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Neue jüdische Presse · 1920-06-11 · Heft 22 (11.6.1920) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 22 (11.6.1920)
Date
1920-06-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Leit» 3- Nr 22 Stets Eiagang WF~ Mattheiten in Tapeten Teppiche Läufer Vorlagen aONeaeMalüÄerstrasseJO .. Rcfce WwsafrariwiötrftsSe* :: TefäfonV^ftnsa 1784.? - - - - ~V ". r - i~7 :x s *-v - '5’T;v'. -'7^. Wie». D ie SejrIIMa ft ..ZürMrsorschun g u n d F ö r d e r u n g j ü d i.s ch er M u s i k erhielt'von ihrem Gründer und Vorsipenden Dr. Leo L i n d e n b a u m eine Spende von 50 000 Kronen. Warschau. Hier starb im Alter van 66 Jahren MoseS Prives, einer der angesehensten Chassidim. Er war ein Schwiegersohn des Kalischer Raws, CH. A. Wachs s. M-, und ein Mechuion des Gcrer Rebbc s. A. London. Sic Union bet jüdischen Frauen loilT eine MMon Schillinge bei den Jüdinnen Britanniens zu Gunsten der Ostjudenheit sammeln. -erufalem. Der greise Rabbiner Aosof Chajim Sommerfeld, Schüler des „Kesaw Sojcr" und Präsident der AgudaS - Jisroel i» Palästina, ist zum offiziellen Oberrabbiner der Tlschkenasim gcwäylt worden. Die Annahme eines Gehaltes hat der in beWeidensten Berhältnisscn lebende Rabbi abgelehnr. — Dr. Joseph Mobil oäv e r , 2o>»i des bcrühnitcn russischen Gaons und ehemaliger Leiter des Odessarr Seminars, hat in Vertretung David Jellins die Leitung des hiesigen - Lehrcr - Se »i i » a r s übernöinnlen. Araulsurter Berichte. «lewe «oltze». Der I s r a e l i t! s ch e. H ü l f S v e r e i » verausgabte i,e seinem setzten Geschäftsjahre 55 OM Mk. für Uuierstützuiigeii nnd 10 733 Mk. für Wandcrbettel. Frankfurter Veranftaltuugeu. M i s r a ch i Orts- und I u g e » d g r u v:> e, Sonntag, 8 Uhr, Hermcsweg 27: Misrachi im Verhältnis zu anderen Organisationen (K. Weil). — Zion. Verein igu.ng, Montag, 8 Nlw, Unterlindau 21: Soskins Siedlnngspolitik (B. Kahn). Freya - BBro - Einrichtungen Stempeuj«. Roman von Tchole« Aleche«. AuS dem Jüdischen bearbeitet von Samuel MeiselS. tSchluß) Der junge Mann wendete den Brief um und las: „und wegen dem, ivas Du fragst, teurer Vater, ich soll Dir schreiben wegen 'Geschäfte in Chmelnizk, so teil' ich Dir mit —" „Seht Ihr, da ist der Hund begraben!" schrien alle. „Lest, lest nur weitert" „teile ich Dir mit, das; Schnittware hier sehr gangbar . ist, auch Galanteriewaren; aber Galanteriewaren sind ‘ nicht so gut wie Schnittwaren. Wollzeug ist hier sehr teuer, dem Gold gleich. Also Chmelnizk ist ein ,gesegnetcs Land', die Stadt selbst ist fürchterlich groß, : es ist wert, sie anzusehen. Es ist hier überhaupt eine ganz andere Welt. Ihr könnt hier begegne» a Jüd, von dem Ihr in Eurem ganzen Leben ilicht sagen werdet, daß er a.Jüd ist, und doch ist cs a Jüd. Es gibt . hier überhaupt verschiedene Sorten Juden. Mein Weib Ruchele läßt Euch alle grüßen freund- . lich, sie wird Euch selbst schreiben, sie ist wieder in -gesegneten Umständen, Gott soll helfen zur rechten Zeit und von Euch das Nämliche zu vernehmen, Amen! Auch, .teile Euch mit, daß mein Geschäft liegt in rante!, die. Loslmg ist, Gott