Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 34 (17.9.1920)
- Date
- 1920-09-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34. Seite 3. ^Wäsche-Ausstattungen Spezialität: Herren*Oberhemden nach Maas Defekte Wäsche wird sorgfältig repariert. Frankfurter Gross-Weissnäherei Langeatrasae 18, Hinterbau. :: Tel.: Römer 5308. Milcli, die mir hier nicht kriegen, und später durchstreiften wir Jungens die Waldungen, suchten Erdbeeren und Himbeeren und kollerten dann beim Suchen oft den Anhang hinunter. Und am Schabbos hatten die Großeltern viel Zeit. Großvater holte ein Chumisch bei und lernte mit mir, später nahm »mich Großmutter auf ihren Schoß und erzählte mir Märchen, oder sie schilderte mir gemeinsam mit dem lieben Großpapa frühere Zeiten. Da standen in Schul neben dem Chasscn zwei Knaben, die abwechselnd mit ihm sangen, das war schöner als der beste Chor bei uns. Und dann gab's „Schuleklopper", die von Haus z>l Haus gingen und die Leute zum Schulengeheu herbeiholten. Und nun" — dicke Tropfen perlten dem Kleineri aus den Augen — „ist alles aus. Großmutti ist beim lieben Gott, und ich kann zu den Ferien nicht mehr hin, und —" „Nicht anfregen, mein Liebling, geh ein bischen vor, wir tommen nach. Sehen Sie, mein, lieber Freund, das ist eine tiefe Wunde, die mir das Kind eben ausriß. Lange kränkelte ineine gute Frau, und ivir ivollten und wollten es nicht glauben, daß ein ernstes Leiden dahinter steckte. - Im letzten Jahre — gerade war unser Enkel während seiner Ferien bei uns — war es an einem Schabbos, daß ihr Zustand sich verschlimmerte. Tag und Nacht >oar ich um sie, auch der kleine Jaeob wollte nicht von ihr A.m.Thpsen Stets Eingang MT Neuheiten in Tapeten aWI Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke Weiasfrauenstrasse. Telefon: Hansa 1784. {Beue Jüdische Messe. weichen. Da— das Kind war inzwischen hinausgegangen — ergriff sie plötzlich meine Hände, legte ihr Haupt an meine Brust, sah mich dankbar an, — und langsam, ganz langsam schlief sie ein, um — nicht mehr aufzuwachen. Unter ihren Papieren fand ich ihren Wunsch, worin sie mich bat, nicht allein zu bleiben, sondern zu den Kindern zu ziehen. So gab ich denn zu Hause alles auf und zog hierher. Nun sind wieder Ferien — diesmal verbringe ich sie hier mit meinem kleinen Enkel, bis für mich die große Erholungszeit herbcikommt, die mich dann mit meiner guten Frau vereint." Ergriffen reichte ich dem Greis die Hand. Wenn allen Kindern während ihrer Ferien Gelegenheit geboten wäre, solch wahrhaft jüdische Heime kennen zu lernen, dann könnten sie ans diesen reinen Quellen Edles, Schönes und Großes für ihre fernere Zukunft schöpfen. Das Gelübde. Ein jüdischer Kurgast in Sauerbrunn erzählt in der Budapester Zeitschrift „Mult es Jövö", daß am Samstag Abend bei Tisch ini.jüdischen Restaurant ein Gast, von dem er ivutzte, daß er jüngst Katholik geworden >var, unausgesetzt nach dem Himmel schaute. Er fragte ihn daher »ach dem Grunde und der Täufling erwiderte: „Ich möchte eine Zigarre rauchen und warte nur, bis drei Sterne am Himmel sichtbar werden und man schon rauchen darf. Wissen Sie, mein Herr, ich habe es meinem Vater auf seinem Sterbebett gelobt, während meines ganzen Lebens am Samstag weder zu fahren noch zu rauchen, lind dieses Gelübde halte ich unter allen Umständen." „Schade", meinte der Frager, „daß Ihr Vater Sie nicht auch geloben ließ, daß Sie während Ihres ganzen Lebens sich nicht taufen lassen werden." Literarische Rundschau. 