Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1920-06-29 · Heft 24 (29.6.1920) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 24 (29.6.1920)
Date
1920-06-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2693178-2693202--11148-2706568
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 24. Seite 3. Weue FMsche Kresse. A. ML Thyssen Stets Eingang MT Neuheiten in Tapeten -Wg Teppiche Läufer Vorlagen 20 Heue NalnEerstrasse 20 Eoke Weise frauenstr aase. Telefon: Hansa 1784. Frankfurter Veranstaltungen. Talmud Thora-Verein, Hörsaal Börneplatz, Samstag, Schluß Morgengottesdienst: Schulchan Aruch (Dr. Friedmann), 3%: Raschi (LiPinSky), 3/4 Stunde vor Nacht: Ejn Jakauw (Unna), Sonntag, Schluß Morgcngotresdienst: Mischna (Dr. Friedmann), 9>/l vorm.: Schulchan Aruch Lipinskh), 9Vs vorm., Hermesweg: Gemoro (Unna), Montag, 6l/i Uhr abends: Newiim (Unna), 9 Uhr abends: Gemoro (Unna),'Dienstag. 81/2 Uhr abends: Mikro (Unnal, Mittwoch 6V1 abends: ChauwcmS halewowaus (Dr. Braun), Donnerstag, 8V» abd., Hermesweg 27: Gemoro (Unna), Fortbildung f. Knaben, Samstag) 31/2, Dienstag und Donnerstag, 6 Uhr. , Verein Montefiore E. V. Dienstag, 29. Juni, 8Vi, Heimabend, Mittwoch, 30. Juni, 8Vi, Diskussionsabend, Donnerstag, 1. Juli, 8>/>, Heimabend, Samstag, ö Uhr. Gemütl. Zusammenkunft. Historisches zur Verfassung uud Berwattuug der jiidischeu Gemeinde iu Frankfurt a. M. Bon Privatdozent Dr. 8B. Hanauer in Frankfurt a. M, Das Mittelalter. Im Mittelalter bildete» die Juden einer Stadt nicht bloß eine religiöse Gemeinde,, welche in der Synagoge ihren Mittelpunkt hatte/sie war nicht nur von den übrigen Einwohnern getrennt, indem sie ein besonderes Viertel bewohnten, .sie bildeten vielmehr auch in vielen Orten eine Gemeinde .in rechtlicher Beziehung. Diese Gemeinde besaß auch vielerorts in verschiedenem Umfange die Gerichtsbarkeit. , In Frankfurt waren die Rechtsverhältnisse der Juden seitens des Rates iu den Judenordirungen, den sog. Juden- 1 E ■''! 1 ||pielefon4(| erfülll- ALLE Ansprüche FRANKFURTER PRIVAT-TELEFON-GESElLSCHAFT-b. FRANKFURT A.M. rta~sc Sepphoris und Rom. Ein historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert. Bon Ludwig Philippsohn, j . (Fortsetzung.) , So zog er mit der 21. Legion nach Syrien, entschlossen, mit aller Kraft mrd Anstrengung wenigstens den Euphrat zu halten und dem übermächtigen Feinde den Uebergang zu wehren, den Sabinianus aber, da er eS doch nicht hindern konnte, den weiteren Krieg führen zu lassen nach seinem Belieben. Er sah die dunkle Wolke, die sich über , seinem Haupte sammelte, fühlte aber, daß er ebenso wenig sie sich zu entladen verhindern könnte, wie der Landmann, der die Hagelschauer auf seine Saaten niederfallen sieht. Seine Seele knirschte vor Wut mnd ließ diese alle empfinden, die mit ihm in Berührung kamen. Sein Weg führte ihn durch Galiläa, und er beschloß, in der Bergveste Sepphoris so lange Rast zu/machen, bis er von den, Bewegungen deö Feindes, der bereits tief in Mesopotamien eingedrungen war, genauere Nachrichten erhalten hatte. - Galiläa war damals noch vorzugsweise von den Jude» bewohnt, unter welchen nur hier und da eine Slnzahl Griechen und Samaritaner zerstreut waren. Während Judäa öde und verwüstet dalag, da die Nachkommen seiner ' früheren Bewohner aus ihm verbannt waren, hatten diese sich in Galiläa angehäust und innerhalb gewisser Grenzen fast wieder ei» nationales Leben begonnen. Unter den galiläischen Städten war es wiederum Sepphoris, welches, obschon Liberias Sitz des Patriarchen und des großen Sanhedrin war, den Vorrang einnahni, weil seine Bewohner, nur Juden, durch Gewerbtätigkeit wohlhabend und durch seine Festigkeit vor allen Plünderungen von- Streisparteien und Räuberhaufen geschützt waren. Aber Ursicinus haßte