Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 35 (24.9.1920)
- Date
- 1920-09-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3. ' Nr. 35 C/Jn ttn^erern^aen. Erez Israel BerschiedetkeS. Jerusalem. Die Spitzenfabrik vonSlutzkin, die infolge des Krieges geschlossen werden mußte» wird wieder eröffnet. — - Abraha in Svloiniak, früher Leiter des Russischen Postamts in Jerusalem, ist zum G e n e ra l in sp ekt v r der Post im Südgebiet ernannt worden. — 16 d ein obilisierte Soldaten des Amerika». Jüd. Bataillon haben eine Genossenschaft, für Kleider- Manufaktur gegründet. — Der Jüdische National sw n d s hat im vergangenen Winter nicht weniger als 60000) Bäume pflanzen lassen, ein Werk, das die Grundlage zur Aufforstung P a l ä st i n a s gelegt hat. — Infolge der ungeregelten Einwanderung und der noch nicht genügenden Arbeitsmöglichkeit ist ein Teil der Einwanderer ohne Arbeit. Deutsches Reich. Arbeitsgemeiuschast ver jüdische« Lehr«rverbände und Vereine im Deutschen Reich. Die Arbeitsgemeinschaft berichtet u. a.: Das Rundschreiben an die Gemeinden betreffs Gleichstellung der Religionslehrer mit den Volksschullehrern ist von einer Anzahl "Gemeinden noch nicht beantwortet worden. Bei entstehenden Streitfällen mit den Gemeinden wollen sich die Kollegen zunächst an ihren Provinziälverein wenden, da, durch Rückfragen bei den Vereinen uns unnötige Arbeit verursacht wird. lenserer Eingabe an die Regierung wurde folgende Antwort: „An der Bestimmung, daß aus de» zur Gewährung von Beihilsen fiir leistungsschwache Synagogengemeinden behufs Beschaffung des jüdischen Religionsunterrichts bereitgestellten staatlichen Mitteln nur da Beihilsen gewährt werden können, wo die Zahl der die öffentliche Volksschule Neue.Jüdische Presse. besuchenden Mischen Kinder durchschnittlich 12 beträgt, mutz auch im Hinblick auf die Bestimmungen, der §§. 37, 40 Abs. 2 des Schulunterhaltungsgesetzes festgehalten werden. Tem Anträge am Schlüsse der Eingabe, den Mischen Religionslehrern eine Teuerungszulage aus der Staatskasse zu gewähren, kann schon aus Mangel an verfügbaren Mitteln nicht entsprochen werden." Auf eine weitere Eingabe an das Reichsamt des Innern wegen der Verletzung der Reichsverfassung durch die baycr. Regierung, die jüdische Lehrer von der Anstellung an Simultanschulen ausschließt, ist nnZ bis jetzt noch kein Bescheid geworden. An die preußische LändeSversanimlung wurde eine Eingabe im Interesse der Lehrer an privaten Volksschulen gerichtelttttgors. Sine jüdische Universität in Budapest. ' Ein Gedanke, der noch vor Jahresfrist v on der ungarischen Judenheit mit Entrüstung zurttckgcwiesen worden wäre, steht heute vor seiner Verwirklichung, nämlich die Gründung einer jüdischen Universität Leider hat nicht der freie Wille^ sondern der Zwang der Verhältnisse die Veranlassung zu dem Schritte gegeben, indem die. Universität neun Zehntel der jüdschen Dozenten und Studenten ihre Tore verschlossen hat. Ein Armin Hersch lat bereits eine Million Krone» sofort und 50,000 Kr. Jahresbeitrag gespendet. Judenrein. Ter seit 25 Jahren in Budapest amtierende, ungewöhnlich tüchtige Vizebürgerineister Franz Dort und die langjährigen, gleichfalls verdienstvollen Magistratsräte Vita und Keine uh sind nicht wiedergewählt worden, tvcil sie Juden sind. Litauen. Zur