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Neue jüdische Presse · 1920-10-08 · Heft 36 (8.10.1920) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 36 (8.10.1920)
Date
1920-10-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite L \\\;^ Nr. 36 Ä. Äff. Thyssen ‘ Stets Eingang MT Neuheiten in Tapeten -W8 Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke WeissfrauenBtrasae. Telefon: Hansa 1784. Note Kreuzmedaille und 3 Herren das Berdiciistkreiiz sür Kriegshilfe. Breslau. Dr. Marcus Braun, Professor am Jüdisch-Theologischen Seminar, Leiter der Seminarbiblioihek, Redakteur der Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums, ist im 72. Lebensjahre v e r sch i e d e n. Braun war ein Gelehrter von Weltruf, eine sympathische Persönlichkeit und ein im konservativen Judentum ivurzelnder, das Judentum liebender Jude. Direktor Sch eye, der Leiter des Erziehungsheims für hilfsbedürftige jüdische Kinder, beging beit 70. Geburtstag und das 50 jährige Lehrerjubiläu nt. Hier starb kurz nach ihrem 101. Geburtstag Frau Ernestine Silber. Haag. Beim Hauptbüro des Jüd. Rat io n also nds gingen im August 25,215 Pfund Sterl. ein. PartS. Nie Regierung hat die Zionistische Landesorganisation Verständigt, dass sie bereit sei, alljährlich mehrere Tausende von französischen Büchern für die Universitäts b.iblio thck in Jerusalem zu spenden. New Port. „Joint DistributlonCommittee bestimmte für den Monat September 400,000 Dollars Unterstützungen, davon 105,000 Dollars in Palästina. Tie Kinderlommission bearbeitet einen Plan/ in großzügiger Weise den. jüdischen Waisenlindern des Ostens zu Helsen. Frankfurter Berichte. 1 Kleine Notizen. Am 10. Oktober, nachmittags 3 Uhr, veranstaltet.der Mädchenklub, Langestr. 30, ein Kinderfest, wozu er seine kleinen Freunde rinladet. Anmeldungen daselbst erwünscht. (Märchenerzählnngen, Lpicle, Verlosung, D:- wirtung usw.). Ostend - jlpothehe Hanauerlandstr. 2 Telephon: H. 2802 Anfertigung der Rezepte kür sämtliche israelitischen Rapen. Spezialität i Bestens bewährter Rasierpuder. Sepphoris nnd Rom. Kig historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert. Bon Ludwig Philippsohn. (Fortsetzung.) - Von hier ans sollten dann die Römer über daS Meer geworfen nnd ganz Asien unter einem Herrscher Ivieder vereinigt werden. Die Zeit sei hierzu reif, denn die Römer wären nicht mehr eine widerstandsfähige Macht, sondern selbst nur von barbarischen Böllern abhängig, nno d<e Spaltung zwischen Christenglauben nnd Heidentum erlcichtere ihren Falt vor dem Schwerte der Feinde.' A» dem Erfolge Sapors sei nicht zu zweifeln. Sie selbst hätten »och die Eroberung zweier römischer Festungen, Reniun und Bnsau, gesehen, und ei» solcher Schrecken vor den Persern sei über die römischen Soldaten gekommen, dass die Besatzung beider Plätze teils entwichen sei. teils sich ohne Schwertschlag ergeben habe. Jetzt sei es nun der Beruf und die Pflicht der galiläischen Juden, sich zu erheben, mit bewaffneter Hand die geringen Besatzungen in ihren Städten niederzuschlage». und das Land von ihren grausamen Tyrannen zu befreien. Das Unternehmen wäre leicht, und zwischen ihsten nnd den Persern stände nur noch das schwache Heer des Ursicinus, daS dann auch vom Rücken bedroht, nur geringen Widerstand leisten könnte.! Und nun ergossen sich die Abgesandten iu eine warme Schilderung des Glückesbas ihres Volkes harre, wenn es so dem Sieger von Osten die Hand biete und den Weg ebene. Sie sahen im Könige Sapor einen neuen Chrns, der vom Herrn berufen sw, seinem Volke die Freiheit wiederzngeben und zu gestatten, baß es die Trüm- 7 mer von Zion noch einmal erbaue. Auch