die Juden noch aus zwiefachem Grunde, zuerst als Römer, der überall, wo er die Juden in größerer und unvermiichter Menge und in einer gewissen Selbständigkeit fand, in ihnen hartnäckige Feinde" uno, wo sich die Gelegenheit bot, Verräter witterte. Was -ihm setzt um so näher hu Legen schien, als Pin überwiegender Ttzil Juden friedlich unter der Herrschaft der Perser wohnte stättigkeit, geregelt, von denen die älteste vorhandene aus der Zeit von 1480 bis 1500'stammt, und die seit dem Anfänge des 15. Jahrhunderts nur immer -auf 3 Jahre gegeben und dann erneuert wurden. Diese Judenstättigkeiten bildeten den Inbegriff aller Rechten und Pflichten, nach welchen die Jude» im Verhältnis zu Rat und Bürgerschaft und unter sich zu leben gezwungen waren, und von deren Befolgung ihr Aufenthaltsrecht in Frankfurt abhing. In die inneren Angelegenheiten der Gemeinde mischte sich dagegen der Rat nicht weiter. Die Juden konnten selbständig ihre Angelegenheiten verwalten, wobei sie allerdings unter Aufsicht des Stadt-Schultheißen standen, der zu bestimmen hatte, wer ihr Vorsteher und Leiter feitt sollte. Hinsichtlich des Gerichtswesens war den Judeit die freiwillige Gerichtsbarkeit, alles, waS die Religion betraf, sowie die Erledigung der anderen Polizeisachen überlassen, vom bürgerlichen Recht die Entscheidung in Erbschafts- und Ehesachen nach mosaischem Rechte, in anderen Dingen waren sie dagegen denr gemeinen Rechte unterworfen. Schon im Jahre 1366 hatten Kaiser Karl IV. einen Befehl an dPi Schultheißen zu Frankfurt a. M. ergeheil lassen, daß er die Juden unter sich kein Gesetz machen, noch Gericht anstelle» lassen solle. Was die Verwaltung der Gemeinde anlangt, so wird ein jüdischer Meister als Oberhaupt der Gemeinde bereits 1288 erwähnt. Als Geiiieindefunktioiiäre wirken der Lehrmeister, der Vorsänger und der Schulklopser (Gcmeindediener); die Bezeichnung des Letzteren findet sich zum ersten Mal am 'Ausgang des 14. Jahrhunderts. — An der Spitze der Geineinde standen vom 16. Jahrhundert ab die von ihr gewählten „Vorgänger oder Aelteste", zuerst 54, dann 16 an Zahl. De» Vorsitz bei den Beratungen führten, zwei aus ihrer Mitte, „Baumeister" genannt. Das Amt des Vorgängers war lebenslänglich, das des Baumeisters ursprünglich zweijährig. Die Vorsteher waren in ihren Befugnissen unbeschränkt; sie beriefen die Geineinde nur dann, wenn es ihnen beliebte, und „was sie sür aut angesehen, dabei ist es stets geblieben." Als die Zahl der Vorsteher auf 10 sank, ivnrden die Vorsteher Zehner genannt. Die Wahrnehmnng der Gesnndheitspolizci ist den Vorstehern schon in dieser Zeit übertragen. In der ältesten Stättigkeit findet sich bereits die Vorschrift, daß die Bauineister ans Reinhaltung der Jndengasse zu achten haben. Mist, Kehricht und Spülwasser darf nicht in dieselbe ausgeschüttet werden bei Strafe eines Guldens, den die Baumeister zu erlegen haben, und welchen sie wieder von den Ilebertretern einfordern möge>r. Ilm die Mitwirkung der Gemeiiidemitglieder an den Gemeindeangelegenheiten kümmerte er sich insofern, als er dekretierte, daß die Mitglieder der Gemeinde bei Beratungen so lange beisammen bleiben sollten» bis über die Sache entschieden sei. Die Abwesende» oder sich früher Entsernenden haben nicht mitzusnmmen. Bei wichtigen Angelegenheiten soll allerdings nach den Abwesenden durch den Schulklopser geschickt werden. Diese Bestimmungen über Reinhaltung der Straßen sowie über das Stimmrecht bei Versammlungen finden sich auch in der im Jahre 1616 gedruckten Stättigkeit, die in Condliorei und Caff* Wilhelm Wendel ' Altegaase 6 Telefon H.12S8 Während der Sommermonate bis 10 Uhr üben da geöffnet. Freya- Biro-Einrichtuflen Werner, Nell ft Cie. Frankfurt a. Ll», Theaterplatz 14» BV" Hau eröffnet. "MU Kraft trat, als