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Neue jüdische Presse · 1920-08-20 · Heft 30 (20.8.1920) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 30 (20.8.1920)
Date
1920-08-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gerte 4. Neue MSjche K-Hse. Nr. SO. Freya-Büro-Einrichtangen Werner, Moll & Cie. Frankfurt a. 3L, Theaterplatz 11. WM- M«u eröffnet. *3BC Und sprachst zu mir: „Sieh diese Zedernpracht, De» Marmortcmpel und die stillen Palmen, Die Efeuranken und den Blütcnglanz, Und sieh den goldnen Segen an den Halmen. Hier ging ich ein, als mir den müden Leib Die Sehnsucht löste. — Jedes Wipsclrauschen Singt hier mein Lied, und wer die Heiniat sucht. Darf rasten und in meinen Hainen lauschen . . ." — — Als ich erwachte, war's ein Frühlingstag, In allen Zweigen blinkten Freudentränen Und ich schwieg still. — In meinem Buse» schwoll Eilt Sang von hciickatstarken Psalmentönen. Literarische Rundschau. Beroch aus wchaudoaus. (120 Seiten. Herausgegeben und verlegt von H. Bergmann, Buchhandlung, Frankfurt a. M.) Ein praktisches Hausbüchlein. Gebete für Kinder, die Scgenssprüche für die verschiedensten Gelegenheiten des Tages und des Jahres (so beim Genuß von Speisen, bei Hochzeit, Bris-Miloh) irnd die Semiraus, die stinnnnngsvollen, erhebenden und adelitden Lieder bei den Sabbatmahlzciten. f ' Eine Aentzerung Kaiser Wilhelm n. Der einmalige Kaiser Wilhelm II. äußerte sich, wie wir de» soeben erschienenen Bismarck-Erinnerungen des ^Lucius voii Ballhausen entnehmen, als Kronprinz zu Puttkammer: „Wenn er eimnal dran komme, werde er nicht dulden, daß Juden in der Presse tätig seien." Auf Puttkannncrs Bemerkung, das sei wegen der geltenden Gewerbeordnung nicht zu verhindern, erwidert er: „Dann schassen wir die ab." Eine Der größten Krisen Ser Geschichte. Professor Israel Frieblaender-Newyork, der jüngst auf einer Neise in Galizien als Vertreter des amerikanischcn Hilfskomitees ennordet wurde, ein genialer Gelehrter und begeisterter Jude, schreibt am Schluß seiner „Geschichte der Juden in Rußland und Polen": „Wir leben in einem Augenblick, da die Menschheit durch eine der größten Krisen int Laufe ihrer Geschichte hinburchgeht. Die Zeit ist aus den Fugen, und unwillkürlich wendet sich unser Geist dem geheimnisvollen „Ende der Tage" zu, das unsere alten Propheten in seelrnerschüttcrnden Bildern Mo zeichnen: „Ich laste Wunderzeichen am Himmel und auf Erden erscheinen: Bürt und Feuer und Rauchsäulen. Die Sonne wird in Dunkel sich wandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des (Sangen kommt, der große und,' furchtbare." Kaffee Kaisergarten . am Operaplatz Erstkla88ig«i FamlUes-Kaffee Täglich von 4 Uhr ah:; Künstler - Konzert. Aber inmitten der erschreckenden Finsternis, die uns .zu verschlingen droht, ist nur ein Lichtstrahl, dev uns vor der Verzweiflung bewahrt. Es ist die Hoffnung, daß, wenn der große und furchtbare Tag des' Ewigen kommt, er nicht vergebens kommen wird, daß es ein Tag sein wird, der Abrechnung hält mit dem Mächten des Bösen, ein Tag. der all das Unrecht und die Ungerechtigkeit hinwegfegcn lvird, die sich Jahrhunderte hindurch im Leben der Menschheit angesammclt habe». Und als Juden können wir nur mit aller Jnbrmist und Zuversicht hoffen, daß der Tag, der im Leben der Menschheit eine glücklichere Zeit anbahiien hiird, aNch das Ende des Unrechts und der Ungerechtigkeit bedeuten wird, die in so ungeheuerlichem Maße