Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 30 (20.8.1920)
- Date
- 1920-08-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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30. «r. 30 > okne feraog ilfass rt ' erei SW, »lchmin jel. LeaMantiKfinstterspiele Kaiaeratrasae 69. Beginn 8 Dhr. Tel. Hansa 5516. Dfantis-Welnrest anraut den gam. Tag eeBfihet ab 10 Ubr morgens. Warme Küche. "MW rügten Verfahrens zugesagt. Auch das Komitee der Jüd. Delegationen in Paris hat sich in dieser Angelegenheit m die österreichische Regierung gewendet. 7» q. Äk- Zystenir :rjkdniwerden Psle«. Ei« ständiger Aut für jüdische Angelegenhelle». In der dritten Konferenz der j ü d i s ch - p o l n i s ch c n Ausgleichsverhandlungen wurden die Schaffung eines ständigen Rates für jüdische Angelegenheiten beschlossen. Diesem. Rate sollen einerseits Bertretreter der Regierung und der polnischen Sejmgruppen, andererseits Vertreter sämtlicher jüdischer Richtungen augehören. Der Rat wird eine Exekutive, bestehend aus einem Regierungsvertreter als Vorsitzenden, drei jüdischen und einer gleichen Anzahl Vertreter der polnische» Sejmgruppen wählen. (Den Wert der neuen Gründung für die Jude n wird erst »ach den Taten zu ermessen fein. D. Red.) leinben Wohsi, ausmerifa vaabtt e 1»ft LibepL zugudr fei mit t'wdft «»««. d.uns ALZ. nutzes: lntzech deut-,' lssnng . ldlage, iokrai imtz h dle. :reu etb löge. nie ch fcrf. he-' »Ar* chaud Darnfteä i.'Olt* mkr g Lu. ackiweiisber- IC»»' l.fe* : die. ««che den lasse, rang wibder stlrz, ngsb* Platz res «ch- «m. -Äe*; Kurze polittsche Nachrichten. Wie«. Die neue hiesige Zeitschrift „Jüb. Preßbericht" nagelt fest, daß die antisemitischen, pogromhetzerischen Unternehmungen „Ungarische nationale Arbeiterbibliothek^ und „Arbeiterzeitung" große Unterstützungssummen von jüdisch - assimilatorischer Seite erhalten haben. Die Zeitung chließt ihre Enthüllungen mit folgenden Worten: „Man möge uns nicht mit Ausflüchten, wie Feigheit, Zwangslagen und Erpressungen kommen. Wir kennen die ungarischen jüdischen Millionäre. Sie geben auch ihren Vater preis, wenn sie dadurch sich und ihre Taschen schützen." London Im Oberhause berührte Lord Wester Wämis auch die Palästinaftage und sagte: „Wir machen in Palästina den Versuch, das Land einer Gemeinschaft zu übergeben, die, sei es durch ökonomische, sei es durch psychologische Gesetze, wie auch' durch, geschichtliche Beispiele bewiesen liat, daß sie nicht in Freundschaft nrit ihren Nachbarn leben kann. Minister Lord C u r z o n erwiderte, noch bevor das Mandat veröffentlicht und dem Völkerbund zur Bestätigung vorgelegt ist, komme Wamis und kritisiere die englische Politik als eine ganz unerhörte Sache. Bei allem Respekt müsse er sage», daß er noch nie eine Rede angehört habe, die so leichtfertig, ernste und verwickelte Fragen behandelte. Die Regierung habe in allen Fragen stets an Gerechtigkeit, Frieden, zukünftige Ordnung und Prosperität der Völker gedacht. Jer«sale«. Palästina wftd von der neuen Verwaltung in zwei Verwaltungsbezirke eingeteilt: Palästina mit Jerusalem und Phönizien mit Haifa als Zentrum. Die jüd. Legion, der Gedud, bleibt bis zum 31. März 1921 bestehen. Ne« «rMteetl Nen eröffnet! WT ESls-Salon EMA Zell 33 vis a vis dem alten Polizeipräsidium. -- ■ Angenehmer Familienaufanihalt. : - ..Inhaber: L. Hübner. Sepphoris und Rom. Ein historischer Roman aus bene vierten Jahrhundert. Bon Lndwtg PhiltPPsoh«. . (Fortsetzung.) ' Dieser schwieg eine Zeit lang. Mit geschlossenen Augen lag er in seinem Sessel, zurückgelehnt, und nur eine leise Bewegung auf der tief durchfurchten Stirn bezeugte, datz sein Geist wach und in sorgfältige Erwägungen versunken sei. Endlich redete er Patrika wieder