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Neue jüdische Presse · 1920-09-17 · Heft 34 (17.9.1920) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 34 (17.9.1920)
Date
1920-09-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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•Seite 2. * «enr Mützht Mesft. fit. 34. FAUL «TOBICffS KÖfSTLEBSPIELE 7V* Uhr. (Eldorado) „Vornehmes Familien 71/» Uhr. ■Kabarett** Deutsches Reich. Danzig als AuSwauderuugShafeu. Die gegenwärtigen politischen Verhältnisse haben an Stelle von Hamburg und Bremen Danzig zu dem Hafen für die Auswanderung der Ostjuden gemacht. Zwei neugegründete jüdische Gesellschaften ,/hias" (Hebrew Jmmigra- " tion Aid Society) und „Joint Distribution Committee" leisten die notwendige Arbeit. Mr alles ist durch diese Institutionen Vorsorge getroffen. Da gibt es Paßabfertigung Lurch das amerikanische Konsulat, Niederlassungen zahlreicher Dampferfirmen, Vertaufshallen und Reparatür-- werkstätten für Kleider und Stiefel, auch Kino, Photograph, Lanzsaal und selbstredend auch Synagoge. Seine schöne Lage hebt dieses Auswanderüngslager hoch empor über die früheren in Hamburg, Antwerpen usw. Dort meist hohe Härter, in denen die Auswanderer dicht zusammengepfercht und ohne viel BewegungsmSglichkeit die Zeit bis zur Abfahrt verbringen mußten. Hier alles licht und luftig und so geräumig, daß namentlich für die zahlreichen Kinder reichjlich Gelegenheit geboten ist, sich luftig umhttzutummeln. Die.Ernährung der jetzt durchschnittlich 2000 Köpfe täglich lausmachenden Belegschaft des Auswanderungslagers wird fast ausschließlich durch Auslandswaren und Fleischzusuhr «ms Polen gedeckt. Der Umfang des lebhaft pulsierenden Betriebes wird dadurch veranschaulicht, daß nüht weniger als 800 städtische Arbeiter und Angestellte in ihm beschäftigt find. Pslen. Flüchtlinge. Der Flüchtlingsschutz des amerikanischen „Joint" registriert rund 8000 jüdische Seelen (etwa 2000 Familien), die vor den Bolschewisten geflüchtet sind. Die Kosten der Unterhaltung dieser Flüchtlinge, die täglich 60,000 M. betrogen, werden vom „Joint" bestritten. Außer diesen registrierten Flüchtlingen befinden sich irr Warschau mehrere hundert - wohlhabende Flüchtlinge, die keine Unterstützung beanspruchen. Der „Joint" ist bemüht, den Flüchtlingen die Erlaubnis zur Rückkehr in ihre Wohnorte zu erwirken. Der Planer Märtyrer. Der von dem polnischen Feldgericht erschösset,e Rabbr Chain, Spiro war ein Chassidim-Rabbi von 50 Jahren, der sehr bescheiden seine Familie — Frau und 7 Kinder — ernährte- Sein Beugen beim Beten war als eist den Bolschewisten gegebenes Zeichen ausgelegt worden. Dabei hatte sich der Rabbi nie politisch betätigt und lag gar leine Veranlassung zu einer derartigen Auslegung vor. Mchts als Bosheit und Judenhaß haben das Todesurteil gesprochen Ws den, Rabbi da? Todesurteil verkündet wurde, war er kurze Zeit sehr erschreckt, gewann aber dann seine Ruhe, sagte mit Tallis und Tefillin angetan das Sündenbekenntniö und dann noch die Brocho, daß Gott ihn ausersehen habe/ seinen göttlichen Namen durch den Märtyrertvd zu heiligen. Kurze politische Nachrichten. Budapest. Die Landeskonferenz der Erwachenden Ungarn, die sich des Schutzes der Regierungshäupter erfreuen, akzeptierte den Numerus clanfu§ an den Universitäten nur als Anfang einer Aktion, welche den Juden die Gleichberechtigung aberkennt. Auf allen Erwerbsgebieten müsse der Numerus clausus eingeführt