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Neue jüdische Presse · 1920-06-29 · Heft 24 (29.6.1920) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 24 (29.6.1920)
Date
1920-06-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 24. Seite 2. t Derrtsch-veKerreiH JüSische Sportbeweguug. Dieser Tage fand in Wien ein vom Arbeitskreis der österr.-jüd. Turnerschaft veranstaltetes Sportfest statt, das eine«, Massenbesuch aufwies und wahre sportliche Hochleistungen bot, in denen sich namentlich der Budapester ,Mvroes Athletikai Club" hervortat. Die jüd. Sportbewegung' in Wien hat in der letzten Zeit einen sehr starken Aufschwung genommen. Es gibt zahlreiche jüd. Turn- und Sportvereinigungen, welche sehr viel zur körperlichen Ertüchtigung »der jüd. Jugend beitragen, allen voran der Sportklub ,Hakoah", der an die 2000 Mitglieder zählt und unter den Wiener Sportvereinen einen sehr guten Namen hat. Erfreulicherweise beginnen sich auch Kreise Lec ostjüd. Jugend sportlich zu bestätigen, welchen bisher sportliche Interessen völlig ferne lagen. „J:PZ" Tschecho-Slovalische Republik. Kongreß Ser Vereinigten Mische« Parteien. Der in Brünn am 14. und 15. Juni tagende Kongreß der Vereinigten jüdischen Parteien dankte in einer Resolution dem Präsidenten der Republik für sein Verständnis dem nationalen Judentum gegenüber und in einer anderen Resolution dem Abgeordneten Stricker als den Führer der bewußten Judenheit Oesterreichs. Der Kongreß protestierte im Namen von 80 000 jüdischen Wählern gegen das die jüdische Minorität, der 4 Abgeord- Ttetc und 2 Senatoren gehört hätten, ausschließende Wahl- Metz; das Gesetz möge dahin geändert werden, daß eine Partei, die, im ganzen Lande mindestens 50 000 Stimmen ausbringt, 'zum zweiten Skrutinium zugelassen wird. Schließlich verlangt der Kongreß von der Regierung die endliche Regelung der jüdischen Schulfrage im Sinne der baldigen Eröffnung besonderer Schulen sür die jüdische Minorität. Rutzlauv. Zur Lage. Im Komitee der Jüd. Delegationen in Paris berichtete Sliosberg: Das in Rußland herrschende wirtschaftliche System hat den ökonomischen Aufbau der Juden völlig vernichtet. Erschwerend kommt hinzu, daß die Regierung die Tätigkeit jeglicher speziellen jüdischer Organisation inhibiert. Die jüdischen Gemeinden sowie der neu errichtete jüdische Gemeindebund sind von der Regierung aufgelöst worden. 'Die.jüdische» Friedhöfe hat man einem kommunistischen Kommissär unterstellt. Pole«. ZwangSsonutagsruhe in Warschau. " ..Was die jüdische Bevölkerung bis zuletzt nicht glauben wollte, ist Sonntag, den 13. Juni, zum ersten Male Tatsache geworden. Man hat aus die 350000 Juden Warschaus keine Rücksicht genommen! Bereits Samstag abend war ein Sturm auf die jüdischen Lebensmittelgeschäfte, da das Publikum für den Sonntag einkaufen wolüe. Die Läden blieben jedoch in Rücksicht auf den Sabbat geschlossen. Sonntag früh erschienenen in den jüdischen Vierteln starke Polizeiaufgebote, um über die strengste Durchführung der Sonntagsruhe zu wachen. Jeder jüdisch aussehende Passant, der ein Päckchen trug, wurde angehalten. Gebe Gott, daß sich Palästina bald in großem Maße der jüdischen Einwanderung öffnet, denn die Zustände in Polen wirken heute in stärkster Weise zerstörend auf die Erhaltung des traditionellen jüdischen Lebens. LUime«. Zar Erhaltung Ser JcschiwanS. Auf die Jeschiwaus, die Lehrstätten der Erkenntnis des Judentums, hat der Krieg verheerend gewirkt, — und die Ausrichtung dieser Jeschiwaus ist der verarmten litauischen Judenheit allein unmöglich. Wohl hat sich ein Ausschuß, aus elf der angesehensten Rabbiner des Landes und Minister Dr. Rachmilewicz bestehend, gebildet, — aber es ist Mithilfe vom jAuslande erforderlich. Es haben sich daher in Deutschland folgende Herren bereit erklärt, das Hilfswerk tatkräftig zu unterstützen: Prof. Dr. E. Baneth, Berlin; Rabb. Dr. Carlebach, Lübeck; Mobb. Dr. Freimann, Posen; Dr. Abraham Hirsch, Halberstadt; Rektor Pros. Dr. Hoffmann, Berlin; Geh.