Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 22 (11.6.1920)
- Date
- 1920-06-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 32. Seikd Rewe Mische KvGe. :*SÄ^4m Hugo Rothschild; " Langestrasse L5. Telefon Hansa 99L6. In der jüdischen Geschichte kann man nicht ganz an den Renegaten vorübcrgehen; gewährt es doch schon einen besondäen Reiz, festzustellen, wieviel unbewußt Jüdisches auch noch in den ehenialigen Juden wirkt. Fanny Lewald nun, die'-Paul Heyse ,,die geistvollste deutsche Dichterin" nennt,' macht einen derartigen Versuch recht schwer; sie ist ein solch kühler Verstandesmensch und sieht die Dinge der Welt' so klar und gegenständlich, daß sic eigentlich so garnicht von dem Optimismus und der übersprudelndcn idealistischen Geistigleit in sich hat, die sonst häufig auch noch bei den Entwurzelnden des jüdischen Volkes zu finden-find. Nur ihr Wahrheitsfanatisnius verrät noch ihre Abstammung von dem Volke der Propheten. Fanny Lewald lernte in ihren Mädchenjahreu, als sie in Berlin hei ihrer Verwandten Sophie Bloch weilte, noch die Saldns der Henriette Herz, Sara Levy geb. Jtzig, Mutter der Baron von Arnstein und EsLles, und Fanny Heuseh Schwester von Felix Mendelssohn, kennen. Auch die Beziehungen zu diesen Entfremdeten des Judentums, die-dem Berliner geistigen Leben ihre Persönlichkeit aufprägten, biete» schwache Berühungen zum jüdischen Interessengebiet hin. Die wenigen Aeußerungen Fanny Lewalds über Jude»! und Judentum sind des Renegaten würdig.: ohne tieferes Verständnis und ohne Liebe: Allgemein literarisch betrachtet, bieten ihre Briefe viel des Wertvollen und Interessanten. -Die Zukunft »er Juöeu. (Ein Mahnruf an Zionisten und Assimilanten von Dr. Mehemed Emin Efendi (Pseudonym), 64 Seiten. 2 Mk. zuzügl. Zuschlag, Frankfurt a. 'S, I- Kauffmann.) .Wenn der Zionismus nie mit schwereren Waffen bekämpft wird als hier, braucht ihm nicht bang zu sei». Man höre nur folgenden Grund gegen ein jüdisches Palästina: ^Welcher Herba Schmerz, welche Wehmut für jeden echte,» Juden, der dereinst nach Warschau, Wilna, Berlin, London usw. käme, und dort fast kein jüdisches Leben mehr finde — keine jüdischen Lehr-, Bet-, Kranken- und Speisehäuser". Und ferner: „Ein modernes jüdisches Staats- und Heimstätten-Gebäude in Paläsfina wäre daS Grab der heiligsten jüdischen Erinnerungen." Oder: „Man ' denke sich einen jüdischen Staat, in dem jeder Jude das Recht haben soll, so viel Bildung zu erwerben, als er will! Schon nach 1 bis 2 Menschcnaltern werden fast alle larckwirtschafUichen und industriellen Arbeiter, Taglöh »er, männlichen und weiblichen Dienstboten usw. Mchtjuden sein." — Dies dürfte zur Illustration genügen. ««»»rsLuser OtustetuS. > Der nn Jahre 1909 jung verstorbene Machemattker Her mau st M in ko w Ski, der Professor in Göttingen war und die Einstein'sche Relativitätstheorie namentlich von - der' mathematischen Seite genial mfibegründete, war Theo Joha^ Koafltfiren und Schokolade gleichfalls Jude. Er wurde, wie der Mathematiker David Hilbert, Herausgeber von Minkowskis Mhandlungen, . angibt, 1864 zu Alexotcn bei Kowno geboren und als kleiner Knabe nach Königsberg gekommen, woselbst er >nit acht Jahren ins Gymnasiumeintrat. Der Grnnd, warum die jüdischen Zeitschriften Minkowskis keine Erwähnung tun, während sie über Einstein viel schreiben, ist ossenbar der, daß ihnen nicht bekannt ist, daß Minkowski Jude tvar. lieber Minkowskis Stellung zum Judentum wissen wir nichts; anscheinend war er kein bewußter Jude. Es wäre von großem Interesse, Näheres darüber in Erfahrung zu bringen, insbesondere die Ostjudeir sollten in der GeburtSftadt Minkowskis Erhebungen über ihn und seine Familie anstellen, denn er ist einer der genialsten Matheinotiker der Neuzeit, der aus ihren Reihen hervorgegangen ist. Arnsld Zneig: Drei Erzählungen ^(98 Seiten.