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Neue jüdische Presse · 1920-10-15 · Heft 37 (15.10.1920) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 37 (15.10.1920)
Date
1920-10-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Der Zentrale obliegt es, ein besonderes Komitee zu wähle», uin mit allen Arbeitern des Landes gemeinsam: Institutionen zur Erleichterung des Lebensunterhaltes der Arbeiter zu schassen. Aus Grundlage der Referate und Diskussionen über den grossen Wert der Erziehungsarbeit, verlangt die Versammlung von« Waad Hachinuch: Ei n f ü h r u n g von Hand-und speziell Gartenarbeiten in allen ÜntcrrichiSanstalten des Landes;' Anpassung d:r Pläne der Lehranstalten für Kindergärtnerinnen, Lehrer und Lehrerinnen den Slrbeitsanforderungcn; Gründung eines Institutes, um allen Schullehrern d:u Arbeitsunterricht beibrüigc», der Gruppe der Lehrer, die eine Arbeitsschule gründen wollen, die Möglichkeit dazu zu biete». . Di: Versammlung anerkennt mit Genugtuung den Beschluß der Londoner Konferenz wegen der Arbeit in den Schule», der den Aspirationen der Lehrer in Palästina entspricht. - Tic Versammlung protestiert mit aller Energie gegen dei. Versuch der Einstellung oder Einschränkung der landwirtschaftlichen Arbeit ini Lande, die die Grundlage unserer Existenz Und den Hauptfattor des Wiederaufbaues bildet. Die Störung der landwirtschaftlichen Arbeit hat mit sich zur Folge die Störung jeder Erziehungsarbeit. Der jüdische Lehrer fühlt sich mit den Arbeitern des Landes solidarisch. Die Versammlung verpflichtet dir Lehrerorganisation ftuib die Zentrale sich aktiv 'an der Erziehungsarbeit bezüglich der N c u e i n w a n d c r n d e », wie auch der anderen Voltsschichten zu beteiligen. Es wnsdc die Herausgabe einer Monatsschrift „Hachinuch" und einer illustrierten Kinderwochenschrist beschlossen In die Zentrale wurden 7 Lehrer aus Jaffa und 2 ans Jerusalem gewählt. Vorsitzender ist Dr. M o s s i n - sobn. Chaluzimkovferenz. I» Anivesenheit von öl Delegierten wurde auf dem Karmel eine Konferenz der Chaluzim (Palästina-Pioniere) eröffnet. Hanptgegenstand der Verhandlungen war zunächst die Frage der Vereinigung der verschiedenen Arbeiterorganisationen. Die Vertreter der Poale-Zion verlangten Jiddisch als offizielle Verhandlungssprache: als dies >ibgelrhnt wurde, verliefen sie die Konferenz. P»len. denen in Ostgalizien hunderte.Juden getötet und verwundet und hunderte Jüdinnen v.rgewaltigt wurden. Ueber die Petljura-Truppcn wird Her „Wiener Morgenzeitung" geschrieben: „Die „Armee" Pctljuras besteht zu bögo aus professionelle» Räubern und Mörder». Sic sind nur dort „Helden", wo sie genau wisen, öos, sie widerstandslos raube» und morden könne», und das tonnen sie ja nur unter der armen jüdischen Bevölkerung, welche an Widerstand nickt denken kann. Keiner ihrer „Osfiziere" hat die Macht über seine „Kosaken", jeder verlässt ohne weiteres seine Formation, Ivenn er seine Taschen voll hat, um einige Btvnate in irgendeiner Spelunke bei einem Fast „Wodka" wonnig ruhen zu können. Ist der geraubte Schmust und das geraubte Geld versoffen und ist „Gelegenheit" da, dann meldet er sich wieder beim „Stab", Es ist eine Tatsache — ich kan» cs durch deutsche, gegenwärtig in Wien wcilendc Offiziere bezeugeil —, daß sogenannte „Ossiziere" der berüchtigten Gruppe Ti»ijnnyk, die Tausende von Juden ans dem Gewissen hat, geraubte Schinnstgegenstände, wie goldene Uhren, Ringe und Kelten ' als Werbeatrakiion oorgezeigt haben, um Neulinge zum Eintritt in ihre Gruppe zu beivegen. Es ivird hie und da von nationalc» Baueru-rufständen in der Ukraine gemeldet. Das ist Lug und T»ug. Die ukrainischen Bauern stehen solchen Aufständen ganz ferne und kein anständiger, naiionalgesinnter ukrainische Bauer schliefst sich der „Armee" Pctljuras an. Petljnra selbst ist i» der ganzen Ukraine direkt verhaßt und wird als Plage für die Ukraine bez'ichnet." Deutsch-Oesterreich. 