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Neue jüdische Presse · 1920-06-29 · Heft 24 (29.6.1920) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 24 (29.6.1920)
Date
1920-06-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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FmnkfurierLsraeütifches Famiüenblatt 11 Jiiniiimimiiiiiiiimimimniimiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiimiinnmm: Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel- : i fahr: In Frankfurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presse, : : auswärts bei der Post abonniert Mk.3.50, stei ins HauS 15 pfg. I mehr./ÄeiZlisendungdurchStreifbandfurL)eutschlandMk.20.00, ] j für alle übngen Länder Mk.30.00fährt ich, im Voraus zahlbar.! Redaktion und Expedition: Frankfurt a. M., Langestraße 2 Fernsprecher Ami Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis jiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiimuiaiiiuiuuniiimimimaMii | Insertionspreis für die sechszespalteneRonp.ZeileltKPtz., M! : die Reklamezeike Mk.3.—. Lei Wiederholungen enssprechender : : Rabatt. / Platz- und Datum -Dorfchrifi ohne DerbindlichKit. / : : Annoncen-Annahme bei der ltzped. und in a. Annoncen-ÄureauS. : : Konto bei dem Postscheckamt m Frankfurt a.M. unter Nr. 4864. : 18. Jahrgang. Dienstag, de« 13. Tamus 5680 (20. Juni 1020) Nr. 24. Delegiertentag der Zionistischen Bereinigung für Deutschland. Der Delegiertentag gab ein. Bild von dem Wachstum des zionistischen Gedankens innerhalb, der deutschen Judenheit in die Tiefe und in die Breite. Besonders eindrucksvoll war die Eröffnungssitzung. Getragen von der Bedeutung der Gegenwart für die Verwirklichung des zionistischen StrcbenS, wandten sich die Begrüßungsansprachen Dr. K l e e' s und Professor W a r - bürg's und die Begrüßungsschreiben aus London von Professor - W e i z m a n n und Dr. .Hantle an die Versammlung. San Remo hat die zionistische Arbeit für Palästina zu.einer Sache des ganzen jüdischen Volkes gemacht, dessen ist'die Zionistische Organisation sich bewußt. Sie weiß aber auch, daß sie an alle» Aufgaben der Diaspora-Judenheit, mitzuwirken hat, und kann daher auch nicht am dem Problem des Antisemitismus vorübergehen. Die wirkliche ueberwindung des Anlijemitisinus sieht der Zionismus in der, Stärkung des jüd. Bewußtseins, in der liebevollen Pflege der jüdischen Eigenart. Diese Gedanken stachen besonders aus den Worten Dr. K l e e' s hervor. Prof. W a r b u r g dagegen zeigte die hervorragende Rolle der deutschen Zionisten im Nahmen der Zionistischen Organisation der Vergangenheit, und ihre bedeutsame Aufgabe für die Zukunft. Wohl liegt das politische Schwergewicht der Organisation heute in England und in Palästina. Aber in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht sind gerade die deutschen Zionisteil berusep, Pionierarbeit zu leisten. So können sie für Palästina die technisch und gewerblich geschulten Kräfte und den mittleren Beamtenstand stellen. Mit der beruflichen Vorbereitung hierfür und gleichzeitigen Unterweisung in der hebräischen und in der für Palästina gleich wichtigen arabischen Sprache wird dieses Ziel erreicht. Die Landwirtschaft muß vorerst dem. bedürfnisloseren und ausdauernderen Ostjuden überlassen bleiben. .Der Brief Weizmanns betonte, daß es jetzt gelte, das neue jüdische Leben in Erez Israel auf dauernden, sicheren Grundlagen aufzubauen und im Einklang init den ewigen Idealen des Judentums und den Idealen eines freien, schönen und gerechten Lebens. . Es wurden noch weitere Begrüßungsschreiben verlesen und dann wurde das Präsidium wie folgt gewählt: Dr. Klee (Bors3, Hermann Struck, Dr. E. Rosenberg, Dr. Max Strauß -Berlin, Dr. Victor-Hamburg (stellv. Vors.), Rabb. Dr. Lieber mann, Dr. Kare s k i, Dr. Sandler, Dr. Gg. Strauß, Frau Ar - l bf o r o f f * Berlin, L. Landau-Hamburg, Schachtel- Breslau, Frau Dr. Edel st ein - Bonn und Rechtsanw. N n ß b a u in - Nürnberg (Beisitzer). Nunmehr erstattete Dr. K l e e den Rechenschaftsbericht, aus -dessen 'Fülle hier das folgende Gedankliche wiedergegeben sei: Die Arbeiten, der Zionistischen Organisation müssen in großzügiger, straff organisierter Weise und nach einem durchdachten,. einheitlichen Plan vorgenommen werden, — diese. Forderung ist den zur Jahreskonferenz nach London zu entsendenden Vertretern untzugeben. . Die berufliche, alle für Palästina