Chrns sei ein Perser gewesen, und eines andern Glaubens, habe er dennoch das verbannte Juda nach dem heiligen Lande ' znrückgeführt'. Ja, sic seien geradezu bevollmächtigt, ihnen ' van Seiten der persischen Machthaber im Voraus znzu- ' sichern, daß die Söhne Israels Judäa wieder bevölkern - nnd ihre zertrümmerten Städte wieder erbauen sollten. Dann wären Babylonien und Judäa wieder vereinigt, und bildeten einen mächtigen Bund, der allen Widersachern wiederstehen werde. „Und dann", fragten sie, „was bleibt Euch für eine andere Wahl übrig? Wollet Ihr Euch von . Joseph dem Abtrünnigen, vom Ursicinus und Gallus Neue..Jüdische Presse.. Der Talmud-Thor a-V e re i n beginnt diesen Freitag, anschließend dem Gottesdienst in der Synagoge Vö>nep!atz, seine Freitag» Abend-Bort rüge mit einem Vortrage Rabbiners Dr- Röbel. Ter M o n te f i o re - V e rei n eröffnet Mittwoch Abend i?l/i Uhr in seinem Vereinslotale, Goeibeplay 5, das Wintersemester mit künstlerischen Darbietu ngeu. Martin Marx wird die Eröffnungsrede Hallen. Ja der Gallnsanlage gegenüber dem Schauspielhaus wurde ein hervorragend schönes, den Opfern des Krieges geweihtes Denkmal enthüllt, dessen Schöpfer B c n n o El kan Jude ist. Frauksurter Beranstaltuugen. T a l m n d - T li o r a - V e r e i n, Hörsaat Börneplntz, nach Abendgoitesdienfi: VornagtLr. Nooet,; Samstag nach Schacharis: Haftora (Dr. Rabin), II*): Schulchan Arnch tUnna), 3'/«: Raichi lruptnkty), nach Mincha: En Jaakiuw (Unna), Sonntag, nach Schacharis: Mischna (Dr. Friedman» >,!>'/:: Schulchan Arnch (Lipinsty), Ohe*): Äemoro (Unna), nach Mincha: Newüni (Unna), Lienstag. 6',e: Mikro' (Unna), Mittwoch, nach Schacharis: Mischna (Dr. Friedmannf, 6^: Chauwaus lewowans >Dr. Braun), Donnerstag, 8*): Gemoro (Unna), Fortbildung für junge Leute, Montag, 8(4: Genwro (Unna), Fortbildung sür Knaben, Samstag, 3: Schulchan Arnch, Dienstag nnd Donnerstag, 5l/s: Mischna, Gemoro. Lemke Boruch. (Eine Gestalt aus dein Osten. Von E. K ö n i z.) { Dass dieses kleine, spielende, mit zerzmistem Bart und im zerrissenen Kaftan daherschleichendc Jüd che n den Name» Lemke führen konnte, war so ziemend begreiflich: ist doch Lemke ein zärtlicherer Ausdruck für ■ Leinrech, eine biblische Bezeichnung, die init Unfähigkeit, Unbeholfcnheit n. dgl. zu tun hat. JiN ganzen Städtchen wollte man wissen, dass er auf seinen Papieren, die kein Mensch bei ihm jemals gesehen, ebenfalls so hieß. Woher aber Boruch? Dies hebräische Wort bedeutet ja „gesegnet — und es gab keinen besseren Witz «ns Erden, ein solch, verschrobenes, verwahrlostes,- armes Männleiir „gesegnet" zu nennen. Umso mehr muss inan staunend erfahren, daß er sich den Beinamen Boruch selbst gab, — nnd diese Tatsache ließ mir keine Ruhe. Ich suchte ihn eine Stunde vor dem Minchah-Gebet in der Husiatyner Klause ans; ein niedliches, halbeingefallcnes, lckmwandig BethauS in einem schmalen, trüben Gässchen, woselbst Anhänger des Wunderrabbi aus Husiatin ihren Gottesdienst zu verrichten pflegten. Ich traf ihn auf der Ofenbank 'sitzend. In Gedanken versunken durchblälterte er einen alten, von Motten zerzupften Talmudsotianten. „Scholom Meschen, Reb Lemke", wagte ich cs, ihn zu stören. - „Warum nur Lemke, heiße ich denn nicht auch Boruch?" blickte er sanft auf und streckte mir die dürre Hand rntgcgen. . „Tja ... ich weiß nicht, man sagt in der Gemeinde, Ihr habt bei der Geburt nur den Namen Lemke erhalten, nnd wie sollte ich Euch anders rufen?" *) Herrnesweg 27. - —Hodernetfslerel feinen Anstrich u. Lackierung fahrt preiswert ans. LrownBZfla Ja. Referenzen. ■ ■ v\/ » J3goIs.of Hochatraase 59. Tel. H. 6866. Piämiiett Düsseldorf 1902 Atelier