JeschiwauS-Rotlage. Aus einem Briefe der Leiter der Jeschiwoh in 3Io% b o d k a -K o w n o, Rabbiner Baruch Hurwitz und Nissou Jablonski an Hermann Struck« Berlin: . . . Es ist unmöglich, die Notlage, in welcher sich iiuserc heilige Jcschiwah jetzt befandet, schriftlich! zu schildern. Denn infolge des Krieges zwischen den Bolschewisten und Polen flüchteten alle Schüler der Jeschiwoth von Lvmza und Grodno und 50 Bachnrim von ihnen kamen nach Slobodka. Ebenso kehren jetzt die nach Krementschng (Ukraine) zu Beginn des Krieges geflüchteten Schüler unserer Jeschiwah nach Slobodka zurück,, wo schon etwa 15 Volk ihnen angelangt sind, Außerdem sind 40 von ihnen zusammen mit den Lehrern bereits am vorigen Sabbat in Minsk aiigekonimen und werden wahrscheinlich am Roschhaschanah in Wilna sein. Und nunmehr, da sie sich alle bei uns versammeln werden, so werden viel mehr, als .200 Bachnrim bei uns sein außer den Lehrern. Unsere monatlichen Ausgaben nur für Brot und Wasser werden dann t Seppyoris «nd Rom. Mn historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert. Bon Ludwig Philtppsohu. (Fortsetzung.) Mag dieses,TcheriaS seines jetzt hundertjährigen Glanzes beraubt werden: jenseits des Euphrat, in dem Vaterlande unseres Urvaters Abraham, wird die Leuchte um desto Heller aufflackern. Ja, mag mit meinem Haupte das ehrwürdige Patriarchenhaiis zusammenbrechen, das, von, meinem großen Ahn, dessen Namen ich trage, an viertehalb Jahrhunderte eine Grundsäiile Israels gewesen: der Segen, der von ihm, ausging, darf, nicht verloren gehen sür alle kommenden Geschlechter. Als Titus die heilige Stadt bestürmte, ließ Jochanan ben Sakkai sich von seinen Schülern in einem Sarge zu dem Tore hinaustragen' und gründete in Jmnnia das große Lehrhaus, — und die blüden Römer gewahrten nicht, daß, was sie in Zion zu verbrennen glaubten, dort bereits stärker und unsterblicher erstanden war? Jetzt, da sie das Sanhedrin vernichien und den letzten Patriarchen ins Exil schicken wollen: da, meine Brüder, wollen auch wir eine Tat vollbringen, welche den schändlichen Plan unserer Gegner vereitelt." Diese Rede erweckte eine ungewöhnliche Spannung;• jedes Auge hing an den Lippen des Greises. > Nachdem dieser sich etwas gesammelt hatte, hob er von neuen an: „Es ist eine Zeit zu schweigen, und ein: .Zeit zu reden, eine Zeit zu verbergen und eine Zeit zu offenbaren, spricht der weise König. Das Sanhedrin war der Mittelpunkt aller Gemeinden von den vier Säumen der Erbe her, und der Patriarch war das Haupt des Sanhedri». Das war eine große Wohltat sür die »Zerstreuten, die unter unserer Fürsorge in allen Ländern de» Erde groß gezogen wurden. Darum vererbte in nnserm IHanse ein Geheimnis vom Väter auf den Sohn, daß alle Gemeinden in ihrem heiligsten Werke immerfort ans uns hingcwiesen blieben, von uns die Bestimmung der Feste des Herrn von Jahr zu Jahr zu erwarten hatten. Bon Jahr zu Jahr gingen die Botschaften vom Patriarchen ans nach den Gemeinden in Babylonien und Egypten, nach Rom und dein ganzen Abendland, mir ihnen anzukündigen die Tage, an welchen sie sich heiligen sollten dem Ewigen Zebaoth. Ihr wisset es, ich meine das Sod ha-ibbnr, das Geheimnis ■ der Zeitberechnüng für die Feste des Herrn. Jetzt sind die Gemeinden mündig geworden; der Mittelpunkt und das Haupt werden