wichtigen Arbeitsgebiete umfassende und die allgemein-menschliche Ausbildung der zionistischen Jugend ist überaus wichtig. -. Das jüd. Wanderungsproblem ist als nationales Problem" zu werten.' Nicht nur. die Wanderung nach Palästina, sondern die gesamte Wanderung muß von der Zionistischen Organisation überwacht und beeinflußt werden. Me Forderung des „Kongresses der deutschen Juden", dessen Verwirklichung hauptsächlich durch den Widerstand des'Teiles der Orthodoxie scheiterte, der dem Emheitsgedanken.unversöhnlich gegenüber steht, muß grundsätzlich aufrecht erhkilten werden.. Auch seine Zeit wird kommen. Der Bericht schilderte die Tätigkeit der Zionistische» Vereinigung für Deutschland: Hebraisierung, die demnächst in einem hebräischen Lehrer» und Fröbelsemlnar ihre Krönung finden soll, Förderung der Jugendliteratur, Errichtung eines Palästina-Hlmtes, Beschafiung von Arbeit für eingewanderte Ostjuden (jüd. Arbeitsämter) — rund 70000. Ostjuden sind seit Kriegsbeginn zugewandert —, Anteilnahme an der Gestaltung der jüdischen Gemeinden, Jugendbewegung res gibt in Deutschland jetzt rund; 9000 organisierte junge Zionisten .— 'und Propaganda. ,Fortsetzung folgt.) Herbert Samuels Programm. .Herbert Samuel gab vor seiner Abreise nach Palästina über sein Programm folgende Grundzüge an: „Vollständige religiöse Freiheit. Die heiligen religiösen Stätten bleiben unter Obhut der betreffenden Religion. Errichtung einer bürgerlichen Verwaltung mit Engländern in den höheren Stellen und Palästinensern ohne Unterschied der Religionin den anderen Stellen. Aufbau der nationalen Heimstätte für die Juden unter Bedachtnahnie auf die Interessen und Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung. Einwanderung nach dem jeweiligen Entwickkungsstadium des Landes. Förderung des Erziehungswesens und der geistigen Entwicklung, damit dein Heiligen. Lande abermals moralische Stoßkräfte entsprießen, die sich in den Dienst der Menschheit stellen werden." Herbert Samuel wurde vor ferner Abreise vom König empfangen, der ihn in de» Ritterstand mit dem Prädikat „Sir" erhob und ihm die Insignien des.Großkreuzes des Ritterordens überreichte. Den neuen Generalgouverneur, den ersten Juden seit zweitausend Jahren an der Spitze des Heimatlandes des jüdischen Volles, begleiten die wärmsten Wünsche und das Vertrauen der gesamten Judenheit auf dein Erdenrund, soweit sie noch an einer jüdischen Zukunft interessiert ist. Möge seine Regierung unter dem 'Zeichen des «Massel Tauw" stehen; möge Israels Geschichte sich nunmehr zu einer günstigen Sternenbahn des Fortschreitens und Blühens, wenden! Zum Aufbau Palästinas. Das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds berichtet: In Saloniki wurde eine Lotterie veranstaltet, die bisher 25 000.— Drachmes brachte. In Südslavien wurden großzügige Sammlungen eingeleitet, als deren erstes Ergebnis dem Hauptbüro des INF über 50000.— Kronen überwiesen wurden. Die Blumentage in Holland brachten 5000 Gulden, der Bazar in London über 1.000 Lstrl,. ein Bazar in Belfast 300 Lstrl., der Blumentag in Antwerpen über 9000 Frs. In Minsk (Weißrußland) fand ebenfalls ein Blumentag statt, durch den über 30 000 poln. Mark erzielt wurden. In Bulgarien und in der Bukowina haben sich die jüdischen Gemeinden, Bne-Brit-Logen und Banken verpflichtet, dem INF regelmäßig einen Prozentsatz ihres Budgets resp. ihres Reingewinnes zuzuführen. In Polen und dem besetzten Litauen wurden große Sammlungen eingeleitet, um einen Fonds zu begründen, der den Namen „Josef Hagalili" tragen wird. Hierdurch soll der WiF in den Stand gesetzt werden, Josef Trumpeldor und den anderen in Obergaliläa gefallenen jüdischen Arbeitern im Rahinen seiner Kolonisationsarbeit ein ewiges Denknral im neuen Palästina zu errichten. Allein in Polen wurden im Jjar für diesen Zweck ca. 200000.— Mk. gesammelt. Trotz gleichzeitiger Aktionen für andere Zwecke haben sich nach den politischen Entscheidungen in San Remo die Einnahmen für den INF in Polen bedeutend vergrößert. Sie betrugen im Jjar 530000.