die Juden nach ihrer Vertreibung 1614 wieder nach Frankfurt zurückkehrten, und die bis zum Jahre 1816,'bis zur Errichtung des Großherzogtums Frankfurt, Geltung hatten. In dieser Stättigkeit sind den Vorstehern sehr wichtige Funktionen übertrage». Sie bilden die Vertretung der Judenheit dem Rate gegenüber, sie verhandeln mit dem Rate, sie sind veramwortlich dafür, daß die Gemeindemitgliedec die in der Stättigkeit festgesetzten Pflichten erfüllen, sie übe» die niedere Gerichtsbarkeit aus und können gegen Me,«teilte mit Strafen Vorgehen. Außerdem steht ihnen die Verhängung von Synagogenstrafen und des Bannes zu. Die Zehner leisten nach ihrer Wahl einen Eid» sie müssen nach Befinden eine Kaution von 400 Gulden stellen, wenn sie nicht vermögend genug erscheinen. Aus ihnen werben die beiden Baumeister gewählt; wenn einer von ihnen mit dem Tod abgeht, so Wahlen die Ueberlebenden in den nächsten 9 Monaten einen zu. Der Judenwirr soll in der Regel nicht Baumeister werden. ■ Den Baumeistern und Rabbinern liegt es ob, die kleinen Händel der Juden zu schlichten, damit eS vermieden werde, wie es oft vorkam. -daß die Juden wegen Kleinigkeiten täglich in den Römer und zum Bürgermeister liefe». Frevel und andere wichtige Sachen entscheidet aber nach wie vor der Rat, und sie sind an diesen zn verweisen. Mit Strafe werden diejenigen belegt, welche gegen die Rabbiner und Baumeister ungehorsam sind und sich ungebührlich zeigen. Sie werden durch den Schulklopser in ein besonderes Buch eingetragen, öffentlich ausgeruftn und mit einer GelbstrUe von zwei Gulden belegt. Stand einer dreimal darin, so mußte er zur Strafe eine Kch>petragen, und, wenn er noch weiter widerspenstig blieb, auf gerichtliche Erkenntnis die Stadt verlassen. Besonders nachdrücklich ist den Baumeistern ausgetragen, gegen Exzedcntcn in der Judengasse, gegen Schlägereien rc. einzuschreiten und gegen sie mit ernstlichen Strafen eiuzuschreite, r. Die erlegten Geldstrafen sind zur Hälfte an den Rat abzuliefern, zur anderen Hälfte an die jüdischen Hausarmen auszuteilen- Ebenso wird den Baumeistern ausgetragen, auf den Münzhandel ein scharse-s Auge zu haben. Geldstrafen, die wegen Münzvergehen verhängt werde», fallen zu i/t bem. Rate zu, zu % deiz, jüdischen Armen, Endlich müssen die Vorsteher denjenigen, welche die Stättigkeit zu erhalten suche», ein Leumundszeugnis ausstellen, und es wird niemand zur Stättigkeit zugelassen, welcher nicht' ein gutes Zeugnis seitens der Zehner vorlege» kann. Von weiteren Gemeindefunktionären seien die Schatzmeister oder Kassemneister erwähnt, an Zahl wechselnd, zur Zeit des dreißigjährigen Krieges 5, später 2. Ihre Ausgabe ist es, die Schätzung vorzunehmen, die Gemeinde- Kaffee Kaisergarten a*r Opernplatx Erstklassiges Familien-Kaffee Täglich von 4 Uhr ab: Künstler - Konzert» und in beträchtlicher Zahl im Heere diente, so daß die Vermutung nicht fern lag, eS bestehe eine geheime Verbindung zwischen den.Juden in Babylonien und denen in Syrien. Waren doch die jüdischen Schulen in Babylonien bereits zu hoher Blüte gediehe», so daß vor ihren. Glanze die palästinensischen Schulen erblichen, Jünglinge aus Palästina nach den babylonischen Lehrhänfern zogen, um sich in jüdischer Weisheit auszubilden, und bisweilen als angesehene Lehrer in ihre Heimat zurückkehrten. Auch hier dachte man, daß die Gemeinsamkeit religiöser Studien politischen Plänen zur Hülle oder zum Mittel diente. Ursicinus glaubte sich daher unter der jüdischen Bevölkerung schon Witz auf feindlichem Boden. AEdann war er aber auch ihr Widersacher als eiftiger Christ. Mit dem Bekenntnis des Kaisers Constantin zum Christentum hatte dieses zwar einen Sieg errungen, aber durchaus »och keinen vollständigen. Noch standen dem Heidentunc große Volksschare», einflußreiche