Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 35 (24.9.1920)
- Date
- 1920-09-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Nr. 33. «crMT^cfc-r^* cn d?r Boris.'. FRANK FURT«A. NI. Ternspr rtonso 6256/5^ TELEFON Ansprüche erPü.llfv amerikan. zion. Föderation im November abzuhalten. Der Orden.Buei Zion beschloß, sich von der amerikan. zion. Föderation zu trennen und eine besondere Föderation zu bilden. Aus der Bttsrachi-Bewegnug. Jerusalem. Der Zentrolrat des MiSrachi. für den neuerdings Chachambaschi Jakob Meier, Rabbiners Abramowitz, Rabbiner Schapiro und die Herren Kah ane und Ku.k gewonnen worden sind, veranstaltete eine Sitzung. Er wählte in das Arbeitskomitee die Rabbiner Fischmann (Vors.), Uziel, Abramowitz, Zitron und. Ostrowski und in den Aufsichtsrat für das orthodoxe Erziehungswesen Rabb. Uziel, Radb. Ostrowski, I. M. Lifschitz und Dr. Mirkin. Er beschloß, im Interesse der Einwanderer Herbergen und Küchen zu gründen und sprach die Erwartung aus, daß ihm hierfür aus Amerika die nötige materielle Hilfe zuteil .werde. Perso«alre« «. kleine Mitteilunge«. Berlin. Der Polizeipräsident hat entschieden, daß die Beamten der jüdischen Gemeinde in Berlin als ü ff ent* ttche Beamtc im Sinne des Betriebsrätegesetzes gelten. Nach den soeben erschienenen Mitteilungen des Deutsch- Israelit Gemeindebundes findet der 15. ordentliche^ Gemcindetag am 17. November statt. Hauptgegenstand der Beratungen wird die Schaffung einer Gesamtorganisation der deutschen Juden sein. Infolge des Briefes des Kultusministers Haenisch und zahlreicher weiterer Vertrauenskundgebungen wird Prof. Einstein einer Berufung ins Ausland nicht Folge leisten, sondern vorerst in Berlin bleiben. Krefeld. Markus Reiß, langjähriges Vorstandsmitglied der jüdische» Gemeinde .und des Literatur- Vereins, ist — 76 Jahre alt — verschieden. Breslau. Im 27. Lebensjahre verschied Dr. Arthur Wolfgang Cohn, Sohn Professors Dr. Leopold Cohn f. A. und Assistent des Nationalökonomen ' Professor Weber, den er nach Frankfurt begleitete. In jüdischer Hinsicht fühlte er sich als Jünger Hermann Cohens. Tilsit Die Stadtverordneten faßten einstimmig fotzende Erklärung: _ Hauptstraße nach dem Tore hin, durch welches Vor kurzer Zeit Patrita eingezogen war, nicht ahnend, was er hier erleben und was er mit davonführen würde. Alle Bewohner der Stadt, jung und alt, Männer und Frauen hatten sich, nach allen Punkten, die der Zug berühren mußte,- gedrängt und füllten die Straßen, daß der Zug nur mühsam sich hindurch bewegte. Jeder wollte nochi einmal < in das Antlitz des wie ein Heiliger verehrten Mannes blicken, dersterbend, aber ergeben von dem Hause seiner Väter fliehen mußte. Er saß bewegungslos da, mit bleichem, eingefallenem Gesichte, und' nur aus seinen Augen leuchteten noch die Freundlichkeit seines Gemütes und die Trauer, mit der er von hinnen schied. Die Spannung der Erwartung und die Achtung vor ihm hielt die versammelten Menschen stumm, aber sowie die Tiere, die ihn trugen, vorüber waren, brach die Menge in Wehklagen aus. . . Auf dem Platze vor der Proseuche standen abermals ' die römischen Legionäre kampfgerüstet austnarschiert, aber nienimid achtete ihrer, niemand erschien auf dem Plätze. Das Volk hatte sich still in die Häuser zurückgezogen. Gegen Abend rückte der Cäsar Gallus in das Stadttor ein. Die Tnbas schmetterten, die Hörner klangen, die Hufen der Rosse dröhnten, — aber die Straßen blieben - tot und öde, und niemand begrüßte den Mitkaiser und hieß ihn willkommen. Unmutig betrat er die Proseuche und durchschritt neugierig die reilassenen Säle und Räumlichkeiten, von welchen nur einige und