Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 22 (11.6.1920)
- Date
- 1920-06-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22. =fRtr2; Bene SBKtte ffiKfie. «tt ausgeschiedem Er wurde inder SchLlßsitzung der Shmü»e »tMN feiner große« und bkibenden Bädienste um die tadische Judenheft sehr gefeiert. Im übrigen befaßte sich die Synode mit einer neuen Wahlordnung/ die das Wahlrecht auf Frauen und Jugendliche ausdehnt — das aktive und passive Wahlrecht steht auch jedem ausländischen Juden, der seit 3 Jahnen ansässig ist, zu —, und beschloß vor allem eine großzügige Aufbesserung der Gehaltsverhältnisse für .Lehrer. Die Synode bedeutet einen gewaltigen Fortschritt, da die badische Judenorganisation, welche schon bisher vorbildlich und einzigartig in Deutschland gewesen ist, nunmehr endgültig zu einer freien und selbständigen Organisation «ützebaut ist. Erez Israel. Die Veulah-Woche. Hier ist die Geulahwoche mit großer Begeisterung ausgenommen worden. Die kleine unb arme Judenheit des Landes will mindestens 30000 Pfund Sterling aufbringen. Geld, Schmuck, sonstige Wertgegenstände, alles wird freudig Spracht. Auf einem Bankett des Jaffaer Gymnasium wurden 15 000 Pfund gesammelt. Beduinen lleberfall auf ei« chriftljcheS Dorf. In der Macht vom 7. bis 8. Mai überfielen 600 berittene Beduinen das 700 Einwohner — sämtlich Christen — zählende Dorf Ain-Abel, überwandten nach harter Gegenwehr dessen Einwohnerschaft und metzelte sie znm großen Teil ohne Rücksicht aus Alter unb Geschlecht nieder. Die sich retten konnten, flohen nach Safsd, wo sich die jüdische Bevölkerung ihrer gastfreundlich annahm. Die Aufregung im Lande ist bei Christen und Juden sehr groß. Auf einer Versammlung des muselmanischchristlichen Mationalverbandes in Haifa, der gegen die Juden gegründet wurde, trat der Präsident der griechisch-katholischen Gemeinde, der Geistliche Wassiljew, sehr scharf gegen die Muselmanen auf. Ein derartiges barbarisches Auftreten der Muselmanen gegenüber der friedlichen christlichen Bevölkerung mache eine gemeinsame Arbeit unmöglich. Infolge erwähnter Vorfälle wurde der genannte Verbalst) ausgelöst. Wie der „Doar Hajom" zu berichten weiß. Hat sich Wassiljew an die Juden mit dem Vorschläge gewandt, sich mit den' Christen zu vereinigen zwecks gemeinsamen Schutzes gegenüber de« MusÄmanen. ' Die jüdische Delegierteoderfammlun» Die jüdische Delegiertenversammlung kann erst tagen, wenn das Land eine Zivilverwaltung bekommen hat, denn wlaage die Mllitärverwaltung herrscht, ist sie nicht erlaubt. Da jedoch schon die Tagesordnung der ersten Sitzungs- Sde festgesetzt ist, so läßt sich bereits einiges sagen. ’t 1 und 2 der Tagesordnung ,/Die politische Situation" und ,/Das Mandat und seine nationalen Forderungen: Lje Grenzen, Bedeutung des Begriffes nationales Heim" gehören nicht auf die Delegiertenversammlung, sondern aus die Tagungen der Zionistischen Organisation. Ausgabe der Delegiectenversammhmg ist zuerst der sozial-kulturelle Aufbau und dann der wirtschaftliche Aufbau der jüdische« Bevölkerung des Landes. verschkedeueS. David Jellin, der bekannte Direktor des Jüd. LHrer-Seminars, ist zum zweiten Bürgermeister von Jerusal-em gewählt worben. . JabotinSkY schrieb aus seiner Hast einen Brief «n die zionistische Leitung, der mit folgenden Worten schließt: „Ohne «ne jüdische Legion für die Landesverteidigung — «in jüdisches Palästina? Die Londoner „Times" schreibt: „Der Litanifluß an der Nordgrenze Palästinas wird berufen sein, Haifa, dem künftigen mittelländischen Hasen, der