8rzShlu»ge» vo» H. Slnstädter. (Verlag von Sänger u. Friebberg, Frankfurt a. M. 1820. Preis elcg. geb. M. 8.) » Der als Jugendschriftsteller rühmlich bekannte Verfasser hat in dem vorliegende» Büchlein Erzählungen veröffentlicht, die sich seinen früheren würdig anschließen und die die Jugendliteratur um eine nützliche Gabe bereichern. Das neue Bändchen enthält 10 Erzählungen» in denen sich das ernste Streben des Verfassers kundgibt, das jüdisch-religiöse Leben zu kräftigen und das Gemüt der Kleinen jüdischem Sinne zu beeinflussen. Die Svrache ist einfach und leicht. Manche dieser Erzählungen dürsten auch geeigneten Stoff zum Borlesen für die Kinderstube bieten. Zweifellos lvird das Büchlein, wie die Moderne MnißiGl keinen Anstrich n. Lackierung fährt preiswert aas. miymvamSfa i ... — Ia. Referenzen. ■■ "W*. BeoKer Huchatiaaae 59. Tel. H. 8888. Prämiiert Dasseldorf 1902 Atelier Schäfergasae 15. früheren Veröffentlichungen des Verfassers, in allen Kreisen, die für die Jugendliteratur Interesse haben, Anklang finden und unserer Jugend Freude bereiten. il. Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz. (4. Jahrgang 1919/20. 276 Seiten und Abbildungen. 3 Frcs. Basel, Verlag des Jüdischen Jahrbuches.) Das Jahrbuch kam uns diesmal sehr verspätet zu, — doch der Wert seines mannigfaltigeu belehrenden und auch unterhaltenden Inhalts ist ein dauernder, und so hat der Name „Jahrbuch" durchaus nichts zeitlich Begrenztes an sich, ebenso wenig wie die Schweiz die örtliche Grenze für seine Verbreitung sein sollte, schweizer und in der Schweiz lebende Juden haben zum größten Teil das Geistige dieses Buches vollbracht und Zeugnis dafür abgelegt, daß jüdisches Wissen und jüdisches Gefühl auf dem Schweizer Boden noch eine Stätte haben.. Die methodische Entwicklung der Talente und des Eenies. Von Dr. Alfred Hock. Leipzig. Akademische Berlagsgeseklschaft.) Dies Werk greift in intereisante kulturphilosophische und pädagogische Zusammenhänge and verfolgt eine Theorie, die, aus physiologischem Geiste geboren, dennoch ihr Augenmerk ans das Geistesleben, überhaupt gerichtet hat. Der Verfasser, anscheinend Arzt, leitet aus höchsten Prinzipien seine Lehre von der großen Leistung ab. Prinzipiell ist der erste Teil: ,/Die -biologischen Grundlagen der großen Leistung", .«ie sind subjektiv, als „Determinationsfaktoren", objektiv als „Realisatsns-, saktoren", aus .ihrer Wechselwirkung entstehen „Tätigkeit", „Anpassung" und als kompliziertere biologische Form „Der Kamp; ums Dasein". Ans diesen Prämissen ergibt sich in psychologischer Konsequenz seine Lehre von der methodischen Entwicklung der großen Leistung. Hier verbinden sich physiologische, biologische und psychologische Betrachtungsweise. Zwer kleinere Kapitel „Weltanschauung und große Leistung" und „Erziehung zur großen Leistung" beschließen das Werk. Von einer philosophischen und vor allem vjychologischen Kritik sehen wir an dieser Stecke ab, ebenst» von dem Versuch, die reichen Einzetneiten des Werkes Wocheabett-Ansstattaagea Hugo Rothschild Langestrasse 35. Telefon Hansa 9926* Sepphorts mrd Rom. Ein historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert. Bon Ludwig PhUihpsoh«. Fortsetzung.) Wo es keine Streitigkeiten gab, wo Frieden und Eintracht herrschten, stellte er Untersuchungen über die Zustände