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Neue jüdische Presse · 1920-08-13 · Heft 29 (13.8.1920) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 29 (13.8.1920)
Date
1920-08-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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i j Serie L. MM-. Nr. 29. tl ..... Ll?1*" P API. JORICHPS BfllSTLSBSPnSLi: 7*/* Uhr. (Eldorado) 7*/* Uhr. pta blaan Llotrt1*. von verschiedenen Landesverbänden ergriffene Initiativ» zur Schaffung eines Institutes zur Vertretung der bürgerlichen, politischen und nationalen Emanzipation vor der Friedenskonferenz. »Si—W unb daß gerabe die ärmeren Flüchtlinge unter Umständen zu übernachten gezwungen find, die ein sofortiges Eingreifen der jüdischen Hilfsorganisationen erfordern. Das Arbeiterfürsorgeaurt geht hierbei auch von bfm Standpunkt aus, daß jede wahllose Zusammendrängung von Menschen, z. B. in. Internierungslagern, die selbst mit Zwang zu einer Betätigung nicht angehalten werden, barbarisch ist und aus inneren Gründen scheitern muß. Es genügt» darauf hinzuweisen, zu welchem jämmerlichen Ergebnis die in Szene gesetzte Ausweisungspraktik der bayerischen Regierung geführt hat; sage und schreibe / Flüchtlinge sind, natürlich gefesselt und unter bet üblichen liebenswürdigen Behandlung, in das Lager Ingolstadt geschafft worden. Unter diesen nicht ein einziger Schieber, sondern, wie vorauszusehen war, anständige, ehrliche Landarbeiter und Industriearbeiter, die das große Verbrechen begangen hatten, ohne Kenntnis der arbeiterfreundlichen bayerischen Ausweisungsbefehle bei ihremt Unternehmer zu «Lbeiten. Bei der in einem Lager einzurichtendeu Arbeiterkolonie handelt es sich um eine Angelegenheit, die nur unter aktiver Beteiligung der^in Frage kommenden Arbeiterlategorien und unter ihrer möglichst weitgehenden Selbst- Und Mitverwaltung zu einem Ergebnis führen wird. Es Fall naturgemäß nicht nur Unterburcht geboten werden, sondern es sollen in ausreichender Zahl Arbeitswerkstätten zur produktiven Beschäftigung von Schneidern, Schuhmachern: Tischlern usw. eingerichtet und für eine weitere Zahl von Lftbeitern Lehrwerkstätten bereitgestellt werden, in denen gerade die nur angelernten oder nicht genügend ausgebildeten jugendlichen Flüchtlinge sich in ihrem Fach vervollständigen können. Aus diesem Grunde kommt für bi- Arbeiterkolonie zunächst nur ein Stamm von möglichst organisierten jüdischen Arbeitern in Betracht, die von vornherein eine Atmosphäre strenger Selbstdisziplin und Arbeitslust schaffen und ungeeignete Elemente von sich heraus ausmerzen. Es wird also eine strenge Auslese der für das Lager geeigneten Flüchtlinge / unter engem Zusammenarbeiten mit den. Vertretern der jüdischen Arbeiterparteien stattfinden. Die Grundlage der Produktivwerkstätten soll eine genossenschaftliche sein. Wir veröffentlichen schon jetzt diese knappen Mitteilungen, um Mißverständnisse von vornherein zu vermeiden, obwohl erst dann Einzelheiten mitgeteilt werden sollen, wenn die Verhandlungen, die das Arbeiterfürsorgeamt wegen Ueberlassung genügender Baracken mit den Reichsbehörden führt, zum Abschluß gekommen sind. Dr. Laporte, Direktor des Wohnungsamtes von Großberlin, der s. Zt. ziemlich scharf gegen die Einwanderung der Ostjnden «ach Deutschland Stellung genommen hatte, schreibt im »Berliner Tageblatt", daß diese Frage jetzt durch das Einvernehmen, das zwischen dem Wohnungsamt und dem Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands erzielt worden ist, einer gewissen Lösung zugeführt zp werden scheint, insofern die Reichsbehörden tatkräftig und entschlossen helfen. Das jüdische Arbeiterfürsorgeamt habe selbst den Jnternierungsgedanven, gegen den bisher große begreifliche Bedenken bestanden, in anderer, freierer Form aufgenommen, um Abhilfe für die verschiedenen Mißstände zu schaffen. Dadurch würden sowohl die Interessen der Einwanderer, als auch des öffentlichen Wohles durchaus gewahrt werden. _ Zionistische Jahresko»fere»z. (ForHetzrwg aus voriger Rümmer.) Lesoluttoue« betreff» Uuiverfitöt. 