Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1920-07-09 · Heft 25 (9.7.1920) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 25 (9.7.1920)
Date
1920-07-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2693178-2693203--11155-2706576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 3, Nr. 25 " Wrue Jüdische Messe. Stets Eingang HT' Neuheiten in Tapeten -WM Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Hainzerstrasse 20 Ecke 'Weiaafrauenstraaae. Telefon: Hansa 1784. wiesen worden. Demzufolge hat die Staatsregiernng sich einer erneuten Prüfung der Frage unterzogen. Sie ist, wenn auch die für das Eintreten des Staats für leistungsunfähige Kirchengemeiuden mit. maßgebend gewesenen, aus der Säkularisation des Kirchenguts herrührenden Gründe hier nicht in Betracht kommen, grundsätzlich bereit, die Einstellung von. Mitteln für die Synagogengemeinbeu in den Haushalt für 1921 zu erwägen. Nur mutz zuvor über, die in meinem Schreiben vom 9. Oktober 1919 - G I 382 II — als Voraussetzung staatlicher Leistungen bezeichnete Errichtung einer die Gesamtheit der Synagogengemeinden um-- fassenden Organisation Klarheit geschaffen sein. Eine solche Organisation soll 'analog der Regelung bei der evangelischen und der katholischen Kirche neben der aushilfsweisen Betätigung des Staates in erster Linie die Kräfte der leistungsfähigen Glieder in den Dienst der Unterstützung?iir die hilfsbedürftigen Religionsgeineinden stellen . . ." Deutsch-Oesterreich. Ztonifttfcher Steg bei de« Wiener KnttuSgemeinde. wählen. In die Wiener Kultusgemeinde sind 13 Zionisten (bisher 2) gewählt worden: Älbg. Robert Stricker, Dr. Isidor Schalit. Gcmeinderat Dr. Jakob Ehrlich, Gemeinderat Dr. Leop. Plaschkes, Dr. Karl Po.ll a k, Dr. I o s. A ü e r b a ch , RegierungSrat R u d. T a u > - sig, Max Markus. Dr. Isidor Margulies, Ortsschulrat Dr. Desider Friedmann, Bankdirektor Siegm. Epler. Bankier Jak. Pinkas und Isidor A u st er litz. Außerdem wurden gewählt: 20 Assimilanten (bisher 34) und 3 Orthodoxe (bisher 0). TELEFON^ i erfÜllh ' ALLE'Ansprüche.^* FRANKFURT;ER:PRIVAT-TELEF0N-(ö£SELL5CHAFT. K{lr.r>-:f.Mr4.-Ji;d?rg5ii£ FRANKFURT. A.M. ferner 6--S* Sepphoris und Rom. Ein historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert. ° Bon Ludwig PHUi-Psoh». (Fortsetzung.) 3. Welche Schreckeuszeit war über daS unglückliche Sepphoris gekommen! Ursicinus hatte seinen Legaten Ammianus Marcellinus nach Mesopotamien geschickt, unr über den Feind Nachrichten einzuziehen und ihm zu übersenden. Bon diesem erfuhr er nach einiger Zeit, daß der Bortrab des persischen Heeres bereits über den Tigris gegangen. Dennoch war er über die Pläne Sapor's völlig im Dunkel. In der Regel breiteten sich die persischen Heere über die nächsten Landschaften aus und belagerten und erstürmten die Festungen, auf die sie stießen. Dies Mal aber konnte man einen andern Feldzug erwarten. Man mußte voraussetzen, daß der schlaue Antoninus seinem Beschützer ganz andere Gedanken eingeslötzt hatte, die den Feind geradezu an den Euphrat führen und einen Einsall m. Syrien selbst veranlassen würden. Da Ursicinus ivutztr, wie wenig auf den alten einfältigen SabinianuS zu rechnen, fei, stand sein Entschluß dahin fest, die Euphratlinie möglichst zu verteidigen. Aber auf welchen Punkt dieses Stromes würde Sapor seinen Angriff richten? Darüber bedurfte es zuvor bestimmter Anzeichen. Ursicinus hielt daher seine Legion in Sepphoris fest, um von da aus am leichtesten nach jedem bedrohten Punkte eilen zu