Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 21 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 21. Meile 2- - j ErnstGuenlherVerlag Crelbnrg in Baden. . Soeben erschien: Anion Fendrich: Preis-Mk. 1.55, bessere Ausgabe Mk. 2.50 e^scbliesslich Teuerungszuschlag. K. bis SO. Tausend. Perds«üteU «. kleine MttteUmrge». BerV« Der Verein zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissen-, schast des Judentums tagte unter Leitung seines" Borstzenden Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Landau. Prof. Dr. ErnstCassirer- Hamburg würdigte Hermann Cohen, dessen Lehrgebäude aus Plato, Kant und den Propheten ruht, und in dessen Persönlichkeit Religion und Wissenschast zu einer neuen, wahrhaft philosophischen Einheit geworden seien. Sanitätsrat Dr. Brasch erstattete den Berwallungsbericht und Dr. Täubler den wissenschaftlichen Bericht. Csä ist je eine geschichtlich^, talmudische und..sprachwissenschaftliche Sektion eröffnet worden. Die größte und not- , wendigste Aufgabe ist die Schaffung einer Bibliotheca Judaica. Diese soll ür loser Aufeinanderfolge die Texte sämtlicher jüdischer Schriften bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts in Ausgaben enthaüen, die dem höchst erreichbaren Maß kNtischer Durcharbeitung entsprechen. Die Aufgabe der Akademie soll nicht 'nur darin bestehen, diese »^Ausgaben anzuregen und zu finanzieren, sondern vor allem die Arbeitsmethoden im engeren Kreise ihrer Mitarbeiter zu schaffen und über den Kreis der von diesen selbst besorgten Ausgaben hinaus über ihre Durchführung zu ^wachen. Hierzu ist auch eine »Kritische Bierteljahrsschrift .für die Wissenschaft des Judentums" vorgesehen. Reben dieser Zeitschrift soll ein besonderes Korrespondenzblatt der Aufgabe dienen, von den Arbeiten der Akademie dauernd Kunde zu geben in einer Form, die imstande wäre, eine« .weiteren Kreis.zu interessieren; ebenso aber auch von "den Oie Rennwette 1920. Voraussichtliche Sieger In Finch* und Hindernisrennen. •_ Preis Mk. 12.— (Porto extra). Unsere Rennpferde 1920 Eine Auskunft über die im Jahre 1920 auf deutschen «Bahnen laufenden Flachu. Hindernispferde. r ' . Preis Mk. 12.— (Porto extra). Vereinigter Sportverlag Abt. B. Berlin B. V. G» . Schiffbauerdamm 19. _gfeae Jüdische Kvche. Arbeiten aller anderen jüdisch-wissenschaftlichen Bereinigungen und Institute. Berit«. Die Abgeordnete An«a tot Gierke und ihr Kater der germanistische Rechtslehrer Otto von Gierke mußten aus der deutschnationalen Partei austreten, da die Gattin Gierkes — Jüdin iftl Hedbernhelm Die Generalversammlung der jüdischen Gemeindss wählte den bisherigen Vorsteher San.-Rat Dr. Goldberg wieder und außerdem Julius May und Siegmund Simon zu Beisitzern. Karlsrahe. Im 70. Lebensjahre verschied Kommerzienrat FritzHomburger, Altersches des Bankhauses Beit L. Hamburger. ' RegenSbnrg. Infolge der erschreckenden Steigerung der Herstellungskosten will di« hiesige Deutsch Israel. Zeitung vorläufig nur zweimal im Monat erscheinen. Bade« (L-chweizi. Advokat Dr. B. Bol lag ist zum Präsidenten des Aargauischen Großen Rates gewählt worden. . Philadelphia. Im Aller von 56 Jahren starb Rabbiner Jvs. Großmann, einer der angesehensten orthodoxen Rabbiner Amerikas. Geboren in Lucknik bei Kowno, besuchte er die berühmte Telser Jeschiwa und wurde — 18 Jkchre all — von Rabbi Jsaac Elchanan zum Rabbiny; ordiniert. Theo *Folm£ Konfitüren und Schokolade 'Steinweg 12_Steinweg 12 Kraukstrrter Berichte. Ausschuß der Jsraelitischeu Gemeinde. Der Ausschuß beschloß, der Jüd.