Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 33 (10.9.1920)
- Date
- 1920-09-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 33 Seite 3. Lea Manti Künstlerspiele KaiaerBtrasse 69. Beginn 8 Dir. Tel. Hansa 5516. 9f antis-Welnrest anrant den gans.Tag gwflffnet ab 10 Uhr morgens. Wanne Küche. l-cheii Feiertage Worte, die nach jüdischem Brauch die geistige „Bereit fch a f tfnr das VerständmS dieser Tage vor bereiten sollen. Ein Publikum von mindestens t>00 Köpfen war dein Rase gefolgt nnd fotzte mit Spannung dem geistvollen Tanker, der sich an „die heilige Jugend des heiligen Dolles" wandte nnd sie aus Gruicd des.Satzes .Heute ist der Geburtstag der Welt (Hajaum Harras aulom", zu den höchsten Höhen erhabenster Gedanken des Judentums führte. Die Schaffitirg der Welt sei keine mechanische, sondern eine sittliche Tat GotteS und somit die reinste reltziöse Pflicht des Menschen, sein größtes Fiel das sittliche Tun, dieser Gedanke sei I>ier auS der Fülle der Eedanlen seftgehalten. Jfraelttische Gemeinde. Die neue Verfassung der Israelitischen Gemeinde ist van der Negierung genehmigt worden. Nümnehr 'vird in Bälde auf Grund der Verhältniswahl eine neue Bcrwaltung gewählt werden. ES ist zu hoffen, daß das Heranziehen aller jüdisch interessierten Kreise der Gemeinde zuni Raten und Taten über, ihr Geschick eine neue Aera für das Geineindclebeir beginnen wird. Jüdischer Turnverein Frankfurt a. «. Bei den anläßlich des' 8. Turntages von der jüdischen. Turnrrschaft Deutschlands in Berlin veranstalteten Wettkämpfen. wurden von dem jüd. Turnverein Frankfurt folgende Prei.se errungen: Frl. ALna MoseS 1. Preis Weitsvruug, 3. Preis Dreikampf; Arthur Wiener l Preis Kugelstoßen, 2. Preis Zwölfkampf, 3. Preis Stabhochsprung; Leo Metzger 1. Preis Hochsprung, 2. Preis 100 Meter Mattauf; Fritz Herzbcrg 4. Preis Zwölfkampf. Frankfurter Seranstalturraeu. . Talmud.Thora-Berein, Hörsaal Börneplatz, Samstag, nach Morgengottesdienst: Hastauroh (Dr. Rabin), ll Uhr: Schulchan-Aruch (Unna), Za/i Uhr.Raschi (Lipinsky), Nach Mach«: Fjn Jaakawv (Unna). Sonntag, nach Morgcngottesdienst: Mischna (Dr. Friedmann), 9Vs Uhr: Schulchan-Aruch (Lipinsky), 9Ve Uhr: Gemoro* (Unna). Mittwoch, nach Morgengvttesdienst: Mischna (Dr. Friedmann), nach Mincha: Chauwaus-yalewawaus (Dr. Braun). Donnerstag, 8V?' Uhr abends: Gemoro*) (Unna). Fortbildung für Knaben: Sanlstag, 3'/- Uhr: Schulchan-Amch, Donnerstag, 6Vs Uhr: Gemoro. *) HcrmeSlvcg 27. Osisnä-Ipotklsks 8»llkusrikvästr. 2 ^slsxdva: 8. 2802 Anfertigung der Rezepte für sämtliche israelitischen Kassen. Spexlalltflti Bestens bewShrter Rasierpuder. Sepphoris Uttd Rom. Etz historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert. von Ludwig PhUiPPfvhn. (Fortsetzung.) Der Patriarch war daher für diese glänzenden Vorzüge vollständig eingenommen; ec begünstigte Joseph wo und wie er nur vermochte, baut er hoffte von ihm Vieles zur Wicdcrherstettnng des alten Ruhmes der Schule von Tibcrias und schloß ihn tief in sein Herz ein- ^Was Wunder, daß er die Fehler überjah, an denen seiv wulchcrsmnor Schüler litt. Ein kränkelnder Ehrgeiz, eine wentz bczlmingene Streitsucht, eine ioüste Hcrrschgier machtril thn zum unleidlichen Genossen, de» daher Meura nd gern hatte, bcig man so viel wie inöglich aus dem Wege ging. Seine Vergangenheit und die bedeutende Kraft, die er bewährt hatte, flößte» dem jungen Manne einen Hochntut ein, den die leiseste Berührung krankte und zu Zorn und Haß 