Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 29 (13.8.1920)
- Date
- 1920-08-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr 29. Lette 3. Reue Jüdische Wesse. TELEFON' erfüllh - ALLE Ansprüche. FRANKFURTER PRIVAT-TELEFON-GESEILSCHAFT^ - F R AN K F U RT A. M. fwojpr Mors;: C2S6/V nicht auf die bisherige Art des Vollzuges verzichten. Milderungen der Zuzugs- und Aufenthaltsbedingungen sind nach diesen.Steuerungen wohl nicht zu erwarten. Grotzbrttanrrie». Die -Bilanz der Mische« «olenialbank. Der Reingewinn des Iewish Colonial Trust ,üd. Kolonialbank) für das Jahr 1919 beträgt 25,154 Psd. terlina. Mit Rücksicht aus die besonderen Verhältnisse wurde beschlossen, keine Dividende zu verteilen, sondern den Betrag für den Reservefonds anzülegen, der. sich somit gegenwärtig auf 35,854 Pfund Sterling beläuft. Tschecho-Slovakei. Bo« Mische» Nationalrat. Der auf dem Brünner Kongreß neugewählte Jüdische Nationalrat setzt sich aus 41 Mitgliedern zusammen. In der am- 30. Juni stattgefundenen konstituierenden Sitzung des Nationalrats wurde Dr. LudwigSinger einstimmig zum Präsidenten wiedergewählt. Ins Präsidium gingen: Max Brod, A. KauderS und ~ Ungar. I" Litauen. Cf« «erat» für jüdische Erziehung. In Kow n-o wurde ein orthodoxer Verein für Erzrehung und Kultur gegründet. Im Vorstand sind der bekannte Oberrabbiner Schapiro, der Uuterstaatssekretär im Unterrichtsministerium Rachmilewitsch, Ministerialrat inr Unterrichtsministerium Dr. Deutschlänber und andere. Der Verein erstrebt die Weuott>nung des gesamten jüdischen Schulwesens in Litauen auf altjübischer Grundlage. Die «me «egternng «ad das Recht der «ationalea «»»»erhette«. Die neue litauische Regierung stellte sich, am 23. Juni der konstituierenden Nationalversammlung vor und entwickelte ihr Programm, worauf die Vertreter der einzelnen politischen und nationalen Gruppen in längeren programmatischen Erklärungen ihre Stellung zur neuen Regierung klarlegten. Sowohl die Re- Freya-Büro - Einrichtungen Warnepf Holl & Cie« Erinkfnrt-a. X., Theaterplatz 14. |T Hau eröffn«*. gierung' als auch. sämtliche Fraktionen des Landtages anerkannten die Rechte der Minderheiten, insbesondere das Recht, ihr nationales Leben auf Grundlage der nationalen Autonomie - zu organisieren. In der Regierungserklärung wird noch insbesondere heroorgehoben, daß die Regierung entschlossen sei, bei der Lösung der Unterrichts- und Kultussragen den Wünschen und Bedürfnissen der nationalen Minderheiten im Sinne der nationalen Autonomie Rechnung zu tragen. Was die Agrarfrage betrifft, werde die Regierung jedem, der gar keinen oder zu wenig Boden besitzt, Boden zuweisen, dabei jedoch sich von dem Grundsatz leiten lassen, daß nur derjenige Anspruch auf Boden habe, der ihn selbst bearbeiten will. RnmSttteu. Die Lage der Jude» 1» veffaradie«. Das Wiener Jüdische Korrespondenzbüro berichtet: Die Lage der Iudcn in Bessarabi en hat sich in letzter Zeit bedeutend gebessert. Die Behörden zeigen der jüdischen Bevölkerung gegenüber weites Entgegenkommens Der Antisemitismus ist so gut wie verschwunden. Die Juden erfreuen sich des Genusses voller Gleichberechtigung. Die Organisierung der jüdischen Bevölkerung in politischen, sozialwirtschaftlichen und kulturellen Institut tionen macht große Fortschritte, wobei die Zionistische Organisation überall hervorragenden Anteil nimmt. 