Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 34 (17.9.1920)
- Date
- 1920-09-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Lea Statt KiusUerspiele Kaiserstraase 69. Beginn 8 Ubr. Tel. Hansa 5516. Hantis-Weinrestaurant den ganz. Tag ceBffnet ab 10 Ohr morgens. Warme Kflclip. *W zu erschöpfen. Interessant und sich vielen früheren ähnlichen Versuchen anschließend bleibt die ganze Auffassimg -des menschlichen Bewußtseins und . auch der höheren psychischen Erscheinungen: gleiche Gesetze beherrschen den menschlichen Geist und seine Erscheinungsformen wie anorganische Jüatur und belebte Welt- Hier ordnet sich bas Werk einer schon längst geschichtlichen aber immer wieder -zeitgemäßen soliden Philosophie von der Einheit des Universums ein. ' H. Weyl. Eingesandt. Wien, 1. September. . Jacob Rosenheim, der Leiter der Agndas Jisroel, sprach in-der hiesigen Ortsgruppe vor einem zahlreichen Publikum über „Was ist uns Erez Jsroel"?; Wer zu dem Vortrage gekommen war, um die oratvrische Leistung eines Meisters der Beredsamkeit zu bewundern, der ist völlig auf seine Kosten gekommen. Fa gewohnter Eloquenz floß der Rede Strom etwa eiimndhalb Stunden in aus- und absteigenden. Wärmegraden der Begeisterung; so manchen Schatz aus' dem Arsenale seines großen Wissens hob der Redner empor, um ihn vor den an seinen Lippen hängenden Zuhörern leuchten zu lassen. Wer aber gekommen war, innerlich getrieben vom Durste nach Wahrheit, nach Aufklärung, nach einer Direktive, wie man sich in einer der weitaus wichtigsten Fragen des zeitgenössischen gesetzestreüen Judentums zu verhalten habe, dem bot Redner eine Enttäuschung. 'Die Frage nämlich, ob den Bestrebungen zur Ausgestaltung der in Erez Jisrvel vorhandenen und in weitaus größerem Maße noch zn schaffenden Einrichtungen im Geiste der Tradition besser gedient ist im Rahmen des feit langem und mit Erfolg wirkenden „Misrachi" in Anerkennung und unter Berücksichtigung der tatsächlich bestehenden Macht- Verhältnisse oder aber unter der derzeit noch legendären Einwirkung der „Agndas Jisrvel", diese Kernfrage hatte Redner mit.keinem Worte berührt. Die Enttäuschung darob war eine nachhaltige und ließ in den Herzen der Zuhörer ein Gefühl des Unbefriedigtseins zurück, wohlgemerkt, in den Herzen derjenigen, die sich von den Ausführungen.des Agudas-Führers neue Rührung für ihre Hinneigung zur Agudas versvrachem. Denn diejenigen unter den Anwesenden, die aus Seite des „Misrachi" standen, mußten innerlich gestärkt und erhoben. hin': Idul Dmili-IeHlSmips. .Bergeretrasse 149. H. 4612. W ■ottenvernichtuna unter Garantie. Ti aus den Worten des Redners einen: neuem. Ansporn herleiten, um auf dem richtig erkannten Wege , zu beharren und mutig weiterzuschreiten. Denn wenn ein so begabter Redner, ein so bewährter, geistcsgewandter Kämpe, — zumal nach der eben stattgehavten Aguda-Tagung in Preßburg, wo doch gewiß alle Momente, die einer Aguda-Ägitation förderlich sein tönnteu, behandelt wurden — über Erez Jisrvel nichts, aber rriu nichts zu sagen wußte als' Binsenwahrheiten, als Wahrheiten, die aus der Rüstkammer des „Misrachi" herausgehoit scheinen, daß uns Erez Jisroel teuer sein müsse, daß, wir mit allen Mitteln bestrebt sein müssen, gesetzestreüe Elemente in je größerer Zahl nach dort zu verpflanzen und dgl , so zeigt dies eben prägnant, daß der „Misrachi" alten Grund hat, sich in seinen Bestrebungen in keiner Weise beirren zu lassen. Uno auch nur dort, wo es sich um diese einfachen Wahrheiten handelte, war die Kette der Ausführungen des Redners gradlinig und logisch; dort aber, wo es galt, von den gegebenen Premisseir die Schlußfolgerung zu ziehen, mußten die Gesetze der Logik beiseite geschoben werden, und der Redner verflieg sich in Widersprüche, die dem aufmerksamen Zuhörer schwer entgangen.sein dürften. Es würde zu weit