neuen Bagdadbahn und der Röhrenleitung von den Oelfeldern Mesopotamiens die elektrische Kraft zu liefern." Times verlangt zur Durchführung der großen wirtschaftlichen Aufgaben eine „starke" Regierung, die Ruhestörungen zwischen de» BevölkerungSieUcn Palästinas verhindert. Deutsches Reich. Der Wahlkampf in der Berliner jüdische» Gemeinde. Während sich Misrachisten, Zionisten, Oshnden usw. als „Jüdische Volkspartei" organisierten, uni gegen Assimilation und für Förderung alles Jüdischen und wahrhaft Demokratischen zu wirken, hat Moritz A. Loeb zwischen seinem Verein zur Erhaltung des 'überlieferten Judentums und den Liberalen gegen die Jüdische Bolkspartei ein Kompromiß geschloffen. ^_ Auch die zionistisch-soziale Partei Poale-Ziou hat eine Liste ausgestellt. Listenführer ist der unabhängige sozialistische Dr. Oskar Cohn. Cohn, dessen Persönlichkeit «ich bes seinen politischen Gegnern geschätzt wirb, hat vin lebhaftes jüdisches Interesse. Cohn rst dieser Tage aus Polen Lurückgekehrt, wo er als Mitglied der von Dr. Thomas Shaw und Renaudel geführten internationalen Sozialistischen Untersuchungskommission zum Studium der Judenstage geweilt hat. Uttum* P»«r»»e i« Budapest. « Unter Führung von Offizieren unb Mitgliedern deS Vereins der „Erwachenden Ungarn" zogen Banden nach dem Stadtwald und überfielen die in den Gartenrestaurants fitzenden Juden. Reu» Juden wurden getötet. Litanerr. «tue Mische Nntverfitit. Die jüdische Gemeinde von Kowno beschloß die Erünbung einer jüdischen Universität für Litauen Pole». 8«« wirtschaftliche« Boykott -er Ja-e». Die Vereinigung „Rvzwoj", die bereits vor dem Kriege zur wirtschasllichen Entjubung Polens gegründet wurde, ist, seitdem Polen selbständig ist, der stärkste Faktor der wirtschaftlichen antisemitischen Propaganda, die sie durch ihre bis ins kleinste Dorf verbreitete Konsumentenliga betreibt. Jetzt ist diese Brotneids-Organisation weitergegangen. Sie hat in Warschau mit 50 Millionen eine „Bank für Industrie, Handwerk und Handel in Polen" gegründet. Leiter der Bank ist der sattsam bekannte Abgeordnete Dr. Dymowski. Zweierlei Matz. Die Brüder Israel und Leser Kahan, Herausgeber des ,Lodzer Volksblattes", wurden zu je 'vier Monaten Gefängnis verurteilt. Ihre Zeitung hatte eine „Ein stiller Pogrom" betitelte Notiz aus der Bialystoker Zeitung ./Das neue Leben" abgedruckt, in der gesagt wird, daß die Bialystoker Abteilung des ,Hauptaufsichtsrates" bei der Verteilung von Lebensmitteln an die Bevölkerung von Bialystok der jüdischen Bevölkerung 30<yo, der polnischen 70<y<> der Lebensmittel überweist, wodurch die jüdische Bevölkerung, welche in Bialystok einen weit höheren Prozentsatz bettägt, benachteiligt wird. Das Gericht sah dcäin eine „Agitation gegen staatliche Behörden" (der „Hauptaufsichtsrat" in Lodz ist, wie der Verteidiger ausführte, keine staatliche Institution) und „Aufhetzung eines Teiles der Bevölkerung gegen den anderen." . * - Der ,Lurjer Warszawski" hatte in einer Besprechung der bisherigen Ergebnisse der polnischen inneren Anleihe geschrieben: „Es ist bekannt, daß — besonders in der Provinz — die Juden die polnische Anleihe nicht zeichnen." „Gazeta poranna" zitterte einen Ausspruch des Vizeministers für Hordel und Industrie Rybarski: „Die Juden boykottieren die polnische Staatsanleihe." Der Verband der jüdischen Kaufleute hat gegen diese Worte in seiner Vollversammlung schärfsten Protest eingelegt und statistisch nachgewiesen, daß sie unwahr sind. Von einer Anklage wegen „Aufhetzung eines Teiles der Bevölkerung gegen einen anderen" gegen die beiden Zeitungen und den Bizeminister hat man bislang nichts gehört. »Wiener Morgenztg." Amerika. Die Einwanderung erleichtert. Der Senat hatte alle für die Zett des Krieges getroffenen gesetzlichen Bestimmungen ausgehoben. Das bedeutet auch für me Einwanderung nach, Amerika eine große Erleichterung. Beachten Sie unsere hervorragende Auswahl seidene Strickjacken in den vorteilhafien Preislagen Mk. 290.