-Just.-Rat A. Kalischer, Berlin; Aron Kober, Breslau; Kommerzienrat G- Marx, Königsberg; Prof. Dr. Eugen Mittwoch, Berlin; Rabb. Dr. E. Munk, Berlin; Rabb. Dr. M. Petu« chowski» Berlin; Rabb. Dr. Rosenthal, Breslau; Max Stein, Präsident der Montefiore Loge Berlin; Leo Wreschner, Frankfurt a. M., Dr. Jsi Kahn, Berlin; Geh.-Rat Pros. Dr. Landau, Berlin. Beiträge sind per Postscheck an Aron Hirsch u. Sohn, Halberstadt, Postscheckkonto 267 Berlin oder per Reichsbankgirokonto an die gleiche Firma zu überweisen. Kurze politische Rachrichte«. Pose«. Die Abwanderung nach Deutschland ist sehr stark. Die Reichsten Leute haben bereits die Stadt verlassen. Dagegen ziehen viele Ostjuden zu. Konditorei und Cafe Rothschild Bad Hombyirg;. Lonlsenstr. 16, Tel. 29^unä Lllsabeldpnotr. 27, Tal. 261. Ke« JMche Koche. Rom. Sir Herbert Samuel wird auf seiner Reise nach Palästina hier erwartet. Er wird wahrscheinlich mit dem Papst konferieren. LonSon. Sir Herbert Samuel ist nach Palästina abgereist. Er ist von seinem Privatsekretär, Hauptmann Groves, Sohn des Vikars von Selhurst, begleitet. Warschau. Kletnmann, der verantwortliche Redakteur der Tageszeitung „Neus fun Haint", stand wegen Verbreitung beunruhigender Nachrichten über den Krieg vor dem Gericht. Die Zeitung wurde aus gleichem Grunde verboten, an ihrer Stelle erscheint „Der Tog". Das Gericht sprach Kleimnann frei. Moskau. Die verhafteten 68 Delegierten des Russischen . Zionistischen Kongresses sind wieder entlassen worden. Zionistische Rachrichte«. Dffeubach. Auch die hiesige Ortsgruppe veranstaltete eine Gkulah-Feier. Herr Gutrad, der Vorsitzende, und Herr und Frau Dr. Loew-Tach a u e r - Frankfurt hielten Ansprachen. Beachtenswerte künstlerische Kräfte (Ernst Krauße, M. Döbert und Rosy Oppenheim e r - Frankfurt) führten ein musikalisch-deklamatorisches Programm aus, und dann schloß sich ein Tanz an. Um den materiellen Erfolg zu vergrößern, veranstaltet der Verein iwch eine Haussammlung. LouSo«. Am 21.,Juni fand hier seitens der Englischen Zionistischen Föderation eine Spezialkonfe.renz statt, die sich mit den Palästinafragen befaßte. '' Joseph Cowen sprach die Ansicht aus, daß alle jüdische» Organisationen und leitenden Persönlichkeiten der Welt jetzt gemeinsam mit der Zionistischen Organisation an dem Palästinawerk arbeiten sollten. Es wurde eine Resolution angenommen, daß die mechanisch arbeitenden jungen Juden der Welt aufgefordert werden sollen zu einem dreijährigen Dienste sür den Aufbau Palästinas. Eine weitere Resolution beschloß die Bildung eines Komitees, dessen Aufgabe es ist, die Naturalisation der im zionistischen Dienst in Palästina Arbeitenden nach ihrer Wahl als palästinensische oder als britische Staatsangehörige in die Wege zu leiten. ja JF Wäsche-Ausstattungen sSnSÄJ Spezialität: Herren.Oberhemden nach Hass Defekte Wäsche "wird sorgfältig repariert. Frankfurter' Gross-Weissnäherei Langestrasse 18, Hinterbäu. :: Tel.: Römer 5308. Aus der Misrachi-Bervesuug. London. Sir uvd Lady Stuart Samuel gaben ein misrachistisches Bankett. Sir Samuel, Professor Dr. Pick, der Vorsitzende des Misrachi - Zentralbüro, und Dr. Herz, Chief-Rabbi