ihnen genommen; so müssen sie für sich allein stehen lernen, frei, selbständig, unabhängig, jede Gemeinde, groß oder klein, ein ganzes Israel für sich. Ich gebe das Erbe meines Hanfes hin'; ich entziehe den ' Abkömmlingen meines Hauses den Vorzug und den Ruhm, den ihnen der Besitz dieses Geheimnisses znsichert,: ich zerreiße das Band, das alle Gemeinden an die Personen meines Hauses unlöslich fesselte, damit die Gemeinden nicht gefährdet und das Heiligtum den Händen der Menschen entzogen sei. ■. . . In der Tiefe meiner Brunst wachte schon lange die Ahnung, daß es so kvinmen weroe, und unter den Sorgen und Kümmernissen meines Alters reifte dieser Entschluß. Ich habe es seit Jahren niedergeschrieben: es ist ein Sendschreiben an alte Gemeinden, das ihnen das Geheimnis offenbart! . . ." Mit flammenden Augen, wenn auch mit zitternden Händen "holte der Greis eine kleine Pergainentrolle aus' der Brusttasche seines Obergewandes hervor, und legte sic auf die Tafel nieder. Dann breitete er die Hände darüber aus und sprach mit leisem Tone: ..Gott segne dich, du nieine Botschaft an mein geliebtes.Volk, und lasse dich hingelangen zum Segen über Berge und Ebenen, über Ströme und Meere, und über allen Wandel der Zeiten. - bis zu den fernsten Küsten, wo das zersprengte und verfolgte Juda einen Herd gegründet und eine heilige Lade allsgeschlagen. . . . Das Werk meines Lebens ist nun vollendet." Er sank, erschöpft in seinen Lehnstuhl zurück. Vatrika' beugte sich über die gefalteten Hände des GreiseS, küßte sie und hielt die heißep Tränen nicht zurück, die auf sie Herabflossen, Da zog Hillel seine Hand hervor, und legte sie ans Patrikas Haupt und sprach: „Sei gesegnet, mein Sohn, Tn giebst die Zijstiininung, und wärest doch der Erbe gewesen." Langes Schweigen beherrschte die Versammlung. Ta erhob sich R. Jose und sprach mit gehobener Stimme: „Vater und Meister, Du hast wohl getan. Tein Name wird für diese Tat mit leuchtenden Buchstaben in das Buch unsrer Geschichte eingetragen fein. Das Sanhedrin gibt Dir in dieser letzten Frage, die Du ihm vorqelegt, seine Zusiinrmung. Es geschehe so, wie Du sagtest, und der Herr segne die Folgen. Aber Eines gebe ich noch zu bedenken. Wenn die Gemeinden außerhalb des heiligen Landes fortan das Geheimnis der - Zeitberechnüng kennen, wenn sie fäfjigjinb, sür alle Zeiten die Tage der heiligen 70 bis 80000 Mark betragen. Woher wird uns Hilfe werden?" Kurze politische Nachrichte«. Warschau. Premierminister Weitos äußerte sich einem Zeitungsverleger gegenüber, das polnische Gesetz stehe auf dem Standpunkt der Gleichberechtigung aller Bürger ohne Unterschied des Glaubens und der Ration, jedoch das Verhältnis der Polen zu ihren jüdische» Mitbürgern hänge von der politischen Stellung der jüdischen Bevölkerung ab. Dieser Bescheid entspricht ganz der Doppelzüngigkeit und Verschlagenheit, au die man sich jetzt .nachgerade bei den Polen gewöhnt hat. Wien. Die Regierung hat entgegen den Absicbten desreaktionären, antisemitischen Rektors Schwind verfügt, daß es bei der Einschreibung ausländischer Studenten bei den bisherigen Vor jchrifren bleibe. Budapest. Bei der Behandlung des Numerus clausus in den Hochschulen sagte in der R a t i o n a l v c r s a in in - l ii n g Bischof Prochaszka, die Juden hätten durch Intelligenz, Fleiß und