erkannt habt. 4.ic jüdische Jugend als Träger unserer Zukunft Wirt» sich ihrer Verantwortung bewußt sein.. Wir verlangen von Euch, daß Ihr Euer Einkommen und Vermögen besteuert. Eure Lebensweise einschräntt und das ersparte Geld dem Keren Hajessod zuwendet. Werbt für de,» Keren Hajessod in Euren Bekanntenkreise'.». Eine Schinucksainmelstelle wird nächster Zeit errichtet »verdeu. Jüdische Jugend an die Arbeit! Grldbeiräge werden entgegengcnonrmen*): klnterlindau 21 II, Montag und Donnerstag 6—8. Außerdem von den Bertraneuslenten des Herzl-Klubs.- Max Goldschmidt, Ernst Heumann. Des Indischen Turnvereins: Alma Moses, Ludwig Arnsberg. Des Kartells Jüdischer Verbindungen. Des Blau-Weiß: Jenni Henschcl, Benno Cohn. Des Misrachi: Rosi Bender, Erich Fromm. Des Vereins der Ostj»d:n Tikwas Zion: David Hamburger, Isaak Diller. Ter A >'. s j ch»»ß der n a ti 0 n al - j üdi s ch e rr Jugendorganisation, Frankfurt a. M. F r a n t s u r t a. M-, l l. Oktober 1920. 29. Tisch i 5681. Palästina-Vortrag. Dr. Mwscs Auerbach, der Leiter des Schulwerks der Aguda Jisroel in Palästina, hielt in her hiesigen A g » das I i s r 0 e l - In g c n d g r u p p e einen Bortrag über die Lage in Palästina. Der Bortrag »var trotz seines sittlichen Ernstes und berechtigter Kritik sichtlichtendenziös aufgcbaiit. Die Tendenz war: an 'allen: Ungünstigen, was *) Die Beträge werden in der Ntzuen Jüd. Presse ausgewiesen. 0 sfend- Jlpofhehe Hanauerlandstr. 2 Telephon: H. 2802 Urinuntersuchungen 'fff*™* gut, IHN Deinetwillen bin ich eigentlich auch nicht gekommen, sondern um dieser willen, diese will ich haben, diese ist »nein und sie will ich aus den Klanen des Verderbens retten." ^___ l Tann wandte er sich zu Mirjam, die bleich die Hände ringend da stand. Er ergriff ihre Hände und zog das widerstrebende und hülferufende Mädchen mit sich fort Da. sprang der alte Mann, der seit Jahren von seinem Sessel sich nicht erhoben hatte, ans und stürzte aus die Ringenden los und schrie: „Vater im Himmel, mein Slint», »nein Kind!" . . . Aber der Böscwicht stieß den schwachen Greis mit dem Arme zurück, daß er taumelte und zu Boden fiel. Dann »oinkte er den Soldaten, sie ergriffen das Mädchen und trugen sie hinaus; Josevh folgte. Dann entserntcn sich auch die beiden, welch: die Diener des Ha»»ses in dem Seitenzimmcr gefangen gehalten, die draußen Stehenden umgaben Joseph, das Mädchen „nd die sie trugen; so zog die Schar ab. „Was sollten die wehklagenden Diener tun?" fuhr der Freund fort. „Als sie in das Gemach des Nassi traten, fanden sie ihn auf dem Boden liegend tot. Der Herr hat seine Seele gnädig zu sich berufen, des herbsten. Schmerzes Befreit z» sein. Die Diener liefen in die Stadt zu den Freunden, und noch in der Nacht breitete sich wie ein Lauffeuer das Gerücht unter den Bewohnern aus: Joseph der Abtrünnige habe mit Hilfe römischer Soldaten den Patriarchen erschlagen und dessen Tochter geraubt. Alles kam in Bewegung, alle Häuser öffneten sich, in allen Fenstern war Licht, alles ströinte hierher, alles fragte und rief nach Dir, denn diejenigen, welche in das Geheimnis Deiner Reise eingeweiht waren, wußten, daß sie cs nicht verrä!en durften. Daß Du abwesend seiest, ward bald bekannt. Niemand wußte sich