auf das jüdische Volk gehäuft wurden. Und wenn die Juden, die jetzt den Umsturz im Reiche des Zaren schauen, nach dem Weltkrieg zu einem freien und glücklichen Dasein ausblühcn werden, dann wird in des Wortes wahrster Bedeutung an ihnen sich erfüllen die Verheißung des Sehers der Borzeit, die er in einem Augenblick der höchsten Bolksbcdrängnis ausgesprochen: ,-Das Volk, bas im Dunkel wandelte, erblicket großes Licht; die im Land des Todesschattens geweilt, Lichtglanz umstrahlt sie." . Notizen. In Berlin erschien unter der Redaktion von R. Salman die erste Nummer der Zeitschrift „Das arbeitende Palästina". Aus dem Inhalt seien crivühnt: „Geschichte und Entwicklung des Palästina-ArbeiterfondS" (E. Älumcnfcld) und „Sozialismus" — ein Werk des jüdischen Geistes" (Dr. N. Syrkln). In Jcrusalenr erschien bas erste Heft einer medizinischen Vierteljahrszeitschrist a r f u a h". lieber den Friedensvertrag erschien in London (2. Verulanr Buildings, Gray's Jan) ein 116 Seiten umfassendes Bncü „The Place Conference Paris 1019. Report of the Delegation of the Jews of the British. Empire on the trcaties of Versailles etc." Offenbacher Druckluft-Anlage Offenbaoh a. ■■ Telefon 123. Unübertroffene Tepplchreinigong mitteißt Druckluft Wochen-Salender. Samstag, 21. August (7. Ellul). Sabbat-Anfang 6 Uhr fl5 Mi». (Religionsges.), 7 Uhr 5 Min. (Gemeinde). — Sabbat-Ansgang 8 Uhr 20 Min. (Religionsges.,' und Gemeinde). Wochcnabschnitt: Schauftim. Wochengoktesdienst morgens 6 Uhr 15 Min, nachm. 7 Uhr in de» meiste» Synagogen. Ar«»kf»rter Kn«Me*»nchrrchte». Geboren. Eine Tochter Hermann Apelt (Oppenheimer). Barmizwos. Ernst David, Mittelweg 20, Synagoge Unterlinbau. Gestorben. Emma Ullmann, geb. Götz, 67 I. — Gottfried Reis, 60 I,, Eiserne Hand 41. — Adele Haas, geb. Schloß, 57 I., Röberbergweg 34. — Salomo» Binswanger, 80 I. - |£-TELEFONm 1 Ie Füllh ALLE Ansprüche. FRANKFURTER PRIVAT-TELEF0N-G£SELL5CHArT.;- FRÄNKF Für nSDf. fionsü.62S6/bT Auswärtige Aamilieuuachrichte». 80. Geburtstag Wolfs Brandt, Posen. G e st o r b e n. Abraham Wolf,' 60 I., Lengfeld. —I Lubw. Wassermann, 43 I., Nürnberg. — Abraham Wols.f 70 I., Eschollbrücken. Fanny Seligmann, geb. Rothschild, 95 I., Konstanz. — Komponist Boris Großmann, 37 I., Berlin. — Sanitätsrat Dr. Mehersoh», Schwerin. 7- Atoritz Loewenthal, 70 I-, Stettin. — Berta Eichmaiiii, geb. Koschland, 53 I., Halle. Spenden. Bei der NätionalfondskomMission (I- .Heimann, Zeill 21, Postscheck 41,441) gingen ein: Dr. Hugo Emmerich fürl NationalfondS M. 1000, Paul Armberg dankt verehrlicherl Borussia orientalis M. fl, derselbe zahlt des Darlehen mi| Frl. Dawidowtcz zurück M. 3. Ti Tel Bei der N. I. P. gingen ein: Feli). Strauß-Kopenhagen M. 15, Telegrammablösung z. Hochzeit E. Feist/Fränkel, Vt Sammlung Hochzeit Paula! Geis/Otto Orzegow M. 155 für Tachkemonischnle Jaffa. Edwin und Ilse Feist anl. ihrer Bermählung Misrachigrl M. 250, Misrachi Kolonialfonds M. 250, NationalfondS M. 200, Palästina-Zlnkbau M. 500, Martin Feist-Stiftung Tüchkeinonischule M. 1000. Toi En tri *01 L. für Eingesandt. Ich hatte ein Inserat'behufs Stellungssuche im Gen» ral-Anzeigcr und erhielt darauf eine Offerte der Firma! Paul (Stempelpaül) Katharinenpforte 11. Ich ging hin,! und obwohl nicht gerade mein Aussehen den Juden kenn zeichnet, wurde mir nach längerer Unterredung die Fragt! vorgelegt: „Sind Sie Christin Frl.?" Aus meine Antwort,! da stich Jüdin sei, wurde mir einfach