an: Und-die Männer von Sepphoris haben lediglich meine Entscheidung gefordert und nicht die des großen Sanhedrin?" „Ja, verehrter Oheim, es war nur von Deiner Entscheidung die Rede, und man ist mit dieser im Voraus völlig beruhigt." * „Nun, Patrika, so sage ich Dir, daß die Beantwortung des dortigen Sanhedrin vollständig richtig ist und zwar dem Geiste des Gesetzes gemäß, und den vorliegenden Verhältnissen angemessen. Die Weisen Jsrael's sind dazu da, das Gesetz Gottes streng zu erhallen und es nimmer untergehen zu lassen, aber es dehnen oder zusammenzuziehen nach dem Gebote der Zeit und ihrer Umstände. Die Zeit des Widerstandes ist vorbei, die Zeit der Nachgiebigkeit ist gekommen, und letztere allein kann uns retten." ' Aus der Brust Patrita's erhob sich ein tiefer Seufzer und er , sprach: „Ja, es steht schlimm in Sepphoris, und wir haben schwer zu tragen . . . ." „Und glaubst Du," unterbrach ihn der Greis, ,chaß für Liberias solche Tage ausbleiben werden? Nun so wisse, daß wir jeden ^lugenblick das Eintreffen des Cäsar Gallus zu erwarten haben, und Du bist gewiß genugsam mir den Männern Rom's bekannt, zu wissen, daß dieser Gallus als eifrigster Christ auftritt und sich zum schonungslosen Gegner aller andern Religionen erklärt hat. Ich erkenne kehr wohl das Schauspiel das hier aufgeführt werden soll. Der Kaiser Constantius hat sich bis jetzt noch nicht öffentlich zum Christentum bekannt, um sich dem lwch immer -mächtigen Heidentum nhcht geradezu entgegenzustellen, und darum übernimmt dieser Cäsar die' Rolle des Verfolgers. Du wirst sehen, .Euch ergeht es schlimm, in Sepphoris, uns chier in Liberias noch schlimmer, und ich glaube kaum, daß die von den Kaisern meinem Hause verliehenen Privilegien unangetastet bleibe» tverden." Bene Jüdische Meise. Jaffa. Die Plantagenbesitzer von Petach-Tikwah haben von der Jca ein langfristiges D a r l e h en erhalten. Und zwar A4 000 Ps. für Plantagezwecke und 11000 Pf. für den Anbau von Luzernen. Außerdem hat der Waad der Kolonie ein Darlehen von 22500 Pf. für Straßenbauten erhallen, an dem der Waad Hazirim mit 15 OCp und die Jca mit 7500 Pf. partizipieren. — Dr. Alkazir, der 10 Jahre hindurch einen wichtigen medizinischen Posten in Amerika eingenommen hat, wird demnächst in Jasfa ein Krankenhaus für Augen-, Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten eröffnen. Zionistische Nachrichten. Wien. Die hier stattgehabte Weltkonferenz dor Poale- Zion hat den Anschluß an die 3. Internationale beschlossen. Aus -er „Agndas Jisroel"-Bewegrmg. Wie«. Die für den 13. August nach hier einberufene allgemeine Tagung der Aguda-Weltorganisation wurde verschoben und findet am 24. August in Preßbnrg statr. Ans der Misrachi-Bewegung. Jerusalem. In einer Unterhaltung mit Oberrabbiner K u k sagte Sir Herbert Samuel, er freue sich, daß sein Bruder Sir Stuart Samuel Leiter des Misrachi, der orthodoxen zionistischen Fraktion, sei. Personalien «. kleine Mtteilnngen. Berlin. Hier verschied der Geheime Legationsrat Dr. Wilhelm E a h >,. Er dürfte wohl unter dem allen Regime als Jude den höchsten Rang erreicht haben. Frankfurt a. M. Am 22. Augun findet im Paulinenschlötzchcn in Wiesbaden die 2. Delegierte »tagung des Hessischen Landesverbandes der jüd. Jugendvereine statt. Gießen. Geh Kommerzienrat Dr. rer. pol. h. c. S i e gmunfc Heichelheim, Ehrenpräsident der Handelskammer, langjähriger Vorsteher der Israelit. Gemeinde, verschied im 79. Lebensjahre. Stratztmrg. Die Regierung erteilte 60 jüdischen Kindern ans Wien die Erlaubnis eines sechswöchentlichen Aufenthaltes. Der „Misrachi-Verein" übernahm ihre Unterbringung.. Emde«. Die unabhängigen Hafenarbeiter Emdens drohten mit der Einstellung LeS Verkehrs nach Borkum, wenn