werden. Aus dem Zeitungswesen *eien die Juden ganz auszuschalten. Hebräische Druckschriften dürfen jn Ungarn weder gedruckt noch verbreitet werden. Warschau. Generalstabschef RozwadowSki erließ einen Tagesbefehl, in dem er feststellt, daß die Mehrjzahl der jüdischen Bevölkerung während der bolschewistischen Invasion eine loyale, ja sogar patriotische Haltung eingenommen habe, die Ausschreitungen gegen die Juden tadelt und eine strenge Untersuchung der Vorfälle in W Y s z - k o w und S o k o l o w ankündigt. Zionistische Nachrichten. Berlin. Dr. Hantle, der in London das Finanz» ressort der Leitung führte und jetzt nach seinem Ausscheiden aus der Exekutive besonders mit der Leitung des 0c die Palästina-Aufbau-Sammlungen geschaffenen „kontinentalen Büros" betraut worden ist, ist nach Berlin zurüchgekehrt. Budapest. Die beabsichtigte zionistische Konferenz konnte nicht stattfinden, da sie nicht die behördliche Genehmigung fand. Es wird angenommen, daß die Genehmigung in Kürze erreicht wird. London. Bon der neuen Exekutive der Zion. Organisation wohnen Dr. Weizmann, Sokolow und Julius Simon in London, Ussischkin in Jerusakm und Oberrichter Brandeis in Washington. Welchen Wohnsitz Nehemia de Lieme nimmt, ist noch nichts entschieden. Dr.A. Sonne ist der Sekretär der Exekutive. Lo«do«. Die englische Regierung hat eine 48 Seitm starke Broschüre „Zionismus" herausgegeben, verfaßt unter Leitung der historischen Sektion beim Außen-Ministerium, worin ein kurzer objektiver Ueberblick über die Entwidmung des Zionismus seit den biblischen Zeiten bis auf die Gegenwart gegeben wird. Aus ver Misrachi-Bewegmrg- Wien. Hier ist ein studentischer Misrachi- Verein gegründet worden. Kowuo. Unter Anwesenheit von 50 Delegierten — darunter 33 Rabbinen — fand hier die l. Misrachitonferenz in Litauen statt. Rew Bork. Der Schachmeister Dr. Emanuel Lasker will im' Januar mit dem Schachmeister von Cuba, Jose R. Capablanca, seine Kombinationskraft messen. In Cleveland.starb der Theaterbesitzer und Pottriker H a r r y B e r n st e i.n im 65. Äbensjahr. Personnlien n. Heine RttteUnngen. Berlin. Rudolf Masse, der aus den kleinsten Anfängen das moderne Jnseratenwesen, schuf und das „Berl. Tagebl.", die „Bert. Bollsztg." und die „Berl. Morgenztg." begründete, ist in hohem Mer verschieden. Sonst der jüdischen Gedankenwelt entfremdet, hatte er sich ein warmes jüdisches Herz bewahrt nnd übte in großzügiger Weise das Wohltun. Masse war ein Kunstfreund; seine Knnstsammlnug wird aus mehr als 30-Millionen Wert geschätzt. Berlin. Prof. Dr. Eugen Gold st ein, Obfervawr an der Umvcrsitätssternwarte, beging den 70. Geburtstag. Halberstaüt. Der Kriegsw aifenfonds der Agudas Jsroel -(Adresse Hermaim Schwab, Halberstadt, Postscheck 22,429, Berlin NW. 7) bittet um Spenden. Hamburg. Die Repräsentanten der Deutsch-Israel. Gemeinde beschäftigten sich mit der Talmnd-Thora- Realschule. Die Schule hat einen Ausgabeetat von 450 000 Mark, denen an Einnahmen nur 120000 Mark Schulgelder, 15000 Mark Zinsen und 6000 Mark Beiträge gegenüberstehen. Ein Komitee der Freunde der Schule hat 100 000 Mark und die Familie Marburg 75 000 Mark des jährlichen Defizit übernommen. Die Repräsentanten beschlossen die Erhöhung der Subvention von 25000 Mark aus 40 000 Mark. Den Rest dürste voraussichtlich noch das Komitee der Freunde aufbringen. Jn der Debatte traf Rektor Feiner dafür ein, daß neben dem Realschulsystem noch ein Mittel- oder Bolksschulsystem