'Bor kurzem wurde in Kisch inew die zionistische Jahreskonferenz abgehalten, der auch Vertreter der rumänischen Zionisten beiwohnen. Der Generalgouverneur erschien mit seinem Stabe bei dev Konferenz und überbrachte ihr die Glückwünsche der Regierung aus Anlaß der Entscheidung von Sau Remo. Die Arbeitender Konferenz fanden einen machtvollen Widerhall in allen Kreisen der jüdischen Be-- völkerung Bessarabiens. Condltorel and Cafö Wilhelm Wendel Altegasse 6 TelefonH. Wahrend der Sommermonate bis 10 Uhr abends geöffnet. Türkei. Zionistische Konferenz. Am 11. Juli trat die zionistische Organisation des Orients in Konstantinopel zu ihrer 2. Jahreskonferenz zusammen, an der zirka 60 Vertreter teilnahmen. Die Dauer der Konferenz ist auf einen Monat vorgesehen und man hofft, daß ihre Entscheidungen zu einer intensiven Kräftigung der nationalen Bewegung im Orient beitragen werden. 8»r Mische« Lage. Der Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinde in Konstantinopel, der gegenwärtig in Newyork weilt, machte interessante Ausführungen über die Lage der Juden in der Türkei. Nach seinen Schätzungen befand sich dort vor dem Kriege etwa eine halbe Million Juden, deren Mehrheit unter schlechten Verhältnissen lebt. Unter dem alten Regime haben die Juden politisch nicht zu leiden gehabt, wohl waren sie aber moralisch immer benachteiligt. Sie hatten nie eine genügende Anzahl von Schulen und Lea Kanti KftnsUenpiele Kaiserstrasae 69. Beginn 8 Uhr. Tel. Hanna 5518. Hantig-Welnreat aurant den gan&Tag geöffnet ab 10 Uhr morgena. Warme Kflcba. in ihrem Kampfe ums Dasein mußten sie einer starben und unerbittlichen Konkurrenz seitens der Grieche» und Armenier gegenüberstehen. Als der Krieg ausbrach, wurden die Juden zum ersten Male in großer Zahl in die Armee eingereiht. Dies hatte zur Folge» daß eine große Zahl von Soldatenangehörigen unversorgt zuttickblieb; und heute gibt es in Konstantinopel 14000 Flüchtlinge» Frauen und Kinder von ehemaligen Soldaten» die nach Hilfe an die Gemeinschaft rufen. Unter diesen herrscht die äußerste Armut, Not und Mangel, und die eingerichtete» Volksküchen können nur in geringem Maße dieser Nor steuern. Aber das größte aller Probleme ist die Frage der jüdischen Waisen, deren es gegenwärtig ca. 3000 im Lande gibt. _ I. H3. Z Amerika. Me PittSbnrger Kmfermz Ser Pegle-Lin». Auf der 12. Jahreskonferenz der Poale- Zion-Organisation Amerikas, die anfangs Juli in Pittsburg staktfand, wurden unter anderem folgende' Beschlüsse angenommen: Die Konferenz anerkennt den palästinensischen Arbeiterverband „Achduth Haawodah" als Vertreter der führenden Poale-Zion-Partei und verpflichtet sich, seine Arbeite» zu unterstützen. Ferner wurde beschlossen: Gründung einer Bank zwecks Entwicklung sozial-kooperativer Unternehme ungen; Schaffung einer industriellen Kommission, die die Organisierung einer industrieellen Armee in Palästina ausarbeiten soll, um eine Massen-Einwanderung nach Palästina zu ermöglichen. Der zionistische Kongreß oder der A jüdische Kongreß soll ermächtigt werden, eine Rational- 9 anleihe aufzunehmen, die konstruktiver Arbeit mit sozialem kooperativen Charakter, nicht aber kapitalistischen Unternehmungen dienen soll. Für Privatinitiative fei auch in Palästina Platz, doch müsse sie vom Staat kontrolliert werden. Mit einer Stimmenmehrheit von 40 gegen 16 wurde beschlossen» daß die Poak- Zion-Organisation wie bisher am zionistischen Kongreß, wie auch am amerikanisch-jüdischen Kongreß teilnehmen soll. «,» der HUkstiittzkett. „Joint Distribution Committee" bestimmte Dr. Bvgen zum Generaldirektor der