1. Die Konferenz billigt den von der Exekutive vorgelegten Plan», die Universität mit Forschungsinstituten für Physik, Chemie und Mikrobiologie, einer Abteilung für Judentumswissenschaft und Orientalistik und einem Forschungsinstitut für' hebräische Sprache zu beginnen. Die Konferenz billigt das Budget für das kommende Jahr (einmalige Ausgaben) in der Höhe von Lstr. 100,0 00. 2. In Durchführung des genannten Programms, soll die Exekutive versuchen, von den wissenschaftlichen Instituten Gebrauch zu machen, die schon in Palästina bestehen, soweit die wissenschaftliche Leitung der Universität diese Institute für den gedachten Zweck für geeignet hält- 3. Die Exekutive soll versuchen, so schnell als möglich und ohne Verzögerung das Forschungsinstitut für die hebräische Sprache zu errichten/ für das das Bedürfnis dringend gefühlt wird. 4. Die Konferenz erkennt die Notwendigkeft, die verschiedenen wissenschaftlichen Institute zu gründen,^ um die naturwissenschaftliche und hiswrische Erforschung oes Landes und des Meeres Palästinas durchzuführen. Diese Institute sollen im übrigen, außerhalb der Universität gegründet werden. Die Letter der Universität sowie die gegründeten Universitätsinstitute, sollen mit den oben ge-' nannten Instituten enge Beziehungen Herstellen und bei ihrer Errichtung und späteren Entwicklung mithelfen. 5. In allen Angelegenheiten, die mft der Universität verbunden sind, wird eS die Pflicht der Exekutive sein, zuerst und hauptsächlich das hohe, wissenschaftliche Niveau der errichteten Institute zu sichern, deren Jnnehaltung in keijtec Weise aus Gründen der Sparsamkeit oder zwecks beschleunigter Durchführung des oben erwähnten Programms vernachlässigt werden soll. 0ef416ffe der «ommisfio» für Arbeit in In MnAHtzrch»' . 1. Die Zionistische Jahreskonferenz billigt die von der Londoner Zionistischen Konferenz des Februar 1919-und Versammlung, der polnischen Vorkonferenz, der verschiedenen Nationalitätsräte. Nationalverbände, die die Arbeit vor der Friedenskonferenz vorbereitet hatten. 2. In Fortsetzung dieser Initiative beschließt die Konferenz, die Zionistische Organisation soll dahin wirken, daß eine alljüdische interterritoriale Institution geschaffen werde, welche dazu dienen soll, auf internationalem Wege, insbesondere aber vor dem Völkerbund, die bürgerlichen, politischen und die nationalen Rechte in den Ländern, wo solche aus politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Gründen notwendig sind, zu realisieren, ju schützen und weiter auszubilden. In diesem Sinne soll die Zionistische Organisation den Beschulst des Komitees der jüdischen Delegationen wegen Schaffung eines Waad Haarazoth auf demokratischer Grundlage ausfiihren. kür kunstfertige. Aiufthnng Vorteilhaftes Angebot! SPORTJACKEN in reiner Wolle Mk. 360.- 465.- 595.- SpesialitKt: Grosse Weites für starke Damen in schwarz n. farbig Höglmayr&Bonitz Steinweg 12. $eiegicYtt»tftg der Zionistische» Ber eiuigvvg für Deutschland. (Schluß.) v>» »e« Beschlüße» 3. Zur Palästina-Arbeit. Antrag Trietsch. 