kür Minderbegabte Schüler eingerichtet werde, damit nicht die Schule genötigt sei, sogenannte „geborene Volksschüler" mitzüfchleppen und aus den unteren Klassen ohne genügend abgeschlossene Bildung zu entlassen. Es müßten unbedingt für Minderbegabte Schüler Parallelschukllassen eingerichtet werden. Feiner erllärte ferner, ihm sei bekannt geworden, daß von einer Seite tue Absicht bestehe, dem neu zu wählenden Direktor der Schule auch das Amt eines zweiten Rabbiners des Synagogenverbandes zu übertragen. Nach seiner Ansicht sei es unmöglich, daß ein Schuldirektor neben! seiner'Schultätigkeit ein solches Amt nebenher betreiben; könne, wenn nicht dadurch der Schjulbetrieb erheblich, leiden würde. Die Ausführungen Feiners fanden die Zustimmung der Versammlung. . Pose». Bor kurzem drangen Einbrecher in den Kassen raum der Shnagogengemeinde ein. Wohlausgerüstet mit den: notigen Handwerkszeug» einem Sauerstoffapparat und zwei Lampen, begannen sie das schwierige:Werk, den eisernen Geldschrank zu offnen. Sie konnten natürlich nicht ahnen, daß während ihrer emsigen Tätigkeit ein elektrisches Läutewerk, das infolge der Berührung des Schrankes ertönte, die Hausbewohner alarmierte. Diese setzten Polizeibeamte von . ihrer Wahrnehmung in Kenntnis, und die völlig überraschten Einbrecher wurden verhaftet. «attowitz Die „Jüd. Arbeiter-Fürsorgestelle für Oberschlesien schreibt: 'Die letzten Wochen haben die Augen der gesamten; in Deutschland lebenden Juden auf die Ereignisse in Oberschlesien gerichtet. Die Abschiebung vieler Hunderter unserer polnischen Glaubensgenossen hat diese einem sehr traurigem Los, vielleicht dem Tode preisgegeben. Es gilt jetzt, die Zurückgebliebenen vor dem gleichen Schicksal zu bewahren, ihnen Obdach und Nahrung zu beschaffen. Das nackte Leben der Flüchtlinge muß geschützt werden. * Wr> appellieren an das jüdische Empfinden aller deutschen Juden, unser Hilfswerk zu uifterstützen, umgehend Sannnellisten herum gehen zu lassen nnd uns jedwede mögliche Geldnnterstütznng zukommen zu lassen. Schnelle Hilfe ist unbedingt nötig, da eine Meperholung der gewesenen Razzia täglich zu befürchten ist. Geldunterstützungen sind zu richten an die Bank für Handel nnd Industrie, Kattvwctz, auf das Konto von Herrn Dr. Zivier für die jüdische Arbeiterfürsorgestelle Kattowitz. . > Bnkarell. Der hebräische Dichter B i a l i k ist auf dem Wege von Odessa nach Palästina, wohin er seinen Wohnsitz verlegt London. Eine Frau Goldman«, Mutter von fünf kleinen Kindern, erhielt aus der Ukraine einen Brief, der ihr mitteille, daß ihre gesamte dortige Familie auf gräßliche Weise hingemordet wurde. Die Nachricht erschütterte die Frau so, daß sie irrsinnig wurde und sich erhängte. Re« York. Das »mrrikan. jüd Komitee erhielt von dem Falascha-Forscher Dr. JacyuesFaitlovitsch, der im November Amerika verließ die Nachricht, daß er hoffe, in der Abessynien anschließenden italienischen Kolonie bis Ende des Jahres ein Seminar zur Heranbildung von jungen Falaschas zu Lehrern zu errichten. Aerasale«. Elieser be-n Jehuda und andem Mitglieder bet: Jerusalemer Jüd. Archäolog. - Gesellschaft besuchten eine in Liberias aus gegrabene Synagoge von hervorragender Schönheir. Frankfurter Berichte. Kleine Notizen. Im Talmud Thora-Derein (Hörsaal, Börnoplatzj findet Sonntag anschließend an den MiachagottSdienst ein Vortrag des Lehrers I. B. Lev y über die Gebete von Jomkippur statt. Frankfurter Beranstattunge». Talmub-Thora-Berein, Hörsaal Börneplatz, Samstag, nach Mvrgengottesdienst: Hpstauroh (Dr. Rabin). 