erklärt: ,Mednur^ 'ehr, Juden nehmen wir nicht" Ti I A. U. Thyssen Stets Eingang Neuheiten in Tapeten Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke Weiaafrauenatraßse. Telefon: Hansa 1784. i eine Verheißung auf Kmupf und Sieg, auf Blut und Herrschaft?" „Und was sollen wir, Oheim, dem Volke antworten, -wenn.es danach fragt, was seine Zukunft und der Iüisgang aller dieser Leiden und Kämpfe sein werde?" . Bei dieser Frage erhob sich der Greis noch einmal und sprach mit lauter Stimme: „Saget dem Volke, daß Alles, was geschieht, nach dem Willen mid unter der Obhut Gottes geschieht, daß keine Träne aus einem Auge quillt, ohne daß sein Ratschluß sie will und sein Auge sie sieht. Saget ihm, daß insbesondere Juda unter seiner ewigen Obhut steht und kein Schmerzensschrei aus dem Munde einer seiner Söhne, aus der Brust einer seiner Töchter hervorgehe, ohne daß Er ihn gewollt und Er ihn vernimmt. _ Das lehret dem Volke, und es wird ausharren und ans dem rechten Wege bleiben! . : . Siehe, Patrika, auch Du fragst mich, nach der Zukunft, und ich will Dir sagen, wie ich sie schaue. Meinest Du, die Menschen könnten immer in diesenr Gewühl von Leidenschaft und Verbrechen, von Tyrannei und Unterjochung verbleiben? Meinst Du, daß sich auf alle Zeiten die Millionen von Menschen durch einige wenige nieüertreten, plündern und zur Schlachtbank führen lassen werden? Meinst Du, daß Gott darum seine Menschheit auf diesen Erdboden gesetzt, damit sie immer tiefer in den Pfuhl der Sünde und des Verderbens Hineinsinke? Meinst Du, daß der Geist, den Gott von seinem Odem in den Leib des Menschen gehaucht, in seinem Verlangen nach Reinheit, in seiner Sehnsucht nach Frieden, in seinem Durste nach Heil und Glück niemals den Stackb .der Erde von sich abschütteln und sich, zur -Höhe, zu Gott erheben werde? Nicht so; das meinst Du, das glaubst Du nicht, — oder Du hättest keinen Buchstaben unserer heiligen Lehre begriffen. — Sieh, Vatrika, weißt Du. nicht, wie unser Stern hier in Galiläa immer bleicher wird, desto sttahlender geht das Licht in den Schulen Babels ans, und je schwerer der Tritt des christlichen Römers wird, desto leichter wird der Stab des heidnischen Persers für unser Volk ... .? Nein, nein, auch an die Fluren Galiläas sind wir nimmer gebunden ..." Unter - der langen Rede des Greises' hatte Patrika seine Mihe wieder gewonnen. Ob er von den Worten seines Meisters und Oheims überzeugt worden oder nicht, er sprach es nicht auS. Als Hillel geendet und erschöpft zurückgcsunken war, beugte er sich über dessen Hand, küßte sie und sprach: „Ich danke Dir, verehrter Oheim, für das tiefe Wort Deiner Belehrung. Aber jetzt mußt Du ruhen, und wenn Du es gestattest, kehre ich morgen früh zu Dir zurück" Und mit leise» Schritten verließ Patrika das Gemach. 7. Hinter benr Hause des Patriarchen erstreckte sich ein mäßiger Garten bis a» den See hinunter, von welchem er jedoch durch eine tiefer gelegene Straße getrennt war. Eine hohe Palme stand an seinem Eingang, deren wett« gesttecktes Blällerdach sich bis über die First des Hauses erhob. Myrthen und Oleandergebüsche umgrenzten zierliche Blumenrabatten, die von hohen Rosengesträuchen durchzogen und eingefaßt waren. An diese schlossen sich üppig wuchernde Gemüse- und Melonenbeete, die sich' an einen langen Weingang lehnten, welcher die Rückseite des Gartens einnahm und den Blick auf den See und die Höhen völlig frei ließ. Hierher begab