1. In der gegenwärtigen Phase des Zionismus ist die gesamte zionistische Arbeit nach den Gesichtspunkten der kolonisatorischen Berwirllichung im Sinne der raschesten Herbeiführung einer jüdischen Majorität in Palästina einzustellen. 2. Zu diesem Zweck halten wir cs für eines der ersten Erfordernisse, Palästina- und Emigrationsämtec zu schaffen. 3. Für Deutschland beantragen wir ein Palästina- und Emigrationsamt, das mit ausreichenden finmiziellen Mitteln und weitgehender Selbständigkeit ausznstatten ist. Dieses Amt hätte u. a. zu umfassen: Eine Paß- und Reiseabteilung, eine Auskunfts- und Vermittlungsstelle für wirtschaftliche Angelegenheiten; eine«! besonderen Pressedienst; die Errichtung von Zweigstellen an den Hauptpunkten der jüdischen Durchwanderung. 4. Insbesondere beantragen wir: die Schaffung oder Förderung von Finanzinstituten für Zwecke der Aus- und Einwanderung in Form von Liqnidationsbanken und dergl. 5. Zur Mitwirkung am Aufbau Palästinas und an der Schaffung und Erhaltung der hierfür erforderlichen Einrichtungen sind die gesamte Judenheit, alle Gemeinden, Organisationen usw. unverzüglich heranzuziehen. 4. ZurKongrcßfrage. Antrag Hapoel Hazair. Der Delegiertentag fordert mit Rücksicht auf die Verlegung der Jahreskonferenz nach London die sofortige Einberufung des Kongresses nach einem Orte Mitteleuropas. 5. Zur Frage der Ostjuden- und sozialen Arbeit. Antrag Haarpuder-Lin. Der XVI. Delegiertentag beschließt: 1. Daß von der Z. D. f. D. für das ostjüdische Referat ein besonderer Sekretär (Ostjude) eingesetzt wird, der seine Arbeiten in engster Fühlung' mit den ostjüdischen Organisationen burchzuführen hat. 2. Daß die zionistischen Ortsgruppen verpflichtet werden, einen besonderen Vertrauensmann aus ihrem Vorstande für ostjüdische Angelegenheiten zu bestimmen, der für die Durchführung der Zusammenarbeit mit den bestehenden ostjüdischen Organisationen verantwortlich ist. Antrag Dr. S. Moses. Der Delegiertentag fordert die Zionisten aus, allenthalben der Pflicht zur sozialen Bolksarbeit zu genügen und so zugleich zur Linderung der Ostjudennot und zur Festigung des Bandes beizutragen, das uns mit unseren, sozialer Hilfe bedürftigen Brüdern verknüpft. . 6. Zur Frage der Gemeindcarbeit. Antrag Dr. Victor. . Der Delegiertentag stimmt dem vom Zentralkomitee vorgelegten Entwurf einer GesamtorganisatwnsverfassunA für die Juden im Deutschen Reiche zn und beauftragt den Geschäftsführendcn Ausschuß auf der Grundlage derselben mit den übrigen Organisationen des deutschen Judentages weiter zu verhandeln. ' keinen Anstrich n. Laekiernng führt «reiswert asa Ia. Referenzen. ■ — Prämiiert Düsseldorf 1902 Hoahstraese 59. Tel. H. 6866. Atelier Schäferg&eee 15. «re; Israel. «mir Feis»l über Sie «-»isch-jüdische» Bezieh»»,e». Die I. P. Z. meldet: Ende Juni begab sich der auch in arabischen Kreisen sehr beliebte Kalwariski aus RoschPinah nach Damaskus, wo er vom Emir Feisul sehr freundlich empfangen wurde. Gegenstand seiner halbstündigen Unterredung mit Emir Feisul war, laut „Haaretz", der Versuch, eine Verständigung zwischen den Zionisten und den Arabern herbeizuführen. Emir Feisul erklärte, daß ein Zusammenarbeiten der Araber und Juden möglich und für das Wohl beider notwendig sei. Der syrische Ministerpräsident, Minister des Aeußeren, wie muh die anderen Minister, die Kalwariski empfingen, drückten ihm ihr Bedauern über die Vorfälle in Galiläa aus. Kalwarisky, ein genauer Kenner Galiläas, erklärte bem Damaszener Korrespondenten des „Haaretz", daß nur die Anknüpfung guter Beziehungen zwischen den Arabern und Juden imstande sei, die Zustände in Galiläa zn bessern. 