Männer und viele Reichtum«' zu Gebote. Das früher so hart verfolgte Christentum konnte daher den Kampf „och nicht änfgeben, und jemehr es zugleich politische Partei war, desto mehr mußte es sich gedrängt fühlen, alles, was ihm noch Widerstand leistete, niederzuwerfen. War es nun gegen das zusammenbrechende Heidentum siegender Kämpfer, so trat es gegen das längst wehrlose Judentum als Verfolger aus und schliss bereits die Wajsen gegen dasselbe, welche das Heidentum iu den früheren Jahrhunderten gegen das Christentum verwendet hatte. Obgleich der Kaiser Constantius dem Christentume anhing und durch große Geschenke und Vorrechte die Kirche und ihre Priesterherrschaft begünstigt und groß machte, so hatte er sich doch noch nicht öffentlich zu ihm bekannt, was aber bald geschah. Um -so mehr suchten seine Beanfie» den. größtmöglichen Schaden allen nichtchristlichen Parteien zuzufügen und dem Siege ihrer Religion »achzuhelfen. Mit solcher Gesinnung und in solcher Stimmung hatte Ursicinus das Castell von Sepphoris bezogen. Es war noch nicht eine Stunde vergangen, als Patrika in Begleitung zweier anderer Mitglieder des Sanhedrin in das Castell eintrat. Auf der Hochstraße und vor dem Castell standen noch die römischen Legionäre, der Anweisung zu ihren Quartieren gewärtig. So düster das äußere Aussehen des Castells apch wpr, so barg es doch außer den. Vorkehrungen, die zu seinem militärischen Zwecke notwendig waren, auch Räume in sich, die aus das prachtvollste ausgestattet waren. Eine herrliche Gartenanlage war — ein Wunder auf solcher Höhe — mit einem köstlichen Springbrunnen geziert, der seinen Strahl so hoch in die Luft hob, daß zu allen Tageszeiten die- Sonne ihren goldenen Glanz darüber goß und ihn in allen Farben des Regenbogens schimmern ließ. Rings um den Garten führt eine hohe Arkade, die von den Römern mit Marmorstatuen ausgeschmückt und deren Fußboden von köstlichem Mosaik gebildet war. Eine hohe Pforte von Zedernholz mit herrlichem Schnitzwerk und goldenen und silbernen Zieraten führte in das Innere der Prunkgemächer. Die drei Männer der Stadt traten in das Borzimmer und meldeten sich; aber sie mußte» noch lange harren, bis sie vor das Angesicht des Feldherrn gelassen wurde». Es fand ein reger Verkehr, ein Zn- und Abströmen von Legaten, Kriegstribunen und Zenturionen aller Grad« und Waffengattungen statt. Endlich wurden sie hereinberufen. Sie fanden Ursicinus nachlässig in einen prächtigen Sessel gelehnt, neben sich auf einem dreifüßigen Tische eine Amphora voll duftenden Weines samt gefülltem Becher. Als er die drei bemerkte, warf er ihnen einen gehässigen Blitzt zu und hob mit rauher Stimme an: „Ich betrachte Euch als die Vorsteher dieser Stadt und erteile Euch hiermit einstich meinen Befehl, dessen pünktliche Ausführung ich erwarte, wenn nicht die härtesten Strafen Euch treffen sollen. Ich werde hier mit meiner Legion «ne längere Rast halten» und zu diesem Ende werden die Soldaten in die Häuser der Stadt einquartiert. Schärfet den Bürgern wohl ein, daß sie sich gut gegen meine Soldaten benehmen, denn wen« diese gegen Ungehörigkeiten sich schützen, werde ich keine Klage annehmen; die Stadtnaher hat täglich alles zu lieftrn, was zum Unterhalte der Soldaten ünd Rosse gehört. Wem, Fleisch, Brot und Hafer. Außerdem hat sie täglich hun- Z dert Minen (2500 Thaler) zur Besoldung der Truppen x zu zahlen. Einen Nachlaß hierin gewähre ich nicht, und -jjj jedes Gesuch würde umsonst sein. 'Bereitet Euch übrigens | zur Lieferung dieser Dinge für mehrere Monate vor, so - | lange kann unser Aufenthalt hier dauern." S Di« drei Männer standen vor Schreck wie eingewurzelt i da, was den Feldherrn zu ergötzen schixn, denn es begann (

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.