Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 34 (17.9.1920)
- Date
- 1920-09-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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FrankfurterLfraektifchesFamilienbsatt -iminnMmmiiiiiiiiuuniiiiimiimiimiiiimiiiiiiiiiiinTiiniimw; : Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertelj : jahr: 3n Frankfurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presse, : :. auswärts -ei der Post abonniert Ml. 3.50, stei ins Haus 15 ptz. ] mehr./ÄeiZusendung durch Streifband fürDeutschland Mk.20.oo, : : für alle übrigen Länder Mk.3O.00jährlich, im Voraus zahlbar.! Mdaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis JiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiniiiwunmumuuiiiiuiiiiwBiuiiHUHiiiim! | Insertionspreis für die sechsgespalteneÄonp.ZeileWvpfg., für! : die Reklamezelle M.S.—. Bei Wiederholungen entsprechender; . : Rabatt. ✓ Platz, und Datum-Vorschn'fi ohne Verbindlichkeit. / : ■ Akmoncen-Annahme bei der «tzped.und in «.Aanoncen-Vureaus. \ j Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter 3fr. 4864.! •■i.n.nmn.i.i............................................................. j 18. Jahrgang. Freitag, de« 5. Tischri 5681 (17. September 1930) Rr. 34. Berföhuung Dem Wort Versöhnung ist in der jüngsten Gegenwart ein noch fernerer Klang geworden als selbst in. der Hochflut des soeben verflossenen Weltkrieges. Der Krieg hielt Tag für Tag die Hoffnung auf das Wunder der Versöhnung wach, denn dieses Wunder bedeutete das Ende deS Wördens. Doch jetzt, bot die Kugeln schweigen und dennoch der Haß wütet, welch Wunder soll jetzt Versöhnung bringen? Gläserne Wände trennen nicht nur Volk von Volk, sondern mich Mensch von Mensch. Gläserne Wände lassen Auge in Auge blicken, aber die-Hände finden einander nicht, finden sich nicht, weil eines fehlt zunr Ileberbrücken der Scheidung: die Gute. .Die Güte, diese abgeklärte Sonne religiösen Einpsin- Lens und der Lebensweisheit, deren Strahlen ein jeder gern Mber sich scheinen läßt, währeick» es den wenigsten in den Sinn komUtt,^ selber ein solcher Sonnenball zu sein, der Wärme ausstrahlt. , Darum ist es recht kalt in und um? die meisten Menschen. Die Interessen ziehen ihre Fäden von Mensch zu Mensch und holten zusammen, was keinen seelischen inneren Zusammenhang kennt. Eine schrille Dissonanz ist das Leben und könnte eine wundersame, in Harmonie aufgelöst« Symphonie sein. Wie einst das erste Menschenpaar sich aus dem Paradies vertrieb, vertreibt sich noch heute jebe§ Menschengeschlecht aus seinem Paradiese. * Dos Judentum hat einen Tag im. Jahre, den cs mit der höchsten Weihe aller Tage ausgestattet hat, an dem es durch das Gebot des Enthaltens, von Speise und Trank dem sinnlichen Begehren ein Halt geboten und durch das Verweilen im Gotteshause von der erste» Morgenstunde bis zum Erscheinen der Sterne den ganzer^ tätigen Log auf einen einzigen Gedanken vereinigt hat, —7 und dieser Gedanke heißt: Versöhnung. Versöhnung des Menschen mit allen Gliedern deS Kreises, in bare er wirkt, damit dann Gott ihm Versöhnung gewähre. Der Tag der Versöhnung. Schon vierzig Tage vorher beginnt die Vorbereitung zu ihm mit dem Schofarruse während des ganzen Ellulmvnats. yöeigt sich der Mul seinem Ende zu, dann steigt die nachdenkliche! Stimmung. Schon beim ersten Morgengrauen versammelt sich die Gemeinde zu den Selichausgebeten, zur inneren Läuterung ausgefordert. Doch noch höher führt der Weg. RaUsch-haschonoh ist da mit seinem geöffneten Buche künftigen Geschickes; Rausch-haschonoh ist da und mit ihm die zehn Tage der Einkehr, der Selbsterkenntnis, deren letzter als das Ziel dieser' fortgesetzten Steigerungen der Tag der Versöhnung ist. In dem Prvphetrnabschnitt des scheidenden VersöhnongStages wird an einem Musterbeispiel gezeigt, wie selbst Edelmenschen, wie selbst ein Prophet sich gegell den göttlichen Begriff der Versöhnung vergehen. Jona, der sich,, gepeinigt von der heiß brennenden Sonne, bas Leben verwünschte, weil sein schattenspendender BauM über Nacht verdorrt war, demselben Jona mißfiel