von England, sprachen. — ' * Auf der Zionistischen Jahreskonferenz wird die Leitung des Misrachi vertreten .sein durch Chief - Rabbi Herz, Sir Stuart Samuel, Rabb. Dr. S ch o e n f e l'd, der sofort nach der Konferenz nach Palästina abfährt, und Pro,. Dr. Pick, der den Misrachi auch auf der Welthilsskonserenz in Karlsbad (27. Juli) vertreten wird. — Die Misrachi-Exekution beschloß, in allen Einwandcrnngskomiteeu für Palästina Sitz zu verlangen und die Durchführung der, Amsterdamer Erziehungsresolution z» betreiben. A«s der „Ag«das Jisroel"-Beweguug. Zürich Der Delegiertentag der Schweizerischen Lanbesorganisation ist auf den 11. Juli, nach hier einberufeit worden. WU«a. Die Behörde hat daS Statut der .Agudos Jisroel in Litauen" genehmigt. Die Gründer der Organisation sind Rabb. Chajim Oser Grodsenski, Rabb. Krakowski, Rabb. B asin, Rabb. Top und Josef Gurwitz. Persosalie» «. Uet«e Mitteil«»ge». Berlin. Ernennungen: Frau Prof. Dr. L i d i a Rabi nowitsch zur Bakteriologin des Moabiter Krankenhauses, Frl. Dorothea Hirschfeld zum Regierungsrat im Reichsarbeitsministerium, Pros. Dr. W Y g o d - zinski zum Prorektor der Landwirtschastl. Hochschule Bonn - Poppelsdorf. Der Verein Jüdische Lesehalle und Bibliothek, der fast 25 Jahre bestand und in, der Oranienburgerstraße 58 seine Räume hatte, hat sich aufgelöst. Sein Vermögen von 40 000 Mk. und seine Bibliothek von 10000 Künden gehen an die Jüdische Gemeinde, die im Gebäude der Synagoge Fasanenstraße eine Filiale ihrer Bibliothek und Lesehalle einrichten wird. Mainz. Di» hiestae israelitische Gemeinde zählt rund 3000 Seelen. Ihre Einnahmen und Ausgaben in ihrem vergangenen Geschäftsjahre betrugen 230000 Mk. Der srühere Rabbiner, Prof. Dr. Salseld, überließ der Gemeinde seine wertvolle Bibliothek, Kommerzienrat Kranenberger« schenkte ihr eine wertvolle Talmudausgabe sowie einen Rif. Frau Jenny Meyer hiMerließ zur Errichtung eines Heimes für sechs arme jüd. weibliche Personen 600000 Mk. Rabb. Dr. Levi sammelte für ein Gemeindeheim 100000 Mark. Löl«. Zu einem eindrucksvollen Tage gestaltete sich der vergangene Sabbat, an dem sich Rabbiner Dr. H a n o - ver von der Gemeinde und die Gemeinde von ihm verabschiedete. Zum letztenmale vor seinem Weggang nach Würzbürg betrat er in der Synagoge die Kanzel. Am Nachmittag hatte dann ein Komitee in' den großen Saal der Rheinlandloge eingeladen. Der Vorstand der Gemeinde, die verschiedenen Chewraus, Logen, Vereine hatten Vertreter entsandt. Nach einem Bortrag des Shnagogenchors gab A. Hofmann im Namen des Komitees den Gefühlen der Wehmutdcs Abschieds, der Dankbarkeit für das 14jährige Wirken sowie den Wünschen für de» neuen Wirkungskreis beredten Ausdruck. Nach ihin sprachen die Vertreter der Gemeinde, der Loge, der nationaljüdischen und der ostjüdischen Jugend, ehemalige Schüler, die Amtskollegen und eine Vertreterin der- Lehrer, 14 ,an der Zahl, sie alle wollten »och einmal dem scheidenden Rabbiner ihre Liebe, ihre Verehrung bezeugen. Butzbach. Plötzlich aus reichem Schaffen in Haus und Gemeinde, aus gesegneter Wirksamkeit ward unser allverehrter Lehrer Emil Spiro nach kaum vollendeten 61. Lebensjahr abzurupen. Tief und ehrlich ist der Schmerz um ihn. In Fulda geboren und erzogen, widmete er sich dem Lehrerberus, und seit 34 Jahren war er in vorbildlicher Weise ait der hiesigen Gemeinde auf allen Gebieten unermüdlich tätig. Stuttgart. Zur 25 jährigen Hauptversammlung des Vereins württembergischer Rabbiner, die hier tagte, erschien von Dr. Schweizer-Horb eine Denkschrift, die im Anhang eine Arbeit Dr. Kroners - Stuttgart über die „Gleichstellung von Mann und Frau im jüdischen Schrifttum bringt." Breslau». Handelsrichter David Mugdan. Vizepräsident der Handelskammer, von 1804 bis April 1920 Vorstandsmitglied der isr. Gemeiirde, beging den 80. Geburtstag. Schotten (Posen). Aus der Synagoge wurden die Vorhänge, Decken usw. gestohlen. Hamburg. Vom 27. bis 20. Juni tagt hier die Hauptversammlung des Zentralverbandes selb st ändiger jüdischer Han dwerkerDeutschla n ds. Luzern. „Die fchweiz. - deutsche Hilfs-Kommiffion für notleidende deutsche Kinder" hat dem Israelit. Hilfsfonds 25 000 Frcs. für ein Heim am Vierwaldstättersee -übergeben. Vorgesehen .sind 3 mal 30 Kinder für je 6 Wochen bei streng ritueller Verpflegung. New Kork. Rabbiner Leo Jung, Sohn des bekannten Rabbiner Jung in London, hat seinen Posten als Rabbiner der Keneseth Israel-Gemeinde in Cleveland (Ohio) ongetreten. — Auf der Jahresversammlung der „Gesellschaft znni Schutz jüdischer Einwanderer" in Philade lp hi a berichtete Howard L. Levy, der Präsident, daß vom 1. Mai 1910 bis 39. April 1920 nur 34 jüdische Einwanderer (6 Engländer, 25 Russen und 1 Grieche) eintrafen. Frankfurter Berichte. «lue stürmische Lersammluug. „Ueber Weltanschauungen läßt sich nicht debattieren," sagte Dr. Nathan Birnbaum, als sich nach seinem Vortrage der unbeschreibliche, erst nach der gewaltsamen Entfernung einer Anzahl Hauptschreier durch die Römerwache endende Tmüult gelegt hatte. Das stimmt! — Aber Weltanschauungen fallen dem Menschen nicht in den Schoß, erst aus den Erfahrungen des Vergleichens und aus Seelenkämpfen ringt sich das. von Elternhaus und Lehrer Empfangene zur Weltanschauung durch, —. umb deshalb steht den Verfechtern einer Weltanschauung die abgeklärte Ruhe im Worte wohl an. . Fallen aber die Worte wie Schwertschläge in der Hand des Recken nieder, verletzen und verwuüden sie, — dann bäumt's sich's auf zum Widerstand, zur heißen Gegenrede. In erbarmungsloser Schärfe meißelt Dr. Birnbaum den Aufbau seiner Rede, — ,ünd es war daher vom Vorstandstisch der Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppe nicht klug gehandelt, das Verlangen nach einer Diskussion abzulehnen, das von ostjüdischen jungen Leuten gestellt worden war, die sich anscheinend in ihrem Zionismus auf heftigste angegriffen fühlten und nun in einer Diskussion die Klingen kreuzen wollten. Das Thenia selbst: Die Gebundenheit der Religion und ihr Gegensatz die Ungebundenheit des Oekonomismns, -des Sexualismus. des Politizismus und des religiösen Individualismus hätte wohl plastische Gestaltung zur Veranschaulichung des Gegensätzlichen erfordert, aber eben so sehr Ruhe der Behandlmig. Aus Ser ReligionSgefrllschaft. Die Synagogengemeinde „Isr. Religionsgesellschaff hat die Errichtung eines Gemeindeamtes für soziale Fürsorge 'beschlossen. ■ Aufgabe dieses Amtes ist:'Verwaltung der Wohltätigkeitsstiftungen der Gemeinde, Ausübung aller Zweige der jüdischen Zedokoh und der ljüdisch-sozialen 'FüHprge, Beratung der Gemeindemitglie-' der in Wohltätigkeits-Angelegenheiten usw. Der 70. Geburtstag Rabbiners Dr: Breuer (17. Tamus) dürste Veranlassung zu zahlreichen Spenden sür die neue Institution geben, da Rabbiner Dr. Breuer jede persönliche Ehrung, zurückgewiesen hat. Kleine Notizen. Der Talmud Thora-Verein wählte Fr. Breslau in seinen Vorstand. Die Generalversammlung derMisrachi gruppe findet nicht Sonntag, den 4. Juli, sondern Mittwoch, den 7. Juli statt. Woclienbett-Aasstattiuigeii Hugo Rothschild . Langestrasse 35 Telefon Hansa 9926.

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