'cntflaiumte. .Sein Geist war in Tiberias bei den Meistern jüdischen Wissats. aber sein Gemüt war draußen geblieben in dem Zeltdorfe der arabischen Wüste und hatte die Lechenschaft und die List des herumirrenden Beduinen beibehallrn. Wie er sich tum erst auS der Unwissenheit und untern Stellung herausgearbeitct hatte, gesellte sich noch ein anderes Gefühl hinzu. Er konnte die Blüte der reizenden Mirjam nicht sich entfalten sehen, ohne eine tiefe Ndigung zu ihr zu fassen. In seiner fruchtbaren Einbildungskraft vereinigten sich die Liebe und der Ehrgeiz; er sah sich schon im Besitze der schönen Tochter des Nassi und durch deren Hand mit den Ansprüche» auf die Würde ihres Vaters versehen, der keinen Sohn znm Nachfolger hatte. Er begann daher, sich auf jede Weise Mirjam zu nähern. Harmlos nahm sie seine kleinen Liebesdienste air, obgleich sie eine innere Abneigung gegen ihn empfand. Aber wiq ihr Balcr, fürchtete sie nichts mehr, als Jemanden zu beleidigen und ahnte von der Bedeutung jener Gefälligkeiten nichts, die sie für Joseph hatten. Dadmkch kühn gemacht, gestand er endlich Mirjam seine Neigung und fosderte von ihr die Erlaubnis, bei ihrem Vater um sie anznhalten. War Mirjam hiervon höchlichst überrascht, so war es Joievh von ihrer entschiedenen Abweisung um so mehr, iveil er i» seiner Selbstüberschätzung diese gar nicht für möglich gehalten. Er bat, er, flehte iutb drohte, — aber mit einer Bestimmtheit, Neue Jüdische Dresse. Bo« Jehuda Halevis Leyer.*) GotteS Hand wird dich beschatten. Wird dir Decke sein und Hülle,' Wenn in Redlichkeit und Stille Du dich birgst in seinem Schatten. Nimmer wird dein Fuß crinatten. Deine Hand bleibt stark hienieden: Suche, Seele, nur den Frieden, Frieden wird er dir erstatten. Tag und Nacht will ich, den Herren loben! Seiner Gnade Antlitz ließ er leuchten, Fenster brach er aus an Himmelswänden, Sonnen, gab er, die uns Strahlen spenden, Strahlen, die die Finsternisse scheuchten. Doch er gab mir mehr: Von seinem Glanze Gab er mir, ich Hab cs froh genmnmcn; Durfte seines Geistes Regen spüren. Ließ mich gern auf lichten Wegen führen. Wegen, die vom Sinai gekommen. So war sein Gesetz in meinein Munde, Daß mich Honig seine Worte beuchten; Und in seiner Lehre lichten Flammen Jauchzte ich die ganze Welt zusammen: — — Brüder, seht, wie »reine Augen leuchten. Literarische Rundschau. Notizen. Der Jüdische Verlag und der Welt-Verlag in Berlin haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft vereinigt, uin in großzügigster Weise allen Aufgaben des jüdischen Verlagswesens gerecht zu werden. Der Welt-Verlag wird auch "weiterhin besonders die jüdischliterarischen Leistungen im deutschen Sprachgebiet pflege». Dr. Martin Bub er hat die oberste literarische Leitung der beiden Verlage übernommen. Dr. Jacob Klatzkin die hebräische Wteilnng im Jüdischen Verlag. Für den Einzelvertrieb der Bücher wurde die Ewer-Gesellschaft, die bereits in Berlin W. 15, Knesebeckstr. 54/55 eine Buchhandlung hat, gebildet. 'Das Direktorium des Gesamtunlernehmeus bilden: Dr. Bubcr, Dr. Jacobson, Dr. Krojanker, Alwin Löwcnthal und Dr. Elias b erg. Der Verband der Ostjuden in Berlin Wied ab 1. Tischri eine Wochenschrift in jiddischer Sprache unter dem Titel „Der Misrachjud" erscheinen lasse». .Dieselbe wird sich mit alleir aktuellen Problemen sozialer, kultureller und politischer Natur, die die Ostinden in Deutschland und die Lage der Juden i» den Ostländcrn betreffen, befassen und besonders den Fragen der jüdischen Wanderung und ihrer Klärung gewidmet sein. DaS Blatt wird keiner partei-politischen Tendenz dienen, es wird voll *) Aus „E tu Diwan" von Jehuda Hulev i. Uebertragen und mit einem Lebensbild versehen von Emil Bernhard (Rabb. Dr. Emil Cohn-Bonn). 