dort das antisnuitischc Borkumlied weiter gesungen werde. DaS Singen dieses geistesarmen, traurigen Machwerkes wurde infolge dieser Drohung eingestellt. New Nork. Hier ist der Stryszynizer Rebbe Sch. Hager eingetroffen. Nachdem die Russen sein Haus zerstört hatten, floh er vor füns Jahren nach Böhmen, wo er bis jetzt blieb. — Für die in Galizien, wo sie für das amerikanische jüdische Hilfswerk weilten, ernrordeten Professor Dr. Friedlaender und Dr. Cantor^fand eine glänzende Trauerknndgebnng statt. Es sprachen Felix M. W arburg, Dr. Cyrus'Adler, Sholom Äsch und Dr. I u d a h L- M a g n e s. Prof. Dr. Friedlaender hinterläßt eine alte Mutter, eine Frau und sechs kleine Kinder. Seite 8. Intet Kal- DfaM-Tipl-MiijHi Bergerstrasse 149. H. 4642. Mottenvernichtunn unter Garantie. "MM Frankfurter Berichte. Personalien. In der Klaus-Synagoge, Ostendstraße, wurde Oberlehrer Dr. Joseph Breuer als Nachfolger Rabbiners Dr. Lorsch s. A. eingeführt. Der dieser Tage im 60. Lebensjahre verstorbene Leopold Lob war gleich seinem Schwager dem bekannten Privatgelehrtcn Lipmaim Philip Prins s. A. ein Freund der jüdischen Wissenschaft. Auch unserer Zeitung har er im Laufe vor Jahre manche Whandlung kalendarischer und astronomischer Art gegeben. Kleine Notizen. Der Talmud-Thora-Berein (Hörsaal Börneplatz- Synagoge) macht bekannt, datz der Ejn Jaakauw-Schinr des Herrn S. Unna fortan am Schluß des Mincha-Gottesdienstes stattsindet. Ferner wird darauf hingewiesen, daß der Fortbildungsunterricht für Knaben von 8—15 Jahren in Schulchan-Aruch, Mischn« und Gemurr wicdcrl regelmäßig Samstags SVs—4Vs, Dienstag und Donnerstag 8—7 Uhr abgehalten wird. Frankfurter Beraustoltuuge«. Talmu'd Thora-Berein. Samstag, nach Morgcngottesdienst: Schulchan Arnch (Dr. Friedmann): 34h: Raschi (Lipinsky): nach Mincha: Eyn Jaakauw (Unna)); Sonntag, nach Mvrgengottesdienst: Mischna (Dr. Friedmann): 914 vorm.: Schulchan Arnch (Lipinsky)): 9Va: Gemoro (Unna); Montag, 6Vi abends: Nwiim (Unna)); Dienstag, Slh: Mikro (Unna); Mittwoch, nach Morgengottesdienst: Mischna (Dr. Friedmann): 6V-i abends: CHauwaus Ha'lewowaus (Dr. Braun); Donnerstag. 8Vs abends: Gemoro (Unna); Gemoro-Schiurim Sonntag und Donnerstag .Herinesweg 25, alle andern Hörsaal Börneplatz. Fortbildung für junge Leute: Montag, 9 abends: Gemoro (Unna): Fortbildung für Knaben: Samstag, iWs: Schnlchan Arnch; Dienstag, 6 abends: Mischna: Donnerstag. 6 abends: Gemoro. Jehuda Halevi.*) Mir wieS ein lichter Traum das Zauberland, Darin die Glocken deiner Seele läuten. Da hielt der Jüngling "tief ergrissen still. Den wundersamen Weiheklang zn deuten. So gnadenreich ward mir der Höhensang Wie Saiten, welche Priesterhände rühren. Ich aber neigte mich: Denn du tratst selbst hervor. Mich in dein königliche» Reich zu führen. *) Aus Otto Abeles „Die Genesung". Mk. 9.—. R- Löwit Verlag. Theo Joha£ Konfitüren und Schokolade Steinweg 12_Staigweg 13 „Nun gut," sprach Patrika mehr zu sich selbst als zu seinem Oheim, „kommt nach dem Schlimmen das Schlimmere, so folgt auf das Schlimmere das Schlimmste. Und mit dem Schlimmsten kommt die Rettung . . ." Mer der Greis hatte' wohl aufgemerkt und richtete lebhaft Auge und Wort an den Sprecher: „O, mein Sohn, das ist eine sehr ungewisse Schlußfolgerung: denn vom Schlimmen bis zum Schlimmsten ist eine große Stufenleiter, die sich über viele Jahrhunderte erstrecken kann. Denn was wir schon für schlimm erachten, erscheint vielleicht dem folgenden* Geschlecht leidlich gegen das, was ihnen selbst auserlegt wird." „Aber wie, Oheimkann es wohl schlimmer werden, als wenn nunmehr der Feind auch an den letzten Bestand unseres Volkes im heiligen Erbe seiner Väter die Axt legt, wenn er auch die Städte Galiläa's zum