^ Berlin, Welt-Verlag).r'?s '; . Dumps lege» sich diese Erzählungen auf das Gemüt. Goluötragik in verschiedener Beleuchtung. - Die größte der Erzählungen ist hie Geschichte einer Familie, die lein ungewöhnliches Aisimilationsschicksal erfährt. indem sie den moralischen Halt ihrer jüdischen Tradition immer mehr verliert und damit an sich, dem Wert ihres LebettSdafcins und dcr. Welt irre w'.id Die Nachdenklichkeit, zu dcr die Erzählungen ftininie», sind gerade in gegenwärtiger Zeit angebracht, da es umS Schicksal eines großen Teils der Judenheit geht und nur die. Wahl zwischen vernichtender Assimilation oder Besinnung aufs bewußt Jüdische, ruhend in der Tradition und hinweisend auf die jüdische Zukunft in Palästina, geblieben ist. Notizen. Der Verlag B. Harz, Berlin.N. 24 übersendet nnö eine Serie Ansichtskarten nach Originalradierungen von E. M. Lilien. Der Meister war einige Male in Palästina und hat mit seineul Künsilcrauge die Schönheit des Landes und seine jüdische Vergangenheit in sich ausgenommen. Die uns vorliegenden Karten — Gravüren — geben die Originale sichtlich in größter Feinheit wieder. Bei dem jetzt für Ercz Israel herrschenden Interesse sei auf diese Karten mit Nachdruck hingewiesen. Neu eröffhet! ,loxi u. Ooudltorei xu»s Zetl 81 Telef. B. 2721 Kalfae, Tao, Kakao, Sohokolade. Fatnstas OobSok, relohe Auswahl. - Spezialität: ft. Ela. Zeitschriften. Das erste (Mssam) Heft des 37. Bandes der >nm in Jerusalem erscheinenden Zeitschrift „H a s ch i l o a ch" ist jetzt zu unseren Händen gelangt. Unter dem alten äußeren Gewand verbirgt sich ein reicher gediegener Inhalt. Die Leitung Dr. Klausners bewährt sich in bei sorgsamen Ausivahl und Zusammenstellung der literarischen Beiträge. Das vorliegende Heft vereinigt in sich neben politischen und publizistischen Aufsätzen lt. a. von Helmann, M. Smilanski und; wissenschaftlichen Arbeiten . MIMIk M WU Laiosrotrasoo 69. Herfion 8 Pdr. Toi. L^bS16 5tew~emkDuwige Atiraklions -,JProgranmo. - PI» orrtao WootlwiihU w» Plitate. von Dr. M. Sagorodski und Dr. I. Klansnerz eine Reihe von künstlerischen Beiträgen von Sch. Tsck> er - nichowskj, I. L. Taubmann, K. L- Silman und anderen, mehr..- " Oifenhacher Druckluft-Anlage! .. Off eabaett a.O. Tela&m.l23_. ...1 PaBbertroffene Tepplchrelalgang mittelst Drnoklnft j Samstag, 12. Juni (26. Silvan). Sabbat-Anfang HU Uhr (Gemeinde). 7 Uhr 50 (Retig.), Sabbat-Ausgang 9 Uhr 35 (Gemeinde u. Religiönsges.). Wvchenabschnitt: Schelach-Lecho. Mittwoch' und Donnerstag: Rausch C h a u d e sch T a m u s. WochengotteSdienu: 6 ft, morgens. 7>/« abends in de» meisten Synagogen. Nra»kf«rter K»«Uie«»achrichte». G e b o r e n. E. Sohn, Jos. Bambcrger. Rarwizwos. Nathan Weichselhaum, Ostendstr. 29, Synagoge Fricdb. Anlage. Gestorbcn.^Zäcob Ettlin'ger, 72 I.. Palmstr. 