Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 35 (24.9.1920)
- Date
- 1920-09-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Seite 5. Nr. 35. Lea Manti Künstlerspiele Kaiserstrasse 69. Beginn 8 Uhr. Tel. Hansa 5516. 9fautis-Weinrestaurant den ganz. Tag gpgffnet ab 10 Uhr morgens. »T" Warme Kflche. anzugeben, uns de» Saal, der sonst an jeden Verein ohne weiteres vermietet, wird, verweigert und unseren letzten Brief — gerichtet an. den Vorsitzenden Herrn Justizrpt Dr. Goldschmidt, in dem wir in ruhiger und sachlicher Form unserer Verwunderung über diese Maßnahme Ausdruck gegeben haben, unbeantwortet gelassen. Wir verweisen deshalb auf eine Notiz, die der Vorstand der Osscnbacher Gruppe des „ZentraivcreinS Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" unlängst in der „Ofienbacher Zeitung" veröffentlichen ließ, dessen wesentlister Inhalr besagte, daß die unverändert gebliebenen Auffassungen dieses größten jüdischen Verbandes auch die Offenbacher Mitglieder nicht daran hindere, ,an dem Aufbau Palästinas „aus Juden- und Menschenpflicht" nach! Kräften mitzüwirken. Die Offenbacher Ortsgruppe der Zionistischen Vereinigung ist weit davon entfernt, an der Aufrichtigkeit dieses Versprechens zu zweifeln, aber die Verweigerung des Saales für den erwähnten Vortrag, der gerade den Zweck verfolgen sollte, eine allgemeine Aussprache über die Mitarbeit aller Juden am Aufbau Palästinas herbeizufiihren, steht dazu in einem auffallenden Widerspruche. Wir bitten deshalb nochmals auf diesem Wege um Ueberlassung des Saales oder uni eine Aufklärung darüber, was Sie dazu veranlaßt, uns den Saal zu verweigern. ‘ Der Vorstand der Zionistischen Vereinigung Ortsgruppe Okfenbach a. M Eine christliche Bühneugemeiude in Frankfurt a. M. ■ Zu den Erscheinungen dieser Tage gehört cs, daß nachgerade alle Einrichtungen in unserer Stadt parteipolitisch oder konfessionell gegliedert werden. Es ist auch bemerkenswert, daß man jetzt ausängt, den Theaterbesuch nach dem Glaubensbekenntnis zu organisieren, nüd daß einflußreiche Zentrumskreise an der Arbeit sind, um in Frankfurt ihre Anhänger sowie solche Personen, denen diese Tätigkeit aus dem Programm nicht genügend bekannt ist, für ein bestimmtes Theaterprogramm zu gewinnen und gemeinschaftlich in das Theater zu führen. Soweit es sich dabei. um die Erreichung christlicher Ideale handelt, soll an dieser Stelle keinesfalls Einspruch erhoben lverden: etwas anderes ist es aber, wenn der 'Anschein erweckt wird, ' als ob es sich lediglich um eine, allgemeine Verbilligung der Theaterpxeise in dieser Thcatergcmeinde handele. Besonders die jüdischen Kreise von Frankfurt sollten nicht den christlichen Bühnenvollsbund durch Zahlung von Mtgliedsbeiträgen in der Erreichung seiner besonderen Zentrumsabsichten unterstützen. Wir haben in Erfahrung gebracht, daß der bekannte Zentruinsführer und Großindustrielle August Thyssen in Mühlheim eine halbe Million für diese Werbearbeit des Zentrums zur Verfügung gestellt hat. Wer .an der verbilligten Theater- Neue Jüdische Presse. * gemeinde teilnehmen will, wende sich an den Verein für Theater und Musikkultur, Steinweg 5, der ohne jede Nebenabsichten in religiöser oder politischer Beziehung verbilligte Vorstellungen lediglich nach rein künstlerischen Grundsätzen veranstaltet. Charakter und Selbsterhaltungstrieb müssen es den Israeliten verbieten,' einen christlichen Bühnenvolksbund zu unterstützen. Aus meiner letzten Geschäftsreise richtete ich es so ei», daß. ich einen Tag, bevor ich Iahrzeit 'hatte, in einer Großstadt mit einer j n d i s ch e n 'G r o ß g e m e i n d e von vielleicht 500 Familien eintraf. Die wundervolle Synagoge, die in ihrer Pracht augenscheinlich von dem starken religiösen Interesse der Gemeinde zeugt, ist eines der schönsten Bauwerke