können. Inzwischen ließ er den Bewohnern Mesopotamiens nur den Befehl zukommen, die offenen Städte zu verlassen, sich und ihre Güter in die festen Plätze zu flüchten und die reifenden! Saaten anzuzünden, um den Feinden den Zug durch ihr Land durch den Mangel an Unterhalt unmöglich zu machen. So kam es, daß sich der Aufenthalt der Römer in Sepphoris immer länger ausdehnte, und Ursicinus hatte gerade diese Bergveste gewählt, weil er von hier Galiläa .und selbst Syrien am besten in seiner Gewalt behielt. Kni^e politische Nachrichten. Budapest. Der Oberstaatsanwalt verfügse die Freilassung des Szegediner Oberrabviners L ö w. Warschau. In K o w e l überfielen am 13. Juni durchziehende Truppen eine Synagoge, schnitten den Betern die Bärte ab, verwundeten l0 und schändeten die Thorarollen. Kowua. Für Litauen ist unter dem Namen „Jab ne" ein jüd. Verein für Erziehung und Kultur auf thoratreuer Grundlage gegründet worden. Oberrabbiner S ch a p i r o, Minister Rachmilewitsch, Dr. Schlesinger, Dr. Deut schlau der usw. stehen an der Spitze. I» das lettländische Parlament wurden gewählt: Rabb. Dr. Nurok, Rechtsanw. Thron, Dr. Hellmann und Minister Dr. M i n tz. Rom. Sir Herbert Samuel stattete auf der Durchreise nach Palästina dem Papst und dein Kardinal- Staatssekretär Gaspari Besuche ab. Aus ver Misrachi-Bewegnug. Berlin. Bon den Mitgliedern des Misrachi-Zentralkomitees gehören dem aus dem Delegiertentag gewählten Zentralkomitee de r Zionistischen Bereinigung für D eutsch land an: Dr. Barth, Lazarus Barth, Rabb. Dr. L ie b e rm a n n - Berlin, Dr. F r a e n k e l - Marburg und Dr. R ab i» - Frankfurt. Persoaalie» «. kleine Mitteilimge». BreSlau. Bernhard Sch ottländ.er. Die Leiche des seit langrni vermißte» Sch. ist ans Land getriebeir worden. Sch.wurde am 15. März während des Kapp- Putsche» verhaftet, seitdem war über sei» Verbleiben nichts Näheres zu ermitteln. Ob er vorher ermordet und dann in die Oder geworfen oder lebend in sie gestoßen wurde, weiß man bis heute noch nicht. In der Stadtverordneten»! versaminlüng vom 24. Juni wurde auf Antrag der sozialistischen Parteien beschlossen, daß die Betriebe am Begräbnistage Schottländers von 11 Uhr vormittags an geschlossen werden sollten. Stadtv. Moering (Dem.) bedauerte anfs lebhafteste, daß man heute noch nicht, obgleich die Namen der Mörder bekannt seien, ein Gerichtsverfahren gegen die Mörder anhängig gemacht habe. Das sei eine Ungeheuerlichkeit, die innerlich auf»' tiefste empöre. — Die Beerdigung Sch.'S fand am Freitag statt. Zirka 2000 Arbeiter nahmen an der Trauerfeier teil. Rabbiner Dr. Sänger sprach die Gebete, darauf sprachen zwei sozialistische Parteisührcr. — Am Montag fand sodann eine mächtige Trauerkundgebung der Breslauer Arbeiterschaft'am Wohnbause und am Grabe Bernhard Schottländers statt. Breslau. LandrabbinerDr. Hoffmann ans Emden hielt in der Alten Synagoge eine Gastpredigt. Budapest! Jgnaz Goldzteher.derweltberühmte Orientalist beging den 70. Geburtsta g. Warschau In Kiew starben'tu den letzen Monaten folgende angesehene jüdische Persönlichkeiten: Schriftsteller Steinmann, Chajüm Fialkow, der Pädagoge Aron ben Mauscheh Kohn stamm, S. Brun in und der talentvolle Dichter S i ch a S ch w a r z in ati rt; letzterer kam in einem Pogrom um. Warschau. Die Getreide h'ändler haben sich dem Rabbinerrat gegenüber verpflichtet, von jetzt ab streng den 'Sabbat zu halten und Ware weder abzunehmen, noch zu verkaufe». New Bork. Hier sind 350 Juden aus Polen eingetrossen. — Freya-Büro - Einrichtnngeit Werner, Noll & Cie. Frankfurt a. 31., Tkeaterplatz 14. ■T N«u erSffaat ‘3M An der Natioualen Hebräischen Schul e sind ' der Direktor, 15 Lehrer und 890 Sfinber in den 3 treik getreten, weil sie entgegen dem Verwaltungsrat den gesamten Unterrichr auf Hebräisch wünschen. - Frankfurter Berichte. Agudas JiSroel und Lstjuden. Die durch die Rede Dr. Nathan Birnbaums in der Agudas Jisroelgruppe verursachte und von ben ostjüdischen Kreisen stark besuchte Versammlung des Vereins der O stj >ide n T i kwas Zion mit dem Thema: „Agndas Jisreol und Ostjuden" zeigte, wie ivenig klug es von der Agndas Jisroel - Organisation gewesen ist, ihr ursprüngliches Programm der Sammlung - a f le r traditionstteiien Kreise verlassen und sich zur Verfechterin einerganz bestimmten Richtung innerhalb der traditioustrenen Jndenheit gemacht zu haben. Die führenden Persönlichkeiten' und die Preßorgane der Agudas Jisroel wenden sich mit größter polemischer Schärfe bet jeder Gelegenheit gegen den Misrachi und gegen die Gemeindeorthodoxie, und die Agudas Jisroel hat im hervorragendsten Maße ei» politisches Gepräge angenommen. Heute ist die Agudas Jisroel die Uebertragung des Grundgedankens der orthodoxen Trennuugsgemeinde auf eine Weltorganisation geworden. — doch was sich in Westeuropa für das jüdische Gemeindeleben erreichen läßt, ruft bei der noch national fühlendeir Ostjuden heit heftigsten Protest hervor. Von dieser Tatsache hätten sich die hiesigen Agudas- Führer überzeugen können, wenn sie in die Versammlung des Tikwas Zion gekommen wären. . Personalien. Mich. Strauß, Fischerseldstr. 10, erhielt die Rettungsmedaille am Band. S., Inhaber der Bootbauerti Wirth Nachfolger, hatte 1917(18 den Wach-Rettungsdienst auf dem Main versehen und sein Motorboot der Kommission für das Rettungswesen zur Berfiigung gestellt. Ms Führer des Motorbootes hatte er mehrere Personen vom Tode des Ertrinkens gerettet. Dr. Ernst Siegel, der Leiter Aer chiurgischen Abteilung am Krankenhaus der Israelit. Gemeinde, ist im Alter von 53 Jahren plötzlich verschieden. . Fraykfnrter Veranstaltungen. Talmud Thora-Bereiu, Hörsaal Börneplatz, Samstag, Schluß Morgengottesdienst: Schulchan Aruch (Dr. Friedmann), 3*/«: Raschi (Lipinsky), 3h Stunde vor Nacht: Ejn Jakauw (Unna), Sonntag. Schluß Morgengottesdieajt: Mischna (Dr. Friedman»), 9(4 vorm.: Schuichan Aruch WocheHbett-Ansstattnnflem Hugo Rothschild 4 Langeatrasse 85. Telefon Hans& OSZßC Um so ^niehc litten die Bewohner der Stadt. Jedes HauS war von zahlreicher Einquartierung angefüllt, und die römischen Soldaten begnügten sich nicht mit dem, waS ihnen von der Stadt geliefert ward, sondern verlangten für jedes Gelüste, das ihnen kam, Befriedigung von den gegeängsteten Hausleuten und die härtesten Dienste in der ungestümsten Weise und ließen es an Mißhandlungen nicht fehlen. Hier half weder Widerstand noch Demütigung und Brite. Brachte ein verzweifelnder Bürger eine Klage vor Ursicinus, so lautete die höhnische Antwort: „Nehmet das heilige Sakrament der Taufe an, und Euch soll geholfen werden!" Dieser Hohn verschärfte nur das Gesühl des Mißgeschicks, aber ebenso sehr die Glaubenstreue. Selbst Geschenke und Opfer aller Art richteten hier nichts aus, sondern fachten die Begierden nur um so stärker an. Die Stabt afa solche kam in nicht geringere Bedrängnis. Zwar hatten die Begüterten gleich ansangS eine bedeutende Summe freiwillig zusammengeschossen, um die verlangten Kontributionen und Lieferungen zu leisten. Aber diese Summe war