9. — Nathan Bär Mainzer, 60 I., Unterlindan 17. AitsrvSrttse KinMiemmchrichte«. Vermählte. Erich Levser u. Dina geb. Werthetnier, Altona/Hardheim. . Gestorben. Zahnarzt Woche, Osienbach. Gpe»de«. Bei dcr Nationalsondskommission «J. Heiiuann, Zeit 21, Postscheck 41441) gingen ein: Albert Arnsberg anl. Jahrz. s. sel. Vaters 5 Bäume in: Lud. Rapp-Garten 50 M. Fröhlich 30 M. Büchsenleerun» Diamant, Hennesweg 18.90 M. Lewin 6,72 M. S e l b st b c steu e ru n g: Dr. Mein», Rapp. I. Rate 100 M. Paul Arnsberg 2. Rate 10 1. Geulah-Wochc (Palästina-Aufbau):, Durch Dr. Menny Rapp von N. N-, Herm. u. Jae. Rothschild je 200 M.. Jos. Springut, Albert Seewald. Herm. Lchinski,, B. Mokotoff je 100 M., D. E. Brass, Morip -IltlUllK ÜergerBtragBe 149. II. 4642. MottenwopnlcHtuaa unter Garantie. Se-phoris und Rom. Mn historischer Roman «ms dem vierten Jahrhundirt. v Von Ludwig Phlltppsohn (Gekürzt.) . .^Das Wesrtor von Sepphoris st«md weit offen, und durch seine dunkle Wölbung ergoß sich der Strom der Bewohner.-Ein Teil hatte bereits die letzten Wälle der stark befestigten Stadt überschritten und zu beiden Seiten dcr großen Straße, tvelche gen Nordwest nach, Munda und von da nach Akko führte, die angrenzenden FÄder besetzt. Aber immer mehr Massen brachen aus der Stadt und mußten immer weiter ziehen, um Platz an der Heerstraße zu finden. ».Es war ein Gewühl von Männern, Jünglingen und Knaben aus allen Ständen und'Gewerben, in die buntesten Gewänder 'gekleidet. Aber kein weibliches Wesen war unter ihnen zu sehen. In allen schien eine große Aufiegung zu herrschen, und dies tat sich insonders durch die lebhaften Gespräche kund, die sich, überall .anspannen, so daß ein Tosen vieler Stimmen üher der ganzen Menge schwebte. Mcht-minder lebhaft ging es ans den Straßen der - Stabt, zu. Aus den kleinen Pforten der Außenniauern aller Häuser kamen immer mehr Leute heraus und nahmen ihren Weg nmh der breiten Hochstraße, welche vom Westtore durch die Panze Stadt zu dem auf der -Höhe gelegenen Kastell rmsriLg. Dieses Kastell nahm nicht btos die höchste Stelle der. Stadt ,ein, solider» bildete auch ihren Mittelpunkt. Wenn »ach alllen .Seiten hin liefen von der Höhe - dieMtrnßen der Stadt hinunter in . die Ebene, allerdings nicht-M regelmäßiger Form, sondern wie man in der Borgst -die Abdachung des- Berges. nachMn verschiedenen. SEÄl chin zum Anbau von Häusern mehr 'oder weniger geeignet'gefunden, so daß dann Lurch Quergassen die herunterstrigenden Straßen wieder, verbunden .waren. Hieraus . 'war ein Knäuel von Straßen und Gassen entstände»'., tu welchen der Fremde nur schwer sich durchzufinden ver- . m«hte. -Bald war die Hochstraße vön Mensche,! angefüllt, zwis«hen denen «up schwer die Mitte-frei gehalten werden, konnte - Hier war es benn, 'wo man.zauch Franen und Mädchen unter der Menge. erblickte, die sich aber stets am Eingänge der Nebenstraßen anshielten, wie um sich den Weg frei zu halteir, wenn cs galt, dein Schauplatze der Nrugierde zu entfliehen. Je lebhafter es> in und vor der Stadt zuging, desto fllller und geräuschloser war es auf dem Kastäl und in dessen nächster Umgebung. Auch' sei» Tor war geöffnet, ui»d man wnnte von unten sehr wohl den finstern Schatten erkennen, der dessen Eingang bezeichnete. Aber vor ihm °war eine Anzahl gewasfneter Soldaten aufgestellt, die regungslos auf ihrem Posten standen, und auf den Mauern des Kastells sah inan einzelne Wachen.bin und her schreiten. Der Strahl der Morgensomte sandte von den Panzern, Schilden, und Waffen dieser römischen Krieger sunkände Blitze hinunter, «bei kein Laut, nicht einmal Waffengellirr drang voni'der Höhe in das Tal hinab. Ungefähr eine Viertelstunde von der Stadt