gesamten Hilfsarbeit und Dr. Flank Rosenblatt zum Leiter der TätigLit in der Ukraine und beschloß, eine halbe Million DolklarS für dm notleidende jüd.. Bevölkerung in Polen» 200000 Dollars für den Medical-Unit in Palästina und 105000 Dollars für Hilfsarbeit in Palästina zu assignieren. S«u« »Esch, ««chrichte». KitrlSbad. Die JüdischeWelthtlfSkonferenz ist von 80 Delegierten aus 28 Ländern besucht. Ma saryk. Xe« eröffnet! He« eröffnet! Z«ll 83 viaa via dem alten PolizeiprSaldiom. Angenehmer Familienanfenthalt. —- Inhaber: L. Rabe Sepphorts «uv Rom. Ein historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert, von Ludwig Philippsohn. Fortsetzung.) „Äomm, komm. Am non!" unterbrach ihn Patrika. „Hier ist nicht der Ort, um uns zu besprechen. Laß uns zum Hause des Patriarchen gehen." Das Haus des Patriaren lag in einem ruhigen und entfernten'Stadtteile, und man mußte von der Hauptstraße durch viele gewundene Gäßchen schreiten, ehe man dahin gelangtes Das wußte Patrika; und doch überraschte ihn die Einsamkeit, die jetzt auf dem Platze vor dem j Hause herrschte, in welchem der ehrwürdige Hillel seit' einem halben Jahrhundert seinen Sitz hatte. Wo war das lebhafte Treiben der zu- und abströmenden Schüler, der herbei und von dannen eilenden Menge, der Boten aus-allen Weltgegenden geblieben, die von dem ehrwürdigen Meister Belehrung, Rat und Entscheidung -suchten? Es war öde und still geworden um den Ort, als ob das geistige Oberhaupt Juda's hier nicht mehr residierte oder nicht mehr zu den Lebenden gehörte. Patrika stieg vor der Pforte ab, und Amnon führte daS Maultier davon. Kaum hatte der Elftere einige Schritte durch den Flur des Hauses getan, als ein Seitengemach sich öffnete und Mirjam ihm entgegentrat. .Millkommen, teurer Patrika, Dein Eingang sei gesegnet!" rief sie aus und streckte ihm die Hand entgegen. Patrika blieb wie gefesselt vor dieser Erscheinung stehen. WaS war ans dem lieblichen, dreizehnjährigen Mädchen geworden? Jetzt stand sie vor ihm, eine herrliche Jungfrau voll Liebreizes, aber auch voll Ernstes, ja mit dem Schatten der Trauer, durch welche jetzt ein voller Strahl der Freude.gebrochen war. Mochte sie an blendender Schönheit jenem Mädchen in Rom nicht völlig gleichkommen und ihr jene seine Eleganz und vor allem der Glanz der Toilette fehlen, durch welche Jddo's Reize um so mehr hervorgehoden wurden: aber der Adel der Erscheinung und die Innigkeit und Hingebung, welche auS allen Zügen Mirjam's heworleuchteten, sicherten ihr einen tieferen Eindruck auf das Herz ihres Vetters. Diese schlanke Gestalt das seine Haupt aus dem vollen, weißen Halse, das sich so weiblich etwas nach der Seite senkte, die hohe Sttrn von einer Fülle schwarzer Locken umschattet, die zart geschwungenen Brauen, unter denen die blauen Augen so lichtvoll und doch so tiefsinnig hervorschauten, die feingeschnittene Nase und der liebliche Mund, um welchen die herzgewinnende Freundlichkeit ihr Lächeln gelegt, gaben ihr einen unendlichen Reiz, der unser» Patrika sofort umstrickte. Aber auch Mirjam war von dem schönen, männlichen Wesen Patrika's überrascht, daß ihre Blicke in seinen Zügen und feiner Gestalt immer wieder nach dem zarten Jüngling suchten, der vor langer Zeit von ihr geschieden. »Komm herein, Patrika," sagte sie endlich. „Du wirst ermüdet sein vom langen Ritt und einen Imbiß nicht verschmähen; dann erwartet Dich der Bater." Er folgte ihr und stand alsbald in dem chm wohlbekannten Gemache. Wie war hier