9ie SUtalcfiOhMft (I. C. B) Die Regierung hat den Beamten des Zivildienstes das Recht auf Einhaltung ihres nationalreligiösen Ruhetages formell zugestanden. Din Pxessezensur wurde ausgehoben, nur mußten-die Herausgeber eine Kaution von 50 Psd. St. erlegen. Das jüdische Regiment kehrte von Jericho in sein Lager bei Surisurascnd zurück. Alle Einschränkungen betreffs der nationalen Flaggen wurden aufgehoben. «,e Rede Bei dem glänzenden Empfang den die Jerusalemer Judenheit ihm bei seiner Rückkehr aus der Festungshaft bereitete, hielt Jabotinsky eine Ansprache, in der er sagte: „Ich und meine Freunde kommen, um Euch in Eurer Arbeit für Voll und Land zu Helsen. England hat uns nicht enttäuscht. Wendel Eure Blicke zu dem Mann, der jetzt auf dem Oelberge residiert. Lernt aus Eurer Erfahrung und macht nicht Freunde zu Gegnern wie bisher, weil Ihr nicht recht verstandet, mit den Regierungspersönlichkeiten umzugchen. Der Higb Commissioner ist an Kritik gewöhnt, und wir dürfen bei tatkräftigster Unterstützung ruhig Kritik üben, damit er nicht in eine Lage kommt, ouö'hf.r er keinen Ausweg mehr zn finden weiß." Deutsches Nrich. Eine ersetzest»»»» jüdische et»»»»tt»«e»»erdr«Y»»t I* Perlt». Au einigen Universitäten (Frankfurt a. M. und Bres.au) bestehen bereits gesetzestreue Studentinnenverbindungen mit der Tendenz der Weiterbildung der jüdischen Persönlichkeit durch Zusainmenleben und -arbeiten mft Gleichgesinnten unter dem Namen „Beruria", Bereinigung jüdischer Akademilcrinnen. Es ist zn begrüßen, daß nunmehr auch in Berlin ein solcher Zusammenschluß erfolgt ist. Die Vereintzarbeit wurde bereits ausgenommen; es finden au 2 Abenden der Woche Vortragskurse statt, in denen jüd. Geschichte und die Sidra behandelt werden. Die Kurse sind regelmäßig und gut besucht und auch solchen Nichtakademikerinnen zugänglich, die durch ihren Berus oder ihre Borbildung an der Mitarbeit in der „Beruria" Interesse hab«e. Zum Programm gehören auch jüdisch-wissenschaftliche Borträge und Pflege der Geselligkeit. Zuschriften werden an Recha Leon (Berlin-Wilmersdorf, Uhlandstraße 138/39) erbeten. Pp« jüdische» Fr»»e»h«»h Alls der kürzlich stattgefundenen Vorstandssitzung des Jüdischen Frauenbundes in Berlin wurden hauptsächlich die Fragen besprochen, die im Augenblick im Vordergründe des jüdischen Interesses stehen. _ Der Bund tritt jetzt an die Schafsung des Heimes für schwer erziehbare Knaben heran, das ähnlich wie des Heim in Neu-Isenburg einem dringenden Bedürfnis entspricht. Auch die Bnndesidce.-zur Schaffung eines Heimes für heimatlose ältere Frauen soll nicht aufgegeben, sondern vorläufig nur zurückgestellt werden. Die Delegiertcn-Bersammlung des Bundes, die für die Ausführung dieser und anderer wichtiger Pläne äußerst notwendig ist, ist für den .11. »nd 12. Oktober dieses Jahres in Berlin vorgesehen. Bayerische Keemdeopvlizri. Die rigorose Handhabung der Fremdenpolizei in Bayern führte zu einer Interpellation der Sozialdemokraten ün bayerischen Landtag. Die sozialdemokratischen Redner zeigten, daß die Handhabung der Fremdenpolizeiim wesentlichen von antisemitischen und antisozialistischen Tendenzen getragen sei und verlangten'die Herstellung der in der Reichsverfassung garantierten Freizügigkeit für alle Deutschen, da auch nicht wenige Deutsche und selbst Bayern von der Fremdenpolizei mit der Ausweisung betroffen worden sind. Die Regierung erwiderte, daß . sie unnötige. Härten vermeiden wolle und .die. vorgeschlagenen Beschwerden nachgeprüft werden; sie könne aber

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