der dem nüchternen Erwerb dienender. Stabt. Doch meine alte Erfahrung, daß prächtige Synagogen häufig nur als Aequivalent dafür hingestellt werden, daß man sie nicht besucht, bewahrheitet? sich wieder einmal. Noch bevor ich zu meiner. Kundschaft ging, suchte ich den Schlimmes auf, um inich bei ibm zu erkundigen, wann des Abends Gottesdienst sei. Zu meinem Erstaunen wurde mir die Antwort: Die Synagoge sei Wochentags geschlossen und Jahrzeiten müßten einige Tage vorher angemeldet lverden, damit Gottesdienst festgesetzt lverden könne. Dabei hat die Gemeinde Rabbiner, Karrtor, Schammes' rrnd drei Lehrer. Mir blieb nichts übrig, als den gleichen Tag weiterrufahren, um so lvcnigstens am anderen Morgen noch Kaddisch sagen zu können Ich frage: Was nützen alle religiösen Reformen — und die eben geschilderte Gemeind? ist stets bereit, drin zeitlveiligen religiösen Empfinden.ihrer Mitglieder oufs äußerste entaenenzuko,innen —. wenn dies? Reformeil das Publikum doch nicht ins Gotteshaus bringen. Die kleinste traditionstreue Dorfgemeinde hat tagtäglich Gottesdienst —, und fünfzignral größere Stabtgeniekndeii Mit einem ganzen Beamtenstab bekommen cs nicht rertia. Wochentags täglich zweimal 10 Männer zu eincin Gottesdienst zu versammeln. Wie fassen eigentlich unser? liberalen Rabbiner und Lehrer ihr Wirken für die Inknuft des Judentums mif? ’ x. An die Kollegen! In der letzten Zeit mehren sich Ausschreibungen von Stellen, in denen ein Gehalt nicht genannt ist, in denen die Gemeinden vielmehr aufiordern. daß di: Bewerber ihre Gehaltsansvrüche einreichen sollen. Wir bitten im Interesse unserer Sache dringend darum, daß' sich kein Kollege um eine Stelle bewirbt, bei der das Gehalt nicht angegeben ist. Die Arbeitsgemeinschaft der jnd. Lehrerverbänbe und Vereine i. D. R. Dr. Höxter. Aus Aufzeichnungen. eines Ferienaufenthaltes. Zum ersten Male statt des Gebirges die Sec. Kein Llixusbad. Ern Fischerdorf an der Lübecker Bucht, dein' reiche Fischfänge und Sommergäste die einstöckigen stilvollen Häuser mit ihren höhen Dächern alter inedersächsicher Bauart meist in von Gärten umgebene nüchterne Hotels und Billen umwcrndelten. Unter den Hotels eines der besten das miß?« und innen i ansprechende jüdische Hotel. Nicht alle, die nach den Gesetzen des Judentums' zu leben streben, essen dort; die einen nicht aus Gewissenhaftigkeit, weil die Aufsicht fehlt, die anderen, nicht in Rücksicht auf die Scheine, von denen jetzt die Reichsbank zu viel druckt und sie dennoch zu wemg haben. Der Sabbat führt aber auch diese Selbstvertöstiger in den Spcisesaal des Hotels; freilich nicht, um zu essen, — vielmehr, unr zu beten. Oraun hakaudesch und Borbeterpult sind da, aber auch die, die befähigt sind> vor das Pult zu treten. Dafür sorgt Hamburg. Ob der Hamburger Rechtsanwalt oder der Hamburger Kaufmann oder der fünfzehnjährige Realschüler aus der Thora vorlesen, stets geschieht es nrit massorctischer Exaktheit. Rach dem Gottesdienst geht'man auseinander, — und die sich beim Gebet so nahe waren, bleiben sich, so sie sich nicht vorher kannte», in der Regel auch weiterhin fremd Ein gemeinsames Schicksalsband umschlingt uns Juden, und darum ist dieses Fremdbleiben zu bedauern. Würden unsere jüdischen Hotelbesitzer nicht nrit der Führung der Küche ihren Aufgabenkreis beginnen und beenden, hätten sie außer dem Kaschrus auch noch andere jüdische Interessen, so wären sie die QJeeigiretcir, durch Veranstaltung geselliger Wende — wie glänzend ist der Mauzoh Schabbos die Zeit dafür — das jüdische gesellschaftliche Leben zu fördern und damit manches Gute im jüdischen Sinne zu veranlassen. ' . * Sonntag morgen anr Strand, Noch herrscht Ruhe. Im Sande spielt gesittet und ruhig eine Gesellschaft jüdischer Kinder. Ich schaue ans dem Wege zum morgendlichen Bade, das ich gewöhnlich als erster im Ort? nehme, zu ihnen hinüber. Da -gehen an mir zwei höhere Töchter vorbei. Wahrscheinlich ans dem Kirchgang. Sie sehen die Kinder, und ich fange noch ihre Worte auf, zu denen der Anblick der Kinder sie angeregt hat. Freya - Büro - Einrichtungen Werner, Holl & Cie. Frankfurt a. M., Theaterplatz 14. MT Hau eröffnet. 