sich jetzt Patrika und kaum eingetreten, gewahrte er das weißschimmernde Gewand Mirjam's, die sich in dem Weingang befand. Mit schnellem Schritte wandte er sich zu ihr. „Wie hast Du den Vater gefunden, lieber Patrika?" fragte sie mit leisem Tone, der die Bangigkeit ihres Herzens verriet. „Teure Mirjam!" antwortete Patrika, indem er zugleich seine Augen umherschweifen ließ und seine Linke in die Höhe richtete. „Laß es mich offen sagen. Siehst Du dort die scheidende Sonne, die, halb noch sichtbar hinter den .Gipfeüi des westlichen Bergzuges, mit ihrem starken, fast blendenden Lichte diese Stzitzmi beleuchtet und die Höhen am jenseitigen Ufer mit einem rosigen Goldglanz übergießt, wie er niemals so licht und so zauberisch während des ganzen Tages auf ihnen geruht, während die Schatten der Nacht sich bereits auf den See gesenkt und dessen blaue Welle stahlgrau zu färben begonnen! Horch, wie der Abendwind durch die Blätter der Paüne flüstert und den Duft der Myrthen und Rosen durch die Luft streut. Alles ist Frieden und Ruhe, und selbst die weiß .bewimpelten Boote kehren bereits zu ihren Häsen zurück. Nur die Welle des'Sees plätschert an dich Ufer, und am blauen Himniel zieht hier und da ein purpurumsäumtes Wölkchen. Dies ist das Bild des Vaters. Ich habe ihn schloächer und vor der Zeit gealterter gestinden, als ich es erwartete; aber sein Geist sendet voll Erhebung und Klarheit ein helles Licht auf alle Höhen des Lebens, während dessen stürmisches Treiben ihm bereits verdeckt und entschwunden ist." Mirjam seufzte tief aus. Dann sprach sie: „Ach) er hat sich so sehr auf Dich gesreut; die Erinnerung an Dich hat ihn niemals, verlassen, und er sprach Deinen Namen immer mit Liebe aus. Wie hat er sich gegen Dich geäußert?" „Er hat große erleuchtete Worte gesprochen, tiefen Sinnes und voll herrlicher Anschauung. Aber ihr Glanz, scheint mir, trifft nur die jenseitigen Höhem von denen uns dunkle Täler und steile, beschattete FelsenAtrennen. Ich gestehe es Dir: seine Aussprüche haben einen großen Kamps in meiner Brust geweckt, sie traten meinen wärmsten Hosfnungen, allen Aussichten für die Zukunft unserer Nation entgegen. Wir sollen den tief gebeugten Nacken nur immer tiefer beugen und die gefesselten Arme ruhig hinstrecken, mit noch stärkeren Banden umwunden zu werden. Er hat recht: er spricht die Wahrhett. Wir aber, die wir im Kampfe des Lebens stehen, müssen doch anders. Nicht von dem eigenen Gedanken, von dem eigenen Willen hänge» wir ab, und die Ereignisse können uns zwingen zu dem, was wir vom Begimie an nicht beabsichtigten. Mirjam, wir müssen dem Kommenden männlich die Stirn bieten, und. den Arni halten zmn Kampfe, den wir nicht herausbeschworen." Beide versanken in Schweigen. Plötzlich! fuhr Mirjam auf, ergriff die Hand ihres Vetters und sprach: „Patrika, sieh, die Sonne ist verschwunden: sie ist mntergegangen hinter jene Berge, ihre Strahlen haben die Höhen drüben verlassen, die Nacht breitet ihre Schatten immer dichter und dunkler aus, und der weiße Nebel steigt aus der Tiefe des Sees herauf. Dies ist mein Schicksal, und es fleht wir nähe bevor, DU hast es selbst gesagt . . Patrika war betroffen, er . wandte sein Antlitz ihr zu undsenkte seinen Blick in ihre'großenweit geöffneten Äugen, aus denen die Trauer und der Schrecken so . tief bewegend hervorsahen. (Fortsetzung folgt.) Ter Zufi Srö ( 4i 1 s

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