sei Dank, nicht schlecht, ein Weib Ruchele, lang lebe sie, hat schon erlernt das '»Fach und.kann schon reden mit einem Kunden. Nur auf 'Jahrmärkte fahr ich selbst. Bei den Moskowitern' Hab ich Kredit auf einige hundert Rubel, mit dem Moskowiter äst gar-nicht schlecht zu handeln, er ist kein schlechter Mensch und läßt einem a Rubel verdienen. Wohnungen sind hier sehr teuer, für zwei Stübchen .und eine Küche zahle ich 75 Rubel, außer Wasser und tolz. Stroh, Kartoffeln, Holz und Eier sind hier dem old gleich. Also Chnielnizk ist a Handelsstadt, und Gott soll,. - geben Gesundheit und ,Starkheit' und das Nämliche von': Neve Füdische Pvejse. T a l nl u d' Thora-Verein, Hörsaal Börneplatz, Samstag, Schluß Morgengottesdienst: Schulchan Aruch (Dr. Eriedmann), 3%: Raschi (Lipinsky), 3,4 Stunde vor Nacht: jn Jakauw cUnna), Sonntag. Schluß Morgengottesdienst: Mifchna (Dr. Friedmann), 9*/« vorm.: Schulchan Aruch (LiPinSky), Montag, 6 >4 Uhr adcuds: Newiinr Unna>. Dienstag, 8l/s Uhr abends: Mikro sllnna), Mittwoch, 3X> abends: Chauwaus halewowaus (Dr. Braun), Donnerstag. 8Vs abd„ HenueSweg 27: Geinoro (Unna), Fortbildung f. Knaben, Samstag. 3Vs, Dienstag nnd Donnerstag, 8 Uhr. Mo ntes io re, Samstag, 5 Uhr: Zusammenkunft, Sonntag, 4t/» in sämtlichen Räumen der Frankfurt-Loge: Wandergruppenfest, DienStag, 8 llbr: Heimabend, Mfttwoa,, 8>/,: DiskussionSabenb. gjr Kaffee Ruhland Kaiaeratraasa 56 Kai&erstrasae 56 Hglleh. entklosslge WW- UatorhdtragsmMlfc 'WH Die Hand. Eine ierusalemiianische Legende. Bo» Ludwig August Frankl. Die Sonne: stand noch am Himmel, als drei Mädchen ans einer Terrasse saßen, wo drei Mandetbäume mit roten Blüten standen. Die eine hieß, wie jenes schöne Mädchen aus Sunem, Abisag; ihre Wangen waren, „wie der Ritz am Granatapfel, zwischen schwarzen Zöpfen." Die zweite Nies; Sultana, ihre Augen waren blau und man tonnte sie wie die Sulamits Taubenaugen nennen; „ihr Haar glänzte schwarz wie die Ziegenherden, die veschoren sind aut dein Berg Gilrad." Die dritte hieß Mirjani, ihre Lippen glänzten „wie eine rosinenfarbige Sckunir" und a!'e drei lvaren lieblichen Ansehens. Diese drei Mädchen saßen auf der Terrasse und sprachen ailerlei heilere Reden, wie Mädchen pflegen, und banden sich Blumen zwilchen die goldenen Spange» an ihre» Schläfe n nnd in ihre mit goldenen Flittcrsrernchen geschmückten Haare, die in vielen Flechten aus ihrem Racken bis an die Lenden fielen Um dieselbe Zeit saßen drei jnnge Schüler in der Jcschiba eines frommen Rabbi am Fuße des Berges Zion und sprachen von einigen schwere» Fragen im Talmud cuid beniühieu sich, die .Lösung zu sinden. Einer von ihnen aber bürte nur scheinbar aufmerksam zu: seine Wangen waren bleich und eingefallen von vielen Nachtwachen, - nnd seine beiden Freunde warnten ihn schon oft getteulich, nicht mit den Geistern anzubinden. Er aber wollte Macht über sic gewinnen und studierte die Kabbala. Seine Freunde waren setzt zu eifrig'in einen talmudifcheu Streit verwickelt nnd merkten nicht aus ihn, der in tiefster Gedantensehnsncht an Abiiag dachte, die er mit verzehrender Glut, ohne Gegenliebe, liebte. Er