Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 33 (10.9.1920)
- Date
- 1920-09-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33. Seite 2. - . - , ■ ' ■ \ /Station und ihre Lenkungfin gri»rdnete Bahnen nicht allzu schwer sollen wird. ' Kiel schwerer wird es dagegen sein, für die zahlreichen Immigranten Arbeitsmöglichkeiten in Palästina zu schaffen. Schon jetzt bei der noch so.geringen Einwanderung fehlt für zahlreiche ArbeiÜaällche Arbeit. Sicherlich werden die dringend ausznnehmMrefr^Arbriten, rwr ollem Straßen-- und Bahnbau, wie auchnder Häuserbau zahlreichen Leuten Beschäftigung geben. DaKrgehören aber große Mittel, die ehepens oeschasft werden müssen. Die palästinensische Regierung soll demnächst eine M n° leihc von zweieinhalb Millionen Lstr. zur Zeichnung auf- 'legen, und es ist natürlich dringend notwendig, daß diese für die ersten Jnreslitionen nötigen Mittel vor allem von Juden aufgebracht werden. Es könnte nicht nur moralische, sondern auch politische Folgen nach sich ziehen, wenn, bei einem Versagen der Judenheit, Herbert Samuel sich mit dieser Anleihe an Mchfiuden wenden müßte. Ich beabsichtige daher, in den ron mir besuchten Ländern, nach dem Muster des in London von der Jahresbonserenz beschlossenen „Economic Council", Komitees zur Förderung des Aufbaues Palästinas zu gründen. Diese Komitees sollen ganz unabhängig von der Zion. Organisation alle wohlhabenden, dem Zionismus nrch passiv gegenüberstehenden Juden vereinigen, die ihr gutjüdisches Gefühl und Liebe für ihr Volk und Land dazu bringt, Geschäftsunternehmnngen in Palästina zu gründen und zu unterstützen, wodurch Ärbeitsmöglichkeiten für eine Reihe ron Emigranten geschaffen würden. Um den Erfolg der jüdischen Arke.t in Palästina ist mir nicht bange, «2er dazu gehört vor. allem Gew, Geld und nochmals Geld und zwar so rasch wie möglich. Jeder versäumte Tag ist eine versäumte Ärbeitsmöglichkeit in 'Palästina." ' , , Grez Israel. Boa Ser Bautätigkeit. Der Waao Hazirim hat ein Heft mit Material über „Arbeit und Leben" in Palästina herausgegeben. An erster Stüle figuriert eine Abhandlung über „Das Bauen in in den Städten Palästinas". Die Araber bauten in diesem Jahre 40 Häuser in Haifa und ein Haus in Jerusalem. Me Juden bauten vom April 1819 bis Juni 1920 in Jasia 57 — davon die meisten in Tel-Awiw —, in Haifa 6 und irt Jerusalem 2 Häuser. Gegen 30 weitere Häuser sollen im Laufe dieses Jahres noch in Jaffa erbaut werden. Die vielen zerstörten Häuser in der Nachbarschaft der Buchcrren werden in Jerusalem jetzt renoviert. Für das Bauprogramm 1921 werden große Borbercitungen getroffen. Je Jaffa sollen gegen 300, in Haifa gegen 200 und in Liberias gegen 100 Bauten erstellt werden. Auch in Jerusalem wollen mehrere hundert Leute Neubauten in Angriff nehmen. Außerdem sollen auch zahlreiche Bauten für die neuonkommenden Jmmigrimten, für Staatsanstalten, Schulen, Krankenhäuser und Bethäuser errichtet werden. Auch über die Kosten des Wohnungsbaues wird berichtet. Danach würde sich ein Haus mit vier Zimmern, Küche, Badezimmer mit 13 Meter Länge, 12 Meter Breite und 5 Meter Höhe, bei 10 Fenstern und 11 Türen in Jerusalem «ms 900.. bis 1000 und in Jaffa auf 600 bis 800 ägypt. Pfund stellen. Pole«. Ahasver. Der ,Wiener Morgenztg." wird über das bis vor kurzem ruhige Ostgalizien geschrieben: Abziehende Truppen, Rekruten und hauptsächlich die Peüjnra-Armee,.die in den letzten Tagen von den Resten