- Mk. 390— Mk. 490.— Hk. 550.— Rotoinsotm Zeil 127. Kurze politische Nachrichten. Bresla«. Der antisemitilcke Deutkchvölkische Schutz - und Trutzbund, Geschäftsführer Hauptmann Alfred Roth in Hamburg, hatte in einem Flugblatt behauptet, daß der hiesigen Firma C. Lewin für mehr als 41/2 Millionen Mark Kleidungs- und Wäschestücke vom Reichsverwertungsamt im Oktober 1819 geliefert worden seien" und dazu u. a. bemerkt: „Ihr müßt z. B. für einen Mantel 500 Mk. zahlen, den Juden kostete er aber — 2.— Mk." Durch Urteil deS Landgerichts ist dem Trutzbund nunmehr verboten worden, seine lügnerischen Behanptungen zu verbreften. Es handell sich um Altmaterial auf Heeresbeständen, das für die Rotstandsversorgung unter strengster Preiskontrolle instandgesetzt wurde. Prag. Ter Jüdvcke Ratio alr»k bat den 2 Kongreß der tschecho-slowakischen Inden sch «ft auf den 14. und 15. Juni nach Brünn eingerufe». Lemberg Sonmag obend begingen Offiziere und Studenten ans den 'Straßen Ausschreitungen gegen jüdische Passanten. •' Czernowitz Die Wabl Dr. Stranchers ist nickt für den Senat, sondern für die Kammer erfolgt, so daß die Bukowina in die rumänische Kammer zwei jüdische Abgeordnete (Dr. Straucher und Dr. Pistiner) entsendet. Die jüdischen Kandidaturen wurden im letzten Augenblick umgestellt, so daß Dr. Ebner für den Senat kandidiert wurde. Warschau. Der Beschluß der „S ch 10 j m e E m u n e h Israel", des Laichesverbands der Agudas Jisroel, nicht an der allgemeinen jüdischen Hilfskonferenz teilzunehmen, hat die gesamte Mische Presse Dolens in Aufwallung gebracht, da mau erwartet hätte, baß wenigstens aus dem Gebiet der Hilfstätigkeit sich eine Camgkeit HerstellenVetze. Kischiuew. Die brssarabischen Juden traten bei de» Wahlen zum rumänischen Parlament mit eigener Liste aus. An erster Stelle stehen die zionistische» Eührer Rabbiner Zireksohn und Dr. Bernsteinogan. ' Parts. Baron Ednunnd Rothschild überwies der,,J ca" fü nf Milliu neu Franc zu Gunsten seiner Institutionen inPalästina. Buenos AtxeS Hier hat sich ein Komitee zum Schutz jüdischer Einwanderer (Adresse: Comitä de Protection des Jmmigrants israelitis en Argentine, Calle Paso 257) gebildet. Die Einwanderungsbedingungen sind streng; fte sind bei den argentinischen Konsuln der Auswanderungsländer zu erfahren. * Zionistische Nachrichte». Berlin. D»r Hauptkampf auf dem am 20. bis 24 Juni stattfindenden Delegiertentag der Zion. Vereinigung für Deutschland wird der Entscheidung über die Frage gelte», ob ein konsequenter natiomller Zionismus ober ein revisionistischer Zionismus in Deutschland propagiert werde« soll. Die Zione Zion vertritt bas erste, die Freie Zionistische Gruppe das letztere Programm. Uns scheint, daß es sich in Wirklichkeit nicht um eine Verschiedenheit in den Prinzipien, sondern in der Taktik handelt: d. h„ daß auch die meisten der Freien Zion. Gruppe ganze und nicht halbe Zionisten sind — außer bei einigen wenigen. ' London. Hier verheiratete sich Sovhia Sokolow, Tochter N'ahum Sokolows, mit dem bekannten Agrikultur- Fachmann Ingenieur Henry Raczkowski. Aus ver MiSrachi-Beweguug. Wie«. Um für