1 Antisemitische WohmmgSpoMik. Tee Krieg brockte österreichische Flüchilingc nach Wien, dieheute nach der Zerstüstclnng Oesterreichs dadurch, dast ihr früherer Wohnsitz nicht mehr zu Oest-rreich gehört, als Ausländer betrachtet werden, — und dieser Umstand gibt die Möglichkeit zu einer antisemitischen Wohnnngspolitii. Einige Fälle: Di: Familie Julius H u st m an» ernährte sich kümmerlich von einigen Pensionären. Das Wohnungsamt - sord r.e d e Wohnung an und wies di ' cingcreich e B schwe be zurüst Seiner Erwerbsquelle seitens der Hüter christlicher Nächstenliebe beraubt, obdachlos gelvorden, nahm Julius Hußmann in seiner Verzweiflung Gift. Tee Thoraschreiber Ra chm an Berger bewohnte init seine: 83jährigen Mutter, seiner schwerkrauke» Frau und einer älteren Tochter im Hanse Friedinanngassc 63 eine annselige nur aus : einem Ziiiinrer und Küche bestvhendc Wobiliing. Das Wohnilngsamt fordert: mit Frist von weingen Tage» die Wohnung an, Bitte uni Aufschub wurde abgeschlagen, und es erschienen die Büttel des Wohnungsamts und lvarfen die Familie mit ihren paar Habfeligteiten aus der Wohnung.. Die kranke Frau wurde einfach in ihrem Bett auf die St-raste gest e 1 l t. ' El» jüdisches Landerziehungsheim. I. B o g o b hat dem Verein „Soziale H i l i f * gern cinfchaft Anitta Müller" den Betrag von Kr. 3 Will zur Errichtung eines Lanberziehnngsheims für jüdische Kinder übergeben. Die Petljnra-Truppeu. Im polnischen Parlament haben die jüdischen Delegierten eine Interpellation über die Judensch lächtereien seitens der im polnischen Hceresverband kämpfenden Petljura-Truppen cingebracht. Die Interpellation stützt sich auf genaue Daten, nach Jakob H. Schiff l «. Nach einer Kohlezeichnung von Wilhelm Taubert. Unserer vorwöchentlichcn Würdigung Jakob H. Schiffs s. dl. sei heute sein Bild nachgefügt. Ueber das^ Testament des großen Philanthropen und warmherzigen Inden wird aus Newyorl berichtet, daß er eine Million Dollar für verschiedene jüdisch: Institutionen hinterliest und 25,600 Dollar für die Israelitische Waisenanstalt seiner Vaterstadt Frankfurt a. M. . Kurze politische Rachrichte«. Nürnberg. Von der kürzlich hier stattgehavteu Hauptversammlung des Vereins z u r A d w e h r des Antisemitismus seien die Ausführungen des Nürnberger Bürgermeisters Treu-wiedergegeben. Er sagte, es handle sich nicht nur um die Verteidigung des Rechts und der Ehre der jüdische» Rasse, sonder» auch um die Vertretung. der Ehre desdeutschen Vaterlandes. Der Antisemitisnins sei ein Unkraut, das ansgerottet werden müsse. Das deutsche Volk, das Voll der Denker und Dichter, dürfe nicht dulde», daß sich Verhältnisse wie im Mittelalter herausbilden. Wie früher, benutze man jetzt wieder die Dummheit des Volkes zur Verhetzung. Das Elend des( Volkes müsse herhalten, um die Juden als ©üiibcn&ptf hinzustellen. Nach dem Grundsatz „Haltet den Dieb!" gehe die Hetze von Leuten ans, die an den heutigen Verhältnissen schuld seien. Das niedrige Verhalten der Antisemiten müsse gebrandmarkt und von allen gerecht denkenden müßte dagegen Front gemacht werden. Prag. Am 26. September kam es in N o v e M e st h o Na d V a h o ul (Neustadtl) zu antisemitische it 'ETgcffcn. Unter Anführung eines tschechischen Legionärs überfiel ein 70töpfigcr.Mob die. jüd. Geschäfte und schlug zahlreiche Besitzer blutig. Die Exzesse wiederholten sich ani 27. und 28. Wie der „Cech" meldet, sprach beim Unterrichtsministerium eine Deputation der Rabbiner vor, um eine Erhöhung der Relig io usstun de n fstr den jüdischen Religionsunterricht zu erbitten. Der Minister erwiderte, e§ wcrdtz im Gegenteil beabsichtigt, die' Reltgionsstundenzabl ohne Unterschied'der Konfession, a »feine 'Wochen st nnde-herabzufetzen. Budapest. Die „Erwachenden Magyaren", darunter viele Ofsizierc, leistete» sich am l. ün d 2. Oktober wieder Ausschreitungen gegen die Juden. Gegen hundert Juden sind mißhandelt und verwundet worden. Die Regierung ist den Ausschreitungen gegenüber passiv, und die Budapester Judcnheit lebt deshalb in der gröstren Aufregung. Warschau. Wie der „Tag" meldet, habe Rabbiner Perlmutter, eine der leitenden Persönlichkeiten der Agudas Jisroel; -im Parlament der Interpellation, gegen die Pogrome in Ostgalizien die Unterschrift verweigert. Auch habe er s. Zt. nicht gegen die Zwangssonntags» ruh: gestimmt und sich damit entschuldigt, daß er infolge - seines Alters bei der Abstimmung schlief. Warschau. Die polnische Presse wird nicht müde, die jüdische Bevölkerung als Vaterlandsverräter hinzustellen. Diese Behauptungen sind natürlich Lügen. Es ist aber: doch gut, mit Tatsachen zu kommen, und.