Schäfergasse IS. „Stimmt schon", unterbrach er meineir Einwand, „vor niigesähr drei Jahren bin ich zum zweitenmal aus die Welt »ekommeil und gab mir selbst den Namen Boruch.") „Wa-a-as?" Ich sprang aus, in der Befürchtung, cinett Geistes»,«nachtete» -vor mir zu haben. Doch er hielt mich lächelnd zurück, bat mich bei ihm zu verweilen und fuhr fori: „Ja, vo, drei Jahren wurde in mir das Bewusstsein wach, zwei Seelen zu besitzen, eine äußere und eine innere? ja, versteht mich nur. Die erstere, ärmliche» zerschiindene, ote hat die Welt gefunden und nennt sie Lemke. Die zweite habe ich entdeckt nnd nun ich über meine innere. Seele Seele .mehr verfüge als wie Menschen über meine, häßliche Aeußcrlichleit, deshalb ncnne ich nrich Boruch, einen Gesegneten. Ich bin eben gesegnet, die Zweiheit meines Lebens rechtzeitig erkannt. zu haben, nnd das ist Mein Reichtum. Ist es bei vielen der Fall? Seht z. B. den reichen Jtzig an, den Eisenhändler vom Ringplatz, Er treibt mit mir Spaß, lacht mich aus/ lacht nnd lacht, baß sich die güldene Kette am Bauch schüttelt, er glaubt dabei der Klügste zu sein ... ich lachte mit, doch.meine zweite Seele, die sich einer Schnecke gleich ins zerbrochene Gehäuse zurnckzicht, sie grübelt über diesen reichen Jhig, der eigentlich so arnr ist nach, weint und beweint ihn . . ." Hier schwieg der kleine Jude, ein nnheimlichee Scharren der Dran-'r huschte über sein mageres.Gesichts dann setzt« ec nach einer Weile fort: „Ja, wie arm erjeiu mag.^ Denkt nur nach, hat solch ein Kerl eine innere r-cele? Wir Iverdcn einst alle dem Tode verfallen . . . soll dann nichts von uns bleiben? Nein, daran wollen wir nicht glauben. Der droben, dessen heiligen Namen wir nicht befähigt sind anznrufcn: er verlangt dann unser inneres Wese» viel reiner zurück, als es einst ans den weiten Weg ins Leben nritgegeben wurde. Nur so können wir zu Steme» werden für das Gebäude Gottes, das man Ewigkeit heißt." Be, diese» Worten glänzte» seine Augen wie Funken und äußerten eine unbezähmbare Kraft, welche diesem schwachen Körper innesaß. „Wovon lebt Ihr eigentlich?" „Wovon eigentlich der Lemke lebt, meint Ihr, Jn der Lemke bekommt vom Kahal fünfzehn Kreuzer täglich Es genügt knapp, um den satten Boruch drin sesthalten Freya - Büro - Einrichtungen Werner, Moll, ft Cie. Frankfurt a. 31., Theaterplatz ff. gar* Neu eröffnet. *3BB willig abschlachteii lassen? Oder könntet Ihr glauben, daß Eure Pflicht Euch an Rom binde nno Euch verbiete. Euren'Todfeinden eiitgegei,zutreten? Nein, schüttelt Eure Schwäche ad, werfet Eure Mutlosigkeit von vsntl}. Euch bleibet keine Wahl übrig, und diejenigen laden schwere Verantwortlichkeit ans sich, welche an der Spitze unseres Volkes stehen und doch statt seiner Verzweiflung'zu Hilfe zu kommen, feige die Hände tu de» Schoß sinken lassen!" Jetzt ivar jedes Bedenken aus der Seele P.atrikaS gewicyen. Er stand aufrecht, fest und ruhig, die geballte Rechte auf seinem Herzen, das Haupt erhoben, mir jlainmendcn Augen nnd nur oen Mund die Züge der Entschlossenheit und der Kampfesfreude. „Ich danke Euch", hob er mit fester, klingender Stiinme an, „ich danke Euch sür Eure Hingebung nnd Treue, >oie sür die Rachrichten und den Rat, die Ihr uns dringt. Eure Worte sind inhaltsschwer, aber sie enthalten die Wahryeit. Ich werde unter meine Brüder treten nnd ihnen Alles Mitteilen. Leider werden die nächsten Tage schon genug bringen, was ihre» Kampfrsnmt nnd ihren Rachedurst nnanshaltsam entzünden und den letzten Tropjen in den Becher zum Uederslicssen Iverfen wird. Ich selbst werde alles vocbereiten, was zum Gelingen des Ausbruches notwendig ist, wenn er einmal unvermeidlich