bald erschöpft, lind man mußte dazu schreiten, die Lasten durch Steuern zu verteilen, welche das Eigentum der Bürger bald völlig aufzuzehren drohten. Daher kam eS, daß »bereits viele die Stadt auf jede mögliche Weise verließen, und besonders war in kurzer Zeit beinah die ganze weibliche Bevölkerung, soweit sie dem jüngeren Lebensalter angehörte, .aus der Stadt verschwunden. Freilich ordnete Ursicinus. als. ihm dies hinterbracht wurde, die strengste Bewachung der Stadt an; aber dies konnte die Auswanderung doch nicht verhindern, wenn er nicht jeden Verkehr der Stadt mit der Umgegend abschneiden wollte, wobei dann wieder für seine Soldaten selbst die Zusuhr hätte aufhören müssen. In diesen Tagen entwickelte Patrika eine Tätigkeit, eine Hingebung und' Selbstausopserung, welche ihn für alle Bewohner der Stadt zu einemLlegenstande der Bewunderung und des unbegrenzte»» Vertrauens machte. Er rpar unaufhörlich in Bewegung, gab hin was er besaß, schlichtete, beschwichtigte und tröstete überall. Ihm kam jetzt zur Hilfe, daß das Sanhedrin nicht bloß aus' tiefgelehrten Männern bestand, sondern praktische Gewerbesleute in seiner Mitte ' zählte. -Es waren sofort geeignete Kvmmtssionen gebildet worden, um die einzelnen Zweige der Geschäfte nachdrücklich zu besorgen. Für Alle aber war Patrika das Haupt und die Seele. Nu» vermied er es, mit den Römern selbst, so weit er es konnte, zusammenzutressen, und am wenigsten ließ er sich ans eine Dazwischenkunft bei Ursicinus ein, den er schon genügend zu kennen glaubte» um jede Einwirkung auf ihn unmöglich zu halten. Sein großes, schönes Haus auf der Hochstraße hatte mau mit einem Dutzend Offiziere samt ihren Dienern belegt, und als eroberen Treiben in seinem Hause gewahrte und es einzuschränken für unmöglich erkannte, hatte er bald das Haus ihnen gänzlich überlassen und sich in ein Gebäude zurückgezogen, das in einem entfernten Stadtteile an der Stadtmauer lag. Eigentlich war es eine große Warenniederlage. aber emige Zimmer, die daran gefügt waren, genügten ihm. Hierhin begab er sich am späten Abend und verließ es am frühen Morgen, den Geschäften des TageS nachzugeheu. So tonnte er sich wenigstens einige Stunden der NaMruhe sichern, um den ausreibenden Anstrengungen des TageS gewachsen zu sein. Eines Abends ging er in. seinem Gemach hin und her; die Ereignisse des Tages beschäftigten seine Seele- Eine tiefe Wehmut ersüllte sein Herz, denn in den meisten Fällen hatte er leine, Abhilfe, kaum eine Erleichterung schafft» - können. Wann und wie sollke das Schicksal enden, das in ' wenigen Monden den Wohlstand seiner Vaterstadt zu ver-^, zehren drohte, welchen der Fleiß und die Arbeit von Jahrhunderten begründet hatte, 'und so viele wackere Familien in das tiefste Elend stürzte? Aus der Wehmut. schwang sich sein Geist in die Tage der Vergangenheit zurück» in die Blütezeit.seiner Nation, zu deren geschwundenem Glücke, und richtete sich dann -fragend in die Zwkunst, in.deren geheimnisvolles Dunkel nur die göttliche Berhechung einige Lichtstrahlen warf, Lichtstrahlen, welche in die ' Nacht »erzitterten, weil die Verheißung nicht den Zeitpunkt ihrer Erfüllung enthielt, und noch grausige Jahrhunderte zwischen Weissagung und Erfüllung süh legen konnten. „Ja, er wird kommen," murmelte er in sich hinein. „wer könnte daran zweifeln? . Aber wenn er es soll, so muß er eS bald . . . Sind die Zeiten nicht danach -angetan? Können die Uebel sich noch-vergrößern, die Leiden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.