-deshalb sei daraus, hrngcwiesen, daß der KLiegsmiuister in einer Sitzung der Hcercskommission mitteilte, bei - der dritten Armee — Lübliner Bezirk —-seien im Garrzen 251 Todesurteile vollzogen worden, darunter weger verschiedener Vergehen. 66 an Inden. Warschau. Die sogenannten KattowitzerDeser- ' teure,, d h. die in dem Kattowitzer Gebiet widerrechtlich ergriffenen Flüchtlinge, tonrmen vor ein einfaches Kriegsgericht. Warschau. In der Heereskommission deS Parlaments brachte Abg. G r ü n b a» m die Jickenexz-sse des im polnischen Hcercsoerband kämpfenden russischen Freiwilligenlorps des Generals Balachowicz ztzr Sprache. Mehrere hundert Juden sind bereits getötet worden. Jerusalem. Diebel den Ausschreitungen im F v ii fi j a h r. geschädigten Inden erhalten jetzt von der Regierung Entschädigung. Im ganzen werden 20.000 Pfund ansbezahlt. Zionistische Rachrichte«. Eine wichtige Sitzang der amerikanische» Exekutive. Ans der Spezialsitzung der amcrikän. zion. Exekutive kritisierten — mit Ausnahme der Herren Jakob de Haas, Professor Fra n kfur t e r'und Kalen, die die Taktik Louis Brandcis auf der zionistischeir Jahrestonsercnz verteidigten — alle Mtgliederdiese haltmig. Besonders scharr waren die Erklärungen Captain T u l i» S, G. Schweitzers und Rabbi Silo er s. Brand eis selbst war nicht zugegen. Dagegen war Rabbi Dr. W i > e trotz seiner ursprünglichen Entscheidung, sich von der Exe-- kuirvc zurückzuziehe», mrwcsend. Er wurde auch zum Dorsitzcnden der Resolutivnskommissiou gewählt. In die Resolution wurde die Feststellung eiiwerleiüt, daß der Zionismus von der Erziehungsperiodc in dis Aera einer definitiven Aufbauarbeit jür Palästina übergcgangen. fei. Eine weitere Resolution drückt den aufrichtigen Wunsch der amerikanischen Zionisten aus, die Integrität der zionistischen Weltorganisation zu w a h r e London. Die hiesige zionist'ische Zentrall c i t u n g umfaßt nur noch die Abteilungen für Politik. Finanzen und Organisation; alles übrige ist dem Waad Hazirim (Zionist. Kommission) in Jerusalem übertragen worden. Pros. Weiznianii reist nach Arnerika. Persü««Ne» «. kleine Mitteil««ge». Frankfurt a. M. Marie Holzer, Mstglied des antisemitschen „Schützruck Trutzbund", hatte im Korridor ihres Hauses Holzhausenstraße 75 ein Plakat „Kauft nicht bei Juden und ihre» Warenhäusern" und du. antisemitisches Bild hängeM Die Aerztin Dr.. Neu mark riß diesen merkwürdigen Schmuck herunter und bekam dafür einen Strafbefehl von 5 Mark; sie legte Bernsnng ein, und ist '.nunmehr sreigesprochen worden. Budapest. Hokrat Julius Winterberg» der jüngst verstorbene Präsckeut der Chewra Kadischa, .hmterliest die Hälfte seines auf 80 Millionen Kronen geschätzte» Vermögens seinem einzigen Sohne und die Hälfte zu. jüdischen Zwecken, darunter. 20 Prozent der Chewra Kadischa zur Errichtung eines Vereinshauscs und 20 Prozcn' für das jüdische Gymnasium. In dem Testament ist auch Dr. Luidv Hartman», der österreickiichc Gesandte in Berlin, bedacht, der ein Nesse des Verstorbenen ist. Brün«. Der jüdische Schulverein, eine jüdisch-nationale Gründung, hat die erste Klasse einer V r l k s s ch u l e und eines Realgymnasiums eröffnet. Fra«kf«rter Berichte. Aus dem GemeluSelebeu. Die Entwicklung des traditionellen Judentums innerhalb der hiesigen Israelitischen Gemeinde zeigt in den. letzten Jahren manche erfreuliche Fortschritte. Dasder Unterrichtsplan des Talmud-Thora-VereiiS ständig weiter ausgebaut werden kaim, ist ein Beweis dafür. Die führenden Männer geben sich auch Mühe, das jüdische Interesse des Publikums zu hebe». Es sei nur an das letzte Simchas-Thora-Fest erinnert, wo

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