11 Uhr: Schulchan-Aruch?) (Unna), 3%: Raschi (Lipinsky), Nach Mincha: Ejn Jaakauw (Unna). Sonntag, nach Mvrgengottesdienst: Mischna (Dr. Friedmann), 9Vs Uhr: SchstüchawAruch (Lipinsky), 9Vs Uhr: Gemoro* (Unna). Nach Mincha: Vortrag über Jomkippur (I. B. LevB. Montag, nach -Mincha: Nwiim (Unna), Donnerstag, Hst Uhr abends: Gemoro* (Unna). Fortbildung für junge Leute: Montag, 83/« Uhr abends: Gemoro (Unna). Fortbildung für Knaben: Samstag, 3 Vs Uhr: Schulchan-Arnch Donnerstag, 6Vs Uhr: Gemoro. Die Ferien von Hermann Seckbach, Frankfurt a. M. Neben meinem Begleiter, einem etwas gebeugt gehende« Greis, ging ein etwa neunjähriger herziger Junge, ein süßer Lockenkopf. „Großvater", Hub das Kind an, „wie schön war es doch, als ich bei Dir in Bergeshausen die Ferien verbringen durfte." - Um die allerliebsten Züge des Jungen zeigten sich dabei kleine Furchen; ganz ernst blieb das Gesichtchest. „Mein Liebling, sprich nicht davon, wir müsse» uns in das, was uns Menschen bestimmt ist, j fügen." „Nun".meinte ich, „man kann auch in der Stadt sich erholen, wenn man kleine Spaziergänge unternimmt," „Gewiß," sagte der Alte, „aber wer Haus und Hof verlassen muß, worin das ganze „Ich" verkörpert war und wem das Liebste und Edelste, das er besaß, wo er geht und steht, fehlt, der kann schwer darüber hinweg - kommen. Ich will Ihnen, lleber Freund, die Sehnsucht, die aus den Worten meines kleinen Enkels heraussprach, erklären. Wir wohnten in Bergeshausen, einem kleinen Städtchen, umgeben von herrlichen Waldungen. Meine Frau und ich lebten glücklich. Es' war eine wahrhaft jüdische Ehe, wo beide Teile vom Wunsche beseelt waren, das Heim zu einem Mikdosch Meät für uns und' für die, die uns aufsuchten, zu gestalten. Wenn mich Geschäfte in die Stadt führten, so verband uns auch in der Entfernung eine geistige Kraft, und . ich vergaß alle Unbill des Lebens, wenn ich o* mein Heim dachte. Geht doch das rastnnd ruhelos« Leben der Stadt meiner Meinung nach — verzeihen Sie, wenn ich das sage — bis ins Gotteshaus hinein. Deon während bei uns die Kehillo sich schon ein halbes Stündchen vor Schul versammelt, wo dann bei den Allen, die Jungen sitzen nnd andächtig znhören, wenn von früheren Zeiten erzählende und auch belehrende Moschelchen vorgetragen werden, kommen die „Städter" meistens, erst zur vorgeschriebenen Zeit und gar ost nicht immer pünktlich zum Gottesdienst. Und das hat seine Nachteill, denn die Gedanken sind da manchmal noch von Geschäften erfüllt, sodaß die „Kawonoh" sich nicht gleich einstellen kann.' Kam ich dann nach Hause, empfand ich! doppelt wohltuend die beschauliche Ruhe, die uns vergönnt ivar. Als unsere Tochter sich verheiratete und nach der Stadt zog, war es später unser höchstes Glück, ihren kleinen Jungen im Sommer einige Zeit bei uns zu haben. Nicht wahr, Jacoble, Du wolltest doch Vorhin Deine Erlebnisse bei uns erzählen, na, fang, mal an!" Und als ob die ganze Umgebung sich vor uns versenke» würde, um plötzlich zu einem idillischen Plätzen zusanmcnzuschmelzen, so strahlte da das liebliche Gesicht in erinnernder Freude aus. „Ja, schön war's, wenn Großmutti des Morgens schon ganz früh mit mir in den Stall ging, da gab's lösche« *) Hermesweg 27. Freya - Büro - Einrichtungen Werner, Holl & Cie. Frankfurt a. <3L, Theaterplatz 14. Heu eröffnet. “Wt

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