91 Heiligsten erbitterten sie maßlos, und sie fragten sich immer und iminer wieder, wo dies hinauswolle. Die kaum beruhigte Flut de§ Unwillens stieg Ivieder von neuem auf, und eine wilde Bewegung bemächtigte sich der Gemüter. Zu gleicher Zeit mit Joseph waren aber noch einige andere frenide Gestalten in Sepphoris erschienen. In per Tracht, galiläischer Landleute waren drei Männer einer nach dem anderen in kurzen Zwischenräirmen in das Tor bfc»i Sepphoris eingezogen- Einige ländliche Waren auf dem Rücken, konnten sie keine besondere Aufinerk,än»?it erwecken. Wer sie aber genauer betrachtet hätte, würde sic doch bald als Fremdlinge erkannt haben. Sie sahen sich so vielfach um, gingen so unsicher voran, kehrten, als ob sie sich geirrt, auf ihren Schritten bisweilen zurück, daß sic sich gewiß zum ersten Male in den Straßen, dieser Stadt befanden. Endlich traten sie in einem dunkeln Nebengäßchcn in ein kleines, verstecktes Hans rin, dessen 'Lage und Beschaffenheit ihnen sehr sorgfältig beschrieben sein mußten, denn Jeder von ihnen nickte »ach einigein Beschauen, nachdem sie es erreicht hakten, mit dem Haupte und öffnete ohne Zögern die Pforte. Es war am späten Abend als dieselben Männer in daä Hans Patrikas traten, auf de»en Schwelle Amnon sie erwartete, der sie alsbald in ein abgelegenes Geinach führte. Hier ging Patrika in großer Spannung ans und nieder, bis die Schritte der Kommenden ihin ihre Ankunft verrieten Sie traten ein, und er cinpfing sie init i-cu-e gierigen! Blicke, aber auch mit einer kühlen und förmlichen Haltung. Nach einigen Begrüßnngsworten zog der eine der Männer eine kleine Pcrgamentrolle hervor und übergab sie Patrika mit den Worten: „Ihr müßt vor allem 'erfahre», wer wir sind, und eine Einsicht von nniecn Beglaubigungsschreiben nehmen." Patrika las. Es war ein Schreiben der angesehensten Judeir aus der Mitte der ^Perser. Unterzeichnet!var es U.n dein Risch-Glutha, denk weltlichen O.bechanote aller Iudein im persischen Reiche, dann' von iden berühinten Oberhäuptern der Schulen zu Sura und Pumbed-tha. s.- wie von einigen jüdischen Oberoffizieren im versuch:-» Heere-, ganz darunter befand sich auch die Naiiiensnnter-- schrift eines königlichen Bezirs. Das Schreiben enthielt die Versicherung, daß diese drei Männer von! den Unterzeichneten, und zwar im! Namen der ganzen persische» Judenheir on ihre Brüder in Galiläa aögeschickt wurden und daß sie sich mit großer Selbstaufopferung den Gefahren und Mühen dieser Wanderung unterzogen hätten. Patrika wandte sich mit den herzlichsten Worte» an die Männer und lud sie ein, sich niederzulassen. Die Männex hatten große Gefahren bestanden. Ans uiuveg. sainel- Pfaden hatte» sie sich durch die armenischen Berge geschlagen, um mit Umgehung des römischen Heeres über den Eupbrat zu gelangeir, hatten sich dann mitten durch ein von römischen Streifparteien durchzogenes Land geschlichen, lvochenlang unter keinem Dache einer menschlichey Wohnung geioeilt, icur mit Mühe die iwtwcndigsten Lebensmittel sich verschaffend, der Entbehrung und den anstrengendsten Strapazen ununterbrochen mcsgesetzt. Mer der Gott Israels habe sie geschützt und gestärit, so daß sie ihr örtliches Ziel glücklich erreichten: nun aber käme es darauf an, ob sie auch den Zweck ihrer Sendung, um dessentwillen sie so viele Schwierigkeiten ertragen hätien, erreichen würden. Patrika sicherte ihnen iw Voraus ein offenes Herz für alle ihre Forderongen zu und wünschte