war aus der Straße und den angrenzenden Feldern ein zienilich großes Viereck abgcsteckt und zu einer Tenne geebnet. Man hatte es bltrch einen Zaun eingeschlosse>r, der durch daran gebundene Sträuchep ein ftisches Aussehen erhalten. Wo die Straße in dieses Viereck eintrat, war aus Palmenzweigeu einHÄrt Triumphbogen aufgerichtet. Der Eintritt in dieses Viereck war Niemandem gestattet, und einige handfeste Jünglinge hielteü den Eingang besetzt, um jeden Einbringung znrüätzuweisen. Bei all dieser Unruhe konnte lnan dennoch wahrnchmen, daß es wohl keine freudige Veranlassung war, welche die sonst so tätige und geschäftige Bevölkermrg der Stadt ans die Straßen und vor das Tor gedrängt habe. Nirgend -vernahm inan Ausbrüche der Lust oder nur Her Volksheiterkeit; von Scherzen und Schwänken, die' sonst, wo Haufen des Volkes -sich umhertreiben, niemals ausziibleiben pflegen, hörte^nlan nichts; eher ruhete eine! ernste) 'ja ängstllche Spanitung auf' allen Gesichtern- Elchlüb erhob sich in der.-auf der Heerstraße befindlichen Menge der Ruf: „Platz genlächi! Das Sänhcdrin kommt!" "und die Masse teilte sich, um dem herannahenben- Zuge freien Raum zu gewähren, während dieser M^längfmn vom Stadwire.uach fenem-Biereck hinbew^tL^tL^.^Z Die Männer, welche dem Sanhed^.nxÄn^SeppßorisÄ angehörten) - glngcn paarweise. hinterernander,:.;jmt?'.oa0 der Vorsteher desselben ihnen einzeln vmanschritt.' - Die Ersten des Zuges waren zwei hochbejahrte Greise init langen Silberbärtrn, undnur die Schwäche, die ihrer Haltung sichtlich ausgeprägt war, minderte in etwas das ehrwürdige Aussehen, welches-ebenso durch den geistigen Älusbruck ihres Gesichtes, wie durch die Würde und heilige Ruhr, die aus ihren Zügen und Gestalten blickte, bewirkt ward. Die andern Männer des Zuges glichen ihnen darin wenig; sie waren sämtlich aus den mittleren Lebensjahren, teils derbe, teils schwach,« Gestalten, alle aber ohne besondere.Haltung, ohne inehr als gewöhnlichen Ausdruck. Auffallend war es, daß der voranschreitende Vorsteher des hohen Rates ein noch sehr junger Mann war, kaum , über die Hälfte der zwanziger Jahre hinaus. Aber seine Erscheinung war darum dach nicht ahne Bedeutung. Er war von Gestalt groß, schlank und kräftig und trug das wohlgcformte Haupt stolz äufgerichtet. Sern ebenmäßiges, von einem starken schwarzen Barte umrahmtes Gesicht-, trug den Ausdruck einer tiefen, langgenährten Trauer, und die etwas harten Züge um seinen Mund bewiesen, daß durch diese Seele schon schtvere Kämpfe hindurchgegangen. Desto seurige, blitzte fein dunkles Auge, das lchhast über alle Tinge um ihn herschweifte und sie schnell in sich aufzunehmen schien. Die Zahl dor Mitglieder des Sanhedrins einschließlich ihre? Vorstandes war dreinndzwanzig, wie bei allen diesen örtlichen Gerichtshöfen. Ihre Kleidung glich sich mii etwa kleinen AerschiebenhcUen des Schnitts; sie trugen weiße 'Unter« und Obergewänder von feinem Linnen und großer Sauberkit; von derselbe» Farbe war -der Bund, mit welchem sie ihr Haupt unrhüllt hatten, und nur der Gürtel, der ihr Obergewand mnschloß, war von beliebiger Farbe. Aber auch hierin unterschied sich der voranschreitende Vorsteher von den übrigen,.denn. er hatte über dieser Kleidung noch einen Ueberwürf von einem, feinen Ttersell, karmoisinvot gefärbt und auf der Brust von einer goldenen Spange zusammengehalten. In der Hand trug er einen großen vergoldeten Schlüssel. . - (Fortsetzung folgt:) j