— Mk. Herr Schwarzstein aus Antwerpen hat dem,.JNF einen' Bodenkoniplex von 150 Dunam in der Kolonie Ehedera (Samaria) geschenkt. In Wien haben nicht genannt sein wollende Zionisten V* Million Kronen zum Ankauf von Boden in Palästina, der ewiges Besitztum des jüdischen Volkes bleiben soll, gestiftet. Erez Israel. Eine Depesche des englische« Königs. ■ Oberrabbiner Kook-Jerusalem empfing folgende Depesche des englischen Königs: . Ich habe mit Genugtuung Ihre telegraphische Begrüßung anläßlich der Uebernahme des Mandats über Palästina durch Großbritanje» gelesen. Es .war von. jeher unser Bestreben, dem jüd. Volk eine jüd. Heimstätte zu schaffen, ohne dadurch die Rechte dev im Lände wohnenden nichtjüd. Bevölkerung zu verletzen. Die Verwaltung Palästinas wird gemäß den überlieferten Grundsätzen des britischen Reiches, die auf Freiheit und Gerechtigkeit beruhen, eingerichtet werden. Ich bin dessen sicher, daß «sie selbst und Ihre Volksgenossen uns bei der Ballführung dieser Aufgabe behilflich sein werden, um zusammen mit ihnen und dank ihrer auftichtigen Mitwirkung das große Werk zu vollenden. Deutsches Reich. Jüdische Arbeiterfürsorgestelle DniSbnrg. Dem Tättgkeitsbericht für den Monat Mai entnehmen wir: Da vielfach Arbeiterentlassungen stattfanden und natürlich zuerst unsere pstjüdischen Arbeiter entlassen wurden, so waren wir gezwungen, die Unterstützungssummen wesentlich zu erhöhen, damit es 'den Arbeitslosen ermöglicht würde, die schlimmste Zeit durchzuhalten. Die Unterstütz-, ungssumme hat für den Monat Mai den stattlichen Betrag von über Mk. 10.000.— erreicht, ohne die Gelder für Erkrankte, für die zn sorgen eine selbstverständliche Pflicht unserer Arbeiterfürsorgestelle ist. Der größte Teil der nicht durch uns direkt Vermittelten wurde durch unsere Unterstützungen in den Stand gesetzt, sich selbst Arbeit zu verschaffen. Auf Grund von Abmachungen unserer Berliner Zentrale und dem Arbeiterfürsorgeamt mit dem Reichsamt für Arbeitsvermittlung ist eine Regelung dahin getroffen worden, daß nach Befriedigung des Bedarfes an deutschen Arbeitern die ostjüdischen Flüchtlinge berücksichtigt werden sollen. „Die Notlage der ostjüdischen Einwanderer wird anerkannt; ebenso, daß die Fürsorge fiir sie nur von einer Organisation ausgeübt werden kann, die mit der Sprache und Eigenart des Volksstammes vertraut ist. Sie wirtt deshalb weiterhin gemäß des Erlasses - des Ministeriums des -Innern vom 1. 11. '1919 dem Arbeiterfürsorgeamt der- Jüdischen Organisationen Deutschlands und seinen angeschlossenen Stellen (für Rheinland-Westfalen der Ärbeiterftrrsorgestelle Duisburg) obliegen müssen." Unsere Stellung gegenüber den Landesarbeitsämterm und kommunalen Arbeitsnachweisen ist dadurch geklärter. Unerfreulicher ist das Verhalten der PolizeiverwaltunMn, die in vielen Städten eine Anmeldung von Ausländern nicht mehr vornehmen. Diese Maßregel entspricht weder den Tendenzen der Regierung, noch den Bedürfnissen der deutschen Volkswirtschaft, für die die wenigen tausend ostjüdischen Arbetter keine Rolle spielt. Durch dieses Verhalten der Behörden wird die Unterbringung sehr erschwert. Angemeldet waren im Mai 236 Leute (meist Ostjuden), davon wurden 107 untergebracht (56 Arbeiter, 10 Maler, 4 Tischler, 7 Friseure, 15 Schneider, 4 Schuster, 3 Landarbeiter usw.). Der Sieg -er Zionisten bei -en Berliner Repräsentanteuwahleu. Bei den Repräsentantenwahleu der Berliner Jüdischen Gemeinde stimmten 4516 Männer für die Liste der Jüdischen Volkspartei. Gewähtt wurden insolgedeffen: Dr, Alfred Klee, der Vorsitzende der Zionistischen Bereinigung für Deutschland, Professor Dr. Heinrich Loews, der alte zionisttsche Kämpe, Dr. Abraham Loeb, Vorsitzender der Misrachi-Ortsgruppe, Fabrikant Max Le - wit sowie als Stellvertreter Dr. Gustav Witkowsky undGustav Löß er. Rechnet man hierzu noch 939 Stimmen, die auf die Liste der Poale Zion fielen, so ergibt das 5455 zionistische Stimmen gegenüber 8960 assimilatorische? Stimmen der konservativ - liberalen Listen. Dieses Ergebnis ist bei der ersten Kraftprobe von zionistischer Seite unbestreitbar ein großer Erfolg. Denn gerade in Berlin hat sich von jeher die Kraft der Assimilation konzentriert, und überdies wurde in dem Wahlkampf der Zionismus als der böse schwarze Mann den Wählern vorgemalt, der die von allen nichtzionistischen Juden hokh und heilig gehaltene Religion ihrer Väter und das bürgerliche Verhältnis der deutschen Staatsbürger Mischen Glaubens schädigt. Es fehlte nur noch, daß man den gläubigen Wählern erzählt hätte, wenn der Zionismus nicht wäre, dann gäbe es keine Mischehen und. Taufe» und keinen Anttsemitismus in Deutschland. Und trotzdem 5455 zionistische Stimmen!

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