< Wbliothek und Lese- ^rlle neben dem jährlichen Zuschuß von 1500 Mark eine» einmaligen Zuschuß von 5000 Mk. zu gewähren und die Subvention der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin von 1500 Mk. auf 3000 Mk. zu erhöhen.. Für das Aufftellen der Grabsteine soll eine Gebühr von 2—10 o/o (bis 500 Mk. Kosten des Steines 2»/°, bis 1000 Mk. 4<Vo usw.) erhoben werden. Für die Hauptsynagoge ist baldigst ein erster Kantor anzustellen. Die Position „freie Aerztewahl" für einen Teil der 2. Klasse des Krankenhauses wird nach längerer Debatte zur Beschlußfassung bis zur nächsten "Sitzung vertagt. Kleine Rotizea. Die Wandergruppe des Vereins Mvntefiore veranstaltet am Sonntag in sämtlichen Räumen der Frankfurt-Loge ihr diesjähriges Wandergruppensest. Ein gutes Programm wird auch diesesmal die Veranstaltung einleiten. Einlmmng mit Einzelhellen im Annoncenteil. Fm Monat Mai betrug die Besucherzahl der Jüdischen Bibliothek und Lesehalle — Langestraße 33 — 1760, die höchste Ziffer seit Bestehen. Samstags kommen in der Regel 120 Personen. Beim ersten Promenabenkonzert des Frankfurter Orchestervereins in der Friedberger Anlage — nächsten Sonntag 11^4 Uhr — wird ojls drittes Stück eine Komposition von Max Neumann unter dessen persönlicher Leitung gegeben werden. Der literarische Abend der Zionistischen Bereinigung war von 800 Personen besucht. A. 91. Thyssen Stets Eingang MT Baubeiten in Tapetew W Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Ecke Weusfrsuensfarasee. Telefon: Hansa 1784. Fraukfarter Verunstaltungen. Nationaljüd. I n g e n d o r g., Montag 8V«, Frankfurt-Loge: Jungjüd. Abend. — A g. - I i s r. - Iugen dgrüppe, Samstag, 91/^: Gmoro (Dr. Posen), 11 Vi, Mischna (Hirschberg), Sonntag*): Am Jaakauw (Schachnowitz), Montag, Mittwoch, 9 Uhr abd.: Gmoro (Ehrmann), Montag*): Psalmen (Frankenthal), Dienstag, 8 Uhr abends, Samstag, 3y4: Gmoro (Dr. Hofmann), Dienstag*): Teri oscher (Dr. Hofmann), Mittwoch- 8 Uhr abd.: Tsillo (Kaufmann), 83/i: Nwiim (Unna, Kl. Obermainstr. 30), 81/2: Turnen, *): Pirkei Owaus (Ehrmann), Donners tag, 9 abd.: Ausspracheabend, *): Chesez Chajim (L. Oppenheimer), Mädchengruppe, Dienstag, 7 abd.: Jiob (Ehrmann), Turnen, Donnerstag, 6 abd.: Hebräisch (Jelen), Samstag, Schluß Synagoge: Sidravortrag, H1/2: Hirschlektüre, 31/», Thauro (Hirschberg), 5: Gebete (Dr. Hofmann). — Talmud Thora-Verein, Hörsaal Börnepla^ Samstag, Schluß Morgengottesdienst: Schulchan Aruch (Dr. Friedmann), 8^/4: Raschi (Lipinsky), I/4 Stunde vor Nacht: Ein Jakauw >Unna), Sonntag, Schluß Morgengottesdienst: Mischna (Dr. Friedmann), 91/4 vorm.: Schulchan AruH (Lipinsky), Montag, 9 Uhr abends: Newiim (Unna), Dienstag, 8V2 Uhr abends: Mikro (Unna), Mittwoch, 