Lebensfähigkeit da» Ueoergewicht in Ungarn bekommen. Die Hälfte der Advokaten und Äerzte seien Juden, die Literatur sei ganz verjudet, der ungarische Genius wurde dadurch unterdrückt und cs sei daher notwendig, die Inden zurückzudrängen. Jerusalem. David Aellin, Ch. Kalvarisky und'Ben Zw i sind in den R e gi eru » gs ra t berufen worden. Zionistische Nachrichten. New Park. Oberrichter Louis BrandeiS erklärte bei seiner Rückkunft ans England, er werde.seine äußerste Kraft anstrcngen, damit das jüdische Palästina auszebant jverde. i. Bis nach seiner Rückkunft fanden bei R a th. S t r a uv zwei Sitzungen der Exekutive statt, bei welcher Gelegenheit beschlossen wurde, die I a h r e s k o » s e r e ii j »e r A. II. Thyssen Stets Eingang «■T Neuheiten in Tapeten Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke Weissfranenstrasae. Telefon: Hansa 1784. Feste selbst und unzweifelhaft zu bestimmen, — dann werden sie ablassen von dem uralten .Gebrauche, die Feste an zweien Tagen zu, feiern. Mir aber scheint cs' eine ^großc Gefahr, Brauch und Satzung der Väter in diesen Tagen auszuheben. Es möchten Zweifel und Unglauben ihr Haupt erheben und die eine Uebertretung viele andere nack sich ziehen. Gestatte daher, daß wir Deinem Sendschreiben noch ein anderes hinzufügen, worin wir die Gemeinden ermahnen und ausfordern, von dem heilige» Gebrauche nicht abzulassen, ans daß wir nicht einen Stein aus dem Gebäude reißen, das sonst unter den Stürmen der Zeit schwanken und eine» Riß erhalten könne." Rach einigem Nachdenken nickte Hillel mit dem Haupte und sprach: „Es mag so geschehen." So endete die letzte Sitzung des große» Sanhedrin, das niemals wieder erstehen sollte. — Am andern Morgen war im Hause des Patriarchen alles zur Abreise vorbereitet. Am Tage vorher hatte Annion die Stadt verlassen, um unter dem Schutze des Abenddunkels Sepphoris zu erreichen und im Hause Patrikas die' Zurüstungen zum Empfange zu treffen. Fr konnte hoffen, nur von Wenigen erkannt zu werden, und da die Cohorte, in tvelcher der von ihm getötete Soldat gestanden, längst ansgsrückt war, und unter den Bewohnern der Stadt schwerlich ein Verräter sich fand, glaubte er nichts befürchten zu müssen. Alle Mitglieder des Sanhedrin hatten sich im .Hause des Patriarchen versammelt, um ihrem verehrten Haupte das letzte Lebewohl zu sagen und das letzte Geleit bis zu dem Tore von Tiberias zu geben. Tann erst wollte ein Jeder an seine eigene Abreise denken. So vieler Schonung der erschöpfte Greis auch bedurfte, weder er noch sie wollten sich dieses traurigen Abschieds «ntschlagen. Acki, er war nur zu herzzerreißend! Ein Jeder der Genossen trat vor den Greis, drückte mit tränen seine Hand, stammelte einen kaum vernehmbaren Abschiedsgrnß und empfing den leisegeslüflerten Segen des R'ani. Dann wurde der Greis auf e ne bequem einaerichie e Tragbahre' gebracht, die zwischen zwei sanften Maultieren befestigt war. Jedes Maultier hatte einen Führer, der SÄritt vor Schritt es geleitete. Patrjka cröffiiete den Zug, und Mirjam, in dichte Schleier gehüllt, ritt an derScitc ihres Vaters. Dann kamen paarweise sämtliche Mitglieder des Sanhedrin, und an sie schlossen sich die Vorsteher und Beamten der Stabt und die Hausleute des Patriarchen mit oen R •*-- tieren. So ging der Zug durch die Ndbcnstrißr''