166 Seiten. Preis in Geschenkeinband 28 Mk. Berlin, Erich Reiß Verlag. Ein Buch, von dem wir lvünschcn, daß es seinen Segen in ein jedes jüdisches Haus trage. die er dem zarten Mädchen nicht zugetraut, erklärte 'Mirjam alle seine Bemühungen für vergeblich. Joseph setzte trotzdem seine Bewerbungen unermüdlich fort: je öfter er dafür eine unabloeisliche Kränkung erlitt, und je bitterer seine Stimmung dadurch wurde, desto kühner ward er und fand eine Befriedigung darin, Mirjam zu verletzen. Sie konnte zuletzt nicht anders, als zu ihrem natürlichen Beschützer ihre Zuflucht zu nehmen, ihrem Vater alles zu gestern. Zu derselben Zeit aber war Joseph mit allen andern Mitgliedern des Sanhedriu zerfallen. Der Stellvertreter des Patriarchen im Vorsitz, R. Dima, hatte,, zUm Teil von bau intriganten Benehmen Josephs bewogen, besonders aber, weil er die sich häufenden Plackereien seitens der rönrischen Behörden müde geworden, beschlossen, ilach Sura irt Babylonien auszuwandern. Jetzt setzte Joseph alles in Bewegung, um, obschon er Einer der Jüngsten >var, dieses Würbe zu erlangen. Es hätte ihm an geistiger Befähigung nicht gefehlt. Aber, wie es immer geschieht, fielen auch bei ihm die Folgen des Ehrgeizes und des Hochmutes auf feilt Haupt zurück. Er hatte keine einzige stimme für sich, und seine Kollegen bestürnrten vielmehr den Patriarchen mit Klagen über das verletzende Benehmen des Fremdlings, der mit Wohltaten überhäuft worden war. Hillcl beschloß daher, ihn auf eine gute Weise für einige Zeit zu entfernen. Es war in den letzten Jahrzehnten Brauch geworden, von Zeit zu Zeit Männer aus dem SanhedriN nach Provinzen und Landschaften zu senden, die eS bedurften und wünschten, dort" die Lehre und das Gesetz zu predigen, das Volk in der Glaubenstreue zu befestigen, Streitigkeiten zwischen Gemeinden, Vorstehern und Beamten zw schlickten und schwierige Fragen zu beantworte:,. Es versteht sich, wie dies bei allen Verrichtungen des Tanheorin der Falt war, daß dies unentgeltlich geschah, und die ,Gemeinde,! ,nrr für den Unterhalt des Sendlings, sowie für dessen Weiterbeförderung von Gcnieinde zu Gemeinde zu sorgen hatten, vbschon es sich auch Viele nicht nehmen ließen, dem Vertreter des Patriarchen freiwillige Geschenke zu überreichen. Es kam dann auf diesen selbst an, ob er dergleichen annehmen wollte. Der Patriarch ließ Joseph vor sich kommen, stellte ihm sanft ‘ und schonend die begangenen Fehler vor, führte ihm namenllich zu Gewissen, daß es eines Mannes unwürdig sei, sich einer Jungfrau cmszudrängen, die einmal ihre Neigung ihm nicht schenken könnte, und übertrug ihor eure Botschaft an die cilicischen Gemeinden, die sich um einen \P TELEFON erfüllf ‘ .Ansprüche. FRANKFURTER;'PR!VAT-TELEfON"G£ScLLSCHAFTmi pQhr7ihc£shlÄ;Qo-dr».£orie:';.PrB’^N.)^FUB^' A.Mv Feinsor honsa p-56/5 dem Standpunkte der Einheit der jüdischen Gesellichast in der ganzen Welt geleitet werden. AbonnenrentSpreis vierteljährlich M. 12, Redaktion und Administration: Berlins. 54, Rosenthälerstr. 