81/2 abends: Chauwaus halewowaus (Dr. Braun), Donnerstag, 8Ve abd,, HermeSweg 27: Gemoro (Unna), Fortbildung f. Knaben, Sanistag, 31/2, Dienstag und Donnerstag, 6 Uhr. Fälschungen von Nahrungsmitteln. Die »^Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiners Deutschlands" schreibt: Der Jahresbericht des Untersuchungsamts für Nahrungs- und Genußmittel des „Allgemeinen österreichisch» Apotheker-Vereins" berichtet über Gewürzsälschungen, deren Kenntnisnahme für religionsgesetzlich geführte Haushal- *) % Stunde vor Maariw. , OI3 TELEFONerrüllh ruche. ALLE Ansprü FRANKFURTER PRIVAT-TELEF0N-GESEll5CHAFT.tr, 3'f coii? FRANKFURT A.M. Fensor 6?5v/5~ t Stempenj«. Roman von Schale« Sleche«. Ans dem Jüdischen bearbeitet vo« Samuel MelfelS. (Fortsetzung.) „Bindet ihr die Hände mll einem Taschentuch," rieten einige, „und quetscht'ihr die Nase! — So! so! Dwosche Malle, etwas fester!" — Man rte& ihr die Hände, netzte die) Stirn, quetschte die Nase,'— «ürdlich kam Ruchele zur Besinnung. Sie öffnete die Augen und blickte scheu um sich. „Geht doch in die Stubel man kann hier nicht atmen!" drängte Mosche Mendel die ganze Gesellschaft mitsamt Dwosche Molke zurück ins erste Zimmer. Aüfsallenberweise leistete. Dwosche Malle keinen Widerstand. ,Mas ist Dir, Ruchele, meine Seel?" fragte Mosche Mendel und beuate fidb über sie. „Ach, Mosche Mendel, es war mir so schlecht, jetzt ist mir wieder gutVjetzt ist wieder alles gut — ich werde Dir später einmal alles erzählen — ich war dumm. Mosche Wendel, aber schlecht bin ich nicht — jetzt ist wieder alles gut —" »Mas sprichst Du, Ruchele? Was ist Dir, meine Teueres' „Sag mal. Mosche Mendel, bin ich Dir wirllich teuer?" « „Dich.'ne Frage! — Du bist eingewurzelt in meinem Heqen — wie eine Heimische' — wie eine »Eigene' bist Du mir — Du wohnst bei mir im.Herzen . . ." Auf andere Weise konnte Mosche Mendel seiner Liebe zu Ruchele Linen Ausdruck geben. Wer in diesen sarb- und klanglosem beinahe komisch wirkenden Worten lag mehr echtes Gefühl ungeheuchelter Liebe als in manchen schöngedrechselten Liebesbeteuerungen zivilisierter Menschenkinder.. ' Zum erstenmal, seitdem sie verheiratet waren, konnte das junge Ehepaar sich ungestört aussprechen. »Hörst Du, Mosche Mendel," sazste Ruchele, nachdem beide bereits das Wichtigste, was sie auf dem Herze« hatten, «»ander gebeichtet hatten, »hörst Du, ich Hab eine Bitte an Dich." »Mas für 'ne Mtte?" „Ich meine, schon genug Lost' gegessen beim Bater. Einige Rubel im Vermögen haben wir auch, Gott sei Dank, wir wollen nach meiner Geburtsstadt Chmelnizk übersiedeln — dott wollen wir 'ein ganz anderes Leben führen als Per — selbständig - sein — unabhängig — Du hast Dein eigenes Heim und bist der Herr im Haus . . ." Mosche Mendel sann lange, lange nach. „Nun, gut! Meinetwegen! Wenn Du willst, soll sein Chmelnizk. Hast am Ende recht. Ewig Lost' essen hat auch keinen Zweck. Und Chmelnizk ist 'ne Handelsstadt." Hochbeglückt umschlang ihn Ruchele mit beiden Armen und preßte ihn an ihre Brust. „Du bist gut. Mosche Mendel, Du bist sehr gut." Während das junge Paar im Halbdunkel sich gegeuseitig