der öffentlichen Anstalten an. und rief überall Hader und Parteiung hervor, ans denen er Vorteil zog. Endlich trat er im Namen des Patriarchen geradezu mit Geldforderunge» aus, die ihm auch selten verweigert wurden. So zog er von Ort zu Ort im ebenen wie im rauhen Cilicien, brandschatzte die Gemeinden in immer frecherer Art und ließ Unruhe, Zwistigkeiten »nd Zerrüttungen überall hinter sich zurück. Es war natürlich, daß die Gemeinden endlich dahinter kommen mußten, daß ein allgemeiner Mus der Unzufriedenheit und des Widerwillens ertönte, und man zuletzt an de» Patriarchen Boten sandte, welche das Verfahren seines Sendlings in all seiner Häßlichkeit schilderten. Hillel war tief davon erschüttert und'sehr kummervyll^ er nahm den Auftrag für Joseph zurück und richtete an diesen ein Schreiben. Doch Joseph fuhr in seinem Treibe» fort. So mußte sich endlich der Unwille gegen ihn selbst i» Tätlichkeiten Luft machen; an vielen Orten, jagte man ihn fort, bisweilen mißhandelte man ihn, und als er eines Tages am Ufer des Kydims bei Tarsus spazieren ging und auf zwei Söhne einer von ihm gänzlich ruinierten Familie stieß, ergrisseu chn diese und warfen ihn in den kleinen, aber wilden Strom. So weit hatte er eS' bringen wollen, und mit durchnäßten Kleidern eilte er in den Palast des Bischofs von Tarsus,, vorgebend, daß er schon lange nach der Lehre Christi verlangt habe und die Juden ihn deshalb verfolgten und mißhandelten. Er wollte als ein Märtyrer in die Pforten der Kirche einziehcn. Der Bischof nahm ihn mit Freuden auf und ciüejj die strengsten Strafandrohungen an die Juden, wenn sie seinen Schützling belästigen würden. Ein Schrei des Entsetzens über bas Unerhörte, Niedagewesene ging durch alle Gemeinden des Landes. Aber es sollte noch schlimmer kommen. An der Küste des rauen Cilicien liegt auf einer Landspitze eine Hafers- " stadt Korykus. Hinter derselben erhebt sich ein steiler, durchklüfteter Berg, aus dessen Seiten mehrere Bäche hervorbrechen. In der Mitte des Berges senkt sich tief in dessen Inneres eine Felshöhle, in weickie mehrere dieser Bäche znfmnmenströmen, n'm in wildem Laufe hindurch znstürzen. Die Felswände zittern immerfort von dem gewaltigen Falle der Gewässer, und ein lautes Tosen erfüllt den Raum der Höhle, in welche das Tageslicht nur schwach durch einige Spalten hineindringt. Der Heiligenschein der Sage umgab seit ältester.Zeit die korycische Höhle, in welcher früher ein heidnisches Orakel seinen Sitz gehabt. Hierhin zog sich der heimtückische Joseph zurück, um mit dem Glanze des Martyriums auch den Schein der Heiligkeit in den Augen des christlichen Volks zu vereinigen, und brachte einige Monate in dieser Höhle in völliger Einsamkeit, scheinbar mit Gebeten und Bußübungen beschäftigt, zu. Als er endlich wieder hervortrat, gab er vor, daß ihm Jesus in eigener Person wiederholt erschienen sei und ihn aufgefordert habe, nunmehr öfsentlich vor allem Volke ihn zu bekennen. Auf dem Markte von Korykus hielt er seine erste Rede an das zusammengelaufeno Volk, schilderte die Verfolgungen, die er erlitten, die wunderbaren Erscheinungen, die er gehabt, so daß eine fanatische Begeisterung sich der Menge bemächtigte, die sich alsbald ans die Häuser der Juden stürzte, um an ihnen die ihrem neuen Heiligen angetane Ilnbill ustd die Schmäbnngen zu rächen. In solcher Weise hielt der Abtrünnige, wie die Inden ihn jetzt nannten, einen