es, baß Gott die große Stadt Ninive mit ihren mehr als hunderttausend Menschen, nachdem ihre Bewohner Buße getan hatten, nicht mehr vernichten wollte. Me leicht sind selbst gute Menschen selbstgerecht und verstoßen gegen ihre heiligste Menschenpflicht! Mit seinem Lpben nicht an dem Hatz unter den Menschen sich schuldig gemacht haben, indem all sein Tun nur zur Versöhnung den Weg ebnet und bas Fasten am Bersöhmmgstagck kein Kasten zu treuem Hader und zu Entzweiung, hin ist, wer kann dos sich fagen? Wer hat in Wirklichkeit ein-Amecht aus die verzeihende Güte Gottes? Wem ist es am Ende seiner Tage beschieden, daß er, znrückblickeick» aus sein Leben, sich nach dem Prophetenwortc Jesajas, das gleichfalls der Tag der Versöhnung kündet, einen »Miederervauer des Niedergerissenen, einen Wiederhersteller der Pfade zum friedlichen Wohnen" nennen dürfte? Versöhnung ist schwer, — und weil Versöhnung so sehr schtoer ist, darum hat das Judentunr einen Tag aus allen Tagen des Jahres herausgehoben. Versöhnung be-, greift ab-r in sich alles, was Gott von dem in seinem Ebenbilds geschaffenen Menschen will: Güte in der Gesinnung und Menschenliebe und soziale Gerechtigkeit in der Betätigung. Jesaja ruft ganz Israel am Tage der Versöhnung zu, was Gott von ihm verlangt: „Lockerung der Fesseln der Leidenschaft, Lösung der Bande des.Joches, Entlassung der Unterdrückten in die. Freiheit, Sprengung jeden Joches, mit dem Hungrigen das Brot teilen, verstoßenen Armen Gastfreundschaft gewähren. Nackte bekleiden und dem Darbenden sein Gemüt entgegenbringen." Was hier der Prophet im Einzelnen sagt, es ist in seinem Zusammenhang; Güte der Gesinnung, Menschenliebe und soziale Gerechtigkeit der Betätigung. Es genügt nicht, daß Familienfeindschaften und Entfremdungen ehemaligen Bekannten gegenüber am Versöhnungstage geglättet werden; der Tag verlangt unendlich mehr: er verlangt eine Einstellung in allen Beziehungen zur Mitwelt, würdig des von Gott geschaffenen Menschen, damit Versöhnung in Israel und Versöhnung in der Menschheit zur Wirklichkeit werde und sich dann einejede Menschcnseele freuen könne ihres Daseins in einer von Güte. Menschenliebe und Gerechtigkeit getragenen menschlichen Gesellschaft! ‘ Agrrda, Miörachi u«d anderes. Zu Rausch-haschonoh brachten die „Jüd. Monatshefte" einen Leitartikel, der, da er nicht unterzeichnet ist, von ihrem Redakteur Rabbiner Dr. Pinchas Koh.n gc schrieben sein dürste. In diesem Artikel heißt es: „Wenn die Londoner Botschaft nicht trügt, wird der Zionismus nicht Herr Palästinas sein. . . Wir scheinen einer großen Gefahr entronnen. Wenn Herber: Samuel auch nur einigermaßen der Londoner Charakterschilderung entspricht, wir!» er über kurz oder lang dem augenblicklich in Palästina gegenüber den Juden herrschenden zionistischen Terrorismus ein Ende bereiten. Es wird es umso eher, je geschlossener und mutiger die Gott treue Nation dem Zionismus entgegentritt. ' Misrachi hat seine letzte Hülle fallen lassen. Seine Rolle als „Bal >Tsille" des Zionismus muß der Orthodoxie der ganzen Welt die Augen ösfnen. Der schmähliche Verrat, den er in derUnioersitätssrage begangen» die unglaubliche Schwäche, die er gegenüber dem Abfall in der ganzen Erzieh»»gsangelegeuheit offenbart hat, muß der Orthodoxie der ganzen.Welt zeigen, daß der in diescn Blättern stets vertretene Staiidpuiirt der einzig richfige ist: rücksichtslose Bekämpfung ves Misrachi als gefährlichsten Gegners der in der Thora souveränen jüdischen Nation. . . . .Um die Seele der jüdischen Nation ringen heute Agudas Jsroel und Zionismus. Dieser Kampf muß ausgesochten werden." Dem Leitartikel schließt sich ein R. B. (Rabbiner Dr. RaphaelBreuer - Aschaffenburg) gezeichneter Aufsatz an, aus dem hier folgende Stelle wiedergegeüen sei: „Die Abfallsbewegung hätte aber sicherlich za einer völligen Assimilation vielleicht des größten Teiles des deutschen Jicdentums geführt, wenn nicht zu Beginn des vorigen Jahrhunderts das liberale Judentum erstanden wäre und dieser Ab falls bewegung ein jüdisches Firmenschild umgehängt hätte. Das liberale Judentum