Rates, und wir hatten genug zu tun, aM»das Volk zurückzuhalten, nicht gegen das Kastell an- HMirmei». > Dies ist alles, teurer.Patrita, freilich unendlich viel des Krimmers, aber so wenig des Trostes für Dich, armer, unglücklicher Freund! Doch ich weiß. Du »virst Dein großes Herz, Deinen starken Geist auch hier bewähren; Du bist berufen, ein Käinpfer Gottes zu sein, und so »virst Du zuerst den Kämpf »iiit Dir selber auszufechten wissen!" Bei diesen Worten brach sich endlich ein Tränenstrom aus den Augen Patrikas Bahn und sprengte die ehernen 'Bande, die sich um seine Brust gelegt. Er sprach kein Wort, hotte das Haupt gesenkt und drückte nur . die Hand des Freundes,; .als dieser die seine ergriffen. Endlich fragte er noch eipmal: „Und wo ist Amnon?" „Es ist für uns alle ein Rätsel", lautete die! Antwort, „ob er bei dem lleberfall im Hause gewesen oder nichtauch das wissen wir nicht einmal, und kein Auge hat ihn seitdem wieder gesehen. Ich halte dies für ein gutes Zeichen; der treue Mensch muß irgend ein Unternehmen verfolgen, von dem er einen glücklichen Ausgang etzhosft, sonst wäre er jedenfalls zurückgekehrt:" Patrika schüttelte mit dem Haupte und »nurmelte leise: „Wenn er nicht auch schon umgekommen . . . Bater, Braut, Freund ... in einem Augenblick!" .... Er versank in tiefes Nachdenken. Dann sprang er von seinem Sitze auf und schritt im Gemache auf und' nieder. Eine neue Kraft schien über ihn gekommen, und Haltung und Bewegung »varen stark und elastisch. „Freund!" rief er entschlossen aus, „es muß gehandelt werden. Und was wir zu tu» haben, liegt klar vor llirsern Blicken. In dieser Stunde kann noch Nichts ^geschehen. Was hilft es. wenn »vir ohne genügende Waffen das Volk gegen die Mauern und Wälle dieses festen Kastells zum Sturm« führten? Wir »vürden abgeschlagen, und unser Kampf wäre ans scincin ersten Schritte verunglückt. Zuvor müssen die Waffen herein, die Masse vollständig gegliedert, und vor allem der erste Schlag ein nnvermuteter sei,». Es bedarf hierzu noch einiger Tage. Für jetzt ist nur Zweifaches zu tun. Gott gebe, daß, meine teure Mirjam noch nicht auS dem Kastell entftrnt worden sei! Wir müssen sofort alle Ausgänge desselben durch kluge, treue Männer Tag und Nacht bewachen lassen, die 'uns von jeder Bewegung droben Kunde geben, und eine bewaffnete Schar bereit halten, sobald etwa ein Trupp das unglückliche Mädchen aus dem Kastell schaffen will, mit bewaffneter Hand sie zu befreien. Dann aber müssen wir mit aller Anstrengung das Volk in Ruhe halten. Die Römer müssen sich wieder sicher glauben, sie nrüsftn uns für die feigen Sklaven halten, denen sie, wie bisher, ungestraft auf Kopf und Herz treten können. Auck sie werden sich einige Tage ruhig verhalten, dann aber mit neuen Plänen hervortreten — dafür bürgt uns der verruchte Bösewicht in ihrer Mitte —, und dann, Frennd, dann wird auch unsere Zeitz gekommen sein!" Be» diesen Worten trat Patrika zu seinem Freunde und legte schwer seine Hand auf dfsjen Schulter. Aus seinem Angesicht blitzte das Feuer des Zornes, der Kampfeslust, des Rachedurstes so gewaltig, baß der Freund zusammenschrack und der Gedanke durch seine Seele ftlhr: so sieht der Löwe aus, wenn er zum Sprungs ansetzt; tvrro er so