träumte so mächtig von ihr und fühlte sich ihr so nahe, daß er sie z» zwingen meinte in leidenschaftlicher Trunkenheit. Da ereignete sich etwas gar Seltsames unter den drei Mädchen aus der Terrasse. "Die Sonne war im Untergehen; sie sahen, sich umschlungen haltend, dem schönen Sterben zu und sangen die liebliche Stelle aus dem hohen Liede: „Ich bin eine Blume jn ■ Saron, und eine Rose iin Tal." Da zuckle es wie ein. weißer Schimmer über ihnen, es senkte sich eine feine, bleiche Hand herab und grisf nach der Hand Äbisags, und eine weichtönende Stimme sprach die Tramingsforniel: „Hare at inekudeschet li". Daraus erhob sich die bleiche seine Hand, wie eine Taube glänzend, und verschwand. Euch zu vernehine», wie es wünscht Euch ttuer Sohn, der Erich grüßt und viel Glück wünscht Mosche Menachem Mendel, Sohn des Eisik Naftali aus Mazepewka. Ich grüße den teueren Onkel und die liebe Tanre. Ich grüße Reb Jndel und Familie. Ich .grüße Reb Bär und Familie. Ich grüße Frau Beile nnd ihre ganze Familie. Mein Sohn Joffes, lang lebe er, grüßt Euch alle freundlich. Der Obige. Auch ich grüße meinen hochgeschätzten Schwäher uild ineine liebe Schwieger, lebt wohl. Ich. melde Euch von meiner Gesundheit, gebe Gott, weiter nicht ärgeir Mein Jossele grüßt Euch und dankt der Schwieger für die Hemdchen.- Er verspricht Euch, daß Gott wird schenken das Leben, und er wird ins Cheder gehen, wird er fleißig lernen nnd ein frommer Jnd sein. Schwieger, vielleicht könnt Ihr für Jossele ein Käppchen aussticken, werd Euch sehr dankbar sein. Ich habe eine Kuh gekauft: sie gibt vier Liter Milch, güte Milch,- nnd ich Hab .Käse und Butter. Nur Mosche Mendel ißt seit einiger Zeit kein .Milchiges'. Wenn Gotb wird helfen, und ich werd diesmal ein Mädchen haben, tverd ich es nennen Rosele, nach der Großmutter selige» Andenkens. Jossele schreit, er will essen. Ich schließe, daher meinen Brief und grüße alle, unsere Freunde und bitte, sofort Antwort zu schreiben und verbleibe Eure gutwünschende Schwiegertochter Ruchel." „Run." sagte Reb Bär, „nun, gibt's da was traurig zu sein, Dwofche Malke! Ich sagt cs ja, in Chmelnizk is derselbe Gott wie in Mazepewka." - Die Gesellschaft saß noch lange La -und -debattierte. Die Männer hatte» diesmal ei» futikelnägelneues Thema: Chmelnizk als Handelsstadt. - •> xvi.; 4 ' U n d S tem p e »j u ... >, Xülnd Stemvenju? /. . Srempenju konnte Ruchele nicht vergessen. m OpanghtB £rstklawlge» 3F«wtl|iaii«Kaffefr Täglich Ton 4 Uhr ah . Künstler - Konzert. Die Mädchen hcuceu inne gehalten im Liede und sahen und hörten schweigend, cvas eben sich zwischen ihnen ereignete. Nur war es seltsam, daß keine von ihnen über die wunderbare Erscheinung und die weichtönende Stimme erstaunte, und sie sangen wieder: „Mein Freund ist weiß und ror, auserkoren unter.vielen Tausenden. Sein Haupt ist das feinste Gold, seine Locken sind kraus, schwarz wie ein Rabe, seine Lippen sind wie Rosen, die von fließenden Mnrrhen triefen." Bald nach dieser Begevenbeil wurde Abiiag von ihren Ettern einem Manne verlobt. Da erschien ihr ein Jüngling mit eingefallenen Wangen und drohte ihr, sie zu verklagen