die Palästina-Arbeit Pionier zu, werben, hat die Agudas Jisroel Jugendgruppe beschlossen, eigene „Chaluze Jisroel"-Gruppen zu bilden. Diese Gruppen beabsichtigen, die jungen Leute zu vereinigen, die nach Palästina auszuwandern gedenken und entschlossen sind, in Uebereinstimmung mit dem Religionsgesetze dort von ihrer Hände Arbeit zu leben. Wien Oberrabbinrr Dr. Hosfmann - Radauy sprach au? Einladung des hiesigen Misrachi vor dichtbesetztem Saale. Er faßte seine Worte dahin zusammen, daß nur bei Zusammenfassung der Kräfte des gesamten jüdischen Volles bas gewaltige Werk in Palästina gelingen könne, und daß nur in der zionistischen Organisation der Rahmen für diese Zusammenfassung gegeben sei. Sodann sprach, gleichfalls lebhaft begrüßt, Oberrabbiner Dr. Chajes-Wie». Baden b. W n »uch im sprödem Boden Badens zieht der zionistische Pflüg endlich seine Furchen. Am 8. Mai fand im Sitzungssaals der Kultusgemeinde eine Versammlung statt zwecks Gründung einer zionistische« Ortsorganisation. Dr. Samuel Rappaport hielt, mir geivohnter Meisterschaft eine» Bortrag über Zionismus und Misrachi. Es wurde eine Badener zionistische Ortsgruppe konstituiert und 23 Misrachi-Schekcl abgesetzt. New Kork. Das Exelutiv-Komilee des Misrachi sprach sich für die Vereinigung aller zionistischen ■ Parteien für die Palästina-Arbeit aus, insoweit dadurch nicht die Prinzipien der einzelnen Parteien beeinträchtigt werden. Für die Zionisttsche Jahreskonferenz in London wurden trotz der großen Kosten 10 Delegierte bestimmt. Diese Delegierte sollen u. -a. verlange», daß der künftige zionisttsche Kongreß in Jerusalem oder in Basel, jedoch nicht in Amerika stattfirwe. Perivttattett n. klettte Mitteilunge». Berkin. Max Liebermann ttt zum Präsidenten der Akademie der Künste gewählt worden. Berit«. Die Jsractitiiche Taubstummen- A u st a 1 t des Vereins „Jedide Jlmim" zählt heme 43 Zöglinge, die von Direktor Dr. Reich, fünf Lehrkräften und einer Erziehettn herangebildet: werden. Die seit 43 Jahren bestehende Anstalt, die einzige jüdische Taubstummen-Anstalt Deutschlands, kämpft Heu« mit materiellen Schwierigketten. 1914 waren die Ausgaben noch 49,000 M., 1919 jedoch bereits 120,000 M., und für das laufende Iahe werden sic auf 160,000 M. geschätzt. Forst (Lausitz) Anläßlich des 50jährigen Am lS<- jubiläums ihres Predigers, M. Pulvermann, veranstaltete die hiesige Gemeinde einen Fest-Gottesdienst in der herrlich geschmückten Synagoge. Die Spitzen der städtischen Behörden, die Geistlichen beider christlichen Konfessionen usw. waren anwesend. Der Vorsitzende der Gemeinde, Justizrat Zuckermann und Rabbiner Dr. Schüft an-Görlitz hielten Ansprachen, und der Jubilar erwiderte in einer größeren Rede. In der Wohnung des Jubilars, die völlig einem Rosengarten glich, sprach zunächst der Oberbürgermeister, wie der Jubilar, durch seine öffentlichen Vorträge manches Borurteil gegen das Judentum beseitigte und wesentlich dazu beitrug, daß der Rassenhaß keinen Eingang bei den hiesigen Bürgern fand. Der Gymnasial-Direktor feierte den Jubilar, der nicht nur Religion lehre, sondern auch lebe. Der katholische Pfarrer nannte den Jubilar Stab und Stütze der Religion in dieser bewegten Zeit. Der evangelische Pastor sprach von den ./Drei Ringen", die der Jubilar zu einer Kette hat schmieden helfen, um die hiesige Einwohnerschaft mit Liebe und Eintracht zu um- . schlingen. Es folgten sodann noch Ansprachen settens der Borpände der Chewra Kadischa, des Frauen-BereinS, deS Jugend-Bundes und einer Schülerin der ReligiönSschuk. < t