alles ganz so geblieben, wie es vordem gewesen, nichts verändert an Räumlichkeit und Gerät, und es mutete chn an, als ob er gestern erst von dannen gegangen. Und dennoch fehlte etwas, und seine Augen suchten danach, obschon er wußte, daß sie es nicht finden könnten und würden. Dort auf jenem Divan hatte ja immer die gütige Tante gesessen, die ihn stets mit so vieler Liebe und Zärtlichkeit ausgenommen. Mirjam verstand diesen Blick, chre Arme sanken nieder, und chre Augen füllten sich mit Tränen: „Du suchest die Mutter, Patrika, aber sie ist geschieden, wie Du ja weißt, und ruht unter dem kühlen Rasen der Erde. Ihre letzten Worte enthielten auch einen Segen für Dich." Patrika ergriff die Hand Mirjam's und sprach mit gesenktem Haupte: ,Mohl, Mirjam, ich wehre es nicht ab, daß mein erster Gedanke in diesem Hause chr gehöre, der Verklärten, die mir die früh geschiedene Mutter ersetzte." Mirjam dankte durch einen leisen Druck der Hand. Er folgte chr zum Iereitstehenden Mahle, und so ergossen sich bald, die jungen He^en in ein trauliches Gespräch, welches schnell über alle die mannigfaltigen Erlebnisse hineilte, btt in der Zeit der Trennung durch das L«en Beider gegangen. Eine Stunde später trat Patrika in das Gemach keines Oheims Er fand den Greis in einen Lehnsessel hingestreckt, aus welchem er sich Lei seinem Eintritt nur mühsam erhob. Alter und Schwäche hatten die hohe Gestickt gefiengk Kränklichkeit die Kraft der Bewegung entzogen, und die eingefallenen Züge verrieten bereits die Nähe jenes Augenblicks, in welchem die scheidende Seele de» letzten Blick ans die lange Bahn der ttdischen Pilgerschast wirft: Patrika gewahrte dies schnell, und eine «uendllche Trauer fiel in sein Herz. Wer als ihm! aus den Augen des hinfälligen Greises noch alle Kraft des Geistes, alle Wärme der Empfindung, all' die Tiefe der Gedanken entgegenleuchteten, die er früher an dem! Meister und Lehrer bewundert, und als ihm die Worte: „Gesegnet seift Tu, mein Sohn!" mit dem ganzen vollen Klange ans dem Munde des Greises entgegentönten, da hob es sich voll Liebe und Begeisterung in feiner Brust, er eilte zu dem Sitz des Oheims hin und beugte sein Haupt tief vor ihm. Eine Hanbbewegung des Greises bedeutete Patrika, sich auf eine» Divan neben dem Lehnsessel niederzulasfen. Die Augen des Oheims ruheten einige Zeit ans dem Angesichte des Neffen, bevor er anhob: ,Zch danke meinem Gott, teurer Sohn, daß er mtt gewährte. Dich noch einmal zu sehen, und Dich sä zu finden» wie Du da vor mtt sitzest, erwachsen in Kraft und Zucht und, wie-ich glaube, durch die Versuchungen der Jugend siegreich geschritten. Die Klarhett und JnnigLit Deines Blickes, die Offenheit Deiner Züge und die Kraft Deiner Gestatt bezeugen Nur, baß Du selbst in jener Hauptstadt der Edomiter, Rom» Dir, den Deinigen und Deinem Geschlechts treu gefftk&en. So erzähle mtt nun von dem, was Dir begegnet ist." Und Patrika erzählte dem Grmse von Rom und feiner Rückkehr, nach der Heimat ’uab allem, was sich da zugettagen. Ost unterbrach ihnsem austnmksamer Zuhörer durch Fragen, die er ihm schnell und bestünmt beantwortete: sä daß jener ihm beistimmenb lntb befriedigt zulächelte. Mit leichtem Ueberaang berichtete er ihm dann von de» Borgängen der letzten Tage in Sepphoris» trug Wnj die Fragen vor, welche bas Orts-Sanhedrin dort zuletzt beschäftigt hatten, sowie ausführlich die Beautwortmsg und «rät Motive, damit er nun die Entscheidung des Patriarchen «hatte. (Fortsetzung folgt.)