beinr Besdin, denn sie fei bereits ihm angettauk seit jenem Abend, wo er ihr die Hand gereicht und die bindende Trauungsformel gesprochen.. Abisag war sehr erschrocken und ging zcun Oberrabhivon Jerusaleni und erzählte ihm, was ihr widerfahren sei. Der Oberrabbi mit seinem Besdiir erkannte aber die Verlobung mit der Hand als zu Recht bestehend an nnd verschob die Heirat auf ein volles Jahr. Die Eltern des Mädchens hörten nicht aus diese Entscheidung und bauten eine» Trauhimmet aus und führten unter Zimbclktang und Pauienschalt ihre Tochter Ahisag dem harrenden- Bräutigam zu. siehe da, wieder die feine bleiche Hand nnd eine weichtönende Stimme sprach: „Wenn es mir nicht gegönnt ist, daß Du mein Weib seiest, st» will ich einen Kuß von Dir babeu." Die Umstehenden svrachen: „Alich zwölf, wen» Du willst." Der llnsichtbare küßte, so daß >na» es höreit konnte, die junge Braut, und sie sank, vom -Kusse getötet, lautlos zu Boden. Literarische Rundschau. Fanutz Lewald. «Gesühltes mtd Gedachtes (1838—1888)* von Fannu Lewa'ld. Mit Bildnis der Verfasserin herausgegeben von Ludwig Geiger. -100 Seiten. M. 12,50, geb. 17,30. 1900. Dresden, Heinrich Minden.» (Der Briefwechsel von Paul Heyse >lnd Fanny Lewald. Herausgcgeben von Rudolf Göhler. Deutsche Rund-- schon, Mai-Heft 1920, Seite-271—85, Juni-Heft 192*) S. 410—41.1 FRANKFURTER PRIVAT-TELEFON-GESELLSCHAFT r-. ü-Mlass FRANKFURT A.M. Ot-ssr- ST TELEFON*^] ALLE An Sein schwarzes Haar harte den Glanz verboten.' In seinen schwarzen Augen >var das Feuer erloschen. Er saß in Mazevewka und spielte auf Hochzefte». Jn seinen, Hause führte Frajdel das Kommando wie iinmer, sparte, legte zurück, belieh Silberwaren, Goldsacheu, Edelsteine und handelte mit Korallen. Zn Hause hatte Stempenju die Hölle, und in seine»« inneren Herzen brnnnte ein Feuer, das durch nichts zu löschen war. „Sie tut niir im Herzeit leid, das Weibchen,'—pflegte er öfter zu seinen Kollegen zu sagen, „sie tikt mir im Herzen leid." So oft er an sie dachte, griff er nach seiner Violine und spielte. Und er dachte sehr osr an sie. Zu jener- Zeit spielte Stempenju wie »och nie in - seinent Lebeit. Wer ihn dantalS nichl spielen hörte, hat im Leben keinen großen Geigenspieler gehört. Es war kein Spiel, kein Musizieren: es war daS Sichergießen einer gequälten Seele in den zartesten Tönen. eS war das Jauchzen einer ewigen Liebe und das Weh- . klagen einer ungefüllten Sehnsucht. Wißt ihr, wie der Vogel smgt? Er sitzt auf einem Ast. Die Blätter grüne». Die Lizst ist frisch. Der Wald list frei. Die Welt ist affen. — Nur sein Herz ist verbittert. Da beginnt er zu singen. Und lieblich ist sein Gesang. - ‘ So spielte Stempenju. '' .Wenn ich .spiele," Pflegte er zu seinen Kollege« zu sagen, „sehe ich immer ein Paar hiinmelblaner AlM» ans mich gerichtet." - .'5--,^ Es waren Rucheles Augen, so blau wie'l;Är"TAare Himmel in einer stillen, hellen Sommernacht- ^- . -. Und er spielte oft, um die blaueit Augen aus sich gerichtet zu sehen. Stempenju hatte im Leben viel geliebt, und doch war seine einzige Liebe — Ruchele. Ende.

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