anschwärmte, wurde in der Stube von der Gesellschaft ein funkelnagelneues Problem gelöst. Woher kommt es — warf einer die Frage ans —, daß Reb Eisik Naftalis Schnur mit einem Male, so mir nichts dir nichts, in Ohnmacht fällt? Der eine sagte: Wahrscheinlich ein ,/böser Blick"; der andere widersprach dem und meinte, eher schon eine kleine Erkältung; der dritte, ein bejahter Mann, lachte verschmitzt: „Ach was, ich habe drei Schwiegertöchter, ich kenne mich aus in solchen Sachen. Ich sage Euch, 's kommt was — Reb Eisik Natali, seht Euch vor mit Kuchen und Schnqps — und Ihr, Dwosche Malke, soll Euch sein mit Masel — nu, warum denn nicht —»so soll's auch sein — wie Gott hat geboten!" Und Dwosche Malle platzt vor Freude. XV. Ein Jahr später. Wieder an einem Sabbatabend saß die Gesellschaft bei Eifik Nastali um den langen Tisch, auf dem ein kochender Samovar brodelte und dampfte. Im hell erleuchteten Zimmer herrschte noch die sabbatliche Fröhlichkeit. Die Männer rauchten Zigaretten und führten lange Gespräche über Bethhamidraschangelegenheiten, Jahrmärkte, -den Krieg und andere allgemeine und politische Fragen. Dwosche Malke saß in . einer Ecke und seufzte. - , „Ich versteh nicht, Dwosche Malle," wandte sich zu ihr Reb Bär, ein rundbäuchiger Mann mll fröhlichem Antlitz, „wie ich leb', ich verstehe nicht, daß Ihr, ein« so fromme Jüdin, am Schabbesabend traurig seid! Das darf nicht sein." „Ach, was wißt Ihr, Reb Bär," entgegnete Dwosche Malke, die Nase schneuzend. .Mas wißt Ihr, was für 'ne stille Taube Ruchele ist! Sie war das schönste Schmuckstück in meinem Hause. Und 'jetzt? Sie in Chmelnizk und wir hier. Und ich habe geglaubt, sie wird ewig in meinem Hause sein." „Ewig? Wie könnt Ihr, eine fromme Jüdin, nur so sprechen? Nichts ist ewig auf dieser Well. Ewig ist nun der eine Gott, sonst ist.stlles Mist. — Nun, was ist dabei? I» Chmelnizk wohnt derselbe Gott wie Mazepewka. Eigentlich wundert's mich, Reb Eisik Nastali, daß Ihr habt die Kinder wegfahren lassen. Im ganzen ein Jahr Kost' gegesse«, eigentlich unerhört!" ,Mas nützt mir alles dies?" meinte darauf Eisik Naftali, „alles muß mal ein Ende haben. — Dwosche Malle, gib lieber den Brief her» den Mosche Mendel geschrieben! hat! — So, da habt Ihr ihn, Reb Bär, lest ihn» ich bitt Euch, vor!" Reb Bär zeigte auf eineu jungen Mann, der neben ihm saß. „Er wird lesen. Er liest hebräisch geläufig, wie Wasser fließt." Der junge Mann nahm den Brief und begann vorzulesen: „Friede und alles Gute meinem lieben Bater, dem Weisen und thorakundigen Herrn Eisik Nastali, Soh» des Mosche Jossef, sein Andemen sei gesegnet, und meine« ftommen Mutter, dem biederen Weib, Frau Dwosche Malle,. Tochter des Menachem Mendel, sein Andenkttl sei gesegnet, und allen Angehörigen Friede! Wie leuchtender Sonnenschein aus düsterem Gewölk hervorbricht in der Bläue des Himmels, und wie aus unendlichen Höhen, aus Himmelsfenstern Las reine Licht sich ergießt, so . . ." „Nein, nein!" schrien' alle, „das nicht! Das ist nur so eine hebräische Einleitung- Poesie, .jüngelsche' Sachen^ Narrischleiten. Lest lieber dcG auf der andern Seite!"- (Schluß' folgt.) -