der Denikin-Armee komplettiert wird, treiben ihr Unwesen, , daß man des Lebens nicht sicher ist. Die Truppen rauben und morden, wenn man sich widersetzt. Rekruten machen das Passieren der Straße unsicher, betrunken ziehen sie von einem Geschäft ins andere und demolieren, was ihnen unter die Hände kommt. Gar oft auch ereignen sich Fülle, daß mis dem fahrenden Zuge Juden herausgeworfen werden und dabei den Tod finden. Diesen Exzessen ist man nirgends energisch entgegengetreten. Das ärgste ist die Petljura-Armee! — Es wurde dieser letztens ein Abschnitt 'südlich und nörlich des Dnjestr übergeben, und die Besetzung begann mit Morden und Plündern in den besetzten Gebieten. So sollen Stanislau, Kakusz, Delatyn usw. ganz ausgeraubt sein. In Stanislau sind zwölf angesehene Kausleute (natürlich Juden) ermordet worden, in einer anderen benachbarten Ortschaft sogar zwanzig. Kein Wunder, daß infolge der geschaffenen Lage die Juden aus verschiedenen Wegen das Land verlassen, was aber nur unter ungeheuren Schwierigkeiten und oft mit Lebensgefahr geschehen kann. Die Lewe« Ser Inden. lleberall, wo die Polen die Russen vertrieben haben, erleibet die jüdische Bevölkerung große Drangsale. Man schreir die Juden als Freunde der bolschewistischen Russen Äus, und gar mancher harmlose Jude ist einer Denunziation zum Opfer gefallen, denn die polnischen Feldgegcrichte vollsühren gegen Juden gar schnell Todesurtelle. So wurde der angesehene Hilfsrabbinrr ChaimSPiro in Plvzk vollständch schuldlos standrechtlich erschossen. Mratue. Neue Pogrome. Das antibolschewistische -Militär begeht überall un- Mndert Ausschreitungen gegen die Juden. Berandungen, Mtletzungcn, Tötungen find wieder an der Tagesordnung.; Nm«S«ieu. ' Ahasver. Die jüdische Tageszeitung „Mautuirea" schreibt über das Schicksal der noch dem jetzt rumänischen Bessarabnn geflüchteten jüdischen Pogrvmopser der Ukraine: Vor einiger Zeit hat der Minister des Innern Argentojanu die Einreise dieser Unglückliche^ nach Bessmabien gestattet, die Bewilligung jedoch nach zwei Wochen rückgängig gemacht, so daß niemand jetzt das Recht besitzt, sich aus der ukrainischen Pogromhöhle nach Bessarabien zu > retten. Mehrere hundert Flüchtlinge, die keine Ausenthaltsbewilligung haben, sind der Gefahr ausgesetzt, über den Dnjestr zurückgejagt zu werden. Eine Anzahl anderer ist im Armeckommando inlernierl und läust gleichfalls Gefahr, über die Grenze geschasst zu Norden, wo ihnen der grausame Tod droht. Man darf keinen Augenblick versäumen, um diese Unglücklichen vor der AuSlieserung in die Krallen der Pogrombestien zu retten. Jugoslavie«. I. jüdischer Jugendtag. In O sijek fand der 1. jüd. Jugendtag Jugoslawiens — so ist der offizielle Name des heutigen Serbien — unter größter Beteiligung statt. Nikola Tolnaucr, Präsident des Verbandes der jüd. Jugendorganisationen, hielt die Begrüßungsansprache. Der Geschäftsbericht verzeichnet die Gründung zweier Chaluzgkuppen (Palästinapioniergruppen), von denen die in Bijelina ihr Gut bald in eigene Verrvaltung übernehmen kann. In Serajewo wurde eine hebräische Sprachschule — heute bereits über 250 Schüler — und in Zagreb ei» fünfkursiges hebräisches Institut gegründet. Dem Bericht schlossen sich Debatten und Wahlen an. Die beiden Nachmittage der Tagung waren mit sportlichen Hebungen besetzt. Wettschwimmen, Freiübungen — hierbei die hervorragend schöne Allegorie „Bier Phasen aus der jüdischen Geschichte" —, Fuß- und