spärlich in der Eile zu - seinem Empfange hergerichtet waren. Schlimme Botschaft vom Euphrat her wartete seiner, und da er in Liberias schon alles getan fand, so verließ er nach kurzer Rast ».die Stadt wieder, sandte die Truppenschar bis mif eine kleine Besatzung dem. Ursicinus zu und kehrte seines- Weges zurück 11. dacht minder feierlich war der Empfang des Patriarchen in Sepphoris, als cs sein Abschied von Liberias gewesen. Weit hinaus war -das Volk ihn, entgegen geströmt In den Herzen der Menge stritten sich der Schmerz und die Wut über die Unterdrückung des Snnhkdrin, ohne welches sich die Masse noch gar nicht zu denke» wußte, mit der geheimen Hoffnung, cs möchte das Verbot wieder rückgängig gemacht werden und das Sanhedrin durch die Gegenwart des Patriarchen veranlaßt sein, sich in Seppho- '' wieder znsammenzufinden, von wo es doch erst vor Neue Jüdische Presse. - „Mit Abscheu und Entrüstung haben die.Stadtverordneten sämtlicher, Fraktionen Kenntnis genommen von der Judenhetze, wie sie jetzt schärfer niid brutaler als je in Tilsit betrieben wird. Die Sicherheitsorgaire werden ersucht, der Hetze mit aller Strenge entgegenzutreten, wo sie nach, außen hin in Erscheinung tritt. Die Stadtverordneten sind nicht gewillt, das Wohl der Gesamtheit unserer Stabt durch gewissenlose Judenhetze gefährden zu lassen." London. Dr. Max Nord au ist nach Frankreich abgefahren. New Uork. Die Jüdische Sabbat-Bereinigung von Amerika unternimmt gegenwärtig eine aktive Kampagne im Interesse der Sabbatbeobachtung. Es wurden zuerst die 12 jüdischen Wäschereibesitzer in Bpownsville besucht; 7 erklärten sofort ihre Bereitwilligkeit zu schließen, und voraussichtliche erklären im Laufe der nächsten Tage auch noch die restlichen 5 ihre Zustimmung. New Aork. Oberst Harry C u t l e r, Vorsitzender des' Jüd. Wohlfahrtsbundes, Generalsekretär des ersten Amerik. Jüd. Kongresses, ist im Alter von 45 Jahren verschieden. Cntler wurde in Elisabethgrab (Süd- Rußland) geboren und kam als Knabe nach Amerika. Er hatte bei seinem großen Ansehen Aussicht, in den Senat gewählt zu werden. Kriegsminister Baker verli-h im jüngst die Medaille für ausgezeichnete Dienste. Frankfurter Berichte. Bo« der Religionsgesellschaft. ' Die Jsr. Religionsgesellschaft hatab 1. Oktober das Schulgeld für alle Klassen ihrer Unterrichtsanstalten mit 4M M. festgesetzt. Das dritte Kind zahlt die Hälfte; weitere Kinder einer Familie, die gleichzeitig Die Schule1 besuchen, genießen Befreiung vom Schulgeld. ' Die Gebühr für Stiftung eines Frerplatzes an der Realschule würbe von 5000 auf 10 000 Mk. erhöht. Gegen einmalige Zahlung von 1000 M. wird die dauernde Instandhaltung einzelner Grabstätten besorgt. Die Erträgnisse dieser Neueinrichtung sollen zur Ermäßigung der Beerdigungskosten Minderbemittelter Verwendung finden. Die poluischeu Flüchtlinge. ' Der General-Anzeiger und die Frankfurter--Nachrichten brachten in einer demagogischen, gehässigen Aufmachung einen Bericht über die sich hier aufhaltenden jüdischen Flüchtlinge aus Polen. Die Zahl 4000 ist willkürlich; aber selbst wenn sie stimmt, ist doch bei einer Stadt von einer halben Million Einwohnern das „menschenfreundliche" Geschrei, daß. die Leute Wohnungen weg« nehnien, lächerlich. Ueberdies wohnen die Leute zum größten Teil unter den jämmerlichsten Verhältnissen, oft bis 10 Menschen in einem Zimmer. Auch finden die meisten keine Existenz und ziehen bald weiter. Gerade in der gegenwärtigen Zeit sollte sich die Presse vor oberflächlichen Behauptungen und Uebertreibungen hüten. Historischer Stein. ' Auf den: israelitischen Gemeindefriedhof befindet sich in der Vorhalle