geworden. Ihr aber, wenn Ihr Euer heiliges Werk vollenden wollt, ziehet durch die Städte Galiläas und verkündiget auch dort, was Ihr uns hintcrbracht habt. Meine Boten solle» Euch vorangehen. Aber ein Bedenken ist noch vorhanden. Der greise Patriarch weilt m meinem Hause. Ach, seine Tage sind gezählt . . Und er will nichts von Widerstand und Geivalt wisse». Seni Geist lebt mehr in der Vergangenheil, als in der Gegenwart. Er sieht in jedem Aufstande eine Gefahr für alle Juden im römischen Reiche; er sieht sie dadurch wie in früheren Zeiten allesamt verfolgt, verjagt, gefoltert nnd hingemordet. Wir müssen sein brechendes Auge schonen, daß dessen Blick nicht anf Aufruhr und Mord falle. Darum Geduld: was da kommen soll, kann doch nicht ausgehalten werden, nnd wir bedürfen „och einiger - Zeit, tun gerüstet zu fein. Was mich anbetrifst,. ich bin bei eit,!" Auch die Männer hatten sich erhoben nnd standen um Patrika, der in seiner männlichen Schönheit nnd in seiiter gemessenen, fast gebieterischen Haltung ihre Bewunderung -fesselte. Er streckte ihnen die Hände entgegen, und' als sie diese gefaßt, sprach er aus innerster-Erregung der Seele: „Ja, Brüder, geloben >oir uns. alle nufere Kräfte, uns selbst dem Heile unseres Glaubens und Volkes hinzugeben. — Israel darf, kann nnd wird nicht untergehe». — aber an uns ist cs, für seinen Bestand zu leben und >venn es nötig, .zu sterben!" Schon am andern Morgen begann Patrika eine unermüdliche Tätigkeit zu entwickeln. Er hielt Zusammenkünfte mit den Angesehensten der Stadt, versammelte iu den einzelnen Quartieren alle rüstigen Männer, begeisterte sie durch sein Wort, ließ die vielfachen und immer wachsenden Klagen von Jede,» aussprechen, verabredete die Zusammenscharung in kleine Abteilungen und ließ diese ihre Führer wählen, bestimmte die Alarmzeichen, aber beschwor Alle, sich ruhig zu verhalten, was auch geschehen werde, bis die Stunde gemeinsamen Handelns gekommen. ES konnte dies alles um so freier vor sich gehen, als die. Bewachung der Stadt von Seiten der Römer ausgegeben war nnd nur dann und wann einzelne kleine Scharen von Soldaten zu bestimmten Zwecken in die Stadt eindrangen und sie durchzogen. Dann schickte Patrika Abgesmidte. nach Tiberias, Saphed, Lydda nnd anderen Städten, um sie mit Sepphoris in Verbindung zu erhalten und sie zu ^gleichen Schritte» zu veranlassen. Alles dies vollbrachte er mit einer gewissen Freudigkeit und Herzenserhebung, denn er sagte sich» daß er nicht bloß für das Allgemeine kämpfe, sondern auch sein eigenes Glück sicher zu. stellen, das von Gefahren bedroht nick umringt war. Wenn er dann nach seinem Hause zurückkehrte, und hier Mirjam geschäftig walten sah, denn sic. hatte schnell das Regiment daselbst in ihre Hände genommen, — dann konnte er um so freier den Ergießungen seines Herzens bei der Geliebten und dem friedliche» Gespräche mit dem freilich immer schwächer werdende» Rassi sich hingeben. Die Schwüle war von seinem Geiste genommen, die Ungewißheit aus ihm gewichen, er sah de» kommenden Gefahren kühn ins 'Auge — nnd ach! die Jugend hofft immer und Großes! ... Freilich verbarg er seine gelseimeii Pläne sorgfältig vor dem Greise, was leicht, und vor dem teure» Mädchen, was schwer war, denn das Auge der Liebe ist. fchitrssichtig. Mer so sehr er sich auch jeder Andeutung über die wirNiche Lage enthielt, so tauschte er doch mit Mirjam alle seine Gedanken und Gefühle aus und fand i» dem Herzen des jungen Mädchens einen so lauten und vollen Widerhall, einen so entschiedenen Ausdruck für alle Empfindungen der Glaubenstreue und des Patriotismus^ daß er

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