Handballspiele. Den größten moralischen Eindnlck übte auch die hebräische Kindervorstellung aus. Grösste Auswahl in eleganten KQStQmenu.nsnteln kür Herbst und Winter ,• Zeit 112 neben der Hauptpost. Kurze politische Nachrichten. Warschau. Eine Gruppe jüdischer Flüchtlinge aus Polen, die leinen Paß hatten und als blinde Passagiere mit dem Dampfer fuhren, sind von der kanadischen Einwandernngsbehörde feltgchaltrn worden und sollen nach Polen zurückgeschickt werden. Da es militärpflichtige junge Leute sind, so droht ihnen beim ZurKcksenden die Todesstrafe. Jerusalem. Da die Leiche des italienischen Kommandanten Bianchini nicht gefiulden worden ist, so ist cS möglich, daß er lebt und die Beduinen ihn als Gefangenen mitgeschleppt habe». Die Dclegiertenversammlung der palästinensischen Jndenheit soll am 7. Oktober eröffnet werden. Dr. Eder von der Zionistischen Kommission hatte mit dem Emir Fatsnl vor dcffen Abreise von Haifa nach Europa eine Unterredung. Leutnant Jaboti nsky ist in London angekommen. Zionistische Nachrichten. BratiSiasa-lPreßburg). Auf der Zionistischen Jahreskonferenz der Slovakei erklärte der Vertreter der Regierung, daß diese den Bestrebungen der Zionisten vollsten Erfolg wünslhe. Als Älbg. Robert Stricker-Wien in seiner Rede sagte, nur ihres jüdischen BoWtnmS bewußte Juden, nicht aber dieses preisgebende Asfimilanten könnten ihrem Staate wertvolle Bürger sein, klatschte der Vertreterder Regierung demonstrativ. Ans der „Agndas Jisroel".Bewegu«g. Bratislava. Eine von sechzig Vertretern der Landes» orgonisationen besuchte Konferenz beschloß u. a. die Verlegung des Zentralbüros von Zürich nach London, Bildung eines Zentralrates mit dem Sitz in Wien und einer Organ isations zentrale in Wien für Organisation und Propaganda in den ösllichen Ländern, Errichtung eines Emigrationsamtes und eines Zentralamtes für rasche und für Aufbanhilfe. Auch soll die Gründung einer Emigrationsbank in die Wege geleitet w«den. - Es wurde folgende Resolution-gefaßt: „Die. Konferenz hält es für wünschenswert, einerseits die gesamte' Hilfsjück» Aufbautätigkeit, andererseits die EmtgrntronSregnlterung zu vereilchettkichen und überläßt es der Zentrallemmg der Agndas JiSroel, eoent. auf dieTetlnahme der AgudaS . JiSroel gerichtete Anträge an anderen Organisationen, zu prüfen und, wenn sie die Gleichberechtigung der Orthodoxie verbürgen, anzunehmen oder aber diese Einheit selbstständig mcs anderem Wege herbeizusühren." Ans ver Misracht-Bewegnng. Der MiSrachi auf dem Index. Der Berliner „Jüd. Presse" wird geschrieben: „Der Vorstand eurer unserer deutschen Gruppen wandte sich an die OrtSrabbincr mit der Bitte, Schiurim bei ihnen abzuhalten. Die Bitte wurde ihnen abgeschlagen. Ein älterer Lamoon der Gemeinde, der in die Bresche sprang, mußte schon nach dem ersten Schinr die Fortsührung desselben aufgeben, da er sich, den heftigen Älrrgrissea gesinnungsküchtiger Gemeindemitglicder mchr länger auSsetzen könne. Ebeniowemg wird unserer Gruppe die Benutzung, von Räumen der Gemeinde 'für ihre Schiurim gestattet. — Eine Illustration zur Forderung der Aguda-Jugend nach intensiverem Thorastudinm!" Personalien «. ttetue MttteUnn«en. Berlin Der Streik der Bürobeamten der jüdischen Gemeinde ist beendet, nachdem der Vorstand sich verpflichtet hat, die neuen ClehaltSbestimimurgen bis Ende Oktober durchzujühren. — Die jüdischen Literaten Achad Ha am, David Frischmann, Jakob Rabinowicz