ein in die Wand eingelassener Stein vom Jahre 5181 (1420 der üblichen.Zeitrechnung), mithin 500 .Jahre alt. Die eingehauene Schrift enthält den Segensspruch beim Eintritt in den Friedhöf. «ach dem in Frankfurt angenommenen Text. Der Stein war früher im alten Totenhaus Börneplatz,- wo jetzt die Synagoge steht, in die Wand eingelassen uüd wurde vor ungefähr 35 Jahre» auf Veranlassung des Herrn Jsaac M. Mainz durch Herrn Rabbiner Dr. M. H o r o v i tz s. A. an jetzige Stelle verbracht. Der älteste Ahn der Familie L. A- Hahn, hier, erwähnt denselben in seinem.Werke Joseph Aumitz 1617. Eine kleine über dem Stein angebrachte Marmortafel weist darauf hin. ' Personalien. Im Alter von 70 Jahren verschied plötzlich Jakob F r e n k c l, der fick seit Jahren iw ausopferungsvollster Weise altz Mitglied des Pflegeamtes den Interessen des Krankenhauses der Jsr. Gemeinde und als Vorstandsmitglied der Jsr.- Waisenanstalt. $ Kleine Notizen Die Hebräische Sprachschule, Unterlindau 21, nimmt in den Anfängerkurs für Erwachsene gegenwärtig noch neue TeilneMer ^uf. Anmeldungen für die Winterkurse haben im Laufendes Septembers zu erfolgen, i Im Kouserv. Gemeinde verein wird Napht a l i Fromm am Mittwoch nach Sukkaus — 6. Oktober, abends 8% Uhr, Hörsaal Börneplatz —. über „W ege und Ziele konservativer Gemeindepolitik" sprechen. ,! Der Verein Poale Zion veranstaltet ai» 5. Okt. einen liter.-musikalischen Abend mit Ball. (Siche Inserat.) Lehrer und Kantor I. B. L e v y spricht an den nächsten zwei Samstagen anschließend an den Mincha-Gottrsdienst im Talmud-Thora-Berein, Hörsaal Börnevlatz, über die S u ck a n s - G e b e t e. Eingesandt. Ossener Brief. An den Vorstand der Jsr. Religionsgemeinbe, Ossenbach an: Main. Herr Richard L i ch t h e i m, Berlin, hatte die Freundlichkeit, unserer Bitte, vor einem Kreise jüdischer Persönlichkeiten unserer Stabt über die Londoner JahreIkonferenz und ihre Beschlüsse hinsichtlich! Palästinas zu svrechen, stattzugeben. Wir sind deshalb vor einiger Zeit init dem Ersuchen an Sie herangetreten, uns den kleinen Saaz des jüdischen Gemeindehauses für einen -Abend zu überlassen. Sie haben, ohne bis jetzt einen Grund hiersür Ostend-jlpothche Hanauerlandstr. 2 Telephon: H. 2802 Anfertigung der Rezepte fflr sämtliche israelitischen Kassen, ' Spezialität! Bestens bewährter Rasierpuder; hundert Jahren durch den.Patriarchen Juda^11 nach Liberias verlegt worden. " ' ' Ms daher der Tragsessel des Patriarchen sichtbar wurde, wollte das Volk in lautem Jubelruf:»„Es lebe der Nassi!" ausbrcchcn. Aber der erste Blick auf die zusammen» gebrvchcne Gestalt und das todesblasse Angesicht des von der Reise erschöpftest Greises ließ cs verstummen und in dumpfem Schweigen sich dem Zuge auschließen. So geleiteten Tausende die Ankömmlinge nach dem schönen Hause Patrikas, das jetzt, von den Soldaten längst verlassen, zu seinem früheren Glanze wiederhergcstellt war. Wie glücklich machte es Patrika, Mirjam schon jetzt in diese geschmückte Häuslichkeit einznsühren, wo sie bald als Gebieterin walten sollte. Als er ihr dies beim Eintritt zuzuflnstern Gelegenheit fand, errötete sie, aber. ihre Blicke zeigten, daß sie an diesen neuen Umgebungen, die sie nicht so glänzend erwartet hatte, eine hohe Befricdignng fand. t Das Volk bewegte sich wieder freier in den Straße» der Stadt. Jemehr die Perser an den armenisch.