führen, diese Widersprüche samt und sonders aufzudccken; zum Exeinpel sei bloß einer hervorgehoben. Was soll man dazu sagen, wenn der Redner aus der einen Seite die große, überragende Bedeutung der San Remo-Errungenschaft — der Name Sau Remo, der dem Redner offensichtlich aus den Lippen schwebte, wurde allerdings nicht genannt — in den nachhaltigsten Worten zu würdigen nicht unlhin tonnte, im nächste» Augenblicke de» Wert dieser Errugenschaft wieder in Zweifel zog in Erwägung dessen, daß die Zukunft verhüllt sei und wir nicht wissen könnten, ob dieses Ereignis zu unserem Glücke oder unserem Unglücke ausschlagen werde. Wahrlich wollten wir an alle Geschehnisse diesen Wertmesser anwenden, so müßten wir immer die Hände fatalistisch in den Schoß legen! Die Ausführung des Vortragenden konnte im übrigen nur als Warnung ansgesaßt weiden, auf diesem fchwaN.cn Grunde weiterzubauen und einen Jischub größeren Stils in Erez Jisrvel entstehen zu lassen — und doch ertönte wieder im übernächsten Augenblicke die Forderung nach einem Jischub unter der Führung der Azuda! Dies sind geistige Purzelbäume, die man einem Jakob Rosenheim eigentlich nicht zngemutet hätte. Sic eunt faia hominum, wenn man eine Sache, zu vertreten örmüssigt ist, die dem einfachen, geraden Sinn zuwiderläuft. Und noch eins: unsere Thora lehrt uns, daß man selbst von Mizri das Gute anerkennen solle, daß man niemandem, der begründeten Anspruch darauf hat, den gebührenden Dank und die Anerkennung vorenthalten dürfe. Es wird dem gesetzestreüen Empfinden, und,man mag in welchem Ldgcr immer stehen, keinerlei Abbruch tun, wenn man anerkennt und zugibt, daß die zionistische Idee und Organisation es gewesen ist, die der Wiedererweckung Erez Jisroels die Bahn gebrochen hat, und es ist nicht recht, dies durch rednerische Floskeln zu verhüllen. Wir er. .blicken gerade in der zionistischen Bewegung das Walten der Vorsehung, die alle Teile des jüdischen Volkes zusammenfassen will, um jedem Gliede dess lbcn zn seinem Anteile an dem heiligen Werke beS Wiederaufbaues Erez Jisroels zn verhelfen. Ga. .KU ypvrujiuua . -SSrstklaasigeg Famülen-Kaffe e Täglich von 4 Uhr ab: Künstler - Konzerte am Opernplatz Letzte Berichte. . Wien. Die dem General Petljura unterstehenden ukrainischen Kosaken üben in Ostgalizien furchtbare Schandtaten gegen die Juden aus, wie sie nur einer vertierten Soldateska möglich sind. Jn Bolszowce wurden 21 Juden ermordet, in Halicz 16, in Bursztyn 11, in Bukaczowce 24, in Glinianka 12 usw. usw. Frauen und Mädchen werden geschändet. Zahlreichie Fälle sind vorgekommen, in denen die Untiere aus sadoistischer Wollust Juden verstümmelten, ihnen Goldzähne aus dem Munde rissen usw. In Bukaczowce verlangten die Kosaken von dem greisen Rabbiner und seiner Frau ihre Tochter, und als diese ihnen verweigert wurde, hieben sie auf die alten Leute mit ihren Säbeln ein und verwundeten ' sie lebensgefährlich. Die Verantwortung für die Scheußlichkeiten der Ko-' saken trägt die polnische Heeresleitung, die die Kosaken'jetzt in Ostgalizien stationiert hat. Aber auch seitens polnischer. Soldaten und Felbgendannen kommen täglich Bestialitäten gegen das jüdische Freiwild vor. Neustadt (Oberschles.). Kommerzienrat Emanuel Fränkel, Ehrenbürger der Stadt Neustadt, ist im 78. Lebensjahre v e r s ch i e d e n. Lissa. Carl Kretschmer, der verdienstvolle Vorsteher der jüdischen Gemeinde, ist plötzlich verschieden. Berlin. Durch den Tod des Kommerzienrats Sieg - mund Pincus, Vizepräsidenten 8er Aesiesten her Kaufmannschaft, hat der Getreidehandel und das Bankgeschäft Berlins einen .hervorragenden, sich höchster Slchitüng erfreuenden Vertreter verloren. Oiienbaclier Druckluft-Anlage Offenbach a. .Telefon 123. Unübertroffene Teppichreinignng mittelst Druckluft Woche»-A»leitder. Samstag, 18. Septbr. (6. Tischri). Sabbat-Anfang in Frankfurt 6 Uhr. Ostend - JlpotheRe Hanauerlandstr. 