Schauplatz seiner Gräuel macht, hier uns entwurzeln, zerschlagen und die Splitter nach allen vier Säumen der Erde zerstreuen will? Kann Juda auch in seinen .Trümmern nur bestehen bleiben, sobald die letzte Sohle seiner Söhne von dem geweiheten Boden, der sie erzeugte, geschwunden ist? . War es doch allzu sichtbar ein Werk der Vorsehung, daß, als Judäa von unfern Vätern geräumt werden mußte, ja als sie aus den Gauen Judäa's unter Androhung der schärfsten Strafen verbannt wurden, sie sich hier in Galiläa um so zahlreicher niederlassen konnten, der Unwille und Haß der Römer ihnen Galiläa nicht versagte, ja daß hier ein neues geistiges Jerusalem aufgebaut werden konnte, dessen Strahlenglanz vielleicht unmlltelbarer sich über unsere fernsten Enkel ergießen wird, als selbst der des wirklichen Jerusalem. Mer wenn es nun kommt, wie ich es voraussehe, daß wir auch aus Galiläa als heimatlose f lüchtlinge vertrieben werden, was soll danngeschehen? arm es noch Schlimmeres geben? Fürwahr, dann müssen die göttlichen Verheißungen in Erfüllung gehen; dann muß endlich der Reis aus David's Stamm aussprießen und in die Höhe wachsen; dann muß der Messias kommen und seine Standarte aufpflanzen für uns und die Völker, und wir müssen mit willigem Gehorsam unseren letzten Tropfen Blutes vergießen, das große Siegeswerk vvllfiihren zu Helsen! . . ." - Bei jedem dieser Worte Halle sich die Stimme Patrikä's stärker erhoben, seine Augen leuchteten, und seine Rechte zeigte durch eine edle Bewegung, welch mächtige Gefühle seine Brust durchwogten. Wer auch der alte Patriarch war immer aufmerksamer und gespannter geworden und hatte sich zuletzt mit seinem Oberkörper gänzlich aufgerichtet, den Blick fest aus den jungen Mann gerichtet. Jetzt unterbrach er diesen. „Nicht weller, Kind, nicht weiter, — will es da hinaus? Bist auch Du schon zu jenem Uhuruse unsres Bottes gekommen, der es so oft in den Sumpf des Truges verlockt und in ein Meer von Bbrt hineingestürzt hat? Nimmermehrl- Wer da nach einem. Messias verlangt, dem kommt er wohl, — aber ein Messias der Lüge! Sprich zu einem Bolle: Siehe da, dein Messias kommt und bedeckt Deine Straßen mit Gold und baut Dein Haus aus Rubin, — und es wird eine« Messias haben ehe es sich dessen versehen» mag dieser ei« Betrüger ober ein Betrogener sein oder Beides zugleich! Nein, Patrika, zu viel des Unglücks, zu viel des Verderbens hat dieser Messiasglaube unserem Volke gebracht, dicht an den Rand völligen Verderbens hat er unser göttliches Gesetz gedrängt und Ströme von Blut, nutzlos vergossen aus den Adern der besten Männer, der herrlichsttn Jünglinge!" Patrika war bleich geworden, und einer schnell vorübergehenden Röte folgte wieder eine totenähnliche Blässe. Dann schlug er die Hände zusammen und ries schmerzlich aus: »Wie, mein Oheim, war Israel nicht ans jedem seiner Verbannungßwege von göttlicher Verheißung begleitet und umgeben, und nur diese vermochte es ausrechtzueichalten. Nach Egypten gingen mit Jakob und seiner Famllie die Verheißungen Gottes an Abraham; nach Babel die Verheißungen durch den Mund der Propheten und insbesondere das Wort Jeremias, —• und wir aus unserm wellen Wüstengange, der bereits mehr als drittehalb Jahrhunderte währt, sollten keine, gar keine haben? Haben wir' nicht wenigstens Daniels »Daniel ist kein Prophet; unsre Weisen haben das Buch unter die heiligen Schriften» nicht unter die Propheten gestellt. Du srägst nach Verheißungen, Kind, und willst Du eine größere haben» als d<S Wort: e5er_ werden die Himmel vergehen und Sonne und Mond sich versinstern, denn daß mein Bund aushöre» sollte mit Israel, meinem Volke! Genügt dies Euch nich^ das uns doch eine ewige Dauer verspricht, und wollet Zche durchaus «fl