-» Bergen hin nach dem nördlchen Teile des Euphrat zogen, fühlte Ul sic, nu? seine Streitkräste zu schwach, um diesen wichtigen Punkt gegen ein so gewaltiges Heer verteidigen zu können. Er zog daher alles an sich, was in Syrien an Truppen irgend entbehrt werden konnte. Auch von der zurückgebliebenen Besatzung zu Scpphoris hatte er vor * einigen Tagen den größer» Teil zu sich befohlen: Der Nest konnte kaum das Kastefl in genügender Zahl besetzen. Die Wachtposten verschwanden aus der Stadt, und so wurden die Synagogen den Bewohnern wieder überlassen. Diese nahmen jubelnd die geheiligten Stätten wieder in Besitz und. setzten in kürzester Zeit alles wieder in den alten Stand. . -' Wer cs war nur eine kurze Rast, die ihneik vergömit war. Hinter jedem Lichte fliegt auch . eiu Schatten dahin. Am Tage nach der Ankunft des Patriarchen langte auch Joseph der Wtrvunige im Kastell von Scpphoris an. Die Vollmachten des Kaisers und die Empfehlungen des Casars bewirkten, daß er wie ein Befehlshaber ausgenommen wurde. Er verschob mm auch die Ausführung seiner schwarzen Entwürfe nicht, lange. Das Maß jeines Rachegefühls war noch lange nicht gefüllt, und sein leid-.nschastlichcs Begehren nach der Tochter des Patriarchen ließ ihn nicht ruhen Da die Besatzung aus Christen bestand, versammelte er diese, ^und suchte ihren Glaubenseifer mit feuersprühenden Worten anzufachen. „Wie?" rief er ihnen zu, „Ihr wollt christliche Krieger sein und lasset die Feinde Christl nnbekümpst und ungestört an den Stätten und in dem Lande weilen, die sein göttlicher Fuß betreten? Sie verleugnen, sie lästern, sie kreuzigen ihn noch heute, und die Waffen ruhen in Euren Händen? Fürwahr, so machet Ihr Euch derselben Sünde schuldig, und bald werden die Heiden an Euren Brüdern, und an Euch die Strafe Noll-! ziehen. Ihr seid Streiter Christi, und so müsset Ihr vor allem dieses Land von seinen Hassern reinigen und Euch zu den Vollstreckern jenes Fluches machen, der über dieses Volk ausgesprochen lovrden, das ihn verstoßen und gepeinigt! Jeder Streich, den Ihr gegen Einen ron diesen führt, entsühnt und heiligt Euch! Auf, es ist keine Z°it zu verliereir, gebet dem Herrn die Ehre! Dann wird sich der Sieg wieder an die römischen Fahnen knüpfen, und Eure Herrschaft bis zu den Säumen der Erde sich dehnen. Reichtum auf Erde» und Herrlichkeit inr Himmel werben Euer Lohn sein!" Mit solchen Reden fanatisierte er die Soldaten. Aller» dings erkannten die- Offiziere' die Gefahren, die ihrem Häuflein bei einem Aufstande der Bewohner dieses Landes drohten. Sie sahen ein, daß zu einer Zeit, wo ein gewaltiger Feind-nicht allzu fern war, Schonung und Milbe allein am Platze wären. Aber schon vermochten sie nicht mehr die wilderrcgten Soldaten im Zaume zu halten, und andererseits imponierten ihnen die kaiserlichen Befehle, welche Joseph bei sich trug. Sie mußten also der Sache ihren Laus lassen. Aber auch Joseph erkannte, daß er mit dieser Schar -nicht viel auszurichten vermöchte, unk» wollte daher die Bewohner von Scpphoris für jetzt mehr kränken als mißhandeln und sich zum unumschränkten Gebieter im Kastell machen. Und Niemand verstand es besser als er, die empfindlichsten Seiten seiner früheren Glanbenbbrüder zu treffen. Wenn er wußte, daß die Juden zum Gowesdienste in den Synagogen versammelt waren, sandte ex Ae lue Trupps v on Soldaten dahin Ms; sie warfen Steine durch die Fenster in die Versammlungen, öffneten die Türen und schrieen Schmähungen und Schimpfworte mitten in die Hymnen, welche die Betenden augestimmt, sie brachen selbst hinein und mißhandelten die Personen, welche sie abwehren wollten. Dies .war den galiläischen Juden etwas ganz Neues. Solche Kränkungen hatten sie nech niemals rriahren. ' Alles, was sie früher gelitten, konnte aufRechmmg des Kriegszustandes geschoben weiden. Aber die Vertreibung und Vernichtung deS Sanhedrin und nun diese täglichen SchmähungenihreS