13, Zeitungsvertrieb Hamewasser. In Wien erfolgte die Gründung eines jüd. Instituts fürJugendforschungundErziehung,' dessen Grundstock die Bibliothek und Sammlungen Dr. Siegfried Bernfelds (2000 pädagogische und psychologische Bäirdc und 20,000 Sammelnmnmern) bilden. Das Institut ist bereits jetzt in der Lage, Material für wissenschaftliche Arbeiten zur Berfügnug zu stellen. Bon „Der Inde", eine Monatsschrift herausgegeb-n von Dr. Martin Buber (Jüdischer Verlag, Berlin NW- 7, Tvrotheenstraße 35. Vierteljährlich M. 15. Einzelljeft M. 5.50) ist Heft 3 erschienen. Es hat folgende» Inhalt: Arnold Zweig, Der heutige deutsche Antisemitismus, Paul Am an», „Assimilation" in Frankreich, Samuel Rappavort, Aus dem religiösen Leben der Ostjuüen s.Lrankenfürsvrge"), Mcrrt. Bnber. Zwei Wundergeschichten. Jakob Rabinvwitz, Bon westjüdischen Schriftstellern, Helene Hauua Cohn, Arthur Ruppin. Umschau: Dr. Nathan den Nathan, Kolonisation, MarkuS Reiner, Sozialismus. Berichte vom jüdischen Leben: HanS Kahn, Die Juden in Sibirien. A. 91. Thyssen Siefs Eingang MF~ Neuheiten in Tapeten "MN Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke Weisafraaenstrasse. Telefon: Hansa 1784. Sendboten des Patriarchen beworben hatten. "Er machte ihn aufmerksam, daß er ihm hiermit das ehrenvollste Ber> trouen erweise, und daß es ihm eine hohe Befriedigung, schassen müsse, jetzt schon als ein Verkünder des göttlichen Wortes aufzutrcten, nach welchem er noch vor wenigen Jahren so sehr gedürstet hatte. Aber Hjllel kannte seinen Mann wenig, als er glaubte, dem Sohne des Zeltdorses hierdurch Ehre und Befriedigung genug verschafft und ihn mit Dank und Freude erfüllt zu haben. Joseph verbeugte sich vor ihm und bereitete sich zur Abrciie. Aber in seinem Innern kochte und wühlte es.' Wie ein heißer Wirbelwind der Wüste erhob es sich in seiner Brust und trocknete alle Bäche der Dankbarkeit, der Verehrung und des Gehorsams auS. Seine Liebe verschmäht, seine Hoffart gedemütigt, seine Ansprüche zurüchgewiesen zu »eben, erfüllte den leidenschaftlichen Menschen mit stürmischem Jngrimme. Er brütete über die feindseligsten Pläne und machte Entwürfe, um Alle, mit denen er die letzten vier Jahre so eng verkehrt hatte, aufs Tiefste zu kränken und endlich zu vernichten. In der letzten Stunde vor der Abreise machte er dennoch einen letzten Versuch auf das Herz Mirjams. In der Wcinlaube des Gartens, in der Dämmerungsstunde des Abends trat er vor sie; redete zu ihr zuerst Worte der Zärtlichkeit, dann deS bittersten Unmutes und des Rache» gesühl, — aber umsonst. Vergebens suchte Mirjam mit sanften Worten zu beschwichtigen und ihn mit Gründen der Vernunft und des Gewissens zum rechten Psade zurückzusübren. Sein letztes Wort war ei» Schrei des Fluches, ein Gelöbnis der Rache: er stürmte fort und zog davon. Josevh ging nach Cilicien. In Tarsus sammelte er, de» Schein der edelsten Uneigennützigkeit vor sich tragend, freiwillige Beiträge für alle mögliche:: uorgeschützten Wohitätigkcitszwecke, zur Erbauung von Lehr- und Gotteshäusern, für verarinte Gemeinden und dergleichen inehr. Da ec es wohl verstand, den großen Haufen durch Schmgwörtcr zu begeistern und gelchrtcrerc Männer durch außergewöhnlichen Scharfsinn zu ergötzen, io hatte-er nicht unbedeutende Erso.ge und häufte große Geldsummen aus. Dann warf er sich zum Richter in allen allgemeinen, und Privatüreitigkeiten auf nnd zeigte sich bald der Bestechung zugänglich, wohl wissend, daß die Bestechenden daS Geheimnis ebenso bewahren wie die Bestochenen, und. daß bei einem einmal erlangten guten Rufe man lange auf dessen Kosten sündigen könne. (Fortsetzung folgt) v