2 Telephon; H. 2802 Anfertigung der Rezepte für sämtliche israelitischen Kassen.; Spezialität! Beatens bewährter Rasierpuder. Nach war man hiermit beschäftigt, als der Kriegstribun bei dem Patriarchen erschien und ihm einen Erlaß des Cäsars einhändigte. Hillel konnte kaum die Kraft finden, das Siegel zu lösen, denn er spürte, daß ans diesem Pergamente das Schicksal seines Volks auf lange Zeit hin in traurigster Weise entschieden sei. Endlich eröfsnete er es, fein Blick fuhr darüber hin, — das Blatt entfiel seiner Hand, und er sank ohnmächtig in den Lehnsessel zurück .... Der Erlaß deS Cäsars Gallus begann mit den hef- . tigften Schmähungen gegen die Juden. Er nannte sie Gottesleugner und Rebellen; Gottesleugner, weil sie Jesum, den Sohn Gottes, verleugneten, und Reellen, weil sie, dem Willen des Kaisers zuwider, ihrem alten Aberglauben nicht entsagen wollten. Er forderte sie ans, in kürzester Zeit reuig und bußfertig sich unter dem Zeichen des Kreuzes zu sammeln, oder der härtesten Maßregeln gewärtig zu sein. Um «wer die Axt an die Wurzel zu legen, befehle er hiermit wie folgt: Das Sanhedrin ist «mi ewige Zeiten ausgelöst und darf sich von jetzt «w an keinem Orte des römischen Reiches wieder versammeln bei augenblicklicher Todesstrafe Aller, die daran Teil n«chmea. Die Mitglieder des jetzigen Sanhedrin hätten sich Linnen zweier Tage sämtlich ans Liberias zu entfernen, und es dürsten an keinem Orte mehr als zwei sich fernerhin zu gleicher Zeit-aufhalten, bei Strafe der Einkerkerung auf jedes Zuwiderhandeln. Hierzu fügte Gallus hinzu, daß niemand wagen solle, vor chm zn erscheine»«, um etwa Gegenvorstellungen oder auch nur Bitten vorzutrageick, Schon der Versuch hierzu solle mit Kerker gestraft wekden, denn die Beschlüsse seien unwiderruflich. Als dieser grausame Erlaß den Mitgliedern des Sanhedrin mitgeteilt wurde, brachen alle in Jammern mrd Wehklagen aus; sie zerrissen ihre Kleider, sie rauften sich doS Haar aus, und eine unsägliche Verzweiflung bemächtigte sich aller Gemüter. Und wie die Unglücksbotschaft sich von Mund zn Mund unter dem Volke verbreitete, ertönte Klagegeschrei in der ganzen Stadt, man trauerte, betete, fastete: man streute Mche aus das Haupt und kleidete sich in Trauergewänder. Man umlagerte das Hans des Patriarchen; um irgend eine wertere Kunde zu erhaschen; man stand in Gruppen auf den Straßen zusammen und teilte sich fernen Kummer und seine Tränen mit. " Was sollte man aber tun? . . . In ernstem Schweigen standen 'die römischen Legionäre in Rech und Glied «ms dem Platze vor der ProseuchejDL Schwerter in der Faust, die Pfeile auf dem Bogen, die Schilde vor der Brust, um dem geringsten Anlauf zu Widerstand und Tumult mit aller Kraft zn begegnen. Als daher wirklich unter den jünger» Männern der Ruf sich erhob: dies dürfe man nicht dulden, man müsse das Sanhedrin mit seinem Leben ve» ieidigen, man dürfe kein Mitglied desselben aus der Stadt lassen, und jede Gewalt der Römer mit gleicher Gewalt zurückweisen; als sich bereits einige Jünglinge bewaffnet zeigten und sich zusammenrotteten; als infonders ein Schrei der Wut sich erhob, wie man in der Mitte der römischen Cohorten den wohlbekannten Joseph den Abtrünnigen erblickte, der, ein Kreuz in der Hand, den Vorübergehenden Worte des triumphierenden Spottes zurief, — da eilte Palrika durch die Straßen der Stadt, trat überall zu den versammelten Haufen und sprach zu ihnen die Worte der Wmahnung und der Beruhigung, Er feuerte mit begeisternden Worten ihren Mut an, bestärkte sie in den Gefühlen des Zornes und der Rache, ermunterte sie zn Widerstand und Kampf, — noch aber sei die Stunde nicht gekommen, noch der Feind zu' übermächtig und sie völlig unvorbereitet; jetzt sei es sicheres Verderben, wenn man sich