nur, daß diese so beschaffen seien, daß ihrer Erfüllung nichts im Wege stehe. Die Männer ergriffen nun nach einander das Wort und schilderten zunächst das Glück, welches sie unter dem Szepter der persischen Könige genossen'. Tcr war ihnen völlige Freiheit der Religionsübung, völlige Freiheit nach dem vät-rlicben Gesetze und nach der ererbten Sitte zu leben. Sic ständen unter ihren eigenen, von ihnen selbst gewählt?» Richtern und Beamte», die allein nach -deni heiligen Gesetze und dessen Auslegung entschied-?»: ihre Lehrstühle blühten setzt als die ersten der Welt: sie wohnten ioo und trieben was sie wollten: sie zahlten dem Könige die Kopssteuer und reihete» ihre JüngUnne seinen Heeren ein, und weiter erfuhren si? nichts von ihm: alle ihre Interessen wären durch das „Hauvt des Exils", den Risch-'Glutha, aus davidischem Geschlecht, am Hose des Königs vertreten, und dieser sei mit'fast königlichen Ehren, mit der Würde und Pracht eines Fürst?,, umgeben. Dafür seien sie aber auch dem persischen König? von ganzem Herzen ergeben und widmeten ihm gern all ihr Gur und Blut. Auch für den jetzigen Heereszng hätten sic ihn freiwillig mit großen Subsidien unterstützt, .und fast ei» Viertel des Heeres bestände ans Männern siidischer Abkunst. ' Dagegen schilderten sie mit Nachdruck die traurigen Zustände, in Ivelchcn sich die Judeir unter der gegenwärtigen Herrschaft im römischen Reiche befanden. In geschickter Weise mischten sie iir dieses düster? Gemälde das ein, was sie ans ihrer Wanderung selbst gesehen »nd erfahren und blieben bei dem jüngsten Ereignis zu! Liberias stehen. Sie knüpften daran die Frage an Patrika und an alle, die zur Fürsorge für BoL und Glauben berufen seien, was sie sich als den Endzweck und Len Ansgang von all diesem dächten?" * „Wie?" ries der Eine aus, „sehet Ihr nichts daß Vernichtung unserer Religion und Untergang aller treuen Söhne Israels, das alleinige Ziel Eurer jetzigen Herrscher ist, und daß Ihr . von diesem nur noch durch einen kleinen Runnl geschieden seid? Und glaubet Ihr. daß uran noch lange zögern werde, diese wenigen Schritte bis dahin noch zu tun? Nein! Nein! Lasset diesen persischen Feldzug nur erst vorüber und abgelvehrt sein, und Tod und Vertreibung harret Euer! Wagte man schon unter den Gefahren des Krieges, in der Erwartung eines feindlichen bis jetzt siegreichen Heeres, so schwere Schlage ans Such zu führen und Euch in der Wurzel Eures Lebens zu verwunden, — was sollte sie zurückhalten, >vemr sie von dieser Furcht befreit und dieser Gefahr entgangen fein würden?" ' Patrika schwieg auf diese Worte; denn sie beleuchteten ja nur mit hellen Lichtstrahlen, was schon so, lange, wenn auch 'dunkel in seinein Geiste lebte. Jetzt wurden alle seine trüben Ahnungen, alle leine düster» Gedanken an das Tageslicht gezogen und wie von der Mittagssonne« beschienen. In solchen! Momente sträubt sich aber das menschliche Herz noch einige Augenblicke vor der ganzen Erkenntnis der trostlosen Lage, und gern möchte es noch einige Cinweiidnngeir erheben und einige Ausgangswoze andcuteil, — imb dieser Kampf bringt nichts als Schweigen hervor Endlich ermannte er sich und entgegnetc: „Und was für einen Antrag bringt Ihr nns?" ' „Wir bringen Euch nichts, als die Frage: ob Ihr Eurem Verderben widerstandslos entgegengeheil oder die sichere Gelegenheit, die sich jetzt Ellchj bietet und vielleicht -ricmals wiederkehrt, mit fester Hand zu ergreifen aeneigr seid? .... Wohlan, lasset uns zu offener Erklärung kommen!" Und nun legten die Männer de» Plan des oersischen Königs dar, über den nördlichen Teil des Euphrat nach Surieii einzudringen und cs zu erobern. Aber er habe die Absicht nicht, dieses Land nur vorübergehend rrr besetzen, sondern es dauernd zu einer persischen Provinz zu machen. (Fortsetzung folgt.)