ist sehr stolz darauf, daß . s ei ne religiösen Reformen es gewesen feien, die vor Hunderts Jahren tausende von deutschen Juden von der Taufe zurückgehalten hätten. Diese Tausende, vor die Alternative gestellt, zwischen Orthodoxie und völliger Assimilation zu wählen, hätten sicherlich nicht - gezögert sich für das letztere zu entscheiden. So über brauchten sie blos zwischen orthodoxem unö liberalem Judentum zu wählen, und da fiel es ihnen nicht schwer» sich für ein Judentum zu entscheiden, das ihnen die Möglichkeit gewährte, auch in ungetanstem Zustande ihr Leben so zu gestalten, als ob sie getauft wären. Wer die Möglichkeit eines solchen Judentums zugibt, wird in seiner Entstehung und Wirksamkeit ohne weiteres einen Segen fürs Judentum erblicken. Wer aber das orthodoxe Judentum als die einzig mögliche Form des Judentums schlechthin cmcrkemit, wird die Entstehung des liberalen Judentums und dessen siegreichen Kampf um die Anerkennung, die ihm ja schließlich auch zuteil wurde, als die größte Katastrophe der jüdischen Geschichte ansehen müssen, unter deren Folgeerscheinungen wir noch heute zu leiden haben. . . ." * Es bleibt immer dasselbe: Wer die dem traditionrlllu Judentum entfremdete Fudenheit aus seinen jüdischen. Erwägungen vollständig ausschaltet, muß zu solchen extreme» Konsequenzen kommen wie obige Autoren. Wer aber Berantwortlichkeitsgefühl für die Gesamtjudenheit in ollen ihren Spiegelungen, wie sie nun einmal Wirklichkeit sind, empfindet, muß gerade, well ihm die Souveränität des Thorajudentums das Höchste ist, und er dieses Jdecll nicht nur für sich, sondern auch für die Gesamtheit erreichen will Gemeindeorthodoxer und Misrachist sein. Ans ist es nicht möglich, eine Gesinnung zw verstehen, die sich twtz 'der fortgesetzten furchtbaren Pogrome in Osteuropa über eine Zerstörung der Palästinahoffyungerr freuen würde, wie sie es gleichfalls auch begrüßen würden wenn zu den Jomim nauroim die Hunderttausenden assimilierten Juden nicht mehr den Weg in die Synagogen suchten. Wir sehen in einer solchen Gesinnung eine Erkaltung des jüdischen Brudergefühls, die trotz Orthodoxie ihrer Träger nur als ein Beweis starker Assimilationseinslüsss gedeutet werden kann. Und in Wirllichkeit ist auch die jüdisch« Orthodoxie Westeuropas stark assimiliert. Beweis, die Tatsache, daß sie ständig einen Teil ihrer Jugend verliert und für diese Jugend oer Sprung vom Leben ihres Elternhauses zu einem, wie R. B. sagt, Leben, als ob sie getauft wären, kein Seelenkampf bedeutet. Für diese ständige Auslese der Orthodoxie, für r-llscindifferent Gewordenen wäre es ein Glück, sie hätten den Weg zum Zionismus mit seinen starken erhallenden und belebenden Kräften gefunden. Schon deshalb sollte die Orthodoxie den Zionismus benützen und ihn nicht bekämpfen. Grez Israel. von der amerikanische» Hilfskommisjion. Unter der Leitung des Dr. de Sola-Pool, der bisher die Hilfstätigkeit beim Waad Hazirim führte, besteht seit August ein besonderes Büro der Amerika». .Jüd. .Hilfskommission. Die Leiter der einzelnen Filialen werden der Zentralleitung der vereinigten Hllfskommijsion in Jerw» salen: verantwortlich sein. Ter Hauptgrund der Neuordnung liegt darin, daß. infolge der Lage dev Juden Osteuropas diese vor allem berücksichtigt werden müssen und anderseits die amerikanische Hilsskommission der Ansicht ist. es sei höchste Zell, die direkten Unterstützungen im Lande zu reduzieren, damit keine neue Chalüka entstehe. Hand in Hand damit wird das Bestreben zehen, die Hilst zu einer konftruktiren zu machen: Vorbereitungen za« Wiederaufbau. B. Goldberg durfte anfangs Oktober nach Hais» kommen, um dort eine große Fabrik von Mörtelsteinen zu errichten. Eine Bereinigung mit einem Kapital von i00,000 Pfund wurde zu diesem Zwecke gegründet. Jag, Seid»er, Bevollmächtigter von Kremenetzky, wlld i» Jaffa erwartet, um dort eine große Ziegelfabrik, an der zur Hälfte die Haboneh Gesellschaft beteiligt ist, zu errichten. Die Haboneh allein wird bis Januar an, den Füßen des KcumeE — in der Nähe des Polytechnikums — 20 neue Häuser in Haifa aufbauen.