und Jakob F i ch m a n n weilten dieser Tage hier. Berlin. Der „Verein zur Aowehr des Antiscmitismus" hält am 19. September in Nürnberg, Künstlerhaus, seine Hauptversammlung ab. Die Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde wählten den Vorstand ver Jüdischen Gemeinde wie folgt: Geh. Sanitätsrat'Dr. Stern, Leop. Badt, Ämlsgcrichtsrat Wolfs, H.ngo Blankenburg, Verth. Kirstein, Bruno Galewski und Dr. KareSki und als Stellvertreter Karl Fuchs, Dx. Sandler und Dr. Toby Cohn. Bav Rauhetm Israelitisches Frcmenheim und Kinberyeilstötte Bad Nauheim. Da es den beiden Heilstätten gelungen ist, trotz aller großen Schwierigkeiten während des Sommers so vielen Kranken Besserung und teüweise roll ständige Heilung ihrer schweven / Krankheit zu bringen — im Frauenheim wurden 135 Herzkranke Frauen und in der Kinderheilstätte 176 Herzkranke und struphnlöse Kinder verpflegt —, so sehen sich beide Anstalten bewogen, auch wahrend der Wintermonate Kranke in beschränkter' Zahl gegen Vergütung der Selbstkosten zu verpslcgen. - Breslau. Auf dem Cosel« Gelände fand die Einweihung des Ehrenfriedhofes zur Erinnerung an die im Weltkrieg gefallenen Söhne der Breslau« jüdischen Gemeinde statt. Der Mittelpunkt des Friedhofes ist ein Denkmal, auf dem 432 Mann gefallener Breslauer jüdischer Krieg« verzeichnet sind, die jedoch zum großen Teil in fremder Erde liegen. Hambarg. Felix Mainz, Sohn deL Bankiers Hugn Mainz, rettete unter eigener Lebensgefahr vier Personen vor dem Ertrinken. Wien. Rudolf Schildkraut und sei» gleichfalls als Schauspieler hervorragender Sohn Josef sind nach Newyork abgefahren. Budapest. Feiomarschalleutnant Ritter v. S ch w e i tz e r, Mitglied der Verwaltung der jüdischen Gemeinde, ist — 76 Jahre alt — verschieden- Haag. Laut B«icht des hiesigen Hauptbüros betrugen die Sammlungen für den Jüdischen Nationalfonos im Juli 16,687 Pfund Sterlings darunter 5000 Pfund als Teilbetrag der von dem englischen Minist« Sir Alfred Mond gezeichneten 25,000 Pfund. Warschau. D« hervorragende Gelehrte Professor Simon Aschkenasy. ist als speziell« bevollmächtigter Minist« und zweit« Delegat d« polnischen Republik im Böll«bund nach Paris geschickt worden. Als Jude gehört A der radikalster. Assimilation an. In Plvzk verbot die Leitung der staatlichen DampffchiffahrtSgesellschast den Juden die Benutzung ihr« Personenüompfer. Sogar ein« Jüdin, die ihren sterbenden Bat« noch erreichen wollte, wrwde die Benutzung des Dom> pf«S nicht erlaubt. Zürich. Die Versammlung d« Jsr. KultuSgent c t n d e beschloß, mü 136 Stimmen, daß beim Ausrnsen zur Thora auch' für den Jüdischest Nativnalfonds gespendet werben dürfet London- „The Jewish Gumdian" schreibt zu den antisemitischen Besudelungen Professor Einsteins in Berlin: „Die Well außerhalb Deutschlands bringt Einstein die größte Wertschätzung entgegen. Jede große llniv«sllät wird sich glücklich mit ihm schätzen. Und was für eine Gelegenhell wird da d« künftigen Universttät in JerusolSm geboten!" PhlloSeltchia. Dr. LouiS S. Robinson, Großmeister des Ordens „Brtth Scholamst". und ein eifriger Zionist, ist verschieden. Jernsakem.' See-Kommondeur Bianchini, der im Aufträge der italienischen Regierung hier weifte und ein ergebemS Mitglirii der Zionistischen Organisation war, wurde bei Derra von Beduinen gvtötet. Franksurter Berichte. Bortrag. Auf Wimsch einer AWchl' Jugendverrine sprach- Dienstag Abend Nabbinrr Dü Ä»b er «Läßlich d« ünstmenden