abermaligen Zug durch das Land, indem er überall von den Gemeinden große Summen erpreßte, wenn er den Pöbel nicht gegen sie hetzen sollte. Zugleich richtete er ein aussührliches Schreiben an den Kaiser Constantius, in welchem er mit den grellsten Farbenseine Schicksale schilderte, und die Gnade, die ihm seinen Verfolgern gHenüber widerfahren, und ließ sich alles Dieses von den Bischöfen der Provinz bezeugen und bestätigen. Der Kaiser empfahl ihn dem Cäsar Gallus, der ihn in Asien vertrat, und gewährte ihm, sich eine Gnade auszubitten. Joseph verlangte nichts Anderes, als — eine Vollmacht, in den Städten Galiläa's Kirchen erbauen zu dürfen, obschon es in diesen noch gar keine Christen gab. Ec erhielt sie und gewann zugleich die Gunst des Cäsars in vollem 'Maße, der in ihm^einen klugen Ratgeber erblickte, um seinen Glmrbenseifer gegen - die Juden betätigen zu können. So vgjieß Joseph der Abtrünnige den bisherigen Schauplatz' seiner Taten und eilte dem Gallus nach Liberias voran. Jetzt hatte ihn Mirjam wiedergesehen, und erzählte Patrika alles, was sie von ihm wußte. 10. Am andern Morgen fanden sich die Bewohner von Tiberias in trauriger Weise überrascht. Während der Nacht war unerwartet eine bedeutende Schar römischer Soldaten eingerückt und hatte das weitläufige Gebäude der Proscuche besetzt. Niemanden aber von den die einzelnen Räume bewohnenden Insassen hinausgelassen, um Jettie Unruhe und Störung während der Nacht in der Stadt zu veranlassen. Als am Morgen das Volk in die zu den Gebetversammlungen bestimmten Säle eingehen wollte, fand es die Türen verschlossen und voir zahlreichen Wochen umste lt, die in voller Kriegsrüstung den Eingang verwehrte«. Als die Mitglieder des Sanhedrin in den große« Sitzungssaal zu ihren Beratungen eintreten wollten, fanden sic die Türen verschlossen und von zahlreichen Wache«: umstellt, die ihnen den Eintritt verwehrten. Der Kriegstribun erklärte Rabbi Jose, dem Borsitzenden, daß in den nächsten Tagen der Cäsar Gallus nach Tiberias komme» und eine Zeitlang dort residieren werde, und da in der ganzen Stadt kein Gebäude vorhanden sei, das den Mitkaiscr würdig aufnehmen könne, so sei hierzu die Proseuche bestimmt worden, und es läge der Stadt ob, iwch heute die prächtigsten Hausgeräte, die aufzufinden, herbeizuschaffen, um damit die Räumlichkeiten angemessen auszuschmücken. Vergebens verwies auch hier Rabbi Jose aus die kaiserlichen Privilegien, nach welchen alle gottesdienstlichen Gebäude der Juden ^cnd die Wohnungen ihrer Vorsteher unantastbar und von allen Auslagen befreit sein sollten: der Kriegstribun berief sich aus die chm gegebenen Befehle. Das Volk war von Entsetzen ergriffen, denn es sah darin nicht nur den an ihm verübten Raub, sondern muß eine Entweihung seiner Heiligtümer, und fühlte im Boraus, daß auf solchen Schlag noch andere, noch schwerere, folgen müßten. Die Sanhedristen eilten zum Patriarchen. Obschon dieser von dem erwarteten Eintreffen deS Cäsars nichts Gutes erhofft hatte, war er doch gerade von d«ser Maßregel betrogen. Aber im Bewußtsein seiner Pflicht, Alten an Besonnenheit und Ruhe ooranzugehen, faßte er sich, ließ sofort in seinem Hause einen geräumige« Saal einrichten, damit der hohe Rat seine Sitzungen halten könne, und sandte nach den angesehensten Einwohnern der Stadt, um in verschiedenen Teilen derselben kleinere. Räume zu Gebetversammlungen herzustellen.