widersetzte. Diese Reden fanden Wderhall in allen Herzen. Patrika war zu sehr Mrnn des Volkes, dachte und fühlte zn sehr wie dieses selbst, als daß nicht seine Worte Gehorsam, lauten Zuruf, Versicherungen und Gelöbnisse hätten finden sollen. Das Sanhedrin war versammelt, und . der Erlaß des Mitkaisers ihm verlesen worden. Entsetzen und Verzweiflung hatte sich aller Herzen bemächtigt, und alle saßen stumm und in sich versunken auf ihren Stühlen, während Diesem und Jenem Tränen aus den Augen quollen und über das gramdurchfurchte Angesicht flössen. DaLffnete sich die Saaltüre, und der ehrwürdige Patriarch wurde auf seinem Lehnsessel hereingetragen und am Ende der Tafel niedergelassen. Patrika und Amnon standen zu beiden Seiten. Ter Greis hatte seine bewunderungswürdige Fassung wieder erlangt, und wiewohl der tiefste Kummer aus seinem Antlitz und ans seiner hohlen Stimme sprach, war doch eine ruhige Haltung über ihn ausgegossen. Er hob an: „Meine Brüder! Abermals ist eine schwere Zeit der Prüfung stber Israel hereingebrochen, und die letzte der drei Kronen, welche die Hand deS>>Herrn auf dessen Haupt gesetzt, soll — doch nein! Die Krone des Königtums ist zerbrochen, die Krone des PrißAxrtums in den Staub gefallen, aber vergebens strecken unsere Feinde die verbrecherische Hand aus, die Kröne derheiligenLehre her-. nnterzureißen: sie wird feststehen auf dem Haupte Israels« und leuchten durch alle Zeiten, wie grausam auch! das Geschick seiner Kinder sein möge. Ja, meine Freunde, wir werden in Verbannung ‘ und Elend geschickt; meine Füße wollen nicht mehr voran, und sie sollen noch die Pfade der Verbanimng wandeln, meine Augen nicht mehr sehen, und ihre Tränen sollen aus das Land der Verbannung fließen, und. ich soll mein Haupt nicht niederlegen an dem-Orte, wo cs meine Väter getan. Doch vertrauen wir auf das Wärt unseres Gottes: „An jedwedem Orte, .wo ich-dich meines Namens gedenken lasse, werde ich zu dir kommen und dich segnen." . . . Und in dieser felsenfesten Zuversicht lasset uns jetzt beraten, was in dieser Bedrängnis zu tun sei." Das Wort des Greises wirkte belebend auf alle Zuhörer. Wußten sie doch, daß sein Teil der schwerste und trübste sei, während ihnen noch bessere Tage kommen konnten. Es wurden verschiedene Vorschläge gemacht. Ein jüngeres Mitglied schlug einen feierlichen.Protest vor mit Berusimg auf die kaiserlichen Edikte, welche Schutz und Gewähr verhießen- Dies wurde aber verworfen, weil doch, damit nichts auszurichten sei, und man mit diesem Dokumente hülfloser Schwäche den Feinden doch! nur Gelegen-' heit zu desto Lrötzerer Verhöhnung gäbe. Bon einer andern Seite' wurde eine Deputation an den Kaiser vorgeschlagen. Aber man kannte Constantius zu gut, um sich etwas von ihm zu versprechen, und begnügte sich, zwei Mitglieder deS Sanhedrin, welche die Absicht hatten, sich! nach Rom zu wenden, wo sie bei der dort ansässigen großen Gemeinde Schuh und Wirksamkeit zu finden hoffen durften, damit zubeauftragen. Alles was sie vermöchten zu versuchen. Nach längeren Verhandlungen, welche die Trostlosigkeit ..der Lage nur noch mehr offen legten, begann der Patriarch von Neuem: „Ihr sehet, meine Brüder," sprach er, „daß. wir mit allem diesem zu keinem Ziele kommen. Merkes bedarf einer Tat, ja. Genossen, einer Tat, welche wir dem ' vernichtenden Werke der Römer entgegensetzen. Mögen diese, die Bedeutung derselben zn würdigen wissen oder nicht: sie muß geschehen. Die Römer wollen einen verderblichen. Schlag gegen unsere Religion ansführen: wir müssen diesen Sch.ag parieren, mit her Faust des Geistes müssen »vir ihn von dem Haupte äbwenden, auf das er fallen will: Nicht uns, nicht unsere Personen und unsere Sicherheit müssen wir in's Auge fassen, die werden, schon Rettung finden, aber das , Heil der Thörah und unseres Volkes. (Fortsetzung folgt.)